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hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 117

Dienstag, den 20. Mai 1930

80. Jahrgang

MWstyMW MW des ReiWOiietts

Nachdem die Kabinettsberatungen über das Ost- tz r o g r a m in in den letzten Tagen zum Abschluß ge­bracht worden sind, befaßte sich das Reichskabinett unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. B r ü n i n g und unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther mit der wirtschaftspolitischen Lage in ihrer Gesamtheit und den vor der Sommerpause zur Erledigung zu bringenden Vorlagen.

Das Reichskabinett war sich darin einig, daß all Mittel darangesetzt werden müssen, zur B e h e b u n d c r A r b e i t s l o s i g k e i t die Wirtschaf, ...., .......... zu beleben. Zu diesem Zweck werden Verhandlungen mit der Reichsbahn- und Reichspost t u n g eingeleitet mit dem Ziele, möglichst w Lieferungsaufträge baldigst zur Ausführung zu bringen.

Auch der Wohnungsbau, insbesondere soweit es sich um Kleinwohnungen handelt, wird durch besondere Maßnahmen gefördert werden. Bereits im Gange be­findliche Verhandlungen über die kommunale Nmfchul- duna sollen beschleunigt zu Ende geführt werden.

e

. ^..Hebung t die Wirtschaft nach Kräften

verwal-

Zur Förderung der Bauwirtschaft und Linderung der Arbeitslosigkeit wird auch die Frage der Inangriff­nahme und des Ausbaues großer Straßenbauten geprüft werden.

Der Reichsfinanzminister ist ermächtigt, im Rahmen der Haushaltsmittel alle Lieferungsaufträge u n - v e r z ü g l i ch in Gang zu setzen.

Die Umgestaltung der Golddiskontbank und ihre neuen Aufgaben wurden gleichfalls eingehend er­örtert.

Schließlich berichtete der Reichsfinanzminister über die Gesamtgestaltung des A u s g a b e n s e n k u n g s - und Spargefetzes sowie der Reichsminister für Ernäh­rung und Landwirtschaft über das in Vorbereitung be­findliche Standardgesetz für landwirtschaft­liche Produkte.

Die Durchführung dieses Gesamtprogramms wird ohne Inanspruchnahme neuer Haushalts­mittel erfolgen.

iichen Teilbetrages von 612 Millionen Reichsmark, Ueber gäbe einer Bescheidung über eine unaufschiebbare Iahlungs leistung. Die deutsche Regierung vertrat dagegen den Stand Punkt, daß die Annuitäten der letzten 22 Jahre in voller Höhe den Moratoriumsschutz des Doung-Plans unterliegen

Die deutsche Regierung hat demgemäß für die Annuitä ten der letzten 22 Bahre ausschließlich Bescheinigungen über eine aufschiebbare Zahlungsleistung ausgestellt. Die Gläu­bigerstaaten haben diese Bescheinigungen angenommen, sich jedoch Vorbehalten, wenn es nötig ist, um die Berechtigung

ten der

«cheinigungen über

ihres Standpunktes zur Anerkennung zu bringen, auf das vorgesehene Schiedsverfahren zurückzugreifen. Die deutsche Regierung hat daraufhin erklärt, daß sie die Erklärung der Gläubigerregierungen nicht als berechtigt anerkennen kann und daß sie ihren Rechtsstandpunkt aufrecht erhält, wo­nach der nicht aufschiebbare Charakter eines Teils der An­nuitäten des Doung-Plans sich nicht auf die letzten 22 Jahre erstreckt.

Von der Paneuropittschen Union

Loucheur für deutsch-französische Zusammenarbeit.

Berlin, 20. Mai. Gestern abend fand im Saale der Singakademie der zweite und abschließende Teil der Kund­gebung der Paneuropäischen Union statt, zu der wiederum ein zahlreiches erlesenes Publikum erschienen war.

Amtliche Bestätigung des Mmungsbefehls.

Räumung vom 20. Mai bis 30. Juni.

