Einzelbild herunterladen
 

hersfelöerTageblatt

Myelgenprelsr die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Srundschrist Korpus). Btl M^eryolongtn wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewahrt. $ür die Schrtstleitung verant­wortlich : Zranz Zunk in Hersfeld. Aernfprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

mit Sea Beilagen: IlluSkleetes AaLerhattnagsdlatl / Nach Aelrmbmö / SerS vnö Gchcllr / Belehrnag qbÖ KuerweLl / MkilchaftliGe Zasesfragea

MEerdalEnAg ssS Willen

Nr. 102 Freitag, den 2. Mai 1930

^Kmmww«^ -'" w

Die Kundgebungen am 1. Mai

Die Maifeiern.

In der Reichshauptstadt.

Die sozialdemokratischen und kommunistischen Par­teien wurden bei ihrer Maifeier in Berlin von herrlichem Frühlingswetter begünstigt. In den Stadtvierteln mit. Arbeiterbevölkerung zeigten sich viele rote und auch schwarz-rot-goldene Fahnen. Die meisten industriellen Betriebe feierten. Jedoch war in den großen Werken gegen das Vorjahr eher eine Abschwächung als eine Ver­stärkung der Arbeitsruhe zu konstatieren. So wurde bei den Siemenswerken in allen Abteilungen gearbeitet. Bei derKnorr-Bremsc" erschienen 65 Prozent der Belegschaft. In den städtischen Bureaus war Sonntagsruhe. Die lebenswichtigen Anstalten blieben im Betrieb. Allen städtischen Arbeitern und Angestellten war die Beteiligung an der Maifeier freigestellt. Schon in den frühen Morgen­stunden begann in den einzelnen Stadtvierteln der Auf­marsch der Kommunisten, deren Kundgebung um 10% Uhr im Lustgarten festgesetzt war. Die Sozialdemokraten hatten ihre Demonstration um 1 Uhr ebenfalls im Lust­garten angesetzt.

Bis in die Abendstunden hinein war von größeren Zwischenfällen nichts bekannt geworden. Kleine Zu­sammenstöße blieben natürlich nicht aus. Jugendliche Kommunisten griffen eine Berufsschule in der Wassertor­straße an, aber die Polizei verhinderte rechtzeitig größere Unannehmlichkeiten. Mehrfach mußten kommunistische Teilnehmer, welche die Uniform des verbotenen Rotfront­kämpferbundes trugen, aus den Zügen herausgeholt werden.

Die Kommunisten.

Das Treffen der Kommunisten im Lustgarten ver­zögerte sich stark, so daß uia 12 Mm och Zugangssteutzeu völlig verstopft waren. Die einzelnen Gruppen der auf­marschierenden Kommunisten trugen Plakate mit ent­sprechenden Aufschriften und rote Fahnen. Im Lustgarten sprachen nach gemeinsamem Gesang der Internationale die Abgeordneten T h ä l m a n n, N e u m a n n und Pieck sowie andere Funktionäre. Nach wiederholten Musikaufführungen wurde die Feier beendet, zu der nicht alle Teilnehmer hatten vordringen können, denn der Polizei waren etwa 32 000 Personen gemeldet worden, während 50 000 erschienen. Der Abmarsch erfolgte in mehreren großen Hauptzügen nach Neukölln und nach dem Norden zu.

Die Sozialdemokraten.

Der Aufmarsch der Sozialdemokraten mit einem Wald von roten Fahnen und Jnschriftplakaten erfolgte kurz nach 12 Uhr zum Lustgarten nach dem vereinbarten Programm, wonach Trennung der Kommunisten und der Sozial- bemokratcn vorgesehen war. In 23 großen Sälen Berlins sammelten sich morgens die Sozialdemokraten und ent­sandten von dort ihre Abteilungen. Der Verkehr auf dem

Die Kontrollfrage vor dem Sicherheitskomitee

Ein zwölsgliedriges Redaktionskomikee eingesetzt.

Genf, 2. Mai. Die Gegensätze, die innerhalb des Völker­bundes in der Frage der Sicherheit seit Jahren bestehen, und die insbesondere auch die Debatten über die allgemeine Rüstungsbeschränkung maßgebend beeinflußten, kamen in der Donnerslag-Rachmittagssihung des Sicherheitskomitees wieder zum Ausdruck.

