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HersfelöerTageblatt

Nr. 299 Montag, den 22. Dezember 1930 so. Jahrgang

Nachlaß gewährt. Zür die Schr »örtlich: Kranz §unk in HersfelS.

itang verant- Sprecher Nr.

Hersfelöer Krersblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Vtzugsprels: durch 61t Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für fiersftl6 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, flir Bbhol« 1.00 Beichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

Vorbereitungen für Genf

Curtius sichert den schwergeprüften Oberst Die VSerschlelie» - Fahrt Turtiur'

Berlin, 21. Dezember.

Reichsaußenminister Dr. Curtius stattete in Fortsetzung seiner Informationsfahrten nach dem deutschen Osten am Wochenschluß Oberschlesien einen Besuch ab. In seiner Be­gleitung befanden sich u. a. der bisherige deutsche General­konsul in Kattowitz, Freiherr von Grün au, in Gleiwitz trat auch der deutsche Konsul I l l g e n vom Kattowitzer deutschen Generalkonsulat zur Begleitung hinzu. In Oppeln wurde der Minister vom Oberpräsidenten Dr. L u k a s ch e k begrüßt. Der Minister begab sich zunächst in das Haus .,Oberschlesien", wo die erste Fühlungnahme mit den Ver­tretern der oberschlesischen Bevölkerung stattfand.

Etch m die BßtjWer

Dr. Curtius hat aus Anlaß feiner Oberfchlesien-Reise der oberschlesischen Bevölkerung durch dieOstdeutsche Mor­genpost" folgenden Gruß übermitteln lassen:

Es ist ein Bedürfnis, dem schwer ringenden Grenz- land Oberschlesien einen Besuch abzustalten. Die Leiden, die die Bewohner des uns entrissenen Gebietes während der vergangenen Monake zu erdulden hatten und die bei der engen Verbundenheit mit dem Mutterland auch die Geduld der Bevölkerung Oberschlesiens auf eine harte Probe stellten, haben die Reichsregierung in ihrem Be­streben, den Schutz der deutschen Minderheiten zu sichern, aufs neue bestärkt. Die Deutschen diesseits und jenseits der Osigrenze dürfen versichert fein, daß es mein heißes Bemühen sein wird, den Völkerbundsrat von der Rot- wendigkeit zu überzeugen, daß den geschädigten und miß­handelten Deutschen in Polen volle Gerechtigkeit wider- ^^^^-r^ fährt »ub daß die durch den Vertrag zugesicherle Schah- pflicht nicht weiter verletzt werden darf. Ich freue mich, durch meinen Besuch zum Ausdruck bringen zu können, daß ich mich der Provinz Oberschlesien, die ich heute zum ersten Male betrete, nicht nur politisch, sondern auch menschlich auf das engste verbunden fühle.

Oppeln, 22. Dezember.

Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s ist am Sonnabend­nachmittag mit seiner Begleitung hier eingetroffen. Im Ober­präsidium fand eine längere Aussprache mit den Vertretern aller Bevölkerungskreise statt.

Abends nahm Dr. Curtius an einem parlamentarischen Abend der Deutschen Volkspartei teil und trat gegen 23 Uhr die Rückreise nach Berlin an.

Derrtsche MinderheiLsAmgehörige müssen büßen

Kallowih, 22. Dezember.

Den acht Verhafteten wegen desZwischenfallsin G o l a s s o w i tz, die sich im Kattowitzer Untersuchungsge­fängnis befinden, ist durch die Staatsanwaltschaft die An­klageschrift zugestellt worden. Diese wirft ihnen schwere Kör­perverletzung mit tödlichem Ausgang vor. Weiter heißt es in der Anklageschrift, daß die Angeklagten sämtlich der deutschen Minderheit angehören. Die Verhandlung soll in der ersten Hälfte des Januar stattfinden.

Korfanty freigelassen.

Warschau, 22. Dezember.

Der oberschlesische Abgeordnete Korfanty ist auf freien Fuß gesetzt worden. Die Freilassung Korfantys er­folgte auf Grund des Beschlusses des oberschlesischen Sejm, der Einstellung des Strafverfahrens und Haftentlassung forderte.

Die Sozialisten für Steeg

Paris, 22. Dezember.

Bei einer Veranstaltung der Radikalen in Rennes betonte der Abgeordnete Montignydie Notwendigkeit der Unterstützung der Sozialisten für das Kabinett. Die französi- chen Sozialisten müßten sich in dieser Hinsicht an den deut- chen Sozialisten ein Beispiel nehmen. Wenn sie aber das Kabinett Steeg ihrem doktrinären Vorurteil opfern wollten, o würden sie den Radikalen bewiesen haben, daß diese die republikanische Konzentration erweitern müßten, um eine Entspannung herbeizuführen.

3m Zeichen der MeiMMm

Umgehende Senkung der Postgebühren geplant

Berlin, 21. Dezember.

