hersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt l^«gs.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö : SunfsBuftötutftwl In Heisst"», MIWe»"»»s vvzvl |
Nr. 258 Montag, den 3. November 1930 80. Jahrgang
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Monatlicher Bezugspreis: durch öle Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgelo, für BersfelS 1*20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer' 1.00 Reichs-Mark. ❖ druck und Verlag von Luowlg Zunks Buchöruckerel in Hersfelö, Mitglieö öes vdZV.
Anzeigenpreis: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, Sir Neklamezeile 50 Pfennig. (Grun-schrift Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ❖ Zür die Schristleitung verantwortlich : Kranz Kunk in Hersfelö. ❖ Kernsprecher Nr.
Dokumentendiebstahl im Reichstag
Die wertvolle Bersassungsurkunde aus dem Jahre 1848 wurde von unbekannten Dieben gestohlen
MechisschWenkung der Volkspartei im Reich?
Dingeldey warnt die Sozialdemokraken. M'
Berlin, 3. November.
Bei den Verhandlungen des Reichsausschusses der D.V. P. sprach der stellvertretende Parteiführer Dingeldey über die politische Lage.
„Für die parlamentarische Haltung der Reichstagsfrak- tion der DVP. war und bleibt entscheidend die Tatsache, daß nur eine durchgreifende und großzügige Reform auf steuer-, sozial- und wirlschaftspolilischem Gebiet als einzige Möglichkeit der Rettung der Vaterlandes dient. Nur, weil die Regierung durch ihr Programm und die Rede des Reichskanzlers die gleiche grundsätzliche Einstellung bekundet hat, konnte die Fraktion die Verantwortung dafür übernehmen, der Regierung die Arbeit zu ermöglichen. Sie steht der Regierung in fraktioneller Ungebundenheit mit eigener Verantwortung gegenüber und hat die Aufgabe, darüber zu wachen, daß die klare Sache des Reformwillens nicht durch irgendwelche sozialistische Einflüsse abgebogen wird.
Schon im Laufe dieses Monats, spätestens beim Zusammentritt des Reichstags, muß die Regierung, wenn sie den durch die Notverordnung beschrittenen Weg in seiner Grundrichtung nicht preisgeben will, auf den Widerstand der Sozialdemokratie stoßen. Jede Nachgiebigkeit gegenüber fo- zialislischen Wünschen muß eine völlige Schwenkung der Reichslagsfraktion der DVP. zur Folge haben. In diesem Fall muß die Regierung sich dessen bewußt sein, daß eine solche Entwicklung zugleich die Gefahr ihres Sturzes durch die Mehrheit der bürgerlichen Parteien bedeuten kann.
Die Annahme der Entschließung über die Abrüstung im Auswärtigen Apsschuh, die von der DVP. im Einvernehmen mit dem Äußerwinilter ausaeatbeUet^^h^ Ä^^ »atimmlsostaliMl-NM die übrigen bürgerBHenParkeien, mit Ausnahme der Hugenberggruppe, beweist, daß es möglich ist, für die kommenden internationalen Auseinandersetzungen auch die in der nationalsozialistischen Bewegung enthaltenen nationalen Kräfte einzusetzen.
Im weiteren Verlauf seiner Rede legte Abg. Dr. Dingel- dez die Grundsätze der Politik der DVP. für die nächste Zukunft dar. Er trat dabei für eine verfassungsrechtliche Reform zur Gesundung des Parlamentarismus, insbesondere für eine Stärkung der Reichsprüsidialgewalt, für eine erste Kammer und Reichsreform ein.
Die Kaiserkrönung in Addis Abeba
Addis Abeba, 3. November.
