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hersfel-erTageblaü

Hersfelder Kreisblatt

MmKcher Anzeiger für den Kreis Hersfelö *

Nr. 240

Montag den 13. Oktober 1930

80. Jahrgang

Gaardeutschlanb huldigt Hindenburg

30 000 Saarländer begrüben mit der Trierer Bevölkerung den Reichspräsidenten

Hindenburgs Besuch in Trier

30 000 Saardeutsche huldigen dem Reichspräsidenten.

Trier, 11. Oktober.

Reichspräsident von Hindenburg verlieh Sonnabend- vormittag Aachen, um sich nach Trier zu begeben. Auf der Fahrt wurden ihm auf allen Stationen Huldigungen der begeisterten Bevölkerung zuteil.

Um 8.17 Uhr traf der Zug des Reichspräsidenten auf dem Bahnhof in Düren ein, dessen Bahnsteige und Vorplatz mit dichten Menschenmassen angefüllt waren, die dem Reichs­präsidenten b-rgeistert zujubelten, als er den Wagen ver­ließ. Oberbürgermeister Dr. Overbues richtete eine Ansprache an den Reichspräsidenten, in der er ihn als Ehren­bürger der Stadt Düren begrüßte. Der Reichspräsident dankte mit einer kurzen Ansprache. Er sagte, die Grund­lagen für Deutschlands Wiederaufstieg seien Einigkeit und brüderliches Zusammenarbeiten.

Um 8.59 Uhr lief der Zug in Euskirchen ein. Zur Be­grüßung hatten sich Regierungspräsident Elfgen, der frühere Vizepräsident des Reichstages Thomas Esser und die Land­räte der Kreise Euskirchen und Schleiden sowie der Bürger­meister der Stadt auf dem Bahnsteig eingefunden. Der Reichspräsident betrat den Vorplatz des Bahnhofes, wo ihm von der Bürgerschaft begeisterte Huldigungen dargebracht wurden. Vizepräsident Esser begrüßte den Reichspräsidenten im Namen der Stadt und gelobte unverbrüchliche Treue. Nach kurzen Dankesworten kehrte der Reichspräsident zu seinem Wagen zurück und setzte die Fahrt nach Trier fort.

Ueberall auf den Zwischenstationen zeigte sich der i Reichspräsident am Fenster und nahm mit sichtlich innerer Freude die Grüße der rheinischen Bevölkerung entgegen. mMfeM Stadt Trier dürfte kaum jemals einen solchen Zustrom aus der ganzen näheren und weiteren Umgebung erlebt haben wie am Tage des Hindenburg-Besuches. Von den Höhen der Eifel, des Hochwaldes und des Hunsrücks, ferner aus dem Saargebiet rollten Sonderzüge auf Sonderzüge, eilten Autos und Bauernwagen in unübersehbaren Schlangen der alten Römerstadt zu, um dem Reichspräsidenten zu be­grüßen.

Nach einer Rundfahrt durch die Stadt traf Hindenburg kurz nach 1 Uhr in der städtischen Sportanlage ein, wo eine Huldigung allerJugendlichen sowie der Sport­ler und Turner und durch die Vereine stattsand. Brausende Hochrufe erschollen, als der Reichspräsident auf die Empore stieg, die, von Tannengrün umrahmt, von allen Plätzen des Stadions sichtbar war. Ein von der Forstschule Wittlich ge­blasenerFürstengruß" bildete den Auftakt der Veranstal­tung. Ein SprechchorGebet um Frieden" von Drenker folgte.

Saardeutschland wartet

Der Regierungspräsident von Trier, Dr. Saassen, entbot dem Reichspräsidenten das erste Willkommen. Er drückte die außerordentliche Freude der Bevölkerung dar­über aus, daß nach elfjährigem Leid und fremder Be­satzung das Trierer Land endlich frei und die Trennung von Volk und Vaterland vorüber sei. Er erinnerte rück­schauend an den Rückzug unseres stolzen Heeres, das mehr als vier Jahre unter Führung Hindenburgs die Heimat schützte. Er gab dann einen Ueberblick über die schweren elf Jahre fremder Besatzung, die für mehr als 20 000 Ein- wohner des Trierer Landes die Vertreibung aus der Hei- mat brächte. Er erinnerte weiter an das ruchlose Treiben der Separatisten, die Not und Elend, Gefängnis und Aus­weisung für viele Deutsche veranlaßt haben. Doch mit dem Tage des Abzugs der Besatzung und mit dem Eintreffen des Reichspräsidenten habe alle Not und alles Leid ein Ende. Heute grüße Grenzlandvolk den Vater des Vater­landes.

