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Kersfel-erTageblaS

Pnztlgenpttls: die etnfpaMg» VetttMe 15 Pfennig »K VeklameZelle 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Del Wiederholungen wird ein entsprechender Preis. Nachlaö gewährt. Ztlr die Schriftleitung verant. wörtlich: Kranz Zunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

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Nr. 104 Montag, den S. Mai 1930

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Der Reichsfinanzminister über Steuer- und Finanzpolitik.

Bad Eilsen, 5. Mai. Reichsfinanzminister Dr. M o l - denhauer sprach auf der Sonntags-Iahreshaupkver- fgmmlung des Westfälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes über das ThemaReichsreform und deutsche Wirtschaft". Er be­schäftigte sich zunächst mit den Ursachen der Arbeitslosigkeit, die mit aus den Verlust der Absatzmärkte während des Krie­ges zurückzuführen sei. Eine weitere Ursache für die Wirt­schaftskrise liege in dem

Kapitalmangel.

Aufgabe der Finanzpolitik müsse es sein, den Steuerdruck zu mildern, damit die Kapitalbildung zu ermöglichen, den Kre­dit zu fördern und die Zinsen zu senken. Erstes Erfordernis sei es, die schwebende Schuld soweit abzudecken, daß sie die Finanzgebarung nicht mehr ernstlich bedrohe. Möglich sei dies nur durch eine

sofortige Erhöhung der Steuern.

Er wolle nicht verschweigen, daß der. Etat eine große Gefahr von selten der Arbeitslosigkeit drohe Räch den letzten Be­richten liege die Zahl der Arbeitslohn um 500 000 über der des vergangenen Jahres. Wir werden, so fuhr der Minister fort, in den nächsten Monaten sehr ernste Maßnahmen er­greifen müssen, um die Gefahr für den Etat abzuwehren. Ebenso wichtig ist die Durchführung eines großen Agrarpro- gramms und eine wirkliche Hilfe für den Osten. Dem Reichs­tag ist ein Ermächtigungsgesetz zugegangen, das die Möglich­keit gewähren soll, die Kapitalertragssteuer für festverzins­liche Werte aufzuheben. Die Steuersenkung soll sich nicht nur auf die Kapikalerkragssteuer beschränken, es sollen schon jetzt die Gesetze in Angriff genommen werden, die im kom­menden Jahr die Steuersenkung bringen, hier steht in erster Linie die Senkung der Realsteuern, der Grundver­mögens- und der Gewerbesteuer^ S ^chauf die Tr^SL Sex Finanzpolitik der Gemeinden

muß sich die Finanzreform erstrecken. Wir denken einmal daran, die Kreditgewährung der Gemeinden einheitlich zu regeln, damit nicht durch das gleichzeitige ungeregelte An­gehen des Kapitalmarkts von allen Seiten der öffentlichen Hand der Markt wieder verdorben wird. Wir denken an den Zwang der Gemeinden zur Rechnungslegung gegenüber

Schober ist befriedigt

Hoffnungen auf bessere Zukunft Österreichs.

London, S. Mai. Veim Empfang des Bundeskanzlers Dr. Schober durch den König wurde der Bundeskanzler der Königin oorgestellt. Zum Abschiedsfrühstück auf der öster­reichischen Gesandschaft war auch der Staatssekretär des Auswärtigen, H e n d e r s o n anwesend, der sich ebenfalls bei der Abfahrt des Zuges einfand. Der Bundeskanzler gab feine tiefe Befriedigung über den unvergeßlichen Empfang in London zu erkennen. Dem Reukerfchen Bureau erklärte er, er habe in den 48 Stunden feines Aufenthalts viel im Interesse seines Landes zu stände gebracht. Österreich habe jetzt endgültig die größten Schwierigkeiten hinter sich, und man könne eine'bessere und freudigere Zukunft für das alte Kulturzentrum in Mitteleuropa erhoffen.

In Wien wird an maßgebender Stelle mit bezug aus eine Unterredung, die der Bundeskanzler vor seiner Abreise mit dem Sonderberichterstatter der Reuen Freien Presse ge nommen hatte, erklärt, daß die österreichische Anleihe, selbst mit äußerster Verzögerung gerechnet, bei Sommerende eine vollzogene Tatsache sein werde.

