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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für Sen Kreis HersfelS

mit den Beilagen: Illustriertes AnterhattnagSblatt / Nach Feierabend / Herd und Gcholle , Unterbeltano naß Mitten

Belehrung und Kuerwell / Wirtschaftliche Äasessrogea

Nr. 98

Montag, den 28. April 1930

80. Jahrgang

Grus ZeMlin" m der Wmdsihü MN

Freundlicher Empfang in Frankreich.

Sonnabend morgen kurz nach 6 Uhr ist das Luftschiff Graf Zeppelin" zu seiner Fahrt nach England gestartet. An Bord befanden sich 13 Passagiere, darunter Kapitän­leutnant Dietrich aus Kassel, der vor Jahren als Luft- schifführer tätig war, ferner LadyDrummondHay, die auch an der Weltreise desGras Zeppelin" teilgenom- men hat, und Miß Cleaver, eine Fliegerin, die vor acht Tagen mit den englischen Fliegern auf dem Kontinent­rundflug in Friedrichshafen gelandet war. Der Aufstieg ging sehr glatt vonstatten, und das Luftschiff entfernte sich sogleich in Richtung Basel.

Um 10 Uhr befand sich das Luftschiff 50 Kilometer nördlich von D i j o n. Es bewegte sich in einer durch­schnittlichen Höhe von 400 Metern mit 100 Kilometer Stnndengeschwindigkeit vorwärts. Bei Dijon wurde das Luftschiff, das in leichten Böen schaukelte, von einem fran­zösischen Flugzeuggeschwader begrüßt, woraus es direkt

Kurs auf Paris

nahm. Kurz vor 12 Uhr traf es über der französischen Hauptstadt ein; es flog nur in etwa 100 Meter Höhe, so daß es bei klarem Wetter gut zu sehen war.Graf Zep­pelin" zog mehrere Schleifen über der Stadt und kreuzte dreimal über dem deutschen Botschaftsgebäude. Die Be- völkeiung, die während der Mittagsstunde sehr zahlreich aus den Straßen war, bewunderte das seltene Schauspiel. Die Ansammlungen waren stellenweise so stark, daß der Verkehr ins Stocken geriet. Aus der Kabine des Luft­schiffes sah man die Passagiere mit ihren Taschentüchern winken, Grüße, die von unten erwidert wurden. Einige französische Flugzeuge begleiteten denGraf Zeppelin", der um 12,15 Uhr noch immer in niedriger Höhe über der französischen Hauptstadt seine Kreise zog.

Graf Zeppelin" als FMballgast.

BegeiPerle Aufnayme in London.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist am Sonnabend nachmittag auf dem Flugplatz Cardington glatt gelandet. Auf seiner Fahrt von der Küste nach London wurde ihm von riesigen Menschenmengen begeistert zugejubelt. Bor seiner Landung besuchte das Luftschiff das F u ß b all­st a d i o n in W e m b l e y, wo gerade ein großes Ent­scheidungsspiel vor über 100 000 Zuschauern und in An­wesenheit des Herzogs von Nork ausgetragen wurde. Das Spiel wurde für einen Augenblick unterbrochen, und Spieler und Zuschauer brachten dem Luftschiff b e - geisterte Ovationen dar.

Zum Empfange des Luftschiffes hatte sich u. a. auch der deutsche Botschafter Sthamer in Begleitung des Lega­tionssekretärs Feine in Cardington eingefunden. Als das Luftschiff von 200 britischen Fliegern und Hunderten von Arbeitslosen, die sich freiwillig zum Seilehalten ge­meldet hatten, zu Boden geholt wurde, durchbrachen Tausende von Männern und Frauen, die am Rande des Landungsplatzes gestanden hatten, plötzlich die polizei­liche Sperre und stürmten auf das Luftschiff zu. Die wenigen anwesenden Polizisten waren machtlos, und hätten nicht die britischen Flieger in aller Eile mit Seilen eine Rotschranke errichtet, so wären zahlreiche Personen in ernste Gefahr gekommen.