Die weitere Beratung der Kriegsverhütungskonvention ergab bei Art 4, daß in der Kontrollfrage die Meinungen nach wie vor weit auseinandergehen. Auch in der Frage, ob die streitenden Parteien bei der Beschlußfassung des Völker­bundsrates mitstimmen können, zeigten sich Gegensätze. Nach dem vorliegenden Entwurf haben die streitenden Parteien kein Stimmrecht, wenn der Rat nach Ausbruch von Feind­seligkeiten Maßnahmen zu treffen hat. Dagegen haben sie Mitstimmrecht, so lange Feindseligkeiten nicht vorhanden sind, aber der Konflikt vor den Rat gebracht ist und dieser erst einstweilige Verfügungen zur Verhütung der Konflikts- verschärsung trifft.

Nach der gestrigen grundsätzlichen Aussprache über die Hauvtartikel der Konvention wurde ein zwölsgliedriges Re­daktionskomikee eingesetzt, dem auch der deutsche Gesandte z. D. G ö p p e r t angehört. Das Redaktionskomitee hat den Auftrag zur Umarbeitung des Modellvertrages in einen all­gemeinen Kriegsverhütungspakt übernommen. Die artikel- weise Beratung wird morgen vormittag mit der Aussprache über die Bestimmungen zur Notifizierung und Inkraftsetzung abgeschlossen.

hier verlangt Deutschland, daß die Inkraftsetzung der Konvention von der Ratifizierung einer möglichst großen Zahl von geographisch zusammengehörenden Ländern ab­hängig gemacht werde, da nur so ihre eigentliche Bedeutung und friedenserhaltende Auswirkung erlangt werden könne.

Schweizerfahrt desGras Zeppelin" am Freitag.

Friedrichshafen. Die am Mittwoch wegen schlechten Wetters bis auf weiteres verschobene Fahrt des Luftschiffes Graf Zeppelin" über die Schweiz fand Freitag statt.

Schloßplatz wurde stark behindert, da die Autobusse, Kraft- vrokchken und Geschäftswagen sich jedesmal stauten, wenn ein Zug durchmarschierte. Von der Rednerbühne vor dem Alten Museum sprach bei Beginn der Feier der Reichs­tagsabgeordnete Peter G r a ß m a n n, der sich gegen das Kabinett Brüning wandte und Verkürzung der Arbeitszeit wie den Ausbau der Arbeitslosenversicherung als notwendige Forderungen bezeichnete. Die Musik­kapellen sekundierten den Ansprachen. Der gesamte An- und Abmarsch nahm mehrere Stunden in Anspruch, voll­zog sich aber fast reibungslos. Am Nachmittag und am Abend verunstaltete die Sozialdemokratie Feiern in vielen großen Etablissements.

Im Reiche.

In F r a n k f u r t a. M. verlief die Maifeier bis nach­mittags ruhig und in Ordnung, ebenso in München, wo 20 000 Menschen demonstrierten. In Posen kam es in der Nacht zum 1. Mai zu verschiedenen Zusammest- stößen der Kommunisten mit der Polizei. In Hamburg herrschte fast völlige Feiertagsruhe und die Maidemon­strationen halten besonders starke Beteiligung aufzuweisen. Die Kommunisten marschierten vormittags auf, die Sozialdemokraten nachmittags. Auch aus C h e m n i tz wurde bis nachmittags nichts von Zwischenfällen gemeldet. In Bremen demonstrierten etwa 10 000 Personen ohne besondere Zwischenfälle.

Blutiger 1. Mai in Warschau.

Zusammenstöße zwischen Polizei und Kommunisten.

Bei den 1. Mai-Kundgebungen kam es in W a r s ch a u mehrfach zu Zusammenstößen zwischen der Polizei unb demonstrierenden Kommunisten. Bisher wurden etwa Transparente mit staatsfeindlichen Aufschriften wurden beschlagnahmt. An einigen Stellen der Stadt wurde bte Polizei von Kommunisten mitSteinenbeworfen: mehrere höhere Polizeioffiziere wurden verletzt. Auf Polizeispitzel gaben die Kommunisten mehrfach Re- v o l v e r s ch ü s s e ab.

In Frankreich verlief der 1. Mai besonders ruhig. Nur in Rouen versuchten feiernde Arbeiter ihre arbeiten­den Kollegen an der Arbeit zu verhindern. Beim Einschrei­ten der Polizei kam es zu einem Handgemenge, wobei einige Personen leicht verletzt wurden. In Paris wurden 687 französische und 94 ausländische Manifestanten verhaftet.

In Madrid herrschte größte Ruhe; es feierten nur die Autoführer.

