Hersfel-erTageblatt
MiSMyrUe 50 Pfennig. (Vrunoschrist Korpus). Net MeLeryolungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. ♦ Zür die Schristleitung verantwortlich : Kranz Kunk in Hersfelö. ♦ Kernsprecher Nr.
Nr. 305
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö
Mittwoch, den 3). Dezember 1930
MonatlicherBezugsprel«: Dutt
Reichs-Mark, ausschließlich &,._..,....
1-20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1-00 Reichs-iTTarf. ♦ druck und Verlag von Luowig Kunks Vuchöruckerel in tzersfelö, Mitglied des VDZV. --------------------—h 5
80. Jahrgang
n
Warschau blufft Genf!
Wie Polens Innenminister Ostoberschlesien inspizierte — Natürlich ist alles in Ordnung —
Der Deutsche Volksbund ist der Sündenbock
Kilt Fahr ZWenpslitil
Das Jahr 1930 war eines der sorgenvollsten Jahre seit der Stabilisierung. In manchen politischen Kreisen ist man der Meinung, daß es den Schlußstrich unter die parlamentarisch-demokratische Entwicklung der letzten 12 Jahre gezogen habe. Wenn wir sachlich-kritisch das Ergebnis dieser Entwicklung genau prüfen und die Erscheinungen in Rücksicht ziehen, die es im Gefolge hatte, dann wird man kaum traurig darüber sein können, wenn wir jetzt einer neuen innerpolitischen Entwicklung entgegengehen sollten. Es mag hier unerörtert bleiben, in welchem Umfange das parlamentarisch-demokratische Regime schuld ist an der Lage, in der sich das deutsche Volk "gut Zeit befindet. Völlig schuldlos ist es nicht, denn gerade dieses Regime war es, das unser Wirtschaftsleben in einer Weise belastete, daß es nun vor der Frage Sein oder Nichtsein steht. Auf jeden Fall wird eine neue Entwicklung unserer innerpolitischen Verhältnisse eine Entlastung der Wirtschaft bringen müssen.
Wenn wir aber ehrlich sind, werden wir nicht übersetzen können, daß die ungeheuer schwierige Wirtschaftslage Deutschlands stark beeinflußt wurde von der Weltwirtschaftskrise, wodurch als Auswirkung der Arbeitslosigkeit die sozialen Lasten ins Grenzenlose wuchsen und das finanzielle Gleichgewicht im Reichshaushalt ins Wanken geriet. Wir sind noch nicht am Ende dieser Entwicklung, und es steht keineswegs fest, welche Methoden und welche Männer hier die Wendung zum Bessern bringen werden. Es ist leicht gesagt, daß alles anders gekommen wäre, wenn andere Männer an der Spitze der Regierung standen. Wir haben nicht einmal, sondern verschiedentlich gerade auch im letzten Jahre den Fall erlebt, daß Männer und Parteien zu verantwortlicher Mitarbeit, zur Lösung der innen- und . oußennnlNUchen KMe ^vH^ef»-' K7 Archen, die aber dan- < 'Mld äbleWen,""vielfach mit der Begründung, daß ihre Zeit noch nicht gekommen sei. So treibt man keine Politik, so treibt man nur Propaganda. Wenn man berücksichtigt, daß die Dinge in Amerika und. England fast genau so schlimm liegen, daß man jetzt auch im goldübersättigten Frankreich sich ernstlich mit Fragen der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit beschäftigt, daß man in U. S. A. sogar erwägt, zum Fünfstundentag Überzugehen, damit die Arbeitslosen Beschäftigung finden — dann sieht man die Größe des Problems. Man täusche sich nicht: mit theoretischen Be- Hauptungen und unerprobten Rezepten ist eine Krise wie die jetzige nicht zu beheben. Die Lösung liegt in der Richtung: Entlastung der Wirtschaft» Verbilligung der deutschen Produktion zur Schaffung neuer Kaufkraft und neuer Ar- beitsmöglichkeit.
. Von solchen Sorgen ist das Regierungsschiff Hin- und hergeworfen worden^ Die sogenannte große Koalition wurde nach der Annahme des Poungplanes und nach der Sicherung der Rheinlandräumung zu einer kraftlosen und unpopulären Erscheinung. Die Sozialdemokratie trennte sich von ihr ohne Schmerz, und die bürgerlichen Parteien bedauerten diese Trennung nicht. So kam Ostern 1930 die Regierung B r ü n i n g. "Sie brächte alsbald die erste Notverordnung heraus, der sich aber im Sommer eine parlamentarische Mehrheit entgegenstellte. Sozialdemokraten, Kommunisten und Deutschnationale veranlaßten so die Auflösung des Reichstages und Neuwahlen, die eine Warnung an das Ausland und an das Inland bedeuteten. Denn dem Ausland mußte es deutlich werden, daß die Verweigerung deutscher Lebensrechte zu einem hochgespannten Nationalismus in Deutschland treiben muß. Manchen Kreisen im Inland aber wurde erkennbar, daß die sozialistische S t r ö m u n g so stark geworden ist, daß sie die große Mehrheit des Reichstages umfaßt. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umschichtungen, die in den letzten Jahren vor sich gingen, wurden sichtbar.