Dennoch mische sich in diese Tage der Freude und des

Glückes die Trauer um die deutschen Brüder und Schwe­stern jenseits der Grenzen, die noch nicht befreit sind, hin- überdringe das Echo dieser Stunde zu all den Brüdern und Schwestern an der Saar, das zum Ausdruck des sehnsüch­tigen Wunsches werde, daß auch ihnen die Stunde der Befreiung und der Rückkehr zum Vaterlande bald schlagen werde. Grenzland grüße das deutsche Vaterland, das aus tausend Wunden blute und die Schäden nicht verwischen könne, die das Friedensdiktat von Versailles ihm gebrach» habe: Grenzen, die Deutsche von Deutschen trennen. Gren­zen durch deutsches Land, wo ehedem Handel und Wandel ungehindert ihren Weg gingen. Wunden, so lief, wie sie die Abtrennung deutschen Landes dem deutschen Volks- körper schlagen mußte.

Zum Schluß bat er den Reichspräsidenten, sich aus der Erkenntnis der Größe der Not des Trierer Landes für die Fortführung der dringend notwendigen Fürsorge die bedängten Grenzgebiete des Ostens und Westens einzu- fehen.

Ehrenbürger der Stadt Trier

Der Oberbürgermeister der Stadt, Dr. Weitz, über­reichte dem Reichspräsidenten den Ehrenbürgerbries der Stadt Trier. Als Dankeszeichen der Stadt und ihrer Be­völkerung für den ruhmgekrönten deutschen Heerführer im Kriege, den kurssicheren Steuermann des Staatsschiffes in sturmbewegter Nachcriegszeit. Vaterländische Gründe seien es gewesen, die Stadtverwaltung und Stadtverordneten­versammlung bewogen hätten, den Tag der Befreiung ab- zuwarten, um diesen Dank in dieser Form zum Ausdruck zu bringen. Es sollte erst der Kampf um die deutsche Frei­heit beendet und der Sieg errungen sein. Trier habe den Schild der Ehre rein und unbefleckt heimgebracht. Die Stadt Trier habe stets in unerschütterlicher Treue zu Volk und Reich gestanden als diejenige Stadt, die unsagbare Opfer im Laufe der Jahrhunderte für ihre Zugehörigkeit zum Deutschtum gebracht habe.

Hindenburgs Hoffnung

Nachdem sich der Reichspräsident als erster in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, nahm er das Wort zu einer Ansprache, in der er erklärte:

Es ist mir eine freudig erfüllte Pflicht, wenn ich heute an dieser Stelle der Stadt Trier und all ihren Bürgern, und Bürgerinnen aus tiefstem Herzen den Dank des Rei­ches für ihre Treue ausspreche, die sie unserem schwer ge­prüften Vaterlande in harter Notzeit bewiesen haben. In Jahren der Drangsal und der Sorge hat Trier, hat die Be­völkerung an Rhein und Mosel in vorbildlicher Haltung ausgeharrt und in vaterländischem Pflichtgefühl sich weder durch Gewalt noch durch Verlockungen in ihrem Deutsch­tum beirren lassen. Dies Ihnen zu sagen und Ihnen meine Anerkennung auszusprechen, bin ich heute gern zu Ihnen Ihnen zu kommen, durch das von uns allen so schmerzlich empfundene große Unglück in Koblenz vereitelt worden war.