Aus Kreisen des Reichspostministeriums wird mitge­teilt, daß die Reichspost, die in ihrer Vorlage über die Herabsetzung der Postgebühren den 1. März 1931 als Ter­min der Herabsetzung in Aussicht genommen hat, bemüht sein wird, die Gebühren schon zu einem früheren Termin herabzusetzen. Die endgültige "^ scheidung über die Ge- bührenfrage wird der Posloe mgerat trAien der im Januar zu einer Tagung y:k. :.'°.7M.

esiern zu, daß alles geschieht, um ihnen in

MlschewUemWrsMrm für Spanier!

Was General Berenguer über die Hintergründe der spanischen Unruhen sagt

Paris, 21. Dezember.

ImMatin" wird der Inhalt einer Unterredung mit dem spanischen Ministerpräsidenten General Berenguer über die Lage in Spanien wiedergegeben. Der General verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß er Diktator sein wolle. Im Ge­genteil, er wolle die Diktatur abbauen. Die Wahlen sollen sehr schnell ausgeschrieben werden, damit die Gegner des Re­gimes festellen können, wie groß in Wahrheit ihre Anhän­gerschaft ist. Wenn die allgemeinen Wahlen verzögert wür­den, so fei das einzig und allein ihre, nicht Berenguers Schuld. Wenn die Truppen revoltieren und gefährliche re­volutionäre Elemente am Werke feien, müßten natürlich der Belagerungszustand verhängt und auch die Zeitungen kon­trolliert werden. Ein Vergleich mit der Lage von 1873 sei nicht möglich, weil es damals weder eine 3. Internationale noch Sowjets gab.

Die heutigen Republikaner hätten ohne Kenntnis der Gefahr mit linksgerichteten, direkt von Moskau aus or­ganisierten und geleiteten Elementen, deren Hauptquar­tier in Barcelona sei, paktiert. Man könne ihnen nur raten, das zu lesen, was Leo Trotzki, der nach seiner Ausweisung aus Frankreich mehrere Monate in Spa­nien zugebracht hat, geschrieben habe, nämlich, daß Spa­nien nächst Rußland das am besten für den Bolschewis- i mus vorbereitete Land fei und daß die Republikanische Partei sich täusche, wenn sie glaube, eine Revolution würde zu ihren Gunsten ausgehen.

Um eine Republik zu gründen, benötige man eine zahlreiche, vermögende und gut organisierte Bürgerklasse. Notwendig sei auch eine unter dem größten Teil der Bevölkerung weit­verbreitete Kenntnis der Bürgerplichten. An dem Tage, an dem Spanien diese Trümpfe in der Hand haben werde, werde es zwischen der Monarchie und der Republik wählen können, ohne Gefahr zu laufen, in Anarchie oder Bolsche­wismus zu verfallen.

Auch das spanische Fliegerkorps revolutionär?

Madrid, 22. Dezember.

Es wird hier als seltsam bezeichnet, daß bei der Be­schießung der in Jaca verschanzt gewesenen Aufständischen keine Verluste zu verzeichnen gewesen seien. Bemerkens­wert sei auch, daß die Flieger, die sich weigerten, sich den Aufständischen anzuschließen, doch gegen diese nichts unter­nommen hätten. Es fei daher die Auflösung des gesamten Militärsliegerkorps geplant.

Die geflüchteten Fliegeroffiziere verlassen Portugal.

Lissabon, 22. Dezember.

Die nach Portugal geflüchteten spanischen Flieger haben, wie bereits gemeldet, die Erlaubnis erhalten, Portugal zu verlassen. Major F r a n c o und der Monteur R a d a ha­ben sich Pässe für Frankreich, Deutschland, Argentinien und Uruguay, General d e l L a n o einen solchen für Frankreich, Belgien und Deutschland ausstellen lassen. Die übrigen spa­nischen Fliegeroffiziere beabsichtigen, sich in verschiedene europäische Länder zu begeben.

Der Bukarester JwischenfaÜ deigelegt

Es war nur ein Mißverständnis.

Bukarest, 22. Dezember.

Vor einigen Tagen berichtete die rumänische Presse über eine Differenz, die zwischen dem deutschen Gesandten von Mutius und dem Chefredakteur der BukaresterEpoca", Gregor Filipesku, entstanden war, der sich durch eine Wendung eines vom Gesandten an das Bukarester Tageblatt gerichteten, dem Adressaten offenbar entwendeten Privat- briefes beleidigt gefühlr hatte. Nach einem nunmehr vom Büro des Ministerpräsidiums herausgegebenen Kommunique ist der Fall als auf einem Mißverständnis beruhend beigelegt worden.

Der neue Schuppenspeicher des Stettiner Hafens. Dieser gewaltige Neubau von 210 Metern Länge ist aus Eisenbeton errichtet, der die neuartige Anbringung von weit- ausladenden Kränen auf dem Dach des Speicher gestattet

Gens Gerechtigkeit wie-ersahren zu lassen

Die Welt im Kampf mit der

Wirtschaftskrise

Einigung über die Arbeitszeit im Bergbau?

