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Dr. 245

Umfelder Tageblatt

2. Blatt

Einsamkeit

Es ist Herbsteszeit. Brausende Stürme jagen über das Land, und allerorten tönt wieder wehklagend die schwer­mütige Melodie von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Und der Mensch geht hinaus und wandelt stumm durch das große Sterben der Natur. Langsam rieselt der Regen und tropft von den kahlen Zweigen der Bäume hernieder, die, all ihres Schmuckes beraubt, gespensterhaft gen Himmel ragen. Oede und brach liegt die Flur, wo noch vor kurzem wogende Halme sich im Winde hin- und Herschaukelten. Wer vermag dem Gefühl Ausdruck zu verleihen, das sich ange­sichts dieser unendlichen Traurigkeit des Menschen bemäch­tigt? Es sind die seltenen Stunden im Leben, in denen das unerbittliche Gesetz von Werden und Vergehen aller Kreatur sich der menschlichen Erkenntnis eingliedert. Und diese Erkenntnis offenbart ihm die ganze Geringfügigkeit und Nichtigkeit des menschlichen Daseins und alles dessen, las es umfangen hätte. Der Mensch wird klein vor sich elbst; dahin sind Hoffart und übertriebenes Selbstbewußt­em, mit denen er so oft seine Mitmenschen zu beeinflussen verstand. Er hört auf, seine unwahre, nur auf Eindruck berechnete Rolle zu spielen, und kehrt zurück zu seinem eigentlichen Ich. Je größer der Abstand zwischen Sein und Schein war, um so schwerer, niederschmetternder sind solche Stunden der Selbsterkenntnis. Dann sucht der Mensch nach einem Halt, an den er sich klammern kann, er trachtet da­nach, Menschen zu finden, denen er sich anvertrauen, sich so zeigen darf, wie er ist, und siehe da, er findet keinen Halt, er findet keinen Menschen, er findet nur, daß er ein= (am ist, so einsam, so verlassen, wie die Natur ringsum sich ihm darbietet. Seine Gedanken schweifen zurück in längst vergangene Zeiten, all die Menschen ziehen an seinem geistigen Auge vorüber, die ja mit ihm in Berührung ge­kommen sind, und keiner ist darunter, dem er sich ganz offenbart hätte, dem er sich je ganz offenbaren könnte.

So sind wir im Grunde alle einsame Menschen. Das Maß aber, in welchem wir von Menschen umgeben sind, ist bei weitem nicht für den Grad unserer Einsamkeit ausschlag­gebend. Im Gegenteil, die Erfahrung lehrt, je näher ein Mensch dem Leben steht, je mehr er alltäglich mit Menschen in Berührung kommt, desto einsamer wird er in seiner Seele.

Ein Weg aber steht jedem offen, sich von seinem Allein­sein zu erlösen, das ist die Hingabe an den, der km Schöp­fer aller Kreatur ist. Wer sich mit ihm verbindet, wird nie vollends einsam sein; und ob er auch durch die sterbende Natur seine Schritte lenkt, wird er dennoch nicht einsam sein, sondern sich stets verbunden fühlen mit feinem dem Herrn über Leben und Tod.

»5 Hielt!

Wenn zur Herbstzeit Regen, Wind und starke Tempera­turunterschiede zwischen Morgen, Mittag und Abend unsere Witterung beherrschen, dann beginnt die Schnupfen-Saison: die große Mehrzahl der Menschen bekommt'ihren" Schimp­fen. Er beeinträchtigt zwar unsere Stimmung, unsere Ar­beitslust und Arbeitsfähigkeit, aber wir find gewohnt, einen Schnupfen als etwas Belangloses, ja Unvermeidliches hin­zunehmen. Ist dem wirklich so?

Vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen, stellt der Schnupfen einen durch bakterielle Einflüsse hervorgerufenen Katarrh der Nasenschleimhaut dar. Er ist also schlechthin auch eine Infektionskrankheit. Bleibt er auf die Nase be­schränkt, dann mag er als harmlos gelten, in vielen Fällen ergreift er aber z. B. die Stirnhöhle und führt so zu einem oft langwierigen schmerzhaften und nicht ungefährlichen Krankheitszustand. Bisweilen werden durch die Verbindungs­wege zwischen Nase und Ohr Krankheitskeime in das letztere verschleppt, und eine schmerzhafte Ohrenentzündung ist die Folge. Manchmal ist der Schnupfen auch die Einleitung zu anderweitigen Erkrankungen, z. B. der Luftröhre, des Kehl- kopfes, der Lunge usw., oder er bildet die Teilerscheinung beginnender Masern, Grippe und dergl. mehr. Da man meist einem Schnupfen von vornherein nicht ansieht, was noch alles aus ihm werden kann, so muß es seinerseits unsere selbstverständliche Pflicht sein, bei einem Schnupfen mit höherem Fieber oder sonstigen erheblicheren Allgemein- erscheinungen rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu neh­men. Auf der anderen Seite müssen wir in Erkenntnis der möglichen Gefahren, die der Schnupfen in sich birgt, bestrebt sein, sein Auftreten zu verhüten und seiner Weiterverbrei- tung wirksam zu begegnen. Die Mittel und Wege hierzu zeigt uns die Hygiene. Der beste Schutz gegen Schnupfen und Erkältung ist körperliche Abhärtung, die aber nicht erst im Herbst und Winter, sondern vielmehr schon in der war­men Jahreszeit einsetzen muß. Sehr wichtig ist vor allem in diesem Zusammenhang zweckmäßige, der Außentempe­ratur angepaßte Kleidung. Man achte vor allem auf die Ver­meidung nasser Füße und sorge für warme trockene Strümpfe und feste Schuhe mit heilen Sohlen. Wer trotz­dem einen Schnupfen bekommen hat, der huste und niese anderen nicht rücksichtslos ins Gesicht. Ganz besonders groß ist diese Gefahr der Ansteckung in menschenüberfüllten Räu­men, insbesondere in Eisenbahn, Straßenbahn und Omni­bus. Auch dem Taschentuch gehört zurzeit der Schnupfen- saison besondere Aufmerksamkeit. Durch häufiges, umständ­liches Entfalten eines vielfach gebrauchten Taschentuches werden gleichfalls, zumal wenn der entleerte Schleim schon eingetrocknet war, Krankheitskeime in die Luft geschleudert. Sehr empfehlenswert ist daher die Verwendung von Pa­piertaschentüchern, die nach mehrmaliger Benutzung fortge­worfen resp, verbrannt werden. Durch zweckmäßiges hygie­nisches Verhalten kann der eigene Schnupfen meist verhütet, mindestens aber seine Weiterverbreitung weitgehend ver­hindert und damit stark eingeschränkt werden die Gefahr der Zeit, daalles niest".

Rauchen Sie?

Über die Matze: SoIlman rauchen und wie soll m an ra u ch e n äußert sich ein Berliner Arzt, Dr. Curt Kayjer.

Daß Rauchen schädlich ist, so sagt er, und vom Standpunkt der Gesundheitspflege zu bekämpfen ist, ist bekannt, aber der Arzt weiß auch, wieoielen Menschen das Rauchen ein Genuß bedeutet, den sie trotz aller gesundheitlichen Gefahren auf*

zugeben nicht gewM sind. Darum gilt es, diese Gefahren nach Möglichkeit einzuschränken.

