Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTagebtätt hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 256 Freitag, den 31. Oktober 1930 80. Jahrgang

piMtgenprets: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die ReNamezetle 50 Pfennig. (Grunöfchrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Züc die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Zunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr.

****♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*

Wieder Erdbeben in Italien

Mittelitalien wurde erneut Kabinett verabschiedet

Wirtschafts- und Finanzplan

" s Berlin, 31. Oktober.

Das Reichskabinett brächte am Donnerstag seine ge- setzgeberischen Arbeiten zum Wirtschafts- und Finanzplar zum Abschluß. Sämtliche zu diesem Gesamtplan gehörender Vorlagen sind vom Reichskablnett nunmehr verabschiedet Der Beginn der Verhandlungen mit dem Reichsrat ist be- kannklich auf nächsten Dienstag, 4. November, festgesetzt.

Das Reichskabinett und

die Abrüstungsfrage Deutschlands Vertreter auf der Vorbereitenden Abrüstungs­konferenz.

Berlin, 31. Oktober.

® Auswärtige Ausschuß des Reichstages hat nun unter Vorsitz des Herrn Reichskanzlers und unter Hinzu- Myung der Chefs der Heeres- und Marineleitung auch eine Besprechung zwischen den beteiligten Reichsministern über den Stand der allgemeinen Abrüstung abgehalten.

. , Gegenstand dieser Besprechung war die von Deutschland n der Abrustungsfrage zu befolgende Politik sowie insbe­sondere diejenigen Punkte, die mit dem Programm der in der nächsten Woche in Genf zusammentretenden Vorbereiten­den Abrüskungskommission Zusammenhängen.

Die Führung der deutschen Delegation für diese Kom­mission ist wiederum dem Botschafter a. D. Grafen B ern­st o r f f übertragen worden. Der Delegation gehören außer­dem als Vertreter des Reichswehrministeriums der Admiral Freiherr von Freyburg und der Oberst von Schönheinz so­wie einige weitere Sachverständige an.

Linien Ha zur g^nwenr c gt i.MW,

Stimson weiß nichts von einem Moratorium.

Washington, 31. Oktober.

Schatzsekretär Stimson erklärte, daß die amerika­nische Regierung ihren Standpunkt hinsichtlich der Frage der Kriegsschulden und Reparationen nicht geändert habe, die sie nach wie vor als vollständig getrennte Probleme betrachte. Stimson fügte noch hinzu, daß dem Staatsdepartement nichts von einer Bewegung für ein Moratorium bekannt fei.

Der gestürzte Präsident macht Schwierigkeiten

Rio de Janeiro, 31. Oktober.

Durch die Weigerung des abgesetzten Präsidenten L u i z, abzudanken, gestaltet sich die Frage der Anerkennung der neuen Regierung äußerst schwierig.

Präsident Washington Lutz, der in einem Fort gefangen gehalten wird, besteht nach wie vor darauf, der legale Regie- rungschef Brasiliens bis zum Ablauf feines Mandats am 15. November zu fein.

Cortius Wer die Braser Bargänse

Berlin, 31. Oktober.

Im Auswärtigen Ausfchuß des Reichsrats hat der Reichsminister des Auswärtigen Dr. C u r t i u s über die Völkerbundstagung in Genf eingehend berichtet. An diese Berichterstattung schloß sich eine Diskussion über die Minderheitenfrage an. Auf eine Anfrage des sächsischen Reichsratsbevollmächtigten Dr. G r a d n a u e r über die deutschfeindlichen Kundgebungen in Prag und den Boykott deutscher Tonfilme gab der Reichsminister des Auswärtigen

folgende Erklärung ab: Unmittelbar nach den er

deutsche Gesandte in Prag bei terveniert. Ich habe in Genf den tschechos! minister Dr. Benesch auf die ernsten Fo!

