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hersfelöerTageblatt

Sg'n^k:^ Petttzette 15 Pfennig, 6k Reklamyetle 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. §üc die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in 9 ersfeld.» Kernsprecher Nr.

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Hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis ^ersfeld

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Monatlicher Bezugspreis: durch dir Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Pbholer 1.00 Reichs-Mark. < druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfelö, Mitglied des VDZV.

Nr. 267 Donnerstag, den 13. November 1930 80. Jahrgang

Der Kampf um den Preisabbau

Schärfere Matznahmen der Regierung Lntfchlotzene Mitwirkung der Kommunen

Rtichrksdiuett und Preissenkung

Oeffentliche Bekanntgabe der Widerstrebenden?

Berlin, 13. November.

Wie wir erfahren, besteht der Ausschuß zur Förderung der Preissenkung, den das Reichskabinett in seiner letzten Nachtsitzung eingesetzt hat, aus dem Reichskanzler, dem Reichsernährungsminister, dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichsfinanzminister, dem Reichsarbeitsminister und dem preußischen Handelsminister. Die Einsetzung, dieses Aktionsausschusses hat den Sinn, daß die Preissenkung mit aller Energie weiterbetrieben werden soll. Das geht auch daraus hervor, daß der Reichskanzler selbst an der Spitze des Ausschusses steht.

Der Ausschuß wird am heutigen Donnerstag zum ersten Wale zusammenkreten, um zunächst die Möglichkeiten fest- zustellen, die für eine wirkungsvolle Ausdehnung der Preis­senkung gegeben sind. Er wird also untersuchen, mit welchen Organisationen verhandelt werden muß und welche Möglich­keiten der Regierung in jedem einzelnen Falle zur Ver­fügung stehen, um ihre Absichten auch dann durchzusetzen, wenn sich Widerstände bemerkbar machen.

In politischen Kreisen wird auf die Notwendigkeit Hin- gewiesen, daß die für die ganze politische und wirtschaftliche Entwicklung so überaus wichtige Aktion des Kabinetts auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Propaganda unterstützt werden muß, durch die bekannt werden, w o d i e Preise billig sind und wer sich einer Preissenkung entgegenstellt. Diese Methode hat die englische Regierung vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation mit erheb­lichem Erfolg angewandt. Dabei ist zum Beispiel auch der Ä*#^^

Auf der anderen Seite können diese selbst die Bewegung durch deutliche Preisbekanntgabe in den Schaufenstern usw. unterstützen. Dabei muß auch beachtet werden, daß eine der Voraussetzungen des Gelingens der Aktion die Rückkehr zur Pfennigrechnung ist. Wenn beispielsweise der Straßenbahn­tarif 25 Pfennig beträgt und eine Senkung auf 20 Pfennig ausgeschlossen sein sollte, so muß die Frage geprüft werden, ob nicht eine Verbilligung des Fahrscheins auf 23 Pfennig erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang taucht na­türlich auch die Frage der Ausgabe neuer Drei­und Vierpfennig st ücke wieder auf. Besondere Mög­lichkeiten sieht man in unterrichteten Kreisen auch in der Mitwirkung der Städte, deren Aufgabe es sein muß, den Rahmen, den die Reichsregierung für die Preissenkung zieht, durch Einzelmaßnahmen auszufüllen. Es ist anzunehmen, daß sich der Ausschuß des Reichskabinetts in den nächsten Tagen mit allen diesen Fragen beschäftigen wird, um schon in kurzer Zeit eine stärkere Aktivierung der ganzen Preis- senkungsbewegung herbeizuführen.

MMmhinen der Städte

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. M u - lert, setzt die Preissenkungsaktion des Städtetages durch ein Rundschreiben an die Oberbürgermeister der im Deut­schen Städtetag vereinigten Städte fort. Es heißt darin u. a.:

Es muß mit allem Nachdruck versucht werden, die überhöhten Gewinnspannen, insbesondere auch durch ört­liche Einwirkung, herabzudrücken. Es ist heule nötiger als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten Jahren, örtlich für eine klare Preisberichterstattung zu sorgen und die Oeffent- lichkeit von den tatsächlich bestehenden Preisunterschieden in geeigneter Form zu unterrichten. Besonders geeignet er­scheinen hierfür laufende Veröffentlichungen der Brot- und Gebäck- sowie der Kartoffel- und sonstigen preise, und zwar namentlich der niedrigsten preise unter Nennung des betr. Stadtteils und der betr. Straße, wo die Feststellung ge­troffen war. Ebenso ist es erforderlich, durch Verhandlun­gen mit den Innungen, Händlerorganifationen und Konsum­vereinen zu einer Klarstellung und Senkung der Brutto- verdienstspanne zu kommen und die gegenwärtigen Span­nen durch vergleich von Stadt zu Stadt nachzuprüfen. Gleiche Maßnahmen erscheinen auch hinsichtlich der Wehl- und Kartoffel-Lin- und Verkaufspreise und der preise an­derer wichtiger Lebensrnittel nötig."

