Einzelbild herunterladen
 

kersfelöerTageblatt

Bei ^ä^Mng^n^"e1n^^ Prell tzersfelöer Kreisblatt JSä^ Amtlicher MnZeiger füt den Kreis ^ers^elö

>»»»..-«.«»»».«'*»»»«« ' l / V * ' / '

mit der? Beträge«: Illustriertes Auterhaltougsblalt / Nach FeisrabruS / AerS und Gchslle / Auierbaltuog usS Wilseo Belehruug unS Koerweil / WteMaftlicks TKALsfessev

Nr. 99

Dienstag, den 29. April 1930

80. Jahrgang

Sturmzeichen in Indien

Macdonald kehrt nach London zurück.

Ministerpräsident Macdonald ist aus Schottland wieder in London eingetroffen. Dieser Unterbrechung seines Urlaubs kommt außerordentliche Bedeutung zu. Die Rückkehr Macdonalds nach London hängt mit der ernsten Entwicklung in Indien zusammen. Die Berichte der führenden englischen Blätter aus Indien haben bereits seit etwa vierzehn Tagen auf eine sehr ernste Wendung vorbereitet. Viel und wahrscheinlich nicht das Unwich­tigste blieb aber ungesagt. Die Rückkehr Macdonalds nach London hat nun den letzten Zweifel daran beseitigt, daß die Lage tatsächlich ernst ist.

Nach einer Protestkundgebung gegen die Haltung ver Polizei bei der jüngsten Versammlung der Freiwilligen für die Verringerung der staatsbürgerlichen Pflichten in Madras kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei wurden zwei Personen getötet und drei verletzt.

Vor der Versammlung trieben zahlreiche Kulis sich auf den Straßen umher, belästigten Europäer, die im Auto vorüberfuhren, und bewarfen sie mit Steinen. Hier­bei kam es zu einem Handgemenge, wobei einige Per­sonen ernstlich verletzt wurden.

London, 29. April. Das Indische Amt veröffentlicht folgendes Kommunique der Regierung .von Indien: Um übertriebenen und irreführenden Gerüchten vorzubeugen, gird mitgeteilt, daß während der letzten Unruhen in der tadt Peshavar die Haltung einer kleinen Abteilung einge­borener Truppen, nämlich zweier Züge der Garhwal- Schützen, unbefriedigend war. Das betreffende Bataillon ist nach Abbottabad verlegt und eine Untersuchung ist eingeleitet worden.

Sstreparationsabkommen unterzeichnet ^ -

Paris, 29. April. Am Montag abend wurden im fran zösischen Außenministerium die vier Abkommen über du Ostreparationen unterzeichnet. Vor dem UnterzeichnungsakI hielt Loucheur in seiner Eigenschaft als Vorsitzender bet Kommission für Ostreparationen eine Ansprache, in der et erklärte, daß es von dem Geiste, in dem diese Abkommen in Kraft gesetzt werden würden, abhänge, daß andere wichtige Abkommen folgen und das Werk der begonnenen wirtschaft­lichen Befriedung fortgesetzt werden könnte.

Vierteljahresbericht über das Saargebiel

Genf, 29. April. Der dieser Tage im Völkerbundssekre­tariat eingetroffene 41. Vierteljahresbericht der Regierungs- kommiffion des Saargebietes enthält die regelmäßig erstatte­ten Angaben über ihre wirtschaftliche und soziale Tätigkeit, eine kurze Darstellung der politischen Lage und ein sehr aus­führliches Kapitel über die Verwaltungstätigkeit. Aus dem statistischen Material sind besonders erwähnenswert die Zah­len über die Arbeitslosigkeit, die im Februar mit 12 030 ihren Höchststand erreichten und Ende März wieder auM 400 zurückgegangen waren.

Maidemonstrationen in Paris verboten

Strenge Strafen gegen Gewalttätigkeiten angekündigt.