Die Ursachen der gesundheitsschädlichen Wirkung des Tabakrauchens erblicken die meisten Forscher im Nikotinge­halt des Tabaks. Nikotin ist ein Gift, das nur im Tabak vorkommt und beim Anzünden einer Zigarre, Zigarette oder Pfeife, zum größten Teil mit dem durchgesaugten Wasserdampf und der durchgesaugten Luft in den Mund des Rauchers gelangt. Nicht der reine Nikotingehalt, sondern die Nikotinmenge ist das Wesentliche, die in den Rauch und da­mit in den Mund übergeht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß verhältnismäßig am m e i st e n N i k o t i n imRauchderPfeife, weniger in dem der Zigarre und noch weniger in dem der Zigaretten enthalten ist. Doch das allein ist nicht entscheidend für die Nikotinschädlichkeit,' Der Nikotingehalt des Rauchmaterials ist nämlich weiterhin noch abhängig von der Temperatur des Rauches, von der Dicke der Zigarre oder Zigarette. Kühler, trockener Rauch enthält weniger Nikotin als heißer, feuchter, und es ist z. B. besser, eine lange, dünne, nicht zu fest gepackte Zigarre zu rauchen, als eine aus gleichem Tabak hergestellte, die dick, fest und feucht ist. Im abgerauchten Ende der Zigarre, im Stummel, sammelt sich das Nikotin. Deshalb sollte der Stum­mel rechtzeitig fortgeworfen, unter keinen Umstän < den mehrfach angezündet und etwa am Morgen weitergeraucht werden, wenn man ihn am Abend weggelegt hat. Das Gleiche gilt für das Wiederanzünden einer halbge­rauchten Zigarette. Zur Abkühlung des Rauches und zum Trockenrauchen empfiehlt sich für Zigarren und Zigaretten die Benutzung einer Spitze oder aber das Rauchen aus der langen Pfeife unserer Großväter. Selbstverständlich kommt es auch sehr auf die Menge an, die täglich oer- raucht wird. Mäßigung ist beim Tabakrauchen noch mehr als bei jedem anderen Genußmittel mit Rücksicht auf unsere Gesundheit am Platze. Auch ist nicht jeder dem Niko­tin gegenüber gleich empfänglich. Jugendliche Per­sonen sollten vor dem 20. Lebensjahr das Rauchen mög­lichst ganz unterlassen. Unbedingt verboten, weil schwer g e- 1 u n d h e i t s s ch ä d l i ch , i st d a s R a u ch e n durch die L un g e Von den einzelnen Organen, die durch über­mäßiges Rauchen geschädigt werden, steht an der Spitze das Herz. Herzklopfen, unregelmäßige Herztätigkeit, krampfar­tige Herzanfülle, Ohnmachten und anderes mehr sind ernste Zeichen, die ein Aufgeben des Rauchens erforderlich machen. Auf der anderen Seite muß zugegeben werden, daß das Rauchen einer Zigarre oder Zigarette bisweilen heilsam einwirken kann und für manche Menschen eine gewisse Ner- venberuhigung bedeutet.

Die erste Lustjau-, der Welk.

Die Heinen-Lustjacht über ihrer Halle in Cape May, New Versey, auf ihrem ersten Probeslug. Das Fahrzeug ist von Kapitän Anton Heinen, einem früheren Zeppelinführer, entworfen. Es ist nicht starr, 104 Fuß lang, trägt vier Passagiere und kann aus ganz kleinen Plätzen landen. Sein Gesamtgewicht beträgt wenig mehr als 800 Kilogramm.

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Stärkste Zunahme in Ost- unb SLddeutfchland.

Die ersten Ergebnisse der Schweinezählung vom 1. S«P- tember 1930 lassen eine außerordentliche Erhö h u n g der B e st a n d e sowohl gegenüber der September-Zahlung des Vorjahres (insgesamt 19,59 Millionen) wie gegenüber der letzten Zahlung am 2. Juli 1930, mit 19,80 Millionen Stuck erkennen, denn der Gesamtbestand erhöhte sich um rund 19 v. H. auf die Rekordzisser von 23 414 000 Stück. Der Gesamtschwecnebestand erreicht mit dieser enormen Ziffer den höchstenBestand, den wir in der Nachkriegszeit gehabt haben und uoertrcfst die bisher höchste Ziffer seit 1. Dezember 1927 noch um 500 000 Stuck. Allerdings muß bei diesem Vergleich beachtet werden, daß Natur­gemäß Anfang September vor bent Einsetzen der Winterschlach- tungen in den landwirtschaftlichen Betrieben die Schweinebestände höher sind als im Dezember eines jeden Jahres. Die^gewattige Erhöhung der Schweinebestände zeigt aber deutlich die Gefahr « der sich die deutsche Schweinewirtschast befindet. Ein verstärkte» Angebot an schlachtreifen Tieren oder auch ein Nachlassen der Nachfrage, die bei dem allgemeinen Konjunkturrückgang nur allzu leicht eintreten kann, bringt jederzeit dre Gesa h r eines starken Preiseinbruches für Schweine mit sich.

