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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

Nr. 182

Mittwoch, den 6. August 1930

80. Jahrgang

Meissentungsattion und Kartellproblem

Staatssekretär Trendelburg über die nötigen Maßnahmen Appell an die deutsche Wirtschaft

UeAellan- in Rot!

So drückend die Sorgen auch sind,, die gegenwärtig auf allen Schichten des deutschen Volkes lasten, den Blick an die Grenzen, wo überall deutsches Volkstum, das man vom Mut­terlands losgerissen hat, in hartem Kampfe steht, dürfen wir uns durch sie nicht trüben lassen. Auch das Memelgebiet hat uns ein aufgezwungener Friedensvertrag entrissen. Es mußte den Siegermächten überantwortet' werden, die ver­sprachen. aus dem Memellande einen Freistaat zu machen. Litauen, das den Völkerbund immer noch mit seinen Kla­gen wegen der gewaltsamen Losreißung Wilnas durch Po­len überhäuft, scheute die Anwesenheit französischen Mili­tärs und französischer Behörden nicht, um sich durch einen Gewaltstreich in den Besitz des Memellandes zu setzen. Der Völkerbund ging so weit, diesen Gewaltsstreich Litauens nachträglich zu sanktionieren. Allerdings legte der Völker­bund Litauen die Bedingung auf, daß das Memelland nicht im litauischen Staatsverbande aufgehen dürfe. Es erhielt durch die Memelkonvention eine weitgehende Auto­nomie zugesichert. Der Völkerbund übernahm die Ga­rantie, daß dem Memelland seine Selbstverwaltung, ferner Justiz soziale Fürsorge und andere Rechte erhalten blieben. Die litauische Regierung sollte nur berechtigt sein, durch einen Gouverneur ihre Interessen in der Memelver- waltung zur Geltung zu bringen. Die Rechte dieses Gou­verneurs sind durch die Memelkonvention eng begrenzt. Der Gouverneur ernennt den Präsidenten des memelländi­schen Landtages, der jedoch das Vertrauen des Parlaments besitzen muß. Das Parlament ist gesetzgebende Körperschaft und überwacht die Verwaltung des Landes. Litauische Ge-

Das KarteKsrobSem

Staatssekretär Dr. Trendelenburg über die nötigen Maßnahmen

Berlin, 6. August.

Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats ist zu den Beratungen über das Kar­tellproblem zusammengetreten. Namens der Reichsregie-

Millerand wacht über Versailles!

Parts, 6. August.

gen wegen der gewaltsamen Losreißung

rung leitete Staatssekretär Dr. Trendelenbur Aussprache ein, indem er die wirtschaftliche Notweni

die

und überwacht die Verwaltung _________ _________

setze dürfen im Memelland nur mit Genehmigung des Landtages in Kraft treten.

Jn der letzten Zeit haben sich die Uebergriffe Litauens «WiM^^

Beschlüsse werden von dem litauischen Gouverneur, der feine Aufgabe in der Durchsetzung des großlitauischen Gedankens sieht, mißachtet. Immer beunruhigender sind die Nachrich­ten aus dem Memelgebiet, denen zufolge die latuische Re­gierung unter Bruch der Memelkonvention die Einverlei­bung des Memellandes in das litauische Staatsgebiet an= strebt. Neben dem Parlament steht als vollziehende Gewalt ein D i r e k t o r i u m mit einem Präsidenten und 4 Mitglie­dern. Der jetzige Präsident des Landesdirektoriums, Kad- giehn, steht vollkommen unter litauischem Einfluß. Ihm hat der memelländische Landtag bereits vor 2 Monaten das Mißtrauen ausgesprochen. Trotzdem befindet er sich weiter im Amt. Der litauische Gouverneur weigert sich, einen Präsidenten zu ernennen, der entsprechend dem Auto- nomiestatut das Vertrauen des Landtages besitzt. Die Ver­waltung des Memelgebeites befindet sich schon heute nahezu vollkommen in litauischen Händen, und das trotz der über« ragenden Mehrheit, die das Deutschtum innerhalb der Be­völkerung und seiner parlamentarischen Vertretung, dem memelländischen Landtage, besitzt. In unzähligen Fällen sind in Fragen der Finanzen, der Gerichtsbarkeit und der Schulen schwere Verletzungen der Autonomie vorgekommen. Durch eine rücksichtslose Pressezensur und durch den völlig ungerechtfertigt verhängten Kriegszustand wird jede Mei­nungsäußerung verhindern und die Freiheit der Memel­länder in der gewalttätigsten Weise unterdrückt.

