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hersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den kreis Hersfelö *

Nr. 216

Montag, den 15. September 1930

80. Jahrgang

Das Ergebnis der Wahl

Grstze Spannung im In- und Ausland über ihre Auswirkung

Geschlagene Schlacht!

Der Wahlakt ist beendet. Das deutsche Volk hat seine staatsbürgerliche Pflicht erfüllt; wie aus den gemeldeten Be- teiligungsziffern hervorgeht, besser erfüllt, als bei der letzten Reichstagswahl 1928. Um 5 Uhr lagen die Straßen wieder in Frieden, jedoch nur für wenige Stunden, um dann später wieder regerem Leben und Treiben Platz zu machen; in der Neugier gipfelnd: Wie sind die Wahlen ausgefallen? Wie wird sich der neue Reichstag zusammensetzen?

Am Vortag zur Wahl und am Wahltag selbst bot sich dem Auge das übliche Wahlbild. Die Parteien ließen kein Mittel unversucht, so wirksam wie nur möglich für ihre Sache Propaganda zu treiben. Automobile mit Lautsprecheranla­gen und Fahnenschwingern, alle nur denkbaren Gefährte mit Plakaten, Umzüge mit Musik und Fackelträgern, Srechchöre, Versammlungen noch in letzter Stunde, ja auch das Flug­zeug hatte man nicht vergessen. Besonders die extremen Parteien tönten sich nicht genug tun. Es hagelte nur so Flugblätter und laute Mahnworte.

Wie Wahlen selbst sind im allgemeinen ruhig verlaufen, wenn es auch da und dort nicht ohne Zusammenstöße ab« ging. Ueberall stand die Polizei auf höchster Alarmstufe, hielt sich aber taktvoll zurück, wenn nicht Einschreiten unbe­dingt erforderlich war. In Berlin kam es schon in der Vornacht zu politischen Auseinandersetzungen, wobei 200 Ruhestörer festgenommen wurden, ^n dem Vorort Wit­te n a u versuchten Kommunisten in die Wohnung eines Na- tionalsozialisten eim

Das vorläufige amtliche Wahlergebnis.

Berlin, 15. September, vormitt. 10 Uhr. Nach

Grd.L. 176 (0); Christl.-Nat. BP. 125 (112) DBP. 16 (0); KVP. 425 (0); Christl.-Soz. 459 (0). — 90 %.

Jena: SPD. 12127 (10181); DnVP. 1223 (2069); Zentrum 484 (414); KPD. 5005 (4586); DVP. 3214 (6146); DStP. 3227 (3209); WP. 117 (1802) NSDAP. 4071 (715); Grd.L. 127 (0); Christl.-Nat. BP. 319 (328); DBP. 22 (32); KVP. 533 (0); Christl.-Soz. 369 (19). — 77 %.

den

bis jetzt vorliegenden Ergebnissen wird der

künftige Reichstag sich wie folgt zusammensetzen:

Sozialdemokraten Deutschnationale Zentrum Kommunisten Deutsche Volkspartei

143 (152)

41

60

76

26

Deutsche Staalspartei (Demokraten) 22

Wirtschastspartei Bayrische Volkspartei Nationalsozialisten Deutsches Landvolk Volksrechtspartei Deutsche Bauernpartei Deutsch-Hannov.-Partei Landbund

Konservative Volkspartei Christlich sozialer Volksdienst

Insgesamt waren 34 943 416

zu­

Stadtkreis Gotha: SPD. 2291 (2872) '293.1); Zentrum 500 (355); KPD. 7684 (72i 4547); DStP. 1237 (971); WP. 1375 (1704);

DnVP. 1753 ; DVP. 2547

23

18

107

18

6

5

3

2

14

(63) (60) (54) (45) (25) (23) (17) (12) (22)

(2) (8)

(4)

573 (491)

Stimmen (gegen

6289 (1504); Grd.L. 211; Christl.-Nat. 296 (282-); DBP. (33); KVP. 469 (0); Christl.-Soz. 634 (26). — 74 %.

Arnstadt: SPD. 4217 (4379); DnVP. 504 (1304); Zen­trum 165 (157); KPD. 1975 (1899); DVP. 834 (1784); DSt P. 376 (741); WP. 922 (1130); NSDAP. 3622 (328); Grd.L. " " (0); Christl.-Nat. BP. 153 (134); DBP. 7 (11); KVP.