In einem Rahmen, der an Farbenpracht kaum zu überbieten war, wurde gestern vormittag Ras Tafari Mako n n e n zum König der Könige und Kaiser von Aethiopien in der eigens dafür erbauten Kirche neben der Kathedrale des Heiligen Georg gekrönt. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten vertraten die europäischen Regierungen und Staatsoberhäupter. Eine halbe Stunde vor Beginn der Krönungszeremonie begab sich Ras Tafari von feinem Palast im Krönungswagen, der dem vormaligen deutschen Kaiser gehört hatte und von sechs österreichischen Falben gezogen wurde, nach der Kirche. Die Krönung selbst war kurz. Nach dem Sprechen der Gebete setzte der Erzbischof die mit Juwelen besetzte Krone auf das Haupt des Kaisers. Auf die offizielle Krönungszeremonie folgte eine religiöse Zeremonie in der Kathedrale. Danach fuhr der Kaiser im Krönungswagen zurück zum Palast, wo er die Glückwünsche der Führer der ausländischen Missionen entgegennahmen.
Kabinett Maedonald gefährdet?
London, 3. November.
In hiesigen politischen Kreisen wird die Möglichkeit einer Niederlage der Regierung in der morgigen Unterhausdebatte lebhaft erörtert. Wenn alle Unterhausxnitglieder, die der A r b e i t s l o f e n p o l i t i k der Regierung abfällig gegen- überstehen, geschloffen gegen die Regierung stimmen, dann wäre eine Niederlage sicher. Es würde bereits genügen, daß die Hälfte der Liberalen und der unzufriedenen Sozialisten für den Konservativen Abänderungsantrag zur Antwortadresse auf die Thronrede stimmt und die andere Hälfte sich der Stimmabgabe enthält, um die Niederlage der Regierung zu besiegeln. Es steht sogar nicht einmal fest, ob die Regierung erfolgreich durchkommen wird, wenn alle feindlichen Kritiker der Liberalen und der Unabhängigen Arbeiterpartei sich der Stimmabgabe enthalten»
Konservativer Sieg
bei den englischen Gemeindewahlen.
Arbeiterpartei verliert 65 Sitze.
Bei den Gemeindewahlen in England und Wales zeigt sich nach dem Ergebnis aus rund 80 großen Städten, daß die Arbeiterpartei beträchtlich verloren hat. Die Konservativen haben 79 Sitze gewonnen und 10 Sitze verloren, die Liberalen gewannen 9 und verloren 17, die Arbeiterpartei gewann 27 und verlor 92, die Unabhängigen gewannen 24 und verloren 20 Sitze.'
Dietrichs Rotstift Reichsverkretung in München sofort eingezogen.
Berlin, 3. November
Der nunmehr vorliegende Haushaltsplan des Reichsministeriums, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei bringt insgesamt eine Ersparnis von rund einer Million Mark. Das ist insofern beachtlich, als der Zuschuß im ordentlichen Haushalt überhaupt nur 2,5 Millionen Mark beträgt.
Wegen der Notlage im Rechnungsjahr 1931 hat die Reichsregierung beschlossen, den bei der zweiten Beratung des Haushaltsplanes 1930 gefaßten Beschluß des Reichstages, die Vertretung der Reichsregierung in München künftig wegfallen zu lassen, schon jetzt zu verwirklichen. Der Berstetet der Reichsregierung, der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt. von Haniel, wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Aus dem Etat der Reichskanzlei ist weiter noch bemerkenswert, daß in diesem Haushalt der Reichs mini st er ohne Geschäftsbereich für 1930 etatisiert worden ist. Infolge der Kürzung der Gehälter um 20 v. H. bezieht der Reichspräsident nunmehr noch 48 000 Reichsmark Gehalt und 120 000 Reichsmark Aufwandsgelder.