Es ist das Kennzeichen des nachfolgenden parlamentarischen und innenpolitischen Kampfes, daß die Sozialdemokratie der Regierung Brünng den angesagton Kampf nicht lieferte und zwar, wie sich sehr bald ergab, weil sie selber um ihre Machtstellung in Preußen ringt. Es erscheint fast grotesk, daß im Reich die Sozialdemokratie in Opposition zur Regierung steht, in Preußen aber ohne Rücksicht auf die inzwischen eingetretene Umgruppierung der Wählermassen ihre Personal- und Kulturpolitik weiterführt. Hier dürfte das neue Jahr eine Klärung bringen. Die Reichsregierung ging inzwischen mit Hilfe der Dezembernotverordnung an die Lösung der drängendsten Finanz- und Wirtschaftsfragen. Es ist hier noch kein Abschluß erreicht, überall ist nur erst ein Anfang gemacht und wenn man die Entwicklung, sei es aus dem Gebiet der Steuer-, Preisabbau- und Lohnsen- kungspolitik, sei es auf dem Gebiet der Landwirtschaftsund Osthilfe, sei es auf anderen Reformgebieten, überblickt: zu allzu großem Optimismus besteht keinerlei Anlaß. Ebensowenig Anlaß liegt aber vor zu einem verheerenden Pessimismus, wie er sich da und dort bemerkbar macht.
Wenn man noch einen Blick auf das deutsche Parte i w e s e n werfen will, dann ergibt sich die Feststellung, daß das Jahr 1930 hier zum Teil grundlegende Veränderungen gebracht hat. Manche Gruppen sind verschwunden, andere sind stark vermindert und wieder andere in Spal
tung und Umgestaltung begriffen. Die stärkste parteipolitische Erscheinung aber war das flutartige Anwachsen der nationalsozialistischen Wählerschaft. In dieser Bewegung liegt etwas Elementares, etwas, was nicht nur nach Geltung, sondern nach Ordnung und Disziplin drängt, etwas, was aus Herz und an das nationale Gefühl pocht, was in den rückliegenden 12 Jahren leider von den meisten Parteien zu sehr übersehen oder vernachlässigt worden ist. Die deutsche Jugend will ein Ideal, ein nationales Ziel haben, sie lehnt die Auswüchse parteipolitischen Lebens und parteipolitischen Regierens ab. Es wird an dieser Bewegung noch manches zu verbessern sein, damit sie, zur Verantwortung berufen, nicht neue Erschütterungen auslöst, sondern mithilft, dem deutschen Wollen einen klaren Weg zum Aufstieg zu suchen.
Das ist überhaupt das Hauptergebnis innerpolitischer Entwicklung des Jahres 1930, daß das deutsche Volk in seiner übergroßen Mehrheit sich wieder bewußter zum n a- tionalen Gedanken bekennt. Wenn uns zur Zeit auch das rein Materielle bedrückt und auch lange noch besckäfti- gen wird, so ist doch klar erkennbar, daß im deutschen Bürgertum und in der deutschen Arbeiterschaft das Seelisch-Geistige. das National-Kulturelle auswärts drängt, weil sie freikommen wollen von internationaler Bevormundung jedweder Art, weil sie sich wieder darauf besinnen, daß Deutschland in der Welt eine Mission zu erfüllen hat und weil sie wissen, daß überall — im Ausland wie im Inland — Kräfte am Werke sind, um deutsches Wesen und deutsche Tatkraft zu zerrütten.
Wohin der Weg? Gewiß nicht in rosige Tage. Es wird Kämpfe geben, Stürme werden toben. Aus der Bewegung ak^ wird sich das Wertbeständige herausheben, weil es im KeM gesund, weil es im Wollen klar, weil es in der Methode ' >.urchführbc ^,L bi»f->-^ Einsatz muß Deutschland Wieder zur Kraft, zur Ruhe, zur Arbeit, zu Macht und Freiheit gelangen. Diese Erkenntnis mag das scheidende Jahr für das kommende Jahr bedeuten, das hoffentlich einem glückhafteren Ziel zustrebt.
