Einzelbild herunterladen
 

KersfelöerTageblaü

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfelö - !

Nr. ItO Mittwoch, den 23. Juli 1930 80. Jahrgang ^^^^^^^^^^^^-^^^^^^^^^^^^"^^^"^^-^^^-^- ----------------------^^..-- - - a^ ' -^x^ _. ... --_.. '

Breustens Befreiungsfeier in Koblenz

Beherzioenswerte Hindenburgworte Braun feiert die Festigkeit der Preust. Staatsverbandes Furchtbarer Abschluß der Feier

SsüDiielreiiingsfeier Preukens

Der Festakt in Koblenz.

Koblenz, 22. Juli.

Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun empfing am Dienstagmorgen 8.15 Uhr den Reichspräsidenten inElt- oille, um dann mit ihm gemeinsam auf dem Dampfer Mainz" die Reise nach Koblenz, wo der Dampfer am Deutschen Eck anlegte, zur Hauptbefreiungsfeier der Preu­ßischen Staatsregierung in Koblenz anzutreten.

Auf der Feier, die um 12 Uhr in der Stadthalle der Stadt Koblenz stattfand, sprachen nacheinander der Ober­präsident der Rheinprovinz Dr. Fuchs, der Oberbürgermei­ster von Koblenz, der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, der Reichsverkehrsminister von Guerard und zuletzt der Reichspräsident.

Ministerpräsident Dr. Braun

führte u. a. aus:Zum zweiten Male in anderthalb Jahr­hunderten ist für das Rheinland eine Zeit jahrelanger frem­der Besetzung zu Ende gegangen. Voll Dankbarkeit und Freude erleben wir in dieser Feierstunde gemeinsam die große geschichtliche Bedeutung dieses Ereignisses. Mit be­sonderer Freude begrüßen wir in dieser Stunde unser hoch­verehrtes Reichsoberhaupt unter uns.

Vor allem gilt heute unser Gedenken der Treue des rheinischen Volkes. Wenn wir trotz Niederlage und Be­satzung, allen Gewalten zum Trotz, die Unversehrtheit des Reiches gerettet haben, dann danken wir das in erster Linie den rheinischen Männern und Frauen. die ohne Unterschied des Bekenntnisses und der politischen Stellung, in Würde und Haltung der Besetzung begegneten und ihre Heimat

^ WirMvenken noO

männer, die, aufbauend auf dieser Treue des rheinischen Volkes unbeirrt durch alle Kritik und alle Vorwürfe, folge­richtig und zielbewußt ihre Politik der Verständigung mit unseren Nachbarn durchgeführt und die vorzeitige Befreiung des Rheinlandes erreicht haben.

Aber es gab noch ein Drittes, das für die Abwehr aller Anschläge auf die Verbundenheit dieses Gebiets mit dem Deutschen Reich von entscheidender Bedeutung war. Das ist die Existenz des Preußischen Skaaksverbandes. Die Festig­keit eines Gebäudes zeigt sich erst, wenn Sturmwinde an ihm rütteln. Die innere Widerstandskraft eines Reiches wird erst sichtbar, wenn seine Grundfesten angegriffen wer­den. Das haben verbrecherische Kräfte 1923 versucht. Daß ihnen das nicht gelang, danken wir nicht zum wenigsten dem festen Gefüge des Preußischen Staatsverbandes und der engen Verbundenheit der rheinischen Bevölkerung mit der preußischen Verwaltung.

Wir haben, scheint mir, aus der hoffentlich für immer hinter uns liegenden Separatistenzeit die eine bedeut­same innerpolikische Lehre zu ziehen: Der Preußische Staatsverband darf nicht eher gelockert werden, bis wir als einheitlichen Reichsverband etwas völlig Gleichwer­tiges an seine Stelle zu setzen vermögen.

Noch fehlt uns in diesem preußischen Staatsverband eines der wertvollsten Glieder der Rheinprovinz, das herr­liche Gebiet an.der Saar. Wir grüßen heute die in Treue erprobten Saarländer und hoffen mit ihnen, daß trotz der Hindernisse, die sich gerade jetzt wieder aufzutürmen scheinen, bald auch ihnen als Lohn ihres Ausharrens die politischen Rechte aller Deutschen zurückgegeben werden und daß auch sie sich der Rückkehr in ihr Vaterland erfreuen können."