Paris, 29. April. Vom Innenministerium sind im Ein­vernehmen mit der Polizeipräfektur folgende Maßnahmen für den 1. Mai getroffen worden: Jeder Umzug auf offener Straße ist verboten. Jede Kundgebung, jeder Sabotageakt, jede Arbeitsbehinderung und jede Gewalttätigkeit werden mit der größten Strenge unterdrückt werden. Personen, die hiergegen verstoßen, werden sofort der Staatsanwaltschaft übergeben. Ausländer, die an irgendeiner Kundgebung teit- nehmen, sollen unverzüglich ausgewiesen werden. Die üb­lichen Polizeikräfte werden verstärkt durch die Republika­nische Garde von Paris und durch die Republikanische Garde aus der Provinz. Außerdem wird die Garnison von Paris verstärkt durch Einheiten aus der Provinz, die der Polizei- präfekkur zur Verfügung stehen.

Wann kommt die Avung-PIan-Anlelhe?

Verhandlungen über die Bedingnngen.

Seit einigen Tagen werden in Paris Verhandlungen über die Auflegung der ersten Young-Plan-An­tet he gepflogen. Nach diesen Beratungen dürfte in nächster Woche eine Vollsitzung stattfinden, an der teil- nehmen die Mitglieder des Verwaltungsrates der Inter­nationalen Zahlungsbank, die Delegierten der Banken, die Vertreter der Schatzämter und die Vertreter der inter­essierten Regierungen. Erst während dieser Vollversamm­lung können durch gemeinschaftliche Absprache die Be­dingungen der Auflegung der ersten Tranche der Voung-Obligationen festgelegt werden. Alle früheren Nachrichten über die Emissionseinzelheiten können daher nur mit größtem Vorbehalt ausgenommen werden.

DampferkatastroPhe in Indien

Kalkuita, 29. April. Während eines Zyklons sank aus dem Flusse Jamna in Off-Bengalen der DampferLondor". Von 300 Passagieren, die sich an Bord befanden, sind bisher nur 20 als gerettet gemeldet.

Kriegsrecht über Schanghai

Schanghai, 29. April. Hier und in der näheren Umge­bung der Stadt ist das Kriegsrecht proklamiert worden. 3m Zusammenhang mit kommunistischen Umtrieben wurden 150 Personen verhaftet.

Aus vielen Teilen Chinas werden Anschläge von soge­nannten Roten und von Räubern gemeldet. Die Ortschaft Kingsuchen in Nord-Kiangsu wurde von einer Bande Ban- diten, die über Maschinengewehre und Reiterei verfügten, zerstört. Sämtliche Beamte und 1000 Einwohner wurden umgebrachi und alle Häuser in Brand gesteckt.

*

Ueberwachung der Waffeneinfuhr.

Paris, 29. April. Die hiesige chinesische Gesandtschaft gibt bekannt, daß laut Verordnung der Regierung der chine­sischen Republik die Einfuhr von Waffen nach China von den chinesischen Gesandtschaften der betreffenden Länder beglau­bigt und genehmigt werden muß. Jeder Waffenverkauf oder Waffenhandel ohne diese Ermächtigung werde als uner­laubt angesehen. Die betreffenden Waffen würden von den chinesischen Behörden beschlagnahmt und die chinesischen oder ausländischen Käufer oder Verkäufer sowie die den Trans­port übernehmenden Personen, soweit sie sich auf chinesischem Gebiet befinden, verhaftet und den zuständigen Gerichten zu­geführt werden. Dampfer mit unerlaubten Waffenladungen würden beschlagnahmt werden. ....................................

Wenn der Völkerbund fliegen muß.

Finanzhilfe für angegriffeneStaaten.

Das H > ch c.r st ech tchftLMul t c e , das von der Volke r- bundversammlung 1927 eingesetzt worden war und im Rahmen der Arbeiten des Ausschusses zur Vorbereitung der Internationalen A b r ü st u n g s k o n f e r e n z zu­nächst die Zusammenhänge des Abrüstungsproblems mit der Schiedsgerichtsbarkeit und der Sicherheit zu unter­suchen hatte, ist nach fast zweijähriger Pause in Gens zu feiner vierten Tagung zusammengetreten. Insgesamt haben 28 Staaten Delegierte entsandt, von denen die meisten von militärischen Sachverständigen begleitet sind. Der wichtigste Punkt ist die Neubehandlung der deut­schen Anregungen zur Verstärkung der krieg- verhütenden Maßnahmen. Ferner hat das Sicher­heitskomitee gewisse Punkte der geplanten Konvention über die Finanzhilfe zugunsten angegriffener oder bedrohter Staaten zu klären und schließlich steht die Ge- währleistung der Flugverbindungen des Völker­bundes in Krisenzeiten zur weiteren Behandlung. Be­sondere Vorbedeutung wird der neuen Tagung des Sicher­heitskomitees beigelegt wegen der erwarteten privaten Besprechungen über die Einberufung der nächsten Tagung des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses und ferner wegen der Anregungen, die Frankreich in bezug auf die Sicherheitsfrage wieder auf der Londoner Ab­rüstungskonferenz vorgebracht hat und die vielleicht auch in die Debatten des Komitees hineinspielen werden.