Wellbilanr der Brbrit;!s!igkeit
Arbeitslosigkeit — das Problem des deutschen Volkes. Aber auch sämtliche anderen Länder haben große Sorgen auf diesem Gebiet. Arbeitslosigkeit ist, wie die Wirtschaftskrise, ein internationales Problem. Das Statistische Reichsamt hat aus 29 Ländern die Angaben über den Umfang der Arbeitslosigkeit gesammelt, und es ergibt sich daraus, daß in den 29 Ländern, für den Herbst 1930, mindestens 14 Millionen Menschen, gegen 7,5 bis 8 im Vorjahre, erwerbslos waren. Die Wellwirlfchafkskrists hat also in einem Jahre 6 bis 6,5 Millionen Arbeitskräfte aus dem Wirkschaftsprozeß ausgegliedert und brachgelegt.
Daß Frankreich als einziges großes Land so gut wie keine Arbeitslosigkeit hat, wird amtlich nicht nur mit der verhältnismäßig günstigen Wirtschaftslage, sondern auch mit der besonderen Eigenart der französischen Bevölkerungsstruktur und ihrer geringen Wachstumsbewegung erklärt.
Die größte Zunahme von Erwerbslosen seit Anfang 1930 zeigt nicht Deutschland, sondern findet sich bei Großbritannien, dem Australischen Bund und den Vereinigten Staaten.
Nur durch die ungünstige Entwicklung in den letzten Monaten ist Deutschland, nach dem Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtbevölkerung, an die erste Stelle gerückt. Nunmehr sind in Deutschland 5,7 Prozent der Gesamtbevölkerung erwerbslos, in Großbritannien 5,2 und in den Vereinigten Staten 4,9 Prozent.
Betrachtet man das Zahlenbild im einzelnen, dann zeigt sich, daß im September 1930 gegen den September 1929 in einigen Ländern eine geradezu erschreckende Zunahme der Erwerbslosigkeit zutage trat. In Deutschland steigerte sich die Zahl der Arbeitslosen in dieser Berichtszeit um 127 Prozent auf 3 004 275, in Rumänien aber beispielsweise um 656 Prozent auf 39 110, in Belgien um 578 Prozent auf 23 693, in den Vereinigten Staaten um 128 Prozent auf 5,7 Millionen. Bei der letzten Ziffer sei erwähnt, daß sie in USA. selbst heftig umstritten ist. ,
Die amerikanischen Gewerkschaften rechnen mit fast 10 Millionen Erwerbslosen.
In der Tschechoslowakei wird eine Zunahme um 204 Prozent auf 104 554 gemeldet, in den Niederlanden eine solche um 167 Prozent auf 31 972, in Kanada um 160 Prozent auf 18 600. Nur aus einigen wenigen Ländern wird für die Berichtszeit eine Minderung der Erwerbslosenziffern berichtet, so aus Jugoslavien ein Rückgang um 9 Prozent aus 5 973, aus Lettland ein solcher von 7 Prozent auf 1 470 und aus Sowjetruhland ein solcher um 52 Prozent auf 633 400.
Der Beschäftigungsart nach entfallen die meisten Erwerbslosen in Großbritannien auf den Kohlenbergbau (283 597), in Italien auf die Bauindustrie (110 305), in Schweden auf die mechanische Industrie (6 894), in der Tschechoslowakei auf die Textilindustrie (16 731), in Polen auf die Textilindustrie (18186) und in Oesterreich auf die Eisen- und Metallindustrie (40187).
Bolens EnNaktungs-oUAsive
»Richt Deutsche — Polen sind in Oberschlesien die Opfer"
Kattowitz, 31. Dezember.
Die polnische Regierungspresse beschäftigt sich sehr eingehend mit der Grenzlandreise des Innenministers Sklad- kowski, in deren Verlauf der Minister die Ortschaften be- - sucht hat, in denen sich Gewaltakte gegen die deutsche Minderheit während der Wahlzeit ereignet haben. Die Regierungsblätter nehmen die Gelegenheit wahr, ihren Propagandafeldzug fortzusetzen, und erklären, daß es dem Minister gelungen sei, „die deutschen Alarmnachrichten über die polnischen Gewaltakte zu demaskieren".