Schober wieder in Wien

Wien, 5. Mai. Bundeskanzler Schober ist gestern nachmittag aus London wieder in Wien eingetroffen.

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Schober über den Zweck feiner Auslandsreisen.

Wien, 5. Mai. Der Bundeskanzler erklärte nach seiner Ankunft Vertretern der Presse:

Ich muß daran festhalten, daß der Besuch in Paris und London vor allem ein Akt der Höflichkeit war. Wenn der Besuch i n R o m der Wiederherstellung guter Beziehungen mit unsreem mächtigen südlichen Nachbarn galt und wenn die Reise nach Berlin, abgesehen von der Beschleuni­gung der Handelsvertragsverhandlungen, dem selbstoerstünd- lichen Bedürfnis eines deutschen Ministers des deutschen Oesterreichs den deutschen Bruder zu besuchen, entsprochen hat so gaben die Einladungen nach Paris und London mir die willkommene Gelegenheit nicht nur mei­nen Dank für die auf der Haager Konferenz durch die Regie­rungen Frankreichs und Englands den österreichischen Bemü­hungen großzügig gewährte Unterstützung auszudrücken, sondern auch über die innerpolitische und wirtschaftliche Ent­wicklung des neuen Oesterreich aufklärend zu wirken, das Vertrauen in unser Land zu stärken und die wohlwollende Förderung unserer Bestrebungen seitens dieser nicht nur für unser Mitteleuropa, sondern für ganz Europa wichtigen Machtfaktoren sicherzustellen. All dies, glaube ich. ist in den persönlichen Aussprachen gelungen.

Heimwehr-Aufmarsch in St. Pölten

Gegenkundgebung des Schutzbundes.

Wien, 5. Mai. In St. Pölten fand gestern ein großer Heimwehraufmarsch statt, demgegenüber der sozialdemokra­tische Schutzbund mit etwa 10 000 Mann aus Wien ebenfalls

einer von den Gemeinden unabhängigen Stelle und schließ­lich daran, eine Bürgerabgabe oder einen ähnlichen beweg­lichen Skeuerfakkor einzuführen und diesen in eine Relation zur Gewerbesteuer zu bringen. Aber ernstlich werden wir hier nur weikerkommen, wenn in den Ländern und Gemein­den der starke Wille zur Senkung der Ausgaben vorhanden ist. Ein systematisches Sparen sieht gesetzgeberische Eingriffe voraus. Dazu soll ein

Ausgabensenkungsgesetz, für das die Vorarbeiten in meinem Amt abgeschlossen sind, die Voraussetzungen liefern. Ohne harte Eingriffe wird es dabei nicht abgehen. Ich bin mir bewußt, daß eine volle Auswirkung erst dann eintreten kann, wenn wir das große Problem der Reichsreform ernsthaft anpacken.

Gegen Parteiunwesen, für bürgerliche Gemeinschaftsarbeit

Entschließung des Westfälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes.

Bad Eilfen, 5. Mai. Der Vorstand des Westfälisch- Lippischen Wirtschaftsbundes hat eine Entschließung ange­nommen, in der es für dringend erforderlich erklärt wird, an alle privatwirtschaftlich eingestellten Kreise des deutschen Volkes die ernste Mahnung zu richten, der unheilvollen Zersplitterung des deutschen Parteiwesens alsbald entgegen zu wirken. Die bürgerlichen Parteien sollten ungeachtet son­stiger verschiedener Auffassungen in rein politischen, kulturel­len und weltanschaulichen Fragen, mehr als bisher Wege suchen, die zu einer wirtschaftspolitischen Verbindung führen, mit deni Ziele einer planmäßigen Zusammenarbeit im Kampfe für die Erhaltung der seit Jahren in steigendem Maße bedrohten Jndividualitätswirtschast. Zweck der Ge- MiÄKllÜWÄA-diesrc Pacte'ieil sollte auch eine geschlossene Abwehr gegenüber der sozialistischen und kommunistischen Ideenwelt sein.

