kersfelöerTageblaÜ
^^$>tang^ ^* Hersfelöer Kreisblatt
Nn«1gmprelr
^ **-. *r_____ *__4
Nr. 122
• ***** 1.20 Rttos-marf^
Amtlicher Anzeiger für den Kreis tzersfelö * __ __ * ' .......................................1
mit SW DeUage»: Illustriertes Anterhaltungsblott / Nach Feierabeuv / Serv uuö Scholle / AaLerbsltuuo anß Witte« Belehrung uuö Kurrwell / Wirtschaftliche Äagesfrage»
Montag, den 26. Mai 1930
80. Jahrgang
„Grus 3epielii"
Zeppelin in Rio de Janeiro.
H^T Weiterfahrt nach Pernambuko.
Das Luftschiff „Grus Zeppelin" erschien kurz nach '%7 Uhr Ortszeit über der Stadt Rio de Janeiro. Die Landung erfolgte glatt um 7.05 Uhr schnell und sicher innerhalb von 15 Minuten. Bei der Landung war der brasilianische Präsident anwesend. Auf dem Landungs- seld war eine nach Zehntausenden zählende Menschenmenge versammelt. Der „Graf Zeppelin" bot einen herrlichen Anblick, als er in langsamer, majestätischer Fahrt die Bay vor Rio kreuzte.
Nach einem beim Luftschiffbau Friedrichshafen eingegangenen Funkspruch des „Graf Zeppelin" hat das Luftschiff um 3.35 Uhr mittlerer Greenwich-Zeit die Gegend von Rio passiert und nahm Kurs auf Santos und Sao Paulo. Der Funkspruch bemerkte, daß das Luftschiff alsdann nach Rio zurückkehren würde, was denn auch geschehen ist.
Der „Graf Zeppelin" verweilte - ach seiner Verankerung eine Stunde und sieben Minuten auf dem Flugplatz in Rio de Janeiro. Die Fahrgäste für Rio verließen das Luftschiff, während Dr. Eckener die Behörden und die Vertreter des Heeres und der Marme begrüßte. Der „Graf Zeppelin" stieg dann wieder auf. Er beschrieb in mäßiger Höhe, begrüßt von den Schiffssirenen und Schis,'s- pfeifen, zwei Kreise über der Stadt und nahm dann Kurs auf die Küste, um nach Pernambuko zurückzukehren. Dr. Eckener über die Zukunft
der Lustschiffverbindungen,
Dr. Eckener äußerte sich in Pernambuko über die
Wer 6iiMlui
Möglichkeit einer regelmäßigen Luftschiffverbindung Berl i n—P ernambuko sehr optimistisch. Zur Überwindung dieser Strecke würde man dreier Tage benötigen. Ein dreieinhalbtägiger Dienst sei selbst bei ungünstigsten Wetterbedingungen möglich. Der Zweck des jetzigen Unternehmens sei, den Wert eines kombinierten Flugzeug- und Luftschiffdienstes zwischen Europa und Süd- amerika zu beweisen. Die restlose Verwendung des Zeppelinluftschiffes auf der ganzen Strecke würde allerdings wegen der allzu hohen Kosten unwirtschaftlich sein. Infolgedessen würden die Fahrgäste von Berlin bis Sevilla in Flugzeugen befördert werden müssen, um dann dort an Bord des Luftschiffes zu gehen. Für den letzten Teil der Strecke von Pernambuko nach Rio de Janeiro könnten Wasserflugzeuge verwendet werden.
Amerikas Anerkennung.
Untersekretär I n g a l l s vom Marineami der Vereinigten Staaten erklärte zu dem Zeppelinflug nach Südamerika, der Flug gereiche alten denen zur Befriedigung, welche an die Zukunftsaussichten des Luftschiffes glaubten. Dr. Eckener verdiene volle Anerkennung nicht nur für die
Erhöhte Grundvermögenssteuer durch Notverordnung.
Sechzehn gegen dreizehn Stimmen.
Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtages nahm die Notverordnung des Staatsministeriums über die Erhöhung der Grundvermögenssteuer, die sich inhaltlich mit der gescheiterten Gesetzesvorlage deckt, mit 16 Stimmen der Regierungsparteien gegen 13 Stimmen der Opposition an, nachdem die Vertreter der Oppositjons- Parteien noch einmal die Bedenken gegen den Erlaß der Notverordnung geltend gemacht hatten.