In ganz Ungarn herrschte am gestrigen Donnerstag Ruhe.

In S o f i a ereignete sich nur ein unbedeutender Zwi- ichenfall, als Kommunisten im Stadtzentrum eine Kundge­bung veranstalten wollten. Im übrigen verlief der 1. Mai in ganz Bulgarien ohne jede Störung.

Reichskabinett und Osthilfe

Berlin, 2. Mai. Das Reichskabinett wird in feiner heu­tigen Sitzung die laufenden Angelegenheiten erledigen, die gestern noch nicht behandelt worden sind. Dagegen ist die Information eines Berliner Abendblattes, wonach das Kabi­nett sich weiter mit der Osthilfe beschäftigen wird, nicht richtig. Es ist anzunehmen, daß dieses Problem vor Mitte nächster Woche nicht wieder auf die Tagesordnung des Ka­binetts gesetzt werden wird. Der Grund dürfte darin liegen, daß die Osthilfe eine sehr schwere und vielgestaltige Frage ist, für die noch weitere Vorbereitungen notwendig sind, ehe das Kabinett die Weiterberatung wieder aufnehmen kann. Bis­her liegt nur der Referentenentwurf vor; es hat sich aber wohl gezeigt, daß er noch nicht zureicht. Inzwischen werden die Reichsminister auch durch die Etatdebatte stark in An­spruch genommen sein, die ihre dauernde Anwesenheit im Reichstag erforderlich macht. Unter diesen Umständen rech­net man in politischen Kreisen damit, daß die Erledigung des Gesetzes für die Ofthilse keineswegs so schnell möglich ist, wie in Unterschätzung der Schwierigkeit der Probleme bisher viel­fach geglaubt wutde. In politischen Kreisen wird betont, daß diese Verzögerung ganz natürlich sei, daß sie aber nichts an der festen Absicht der Reichsregierung ändere, dem Osten mit allen verfügbaren Kräften zu helfen. Gerade weil die Hilfe so stark wie nur möglich fein soll, beanspruche ihre Vorbe­reitung entsprechende Zeit.

Die Sitzung der Deutschnationalen

Fraktionsmehrheit

Berlin, 2. Mai. Gestern abend fand in einem Raum des Restaurants Mitscher die Zusammenkunft statt, zu der Graf Westarp die Mitglieder der Reichstagsfraktion der Deutsch­nationalen Volkspartei eingeladen hat, die bei der letzten Reichstagsabstimmung für die Vorlagen des Kabinetts Brü­ning gestimmt hatten. Die Besprechung, die um 8 Uhr be­gonnen hatte, dauerte um 12 Uhr noch an. Es ist anzuneh­men, daß das Ergebnis der Aussprache ein Schreiben an den Parteiführer und den Fraktionsvorsitzenden sein wird, in dem die Ueberzeugung dieser Mitglieder der deutschnationalen

80. Jahrgang

WIW^waM^W^,*'IHWIIHI >11111» um»HBBBMBMmEWMm^MHaiMiBiMMMMiMI Reichstagsfraktion niedergelegt ist. Es kann kein Zweifel darüber fein, daß Graf Westarp als Einberufer der Aus- -yrache das ernsthafte Bestreben hat, alles zu vermeiden, was oie Situation innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei verschärfen könnte. Deshalb wird der Inhalt des Schreibens nicht eher bekanntgegeben werden, als es in den Händen der Adressaten ist. Man kann aber wohl annehmen, daß der ^rief das Recht auf die Gewissensfreiheit und damit zugleich die Gewissenspflicht des Abgeordneten unterstreichen wird. Er wird weiter darauf Hinweisen, daß namentlich die bei­den letzten Satze der Entschließung, die der deutschnationale Parteivorstand am Sonntag vor acht Tagen gefaßt hat, zu diesen Grundrechten und -Pflichten des Abgeordneten im Ge- genfafj stehen. Wenn dieses Schreiben am heutigen Freitag der Parteiführung überreicht wird, so würde die Entsches- dung über die Weiterentwicklung innerhalb der Deutschnatio­nalen Reichstagsfraktion bei der Führung liegen.

