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Allerlei Neuigkeiten

Familientragöbie. Der Bergmann Nikolaus Schneider wurde nachts in seiner Wohnung in Oberhausen Alstaden mit fünf Schußverletzungen ermordet aufgefunden. Auf den dringenden Verdacht hin, daß der Mord auf Anstiftung der Ehefrau des Erschossenen durch ihren Bruder Peter Hardt begangen worden ist, wurde Frau Schneider festgenommen. Später wurde auch ihr Bruder in Duisburg verhaftet. Er legte ein Geständnis ab.

Zwei Tote und vier Schwerverletzte bei einem Kraft- wagenunglück. Auf der Fahrt von Pforzheim nach Durlach überschlug sich in einer Kurve ein Karlsruher Kraftwagen, der mit sechs aus Karlsruhe stammenden Personen besetzt war. Zwei Personen waren sofort tot, die vier Mderen, darunter ein Ehepaar, wurden schwer verletzt.

Künstlerkragödie in Erfurt. Der bis zum Ablauf der Spielzeit 1929 am Erfurter Stadttheater als Heldentenor tätige Opernsänger Anton Wißmann hat sich in seiner Woh­nung mit Gas vergiftet. Er hatte in Erfurt ein Konzert angekündigt, das jedoch wegen geringen Kartenverkaufs im - letzten Augenblick abgesagt.werden muhte. Am anderen Morgen fand man Wißman in seiner Wohnung tot auf.

Wieberaufrollung der Gladbecker Mordaffäre? Der Pflegevater des der Ermordung des Primaners Daube an­geklagten Studenten Karl Hußmann, der Gladbecker Rektor Kleiböhmer, will versuchen, die ganze Angelegenheit noch einmal aufzurollen, um seinen Schützling voll zu rehabili­tieren. Hußmann wurde, wie erinnerlich, zwar freigespro­chen, jedoch nur aus Mangel an Beweisen. Die Kriminal­polizei von Berlin, Düsseldorf und Gladbeck erhielten in diesen Tagen anonyme Schreiben, in welchen der Verfasser mitteilte, daß er von einer bestimmten Spur wisse. Er be­zeichnete auch die Stelle im Gladbecker Park, wo das Mord­messer und die fehlenden Gliedmaßen der Leiche vergraben sein sollten. Die Polizei ging den Angaben nach, ohne jedoch etwas zu entdecken.

Stufige Auseinandersetzung in einer Wirtschaft. In einer Gastwirtschaft im Essener Stadtteil Segeroth kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Wirt und mehreren Gästen. Angeblich soll der Wirt von einem Gast mit einem Messer bedroht worden sein, worauf dieser zum Revolver griff und drei Schüsse abfeuerte. Drei Personen wurden von den Kugeln getroffen und brachen zusammen. Eine Person erhielt einen Kopfschuß, eine andere einen Arm­schuß und die dritte einen Beinschuß. Die Verletzten wur­den sofort dem Krcknkenhause zugeführt und operiert. Der Mann, der den Kopfschuß erhielt, dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Die polizeilichen Ermittlungen wur­den -sofort ausgenommen.

Verhaftung eines flüchtigen Sladtvanwireklors. Der frühere Stadtbankdirektor Berger aus Halle ist auf Grund des erlassenen Steckbriefes in Glogau festgenommen worden. Er wird nach Breslau übergeführt, wo er seine Strafe ver­büßen soll. Berger wurde seinerzeit als Hauptangeklagter im sogenannten höllischen Stadtbankprozeß,' bei dem es sich um Veruntreuungen von etwa 7 Millionen handelte, zu

Das Befinden Siegfried Wagners. Das Befinden Sieg­fried Wagners hat sich gebessert. Mit einer Teilnahme an den Festspielen ist jedoch vorläufig nicht zu rechnen. Der Patient muß sich nach wie vor vollkommene Schonung auf- erlegey.

Das Mädchen für alles! Die Sommerzeit brächte der Berliner Feuerwehr manche Aufgabe, für die sie eigentlich nicht „zuständig" war. So mußte sie allein 467 Bienen­schwärme einfangen und acht Wespennester vernichten. Richt weniger als 134mal wurde blinder Alarm gegeben, darunter in 40 Fällen böswillig. 486 Brände waren im Monat Juni zu löschen, darunter 33 Großbrände. Von den 486 Bränden waren 90 Wald- und Wiesenbrände. Daneben hatte die Feuerwehr 104 Wasserrohrbrüche mit Ueberschwemmungen zu beseitigen. Ihre Samariterhilfe wurde insgesamt im Monat Juni 306mal in Anspruch genommen, davon 155mal wegen Gasvergiftung. Die Verkehrshindernisse, die von der Berliner Feuerwehr beseitigt werden mußten, beziffern sich auf 52. Die Gesamtzahl der Alarmierungen steigerte sich von 1253 im Monat Mai auf 1758 im Monat Juni.