Beim Landen wurde ein großes Paket mit Postsachen abgeworfen, die von der Menge eifrig aufgesammelt wurden. Als dann die große Tür der Vorderkabine ge­öffnet und aus ihr eine Aluminiumleiter heruntergelassen war, ging als erster der Kommandant des Luftschiffes, Kapitän Lehmann, von Bord. Er wurde von einer An­zahl von Freunden aufs herzlichste begrüßt, während die Menge in Beifallsrufe ausbrach. Der, Kapitän äußerte sich über die Erlebnisse seiner Reise, die ausge­zeichnet verlaufen sei, Das Wetter sei zwar etwas dunstig

Dr. «tegerwald soll helfen

Berlin, 27. April. Beim Empfang der Teilnehmer an der Ausschußsitzung des Internationalen Bundes der christ­lichen Gewerkschaften erklärte der Reichsarbeitsminister u. a., daß dem Reichsarbeitsministerium im weiteren Sinne etwa 70 000 Menschen unterstellt seien. Sein Ministerium habe von den 24 Milliarden, die in Deutschland durch öffentlich- rechtliche Abgaben aufgebracht würden, rund 10 Milliarden zu betreuen Deutschland sei auch das Land, in dem das Einigungswesen am meisten entwickelt und ausgebaut fei. Daß die starken Strömungen gegen die Sozialpolitik nun­mehr zurückgedrängt feien, sei nicht zuletzt das Verdienst der -christlichen Arbeiterbewegung. Im Auftrage des Internatio­nalen Bundes der christlichen Gewerkschaften sprach S e r r a- rens (Utrecht) und betonte, daß Deutschlands guter Ruf auf dem Gebiet der internationalen sozialen Politik durch die sachverständige Arbeit der deutschen Regierungsvertreter bei den internationalen Beratungen in Genf immer weiter vertieft werde. Vor allem verlange man von Deutschland, dazu velzutragen, endlich eine Verständigung in der Arbeits- zellfrage herbeizuführen. Von dem jetzigen deutschen Reichs- arbeiksminisker erhoffen die christlichen Gewerkschaften, daß es ihm gelingen werde, die letzten Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die der Erfüllung dieses Wunsches im Wege stehen.

aber gut gewesen.Wir flogen," sagte Kapttan vegmann, meistens etwa 1000 bis 1500 Fuß hoch und haben 1100 Kilometer in zehn Stunden zurückgelegt. Eines unserer interessantesten Erlebnisse war der.Flug über Wembley, wo wir auf etwa 200 Fuß Heruntergingen und über dem Boden zum Stillstand kamen." Der Flug über Wembley sei, wie der Kapitän ausdrücklich betonte, auf Einladung von britischer Seite erfolgt. Der Zeppelin habe zweimal London umkreist und dann in Cardington eine der besten Landungen gemacht, die er erlebt habe.Wir sind," schloß Kapitän Lehmann,14 Minuten zu früh angekommen; das zeigt Ihnen, daß wir uns an unseren Fahrplan ge­halten haben."

Die Rückfahrt nach Deutschland.

Nach einem Aufenthalt von etwa einer halben Stunde stiegGraf Zeppelin" wieder zu seiner Rückfahrt nach Deutschland auf.Lebt wohl! Ich hoffe, ,.R. 100" bald in Friedrichshafen zu sehen!" mit diesen Worten verab schiedete sich Dr. Eckener von seinen englischen Freunden, als er das LuftschiffGraf Zeppelin" zur Heimfahrt nach Deutschland bestieg. Mehrere Stunden lang hatte Dr. Eckener die Luftschiffwerke von Cardington besichtigt und sich über das von ihm Geschaute höchst befriedigt geäußert. Er hätte, so erklärte er, von der in Cardington geleisteten Arbeit die besten Eindrücke gewonnen und sei auch von der guten Bergung desGraf Zeppelin" außerordentlich be­friedigt.Ich glaube," so schloß Dr. Eckener,wir werden in der Lage sein, mindestens ein Jahr lang uns Versuche zu sparen^ wenn wir auf der Grundlage arbeiten, die ich heute geprüft habe. L u f t s ch i f s r e i s e n müssen in­ternationalsein. Für geringe Entfernungen ist das Luftschiff wertlos. Eine Zusammenarbeit zwischen uns allen ist wesentlich. Deutschland. Großbritannien und Amerika müssen Zusammenarbeiten, und ich sehe im Geiste bereits eine K e t t e v o n L n f 1 s ch i f f st a t i o n e n mit gleichmäßigen Einrichtungen, so daß unsere Lustschisse an den Masten eines jeden Landes verankert werden können."