beschleunigter Maßnahmen auf dem Kartellgebiet begrün­dete. Im Anschluß an frühere Darlegungen des Reichskanz­lers Vrüning und des Vizekanzlers Dietrich wies er auf

die starke Divergenz in der Preisentwicklung der in­dustriellen Rohstoffe und landwirtschaftlichen Produkte einerseits und der industriellen Fertigwaren anderer­seits

hin, in der eine wesentliche Ursache für die in den meisten Industrieländern beobachtete starke Unterbe­schäftigung zu suchen sei. Die Auswirkungen dieser Weltkrise auf Deutschland seien um so tiefer und nachhalti­ger, als sie mit einer Krise der öffentlichen Finanzwirtschaft verbunden seien. Zur Behebung der Finanzkrise seien die Maßnahmen eingeleitet worden, die sich vor allem im ersten Teil der Notverordnung befänden. Darüber hinaus

hatte die Reichsregierung auf wirtschaftlichem Gebiete in erster Linie eine Senkung des Selbstkosten- und Preisniveaus für notwendig.

In die Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles müsse das Beschaffungsprogramm eingeordnet werden. Die Reichs­regierung sei entschlossen, mit allem Nachdruck dafür zu sorgen, daß dieses Programm, das für die Beteiligten als

Millerand hielt auf einer Bezirkstagung der ehe­maligen Frontkämpfer im Departement Orne eine Rede, in der er u. a. ausführte, Frankreich habe im Kriege gesiegt, weil es den Willen zum Siege hatte. Es sei entschlossen gewesen, durchzuhalten, und es habe auch durchgehalten. Jetzt im Frieden brauche es die gleiche Entschlußkraft und die gleiche Hartnäckigkeit Es stoße heutzutag Hindernisse, die zwar mit anderen Mitteln bi den müßten, aber man werde sie nur mit Hilfe der gleichen Energie überwinden, die die Frontkämpfer im Kriege be­wiesen hätten. Man habe die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Politik gehabt, um den Frieden aufrechtzuerhal­ten, der niemals mehr geschätzt worden sei als in dem Augenblick, da der schrecklichste der Kriege gerade zu Ende gewesen sei. Wenn alle Franzosen Jiber das Zlel^emig seien, so seien sie doch nicht über bi dieses Zieles einig gewesen. Jetzt dürfe man sich nicht in Vorwürfen ergehen und nicht rückwärts schauen.

;e auf andere

ekämpft wer-

ie Mittel zur Errichtung

stehende Preissystem führe. Das Reichswirtschaftsmin rium habe in dieser Beziehung bereits Schritte unternom­men. Darüber hinaus sei

die Reichsregierung von der Notwendigkeit überzeugt, daß gewisse Hemmungen beseitigt werden müßten, die noch der freien Auswirkung der natürlichen wirtschaft­lichen Tendenz im Wege ständen. In diesem Zusam­menhänge trete das Problem der karlellmäßig gebun-

lichen Tendenz

In den letzten Wochen haben sich die Verhältnisse im Memelgebiet so weit zugespitzt, daß man geradezi Memelskandal sprechen kann. Vom Prä

ju von einem

Präsidenten des

memelländischen Landtages waren dem litauischen Gouvev neur für den Posten des Präsidenten des SanbesbirettO' riums zwei Persönlichkeiten vorgeschlagen worden, die je'

denen Preise in den Vordergrund.

Die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten biete der Reichsregierung die rechtliche Möglichkeit, solche Bindungen aufzuheben, die die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung oder des Verkehrs mit Waren oder Leistungen beeinträchtigen oder die wirtschaftliche Handlungsfreiheit in volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigter Weise einschränken. Ein nachhaltiger Erfolg der Bemühungen der Reichsregierung sei erst dann gewährleistet, wenn die beteiligten Wirtschaftskreise mit ihr vertrauensvoll zusammenarbeiten mit dem festen Willen, die Lebensnoiwendigkeiten der deutschen Polkswirtschast gegenüber Einzelinteressen durchzusetzen. Das sei der Grund, warum sie den Reichswirtschaftsrat, in dem alle Faktoren des Wirtschaftslebens vertreten sind, um ein Gutachten er­sucht habe.