In einzelnen Städten haben bereits erfolgreiche Ver­handlungen zwischen Stadtverwaltung, Gewerbe, Handwerk und Handel stattgefunden; es gilt, gleiches überall zu er­reichen. Die Städte werden sich dieser überaus wich^ ~ n Frage mit aller Energie annehmen und rufen die Des ;t= lichkeit, insbesondere die Verbraucher selbst, die es am un­mittelbarsten angeht, auf, sie in dieser Frage, die Stad! nd Land in gleicher Weise angeht und nur von Stadt und Land gemeinsam gelöst werden kann, nach Kräften zu unterstützen."

Breisse»kMg für Obst und Gemüse

In Fortführung der von der Reichsregierung einge­leiteten Preissenkungsaktion fand im Ernährungsministe- rium eine Besprechung über die Preisbildung für Obst und Gemüse statt, an der u. a. auch Vertreterinnen der Haus­frauen teilnahmen.

Die Verbände des Handels, der Waren- und Kaufhäu­ser sowie die Konsumvereine haben ihre Bereitwilligkeit er­klärt, keine Opfer zu scheuen, um die Preise auch für Obst und Gemüse zu senken, um damit der allgemeinen Notlage zu steuern und zu einer nachhaltigen Besserung unserer allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu gelangen.

Die Verbände haben sich entschlossen, unverzüglich auf ihre Unterverbände und Mitglieder einzuwirken, daß diese unter Berücksichtigung der Einkaufspreise und der auf den Waren ruhenden Lasten sowohl im Groß- wie im Klein­handel schärfstens kalkulieren, um die Handelsspanne be­trächtlich zu senken.

Es ist zu erwarten, daß auch auf diesem Gebiete die Senkung der Preise, die nach Behauptung der Verbände von ihnen fdjon vor etwa 14 Tagen freiwillig eingeleitet ist, einen weiteren Fortgang nehmen wird.

Billigere Kartoffel»

Die mit dem Kartoffel-Groß- und Kleinhandel über die Senkung der Kartoffelpreise geführten Verhandlungen ha­ben ergeben, daß auch der Kartoffelhandel bereit ist, der allgemeinen Wirtschaftslage Nennung tragend einen Ab­bau der Preise vorzunehmen.

Der Kartoffel-Kleinhandel wird in Berlin im allge­meinen für Speisekartofsein bei 'Abgabe von 10 Pfund fol­gende preise berechnen: Für weiße Kartoffeln 23 Pfg., für rote und blaue Kartoffeln 25 pfg., für gelbe Kartoffeln 30 WEiM»^"'^'";~""''"'"""

Bei Bemessung dieser Preise ist von einem durchschnitt­lichen Erzeugerpreis für Kartoffeln ab märkischer Station von 1,40 bis 1,50 für den Zentner ausgegangen worden. Die durchschnittliche Gesamtbruttohandelsspanne ist bei 10= pfundweisem Verkauf durch den Kleinhandel gegenüber der im Oktober d I. berechneten Gesamtspanne um 60 Pfg. für den Zentner ermäßigt worden.

Die Konsumgenossenschaften und Warenhäuser haben ihre Preise für Kartoffeln ebenfalls ermäßigt.

Friedenspolitik unter Amerikas Führung?

Washington, 13. November.

Am Waffenstillstandstage sprach Staatssekretär Stim - s o n im Rundfunk, wobei er erklärte, daß eine angemessene Vorbereitung für die Landesverteidigung im Falle eines Krieges noch immer u n^e r l ä ß l i ch sei. Ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger wie die militärische Verteidigung, sei jedoch Gerechtigkeit zwischen den Nationen und Bereitschaft, Differenzen in unparteiischer, friedlicher Weise beizulegen. Die Erkenntnis sollte sich immer mehr durchsetzen, daß die Nationen ihre Differenzen nicht mitWaffengewalt und Krieg austragen sollten. Ame­rika mit seinem Gefühl der Sicherheit infolge seiner geo­graphischen Lage und seiner ungeheueren Stärke sollte die Führung in dieser Entwicklung übernehmen. Kriegsmini­ster Hurlay sprach die Hoffnung aus, daß der 11. No­vember 1918 stets als der letzte Tag gefeiert werden möge, an dem amerikanische Streitkräfte in einen Krieg verwickelt waren. Man würde aber dem Gedächtnis der im Welt­krieg Gefallenen untreu werden, wenn man nicht f ü r die Verteidigung bes Vaterlandes die not­wendigen Vorbereitungen träfe. General Per- fing, im Weltkrieg Chef der obersten Heeresleitung der Vereinigten Staaten, erklärte u. a., daß die amerikanischen Truppen den günstigen Ausgang des Weltkampfes entschie­den hätten.

Do. X im Hafen von Ealshot.

Reichsbanner und Thüringer Konffilt

Die thüringische Regierung enhüllt

Weimar, 12. November.