Für die Rückfahrt nahm das Luftschiff über ein Dutzend neuer Passagiere an Bord. Das Kommando über das Luftschiff übernahm Dr. Eckener. Gerade als der Zep­pelin sich zu erheben im Begriff war, begann ein leichter Regen zu fallen. Dr. Eckener, der in der vorderen Kabine stand, gab den Befehl zum Lockern der Taue, und die Hun­derte von Männern, die das Schiff niederhielten, ließen die Taue langsam los. Das Luftschiff stieg sofort in die Höhe. In majestätischem Aufstiege überflogGraf Zeppelin" die Hauptstadt. Die Straßen im Osten Londons waren von Tausenden von Menschen erfüllt, als das Luftschiff die Kathedrale von St. Paul umkreiste und dann die Themse Überfuhr. Es folgte dem ^.ufe des Flusses bis zum Parlamentsgebäude und kreiste dann abermals über der City. Ein das Luftschiff begleitendes Flugzeug sah an der Seite des großen silbernen Riesen wie eine Mücke aus. Die Buchstaben und Zahlen sowie der Name Graf Zeppelin" an der Spitze des Luftschiffes waren von den Menschen auf den Dächern leicht zu erkennen.Graf Zeppelin" nahm dann Kurs aus die Küste und verschwand schließlich in den grauen Wolken des Abendhimmels.

Glatte Landung in Kriedrichshafen.

Graf Zeppelin" ist Sonntag morgen 6 Uhr 42 Min. glatt in Friedrichshafen gelandet, nachdem es schon um 4 Uhr 40 Min. über Friedrichshafen eingetroffen war. Da die Landemaunschaft aber für sieben Uhr bestellt war, unternahm das Luftschiff noch eine Fahrt über dem Bodenseegebiet, welche zwei Stunden dauerte. 6.40 Uhr fielen die Haltetaue und 6.42 Uhr war die Landung glatt bei leichtem Nebel vollzogen.

Am 30. April wird programmäßig die Schweizerfahrt ausgeführt. Wie Kapitän Lehmann weiter erklärte, hat Dr. Eckener den Start zur Südamerikafahrt nun endgültig auf den 18. Mai festgesetzt.

Zum Attentatsversuch auf König Alfons

30 Verletzke bei Sympathiekundgebung für den Verurteilten.

Barcelona, 28. April. Der vom Kriegsgericht unter der Beschuldigung, einen Mordversuch gegen König Alfons unter­nommen zu haben, verurteilte Katalane Jaques Compte ist in Barcelona eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von einer zahlreichen Menge begrüßt, die die Polizeikette zu durch­brechen versuchte. Die Polizei machte van der Waffe Ge­brauch. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem 30 Per­sonen, darunter Compte selbst, leicht verletzt wurden.

Um die Regelung der Ostreparationen

Paris, 27. April. Der Ausschuß zur Regelung der Ost­reparationen hielt am Sonnabend 22 Uhr noch eine Sitzung ab, um dem tschechischen Außenminister B e n e s ch Gelegen­heit zu geben, vor seiner Abreise die zwischen der Tschecho­slowakei und Ungarn geschlossenen Abkommen zu unterzeich­nen. Die weiteren Unterschriften werden am heutigen Mon­tag geleistet. Da der englische Text noch nicht fertiggefteilt ist, dürften die Abkommen zunächst nur in französischem Text unterzeichnet werden. Außenminister Benesch hat sich nach Genf begeben. wo er den Vorsitz im Sicherheitskomitee führen wird.

Höllenmaschine in der Warschauer Sowjetbotschaft?

Warschau, 27. April. Der Hauswart des Hauses, das an die Sowjetgesandtschaft in Warschau angrenzt, entdeckte am Sonnabend nachmittag im Trevpenflur eine verdächtige Glühbirne, die durch den Leitungsdraht mit dem Dach ver­bunden war. Die von ihm herbeigerufene Untersuchungs- behörde hat festgestellt, daß die Leitungsdrähte aus das Dach der Sowjetgesandtschaft Übergängen und mit einem im Schornstein ausgehängten Paket verbunden waren, das mit einem Uhrenmechanismus versehen war. Da der Verdacht bestand, daß es sich um ExplosioNsmaterial handelte, wurden diese Gegenstände forkgeschafft und einer genauen Untersu­chung unterzogen.