Deutsche Antwort "au Polen.

Die Beschwerde wegen der Agrarzölle.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat die polnische Protestnote gegen die Erhöhung der deutschen Agrarzölle beantwortet. Die deutsche Note begründet die deutschen Zollerhöhnngen unter drei Gesichtspunkten:

1. Bei der Erhöhung der deutschen-Agrarzölle handelt es sich um wirtschaftliche Notmatznahmen, die als solche in keinerlei Widerspruch zu der Convention commercielle stehen, die im 24. März in Genf auch von Deutschland unterzeichnet wurde. 2. Der deutsch-polnische Wirtschafts­verkehr wird durch die Erhöhung der Agrarzölle nur in einigen wenigen Punkten berührt werden, so datz das praktische Interesse Polens an den deutschen Zollmatz­nahmen als verhältnismätzig gering zu betrachten ist. 3. Die juristische Unanfechtbarkeit der deutschen Zoll- erhöhungen trotz des eben abgeschlossenen deutsch-polni. schen Handelsvertrages wird auch von der polnischen Re­gierung nicht bestricken.

Außer Polen haben bekanntlich auch S st e r r e r ch und die Schweiz Bedenken gehabt und besonders den Wunsch geäußert, im kleinen Grenzverkehr die Ver­zollung der Milch aufgehoben zu sehen. Es heißt, man wolle diesen Wünschen von deutscher Seite nachkommen. Derartige Ausnahmen sind zulässig.

Weibliche Richter in der Türkei

Angora, 29. April. Durch eine Verfügung des Staats­präsidenten sind zum ersten Male in der Türkei zwei Frauen zu Richtern ernannt worden.

Am Beobachtungsfiand.

Gipfelpunkt deutscher Leistung. Der Dank an die Gefallenen.Amtsdeutsch."

Zepps über London" das erweckt natürlich Er­innerungen, wenn jetzt derGraf Zeppelin" die Hauptstadt des Englischen Reiches besuchte. Aber diese Erinnerungen, die natürlich auftauchen, die in der englischen Presse ein leises Echo finden, sind doch ein Gespenst, das niemanden mehr schreckt. Aus der Kriegswaffe, die über London Tod und Verderben spie, ist etwas ganz anderes geworden. Es ist derZepp", der die Welt umkreiste. Es ist ein Gipfel­punkt deutscher Leistung trotz der Dinge, die am 11. No­vember 1918 anhoben, dem Tage des Waffenstillstandes. Zepp über London" auch die englische Öffentlichkeit hat so gut wie vergessen, was das einst, vor vierzehn Jahren, bedeutete. Man sieht in ihm nur noch den deut­schen Leistungswillen, begrüßt diesenZepp" als einen Boten des Friedens und der Zivilisa- t i o n", wie sogar eine konservative Zeitung schreibt. Und man mag einen Augenblick auch daran denken, daß Eng­land ja auch ein paarZepps" gebaut hat. Aber mit dem Bauen allein ist's nicht getan. Man hört wenig von ihnen, sieht sie nicht oder nur selten. Aber der deutscheZepp" fuhr rings um den Erdball. Hat den Ozean überflogen in selbstverständlicher Sicherheit. Und die Fahrt nach London ist für diesenZepp" nur eine Art Besuchstour, - Deutschland kann zufrieden sein mit der Art, wie heute dieser Besuch in London ausgenommen worden ist. Jene alten ErinnerungenZepp über London" sind verblaßt, derGraf Zeppelin" hat sie besiegt ohne Waffen, ohne Ktiegsrüstung, durch die Leistung allein.

