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HersfelöerTageblatt

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Hersfelöer Krelsblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

: Monatlicher Bezugspreis: Durch Sie Postbezügen 1^0 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld r : 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer r : 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig : : Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV. :

Nr. 251 (erstes Statt)

Sonnabend, den SS. Oktober 1930

80. Jahrgang

Amstur; in Brasilien

Die braßlianische Flotte

Schutz DerheiMWen Arbeit

Die Zahlungsverpflichtungen Deutschlands aus Repa­rationen und Anleihe-Zinsen- und Tilgungsdienst erfordern eine aktive Handelsbilanz von über 2,5 Milliarden Rm. pro Jahr, falls eine Exportförderung als das Mittel angesehen wird, welches die Aktivierung der Handels- und Zahlungs­bilanz herbeizuführen geeignet ist. Indessen ist die Sache nicht ganz so einfach: Ein Wachstum des Exportes auf 15 bis 16 Milliarden Rm. benötigt eine Vermehrung der un­entbehrlichen Rohstoff- und Halbfabrikat-Importe um min­destens 2 Milliarden Rm. Das erforderliche Export-Wachs­tum müßte also 4,55 Milliarden Rm. pro Jahr betragen. Ob der deutsche Export in den nächsten 5 Jahren im gleichen Tempo wächst, wie in den Jahren 19251929, nämlich um 45 Prozent (von 9,3 auf 13,5 Milliarden Rm.) ist zweifel­haft. Folgende Hemmungen stellen sich diesem Wachstum entgegen:

1. Mangelnde Kaufwilligkeit der konsumkräftigen Indu­striestaaten in Europa und Amerika, die hinter Zoll- mauern schwere Konkurrenz-Industrien gegen Deutsch­land emporzüchten. (Amerika, Frankreich, engl. Imperium.)

2. Mangelnde Kauffähigkeit der kaufschwachen Rohstoff- und Agrarstaaten in allen Erdteilen, besonders solange die Weltwirtschafts-Depression andauert.

3. Wachsende Verlagerung des deutschen Exportes von den Verbrauchsgütern, die im Ausland im wachsenden Umfange selbst hergestellt werden, zu den Erzeugungs- gütern, das bedeutet aber die Ausrüstung künftiger Konkurrenten des deutschen Exportes mit deutschen Maschinen und Apparaten.

Es dürfte also mehr als fraglich erscheinen, «nn deut- WOWMMWGMliMMW hoffen.

Zur restlosen Aktivierung der Zahlungs- und Handels­bilanz bleibt dann nur eine Einfuhrverminderung durch Drosselung der überflüssigen Fabri­kat- und Nahrungsmitteleinfuhr übrig. Das ist auch notwendig hinsichtlich der Aufsaugung der durch Luxus-Import brotlos gewordenen Arbeitskräfte durch den Binnenmarkt, der als Rückgrat der Volkswirtschaft 90 Pro­zent aller Werktätigen, d. h. fast 30 Millionen Bauern, Ar­beiter und Handwerker in Brot und Nahrung setzt. Für einen Industriestaat wie Deutschland, der auf Fabrikat- Erport zur Bezahlung der auf seinem Boden nicht gewach­senen Rohstoffe angewiesen ist, bedeutet wachsende Fabrikat- Einfuhr (von 1,4 auf 2,4 Milliarden Rm. von 1913 bis 1928) eine selbstmörderische Abwürgung von Arbeitsge­legenheit für fast !4 Million qualifizierte Arbeitskräfte. Die ganze Bedenklichkeit einer über ihre Verhältnisse lebenden Pumpwirtschaft spiegelt sich wieder in dem starken Anwach­sen der Einfuhren von Geweben aller 21 rt, von Kleidung, Schuhen, Kraftfahrzeugen, Büromaschinen, Glas-, Ton- und Porzellanwaren usw. Das Anwachsen dieser Einfuhren geht in die Hunderte von Millionen Rm.l Gleiches gilt für die Luxuseinfuhr von Bananen, Orangen und Weintrauben, Butter, Käse, Eier Frühgemüse usw. Der deutschen Land­wirtschaft kann es nach vollendeter Umstellung auf Lieferung von standardisierten Markenartikeln in gleicher Qualität und Aufmachung wie seitens der Dänen, Holländer, Amerikaner usw. gelingen, diese überflüssige Auslandsware im Umfange non '1 % Milliarden Rm. (vorsichtige Schätzung amtlicher- seits) zurückzudrängen und damit einer Million Bauern Brot und Arbeit zu verschaffen. Die Abdrosselung dieser überflüssigen Einfuhr durch Erziehung der deutschen Erzeuger zu preis- und leistungswerter Ware sowie der deutschen Verbraucher zum Kauf deutscher Ware verschafft direkt mindestens 2 Millionen deut­scher Arbeitskräfte Existenzmöglichkeit und abermals für eine mindestens gleich große Anzahl Werk­tätiger vermehrte Arbeit! Der Schutz heimischer Ar­beit, diese wichtigste Waffe machtloser Staaten im wirt­schaftlichen Freiheitskampf, ist somit der Angelpunkt aller Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit; sie erspart die Bezahlung von jährlich mindestens 22% Milliarden Rm. Einfuhrdevisen. Wenn man das mögliche Exportwachs­tum auf mindestens die gleiche Summe schätzt, dann ergibt sich folgende Bilanz:

Einsparung von Einfuhrdevisen . 22% Milliarden Rm.

Export-Wachstum......22%

Verbesserung der Zahlungsbilanz 45 Milliarden Rm.

Die Erzielung eines solchen Ertrages ermöglicht die Aktivierung der Zahlungsbilanz, Abriegelung der wirtschaft­lichen Ueberfremdung und schasft die psychologische Voraus­setzung für die Revision des Poungplanes!

Die Wirtschaftspolitik der nächsten Jahre wird, soweit sie im Zeichen des Kampfes um die Wirtschaftsfreiheit steht, den Kampf um die Nahrungsfreiheit, in den Mittelpunkt derWirtschaftsschlacht" stellen. Von ihrem siegreichen Ab­lauf wird es abhängen, wie weit die nach Ablauf des ame­rikanischen Handelsvertrages 1935 einsetzende Reorganisa­tion unserer Zolltarif- und Handelsvertragspolitik sich in den Dienst der stufenweise fortschreitenden Freiheits- und Wiederaufbaupolitik der deutschen Wirtschaft stellt.

zu den Ausständigen übergegangen Die

Rio de JaKeiro gefallen

Der Mob plündert und brandschatzt.

Buenos Aires, 25. Oktober.

Aus Porto Alegre verlautet, der Chef des Stabes der Aufständischen bestätige, daß die Truppen in Rio de Ia- neiro unter den Generälen Danorogne, Leite, Castro und Passo Fragoso, sowie die Marine unter dem Befehl von Ad­miral Noronha sich ihrerseits ergeben und den Aufständi­schen angeschlosien hätten. Präsident Washington Luiz soll geflohen sein, Vizepräsident Nello Viana sei verhaftet. Gegen Senator Azevedo ist ein Anschlag verübt worden. Er wurde durch Steinwürfe schwer verletzt.

Die Bewegung, die mit dem Sturz der Regierung Luiz endete, machte sich hier bereits in den frühen Morgenstun­den bemerkbar. Um 10 Uhr drang die Menge in die Straßen der Unterstadt ein. In den Mittagsstunden brach an ver­schiedenen Stellen der Unterstadt Feuer aus.

Fünf Zeikungsgebäude einer Agentur, die die Regierung Luiz unterstützt hatte, wurden angegriffen und in Brand gesteckt. Infolge mangelndem Wasserdrucks war die Feuer­wehr nahezu hilflos. Mehrere Brände wurden in der Nachbarschaft des Wolkenkratzers angelegt, in dem das amerikanische Generalkonsulat seinen Sitz hat. Die Menge hatte freie Hand, sie plünderte u. a. Waffen- und Juwelier­läden. Mit roten Zahnen zog eine Gruppe der Liberalen, ohne von der Polizei behindert zu werden, durch die Straße". Jeder sonstige Verkehr hatte aufgehört.

Im Laufe des Nachmittags, als die Ausschreitungen zahlreicher wurden, schritt die Polizei ein. Verluste an Men­schenleben scheinen bei dem Vorgehen der Polizei nicht ein» getreten zu sein.

