Harnück ZMorden.
Nach zweiwöchentlicher teA.'d^ett entschlafen.
Wirklicher Geheimer Rat Exzellenz Professor Adolf von Harnack, der berühmte Theologe und Geschichts- philologe, Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der in Heidelberg vor etwa 14 Tagen erkrankt war, ist im Alter von 79 Jahren in der Medizinischen Klinik sanft entschlafen.
Am Sterbebett weilte die Gattin Harnacks und sein ältester Sohn, Regierungspräsident von Harnack-Merfe- burg. Die Einäscherung wird in Berlin erfolgen.
Thüringen begründet die Schulgebete.
„Kein Verstoß gegen die Verfassung."
Das thüringische Staats mini sterium hat in dem Streit um die Schulgebete nunmehr seine Rechtsauffassung dem Staatsgerichtshof gegenüber dargelegt. Darin wird der Ansicht des Reichsinnenministers widersprochen, daß die Empfehlung der Schulgebete gegen Artikel 148 der Reichsverfassung verstoße, und daß die F o rm der Gebete aus parteipolitischen Gründen gewählt sei; die Gebetstellen könnten nur als Ausdruck dasür gewertet werden, daß Gott auch das deutsche Volk unterstützen möge bei der höchsten Pflicht eines Volkes, mit allen Kräften um die Erhaltung und die Wiedererreichung der politischen Freiheit zu ringen. Ebensowenig verletze das die Gefühle Andersdenkender und verstoße beim Unterricht in öffentlichen Schulen gegen Artikel 148; denn das Staats- ministerium müsse dem widersprechen. Empfindungen von Staatsangehörigen, die der Frage der Wiedererreichung Der Freiheit ablehnend gegenüberständen, könnten als durch Artikel 148 geschützt nicht anerkannt werden. Das Staatsministerium müsse den Inhalt aller in dem Erlaß des Volksbildungsministeriums empfohlenen Gebete als im Einklang mit Artikel 148 stehend bezeichnen und halte dementsprechend auch die Empfehlung dieser Gebete für verfassungsgemäß. Schließlich wird beantragt, dem Antrag des Reichsinnenmini sters nicht stattzugeben.
Internationale Sozialpolitik.
Der Präsident der Internationalen Arbeitskonferenz gedenkt Bismarcks.
Am Dienstag trat in Genf die Internationale Arbeitskonferenz zu ihrer 14. Tagung zusammen. Als deutsche Vertreter nahmen im Auftrag der Regierung der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und Geheimrat Dr. F i tz l e r, für die Arbeitgeber Kom- merzienrat Vogel- Chemnitz und für die Arbeitnehmer Hermann Müller- Lichtenberg teil; insgesamt sind 51 Staaten angemeldet. Gegenstand der Beratung ist der Jahresbericht des Internationalen Arbeitsamtes über die letztjährige sozialpolitische Entwicklung, besonders der in Deutschland, wo der Erfolg der Rationalisierung zu einer Ausfuhr steigerung um43Prozent, aber auch zu einer Erhöhung der Reallöhne um 19 bis 2 1 Prozent geführt habe, allerdings auch zu einer besorgniserregenden Ausdehnung der Arbeitslosigkeit. Des weiteren soll über die Arbeitszeit der Angestellten und der der Zwangs-
Zum Präsidenten der Konferenz wurde der belgische Delegierte Pros. M a k a i n gewählt, der in einer längeren Begrüßungsrede an die großen sozialen Fortschritte seit der ersten Berliner Sozialkonfe- r e n z im Jahre 1890 unterBismarck erinnerte. Damals habe man soziale Bestrebungen, die heute längst verwirklicht seien, als utopische Unmöglichkeiten angesehen und abgelehnt. In der Nachkriegszeit habe die Internationale Sozialpolitik durch die Arbeitsorganisation des Völkerbundes einen mächtigen Auftrieb ersabren.
B (5. Fortsetzung.)
' „Sonntagsjunge--wie reich bist du an Liebe und Leid, besitzt im Leid das Höchste, was Menschen besitzen können. Ich neide dir dieses Leid, weil es ein kostbares ist.--- Nein, nein, Herr Arne, es ging dir nichts verloren, es ward dir nichts genommen. Frau Sufes Seele kniet zu Gottes Füßen und betet für dich. — Und da — aus diesem Rahmen — blickt sie in ihrem Kinde auf dich nieder. — Du bist nicht arm, Arne. Die Seele der Toten bleibt dir im Körper der Lebenden--immer! Und diese Seele wird bei dir sein --auch immerI"
Lange saß Jochen so, kühlte mit nassen Tüchern Arnes Stirn und brächte ihn endlich in die Wirklichkeit zurück.