Hierauf überbrachte Reichsverkehrsminister von Gue­rard zunächst den Dank und die Grüße der Reichsregierung und führte dann aus:Gerettet ist wieder einmal der Rhein. Ein tiefes nationales Wollen hat den deutschen Volksgedan­ken zum Siege geführt. Die völlige Räumung des Rhein­landes war lange Zeit das große Ziel deutscher Außenpo­litik. Mit der Erreichung diesees Zieles beginnt ein neuer Abschnitt deutschen außenpolitischen Wirkens.

Möge dieses Bewußtsein der inneren deutschen Ver­bundenheit und des Aufeinanderangewiesenseins aller deutschen Stämme, das sich hier am Rhein in so schöner Weise offenbart, immer stärker alle Teile Deutschlands durchdringen.

Bede des Reichspräsidenten

In feiner Rede beim Festakt in der Koblenzer Stadt­halle dankte Reichspräsident von Hindenburg zunächst dem preußischen Ministerpräsidenten, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz und dem Oberbürgermeister von Koblenz für die freundliche Begrüßung. Unter Hinweis auf die Jahre, die er in glücklicherer Zeit in Koblenz verlebte, dankte der Reichspräsident weiter der gesamten Bevölkerung für das herzliche Willkommen und ihr begeistertes Bekenntnis zu Staat und Reich und führte dann aus:Auch am heutigen Tage, an dem die preußische Rheinprovinz die nunmehr vollzogene völlige Räumung und Wiedervereinigung mit Staat und Reich begeht, gilt unser erstes Empfinden den vielen Opfern der langen Leidenszeit. Wir gedenken in Trauer der Toten, die hier für das Vaterland fielen; wir

erleben noch einmal in der Erinnerung das große Leid, das diese Notzeit des Rheinlandes allen Kreisen der Bevölkerung auferlegt hat.

Wir gedenken aber auch mit stolzer Befriedigung der gewissenhaften Pflichterfüllung und der vorbildlich stand- haften Haltung der Beamtenschaft in dem besetzten Ge­biet, von der zahlreiche ihre Treue zu Eid und Pflicht mit dem Tode besiegelt haben, und wir grüßen in höch- sker Anerkennung die Bevölkerung der Rheinprovinz selbst, die in geschlossener Einigkeit aller Stände in zäher Geduld ausharrte, bis die Tage der Freiheit wiederkamen.

Unvergeßlich werden uns allen jene schweren Wochen und Monate sein, da verräterische Elemente versuchten, rheini­sches Gebiet vom Vaterland loszulösen, und sich in einmüti­gem freiem Zusammenschluß Bauern und Bürger, Arbeit­geber und Arbeitnehmer, Beamte und Studenten zusammen- fanden, um, obwohl waffenlos, diesen verbrecherischen An­schlag auf deutsches Land abzuwehren und die Einheit des Reiches zu retten.

So ist in höchster staatlicher Rot das Band zwischen Reich und Rhein in seiner Festigkeit erprobt und für alle Zeilen gesichert worden.

Umkränzt von Dichtung und Geschichte, ist uns der Rhein zum Schicksalsstrom Deutschlands und zum nationalen Sym­bol geworden. Die harten Jahre der Not, die heute hinter uns liegen, haben diesem Symbol neuen Inhalt gegeben.

Der Rhein ist noch mehr als je zum Wahrzeichen der deutschen staatlichen Einheit und unseres Willens zur Selbst­behauptung geworden. Möge das nun befreite rheinische Gebiet, das so lange in seiner staatlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt war, einer neuen Blüte entgegen- gehen! Möge aber auch die staatliche Einheit, der wir heute und zu dem befähigte, was wir heute dankbar feiern!

Mit diesem Wunsche grüßen wir den deutschen Rhein, grüßen wir unses geliebtes Vaterland, indem wir rufen: Deutschland, es lebe hoch!"

Im Anschluß an die Rede des Reichspräsidenten fang die Menge begeistert das Deutschlandlied.

Beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz fand dann ein Frühstück statt, zu dem die Preußische Staatsregierung ins­besondere Persönlichkeiten zugezogen hatte, die in besonders hervorragender Maße in der Ausübung ihrer Pflicht durch die Besatzung persönlich zu leiden gehabt hatten.

Furchtbarer Abschluß der

Koblenzer Befreiungsfeier

Bis 12 Uhr nachts 24 Tote.

Koblenz, 23. Juli. Räch Abschluß der glänzend verlau­fenen Beleuchtung der Feste Ehrenbreitslein und des Deut­schen Ecks strömten die Massen, die am Reuendorfer User zu Tausenden versammelt waren, über die schmale Pontonbrücke des Sicherheitshafens in Koblenz-Lühel. Als sich etwa 100 Menschen auf der Brücke befanden, brach diese zusammen und sämtliche Personen fielen ins Wafser. Die ins Wasser Gefallenen wurden zum Teil von den niederstürzenden Bal­ken erschlagen, zum Teil von den umkippenden schweren Pontons unter Wasser gedrückt. Nur einige in der Nähe des Ufers befindliche Personen konnten sich retten. Andere wurden herausgefischt. Der größte Teil ertrank. Bis 12 Uhr nachts waren 24 Leichen geborgen.

Sie WifejMrotihwwile

Was man in Mainz dazu sagt.

Mainz, 22. Juli.

Unter der Ueberschrift:Es darf nicht zu einem Antife- paratiften-Prozeß kommen" schreibt derMainzer An­zeiger" u. a., die polizeilichen Ermittlungen hätten er­wiesen,

daß die nächtliche antiseparatistische Aktion aus Mainz heraus entstanden sei und nichts mit irgendeiner orga­nisierten politischen Mache zu tun habe. Die Erregung der Bevölkerung gegen die Separatisten sei, wie hin­reichend bekannt, von allen Teilen der Einwohnerschaft, von ganz links bis zur äußersten Rechten geteilt wor­den. Die politische Einstellung der an den Unruhen Be­teiligten ist ein getreues Spiegelbild dieser unpartei­ischen Volksbewegung.

Zu dem Verfahren, das mit aller Beschleunigung gegen die Beschuldigten durchgeführt werden soll, sagt das Blatt weiter, auf jeden Fall dürfte in dem kommenden Landfrie- densbruch-Prozeß der Welt wirklich kein erhebendes Bild geboten werden, wenn man junge Leute, die zum Teil aus rein patriotischen Gefühlen heraus sich strafbare Handlungen zuschulden kommen ließen, bestrafe, diejenigen aber, gegen deren verräterisches Tun sich das Handeln richtete, unge- choren lasse. Das Blatt schließt:Wir hoffen, daß sich Wege inden lassen, der Stadt Mainz, dem hessischen Staat und )em ganzen Deutschen Reiche diese Blamage zu ersparen!"

BollLparteilichrr Sammelrus

Berlin, 23. Juli.

vom Parkeivorstand der D. v. P. ist an die Ehristlich- Rakionale Arbeitsgemeinschaft, die Deutsch-Demokratische Partei, die Gruppe Graf Westarp und die Wirkschaskspar- tei ein Schreiben gerichtet worden, das auch dem Reichskanz­ler Dr. Brüning übermittelt wurde. Dieses hochbedeutsame Schreiben enthält nicht mehr und nicht weniger als die Auf­forderung, angesichts der politischen Erfahrungen der letzten Zeit und der heillosen Zersplitterung aller politischen Kräfte die Zusammenfassung aller derjenigen herbeizuführen, die unter Zurückstellung des Trennenden bereit sind, sich aktiv in den Dienst des Staates zu stellen. Diesbezügliche Ver­handlungen sollen demnächst stattfinden.