Ein österreichischer Rekord. In der Wiener Gesellschaft der Aerzte wurde auf Grund der neuesten statistischen Er­hebungen festgestellt, daß Oesterreich bei weitem die meisten unehelichen Kinder in Europa besitzt; rund 25 Prozent aller Kinder werden außerehelich geboren. In großem Abstand erst folgt Schweden, an dritter Stelle Deutschland. Den in­nerösterreichischen Rekord hält der Kärntner Pfarrbezirk Gurk mit 80 Prozent unehelichen unter allen Geburten. Wien steht mit 24 Prozent gerade auf der Durchschnittshöhe.

Aus dem Gerichtssaal

Urteil im Tscherwonzenfälscherprozeß

In der Berufungsverhandlung im Tscherwonzenfälscher­prozeß wurde das Urteil der ersten Strafkammer des Land­gerichts I Berlin verkündet. Auf die Berufung der Staats­anwaltschaft bezüglich der Hauptangeklagten Karumidze, Sadathieraschwili,Vell und Schmidt wurde das Urteil der ersten Instanz, das auf Amnestierung lautete, auf» gehoben. Es wurden verurteilt Karumidze wegen Münz- verbrechens und Urkundenfälschung zu zwei Jahren zehnMonaten Gefängnis, Sadathieraschwili wegen Münzverbrechens und Betruges zu z w e i I a h r e n Ge­fängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft, Bell wegen Betruges zu 300 Mark Geldstrafe oder zwei Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gel­ten, und Schmidt wegen Betruges zu 1500 Mark Geldstrafe oder drei Wochen Gefängnis.

Turnen und Sport

An der Hindenburg-Staffel, die am Sonntag nach Wies­baden führte, nahmen etwa 100 000 Turner teil. Reichs­präsident von Hindenburg nahm fünf Urkunden entgegen, die später im Deutschen Museum in München aufbewahrt werden' sollen.

3m Europarundflug sind am Montag die restlichen 35 Flieger von Reims nach Calais gestartet. Der das Feld anführende Engländer Broad hat die 1050 KilometA von Berlin nach Calais in rund 9 Stunden zurückgelegt.

Amicikia-Mannheim gewann in Zürich drei Rennen, und zwar den Vierer o. St., den Senioren-Achter und den Vierer m. St.

Die Fußbattweltmeisierfchaft wurde durch folgende Tref- ffnfortgesetzt^ Brasilien—Bolivien 4 :0 (1:0), Paraguay—

Volkswirtschaft

Berliner Effektenbörse

Zu Beginn der neuen Woche machte sich an der Börse starke Zurückhaltung bemerkbar, die in der unübersichtlichen politischen Lage ihre Ursache haben dürfte. Wenngleich auch keine erheb­lichen Kursherabsetzungen eintraten, so waren doch Abschwächun- gen von 1 bis 2 Punkten überwiegend. Eine gewisse Verstim­mung ging Dom Montanmarkt aus, an dem auf Grund des Vierteljahrsberichts der Vereinigten Stahlwerke eine Reihe der führenden Montanpapiere recht schwach lagen. Im Verlauf trat keine grundlegende Tendenzänderung ein, wobei besonders ins Gewicht fiel, daß auffallenderweise die vorliegenden Kauflimite des Publikums größtenteils zurückgezogen worden find, so daß also von dieser Seite her keine Auffangstelle für das an sich nicht bedeutende Angebot vorhanden war. Das Geschäft blieb gering. Die Stimmung war späterhin eine Kleinigkeit beruhigter.

Am Geldmarkt hielt die Leichtigkeit auch zu Wochenbeginn an, so daß Tagesgeld im allgemeinen zwischen 8 und 5 %, in Ausnahmefüllen für erste Nehmer auch zu 2,75 % erhältlich war. Im übrigen blieben die Raten für Monatsgeld unver­ändert mit 4,50 bis 5,50 %.

Am Devisenmarkt betrug der amtliche Kurs für den Dollar 4,1865, für englische Pfunde 20,871.