Der neuernannte Iustizminister Gabriel Bernardes hat eine Sitzung der Militärjunta angekündigt, die über Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung beraten .M^MWMMWWi -^»M^MWW gefordert, sich zum freiwilligen Polizeidienst zu melden. Die neue Regierung vertraut darauf, daß die Lage sich bald klären wird.

Die Heeres- und Marineoffiziere, die seit dem Rücktritt des Präsidenten Luiz die politische Lage in der Hauptstadt zu beherrschen bemüht sind, veröffentlichen

eine Kundgebung an das brasilianische Volk, in der sie sowohl die Anhänger der Regierung wie diejeni­gen der Aufständischen bitten, die Bewegung zugunsten des Friedens zu unterstützen, und die Truppen beider Parteien ersuchen, die Feindseligkeiten zu beenden. Die Kundgebung ersucht weiter verschiedene Bevollmächtigte, mit der vorläu­figen Regierung über die Befriedung des Landes zu be­raten.

*

Washington Luiz in der Hand der neuen Machthaber.

Rio de Janeiro, 25. Oktober.

Der zurückgetretene Vundespräsident Washington Luiz hat sich dem General Azevedo anvertraut, der die Verant­wortung für die Sicherheit des gestürzten Staatsmannes übernommen hat. Meldungen aus Sao Paulo besagen, daß der gewählte Präsident Julio P r e st e s seinen Rücktritt erklären wird.

Gegenüber der vorher allgemein verbreiteten Annahme, daß Präsident Luiz abgedankt habe, verlautet jetzt, daß er noch im Regierungspalast verweile.und sich beharrlich wei­gere, die Abdankungsurkunde zu unterzeichnen. Er erklärte, er werde den Palast nurin Fesseln" verlassen. In Wirk­lichkeit ist freilich

die Absetzung des Präsidenten Luiz eine vollzogene Tatsache, da der Palast von der Militärjunta ergebenen Truppen besetzt ist.

*

Die Beschießung Sao Paulos

Sao Paulo, 25. Oktober.

Die Beschießung des Regierungsgebäudes erregte in der Stadt eine Panik. Bei den ersten Schüssen stob die Menge auseinander und suchte sich in Sicherheit zu bringen. Die Ge­schäftshäuser ließen die eisernen Rolläden herunter, die Straßenbahn stellte den Betrieb ein. Eine Schießerei im Mittelpunkt der Stadt hatte demonstrativen Charakter und war von kurzer Dauer. Die Einwohner begaben sich, als die Gefahr vorbei war, wieder auf die Straße und besprachen aufgeregt die Ereignisse.

Amerika ist bestürzt

Washington, 25. Oktober.

Der Sturz der brasilianischen Bundesregierung hat im Staatsdepartement große Bestürzung hervorgerufen. An die amerikanische Botschaft in Rio de Janeiro, die noch zwei Stunden vorher gedrahtet hatte, daß alles ruhig sei und nichts von einem Rücktritt des Präsidenten berichtet hatte, wurde eine telegraphische Anfrage gerichtet. Mangels einer amtlichen Bestätigung der Meldungen lehnte der Staatssekre­tär jegliche Stellungnahme ab.

Diklatur in BrssNien?

Buenos Aires, 25. Oktober.

Wie die ZeitungLa Nacion" aus Rio de Janeiro er­fährt, hat General Tasso Fragoso die Diktatur in Bra­silien eingeführt. j

Regierung zurückgetreten

PreuMches Rezept

40-Skundenwoche. Ein Berufsschuljahr. Keine aus­ländischen Landarbeiter. Umfassende Meliorationen.

Das preußische Staatsministerium hat sich in seiner : letzten Sitzung mit einer Reihe von Vorschlägen zur Be­kämpfung der steigenden Arbeitslosigkeit in Deutschland be­schäftigt, die vom preußischen Handelsminister Dr. Schrei­ber und vom preußischen Landwirtschaftsminister Dr. Stei­ger ausgearbeitet worden find.

Wie es in einer Verlautbarung von zuständiger preu- e bischer Seite heißt, will man mit diesen Vorschlägen eine Besserung der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt in naher Zeit herbeiführen,

da die von der Reichsregierung erstrebte Senkung des deutschen Preisniveaus zur Entlastung der deutschen Wirt­schaft und des deutschen Arbeitsmarktes eine Besserung erst allmählich und in geraumer Zeit herbeiführen könnend Die Vorschläge des preußischen Staatsministeriums an die Reichsregierung knüpfen einmal an, an Forderungen der freien Gewerkschaften auf Verkürzung der Ar­beitswoche zum andern an der Forderung der Natio­nalsozialisten auf Einführung eines Arbeits­dienstjahres und schließlich an Forderungen verschie­dener Parteien zur Sperrung der deutschen Grenze gegen die Ueberschwemmung mit ausländischen Landarbeitern.