Ministerpräsident Tardieu empfing am Montag den deutschen Botschafter von Hösch, ferner den Außen­minister Briand, den französischen Delegierten bei der Rheinlandkommission, Girard, und General Guillaumat, den Oberbefehlshaber des Vesatzungshecres. Der fran­zösische Ministerpräsident bestätigte dem deutschen Bot­schafter, daß, nachdem der Young-Plan am Sonnabend .in. Kraft getreten ist, die französische Regierung gemäß HjretT Erklärungen vor M| hat, die dritte RheMlandzone zu räumen. Die Ver­treter Frankreichs und Deutschlands haben außerdem ihr Einverständnis über die verschiedenen die Räumung be­treffenden Einzelfragen, die gemäß dem von der Rhein- landkommission und den französischen Militärbehörden ausgestellten Programm durchgeführt werden, gegeben. In Ausführung dieses Programms werden alle fran­zösischen Truppen die dritte Besetzungszone am 30. Juni

Durch Böen und Gewitter.

Die erste Route des Südamerikafluges.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat am Montag Spanien erreicht. Die Fahrt ging unter Führung Dr. Eüencrs glatt vonstatten, zumal es Dr. Eckenex glänzend

i alle Gewitterfronten und and zu lenken. Die Nach-

verstand, das Böen hindurch richten von Bord des Luftschiffes liefen im Laufe des Montags sehr spärlich ein, da die Bordstation für die Aus­nahme der Wettermeldungen frei sein mußte, aus denen

die Schiffsleitung die Reiseroute des Luftschiffes zu-

Als erster Redner

jter L o u ch e u r das Wort,

ergriff der frühere französische Mini- Sort der u. a. ausführte:Wir haben

Die Zeppelinhalle bei Trier, die von der französischen Besatzungsbehörde an eine elsässische Firma zu einem Preise von 2500 Mark verkauft worden ist. t

verlassen haben, und das Ende der Besetzung wird an diesem Tage offiziell notifiziert werden

Das Oberkommando der französischen Rhemarmee in Mainz hat dem Präsidenten der Reichsvermögens­verwaltung für die besetzten Gebiete mitgeteilt, daß das französische Kriegsministerium dön Befchl erteilt, habe, mit den Räumungsmaßnahmen am 20. Mai zu beginnen. Einzelheiten über die Durchführung der Räumung wer­den nach Feststellung der Termine noch bekanntgegeben

französischen Rheinarmee cn der Reichsvermögens-

lafte Landung in Sevilla.

Stürmischer Jubel der Bevölkerung.

Die Landung des LuftschiffsGraf Zeppelin" in Sevilla vollzog sich um 19.05 mitteleuropäischer Zeit ohn« Schwierigkeiten. Das Luftschiff wurde am Lustschifsmast verankert. Auf dem Flugplatz Tablada hatten sich unab­sehbare Menschenmengen versammelt und begrüßten das Luftschiff mit großem Jubel.

Auf dem Flugplatz Tablada bei Sevilla befanden sich der Chef des spanischen Militärflugwesens, General Balmes, und der spanische Jnfant Don Alfonso, der Fliegeroffizier ist und die Weiterreise desGraf Zeppelin" von Sevilla aus mitmacht.

Man hatte vor dem Erscheinen desGraf Zeppelin" von Sevilla aus vergeblich versucht, Funkverbindung mit dem Luftschiff aufzunehmen, was eine gewisse Beunruhi­gung hervorgerufen hatte, die erst schwand, als die erste gere Standortmeldung eintraf. Die Wetterprognose für nächsten Tage ist außerordentlich günstig.

Die amerikanischen Blätier bringen ausführliche Schilderungen vom Beginn der Zeppelinreise. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Recife de Pernambuco (Brasilien) stieg mit der Startnachricht sichtlich die allge­meine Spannung, mit der das Eintreffen desGras Zeppelin" erwartet wird. Der 51 Fuß hohe Ankermast unb die Funkstation für Wetteroerichte sind fertiggestellt, 150 Mann arbeiten noch an der Herrichtung des Lan­dungsplatzes, 250 Soldaten und 100 Feuerwehrleute werden als Landungsmannschaft ausgebildet.

