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hersfelöerTageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis yersfelö

Nr. 196

Freitag, den 22. August 1930

80. Jahrgang

Polnisches Gäbelgerassel

Fortgesetzte Provokationen Deutschlands Wildeste Treviranus-Hetze Bestellte Arbeit

General tzem tritt doch zariiik?

# Nachdem vor einigen Tagen ein in der auswärtiger Presse aufgetretenes Gerücht über den bevorstehenden Rück- triff des Generalobersten Heye von dem Posten des Chef- der Heeresleitung von zuständiger Stelle in aller Form dementiert worden war, wird jetzt unter völliger Mißach tung dieses Dementis in einer gewissen Presse auf da- bestimmteste behauptet, daß ein Wechsel in b e r m i li türischen Leitung der Reichswehr für Endl dieses Jahres bevorstehe. Die Art, in der diese Mit­teilung mit eingehenden Kommentaren gemacht wird, lass: darauf schließen, daß gewisse politische Absichten damit ver­bunden werden. Jedenfalls ist kein Grund zu erkennen, der den Rücktritt des Generals Heye veranlaßt haben könnte. Eine Rücktrittsabsicht Heyes selbst scheint nach allem, was bekannt wird, nicht vorzuliegen. Auch irr Reichswehrministerium erklärt man, daß man von einem Wechsel in der Leitung der Reichswehr nichts weiß. Wenr gewisse politische Kreise dennoch diesen Wechsel mit aller Bestimmtheit voraussagen, so muß man entweder an poli­tische Vorgänge glauben, die sich bisher im Verborgener abgespielt haben, oder aber, daß hier ein politischer Kesseltreiben veranstaltet wird mit dem Ziele, der Reichswehr erneut eins auszuwischen. Von einer Seite wird behauptet, daß die von General Heye energisch durchgl führte Verjüngung der Generalität in der Reichswehr d Stellung Heyes erschüttert hätte, eine andere, durchaus um staubwürdige Behauptung, bringt den bevorstehenden Wech- el mit angeblichen Verbindungen der Reichswehr mit bei owjetrussischen Armee in Zusammenhang. Es erscheint angesichts solcher Behauptungen und Andeutungen jeden­falls notwendig, daß von zuständiger Stelle diesem Treiben

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Generaloberst Heye ist öl Jahre alt; er wurde .... Herbst 1926 Nachfolger des Generalobersten von Seeckt, nachdem er bis dahin die ostpreußische Division geführt hatte. Als sein Nachfolger wird jetzt der Chef des Truppen- amtes, Generalmajor Kurt Freiherr von Hämmer­st ein-Equard, genannt, der in den verschiedenen Feme­prozessen wiederholt als militärischer Sachverständiger bzw. als Zeuge auftrat. General von Hammerstein gilt als äußerst befähigter Generalstäbler. Man rechnet ihn zu den Vertrauten des Reichswehrministers Groener und des Ge­nerals von Schleicher, der gewissermaßen die Stelle eines Staatssekretärs im Reichswehrministerium innehat. In den verschiedenen Pressekommentaren wird angedeutet, als ob der Wechsel in der Leitung der Reichswehr von dieser Stelle angeregt worden sei, eine Andeutung, die allein schon darauf schließen läßt, daß mit den Rücktrittsgerüchten um Heye politische Absichten verbunden werden.

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von Hammer

Aomgnlan nichts endgültiger

Ein bemerkenswertes englisches Zugeständnis.

Newyork, 21. August.

Auf der in Jthaca (Newyork) tagenden internationa­len Landwirtschaftskonferenz führte Ashby, der Präsident der Agricultural Society of Great Britain, in einem Re­ferat aus, die Depression in Landwirtschaft und Industrie, die in der ganzen Welt herrsche, sei ein Problem, das man ebenso lösen müsse wie das Reparationsproblem, dessen Lö­sung durch den Dawes- und den Poungplan in internatio­naler Zusammenarbeit versucht worden sei. Maßnahmen wie der amerikanische Zolltarif, der den Zweck habe, die Depression innerhalb des national, beschränkten Rau­mes zu mildern, bedeuteten lediglich die Anwendung von Methoden des 19. Jahrhunderts auf Probleme

naler Zusammenarbeit d e r | wie der amerikanische Zolltarif,

des zwanzigsten. -

Der Redner, der den Poungplan nicht für die endgültige Regelung der Reparationsfragen hält und eine Revifiowdös Reparationsproblems ebenso wie die der iMöaWiertön Schulden für das Jahr 1932 oder 1933 er aus dem Weltkrieg sich ergebende Sin^l armut Europas mache eine internationab

Hebung der allgemeinen Depression unumgänglich not­wendig.