Die preußische Skaatsregierung empfiehlt der Reichs­regierung die Prüfung der Frage, ob nicht auf dem einen oder anderen Wirtschaftsgebiet eine vorüber­gehende Herabsetzung der Arbeitszeit

Ferner sollte durch Gesetz eine Regelung getroffen werden, daß bis auf weiteres alle Betriebe, die zu einer Einschrän­kung ihrer Arbeit gezwungen sind, solange keine Ver­minderung ihrer Belegschaft vornehmen dür­fen, als die von der Arbeitseinschränkung betroffene Veleg- schaftsgruppe bei einer Verminderung der Arbeitszeit noch mindestens 40 Wochenstunden oder 5 Tagesschichten Beschäf­tigung finden kann. Mit einer solchen Maßnahme würde die weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit nach Auffassung der preußischen Staatsregierung nicht unwesentlich ge­hemmt. Dem Vorschlag nach Einführung eines all­gemeinen Arbeitsdienstpflichtjahres für Jugendliche glaubt die preußische Staatsregierung am zweckmäßigsten damit Rechnung zu tragen, wenn

sie durch vorübergehende Verlängerung der Schulpflicht um ein weiteres Jahr die etwa 250 000 Ostern 1931 zur Entlassung kommenden Vierzehnjährigen vom Ar- beiksmarkt fernhält.

Dieses weitere Schuljahr soll ausschließlich der Vorberei­tung der Jugendlichen auf ihren künftigen Beruf gewidmet sein. Für die Landwirtschaft soll dieses 9. Schuljahr in Wegfall kommen, sofern die schulentlassene Jugend in der Landwirtschaft selbst Verwendung findet. Die hierdurch ent­stehenden Kosten sollen nach dem Vorschlag der preußischen Regierung aus den Ersparnissen bestritten werden, die bei der Arbeitslosenunterstützung bei Durchführung dieser Maßnahmen gemacht würden.

An dritter Stelle schlägt Preußen vor, im nächsten Jahr keinerlei ausländische Wanderarbeiter (sogenannte Sachsengänger) für die deutsche Landwirtschaft zuzu- lassen.

Preußen berechnet die Zahl der dadurch für deutsche Ar­beiter frei werdenden Arbeitsplätze auf mindestens 100 000. Die vielfach in der Landwirtschaft geäußerten Bedenken, daß sich nicht genügend geeignetes Arbeitsmaterial aus dem Heer der deutschen Arbeitslosen für die Landwirtschaft fin­den würde, glaubt die preußische Regierung mit dem Hin­weis darauf zerstreuen zu können, daß die Feststellungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung das Gegenteil er­geben hätten.

Schließlich ist vom preußischen Landwirtschaftsminister ein umfassendes Meliorationsprogramm ausgearbeitet worden, daß für die übrigen Landeskeile etwa 310

Millionen Mark vorsieht.

Das Programm soll auf drei Jahre verteilt werden und sich auf die Entwässerung von Aeckern, Wiesen und Weiden, auf die Erschließung von rund 3,3 Millionen Hektar Hoch- und Niederungsmooren und auf die ertragreichere Gestal­tung von rund 2 Millionen Hektar Gründlandwirtschaft er­strecken. Die Errechnungen des preußischen Landwirtschafts- ministers kommen zu dem Schluß, daß bei Durchführung dieses Programms rund 78 000 Arbeiter mit etwa 94,5 Mil­lionen Mark jährlich beschäftigt werden könnten.

AeberfchmemmWgrunsliilk in Mexiko

Hundert Personen ums Leben gekommen.

Tampio (Mexiko), 25. Oktober.

Die Militärbehörde erhielt aus der Ortschaft Chapopo- kenunez die Meldung, daß bei den Überschwemmungen, die, wie bereits berichtet wurde, in dem ganzen Bezwk Rayaru großen Schaden vermischten, über hundert Personen um^e- kommeu sind.