sten Demonstrationen hat der i der dortigen Regierung in- s' slowakischen Außen- nsten Folgen der Vorgänge hingewiesen. Mit Genugtuung kann ich feststellen, daß die für die tschechoslowakische Außenpolitik verantwortlichen Stellen die Ausschreitungen vorbehaltlos mißbilligt haben. Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch hat sie auch in seinen Erklärungen vor dem Auswärtigen Ausschuß des Präger Parlaments auf das schärfste verurteilt. Ich begrüße diese Erklärungen im Interesse guter nachbarlicher Beziehungen zur Tschechoslowakei. Leider ist ihnen nicht die Wiederaufführung 'eutscher Tonfilme in Prag gefolgt. Die­ser Zustand hat selbstverständliche Rückwirkungen in Deutsch­land zur Folge. Gleich nach den deutschfeindlichen Kund­gebungen haben deutsche Künstler ihr Auftreten in Prag abgesagt, deutsche Sportvereine ihre Mitwirkung an Sport­veranstaltungen abgelehnt, deutsche Kunststätten gegenüber tschechoslowakischen Künstlern, die die größere Resonanz­möglichkeiten Deutschlands für sich nutzbar zu machen wün­schen, kühle Zurückhaltung geübt. Diese Haltung deutscher Kunst und deutscher Sportkreise war bei der ganzen Sach­lage selbstverständlich. Solche Feststellungen sind schmerz­lich. Die deutsche Außenpolitik muß eine baldige Aende-

" rhältnisse wünschen. Sie erwartet im Inter-

rung dieser Verh.....,,......, , c

esse des kulturellen Austausches mit dem Nachbarvolk, mit dem fiu gute Beziehungen weiter pflegen möchte, daß in Prag und der tschechischen Bevölkerung die Würde der deutschen Kultur und die Bedeutung des Deutschtums nicht länger verkannt werden."

von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das viele Todesopfer forderte

Wieder Erdbeben in Italien

Bisher 22 Tote. Großer Sachschaden.

Rom, 30. Oktober.

Das hiesige Observatorium hat früh um 8.05 Uhr einen Lrdstoß verzeichnet.

Dieser wurde an mehreren Stellen der Marken verspürt. 3n Ancona stürzten einige Häuser ein, mehrere Gebäude ind stark beschädigt. Einige Personen wurden verwundet. Die Behörden haben josort Hilfsmaßnahmen ergriffen. Die telephonischen und telegraphischen Verbindungen sind unter­brochen.

Durch das Erdbeben sind in Ancona zwei Personen ge- I tötet und 60 verletzt worden. Aus Senigallia und Um- gebung werden 20 Tote gemeldet. Das Erdbeben hak auf dem Lande, insbesondere im Westen der Provinz, größeren Materialschaden angerichtek.' UeberaU haben die Behörden mit Hilfe von Militär, Feuerwehr und Miliz die Rettungs- arbeiten bereits eingeleitet.

Nach Mitteilung der Erdbebenwarte in Rom dürfte sich das Epi-Zentrum des Bebens 300 Kilometer von Rom ent­fernt im Adriatischen Meer auf der Höhe von Senigallia befinden. Der Erdstoß wurde außer in Ancona hauptsächlich in Faenza, Ravenna, Ferrari, Fabriano und Grottamare 'ist.

Am Breis- und Eadnlentuno Eine Erklärung Stegerwalds.

Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald machte einem Vertreter derGermania" bedeutungsvolle Mitteilungen über feine Auffassung zu dem besonders zeitgemäßen Pro­blem Preis- und Lohnsenkung. Er stellte fest, daß die deutsche Wirtschaft heute so stark überlastet sei, daß nur dann von einer Wiederankurbelung die Rede sein könne, wenn * ffltmrrfr» «^^ yiyw für den Augenblick keine Erleichterungen ergäben, gäbe es keinen anderen Ausweg, als an verschiedenen Stellen auch etwas in der Loh »frage nachzugeben. Mit der formalen Staatsmacht allein ließen sich bestimmte Wirt­schaftsvorgänge nicht meistern. Nach Auffassung Steger­walds könne die deutsche Wirtschaftskrise nur auf zwei Wegen behoben werden:

1. durch eine vernünftige wirtschaftliche Regelung der Tributleistungsfrage und

2. durch verstärkte Kaufkraft im Innern.

Letztere sei nur zu erreichen durch eine ertragbringende landwirtschaftliche Erzeugung und durch die Verbilligung der gewerblichen und industriellen Produktion und des Massenverbrauchs.