Der Minister habe mit den Geschädigten überall in polnischer Sprache verhandelt. Der Volksbund habe kein Recht, im Namen von Leuten, die einwandfreie Polen seien, die Oeffentlichkeit aufzuhetzen. In Golassowih sei dem Minister von einigen älteren Bürgern erklärt worden, daß sich dort die politischen Verhältnisse nur infolge der agitatorischen Tätigkeit des Pastors Harlfinger zugespitzt hätten. In Hohenbirken habe der Minister fesigeslellt, daß der dort miß- ; handelte Vertrauensmann des Deutschen Volksbundes, Reu- । gebauer, ein bezahlter Agitator des Volksbundes sei. In I Sohrau habe der Minister einem Polizeibeamken, der angeb- \ lich von Deutschen schwer mißhandelt worden war, ein Weihnachtsgeschenk von 500 Zloty überreicht; die übrigen Geschädigten seien aber leer ausgegangen.
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Durchführung her Drientierungsre.se
i Art her Vererb,' : H ।,a r.nr bi-st?7^ Mku:sie rÄL"^! Oberschlesien lassen deutlich erkennen, daß hiermit e <„ ~ tischesZiel verfolgt wird. Der amtliche polnische Pressebericht hebt mit besonderer Betonung hervor, daß der Minister sich mit den Geschädigten überall in polnischer Sprache unterhalten habe, und daß die angesprochenen Bürger keinen Zweifel darüber gelassen hätten, daß die zugespitzten politischen Verhältnisse eine Folge agitatorischer Tätigkeit bs$ Deutschen Volksbundes seien. Zunächst ist festzustellen, daß selbstverständlich in einem mischsprachigen Gebiet der einfache Mann, wenn er von einem Minister polnisch angeredet wird, es nicht wagen wird, in anderer Sprache zu antworten. Zum anderen steht fest, daß dem Minister in verschiedenen Orten nur Leute vorgestellt wurden. die man zwar als Deutsche ausgab, die in Wirklichkeit sich aber nie zur deutschen Minderheit bekannt haben. Somit ist nicht verwunderlich, daß Skladkowski die Rückreise nach Warschau antrat in der Ueberzeugung, daß „alles in b e st e r O r ü n u n g" sei Der amtliche polnische Bericht verschweigt aber, daß dem Minister bis heute noch nicht der telegraphische Protest der deutschen Wahlgemeinschaft oor- gelegt worden ist und ebenso, daß bei der Auswahl der dem Minister Dorgeftenten Leute eine Besprechung dieses Protestes nicht möglich wurde.
Von italienischer Seite erhält man jetzt die interessante Mitteilung, daß m Verbindung mit dem berüchtigten Za- leski-Jnterview über die deutsch-polnischen Beziehungen überall im Ausland eine außergewöhnlich starte antideutsche Presse propaganda eingesetzt hat, die von Warschau und Paris ausgeht und die der nicht unmittelbar an dem französisch-polnischen Machtblock in Europa interessierten Auslandspresse von „neutralen" Plätzen und Korrespondenzen übermittelt wird. 'Mit der Feststellung des „Ergebnisses" des polnischen Ministerbesuches in dem Terrorgebiet wird sich diese Propaganda noch verstärken. Die französische Presse überschlägt sich jetzt schon in Verdrehungen und Entstellungen der Sachlage und läßt damit deutlich erkennen, daß von amtlicher französischer Seite die Parole ausgegeben worden ist, Stimmung gegen die deutsche Protestaktion zu erzeugen. Selbst die geplante Reise des Kanzlers und die bereits stattgefun- . bene des Außenministers nach Ostpreußen und Oberschlesien, , ' werden von der französischen Presse benutzt, um Deutschlands / Stellung in dem deuksck-polnischen Konflikt zu erschüttern, / In einem französischen Blatt heißt es z. B., daß die bevorstehende Kanzlerreise lediglich den Zweck habe, „die Landbevölkerung zur pangermanistischen Propaganda anzu- feuern", da man in Berlin erkannt habe, daß die Zeit in v Oberschlesien, im Korridor und selbst in Ostpreußen gegen, : Deutschland arbeite.
Aus alledem ist ersichtliche daß es in Genf bei der Behandlung der polnischen Terrorakte zu sehr heftigen Auseinandersetzungen kommen wird, wobei sich Deutschland einer geschlossenen Front der französisch-polnischen Allianzen gegenübersehen wird.
Die Opfer von Breß-MoM in Freiheit
Mit der Haftentlassung des Abgeordneten Dubais und des früheren Abgeordneten Vaginski sind nunmehr alle pol- / nischen Politiker, die in Brest-Litowsk interniert waren, auf^ , freien Fuß gesetzt. Auch der ukrainische Abgeordnete Kohut , J wurde gegen Bürgschaft aus dem Gefängnis entlassen. Eine M Reihe weiterer ukrainischer Abgeordneter befindet sich noch M im Lemberger Untersuchungsgefängnis. ,y|