Zwar konnten bisher durch die starke Förderung des Exportes von Schweinen mittels Einfuhrscheinen die An- geootsspitzen aus. den deutschen Märkten herausgenommen wer­den und die Preise in den letzten Monaten einigermaßen ge­halten werden. Unterstützt wurden diese Bemühungen dadurch, nach Schweinen etwas hebt, zum andern aber die hohen Be- standsziffexn der Ferkel und Jungschweine sich noch nicht m der Form erhöhter Auftriebe von Schlachtschweinen auf den Markten ausgewirkt haben. Leider wird aber automatisch mit dem Fort­schreiten der Zeit dieses Anwachsen der Auftriebsziffern folgen; denn das Bedrohliche der heutigen Lage in der Schweineerzeu- gung und Mast liegt darin, daß von Zählung zu Zählung im letzten Jahre die Bestände an Ferkeln, Jungschweinen und Zucht­sauen besonders stark angewachsen sind.

Gerade die starke Zunahme der Zuchtsauen stellt ein weiteres bedrohliches Zeichen dar. Zwar ist die Ziffer der Zuchttiere gegenüber Der letzten Zählung vom 2. Juli d. J. um ein Ge­ringes abgesunken. Dies hängt jedoch mit dem jährlichen Aus- und Ab der Zuchtbestände zusammen. Gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres aber haben wir heute mit 2 278 000 Zucht­sauen einen Mehrbestand von über 400 000 Stück. Darin liegt Die starke Gefahr eines weiteren Anschwellens der hmte schon überhohen Bestände. Jede weitere Aufblähung dieser Be­stände aber muh notgedrungen zu einem Angebot führen, das weit über die Aufnahmefähigkeit der deutschen Markt« hmausaeht und einen katastrophalen PrmLrWggAg. M w jM

Wesentlich an den Ergebnissen der diesjährigen Eeptembrr- zählung für die Erkenntnis der Ursachen der katastrophalen Auf­blähung der Schweinebestände ist die Feststellung, daß ebenso tote bei der Juli-Zahlung auch jetzt die Zunahme der Schweinebestände gerade in den ö st l i ch e n Provinzen Preußens und in den süd­deutschen Staaten weitaus am stärksten gewesen ist. In den 6 östlichen preußischen Provinzen stieg der Schweinebestand um rund 26,2 v.H. In einzelnen Provinzen war die Steigerung noch bedeutender. So betrug die Zunahme in Ostpreußen 29v.H., in Niederschlesien 32 v. H. unb in Oberschlesien gar 49 v. H. Dagegen stiegen in Nordwestdeutschland, wo bekanntlich die Schweineaufzucht und Schweinemast eine außerordentlich starke Rolle spielt, die Bestände gegenüber dem Vorjahrenur" um 11,1 v. H., in S ch l e s w i g - H o l st e i n sogar nur um 5,9 v. H. Wir sehen in diesem Unterschied zwischen Ost- und West­deutschland ein Kennzeichen der Hauptursache der riesenhaften Aufblähung der deutschen Schweinebestände trotz der bitteren Erfahrung des Jahres 1928; denn die besonders starke Zunahme der östlichen Bestände ist eine der schlimmsten Folgen der schlechten Preislage auf dem Futtergetreide-, Roggen- und Kartoffelmärkten in dem zwischen den beiden Zählungen liegenden Wirtschaftsjahre. Eine Regulierung des Roggen- und Futtergetreidemarktes, die die östliche und süddeutsche Landwirtschaft des Z w a n g e s enthebt, die unabsetzbaren Mengen ihrer Erzeugnisse im eigenen Betriebe zu verfüttern, würde demnach gleichzeitig die wesentlichere Stützung der Schweinepreise und damit der nordwestdeutschen Schweinewirtschast bedeuten. Diesen Zusammenhang sollten gerade die nordwestdeutschen Schweinemäster, die teilweise heute noch alles Heil von einer freien Futtergerste-Einfuhr erhoffen, erkennen: denn der durch die ost­deutsche 'Überproduktion drohende Zusammenbrncb der Scbweine- preise trifft leider den ganzen deutschen Bauernstand. F. H. K.

Darmdressur.

Von Dr. med. Hans Kraus-Lichtensels.