In einer Aussprache des Vorstandes mit Vertretern der bürgerlichen Parteien erklärten sich alle Anwesenden für wei­tere Arbeit mit dem Wirtschaftsbund auf dem in der Ent­schließung gezeigtem Wege bereit.

in St Pölten Gegenkundgebungen veranstaltete. Im Ein­vernehmen mit den Führern der beiden Parteien hatten die Behörden genaue Abmachungen getroffen, um Zusam­menstöße zwischen Schutzbund und Heimwehr zu verhindern. Da trotzdem die Gefahr von Zwischenfällen gegeben erschien, wurden Gendarmerie und Militär durch Abteilungen des Bundesheeres verstärkt. Als den Heimwehraufmarsch einige Trupps des Schutzbundes zu stören versuchten, riegelte die Gendarmerie den Schutzbund außerhalb St. Pöltens gegen die innere Stadt trotz des Protestes der Schutzbundleitüng bis zum Abtransport der Heimwehr ab, der sich reibungslos vollzog. Der Abtransport des Schutzbundes nach Wien er­folgte in den Abendstunden.

Bad Kreuznach Kefatzungsfrei

Bad Kreuznach, 3. Mai. Gestern vormittag verabschie­dete sich der letzte Adjutant als Vertreter der französischen Besatzungsbehörde von der Stadt, nachdem der Abzug der Besatzung in den letzten Wochen stillschweigend und ohne ir­gendwelche offizielle militärische Form stättgefunden hatte. Alle Kasernen sind jetzt geräumt, und nur noch einige Gendar­men und Beauftragte der Sicherheitspolizei verbleiben noch einige Wochen bis zum offiziellen Räumungsschluß in der Stadt.

Die Unruhen in Indien

Kalkutta, 5, Mai. Die Polizei forderte am Sonnabend abend eine Versammlung. die sich aus einer Volksmenge ge­bildet hatte, zum Auseinandergehen auf, da sie ungesetzlich sei. Als dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, machte die Polizei von der Waffe Gebrauch. Mehrere Per­sonen wurden verletzt, fünf Personen verhaftet.

InAmritsar wurde der Vorsitzende eines Ausschusses des Lahore-Kongresses, Dr. Kitchlew, unter der Beschul­digung aufrührerischer Beseitigung verhaftet. Zum Protest schössen die Geschäfte in der Stadt.

Stratzenkämpfe in Peschawar

Die Eingeborenen truppen gehen zu den Aufständischen über.

Kabul, 5. Mai. Räch Meldungen aus Peshavai haben indische Aufständische das die Stadt Peshavar beherr- schende Fort erobert. Peshavar sei zwar noch in den Händen der englischen Kommandantur. In der Stadt seien jedoch heftige Straßenkämpfe entbrannt. Die Eingeborenenpolizei und die Sikhlruppen weigerten sich, die Bewegung zu unter­drücken und schloßen sich den Aufständischen an.

Schanghai mit Opium verseucht.

Marseille, 5. Mai.' Das Journal de Shanghai berichtet, daß die Beamten der chinesischen Seezollverwaltung von Schanghai für mehr als 125 000 Dollar Opium, das in den letzten'Wochen auf einlaufenden Schiffen beschlagnahmt wurde, verbrannt haben. Außerdem sind für 3000 Dollar Morphium und allerhand Opiumrauchutensilien vernichtet worden.

80. Jahrgang

Blutige Stratzenschlacht in Südafrika

Die Polizei auf dem Rückzug.

Wocester, Kap-Provinz, 5. Mai. Zwischen einer Abtei­lung von 14 Polizisten und Eingeborenen kam es hier zu furchtbaren Zusammenstößen. Ein Polizeihauptmann wurde mit einer Axt zu Boden geschlagen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Die Polizei war gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Sieben Eingeborene wurden getötet, mehrere verwundet. Die Polizei mußte sich schließlich aus dem Eingeborenenviertel zurückziehen. Von Kapstadt sind Verstärkungen angefordert worden. Die Kämpfe dauern an. JnWocester haben sich bereits am 5. April Unruhen anläßlich des Einschreitens der Polizei gegen gesetzwidrigen Alkoholhandel ereignet. Auch damals mußte sich die Polizei zurückziehen.

Neue politische Zwischenfülle in Madrid

Madrid, 5. Mai. Zu Beginn eines Vortrages, den Pro­fessor Unamuno in einem Kino hielt, drangen trotz eines umfassenden polizeilichen Ordnungsdienstes etwa 20 junge Leute gegen die Bühne und vor und schlugen mit Gummi­knüppeln auf den Sozialistenführer P r i e t o ein. Die Ruhe­störer wurden aus dem Saal gewiesen und Professor Una­muno konnte seinen Vortrag halten. Nach Schluß der Ver­sammlung wurden Versammlungsteilnehmer überfallen. Die Polizei machte die Straßen frei.