Ein ebenso starkes Interesse hat der Südamerikaflug

des Zeppelins auch in England hervorgerufen. Der Flug wird als eine Pioniertat angesehen, da zum erstenmal die

Pioniertat ange

Überfliegung des südlichen Atlantiks mit regulärer Post und Passagieren an Bord versucht wird. Der Flug von Sevilla nach Rio de Janeiro stelle nicht nur den Beginn

Werden.

In Trier wird voraussichtlich noch in dieser Woche mit dem Abtransport der Besatzungstruppen begonnen werden. Als erstes Regiment soll das schwere Fuß- artillerie-Regiment fortkommen. Der Sonderfahrplan für diesen Transport liegt bereits bei der in Frage kommen­den Reichsbahnstelle vor. Die Transporte sollen alle von Trier selbst ausgehen. Die Züge sind so gelegt, daß sie den ordentlichen Fahrplan in keiner Weise behindern werden. _______

Merschwemmungskatastrophe in ünmänien.

Ganze Ortschaften unter Wasser.

Die Überschwemmungen im Moldaugebiet nehmen . P i a t r a (an der Bistrita) einen immer bedrohlicheren Umfang an. Viele Fabriken sind völlig über­schwemmt. Allein in dieser Stadt sind mehrere hundert Familien ohne Obdach. In Bac a u sind 50 Häuser vom Hochwasser zerstört worden, das hier tellenweise ein Höhe von drei Metern erreichte. 500 Per-'

in

onen sind ohne Unterkunft. In Roman an der Moldava tehey M Häuser unter WMr, ^ ^ ^ -^ ' ' '

einer neuen epochemachenden Ozeanüberquerung dar, sondern verspreche auch wissenschaftlich das interessanteste und schönste Unternehmen der Luft zu werden.

*

DieGrafZeppelin"-NvrdlandM)rt ausverkauft.

Die im Fahrtenprogramm des LuftschiffesGraf Zeppelin" für Dienstag, den 15. Juli, vorgesehene Nord­landfahrt ist bereits jetzt ausverkauft'. Ein schweizerischer Industrieller hat für 60 ÖOO Mark alle Karten erworben. Diese Tatsache ist ein neuerlicher Beweis für das große Interesse, daß man besonders in der Schweiz den Flügen desGraf Zeppelin" entgegenbringt. Die Fahr! wird etwa 60 Stunden dauern und sich bis Spitzbergen aus- ?hnen. __

Um das Moratorium für die letzten Vvung-Annuitüten

Das Schiedsverfahren der Gläubigermächte.

Berlin, 20. Mai. In der Presse ist wiederholt von einer Meinungsverschiedenheit die Rede gewesen, die kurz vor In krafttreten des Doung-Planes zwischen Deutschland und den Gläubigermächten in der Frage der Annuitäten der letzten 22 Jahre des Planes entstanden ist. Die fünf Haupkgläulu germächie forderten für diese letzten Annuitäten, ebenso wie für die Annuitäten 4 er ersten 37 Jahre. in Höbe eines ighr-

in Europa einen Ueberfluß an Produktion, und man zählt mehr als fünf Millionen Arbeitslose. Es handelt sich vor allem darum, die Produktion in allen Teilen Europas mit­einander in Einklang zu bringen und sie ergänzen zu lassen Das kann man aber nur durch internationale zuerst intereuropäische Vereinbarungen auf allen großen Produktionsgebieten. An die Spitze der Zusammenschlußbewegung müssen sich in gemein­samer Bemühung Frankreich und Deutschland vereint stellen. Franzosen und Deutsche haben kein Bedürfnis mehr, sich ge­genseitig Beweise ihrer Tapferkeit und Intelligenz zu geben Alle übrigen Rationen Europas haben ihre Augen auf uns gerichtet. Frankreich lädt brüderlich alle Rationen Europas ein, sich zu vereinigen, um gemeinsames Elend und gemein­same Gefahren zu bekämpfen. So groß die Schwierigkeiten auch fein mögen, wenn Frankreich und Deutschland es wirk­lich wollen, wenn sie sich in herzlichem Einvernehmen mit England zusammentun, werden sie über alle Schwierigkeiten Sieger bleiben.