Im Haushalt des Reichstages sind die Aufwandsentschädigungen für die Mitglieder des Reichstages auf 4 083 200 Reichsmark festgesetzt worden gegenüber 4 355 000 Reichsmark im Vorjahre. Diese Summe setzt sich zusammen an den Aufwandsentschädigungen für 57) Reichstagsabgeordnete in Höhe von je 7 200 Reichsmark jährlich, aus den Aufwandsgeldern des Reichstagspräsidenten in Höhe von 28 800 Reichsmark und aus den Tagegeldern für Ausschuhsitzungen in Höhe von 100 000 Reichsmark. Insgesamt sind die Aufwandsentschädigungen von jährlich 9000 Reichsmark auf 7 200 Reichsmark herabgesetzt s"» UMWWtLVNd M ^ Mehrung der Zahl der Abgeordneten um 220 000 Reichs- mark erhöht, sie beträgt jetzt rund 1,5 Millionen Reichsmark. Der Reichstagspräsident fordert für den weiteren Grunderwerb und ersten Teilbetrag eines Neubaues für die Reichstagsverwaltung eine Million Mark an. Da bekanntlich eine Wahlrechtsvorlage vom Kabinett eingebracht werden soll, die die Zahl der Abgeordneten um etwa 70 bis 80 herabsetzt, entsteht die Frage, ob diese geplanten umfangreichen Erweiterungsbauten noch als erforderlich erscheinen können.
Das Auswärtige Amt spart Abbau der Auslandszulagen.
Berlin, 3. November.
Nach dem Haushaltsplan des Auswärtigen Amtes find die fortdauernden Ausgaben für das Jahr 1931 um rund 4,4 Millionen Mark, das sind 7,4 v. H., gesenkt worden. Diese durch die Finanzlage des Reiches veranlaßte Ausgabenver- minderung hat nur durch eine starke Kürzung der Bezüge der Beamten im Ausland und dadurch erreicht werden können, daß wichtige Ausgaben des auswärtigen Dienstes eingeschränkt werden.
Die Ost- und Westpreutzen beim Reichs- autzenminister
Berlin, 3. November.
Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s empfing gestern eine Abordnung des zur Zeit in Berlin tagenden Gesamtvor- standes des Reichsverbandes der Heimattreuen Ost- und Westpreußen sowie der Spitzenorganisation der Memelländer im Reich. In der Besprechung wurden eingehend die besonderen Nöte und Sorgen des deutschen Ostens sowie die Ziele und Maßnahmen der Reichsregierung zur Aenderung der unerträglichen Lage erörtert.
Das vierte Völkerbundsjahrbuch
Genf, 3. November.
Das Jahrbuch des Völkerbundes für das Jahr 1930, das ein umfassendes und wohlgegliedertes Bild der Organisation und Tätigkeit des Völkerbundes bietet, ist dieser Tage hier erschienen. Mit besonderer Sorgfalt ist in dem nun zum vierten Male erschienenen Jahrbuch die internationale Arbeitsorganisation behandelt worden. Ein alphabetisches Verzeichnis der Völkerbundsdelegierten und sonstigen Mitarbeiter mit biographischen Angaben sowie eine Übersicht über die in Genf tätigen Vertreter der Weltpresse vervollständigen das wertvolle Nachschlagewerk.
Kemal Pascha eröffnet die Kammer |
Angara, 3. November.
Präsident Kemal Pascha eröffnete die Tagung der Kammer mit einer Rede, in der er die Zweckmäßigkeit der Maßnahmen zur Stabilisierung der türkischen Währung her- ooryob. Ferner erklärte er, die Regierung werde sich bemühen, eine allgemeine und angemessene Regelung der o t t o m a n i s ch e n Schuld herbeizuführen, durch die das Land nicht in seinen Lebensnotwendigkeiten und in seiner Entwicklung gefährdet werde. In der auswärtigen Politik erstrebe die Türkei eine Sicherung des Friedens und gutnachbarliche Beziehungen. / j
Die gestohlene VerMmsrurkunde
Berlin, 3. November.
Aus der Bibliothek des Reichstages ist die Verfassungs- urkunde von 1848 entwendet worden. Die Entdeckung wurde, obwohl der Diebstahl offenbar schon einige Zeit zurückliegt, erst jetzt gemacht. Es ist sofort Anzeige gegen Unbekannt bei der Kriminalpolizei erstattet worden.