Nachdem der Sowjetgesandte seine Zustimmung zur Ausdehnung der Nachforschungen auf seine Räume 'erteilt hatte, fand man die elektrische Leitung im Kamin des Ge- sandschaftsgebäudes an einem dort befindlichen Metallkörper angeschlossen. Das im Schornstein der Sowjetgesandtschaft gefundene Paket löste sich beim Wegtransportieren und fiel auf den Grund des Schornsteins. Um es heraus,zunehmen, mußte die Grundmauer des Schornsteins durchbrochen wer­den. Bei näherer Untersuchung hat sich herausgestellt, daß es sich um ein 70 Zentimeter langes und 18 Zentimeter breites Stahlrohr handelt, das von einer dunklen Masse aus­gefüllt ist. Das Rohr war mit einem elektrischen Zünder ver­sehen. Der Gegenstand wurde den Militärbehörden zur Prüfung übergeben. Die Untersuchung wird äußerst energisch durchgeführt. In dem »Hause. das an die Sowjetgesandtschaft angrenzt, wurden in sämtlichen Wohnungen Haussuchungen oorgenömmen. .............

Revision des Washingtoner Abkommens

über den Achtstundentag?

Paris, 27. April. Auf den Antrag der Freien Stadt Danzig um Aufnahme in das Internationale Arbeitsamt beschloß der Verwaltungsrat, vom Ständigen Internatio­nalen Gerichtshof ein Gutachten zu erbitten, ob auf Grund der besonderen rechtlichen Stellung Danzigs diese Stadt MMüUkst Mitglied besH^nternatümcrtnrKiTO^^ wer­den kann. Weiter stellte der schwedische Vertreter den Antrag aus Revision des Abkommens über den Achtstundentag, da­mit man einer größeren Anzahl von Staaten seine Ratifi- zierung ermöglichen kann. Die Entscheidung über diese Frage wurde aber bis zum Juni vertagt. In der Debatte hatte der englische Vertreter erklärt, am Montag Angaben über die Möglichkeit neuer Ratifizierungspläne der englischen Regie­rung machen zu können. Der deutsche Vertreter, Regierungs­präsident Weigert, erklärte sich mit einer Vertagung der Diskussion des Abkommens über die Aufhebung der entgelt­lichen Stellenvermittlungsbureaus einverstanden.

Gchiffszusammenstoß in der Nordsee.

Ein Mann ertrunken.

Der amerikanische DampferPresident Harding" ist in der Nähe von Helgoland mit dem englischen Kohlen- dampferKirkwood" zusammengestoßen. DieKirkwood" ist gesunken. Nach dem Eintreffen des DampfersPresi­dent Harding" im Hamburger Hafen wurde festgestellt, daß das Vorschiff zu beiden Seiten große Löcher aufweist. Der Steven, der den Hauptwiderstand auszuhalten hatte, ist an mehreren Stellen schwer eingebeult. Ob sich Schäden unter der Wasserlinie befinden, muß erst die Taucherunter­suchung ergeben. Sachverständige der Werft von Blohm u. Voß sind zurzeit bei der Arbeit, um festzustellen, ob es nötig ist, den Dampfer ins Dock zu nehmen.

Der Zusammenstoß erfolgte, als dieKirkwood" im Nebel vor Anker lag.President Harding" setzte unver­züglich Boote aus, die die 2530köpfige Besatzung des Engländers, mit Ausnahme eines Heizers, zu retten ver­mochten. Der Heizer ist ertrunken. Wie weiter bekannt wird, machte der Führer desPresident Harding" seine erste Fahrt als Kapitän. Er fuhr bisher als Erster Offi­zier auf derLevithan", Dem ehemaligen deutschen DampferVaterland".

Steuerermäßigung in Frankreich beschloßen

Paris, 27. April. Kammer und Senat haben sich kurz vor Mitternacht endgültig über die Steuersenkungs- und Sv- zialversicherungsvorlage geeinigt. Diese sind damit endgül­tig verabschiedet. Das Parlament ist bis zum 3, Juni in die Ferien gegangen.

Tritt Graf Westarp aus dem politischem Leben?

Berlin, 27. April. Nach ' der Sonnabendsitzung des deutschnationalen Parteivorstandes wurde bekannt, daß sich Graf W e st a r p mit dem Gedanken trägt, sein Reichstags­mandat niederzulegen und sich ganz aus dem politischen Le­ben zurückzuzichen. Seine Absicht dürfte in der unversöhn­lichen Haltung des Parteivorstandes zu suchen sein, durch dessen einseitige Haltung die Gegensätze derart verschärft wurden, daß der Zerfall der Partei kaum noch vermeidbor erscheint.

Sprengunglück bei Preßburg.

Preßburg. Bei den Arbeiten hn Etsenbahnlunnel unter dem Berge Bradlo kam eine Dynamitpatrone vorzeitig zur Explosion. Zwei Arbeiter wurden getötet, drei schwer verletzt.