Der Rektor der Landwirtschaftlichen Hochschule, Geheim­rat Professor A e r e b o e, Berlin, sprach sodann über Pan- europa als Agrarproblem. Wenn Europa nicht bald selbst ein zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet schaffe, werde es von der fortlaufenden Entwicklung an die Wand gedrückt werden. Europa könne sich aus seinen w>> '. -stichen Nöten durch Wiedergewinnung der industriellen Konkurrenzfähig­keit gegenüber Amerika, nicht aber durch hohe Zölle retten.

Ems Fanfare Mussolinis.

Kriegerische Rede tn Florenz.

Vom Balkon eines Palastes in Florenz, wo er auf feiner Rundreise angelangt war, hielt Mussolini eine Anrede an das versammelte Volk, die wegen ihres zugespitzlen -Charakters fsehen erregt. Mussolini sagte u. a., indem Bezugnahme auf die Mißhelligkeiten mit

ver

sammelte Volt stündliches Au

wegen ihres zugespitzlen -Charakters erregt. Mussolini sagte u. a., indem

er mit deutlicher . , . . ..

Frankreich hinwies:Es gibt Leuie jenseits der Grenzen, die noch glauben, daß wir ein kleines Volk seien, und nicht merken, daß wir uns einer Bevölkerungszahl von 43 Millionen nähern. Man glaubt auch, unsere Bewegung fei die Reaktion, während es eine Revolution ist. Man glaubt, daß es sich um eine Tyrannei handle, während ein ganzes Volk sich selbst regiert. Es gibt nichts Beleidigenderes für den Stolz des italienischen Volkes als die Verdächtigung, daß unser neues Ftotienprogramm eine Sache sei, die nicht verwirklicht werde. Ich sage hier nochmals, daß dieses Programm Tonne um Tonne verwirklicht werden wird. Es gibt jenseits der Gren­zen Menschen, die meinen, uns isolieren und einen Krieg durch Dritte gegen uns entfesseln zu können.

Sie sollen uns nur kommen! Wenn etwas Derartiges sich zufällig abspielen sollte, dann wären wir, Voll, Schwarz­hemden, Armee, Kriegsteilnehmer an unserem Platz mit nie gesehener Begeisterung. Das faschistische Italien ist jetzt in allen seinen Kräften derart organisiert, daß man es nicht ohne

etzt in

Lebensgefahr angreifen kann.

Ihr werde! hier eine sehr imponierende Truppenschau sehen. Ich habe das gewollt, denn Worte sind etwas sehr Schönes, aber Gewehre, Maschinengewehre, Schiffe, Flugzeuge und Kanonen sind etwas noch Schöneres. Nur ein machtvoll bewaffnetes Italien wird die einfache Alternative stellen: Ent­weder wertvolle Freundschaft oder sehr bittere Feindschaft." Die Worte Mussolinis entfesselten ungeheuren Zustimmungs­sturm bei der Menge. Die angekündigte Truppenparade nahm er in der Uniform eines Kommandierenden Generals entgegen.

Frankreich ist betroffen.

Die französische Presse äußert die lebhafteste Empörung über die Auslassungen Mussolinis. Das fei die kriegerischste Rede, die seit dem Ende des Weltkrieges in Europa, ja in der Welt gehalten worden fei. Das BlattAvenir" fragt:Euro­päer, sagt, wo sind die Menschen guten Willens? Ihr werdet antworten, daß Mussolini selbst eine Erklärung für seine Ner­vosität gegeben hat:Wir können uns nicht setzen." Nun wohl, dann soll er sich legen!"LaRSpublique" schreibt: Noch niemals hat ein Regierungschef sich zu derartigen offi­ziellen Erklärungen gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit und Freiheit hinreißen lassen. Mussolini schüttelt die Faust und richtet an die Welt eine Herausforderung. Und Italien ist Mitglied des Völkerbundes. Wird der Völkerbund, der voch die Sprache des Friedens reden muß, antworten, wenn mau die Sprache des Krieges spricht?"