Er läßt sich hierbei von folgenden Erwägungen leiten: Sollen in der Privatwirtschaft ohne die verschiedenen Beamtenkategorien etwa 18 Millionen Arbeitnehmer 3233 Milliarden Löhne und Gehälter beziehen, um davon 3 Millionen Arbeitslose mit jährlich 3 Milliarden zu unter­stützen, oder sollen 21 Millionen Arbeitnehmer in den Pro­duktionsprozeß gebracht werden, um vorübergehend eben­falls nur eine ähnliche Gesamtlohnsumme zu beziehen? Das Ziel müsse fein, die breiten Massen im Wege der Preis­senkung in den Stand zu setzen, mit 31 bis 32 Milliarden Mark Löhnen und Gehältern mindestens nicht weniger kau­fen zu können, als es heute einschließlich der Unterstützung der Arbeitslosen mit 33 bis 34 Milliarden Mark der Fall ist. Nach den Berechnungen Stegerwalds bedeutet z. B. für die Berliner Metallindustrie mit einer Gesamterzeugung im Werte von 11M Milliarden und einer Gesamtlohnsumme von 300 Millionen eine Lohnsenkung um 1 o. H. eine Lohn­ersparnis von etwa 3 Millionen Mark, eine Preissenkung um 1 v. H. aber eine Verbilligung der Erzeugnisse um etwa 10 bis 12 Millionen Mark. Im deutschen Bergbau bedeutet 1 Prozent Lohnsenkung 15 Millionen Mark, eine Preissenkung um 1 Prozent mehr als das Doppelte. Ver­billigung der Kohle bedeutet Ermäßigung der Eisenpreise, Erleichterungen für Gas, Elektrizität und der Äerkehrs- tarife. Eine' Milliarde Lohnsenkung müsse mit mindestens 2M3 Milliarden Mark Preissenkung einhergehen. Einem so verbilligten Warenangebot müsse verstärkte Nachfrage folgen und hierdurch in absehbarer Zeit wieder mehr Ar- beitsraum geschaffen werden.

Wenn nicht eine Preissenkung für die Gegenstände des täglichen Bedarfs, beim Kleinverkaufspreis wichtiger Le­bensmittel, in absehbarer Zeit erreicht wird, können Schieds­sprüche mit Lohnkürzungen seitens des Reichsarbeitsministe- riums nicht mehr für verbindlich erklärt werden.

Die Besprechungen mit den Ländern

Berlin, 31. Oktober.

In Verfolg der seit einiger Zeit im Gange befindlichen Besprechungen der Reichsregierung mit den Lündeiregierun- gen fand eine nochmalige Besprechung des Reichskanzlers Dr. B r ü n i n g und des Reichsfinanzminister Dietrich mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr Held statt. Zur Erörterung standen Fragen des Wirtschafts- und Finanzplanes der Reichsregierung und des Ausgleiches des bayerischen Haushaltes.

SnternationaleKooperation" Dr. Schacht über die Reparationen.

Berlin, 31. Oktober.

Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht schreibt im Berliner Börsencourier über das Reparationsproblem: Es ist eine ökonomische Binsenweisheit, daß Deutschland Re­parationen nur zahlen kann, wenn es gelingt, einen ent­sprechenden Exportüberschuß zu entwickeln. Im Durchschnitt der Jahre 1924 bis jetzt hat der deutsche Außenhandel einen jährlichen Importüberschuß von zwei Milliarden aus- gewiesen.

Wenn Deutschland wirklich Reparationen bezahlen soll, dann muß der deutsche Außenhandel um wenigstens 40% erhöht werden,