Auch inmitten der festlichen Freude des heutigen Ta­ges gedenken wir ernsten Herzens der Nöte und der Lei­den, die die langen Jahre der Besatzung Ihrer Stadt ge­bracht haben. Es ist uns aber ein Trost, heute sagen zu dürfen, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht worden sind. Nur durch diesen Opfermut, dura> festen Zusammen­halt und zielbewußte Arbeit ist es uns, einem Volke ohne Waffen, gelungen, den Rhein und die Wosel, das Erbe der Väter, beim Reiche zu erhalten. Möge das nun befreite Trier wieder glücklicheren Zeiten entgegengehen; möge sich der Segensspruch, der den Giebel des prächtigen alten Ratsherren-Hauses hier schmückt, erfüllen undTrier auch fürder bestehen und ewigen Friedens sich erfreuen". Uns allen aber im Reich möge aus dem Beispiel und Vorbild, das Sie uns hier gaben, eine Stärkung erwachsen für die Erreichung des großen Zieles der Einigkeit, die wir so notwendig zum Wiederaufstieg unseres Vaterlandes brau­chen. Noch ist das Ziel der Befreiung Deutschlands nicht voll erreicht. Roch harren die Saarländer, deren Abord­nung wir unter uns zu sehen heute die Freude haben, der Befreiung. Wöge ihnen, die uns so oft Beweise ihrer un- erschütterlichen Treue gegebn haben und deren wir heute mit Sehnsucht gedenken, bald die Stunde der Wiederver­einigung mit dem Reiche schlagen Und möge für uns alle bald der Tag nahen, wo wir ein freies, in seinen Zielen einiges, gefestigtes, starkes und gesundes Deutschland fei­ern können, das nicht durch politische Gegensätze und nicht! durch wirtschaftliche Röte geschwächt ist! Er schloß mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland.

Hindenburg wieder in Berlin

Berlin. 13. Oktober.

Reichspräsident von Hindenburg nahm nach einer Besichtigung der Stadt T r i e r an einem von der Stadt ge­gebenen Frühstück teil, bei dem außer dem engeren Gefolge des Reichspräsidenten u. a. noch Staatssekretär Dr M e l ß- n e r, Oberpräsident Dr. F u ch s , Reglerungsprasldent Dr. S a a ß e n, Bischof Dr. Bornewasser und Wechbischof Dr. Mönch zugegen waren. Darauf empfing der Reichs­präsident eine Abordnung aus dem Grenzgebiet des Hoch­waldes und der Eifel, wobei er sich eingehend über Die Not- läge des Grenzlandes informierte. Im Auto ging dann die Fahrt über Ruwer, Schweih, Hetzerath, Clausen, Osann, Lie- ser nach Cues und B e rn k a st el nach W en g e ro h r. Von dort benutzte Hindenburg den fahrplanmäßigen Zug nach Koblenz und um 21.08 Uhr erfolgte die Ruckreise des Reichs- Präsidenten über Gießen nach Berlin, wo er gestern vor« mittag wieder eintraf.

Die Völkerbundsligen tagen

Danzig, 13. Oktober.

Auf Einladung der Danziger Liga für Völkerbund findet die Tagung des Weltverbandes der Völkerbundsliga vom 13. bis 16. Oktober in Dinzig statt.

Die Kommissionen des Verbandes werden sich u. a. mit den Fragen befassen: europäische Zusammenarbeit, nationale Minderheiten, Zwangsarbeit, Arbeitszeit im Kohlenbergbau, internationale Arbeitskonferenz, Verfahren mit politischen Gefangenen, Sklavenhandel, Mindestalter für schulpflichtige Kinder, internationale Lehrerzeitschrift.

Zaunius' Rücktrittsgesuch abgelehnt

Sowno. 13. Oktober.

Staatspräsident Smetana lehnte das Rücktrittsgesuch des Außenministers Zaunius ab und bat ihn, im Amt zu bleiben.

Der Wahlkampf in Polen beginnt

Kaktowlh, 13. Oktober.

Die Christlichen Demokraten die Korfanty-Partei und die Polnische Nationale Arbeiterpartei haben den Be- schluß gefaßt, bei den bevorstehenden Wahlen unter dem Namen Katholischer Block gemeinsam in den Wahl­kampf zu gehen.

Die Regierungspartei hat die polnische Oeffentlichkeit aufgefordert, bei den Wahlen offen zu stimmen und sich ge­schlossen für Pilsudski zu erklären.