Führung des „Graf Zeppelin", sondern auch für die mittlung neuer Verkehrswege. Das Marineamt erwarte zuversichtlich die Ankunft des Luftschiffes in Lakehurst ent-
Er-
sprechend dem aufgestellten Flugplan.
Die „World" bezeichnet in einem Leitartikel die bisherigen Leistungen des „Gras Zeppelin" als eine Stärkung seines Rufes als sicheres, bequemes und zuverlässiges Verkehrsmittel, das freilich kostspielig fei. Andererseits könne niemand die wachsende Nachfrage nach dem Zeppelindienst bestreiten.
BHCKHBMBSBHSS^aMEHHEÄHHMHÄHMBHHBHMHHMI
Sanierung um jeden Preis
Köln, 26. Mai. Reichsfinanzminister Professor Molden- Hauer sprach Sonnabend in Köln in einer Mitgliederversammlung der DVP. über die politische Lage unser Berück-
sichtigung der R e i ch s f i n a n z e n , wobei er ausführte: Die jetzige Regierung sei fest entschlossen, das Ziel der Sa- nierung mit allen Mitteln durchzusetzen, wenn erforderlich
ch ohne Reichstag.
Führung oben und
aul
I. Was wir jetzt brauchten, sei eine starke
..... Zutrauen im Volke. Die Regierung habe zu regieren und der Reichstag zu kontrollieren, Aber
einen Reichstag, der auch regieren wolle, dürfe es nicht geben. Wenn der D a m m zu reißen drohe, komme es nicht darauf an, daß die letzten Gesetze der Ästhetik erfüllt würden.
Er hoffe am Ende des Rechnungsjahres mit den Finanzen soweit zu kommen, daß die größte Sorge vom Voll genommen sei. Die Regierung werde Mittel und Wege finden, den Gedanken der Sparsamkeit, der heute die Reichs- regierung beherrsche, auch auf die Länder und Gemeinden zu übertragen. Auch die Privatwirtschaft müßte sich diesen Gedanken zu eigen machen, und vor allem an den höheren Stellen mit den Gehältern weniger freigiebig sein. Die große Sorge Deutschlands habe in den kritischen Jahren ' dem Westen gegolten. Hier seien aber die nationalen Gefahren jetzt gebannt, während im Osten die Gefahr sich riesengroß aufzeige. Daher müßten wir jetzt alle verfügbaren Mittel anwenden, um dieser Not zu begegnen.
Zum Schlüsse seiner Rede ging der Minister auf die Reichsreform
ein, und betonte, daß die Frage Bayern unbedingt hinter der des Dualismus zwischen Reich und Preußen zurücktrete. Wir müssen endlich den Mut haben, diese Frage mit aller Energie anzufassen, damit die maßlos verzögernden Verhandlungen zwischen den Reichs- und Landesinstanzen ansgefchälket würden. Die ganzen Fragen der Finanz- und Steuerreform, der wirtschaftlichen Neubelebung, des öffentlichen Vertrauens hingen aufs engste zusammen mit der Verwirklichung der Reichsreform. Man dürfe in der öffent- lichkeit überzeugt sein, daß die Regierung wisse, was sie wolle, und daß sie auch davor nicht zurückschrecken werde, wenn sie mit ihrem Willen im Reichstag nicht durchdringe.
*
Auf der fünften Kommunalpolitischen Tagung der Deutschen Volkspartei der Rheinprovinz, in Godesberg sprach am Sonntag der Reichsfinanzminister über
„Finanzreform und Gemeinden".
Er betonte, daß die Gemeinden ihre Schulden aus eigenen Einnahmen tilgen und für einen ausgeglichenen Etat sorgen müssen. Der saure Weg der sparsamen Wirtschaft müsse beschritten werden. Es könne sich aber nicht darum handeln, das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden aus- zuschalten, sondern gerade darum, dieses Selbstverwaltungsrecht weiter zu entwickeln.
Unfall eines belgischen Militärzuges
I 12 Soldaten verletzt.
Verviers, 26. Mai. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Welkenraedt ist am Sonntag aus bisher unbekannter Ursache ein Personenzug verunglückt. Der Zug war von mehreren hundert Soldaten besetzt, die aus dem Lager E l s e n b o r n kamen. Bei dem Unglück wurden 12 Soldaten leicht verletzt. Von dem Zugpersonal trug der Lokomotivführer schwere Verletzungen davon.
Eine langwierige Arbeit.