(0); Christl.-Soz. 169 (20).

144

165

Rudolsladt: SPD. 2847 (2756); DVP. 767 (339); Zen­trum 121 (80); KPD. 1808 (1591); DVP. 788 (1720); DStP. 335 (374); WP. 681 (844); NSDAP. 2442 (653); Gr.dL. 103 (0); Christl.-Nat. BP. 148 (136) DBP. 11 (15); KVP. 203 (0); Christl.-Soz. 174 (0).

Sonneberg: SPD. 3819 (3514); DnVP. 376 (475); Zen­trum 128 (122); KPD. 2074 (2019); DVP. 801 (1077); D StP. 371 (2385); WP. 352 (459); NSDAP. 2813 (570); Grd.L. 106 (0); Christl.-Nat. BP. 86 (0); DBP. 1 (135); KVP. 114 (0); Christl.-Soz. 63 (0). — 90 %.

Stadtkreis Gera: SPD. 24 065 (24 737); DnVP. 800 (994); Zentrum 387 (363); KPD. 4583 (4458); DVP. 6393 (11 524); DStP. 400 (1010); WP. 3317 (3726); NSDAP. 10 746 (938); Grd.L. 414; Christl.-Nat. 389 (295); Volksrecht 433 (572); DBP. 19 (20); KVP. 459; Christl.-Soz. 617.

abfi

versuchten etwa 100 Kommunisten nachts in das Polizei-Re­vier in N e u - K ö l l n einzudringen, wobei sie auf die Be­amten feuerten, jedoch glücklicherweise niemand verletzten. Im ganzen sind in Berlin drei Todesopfer zu beklagen. In B r e s l a u ist in der Nacht vom Sonnabend zum Sonn­tag ein Polizeibeamter von Kommunisten niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Aus dem oberschlesischen Industriegebiet wird aus O p p e l n ein Zusammenstoß zwi­schen Polizei und Kommunisten gemeldet, bei dem die Polizei von der Waffe Gebrauch machen mußte. Verletzt wurde niemand. Im S ü d w e st e n des Reiches, Frankfurt a. M., Baden, auch in Württemberg, ist der Wahltag ruhig ver­laufen. Auch in Thüringen und Provinz Sachsen ist die Bevölkerung ruhig und besonnen gewesen, wenn man von einigen kleinen Reibereien absieht. Das gleiche ist von Nord­deutschland und dem Rheinland zu melden. Aus dem Frei­staat Sachsen wurden einige Zusammenstöße in Leipzig gemeldet.

Was die Wahlbeteiligung betrifft, so wird aus allen Teilen des Reiches eine erhebliche prozentuale Zunahme ge­meldet. Gleich nach Oeffnung der Wahllokale fetzte ein ge­waltiger Zustrom von Wählern ein, der nur um die Mit­tagszeit vorübergehend abflaute, um dann wieder kräftig an« zusteigen. Vorwiegend wurde vormittags gewählt. Frank- f u r t a. M. meldet über 80 Prozent Beteiligung, Karls- ruhe zwischen 70 und 80 Prozent. So kann man mit Ge­nugtuung konstatieren, daß die Mahnungen an die Wahl- faulen nicht fruchtlos gewesen sind. Die Aufforderungen der Zeitungen, des Rundfunks und der Lautsprecher haben ihre Schuldigkeit getan.

Das Stimmverhälinis hat sich, wie zu erwarten war, außerordentlich stark verschoben. Das größte Plus haben die Nationalsozialisten zu verzeichnen, die stellenweise das acht- bis zehnfache der Stimmen zählen konnten. Auch die Kom­munisten haben sehr erheblichen Stimmenzuwachs, während vornehmlich die Deutschnationalen, aber auch die Parteien der Mitte zum Teil sehr empfindliche Einbussen erlitten.

Gesamtergebnisse:

(Die in Klammern gesetzten Ziffern sind die Ergebnisse der Reichstagswahl von 1928.)

Wahlkreis 11. Halle-Merseburg

(Eigene Statistik.)