An diesem Tage war Arne ein anderer geworden, der war er geworden, den man fürchtete.
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Breit und wuchtig lag das Arnesche Geschäftshaus am Kai Ein Sandsteinbau mit einem pompösen Portal. Ein wirklicher Repräsentationsbau seines Konzerns. Ein Denkmal, der Umsicht und Zähigkeit entsprungen. Die Zentrale! Das Hirn! Aber auch die Faust!
Arne hatte e i n großes Prinzip, nach dem er zu handeln pflegte. Es bestimmte alle seine Maßnahmen und hieß Unabhängigkeit. Richt angewiesen sein auf irgend etwas und irgend wen, das hatte er frühzeitig schon als Geheimnis des Erfolges erkannt. Er trieb nicht nur Handel, er produzierte auch. Sofort nach Kriegsende stellte er sich auf Export ein. Er gründete zu gleicher Zeit Geschäftshäuser in Amsterdam und Buenos Aires Er besaß Fabriken im Rheinland und Filialen in Berlin, Leipzig und München.
Als die Mark zu sinken begann, investierte er alles verfügbare Geld in Gulden und Pesos. Aber nicht als totes, sondern als werbendes Kapital. Es mußte arbeiten; mit bloßen Zinsen begnügte er sich nicht Er lernte am Beispiel Oesterreichs, dessen Valuta bereits fiel wie das Quecksilber im Winter, als die deutsche noch leidlich feststand Und in jener Zeit des wirtschaftlichen Niederganges, die wir Inflation nannten, schaffte ihm die Befolgung dieses Prinzipes seinen fast märchenhaften Reichtum. ____^
Portugals Anteilnahme am Tode Nr. v. daltgands.
Das Vorleben des Mörders.
Die Anteilnahme Portugals an dem tragischen Tode des deutschen Gesandten Dr. von B a l i g a n d ist aufrichtig und groß. Am Sarge des Ermordeten hielten hohe Offiziere der portugiesischen Armee und Marine die Ehrenwache. Der Präsident der Republik Carmona, richtete an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein herzliches Beileidstelegramm, auf welches der Reichspräsident in ebenso herzlicher Weise geantwortet hat. Der Witwe des verstorbenen Gesandten sprachen Präsident Carmona, seine Gemahlin und seine Tochter in der deutschen Gesandtschaft in Lissabon persönlich ihr Beileid aus.
Die Leichenparade für den verstorbenen Gesandten gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Tausende von Menschen umsäumten den Weg von der deutschen Gesandtschaft bis zum deutschen Kirchhof. An der Leichen-
Gesandter von Baligand.
Parade nahmen sämtliche Mitglieder des Diplomatischen Korps, sämtliche Mitglieder der Regierung und als Vertreter des Präsidenten der Republik der Chef des Protokolls teil. Es folgten zahlreiche Wagen mit den Orden des Gesandten und Kränzen sowie
das Automobil, in dem der Gesandte ermordet wurde.
Der mit der deutschen und portugiesischen Flagge bedeckte Sarg wurde auf einer Geschützlafette geführt, an deren Seiten eine aus Kavallerieregimentern und Schwadronen der republikanischen Garde gebildete Ehreneskorte ritt.) Die deutsche Kolonie und eine unzählige Menschenmenge folgten dem Sarge. Truppen der Lissaboner Garnison und der Marine erwiesen dem vorüberziehenden Zuge die Ehrenbezeugungen.
Über die Persönlichkeit des Mörders P i e ch o w s k i nachdem er mehrmals vorbestraft war, im Jahre 1922 in einer Irrenanstalt interniert, da sich
Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit
ergeben hatten. Anscheinend besitzt Piechowski ein ausgezeichnetes Gedächtnis: er erzählt zahlreiche Vorkommnisse mit Daten und Namen, die auf Grund eines in seinem Besitze vorgefundenen Buches von 400 Seiten Umfang mit seinen Lebenserinnerungen als richtig erkannt
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Im März 1921 hatte ein mexikanischer Israelit Arne in seinem Hauptgeschäft gegenübergesessen. Bandler hatte er geheißen. Dieser weitblickende Kaufmann hatte zu Arne gesagt:
„Was wollen Sie denn---Ihr Deutschen werdet nie rechnen lernen. Sich seiner Kraft bewußt sein, ist richtig, sie überschätzen ist falsch. Ihr wolltet den Krieg gewinnen und habt ihn verloren. Jetzt mokiert ihr euch über Oesterreich — und werdet denselben Weg gehen wie dieser Staat. Gehen müssen! Ganz logischerweise' — Ihr seid ausgepumpt und sollt bezahlen. Von was denn? — In Monaten wird eure Mark einen Dreck wert sein."