Das thüringische Staatsministerium veröffentlicht eine Mitteilung zu dem noch beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich anhängigen Streitoerfahren zwischen Thü­ringen und dem Reichsministerium wegen der Zahlung der Polizeikostenzuschüsse.

Darin wird gesagt, daß das Reichsinnenministerium offenbar das Opfer eines innerhalb der thüringischen Po­lizei bestehendenumfangreichen Spitzel- und Denunzianten­tums trübster Art" geworden sei. Die Spitzelzentrale sei jetzt entdeckt worden dadurch, daß der Landeskriminalstelle die photographische Wiedergabe eines Briefes des thüringi­schen Gaugeschäftsführers des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold in Weimar an einen Verwaliungsobersekrekär in San­dershausen in die Hände gefallen sei. Dem Brief habe ein Fragebogen beigelegen mit Fragen, die mit den Behauptun­gen des Reichsinnenministers in seinen Schriftsätzen an den Staatsgerichtshof Aehnlichkeit hätten.

Gegen den Empfänger des Briefes sei sofort ein Straf­verfahren mit dem Ziel der Dienstentsetzung eingeleitet worden In den Geschäftsräumen des Reichsbanners und in der Privatwohnung des Obersekretärs sei eine Durch­suchung oorgenommen' worden, deren Ergebnis noch nicht bekannt sei. Das Ministerium werde zu prüfen haben, ob noch gegen andere Polizeibeamten ebenfalls Dienststraf­verfahren einzuleiten seien.

Reichsinnenminister und thüringer Polizeikonflikt

Au btrwir^

riums zum potizeistreit veröffentlichten Erklärung wird vom Reichsministerium des Innern folgende Erwiderung mitgeteilt:

Der Reichsminister des Innern hat dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold keinen Auftrag erteilt, ihm Material über die Verhältnisse bei der thüringischen Polizei zu be­schaffen. Selbstverständlich hat er die Verhältnisse in Thü- ringen nach wie vor aufmerksam verfolgt und das ihm in reichem Umfange von den verschiedensten Seiten zugegangene Nachrichtenmaterial dem Staatsgerichtshof unterbreitet. Der Staatsgerichtshof ist zur Zeit damit befaßt, über das Material Beweis zu erheben. Der Reichsminister des Innern lehnt es ab. dem Beispiel des Vorsitzenden des Thüringi­schen Skaatsministeriums zu folgen und Teilergebnisse der bisherigen Beweisaufnahme zu einem Zeitpunkt, in dem die Beweisaufnahme sich noch in vollem Gange befindet, einseitig und vorzeitig auszuwerten und so vor der Entscheidung des mit der Sache befaßten Obersten Gerichtshofes in der Oeffenk- lichkeit Stimmung zu machen.

Berlins Polizei und Studentenkrawalle

Berlin, 13. November.

Der Polizeipräsident veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Zu dem Krawall nationalsozialistischer Studenten am Mittwoch mittag auf dem Gelände der Ber­liner Universität veröffentlicht ein Spätabendblatt eine an­gebliche Erklärung des Rektors der Universität. Hierzu ist folgendes zu sagen:

Schon in den Vormittagsstunden mußten am Eingang zur Universität sowie auf dem Universitätsgelände selbst Schutz-' polizeikrüfte zur Verhütung und Unterdrückung von Aus-' schreitungen eingesetzt werden. Gegen Mittag rief der Rek­tor der Universität den Kommandeur der Schutzpolizei an,1 damit dieser in Verbindung mit ihm beruhigend auf die Stu­denten einwirke. Der Kommandeur begab sich zur Univer­sität und sagte hier dem Rektor auf dessen Wunsch zu, daß er die eingesetzten Polizeikräfte zurückziehen würde, wenn es der Einwirkung des Rektors gelänge, weitere Tätlichkeiten zwischen den gegnerischen Studenten zu unterbinden. Nach­dem diese Voraussetzung erfüllt war, verließ die Polizei das Universitätsgelände.

Gegenüber einer unrichtigen Behauptung des genannten Abendblattes fei hervorgehoben: Der Kommandeur hat den Rektor von vornherein nicht darüber im Unklaren gelassen, daß die Polizei auf dem Universitätsgrundstück genau so wie überall mit allen gebotenen Mitteln einzuschreiten berechtigt sei. Weiter hat der Rektor nicht davon gesprochen, daß die Anwesenheit der Polizei auf die Studentenschaft provozierend eingewirkt habe.

Berlin, 13. November.

Der preußische Haushalt für das Jahr 1931 wird am 18. November an den Preußischen Staatsrat gelangen. Das Plenum des Landtages wird am 16. Dezember in die allge­meine politische Aussprache zum Haushalt eintreten und den Etat nach etwa dreitägiger Beratung dem Hauptaus- schuß zur Vorberatung überweisen. j

Der Prinz von Wales unternahm einen Flug mit dem deutschen FlugschiffDo. X". Nach einem halbstündigen Flug landete derDo. X" wieder glatt an seinem Ankerplatz.