*

Auch über Paris war dieserZepp" und wir Deutsche müssen achselzuckend registrieren,daß sich darob ge­wisse Kreiseentrüsteten", daß Proteste losgelassen wurden, die außerordentlich überflüssig sind. Als derselbe Graf Zeppelin" in Not war, fand er in demselben Frank­reich bereitwilligste Hilfe. Immer wieder hat er fran­zösisches Gebiet überflogen, wenn er zu einer Weltreise auszog. Und ein wenig dürfen wir Deutsche wohl auch daran erinnern, daß derGraf Zeppelin" nichts anderes ist und sein wiü als ein Instrument des Frie­dens, eines waffenlosen Deutschlands, das rings um­geben ist von waffenstarrenden Nachbarn und an seiner Westgrenze Frankreichs Rüstungen täglich tvachsen sieht. Wir wollen nicht an das Gestern und Vorgestern erinnert werden, wir haben nur an das Morgen zu denken, für dieses Morgen zu arbeiten. Denn jenes Gestern und Vor­gestern lastet mit erdrückender Schwere auf uns. Seit Jahren debattiert man über den Gedanken des R e i ch s e h r e n m a l s" für die zwei Millionen der deutschen Kriegsopfer. Wir kennen in Deutschland nicht den Kult desUnbekannten Soldaten" und wollen ihn auch nicht nachahmen. Vielleicht ist der Gedanke doch nicht so ganz von der Hand zu weisen, das Gedächtnis der Toten weiterleben zu lassen auch durch die Tat. Im Osten und im Westen ringt das Deutschtum um sein Dasein; hier zu helfen, den Siedlungsgedanken zum Aus- bruef des Gedenkens an jene zu machen, die im Kampf für ihr Volk gefallen sind, ist eine A n r e g u n g , die praktisches Tun an die Stelle desDenkmals" setzen will.

Erst einmal sich auf sich selbst besinnen, auf deutsche Art, auf deutsches Denken auch das kann nicht oft genug verlangt, gefordert und in seiner Notwendigkeit unter­strichen werden. Es ist durchaus nichtnationalistisch", wenn man auch in der Formung dieses Denkens die Grenzen gegenüber dem Internationalen scharf zieht. Wir haben nicht das, was die Franzosen in ihrerAkademie" besitzen, ^fo eine Norm für die Sprache als Ausdruck des Denkens. Um so mehr ist es zu begrüßen, wenn die Ämter" bemüht sind, mit demA m t s d e u 1 s ch" all­mählich ein Ende zu machen. Ein großes Lob nach dieser Richtung hin hat sich das Reichsarbeitsministerium ver­dient, das ganz bewußt größtes Gewicht darauf legt, in seinen Gesetzentwürfen, Verordnungen, Verfügungen.usw. ein Deutsch zur Anwendung zu bringen, das auch von den z nicht fachwissenschaftlich Gebildeten . zu verstehen ist. Volkstümlich", also gemeinverständlich zn reden ist aber leider noch bei viel zu vielen Behörden fast verpönt und nur langsam ist das etwas besser geworden. Unendlich viel ist noch zu bessern und man möchte so manchem Amt, so mancher Behörde hinsichtlich ihrer Spruchweisheit gern zurufen: Gedenke, daß du ein Deutscher bist!

Russischer Ordenssegen.

Einer für alle.

In Ainabulak wurde dieTurkestan-Sibirische Eisenbahn feierlich eröffnet. Die Eisenbahnstrecke, die eine Gesamtlänge von 1442 Kilometern hat, ist sieb­zehn Monate vor Ablauf der festgesetzten Frist fertig- gestellt worden. Die Sowjetregierung hat 'der G c s a m t- h e i t der beim Bau beschäftigt gewesenen Arbeiter, Ingenieure und Techniker in Anerkennung der besonderen Arbeitsleistung den Rotbanne r o r d e n der Arbeit verliehen, außerdem wurden noch zehn In­genieure und Arbeiter persönlich mit diesem Orden ausgezeichnet.