Einzelbild herunterladen
 

Wieder ZentralardeikgemeiMalt?

Skegerwalds Plan zur Arbeitsbeschaffung.

# In der Oeffentlichkeit hat die Bemerkung des Reichs- arbeitsministers Dr. Stegerwald in feiner Düsseldorfer Rede über die jetzt gekommene Stunde des Reichsverbandes der deutschen Industrie, der Vereinigung der Arbeitgeberver- bände und der Spitzenverbände der großen Gewerkschaften einiges Aufsehen erregt. Man fragt sich, was der Minister damit habe sagen wollen. Für eingeweihte Kreise kommt diese Andeutung weniger überraschend, weil man seit langem weiß, daß Dr. Stegerwald den Versuch, die Vertreter der Spitzenverbände der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorgani­sationen zur Lösung des Arbeitsbeschaffungs- und Arbeits­losenproblems zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuführen, noch nicht ausgegeben hat. Der erste Versuch vom Sommer ist bekanntlich daran gescheitert, daß man sich nicht darüber verständigen konnte, welche Aktion zur Durchführung eines allgemeinen Lohn- und Preisabbaus vorangehen sollte, der Preis- oder der Lohnabbau. Inzwischen haben sich die Dinge nach jeder Richtung hin weiter kritisch gestaltet. Der Lohn- und Gehaltsabbau ist dadurch teilweise auf dem Wege des Schiedsverfahrens, teilweise auf gesetzgeberischem Wege durchgeführt oder in die Wege geleitet. Von verantwort­licher Regierungsseite ist bei der allgemeinen Aussprache über die Notverordnungen erklärt worden, daß nunmehr der Preisabbau mit verstärkten Mitteln ausgenommen wer­den würde.

Jetzt soll das Problem der Arbeitsbeschaffung in den Vordergrund gestellt werden. Vor knapp 14 Tagen hat beim Reichsarbeitsminister eine gemeinsame Besprechung zwischen Vertretern der Spitzenorganisationen der Arbeit­geber und Arbeitnehmer stattgefunden. Dr. Stegerwald hat bei dieser Gelegenheit sehr eindringlich auf die Gefahren hin­gewiesen, die sich aus der Arbeitslosenzahl von 4 Millionen ergeben müssen, mit der von Februar ab gerechnet werden muß. Deshalb soll der Gedanke der Arbeitsstreckung, der von den verschiedensten Seiten in die Debatte geworfen worden ist, ernsthafter in den kreis der Erörterungen gezogen wer­den, um zu vermeiden, daß auf dem Wege gesetzgeberischer Maßnahmen entsprechende Anordnungen ergehen, die selbst­verständlich die ganze Frage mehr schematisch und dadurch weniger erfolgreich behandeln müßten.

Inzwischen hat der Reichsarbeitsminister bereits mit verschiedenen Jndustriebranchen, ferner mit der Post, der Reichsbahn und anderen in Frage kommenden Stellen Füh­lung genommen, um festzustellen, wie man sich in diesen Kreisen zu einer Arbeitsstreckung stellt. Auch die Frage des 9. Schuljahres scheint in diesem Zusammenhang erörtert worden zu sein. Jedenfalls will man von feiten der Regie­rung jetzt alle Fragen der Arbeitsbeschaffung in Fluß brin­gen, um zu verhindern, daß das Arbeitslosenheer sich noch vermehrt. Wahrscheinlich in der nächsten Woche wird der Reichsarbeitsminister die erwähnten Vertreter der Wirt­schaft beider Lager zu einer gemeinsamen Konferenz ein­laden, um festzustellen, wie weit übereinstimmende Inter­essen einheitliche Schritte ermöglichen. Es würde sich, wenn alle Beteiligten guten Willens sind, um die Wiedererweckung der Zentralarbeitsgemeinschaft handeln, die bereits einmal in Zeiten größter wirtschaftlicher Not ausgezeichnete Arbeit geleistet hat.

Der LWSMMi ma M«m

Brüssel, 8. Dezember. Die Zahl der Todesfälle infolge der Rebelkatastrophe im Maastal bei Lüttich wächst ständig.

Wie verlautet, sind bereits 85 Menschen dem Todesnebel zum Opfer gefallen.

Die Oeffnung der Leiche eines der Opfer der Nebel­katastrophe in der Umgebung von Lüttich hat erwiesen, daß der Tod infolge Lungenentzündung eingetreten ist. Die Aerzte sehen darin einen weiteren Beweis für die Behaup­tung, daß der Nebel allein die Todesfälle verursacht habe. Ein anderer Beweis wird darin erblickt, daß die bei den Kranken angewendete Behandlung die erhoffte Wirkung gezeigt habe, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn die Krankheit auf eingeatmete Giftgase zurückzuführen gewesen wäre.