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Volnilche Kriegsdrohungen

& Polen scheint hinsichtlich seiner Grenzen gegen Deutschland ein recht schlechtes Gewissen zu haben. Das be­weisen nicht nur die zahlreichen phrasenhaften Erklärungen polnischer Generale und Politiker, das beweist nicht nur der neue Propagandafeldzug der polnischen Aufständischen, das beweist vor allem der zentralgeleitete Pressefeldzeug unter dem Motto:

Eine Grenzreviston bedeutet Kriegt"

Es ist bezeichnend, daß in einer Konferenz der sechs polni­schen Oppositionsparteien der Linken und der Mitte ein

Entwurf zu einer Entschließung vorgelegt wurde, in welcher

*.......Lder deutsche Minister Treviranus eine

Grenzreviston gefordert und mildem Kriege gedroht habe" Selbst in Frankreich, abgesehen von den berufsmäßigen Deutschenhetzern, hat man eingesehen, daß die Rede Trevi- ranus, besonders nach ihrer Kommentierung durch den Mi­nister selbst, nichts enthält, was auf eine gewaltsame Grenz- berichtigungsabsicht Deutschlands schließen ließe.

erklärt wird, ba1

Die Verschiebung der politischen Lage in Europa läßt es Polen offenbar angezeigt erscheinen, durch eine wilde Agitation und durch große Demonstrationen die Auf­merksamkeit des Auslandes auf dasbedrohte Polen" zu lenken.

Es glaubt dabei, die etwas gespannte Atmosphäre in der europäischen Politik ausnützen zu können, um sich Frank­reich als treuen Schildhalter sUr seine Grenzerweiterungs-

Pläne neu zu gewinnen. Die Hoffnung Polens, daß eine solche Agitation auch in Amerika eine polenfreundliche Wirkung ausüben würde, hat sich jedoch nicht erfüllt. Im Gegenteil,

ZU können, ist in jeder Hinsicht fehlgeschlagen.

Die Art, wie in Polen mit dem Säbel gerasselt und das Korridorunrecht gewissermaßen zur Kriegsparole gemacht wird, hat in amerikanischen politischen Kreisen außerordent­lich befremdet.

Wieder ministe Srenelntienen

Warschau, 22. August.

Unerhörte Demonstrationen in Srakau und Posen.

In K r a k a u verunstalteten die Legionäre, die Groß-

machtliga und einige weitere Organisationen eine Demonstration gegen die Ausführungen des Reichsministers Treviranus über die Unhaltbarkeit der blutenden Ost-

protze

grenze. Ungefähr 10 000 Personen sollen an der Kund­gebung teilgenommen haben.

Es wurde eine Entschließung angenommen, die fest­stellt, daß das ganze polnische Volk bereit sei, seine Grenzen zu verteidigen. Dann sang die Menge das Lied von der ersten Brigade und das deutschfeindliche Rota-Haßlied. An­schließend wollte die Menge vor das deutsche Konsulat zie­hen, wurde daran aber von der Polizei gehindert.

Ferner fand im Zoologischen Garten in Posen eine große nationaldemokratische Kundgebung gegen die Rede des Reichsministers Treviranus statt. Die Säle waren über- füllt. Nach den verschiedenen Ansprachen, die mit stürmi­scher Begeisterung ausgenommen wurden, sang man am Schluß der Versammlung das deutschfeindliche Rota-Lied.

Hierauf zog die Menschenmenge vor das deutsche Kon­sulat, wo gleichfalls das Rota-Lied gesungen wurde und pfui-Rufe ertönten. Zu Ausschreitungen ernsterer Natur ist es nicht gekommen.

KonWte in der neuen Welt

Argentinien gegen Nordamerikas Vormacht.