Paris, 26. Mai. Die hier versammelten Vertreter der an der Auflegung der ersten Iounganleihe interessierten Banken haben am Sonnabend Sitzungen abgehalten. Wie Havas berichtet, hofft man in konseren »kreisen, sehr bald zu einer endgültigen Einigung zu getan u Gegebenenfalls könnte der Absch.uß der Arbeiten der Delegierten dadurch verzögert werben, daß man den Sutiften Zeit lassen will, die vorgesehenen Texte zu prüfen und zu bearbeiten.
Deutscherseits werden die Verhandlungen mit größtem Eifer und regster Anteilnahme gefördert. Die Langwierigkeit der Verhandlungen erklärt sich daraus, daß die Poung- Anleihe ohne Beispiel dasteht und alle Formeln für sie erst gefunden werden müssen. So kann die Poung-Anleihe keineswegs mit der Dawes-Anleihe verglichen werden, die keine Mobilisierungsanleihe war. Infolgedessen scheint auch noch nicht festzustehen, ob man der Anleihe einen internationalen oder einen nationalen Charakter geben wird.
Französische Auszeichnung für Parker Gilbert.
Paris, 26. Mai. Finanzminister Reynaud hat dem ehemaligen Generalagenten für die Reparationszahlungen Parker Gilbert, in Anwesenheit des Gouverneurs der Bank von Frankreich, M o r e a u , die Jnsignien eines Groß- offiziers der Ehrenlegion überreicht.
Die Räumung vou Worms beginnt
Worms, 26. Mai. Der Abzug der französischen Truppen hat begonnen. Der erste Transport hat am Sonnabend die Stadt verlassen, der nächste geht heute ab, ein dritter ist für Mittwoch angesagt.
Berufspflichten des Soldaten.
Ein Erlaß Hindenburgs.
Im März 1922 sind die „Berufspflichten des deutschen Soldaten" ausgestellt worden, die die Kriegsartikel für das Heer und die Marine ersetzen sollten. Diese „Verufs- Pslichten des deutschen Soldaten" haben jetzt durch einen Erlaß des Reichspräsidenten und des Reichswehrministers eine neue F a s s u n g erhalten. Die Neubearbeitung verfolgt den Zweck, durch Fortfall aller in Gesetzen und Vorschriften niedergelegten Bestimmungen und durch Zusammenfassung gedanklicher Zusammenhänge die Berufspflichten zu vereinfachen und ihr Verständnis zu erleichtern. Die neuen Berufspflichten sind allen Soldaten unverzüglich, jedem Neueintretenden sogleich nach der Einstellung vorzulesen. Dies ist jährlich mindestens einmal zu wiederholen. In regelmäßigen Zeitabständen sind sie, wie der Reichswehrminister bemerkt, im'Unterricht zu erläutern. Der Wortlaut der Neufassung ist folgender:
„Artikel 1: Die Reichswehr ist das Machtmittel der gesetzmäßigen Reichsgewalt. Sie schützt die Grenzen des Deutschen Reiches und seinen Bestand nach außen und »ach innen. Das Sutbat die Treue. Die »nvervruchlichc Wahrun» der dein Vaterland gelobten Treue ist die vornehmste Pflicht des Soldaten.
Artikel 2: Die Reichswehr dient dem Staat, nicht den Par teien. Politische Betätigung ist dem Soldaten verboten.
Artikel 3: Die Treue gebietet dem Soldaten, im Krieg und im Frieden mit allen seinen Kräften bis zur Opferung beS Lebens seine Pflicht zu tun und jede Gefahr von seinem Vater land abzuwenden. Wer es unternimmt, die Verfassung beS Reiches oder der Länder gewaltsam zu ändern, begeht Hochver- rat. Wer sein Vaterland oder dessen Geheimnisse verrät, bC' geht Landesverrat.