„Und diese Weisheit wollen Sie in Deutschland publik machen?" hatte Arne gefragt.
„Nein! Ich wollte Sie nur Ihnen mitteilen!"
„Und wenn ich sie schon wüßte?"
„Dann stünde einer Verbindung unserer Firmen nichts im Wege. So auf Interessengemeinschaftsbasis---verstehen Sie?"
O ja, Arne hatte verstanden. Und weil er verstanden hatte, saß er nun auch in Mexiko fest.
Er erfuhr von Uebersee, was man zu beziehen wünschte. Die Verbindungen waren vorhanden, bevor sie gebraucht wurden. Sie mußten nicht erst gesucht werden als er sie brauchte. Er konnte bereits ungeheure Warenmengen kaufen bei Beginn des sinkenden Geldmarktes. Er kaufte auf Ziel und bezahlte bei Fälligkeit mit unvorstellbarem Nutzen.
Und weil er im Gegensatz zu Tausenden deutscher Kaufleute nicht nebeneinander organisierte, sondern ineinander, also jede Verbindung und Neuerwerbung unter dem Gesichtspunkt des Ganzen betrachtete und nicht unter dem des geldlichen Wertes, stand er fest wie Erz und gewann beängstigende Machtfülle.
* * *
Arne saß in seinem Privatkontor am Schreibtisch Das erstemal wieder seit dem Begräbnistage.
Wie ein Nachtwandler war er in den ersten Tagen gänzlichen Alleinseins umhergelaufen. Mit keinem Menschen hatte er gesprochen. Er hatte nur das eine gedacht: „Verloren, vorbei, gestorben und verschenkt!"
Wenn ihn sein Geschäftsführer dringender Dinge wegen telephonisch anrief, hatte er stets die gleiche Antwort gegeben: „Laßt mich in Ruhe. Macht was ihr wollt!"
Aber einmal doch hatte Prokurist Müller, der als feine rechte Hand galt, eine Unterredung herbeizuführen gewußt, weil keiner der leitenden Herren mehr die Verantwortung tragen wollte. „
Diese Unterredung hatte die Sache. Härtung & Co betroffen. Sie hatte in Arnes Privatwohnung stattgefunden und war wohl die sonderbarste Unterredung gewesen, die
Was soll aus Indien werden?
Kritik und Vorschläge der Simon-KomMission.
Nach langem Zögern ist jetzt wenigstens der erste Band des Berichts der englischen Simon-Kommission veröffentlicht worden, die die öffentlichen, vor allem staatsrechtlichen Zustände in Indien zu untersuchen hat und deren Bericht für die zukünftige Regelung des Verhältnisses zwischen England und Indien von großer Bedeutung sein wird. Dabei handelt es sich um die Einführung einer bereits 1917 versprochenen verantwortlichen Selbstregierung in Indien.
Das jetzige System wird für ebenso unhaltbar wie praktisch undurchführbar erklärt; nur zwei Prozent der Bevölkerung haben das an die Kenntnis des Schreibens geknüpfte Wahlrecht. Große Schwierigkeiten nach jeder Richtung bereiten das Kostensystem und der Gegensatz zwischen Hindus und Mohammedanern, weiter die Tatsache, daß die Mädchen viel zu früh heiraten; Indien könne nie die Rolle spielen, die es erstrebt, wenn nicht vorher die Frauen eine angemessene Rolle spielen.
Die englische Presse unterstreicht die Einstimmigkeit innerhalb der Kommission, obwohl dieser doch Parteivertreter aller drei Richtungen angehören, sieht aber nun der Veröffentlichung des zweiten Teiles dieses Berichts, der die eigentlichen Reformvorschläge enthalten soll, mit größerer Spannung entgegen. Allgemein wird angenommen, daß sich diese Vorschläge
in der Richtung eines nur langsamen Ausbaues der indischen Verwaltungsrechte
bewegen werden, weil die rassischen und religiösen Gegensätze sowie der mangelnde Bildungsstand der Massen eine überstürzte Verleihung weitgehender Selbsiverwaltungs- rechte verhindern müsse.
Schwere Verkehrsunfälle in den pfingstiagen.
Eine Hochzeitsgesellschaft verunglückt.
In den Pfingsttagen ereigneten sich in Deutschland mehrere schwere Verkehrsunfälle. Auf der Friedrichs- hagener Chaussee in Schöneiche bei Berlin verunglückte ein Lastauto, das mit vierzehn Hochzeitsgästen besetzt war. Es geriet ins Schleudern, stürzte in Den Straßengraben und kippte um. Alle Insassen, mit Ausnahme des Fahrers, wurden schwer verletzt. Unter Den Verletzten befindet sich auch das jungvermählte Ehepaar.