Die Wahlvorbereitungen in Österreich

Ein Aufruf des Schoberblocks.

Wien, 13. Oktober.

Die unter Führung Dr. Schobers stehende Wahlge­meinschaft Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund er­klärt in einem Aufruf, daß sie dafür kämpfen wollen, vor allem der Wirtschaft in Stadt und Land wieder Erträgnis­möglichkeiten zu sichern. Das Ziel der Wahlgemeinschaft sei Zusammenfassung des deutschen Volkslums in einem Staate und ferner die Einigung der staatsbejahenden Bevölkerung im Kampfe gegen alle volkzersetzenden Bestrebungen.

Bundesminister Heinl dementiert

Wien. 13. Oktober.

Bundesminister Heinl hielt in einer ribttWbttMlhiriiiiüWiW^ bevorstehenden Staatsstreich in Österreich missen wollen, den er als ein Verbrechen bezeichnete.

Frankreichs Handelsminister in Wien

Wien, 13. Oktober.

Der französische Handelsminister F l a n d i n stattete am Sonnabend Außenminister Dr. S e i p e l einen Besuch ab. Am Mittag nahm Flandin an einem Frühstück beim Han­delsminister Heinl teil.

Um die Uberbrückungsanleihe /

Basel, 13. Oktobers

Die privaten Besprechungen zwischen den Vertretern der Zentral-Rotenbanken wurden Sonnabend nachmittag weiter­geführt. Der Ueberbrückungskredit für Deutschland und die Auswirkungen einer solchen Anleihe auf den internationalen Geldmarkt, wurden wieder erörtert. Es darf angenommen werden, daß auch der Kurs der Dounganleihe in der Bespre­chung berührt wurde, wenn auch die BJZ. am Kurse selbst nicht direkt beteiligt ist, da sie ja mehr den Zahlungsvertei- lungsdienst der Anleihe und deren Amortisation als Treu- Händerin zu überwachen und vorzunehmen hat.

Wie wir erfahren, eilen die Meldungen eines Teils der Presse über den endgültigen Abschluß der sogenannten Ueber» brückungsanleihe für Deutschland den Tatsachen voraus. In­wiefern diese Informationen über die Bedingungen des Kre­dits den Tatsachen entsprechen, kann im Augenblick noch nicht gesagt werden. Eine Mitteilung von zuständiger Seite über die Angelegenheit ist heute zu erwarten. (D. Red.)

Französische Frontkämpfer gegen Stahlhelm

Paris, 13. Oktober.

Der Verband der französischen Vereinigungen her, Kriegsverletzten und ehemaligen Frontkämpfer sowie der Kriegerhinterbliebenen protestiert in einer der Presse über­mittelten Note gegen die letzte deutsche Stahlhelmkundge­bung in Koblenz, die, wie er erklärt,

verdoppelte Wachsamkeit notwendig

mache. Der Verband bezeichnete den Kampf gegen den Kriegsgeist sowie die Respektierung der Verträge als not­wendig und fordert den Frieden unter den Völkern gemäß der Methode Schiedsgerichtbarkeit, Sicherheit, Abrüstung.

Deutschfeindliche Ausschreitungen in Posen

Posen, 13. Oktober.

In den Mittagsstunden kam es am Sonntag hier zu Zu­sammenrottungen nationalistischer Elemente, die, geführt von Studenten der Posener Akademie, durch die Hauptstraßen der Stadt zogen und nacheinander die Zeitungsstände, an denen sie vorüberkamen, überfielen, um die dort ausliegen-, den deutschen Zeitungen fortzunehmen und zu zerreißen. Die, Demonstranten begaben sich dann zur Evangelischen Vereins-^ buchhandlung, wo die Schaufensterscheiben eingeworfen unch Bücher und Zeitungen aus der Auslage auf die Straße ge». morsen wurden. Weiter wurden die Schaufenster des Pose-^ ner Tageblattes und die Schaufenster einer deutschen Auto-^ mobilfirma zerschlagen. Als die Demonstranten darauf zum deutschen Generalkonsulat Vordringen wollten, griff die Po-, lizei ein, die die Ruhe wieder herstellte. . /