Oesterreichisch-französische Vereinbarungen

Paris, 2. Mai. In einer Unterredung, die der öster­reichische Bundeskanzler Dr. Schober während seines hiesigen Aufenthaltes mit dem Arbeitsminister Laval hatte, find die Grundlagen für ein Ein- und Auswanderungseb- kommen zwischen Oesterreich und Frankreich erörtert worden. Desgleichen wurde über die Anwendung der französischen Sozialversicherungsgesetzgebung auf österreichische Arbeiter durch ein Gegenseitigkeitsabkommen verhandelt. Außerdem wurde beschlossen, ein Abkommen zu treffen, das die Zulas­sung junger Leute aus Frankreich bzw. Oesterreich zur Er­weiterung ihrer beruflichen und sprachlichen Kenntnisse re­gelt. Es wurde vereinbart, daß Verhandlungen über di-se Akommen sehr bald in Wien ausgenommen werden. __

Bundeskanzler Schober in London.

London. Der Österreichische Bundeskanzler ist a Donnerstag hier eingetroffen. Er wurde vom österreichischen Gesandten, den Mitgliedern der österreichischen Gesandtschaft und einem Vertreter des enM's-n-» w..»^.««»:^ »-.,«

Sie Wirtschaft-parte! im Kabinett.

Der Reichsausschuß billigt das Verhalten der Reichstagsfraktion.

Der Reichsausschuß der Wirtschaftspartei hielt im Reichstag eine Sitzung ab, an der Reichsjustizminister Dr. B r e d t, die Fraktionen der Parlamente sowie die Ver­treter der Wahlkreisverbände teilnahmen. Nach einem Bericht des Parteivorsitzenden Drewitz wurde einstimmig ohne Aussprache folgende Entschließung angenommen:

Der am 1? Mai im Reichstag tagende Reichsaus­schuß der Wirtschaftspartei billigte nach der Entgegen­nahme eines ausführlichen Berichtes des Parieivorsitzen- den, Reichslagsabgeordnelen Drewitz, über die Gründe der Beteiligung der Wirtschaftspartei an dem Kabinett Dr. Brüning einstimmig das Verhalten der Reichstags­fraktion und spricht dem Parteivorsitzenden Drewitz so­wie der Reichstagsfraktion das volle Vertrauen aus. Mit Rücksicht auf die völlige Klarstellung aller Punkte verzichtet der Reichsausschuß ebenfalls einstimmig auf jede Aus­sprache." __

Dramatische Szenen bei einem Gasmiglöck

Trotz mutiger Retter zwei Tote.

In einer chemischen Fabrik in Helmond (Holland) ereignete sich ein Unglück, dem zwei Arbeiter zum Opfer fielen. Durch das Springen einer Röhren- leituug füllten sich die Räume plötzlich mit einer großen Menge erstickenden Gases. Die Belegschaft flüchtete. Ein Arbeiter hatte jedoch bereits so viel Gas eingeatmet, daß er tot zusammenbrach. Ein anderer Arbeiter, der ihn retten wollte, kehrte ebenfalls nicht mehr lebend zurück. Es kam dann zu einem d r a m a t i s ch e n Auf­tritt, da mehrere Arbeiter, die selbst bereits bei Ret­tungsversuchen dem Erstickungstode nahe gewesen waren, den Direktor der Fabrik, einen Arzt und mehrere Polizei­beamte mit Gewalt am Betreten des Gebäudes zu hindern suchten. Der Direktor ließ sich nicht z u r ü ck h a l t e n , brach aber bald ebenso wie der ihn b e g l e i t e n d e A r z t und ein P o l i z e i b e a m t e r in den giftigen Dämpfen bewußtlos zusammen. Es gelang, die drei Ohnmächtigen in Sicherheit zu bringen und wieder ins Bewußtsein zu- rückzuführen. Die Fabrik muß vorläufig stillgelegt werden.

Ein neuer Blaubari?

Seine Frau in der Räucherkammer verbrannt.

. Unter dem dringenden Verdacht, seine 38jährige Ehe­frau ermordet, die Leiche zerstückelt und in der Räucherkammer seines Hauses verbrannt zu haben, ist der Landwirt Koppe aus Zwabitz verhaftet worden. Als die Frau, die seit Karfreitag vermißt wurde, ver­schwunden blieb und sich aus dem Koppeschen Gehöft vom Schornstein ausgehend wiederholt Rauch mit einem ganz eigenartigen Geruch über dem Ort verbreitete, fchöpfte man Verdacht und verständigte die Polizei. Bei der Untersuchung des Gehöftes kamen in den Überresten eines Feuers Knochen zum Vorschein. Koppe steht außer­dem im Verdacht, vor einigen Jahren eine Haushäl- terin, die ebenfalls spurlos verschwunden war, besei- tigt zu haben.