Bei Hildesheim verunglückte ein Lastauto und sein Anhängewagen, auf denen Hamburger Arbeiter- sportler zum Reichstreffen nach Erfurt fahren wollten Zahlreiche Personen gerieten unter den umgestürzten Anhängewagen; zwei erlitten schwere Verletzungen.
In B a y e r n fanden während der Pfingstfeiertage bei Auto- und Motorradunfällen drei Personen den ' ?oD~ mehrere andere wurden mehr oder minder schwer verletzt. An der Mosel, in der Nähe von Trier und in der Währ von Kochern, ereigneten sich zwei Autounglücke, wobei eine Frau getötet wurde und acht Personen schwere Verletzungen erlitten.
Ein amerikanisches Auw
in einen Steinbruch gestürzt.
«sstzvottd oineN Neaensturmes nettes ein Automodi' in der Nähe von Souderton bei Philadelphia von der Landstraße ab und stürzte in ein Wasserloch eines alten Steinbruches hinab. Die sieben Insassen, von denen sechs einer Familie angehörten, ertranken.
Schweres Motorradunglück.
Hagen. Zwischen Schmallenberg und Fleckenberg stießen zwei Motorräder in voller Fahrt zusammen Ein Lehrer auS Altenhundem und ein Installateur aus Fleckenberg wurden getötet, eine weitere Person schwer verletzt.
Arne Keil je gepflogen hatte. Sonderbar deshalb, weil nach und nach alle Abteilungsleiter telephonisch in die Wohnung befohlen worden waren.
Müllers leises Antippen hatte gleichsam eine Tür in Arnes Hirn geöffnet, die bisher verschlossen gewesen war. Aber hinter dieser Tür hatten sich Gedanken zu Plänen geformt. Sie warteten nur des Anstoßes, um wie mit elementarer Wucht heroorzubrechen.
Dieser Anstoß war in jener Stunde erfolgt.
Als Arne alle Abteilungsleiter um sich versammelt sah, hatte ihn die Firma wiedergehabt. Einer nach dem anderen hatte Rat und Direktiven vom Chef verlangt. Alle hatten sie ihn so zu fesseln gewußt, daß er gegen seinen Willen plötzlich wieder im Mittelpunkt des Ganzen stand.
Ihm war warm geworden. Abschließend hatte er etwa folgendes gesagt:
„Nun, Ihre Aufgaben, meine Herren! — Sie, Herr Roß, bitte ich um eine Uebersicht der Holzpapierproduktion Deutschlands und Gesamtamerikas, ebenso über Holzpapierverbrauch. Ferner um genaue Angaben über Ex- und Import- Verhalten."
Roß hatte die Hacken zusammengeklappt und sich verneigt.
„Sie. Herr Händel, werden feststellen, wieviel wir Leinen- meben.n in Deutschland haben, wieviel Stühle laufen, wie groß die Gesamtproduktion ist, wie groß der Verbrauch an Flachs, wie groß der Anbau von Lein in Deutschland, wie groß der Faserimport aus den einzelnen Produktionsländern ist. Genau, mein Lieber, genau! Jede Zahl muß zu belegen sein."
„Sie werden sich auf mich verlassen können," hatte Händel geantwortet.
„Gut! — Herrn Fischer bitte ich, ein Exposo anzufertigen über eine zu errichtende Frachtdampferlinie zwischen Hamburg—Amsterdam und Lateinamerika. Tonnengehalt der einzelnen Dampfer zwischen 3 und 5000. — Berücksichtigen Sie dabei unsere eigene Ausfuhr, die unserer Amsterdamer Geschäftsstelle und vor allem die der Firma Härtung & Co."
„Verzeihung, Herr Keil," hatte Fischer erwidert, „Härtung & Co sind Vertragsfirma der neuen Südamerika-Linie."
„Weiß ich. Tut nichts. Rechnen Sie trotzdem mit ihr. Und berücksichtigen Sie auch, daß es bei der Beschaffung von Frachtdampfern und deren restloser räumlicher Ausnutzung, also Rentabilität, sehr darauf ankommt, welcher Art Güterbeförderung diese Dampfer dienen sollen. Ich gebe Ihnen da folgenden Fingerzeig: Hauptzweck ist Import von Holzschliff für Papierfabrikation, Einfuhr von Fleisch, etentueH auch Getreide, Fett und Oel. — Da unser Export aus Stückgut besteht, wird zu erwägen sein, ob wir Holzschliff importieren oder Fertigfabrikat — — also drüben fabrizieren."
(Fortsetzung folgt.) j