SPD. 160 408 (171967); DnVP. 67 429 (154 058); Zentrum 10 762 (9980); KPD. 194 496 (176113); DVP. 50 561 (74127); DStP. 26 819 (33 342); WP. 44 416 (42 874); NSDAP. 166 620 (19 645); Schmalix 516; Christl.- Nat. 59 007 (2118); Volksrecht 4056; DBP. 3053; KVP. 8645; Christl.-Soz. 8232; Freibund der Handwerker 688; Poln. VP. 11; DEP. 268; USPD. 400; H.u.G. 939; Son- ftige 1679. Wahlbeteiligung 823 845 (721 188).

Wahlkreis 10. Magdeburg-Anhalt

(Amtlich.)

SPD. 365 340 (391 014); DnVP. 73 694 (147155); Zentrum 17100 (15 053); KPD. 98 330 (65 850); DVP. 72 828 (128 063); DStP. 33 508 (44 484); WP. 45 600 (44 659); NSDAP. 191 436 (15 801); Grd.L. 5153; Christl.- Nat. 48 360 (2593); Volksrecht 5131; DBP. 5345; KVP. 8806; Christl.-Soz. 5936; Freibund d. Hw. 1006; Poln.VP. 439; DEP. 1197; USPD. 747; H.u.Gr. 1637. Wahlbe­teiligung: 981 593 (909 48).

Wahlkreis 12. (Thüringen)

vorläufiges amtliches Ergebnis.

; NPD7 aMw'^W1^ E SW^WW^ (82); NSDAP. 228 (22); Grd.L. 8 (0); Christl.-Nat. B.u.L. 51 (71); DBP. 1 (0); KVP. 9 (2); Christl.-Soz. 8 (3). 90 %.

Hirschberg: SPD. 652 (625); DnVP. 28 (55); Zentrum 5 (4); KPD. 141 (78); DVP. 105 (172); DStP. 20 (18); WP. 94 (149); NSDAP. 483 (358); Grd.L. 32 (0); Christl.- Nat. BP. 32 (41); DBP. 3 (0); Christl.-Soz. 0 (1).

0

Sozialdemokraten Deutschnationale Zentrum Kommunisten Deut che Volkspartei Deut che Staatspartei Wirtschaftspartei

■ Nationalsozialisten

; Schmalix

Christl.-Nat. Bauern-

365 903 54371

53 518

192 287

68 724 41 609

67 888

243 846

15 446

u. Landv. 118 692

‘ Deutsche Bauernpartei

■ Konservati ve

• Christl.-Soz. Volksdienst Polnische Volkspartei Deutsche Einheitspartei Unabh. Sozialdemokraten Haus- und Grundbesitzer

7 899

2 529

11 860

16 312

244

306

1205

2 578

368 885; ' 90 336 ' 45 873' 138 046' J124 012 ; 43151 : 85 737 [ 40 751

127 112 ’ 18 371;

1 3 949

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 12 betrug rund 85 Prozent; eine gleichstarke Beteiligung ist bisher noch nicht erreicht worden.

Einzelergebnisse:

Stadtkreis Weimar: SPD. 7544 (6517); DnVP. 1515 (2195); Zentrum 508 (462); KPD. 2536 (2180); DVP. 2891 (4372) DStP. 1859 (1881); WP. 1391 (1505); NSDAP. 8030 (2588); Grd.L. 224; Christl.-Nat. 299; (225); Volksrecht 697 (1195); DBP. 16 (27) KVP. 585; Christl.-Soz. 272; Poln. VP. 4.

Erfurt (Gesamtergebnis): SPD. 14 980 (17 524); Dn VP. 5050 (8224); Zentrum 3429 (3077); KPD. 18 509 (12 433); DVP. 8088 (12 826); DStP. 3330 (2514); WP. 8295 (7850); NSDAP. 14 058 (2566); Erd. L. 2613 (0); Christl.-Nat. BP. 153, Volksrecht 734; DBP. 26; KVP. 2190; Christl.-Soz. 1031; Poln.VP. 16; Dtsch. Einh.-P. 35; USPD. 47; H.u.Grbs. 84.

Gültige Stimmen 82 658, ungültige 566, Wahlberechtigte 99 687. r .