Französischer Ministerbesuch in Algier

Paris, 5. Mai. Der Präsident der französischen Repu­blik, D o u m e r q u e, ist am Freitag in Algier eingetroffen. Im Verlaufe der Begrüßungsfeierlichkeiten machte ein Abge­sandter der Stammesführer traditionsgemäß dem Präsiden­ten als Zeichen der Unterwerfung und des Gehorsams ein Pferd zum Geschenk. Der Präsident der Republik ist in der Sommerresidenz des Generalgouverneurs abgestiegen und hat die Huldigungen der Stammessührer entgegengenommen. In ferner Gegenwart wurde das Denkmal V i v i a n i s, der in Algier geboren ist, eingeweiht.

Wie verlautet, erwartet man in Algier auch den Besuch des französischen Marineministers D u m e s n i l.

Amerikanische Zolltarifnovelle erledigt

Der Bericht über die Londoner Konferenz.

Washington, 5. Mai. Das Repräsentantenhaus hat die Beratung der Zolltarife bendet, ohne auf die Wünsche des Senats wegen der Ausfuhrprämie für die Erzeugnisse der Farmer und der Abschaffung der Befugnis des Präsidenten im Verwaltungswege Zolländerungen vorzunehmen, einzu gehen.

Im Laufe der Woche wird der Senat sich mit dem Kon­ferenzbericht der Delegierten beider Häuser des Kongresses sowie mit der durL die Haltung des Repräsentantenhauses geschaffenen Lage befassen.

Totenfeier für U.E. 12 in Tarent

Tarent, 5. Mai. In Anwesenheit von Vertretern der Zivil- und Militärbehörden und einer Reihe deutscher Per­sönlichkeiten fand auf dem hiesigen Friedhof am Grabe bei mit dem deutschen Unterseeboot U.C. 12 am 16 März 1916 imGolfvonTarentuntergegange nen deutschen Seeleute eine Gedächtnisfeier statt Ein deutscher Vertreter hielt die Gedächtnisrede. Der Prä- fekt von Tarent sprach darauf im Namen der italienischen Re- gierung Worte der Teilnahme. Zahlreiche Angehörige bei Opfer wohnten der Feierlichkeit bei.

Die deutschen Schiffe in Sizilien

Syrakus, 5. Mai. Die deutschen SchiffeSchleswig- Holstein" undHessen" sind hier eingekroffen. Die Vertreter der städtischen Behörden begaben sich an Bord zur Begrü­ßung des Admirals Oldekop. Dieser dankt für den herzlichen Empfang und erklärte, er werde sich an Bord eines deutschen Torpedojägers nach Eakania begeben, um dem italienischen König, der dort eingekroffen war, einen Höflichkeitsbesuch abzustatten.

Kurswechsel im Elsatz?

Das Innenministerium dementiert.

Paris, 5. Mai. In antiautonomisch gesinnten elsässischen, Kreisen ist die Neubesetzung der Straßburger Präfektur und die in Aussicht stehende Abberufung des Kolmarer Präfekten dahin ausgelegt worden, daß die bisher von der Regierung im Elsaß befolgte Politik eine Änderung erfahren, werde. Um diese Kreise zu beruhigen, gibt das Innenministerium ein Kommunique aus, in dem erklärt wird, daß die Reube- setzung rein verwaltungstechnischen Charakter träge, daß die Politik im Elsaß von der Regierung und nicht von den Pra- fekken gemacht werde und eine Kursänderung nicht in Frage komme.

Zusammenstötze in Gdingen

Gdingen, 5. Mai. Bei einer Tagung desLager des Großen Polen", einer rechtsradikalen Organisation, kam es zu Zusammenstößen und Schießereien zwischen den etwa 800 Teilnehmern der Tagung und der Bevölkerung. Die Arbei­terschaft wollte die Versammlung sprengen, wurde «edoch daran von der Polizei gehindert. Mehrere Personen erlitten Verletzungen.

Kommunisten-Verhaftungen in Sönigshütte.

Königshütte. Wie jetzt bekannt wird, sind am 1. Mai hier 19 Personen wegen kommunistischer Propaganda fest» genommen worden. .