Zum Schluß sprach Staatssekretär Dr. Trendelenburg die Hoffnung aus, daß die Verhandlungen im Reichswirt­schaftsrat alsbald eine klare und einheitliche Stellungnahme zu den angedeuteten Problemen herbeiführen würden. Da­bei komme es für den Augenblick darauf an, praktische Ar­beit zu leisten und das in der gegenwärtigen Wirtschaftslage Zweckmäßige und Notwendige zu finden.

Auch nach der Räumung des Rheinlandes dürfe Frank­reich nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß die Achtung der Verträge die notwendige, aber auch aus­reichende Bedingung für die Aufrechterhaltung des Frie­dens sei. Frankreich verteidige dadurch, daß es den Ver- failler Vertrag vor neuen Beeinträchtigungen bewahre, nicht nur ein egoistisches Interesse.

Wenn man zulassen würde, daß jemand Hand an die Friedensverträge lege, würde man die Ergebnisse des Krie­ges in abenteuerlicher Weise aufs Spiel setzen. Man könne die berechtigten Gewinne der Perbündeten und Freunde ~ . asten lassen, ohne den schwersten Kon-

Frankreich werde das durch Ruhe und

Frankreichs nicht anta1 flikt hervorzurufen. Frankreich wer Entschlossenheit zu verhüten wissen.

FrauzaseumauSoer i« Lottzriuge«

Die größte Truppenentfaltung seit Kriegsende

Paris, 5. August.

Die diesjährigen französischen Herbstmanöver werden vom 4. bis 10. September in Lothringen abgehalten wer­den. Es wird sich um die größte Truppenentfaltung seit dem Kriege handeln, denn es werden daran nicht weniger als 50 000 Wann teilnehmen, nämlich 24 Bataillone In­fanterie. 6 Bataillone Jäger zu Fuß, 12 Bataillone algerische Schützen, 32 Schwadronen Kavallerie, 4 Abteilungen Wa- schinengewehre auf Autos, 2 Regimenter Dragoner, 3 Re­gimenter leichte Artillerie, 2 Regimenter berittene Artillerie, 5 Regimenter schwere Artillerie, 2 Regimenter Flugzeug- abwehrgeschütze, 2 Bataillone Tanks, 3 Telegraphenba­taillone, 3 Pionierbataillone, zahlreiche Flugzeug- und Tralnabteilungen.

Das Hauptquartier befindet sich in Luneville, wo 240 Stabsoffiziere untergebracht werden. Der Generalinspekteur des Heeres, Marschall Petai, wird den Manövern beiwoh­nen und in den letzten Tagen auch Kriegsminister Maginot. Die Manöver selbst werden südlich durch die Meurthe, nörd­lich durch die Saar begrenzt und sich auf der Strecke Lune­villeMetz abspielen.

doch beide vom Gouverneur abgelehnt wurden. Die li­tauische Regierung ist sogar so weit gegangen, den Erlaß besonderer Gesetze in Erwägung zu ziehen, durch welche die memelländische Autonomie vollständig beseitigt und die Regierungsgewalt in die Hände des Gouverneurs gelegt werden soll. Alle bisherigen Rechtsbrüche sollten durch diese Gesetzelegalisiert" und die Beziehungen Li­tauens zum Memelgebiet in eindeutigster Weisegeregelt" werden. Die Rechte des Parlaments sollen weitgehendst ein­geschränkt, die Justizhoheit soll beseitigt, das gesamte Finanz­wesen den Bedürfnissen des litauischen Staates untergeord­net werden. Die Alarmrufe in der deut"' ""

in Litauen alshöchst verdächtig" beze ,

in Deutschland versucht, die Angriffe auf die Rechte der Memelländer abzuwehren, so wird das in Litauen dahin gedeutet, daß man in Deutschland das Memelgebietmit der Zeit wieder an Deutschland zurückzuschlagen" beabsich­tigt. In Litauen verlangt man, daß Deutschland sich nicht mehr um das Memelgebiet kümmern solle, weil sonstdie guten Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland dar­unter leiden könnten " Wir bedauern, den Litauern die.