Brüsseler Blätter erinnern übrigens daran, daß die Gegend von Lüttich bereits 1902 und 1911 von ähnlich rätsel­haftem Nebel heimgesucht wurde, der ebenfalls Todesopfer forderte.

Paris, 9. Dezember. Ein bekannter französischer Gelehr­ter vom Institut Pasteur, Trillat, der sich mit der Erfor­schung der Nebelphänomene beschäftigt, erklärt im Matin zu den Todesfällen bei Lüttich, wahrscheinlich handele es sich um eine Vergiftung durch einen Nebel, der giftige Gase enthalten habe. Unter normalen Umständen würden die zahlreichen häufigen Giftgasprodukte, die aus den Schornsteinen der chemischen und Metallfabriken ausströmten, in der Atmosphäre so verdünnt, daß sie ihre giftigen Eigenschaften verlieren. Aber unter gewissen atmo­sphärischen Bedingungen entständen durch atmosphäri­schen ' Niederdruck Ionisierung der Atmosphäre usw. aus Niederschlägen Nebel, die mit Giftgasen gesättigt seien. Das Vorhandensein von Ammoniak in größeren Mengen be­günstige das Entstehen von Nebel.

Die Regierung läßt sich berichten.

Brüssel, 9. Dezember.

In der Kabinettssitzung vom Montag erstatteten der Iustizminister, der Innenminister und der Arbeitsminister Bericht über die anläßlich der rätselhaften Todesfälle in Engis von ihnen eingeleiteten Ermittlungen. Es wurde be­schlossen, daß der Ministerpräsident gemeinsam mit dem Minister des Innern und dem Arbeitsminister die Aerzte und Arbeitsinspektoren empfangen wird, um das von ihnen bereits eingereichte Jnformationsmaterial zu ,ergänzen.

Ferner wurde beschlossen, dem König einen Gesetzent­wurf vorzulegen, der die durch Gesetz vom 25. Januar 1923 getroffenen Bestimmungen über die Einfuhr, die Ausfuhr und die Durchfuhr von Waren verlängert. Der Gesetz­entwurf wird dann dem Parlament zugeleitet werden.

Der Reichspräsident empfing den Besuch des in Berlin eingetroffenen früheren argentinischen Staatspräsidenten Marcelo T. de Alvear und seiner Gattin.

*

Der neue russische Botschafter Leo Chinschuk ist in Ber­lin eingetroffen.

Won gestern bis heute

Reichswehrkransporl von Polen mit Steinen beworfen.

Auf der Fahrt einer vom Reichswehrinfanterie-Regi­ment Nr. 4 nach Berlin als Wachtkommando kommandierten Abteilung in ihre ostpreußische Garnison kam es hinter Firchau im polnischen Korridor zu einem Zwischenfall. Als der Zug auf einer großen Korridorstation anhielt, ergingen sich die in der Nähe des letzten Wagens des Zuges arbei­tenden polnischen Bahnarbeiter in Schmähungen gegen die Reichswehr und spuckten aus. Als der Zug sich in Be­wegung setzte, wurde der letzte Wagen mit Steinen be­worfen.

Ermordung eines hohen Beamten in Indien.

Oberstleutnant Simpson, Generalinspektor der Gefäng-. Nisse der Präsidentschaft Bengalen, ist in seinem Amtszim­mer von drei Bengalesen erschossen worden. Die Mörder wurden in dem Gebäude gestellt. Es kam zu einem Kampf, bei dem ein Beamter namens Nelson schwer verwundet wurde. Als sich die Mörder verloren sahen, richteten sie die Waffe gegen sich selbst. Zwei von ihnen waren auf der Stelle tot, der dritte ist schwer verletzt und wurde in das Gefängnis eingeliefert.

Haftbefehl gegen argentinische Politiker.

Die provisorische Regierung in Buenos Aires hat Haftbe­fehle gegen zwei bekannte Politiker, den ehemaligen Leiter der Staatlichen Petroleumverwaltung, General Enrique Mosconi, sowie gegen General Alonzo Baldrich erlassen.

Aurda« der Srutsche« ErshirsSer

Berlin, 9. Dezember.

Wie wir erfahren, wird das Reichspostministerium nach der jetzt erfolgten Fertigstellung des Großsenders in Mühl- acker bei Stuttgart und bei Heilsberg in Ostpreußen in Ver­folg seines ursprünglichen planes mit möglichster Beschleuni­gung auch die Sender der schlesischen Sendergruppe in Bres- lau, der mitteldeutschen in Leipzig, der nordischen in Ham­burg, der westdeutschen in Langenberg und der bayerischen in München zu Großsendern ausbauen.