Newyork, 21. AyMtz

Der frühere Kanzler der Washingtoner a^gWtWsche Botschaft, LiberioJusto, Ausführungen über das Verhältnis Arw amerikanischen Union. Er erklärte,,. '.? ''" 'H't^

Ministerpräsident Dr. Braun spricht in Königsberg

Königsberg i. Pr., 22. August. Im Gewerkschaftshaus eröffnete gestern abend der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Braun in einer Mitgliederversammlung des Ostver- eins Königsberg der S.P.D. den Wahlkampf mit einer Rede über das ThemaPreußen und das Reich". Der Minister­präsident erklärte

zur Lage der Landwirtschaft, daß die deutsche Agrarkrise einen Teil der Weltagrarkrise darstelle. Prohibitiv wirkende Zölle seien eine Faulheits- prämie, die sich weder die Landwirtschaft, noch andere Be­rufszweige Deutschlands heute gestatten könnten. Die Agrar­krise könne, wie auch der Präsident der Hauptlandwirtschafts- kammer, Dr. Brandes, bei der Eröffnung der 18. Deut­schen Ostmesse in Königsberg ganz zutreffend erklärte, nur durch geregelte und ich setze hinzu, auf gewissem Gebiete gesteigerte Produktion, geregelten Absatz und Wirtschafts­frieden gelöst werden. Was

die Frage der Osthilfe

anbelange. so komme es der preußischen Regierung auf die Förderung der gesamten Wirtschaftskreise in den östlichen Provinzen an. Aus diesem Grunde habe sie sich zur Her­gabe der 100 Millionen unter Beteiligung des Reiches an der Bürgschaftsübernahme bereiterklärt. Die preußische Koalition und die Sozialdemokratische Partei seien bereit, unter voller Verantwortung ihre Kraft einzusetzen, die in ihrer Gesamt­heit so schweren und komplizierten Ostprobleme zu lösen.

Darauf ging der Ministerpräsident auf

die Notverordnungen der Reichsregierung ein. Die Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 48 der Reichsverfassung seien keineswegs vorhanden gewe­sen; weder seien die Ruhe und Ordnung gestört, noch gefähr­det gewesen. Aber selbst, wenn das der Fall gewesen wäre, bühr und bie^erabfet^unQ der Leistungen der Mr&e$fsfofen- verszcherung wohl kaum beruhigend gewirkt. Wenn gesagt

verszcherung wohl kaum beruhigend gewirkt. Wenn gesagt werde, daß in Preußen durch Erlaß von Notverordnungen das gleiche getan werde, was man beim Reich kritisiere, so liege darin eine völlige Verkennung des Tatbestandes.

Die endgültige Ordnung der Reichsfinanzen

fei ein sehr schwerwiegendes Problem. Es sei sehr leicht möglich, daß das Reich im herbst vor einem neuen Defizit stehen werde, weil zu den sinkenden Steuereinahmen infolge der rückläufigen Wirtschaftskonjunktur, trotz der Ermäßigun­gen der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung mit er­neuten Mehrausgaben zu rechnen sei, da das Heer der Ar­beitslosen vielleicht auf die Zahl von drei Millionen an- wachsen werde. Mit Lohnherabsetzungen ist auch nichts zu erreichen, denn die verminderten die Kaufkraft und steigerten dadurch die Arbeitslosigkeit. Auch die breiten Volksschichten, die schon jetzt schwere Lasten tragen, würden vielleicht noch schwerere auf sich nehmen müssen, aber sie müßten dabei das Gefühl haben, daß gerecht verfahren werde. Auf dem Wege der Diktatur werden sich die Dinge nicht meistern lassen.

Außenpolitisch

werde ganz zwangsläufig der bisherige Kurs fortgesetzt wer­den müssen. Mit rethorischen Kraftmeiereien sei überhaupt

nichts zu erreichen. Sie seien nur geeignet, Unruhe im Aus­land auszulösen und dadurch die friedliche Aenderung haltbarer Bestimmungen des Friedensvertrages, die nur nach den Geboten der Vernunft im Wege der Verständigung erfolgen kann, zu erschweren.

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Argentinien, dessen Hauptsi

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Mittwoch abend eine Zwischenlandung vornehmen mußte, gestartet war, ist in Moskau gelandet. ,