e wurden Senn man

aen der Memelkonvention vor dem Völkerbundsrat zur Sprache zu bringen, eine Beschwerdeschrift überreichen, in welcher alle Punkte, in denen Litauen die Autonomie ver­letzt hat, aufgeführt werden sollen. Vermutlich wird sich der Völkerbundsrat noch auf der Septembertagung mit die­ser Memel-Beschwerde befassen. Beschwerden deutscher Min­derheiten hat der Völkerbund bisher allerdings nur wider­willig und in den seltensten Fällen stattgegeben. Und das auch erst, nachdem die deutsche Außenpolitik sich der Sache der deutschen Minderheiten mit Energie angenommen hat. Die Memelländer erwarten, daß der Völkerbund unverzüg­lich der litauischen Gewaltpolitik ein Ende macht und die Autonomie in allen ihren Punkten wiederherstellt. Sie können der nachdrücklichsten Unterstützung durch ihr altes Mutterland gewiß sein.

Nachspttl zum Fall kuselier

Paris, 6. August.

Außenminister Briand hat den deutschen Botschafter empfangen. Wie berichtet wird, soll Briand mit dem deut­schen Botschafter über die Erregung gesprochen haben, die in Frankreich durch die Verurteilung des Schwimmers Euve- lier verursacht wurde.

Auch der Vorstand der

französischen Schwimmerver- ^er Pariser Stadtpräsident de

leben. Und das

einigung, an deren Spitze der Pariser Stadtpräsident de Castellane steht, hat sich mit den deutsch-französischen Sport­beziehungen und besonders mit der Frage der Teilnahme der französischen Schwimmer an der Nürnberger Veran­staltung beschäftigt. Der Beschluß des Vorstandes wird erst nach Fühlungnahme mit dem Außenministerium verössent-

was ihre Wirtschaft anbelangt, vollständig von Deutsch­land abhängig sind, diesen Gefallen nicht tun zu können. Die berechtigte Empörung, welche die litauische Gewaltpolitik innerhalb des memel- ländischen Polkes ausgelöst hat, fand auch in Deutschland starken Widerhall. Die Memelländer beabsichtigen, Be- schwerde beim Pölkerbund zu erheben. Die vom Landtage eingesetzte Kommission zur Wahrung der Autonomierechte wird den Ratsmächten, denen das Recht zusteht, Verletzun-

Brüning und Wirth

als Spitzenkandidaten

Breslau, 6. August. Die Zentrumspartei hat als Spitzen- kandidaten für den Wahlkreis 7 (Breslau) den Reichskanzler Dr. Vrüning aufgestellt. An zweiter Stelle steht auf dem Wahlvorschlage der' bisherige stellvertretende Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Dr. P e r l i t i u s.

Liegnitz, 6. August. Die Zentrumspartei hat an Stelle des ausscheidenden Abg. Wilkens den Reichsminister des Innern, Dr. Wirth, als Spitzenkandidaten für den Wahl­kreis 8 (Liegnitz) aufgestellt.

licht werden.

Wie aus dem Justizministerium mitgeteilt wird, wird dort zurzeit über einen Antrag des Verteidigers von Cuve- lier beraten, die Vorgänge in Zech durch die KriminÄl- polizei von neuem untersuchen zu West,

Der Lohnkampf in Nordfrankreich

Erneute Zwischenfälle an der französisch-beligschen Grenze.

Lille, 6. August. Infolge der Zwischenfälle an der fran­zösisch-belgischen Grenze bei Halluin-Menin sind die meisten belgischen Arbeiter, die sich im Autobus täglich an ihre Ar­beitsstätte nach Tourcoing in Frankreich begeben, gestern nicht erschienen. Die Zahl der Ausständigen ist dort um 10 000 gestiegen und beträgt 22 150. Allein 17 Fabriken sind vollkommen stillgelegt. In 36 Fabriken wird gearbeitet, da die Lohnerhöhungen dort bewilligt worden sind.

An der französisch-beligschen Grenze kam es gestern früh wiederum zu Zwischenfällen bei M o u s e r i n, wo Autobusse mit belgischen Arbeitern an der Grenze umkehren mußten; da belgische Gendarmen nicht zur Stelle waren, wurden die Arbeiter^mit^Steinwürfen empfangen.