was natürlich nur auf Kosten Englands, Ame­rikas und anderer Staaten möglich wäre. Es bleibt aber abzuwarten, ob es sich unter diesen Umständen für Eng­land, Amerika und die anderen bezahlt machen wird, auf der Entrichtung der deutschen Reparationen zu bestehen. Amerika ist so eng mit dem Rest der Welt verknüpft, daß eine Josilierung für Amerika selbst ungeheuren Schaden bedeuten würde. Amerika kann nicht einmal seine über­schüssigen Rohstoffe an andere Nationen verkaufen, ohne da­für als Kompensation Waren anzunehmen. Notwendig ist eine Steigerung des Verbrauchs und eine Vermehrung des Welthandels, was dazu führen würde, den gegenwärtigen Mangel an Vertrauen zu beseitigen. Dies ist nur möglich durch die Investierung von Kapital in bisher unentwickelten Ländern. Das Gefühl des Mißtrauens und der Unruhe ist gegenwärtig in der ganzen Welt so verbreitet, daß in mei­ner Auffassung ein derartiges Projekt die einzige Möglich­keit auf Erfolg bietet. Freilich ist dafür internationale Koo­peration notwendig. Ich glaube, daß die Zeit jetzt gekom­men ist, ein internationales Gremium aufzubauen.

SpenöTTüTT^

Berlin, 31. Oktober.

Die Reichs- und die preußische Staatsregierung haben für die Opfer der Grubenkatastrophe in Maybach im Saar- revier eine Spende von 50 000 Mark zur Verfügung gestellt.

Groenerr Sani an Seye

Berlin, 31. Oktober.

Reichswehrminister Dr. Goener hat an den General­obersten H e y e ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:

Sehr verehrter, lieber Herr Generaloberst!

In schwieriger Zeit hatten Sie die Heeresleitung über­nommen. Auf der von General von Seeckt geschaffenen Grundlage haben Sie den Wiederaufbau des Herves in unermüdlicher Arbeit weiter gefördert. Wichtige Probleme aus der langen Dienstzeit harrten ihrer Lösung. Ihr Ver­dienst ist es, diese Probleme mit freiem, weitem Blick tat­kräftig angepackt zu haben, insbesondere auf den Gebieten der Erziehung und Ausbildung. Auf beiden Gebieten sind bedeutende Fortschritte gemacht worden mit dem Ergebnis, daß hohe Persönlichkeitswerte durch alle Dienstgrade, vom einfachen Mann bis zum General, erzielt worden sind. Die­ses Verdienst ist nicht hoch genug einzuschätzen für unsere kleine Wehrmacht, deren freie Entwicklung durch unerträg­liche politische Fesseln gehemmt ist. Ihre Leistung wurde getragen und ermöglicht durch die hervorragend loyale und vornehme Haltung Ihrer eigenen Persönlichkeit. Damit haben Sie jedem einzelnen Offizier ein unübertreffliches Bei­spiel gegeben. Das ganze Offizierkorps, das ganze Reichs­heer und ich in erster Linie danken Ihnen und werden Ihre Tätigkeit und Ihre Leistungen nie vergessen, gez. Groener."

Der Sonflitt Reich - Braunschweig

Braunschweig, 31. Oktober.

Minister Dr. Franzen erklärte einem Pressevertreter zu der gegen den braunschweigischen Staat eingeleiteten Ak­tion in der Polizeizuschußfrage, daß ebenso wie Thüringen auch die braunschweigische Regierung den Rechtsweg ein» schlagen werde, um dem braunschweigischen Staate zu seinem Recht zu verhelfen.

Die braunschweigische Frage liege durchaus klar. Er, als braunschweigischer Polizeiminister, habe sich keines Ein­griffes in die braunschweigische Polizeiverwaltung schuldig gemacht. Es sei nicht Sache des Reichsinnenministers zu entscheiden, ob er, Franzen. der richtige Mann für die Ver­waltung des braunschweigischen Polizeiwesens sei. Die ge­richtliche Klärung seines Berliner Falles sei in Berlin durch die Immunität in die Ferne gerückt. Er werde deshalb durch die auf seine Veranlassung vom Landgericht Braunschweig ergangenen einstweiligen Versügungen, über die am 5. und 6. November verhandelt werde, dafür sorgen daß Aufklä­rung geschaffen werde. Im übrigen trage er keine Beden­ken, von sich aus den Antrag auf Aufhebung seiner Im­munität als Reichstagsabgeordneter zu stellen Mit einem solchen Anträge werde aber im Augenblick an den Dingen nichts geändert. Der Reichstag, der über einen solchen An­trag beschließen müsse, trete erst am 3 Dezember wieder zusammen. Was von ihm getan werden- könne, um eine Klärung Her Angelegenheit herbeizuführen. werde geschehen.