Berliner Produktenbörse

Die infolge der letzten starken Niederschläge gehegten Be­fürchtungen sind durch die Wetteraufbesserung hinfällig gewor­den, so daß auch festere Ueberseenotierungen auf die Produkten­börse vom Montag ohne Einfluß blieben. Weizen allerdings war in alter und neuer Ware verhältnismäßig stetig, da das Angebot knapp bleibt und kaum nennenswerte Umsätze statt» fanden. Dagegen waren die Roggennotierungen etwas nach­giebig. Auch prompte Ware war etwas reichlicher angeboten, erneuter Interventionen die Roggennotierungen bis zu 1,50 M. nach, während Weizen auch hier kaum verändert lag. Am Lie- ferungsmarkt waren Preisabschläge bis zu 4 M. zu verzeichnen. Am Mehlmarkt entwickelte sich in Weizenmehl nur Umsatz in dringendstem Bedarfsgeschäft. Für Roggenmehl ist das Herbst­geschäft noch unentwickelt, und zwar wegen der Unsicherheit über die Auswirkungen des Brotgesetzes.

Weizen ab märk. Stat. — Roggen b'o. 172—177 Braugerste do. —

Futter- und Jnd.- Gerste do. 170—195 fiafer do. 179—187

Weizenkl.-Melasse -

Raps 2,10—2,20

Leinsaat —

Viktoriaerbsen 26,00—30,00

kl. Speiseerbsen 24,00—27,50

Ruttererbien 19.00—20.00

Frankfurter Viehmarkt vom 21. Juli Der Auftrieb des heutigen Hauptmarktes bestand aus 1553 Rindern, darunter 409 Ochsen, 137 Bullen, 534 Kühen, 374 Färsen, 580 Kälbern, 88 Schafen und 5440 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des Haupt­marktes der vergangenen Woche waren heute 114 Rinder. 1244 Schweine, 43 Kälber und 19 Schafe mehr ange­trieben. Notiert wurden per Zentner Lebendgewicht: Ochsen al) 58-61, a2) 54-57, b) 50-53,’ Bullen a) 53—57 b) 48—52; Kühe a) 46—49, b) 42-45, c) 36-41, b)30—35; Far,ena)59—62, b)54-58, c)50—53; Kälber b) 72 -76, c) 66-71, b) 50—65: Schweine a-b 65-67, c) 67-70, b) 68—70, e) 65—67. Ver­glichen mit den Preisen des letzten Hauptmarktes waren Ochsen unverändert, Kühe und Färsen unverändert Kälber zum letzten Nebenmarkt 3 M. niedriger, Schweine zum teffen HaMmaikt urtveränbert.

Ueber das Vermögen deZ Geflügelzüchters Wiktor Mau, Hersfeld ist am 19. Juli 1930, vorm. 10 Uhr das KMurrversilhren eröffnet. Konkursverwalter: Rechtsbeistand Marth in Hersfeld. Erste Gläubiger- versammlung am 13. Au

gust 1930, vormittags 10 Uhr vor dem unterzeichneten Amtsgericht, Zimmer Nr. 12.' Anmeldefrist bis Mittwoch,1

Berdingung.

Für den Neubau eines Wirtschaftsgebäudes der Schule Reckerode sollen die Erd-, Maurer-, Zimmer-, Dachdecker-, Klempner-, Schreiner- und Anstreicher-Arbeiten vergeben werden.,

Die Angebotsunterlagen sind von dem unterzeichneten Bürgermeister gegen eine Gebühr von 1.— RMk. bezw. 0.50 RMk. zu.beziehen. Daselbst können auch die Zeich­nungen eingesehen werden.

Der Bauherr behält sich vor, die Arbeiten in ge-

-Rohre aller Weiten

“BES3

Drainage -Endstücke

den 3, September 1930/

vorm. 10 Uhr, offener Arrest mit Anzeigepflicht bis 13.

August 1930. (N. 4/30.)

Amtsgericht in Hersfeld.

trennten Losen zu vergeben.

Die Angebote sind in geschlossenem Umschläge mit der Aufschrift „Erd- und Maurerarbeiten" bezw. „Schreiner- V ’ arbeiten" usw. für Neubau Wirtschaftsgebäude Schule Reckerode bis spätestens zum Eröffnungstermin am

25. Juli 1930 nachmittags 5 Uhr bei dem Bürgermeister in Reckerode abzugeben.

Reckerode, den 19. Juli 1930.

Der Bürgermeister.

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