Zu dem Diebstahl wird noch mitgeteilt, daß das Dokument in einem eisernen Schränk verwahrt war. Weder an dem Schloß des Zimmers noch an dem des Schrankes, der stets verschlossen gehalten wurde, war irgendeine Beschädigung zu entdecken. Die Verfassungsurkunde hat die Form eines Buches von 35 mal 23 Zentimeter Größe, das in roten Samt gebunden ist. Die Mitte der Vorderseite schmückt der Reichsadler aus silberähnlichem Metall. Nach einem Vorsatzblatt folgen 27 Seiten Text der Verfassung in Antiqua-Lettern. Daran schließen sich 19 Seiten mit den Unterschriften der Abgeordneten. Den Schluß des Buches bilden eine unbekannte Anzahl Seiten mit Drucktext und Unterschriften auf welchem Pergament. Die Urkunde hat Sammlerwert Außer ihr wurden aus einem im selben Zimmer stehenden hölzernen Schränk noch eine Karrikaturen- sammlung politischen Charakters aus den Jahren 1848/49 und die „Sittengeschichte des Weltkrieges" von Magnus Hirschfeld gestohlen.
Man kann annehmen, daß die entwendete Verfassungsurkunde einen Wert von wenigstens 100 000 Mark hat, weil sie ein Unikum aus der deutschen Geschichte darstellt. Diese wertvolle Eigenschaft des Dokuments dürfte es allerdings zugleich dem Dieb, wenn er überhaupt auf Veräußerung ausgegangen ist und nicht etwa selber ein fanatischer Sammler sein sollte, nahezu unmöglich machen, seinen Raub in Deutschland zu veräußern. ____________ ie Bibliothek des Reichstags im Augenblick etwa 320 000 Bände umfaßt, die in einem riesigen Saal untergebracht find, in dem sich die Regale auf drei Stockwerke verteilen.
„Do. N" startet heute?
Alkenrhein, 3. November.
Der für Sonntag vormittag angesetzte Start des Flugschiffes „Do. X" nach Amsterdam ist infolge der ungünstigen Wetterlage im oberen Rheintal verschoben worden. Man hofft, daß der Abflug heute vormittag möglich sein wird, falls sich die Wetterlage inzwischen gebessert hat.
Das Amerika-Alugschifs „Do. I“.
Sührertrile in der Wirtichaftspartei
Berlin, 2. November.
Der zweite Vorsitzende der Reichsparlei des deutscher Mittelstandes (Wirtschaftspakt.), Reichskagsabg. Co 1 o f f e r, hat fein Amt niedergelegt. Er begründet diesen Schritt damit, daß der Parteiführer, Reichstagsabg. Drewitz, die übrigen Vorstandsmitglieder durch selbstherrliche Handlungsweisk dauernd brüskierte. Eolosser hat die Absicht, aus der Wirtschaftsparkei ganz auszuscheiden.
Der Führer der Wirtschaftspartei, Drewitz, erklärt, daß der Rücktritt Colossers vor allem auf Differenzen über die Haltung der Partei gegenüber dem Berufsbeamtentum zu> rückgehe In der „Deutschen Mittelstandszeitung", dem Parteiblatt der Wirtschaftspartei, war das „Madenlied" erschienen, das die Beamtenschaft stark angriff. und von dem Drewitz und der Reichsausschuß der Wirtschaftspartei abrück- ten. Eolosser, der Vertreter der Partei in diesem Verlage, habe die vom Reichsausschuß nun beschlossene Zensur über die Veröffentlichungen in der Parteizeitung nicht dulden wollen.
Der Abg. Ladendorff teilt mit, daß er vorläufig nicht daran denke, seine Parteiämter niederzulegen. Es gäbe allerdings auch in der Wirtschaftspartei Meinungsverschiedenheiten über wichtige politische Fragen, so darüber, ob es richtig war, dem Ueberbrückungskredit zuzustimmen und sich damit einverstanden zu erklären, daß die Zwangswirtschaft erst in einigen Jahren aufgehoben werde. Aber weder er, Ladendorff, noch der Abg. Daunen berg haben einstweilen sich dem Vorgehen des Abg. Eolosser ange- schlossen,