Damit werden sämtliche deutschen Rundfunkbezirke mit Großsendern ausgerüstet, so daß Deutschland damit in die erste Reihe der europäischen Rundfunkländer rückt. Wieweit die Frage der Errichtung eines Großsenders bei Berlin bereits greifbare Gestalt erfahren wird, scheint noch nicht ent­schieden zu sein. Es ist aber anzunehmen, daß auch der Deuffchland-Sender bei Königswusterhausen in seiner Energiestärke eine Erweiterung erfährt, wie auch der Sender Frankfurt für Südwestdeutschland eine Verstär­kung erfahren wird.

Schwere Damviertatastroshe

Italienischer Dampfer explodiert und gesunken.

Paris, 9. Dezember. In der Nähe der Insel Belle 3le ist der italienische Dampfer „Arliglio" explodiert und gesun­ken. 14 Mann der Besatzung sind ums Leben gekommen, Lch--Ä^-nk " *^b' ^^

Der „Artiglio" soll damit beschäftigt gewesen sein, ein Unterseeboot-Wrack zu heben. Nach der anderen Darstellung ist der italienische Dampfer über dem Wrack des im Kriegn versenkten Frachtdampfers „La Florence", der angeblich1 Munition geladen hatte, gesunken. Der italienische Dampfer „Rostro" befand sich im Augenblick der Katastrophe in der Nähe des „Artiglio" und konnte sieben Mann der Besatzung, die Verletzungen erlitten hatten, retten. Die Verletzten wur­den ins Krankenhaus nach Palais auf Belle Jle gebracht.

Aus der Heimat.

* Lies nicht im Bett! Viele Menschen haben die Angewohnheit, abends vor dem Einschlafen im Bett zu lesen. In den meisten Fällen, wenn es sich nicht ge­rade um eine dafür besonders bestimmte Lampe handelt, ist das Augenlicht beim Lesen im Bett durch mangel­hafte Beleuchtung gefährdet. Der ganze Körper soll sich beim Ruhen im Bett entspannen und nicht durch eine krampfhafte und unnatürliche Haltung, wie sie beim Lesen im Bett unvermeidlich ist, im Ausruhen gehindert werden. Mancher liest vor dem Einschlafen gern „ spannende Geschichten" oder glaubt, nicht einschlafen zu können, ohne zuvor im Bett gelesen zu haben. Das heißt mit den Dierven schlecht umgehen. Es tritt eine Reaktion des Gehirns ein, die den Schlaf stört. In Träumen kehren Gestalten und Ereignisse aus der Lektüre oft wieder, und am Morgen ist eine Erschöpfung, nicht aber eine Entspannung die Folge. Unsere Leistungsfähigkeit kann dann am Tage natürlich nicht so hoch sein, wie sie es wäre, wenn Körper und Geist im ruhigen Schlaf Stärkung und Erquickung gefunden hätten.

HerSseid. (Wie wird das Wetter?) Die Wirbeitätigkeit im .Nordwesten ist wieder in vollem Gange. Die Ausläufer deszisländischen Tiesdruckwirbels werden jetzt auch unser Gebiet mehr beeinflussen und die Niederschlagstätigkeit wird wieder mehr zunehmen. Bei südwestlichen bis südlichen Winden werden die Temperaturen weiter ansteigen. Im ganzen wird die Witterung sich jedoch etwas freundlicher gestalten und vor allem der Diebel verschwinden. — Vorhersage bis Mittwoch Abend: Bei westlichen Winden Anhalten der unbeständigen, milderen Witterung mit einzelnen Nieder­schlägen.

Kassel. In der Heckershäuserstraße geriet der 18jährige Schlosser D. mit seinem Vater am Samstag abend in einen Wortwechsel, wobei der Vater tätlich zu werden versuchte, sodaß der Sohn flüchtete. Der junge Mann sprang auf ein 12 Meter hohes Dach, von wo er bei einem Fehltritt in die Tiefe stürzte. Der Arzt stellte einen Schädelbruch fest, an dessen Folgen er bald darauf verschied. Die Leiche wurde in das Karlshospital gebracht.

Kassel. Die Schwurgerichtstagung begann mit der Anklage gegen den 21 Jahre alten Gespannführer Adolf Bierhenkel aus Wolshagen, der am 10. Oktober vor dem Amtsgericht in Wolfhagen in einem Unter­haltsprozeß einen Meineid geleistet hatte. Das Gericht billigte ihm die Milderungsgründe des § 158 des Straf­gesetzbuches zu, da er seinen Meineid widerrufen hatte, bevor die Verfolgung eingesetzt hatte und erkannte auf eine Zuchthausstrafe von einem Jahr vier Monate, wovon jedoch nur ein Vierteljahr in Ansatz gebracht und in sechs Monate Gefängnis umgewandelt wird.