beä
Artikel 4: Das höchste Gut des Soldaten ist die Ehre. Sb ist nicht denkbar ohne Achtung vor der Ehre anderer. Stolz ist würdig, Übergebung unwürdig. Artikel 5: Der Soldat als Vorgesetzter soll seine Untergebenen als Men" achten. Er soll ihnen ein Vorbild sein und j antwortungsfreudigen Persönlichkeit,
if^en kennen und sie zu starken verantwortungsfreudigen Persönlichkeiten erziehen. Gehorsam if! die Grundlage jeder Wehrmacht. Der freiwillige Soldat soll aus Einsicht und Vertrauen gehorchen. Große Leistungen in Krieg und Frieden entstehen nur aus innerer Verbundenheit von Führer und Truppe. Artikel 6: Soldatentreue umschließt die Kameradschaft. Sie bewährt sich im Kamps und in Ge- fahr. Verfehlungen des einzelnen schaden der Gemeinschaft. Artikel 7: Der Beruf des Soldaten fordert Mut und Tapferkeit. Feigheit ist für den Soldaten besonders schimpflich Artikel 8: Der Soldat sei wahrhaft und unbestechlich, bescheiden und verschwiegen. Ausschweifungen sind seiner unwürdig Artikel 9: Gegen Unrecht, vorschriftswidrige Behandlung und unbegründete Verdächtigungen seiner Ehrenhaftigkeit wird bei Soldat geschützt. Beschwerden stehen ihm bis zur höchsten Stelle offen. Artikel 10: Soldaten, die ihre Pflicht verletzen, werden bestraft. Unwürdige können in der Wehrmacht nichi geduldet werden. Der rechtschaffene, unverzagte und ehr- liebende Soldat darf der Anerkennung und des Wohlwollen- seiner Vorgesetzten sicher sein. Das Reich wird für ihn sorgen. Nach seinen Fähigkeiten und Leistungen steht ihm der Weg zu den höchsten Stellen offen."
feit. Feigh, Artikel 8: D
9er IMokser Mörder feflgenommen?
es
Er gesteht.
Düsseldorf, 26. Mai. Am Sonnabend nachmittag gelang der Düsseldorfer Kriminalpolizei, den am 26. Mai 1883
in Mülheim am Rhein geborenen Arbeiter Peter Kürten als den mutmaßlichen Düsseldorfer Massenmörder festzunehmen. Die Verhaftung geschah so überraschend, daß Kürten ohne weiteres eine vor kurzem ausgeführte Vergewaltigung eines jungen Mädchens zugab und im weiteren Verlauf der Vernehmung gestand, auch die im letzten Jahre in Düsseldorf vorgekommenen Morde ausgeführt zu haben. Die Kriminal- Polizei ist mit der Nachprüfung seiner Angaben beschäftigt.
Die Ermittlung des Mannes erfolgte mit Hilfe einer hiesigen Hausangestellten, die am 14. Mai abends von einem Unbekannten, mit dem sie in den Grafenberger Wald ge= überfallen, gewürgt und vergewaltigt worden war. Die Kriminalpolizei machte die Wohnung dieses Unbekannten ausfindig. Als sie ihn aber in der Wohnung festnehmen wollte, war er schon flüchtig. Es handelte sich dabei um Kürten. Seine Festnahme am Sonnabend erfolgte durch Überrumpelung. Um die Richtigkeit seiner Angaben nach- zuprüfen, wurde er an eine Anzahl der Mordtatorte geführt, wo er in der Lage war, die Vorgänge mit vielen Einzelheiten zu schildern, ohne sich bisher in Widersprüche zu verwickeln. Immerhin bestehen noch Zweifel, ob er für alle Fälle als
gangen war,
Mörder in Frage kommt.
Wie der Düsseldorfer Massenmörder ins Garn ging
Düsseldorf, 26. Mai. Ueber die Person und die Verhaftung des Düsseldorfer Mörders erfahren wir Noch folgende Einzelheiten: Der Arbeiter Peter Kürten bewohnte seit mehreren Jahren im Hause Mettmannstraße 71 mit seiner Frau ein möbliertes Mansardenzimmer. Seine Frau, mit der er seit einiger Zeit in Streit lebte, verdiente den Haupteil des Lebensunterhalts. Mit Hilfe der am 14. Mai überfallenen Hausangestellten gelang es bekanntlich der Kriminalpolizei, die WohnungKürtens zu ermitteln, die seit Donnerstag über wacht wurde. Kürten war aber weder am Donnerstag noch am Freitag anwesend, auch Frau Kürten war nicht im Hause Am Freitag nachmittag wurde dann die Wohnung geöffnet und durchsucht. Wie festgestellt wurde, wollte sich Kürten am Sonnabend mit seiner Frau an der Rochuskirche treffen Dieses Zusammentreffen führte dann zu seiner Verhaftung. Als der Täter an dem genannten Ort erschien, und auf seine ihn erwartende Frau züging, wurde er von mehreren Krini- nalbeamten umzingelt, gefesselt, nach Waffen durchsucht und nach dem Polizeipräsidium abgeführt, wo sogleich in Anwesenheit des Polizeipräsidenten Langels und des General- staatsanwalts Neuerburg die ersten Vernehmungen statt- fanden. .____