Die Bestrebungen der Deutschen Volkspartei stellen eine Parallelaktion zu den Bestrebungen dar, eine einheit­liche Bauern» und Landvolkpartei unter der Führung des Ministers Schiele zu schaffen, an der die Christ- l'ch-Nationalen Bauern wie auch die Bauern der Gruppe Fehr beteiligt sein sollen. Diese neue Partei soll dann die einheitliche politische Vertretung des Landvolkes gewährlei­sten. Sie stellt die politische Bauernfront dar. In welches Parteigebilde sich die Volkskonservative Reichsvereinigung einfügeN wird, steht noch nicht fest. Die Parteineubildun- gen auf der Rechten gehen, das muß betont werden, nicht gegen, sondern nebeneinander. Wahlbindungen oder sonstige gegenseitige Vereinbarungen sind also nicht ausgeschlossen.

; E ^ «^ttyVIMIVvUUv AI IM 111'41111......-

Wahlkampf

I Aeberall eigene Landvolklisten. DieGroße Rechte" f gescheitert.

Berlin, 23. Juli. Der Bundesvorstand des Reichsland- bundes erläßt einen Wahlaufruf, in dem nach einem Ueber- blick über die letzten politischen Ereignisse vor und nach der Reichstagsauflösung ganz besonders der Ernst der allge­meinen Wirtschaftslage, vor allem der der Canbroirtfdjaft, hervorgehoben wird. In dem Ausruf teilt der Vundesvor- tand weiter mit, daß von ihm der Beschluß gefaßt worden ei, für die kommenden Wahlen eigene Listen auszustellen, oweit es die örtlichen Verhältnisse zulassen. werde man für sie Wahl auf Landvolklislen in allen Provinzen und Län­dern eintreten. Oberstes Gebot bleibe die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Landbundorganisation! Die Stel­lung des Reichslandbundes zu den einzelnen Parteien sei durch ihr bisheriges und künftiges Eintreten für die Forde­rungen des Reichslandbundes bedingt. Der Aufruf schließt mit den Worten:Wenn das deutsche Landvolk unter seiner eigenen Fahne in den Wahlkampf marschiert, so will es da­bei nicht neue Zersplitterung, sondern Stärkung aller Kräfte, die im Kampfe für die von Hindenburg gewiesenen Ziele in einer Front stehen."

*

Berlin, 23. Juli. Der Beschluß des Reichslandbundes, eigene Landbundlisten aufzustellen. wird in parlamentari- chen Kreisen als entscheidend angesehen für das Schicksal der ogenanntenGroßen Rechte", von deren Bildung in den ehken Tagen so viel die Rede war. Eine Dachlistengemein- chaft zwischen Land- und Stadtvolk wird nunmehr als aus- geschlossen bezeichnet. Die neue Landvolkparkei wird die Christlichnationalen Bauern und die Gruppe Schiele-Richt- Hofen umfassen und wird voraussichtlich alle Vertreter des Landvolkes, die bisher bei anderen Parteien Unterkunft fanden, an sich ziehen. Man spricht in diesem Zusammen­hang auch davon, daß v o n K e u d e l l zu den christlich-natio- palen Bauern übergehen will.

i Angesichts des Beschlusses des Reichslandbundes ge- minnt die Besprechung Bedeutung, zu der sich gestern abend Treviranus, Graf Westarp, Lindeiner-Wildau und andere zusammenfanden. Ihr Gegenstand dürfte die Frage der Aufstellung gemeinsamer Listen für das Stadtvolk sein.

Weitere Austritte bei

den Deutschnationalen

' Dresden, 23. Juli. Die vier sächsischen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten B o m s ch, Hv r t m a n n, Dr. Philipp und Dr. Rademacher haben an den Landes- ousschuß der Deutschnationalen Volksparte! für Sachsen ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihren Austritt aus der Parte, erklären. Sie sahen in der Arbeit des Kabinetts Brüning trotz vieler sachlicher und persönlicher Bedenken den ehrlichen Willen, eine von sozialistischen Einflüssen befreite, der Ge­sundung der Wirtschaft dienende Finanz- und Wirtschafts­politik wenigstens einzuleiten und sahen die Möglichkeit eines Wiederaufstieges ohne katastrophalen Zusammenbruch. Sie glaubten eine Politik nicht verantworten zu können, die unter Zerschlagung der vorgeschlagenen Reform und ihrer Ansätze diese Wege versperrte und Volk und Wirtschaft in unübersehbare Wirrnisse stürzte.