Kassel. Vom Zug überfahren ließ sich am Halte­punkt Fischhaus zwischen Arolsen und Marburg (Wests.) am Sonntag nachmittag eine alte Frau. Der Lokomotiv­führer, der den Vorfall erst im letzten Augenblick bemerkte, brächte den Zug sofort zum Halten, doch konnte die Lebensmüde nur noch als Leiche geborgen werden. Es handelt sich um eine 74jährige Frau aus Arolsen, die anscheinend in einem Anfall von Schwermut den Tod aus den Schienen gesucht hat.

Weudershausen. Als ein fünfjähriges Mädchen sich an einem Automat Süßigkeiten ziehen wollte, fiel dieser um und stürzte auf das Kind. Das Mädchen war sofort tot.

Hanau. Der 26 Jahre alte Etuismacher Ernst Jäger in Harmu hatte seit mehreren Tagen an starkem Jucken im Halse zu leiden, was ihn veranlaßte, zu einer nicht ungewöhnlichen Heilmethode seine Zuflucht zu nehmen, deren Anwendung allerdings einen für ihn verhängnisvollen Ausgang nehmen sollte. Er nahm eine Zahnbürste in die Hand, um damit die im Halse juckende Stelle zu bestreichen und das Uebel zu beseitigen. Als er mit diesem „Instrument" zu tief in den Hals hineingeraten war, ging ihm für einen Augenblick der Atem aus. Er stieß einen Ruf nach seinem Vater aus, verschluckte jedoch dadurch die Zahnbürste. Kurze Zeit darauf stellten sich bei ihm erhebliche Schmerzen ein, die ihn veranlaßten, sich in das Landeskrankenhaus zu begehen, woselbst sofort eine Operation vorgenommen werden mußte. Die Operation ergab, daß die Zahn­bürste sich teils im Magen befand, teils aber bereits in den Zwölffingerdarm übergetreten war und dort erheb­liche innere Verletzungen angerichtet hatte, an deren Folgen der Patient alsbald nach der Operation ver­storben ist.

Gießen In Laubach wurde dem Sohn eines Malers die linke Hand vollständig verstümmelt. Der Junge wollte mit Kameraden ein Pulverexperiment machen, wobei die Ladung losging und ihm sämtliche fünf Finger der linken Hand abriß.

Lohrhaupten. Ein junger Mann, Emil Jnderwies kam gegen Arbeitsschluß in dem Dampssägewerk von Amrhein u. Sohn in dem benachbarten Orte Frammers- bach, als er Sägemehl aus dem unter den Werkanlagen liegenden Raume holen wollte, dem Transmissions- riemen zn nahe, wurde von diesem erfaßt und mit voller Wucht gegen die Transmissionsscheibe geschleudert, daß er buchstäblich in zwei Stücke zerrissen wurde. Der Tod trat augenblicklich ein. Der so jäh aus dem Leben geschiedene Mann ist erst seit zwei Jahren verheiratet und hinterläßt eine Witwe mit zwei kleinen Kindern.

Turnen und Sport

Einen tragischen Ausgang nahm das Fußballverbands- fpiel zwischen den Berliner Vereinen Südstern und Halley- Concordia. Südstern gewann das Spiel mit 3 :2. Den Siegestreffer erzielte der bekannte Berliner Stürmer Karl Haseloff. Einige Zeit nach Beendigung des Spiels brach Haseloff plötzlich zusammen und verschied an inneren Blu­tungen. Er hatte während des Kampfes einen Ball mit der Brust ausgenommen und sich dabei die tödlichen Verletzun­gen zugezogen, ohne zunächst große Beschwerden zu haben. Der Tod des Berliner Sportmannes bedeutet einen großen Verlust für den Berliner Fußballsport, den Haseloff auch wiederholt repräsentativ vertreten hat.

Die Spielvereinigung Fürth trat im letzten Verbands- [ptel rm Bezirk Nord-Bayern dem 1. FC.-Nürnberg gegen­über und gewann verdient mit 2 :1 vor 10 000 Zuschauern. Es war die 99. Begegnung der beiden berühmten Mann­schaften.

Einen neuen deutschen Rekord in der 6 mal 50-Meter- Crawl-Staffel stellten die Schwimmerinnen von Nixe-Char- -ottenburg auf. Die Mannschaft konnte die Bestleistung von 3 :46,2 auf 3 :38,3 verbessern.

Reichs-Stafettenritt = 50 000 Reiter eilen durch Deutschland. Den Höhepunkt im „Jahr des Pferdes" bilden in diesen Tagen die kreuz und quer durch Deutschland gehenden Reichsreiterstafetten, die von 50 000 ländlichen und städtischen Reitern aller deutschen Gaue geritten werden. U. B. z. Stabwechsel des Stafettenreiters auf der Landstraße bei