Jeder Mensch weiß, daß er die in der Nahrung dem Körper einverleibten Stoffe nicht restlos verwerten kann, sondern daß stets ein bedeutender Teil derselben als Schlacke wieder ausgeschieden werden muß. Diese Nahrungsschlacke ist nicht etwa eine leblose, unveränder­liche Masse, wie die Schlacke der Steinkohle, sondern ein Gebilde, das weitgehenden Veränderungen und Zersetzungen unterworfen ist. Verursacht werden diese Zersetzungen von einer Unzahl von Bakterien, die im Darm jeden Lebewesens vorhanden sind.

Die Zersetzung der Kotmassen im Darm ist für den Menschen eine durchaus nicht gleichgültige Sache. Das wissen die Aerzte leider nur zu gut. Wie oft werden sie zu einem Kranken gerufen, der einige Tage keinen Stuhl gehabt und bei dem sie einen einge­klemmten Bruch oder eine Darmverschlingung fest« stellen müssen! Warum führen solche Zustände so rasch zum Tode, wenn nicht sofort operiert wird? Weil durch die veränderte Darmwand die Kotgiste und Kotbakterien in die Bauchhöhle und von hier ins Blut überwandern, sodaß der Kranke an allgemeiner Blut­vergiftung sterben muß!

Aber auch ohne solch schwere Begleiterscheinungen ist eine Stuhlverstopfung immer eine ernste Sache; denn wenn auch keine Bakterien ins Blut übergehen so finden doch die Darmgase und giftigen Stoffe den Weg dorthin. Was für eine Menge von Kopfwehpulver, Magentropfen und andere Arzeneien werden Jahr für Jahr eingenommen, wo in Wirklichkeit einzig ein Ab­führmittel am Platze wäre!

Kopfschmerz und Schwindelgefühl, Unlust zur Arbeit und Gereiztheit, Gemütsverstimmung, ja schwere Melancholie ist oft das Ergebnis der Nachlässigkeit in Bezug auf diesen wichtigsten Teil der Magen-Reinigung.

Damit Hand in Hand geht eine Blähung des Leibes, Ausstößen, übler Geruch aus dem Munde, Appetitlosigkeit und Brechreiz. Man nimmt ein Brech­mittel ein, schön und gut nur müßte man dem Mittel einKehrt Euch" zurusen können, damit es in der anderen Richtung wirkt.

So wird der Mensch matt, blaß und blutarm, verliert jede Unternehmungslust und wird Hypochonder. Da muß etwas geschehen", ruft endlich die besorgte andere Ehehälfte, und man einigt sich auf das neueste Wundermittel. Und siehe, es wirkt Wunder, denn es ist ein allerdings für die Dummen berechnetes und darum entsprechend teures Abführmittel.

So zeigt das Krankheitsbild der Stuhlverstopfung, wie wenig die Masse der Menschen zum Denken geneigt ist.

Die Stuhlträgheit führt auch manchmal zu Darm­katarrhen, also zu Durchsällen; aber damit ist das Uebel nicht geheilt, der träge Darm wird damit nicht zu geregelter Tätigkeit erzogen.

Katarrh ist immer eine Entzündung und wenn diese Entzündung auf den Blinddarm und Wurmfortsatz übergreift, dann ja dann ist der Jammer groß und die drohende Lebensgefahr kann oft nur dnrch sofortige Operation behoben werden! Wäre es da nicht klüger, wie für die Nahrungsaufnahme, so auch für die Ent­leerung des Darms, sich eine bestimmte Tageszeit fest­zulegen ? Dann wären all die obigen Krankheiten und Gefahren nicht entfernt so häufig, wie sie es jetzt sind.

Auch hier ist es am leichtesten, die Darmuntätig- keit von vornherein zu verhüten. Wer sich gewöhnt, jeden Morgen nach dem Frühstück den Darm zu ent­leeren, der hat damit schon viel gewonnen. Und wer sich schwer daran gewöhnen will, der kann die Sache fördern durch ein Glas kaltes oder warmes Wasser, das er beim Ausstehen nüchtern trinkt. Sollte auch das nicht genügen, so mag er eine Zeitlang etwas Karlsbader oder Bittersalz dem Wasser zusetzen, immer weniger, l is der Darm die richtige Dressur erlernt hat. Denn es ist in der Tat nichts weiter als Dressur und Uebung, eine Uebung, die dann sehr bald zur zweiten Natur wird und uns an vielen Krankheitsklippen vorbeiführt.