Eisenach: SPD. 7457 (7980); DnVP. 1407 (2190); Zen­trum 537 (409); KPD. 5709 (4030); DVP. 1599 (2449); D StP. 1807 (2276): WV. 1531 (1357): NSDAV. 6034 (622):

Schleufingen: SPD. 628 (780) DnVP. 301 (175); Zen­trum 19 (19); KPD. 267 (144); DVP. 235 (217); DStP. 148 (69); WP. 255 (262); NSDAP. 551 (90); Grd.L. 20 (0); Christl.-Nat. BP. 22 (0); DBP. 1 (0); KVP. 79 (0); Christl.- Soz. 61 (0). — 80 %.

Landkreis Weißensee: SPD. 2433 (2361); DnVP.L127 (3303); Zentrum 174 (139); KPD. 2608 (1344); DVP. 1169 (2098); DStP. 158 (272); WP. 482 (731); NSDAP. 3048 (148) Grd.L. 245 (0); Landvolk 1049 (154); Volksrecht 49 (84); DBP. 86 (179); KVP. 148 (0); Christl.-Soz. 268 (0); Poln. VP. 2 (0); DEP. 3; USPD. 15; H.u.Gr. 7; Sonstige 692.

Berlin (Wahlkreis 2). Vorläufiges Endergebnis: SPD. 346 014 (404 586); DnVP. 145 022 (186 470); Zentrum 44 667 (39 845); KPD. 408 642 (352 034); DVP. 27 515 (51 832); DStP. 53 095 (80 346); WP. 27 359 (28 629); NS DAP. 158165 (16 505); LV. 397 (1610); DBP. 96; KVP. 4818; Christl.-Soz. 10 369; Sonstige 13 314. Insgesamt wurden abgegeben gültige Stimmen 1238132.

Leipzig (Wahlkreis 29). Vorläufiges Endergebnis: SPD. 288 007 (278 926); DnVP. 30 799 (49 729); Zentrum 5238 (4411); KPD. 141 984 (121 329); DVP. 77 720 (98119); Christl.-Nat. 4364; DStP. 26 212 (45 231); WP. 57 896 (53 047); NSDAP. 116138 (14 601); Sächsisches Landvolk 34155 (42 416); Volksrechtp. 21 663 (31 255); KVP. 9525; Christl.-Soz. 9920; Sonstige 2809. Wahlbeteiligung 88,87 Prozent (83,7 %). Gültige Stimmen 826 429 (754 225).

Kassel-Stadt (Wahlkreis 19, Hessen-Nassau). Endgülti­ges Ergebnis: Gültige Stimmen 104 517. — SPD. 34 224 (38 785); DnVP. 6321 (12 627); Zentrum 4183 (4170); KPD. 9725 (6939); DWP. 6608 (17 552); DStP. 5606 (7667); WP. 3461 (2039); NSDAP. 27 062 (3174); Landvolk 187; DVP. 22 (47); KVP. 1095; Christi. Volksdienst 5419; Sonstige 504.

Kreis Frihlar: Gültigte Stimmen: 15 822. — SPD. 6049 (5557); DnVP. 551 (2902); Zentrum 1135 (1094); KP D. 497 (197); DVP. 344 (1288); DStP. 404 (723); WP. 486 (658); NSDAP. 3065 (230); Christl.-Nat. 2317 (1096); D BP. 71 (141); KVP. 28; Christl.-Soz. 760.

Hanau-Land: SPD. 8506 (9386) DnVP. 610 (4166); Zentrum 2159 (1987); KPD. 9688 (7327); DVP. 547 (1108); DStP. 839 (954); WP. 1927 (1265); NSDAP. 3188 (205); Christl.-Nat. 3046 (874); DBP. 25 (47); KVP. 46; Christ.- Soz. 953.

Marburg-Stadt: SPD. 1792 (1838); DnVP. 1352 (2917); Zentrum 647 (715); KPD. 641 (296); DVP. 1306 (2807); DStP. 890 (1011); WP. 495 (852;) NSDAP. 3516 (650).

Fulda-Stadt: SPD. 1125 (1832); DnVP. 228 (608); Zentrum 7250 (6668); KPD. 641 (682); DVP. 298 (580); DStP. 410 (444); NSDAP. 2017 (306).