Paris, 22. Dezember.

Im Pariser Büro des Internationalen Arbeitsamtes fanden Besprechungen über die Arbeitszeit im Bergbau statt, an denen Vertreter der englischen, französischen, belgischen, polnischen und deutschen Regierung teilnahmen. In gewis­sen Punkten, besonders in der Frage der normalen Zeit­dauer eines Arbeitstages, sollen die Regierungsvertreter ihr Einverständnis festgestellt haben.

Saarländische Schwerindustrie fordert Lohnabbau von zwölf Prozent.

Saarbrücken, 22. Dezember.

Zwischen Gewerkschaftsvertretern und Generaldirektoren der saarländischen Schwerindustrie fanden vor der Regie- rungskommission Verhandlungen über die von der Schwer­industrie geforderte Tarifkündigung statt. Die Verhandlun­gen verliefen ergebnislos, da die Gewerkschaften den von der Schwerindustrie geforderten zwölfprozentigen Lohn­abbau als völlig untragbar abgelehnt haben. Es soll der Schlichtungsausschuß angerufen werden.

Die Streikgefahr in England beseitigt?

London, 22. Dezember.

Die Vertreter der Bergarbeiterverbände der Grafschaf- ten Lancaster und Ehester haben den Entwurf des nationalen Industrieamtes für eine vorläufige Verteilung der Arbeits­stunden auf zwei Wochen (Spreadover-Plan) angenommen. Nach Ansicht der zuständigen Kreise bedeutet die Annahme dieses Planes das Ende der Streikgefahr in der Industrie, da sie dem Plan die Mehrheit in der ganzen Nation sichere.

wie Amerika sich selbst helfen kann.

Washington, 22. Dezember.

Im Weißen Hause beabsichtigt man, im kommenden Jahre ungefähr 700 Millionen Dollar für öffentliche Arbeiten zu beantragen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Ein von Hoover unterzeichnetes Gesetz stellt zur Unterstützung der infolge der Dürre notleidenden Landwirte 45 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die Verhandlungen im Westdeutschen Zementverband vertagt

Berlin, 22. Dezember.

Die Verhandlungen über die Verlängerung des West­deutschen Zementverbandes konnten infolge der außerordent­lichen und zahlreichen Schwierigkeiten auch am Sonnabend noch nicht zu Ende geführt werden. Infolgedessen ist in vor­gerückter Stunde beschlossen worden, die Fortsetzung der Be­sprechungen auf den 29. Dezember zu vertagen.

Frieden Mische» Reich in6 Thüringen?

Reichswehrgutachten in der Frage Reichsbanner-Gera.

Berlin, 21. Dezember.

Auf die Einladung zu Vergleichsverhandlungen'in dem Konflikt zwischen Reich und Thüringen wegen der Polizei- kosteyzuschüsfe begibt sich Reichsinnenminister Dr. Wirth am Montag persönlich nach Leipzig, und zwar in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Zweigert und des Ministerialdi­rektors Dr. Menzel. Die Vorverlegung dieses ursprünglich für den Januar 1931 geplanten Termins wird in politischen Kreisen dahin gedeutet, daß versucht werden soll, den ganzen Konflikt so rasch wie möglich auf friedlichem Wege aus der Welt zu schaffen. Es handelt sich bekanntlich um die Sper­rung der Polizeigelder für Thüringen durch das Reichs­innenministerium. In der Presse ist verschiedentlich be­hauptet worden, daß auf das Reichsinnenministerium vor allem von volksparteilicher Seite eingewirkt worden sei, um diese leidige Angelegenheit möglichst bald zu liquidieren. Dr. Wirth soll wegen dieses Druckes, der sich auch innerhalb des Kabinetts bemerkbar gemacht haben soll. mit Konse­quenzen gedroht haben, eine Behauptung, die bisher von kei­ner Seite bestätigt worden ist. Die Rücktrittsabsichten Wirths wegen des Streitfalles mit Thüringen find jedenfalls ent­schieden dementiert worden.

Kein Verbot der Veichsbannergruppe Gero?

, Inzwischen ist das Schreiben des thüringischen Staats- mmisters Dr. Frick wegen des thüringischen Antrages auf Verbot der Geraer Reichsbannergruppe im Reichsinnen- mmisterium eingegangen. Wie verlautet, soll Dr. Wirth auf dem Standpunkt stehen, daß das bisher von Thüringen mit­geteilte Material zur Begründung des Verbots der Reichs- bannergruppe nicht ausreichend sei. Er hat aber das Thü­ringer Beweismaterial dem Reichswehrministerium zuge­leitet mit der Bitte, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ^in Verbot auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen über militärische Uebungen gegeben sind.