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HersfelöerTageblatt

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Herssel-er Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfel-

mit den Beilage«: SllustrlerleL Auterhattougsblalt / Nach Ueterabevb / Herd a«S GÄvllr , Beledruag sub Kurzweil / WiettSsAllGL Zagestroge«

Nr. 97

«Elftes Statt)

Gonnabend, den 26. April 1930

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Auterbaltsoo aaS Witte«

80. Jahrgang

der MWitimle« Portei

Deuischnationaler parieivorsiand verhandelt.

Hugenberg spricht.

Freitag begann in Berlin die in allen politischen Kreisen mit höchster Spannung erwartete Tagung des deutschnationalen Parteivorstandes. Diese Tagung soll entscheiden über die für die Politik der Partei in Zukunft einzuhaltende Richtung, nachdem bei-den letzten wichtigen Entscheidungen über das Agrarprogramm und die Deckungssragen im Reichstage sich die Fraktion insofern gespalten hatte, als ein Teil der Mitglieder den durch den der Partei zugehörigen Reichsminister Schiele vertretenen Plänen beitrat, während der andere Teil sie mit dem Parteiführer, Geheimrat Hugenberg, ablehnte. Dieser Zwiespalt soll, wenn es möglich ist, ausgeglichen werden. Dr. Hugenberg hielt das die Verhandlungen einleitende längere Referat, bei dem er einen Überblick über die Vor­gänge der letzten Wochen gab und seine Auffassungen vertrat.

Der Parteivorstand war aus dem ganzen Reiche mit fast dem Gesamtbestande von 95 Personen versammelt. An die Rede Hugenbergs und die Gegenreferate des Grafen W e st a r p und des Abgeordneten W a l l r a f schloß sich eine ausführliche Diskussion, die sich bis in die Abend­stunden hineinzog. ~ '

Der Deutschnativnale Parteivorstand steht hinter Hugenberg

Opposition und Ablehnung der Verantwortung gegenüber dem Kabinett Brüning.

Lerliu,

-------- MG Der MMMiM M ^Öte' tionalen Volkspartei hat am Schluß seiner Sitzung am Fkei- tag abend mit mehr als vier Fünfteln Mehrheit des nahezu vollständig besetzten Vorstandes folgende Entschließung gefaßt:

Der Parteivorstand spricht dem Parteiführer Dr. Hu- g e n b e r g und dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, Dr. Oberfohren, feinen Dank für ihr unbeirrtes Fest­halten an den auf dem Kasseler Parteitag und in der Vor-

siandssitzung vom 8. April ausgestellten Zielen und Richt- linien aus. Er hält es für selbstverständlich, daß sie die Füh­rung von Partei und Fraktion keinesfalls vor Ablauf der Wahlzeit aufgeben. Ihrer Führung und dem geschlossenen

Lvaytzeit aufgeven. ygrer Führung und dem gejcylc Eintreten der Reichstagsfraktion für die Agrargesetze ist es zu- zuschreiben, daß deren Vorlage und Annahme entgegen widerstrebenden Teilen der Regierungsmehrheit noch, vor Ostern durchgesetzt wurde.

Mit diesen Notstandsmaßnahmen sind jedoch die Vor-

Ende der Reparationskommission.

Geschäftsilbernahme durch die Internationale Bank.

Das Ende der Reparationskommission steht bevor. Im Pariser Außenministerium trat das im Schlußprotokoll Der Haager Konferenz vorgesehene Sonderkomitee für Überleitung der Funktionen der bestehenden Organe des Dawes-Plans auf die Internationale Zah­lungsbank zusammen. Es handelt sich darum, die juristischen, verwaltungstechnischen und finanziellen Be- Vingungen festzulegen, unter denen diese Überleitung vor- genommen werden wird. Das Sonderkomitee wird als Aufgabe haben, erstens die Rechnungslegung des General­agenten für die Reparationszahlungen während der Über­gangsperiode vom 31. August 1929 bis 1. Mai 1930 zu billigen, zweitens die früheren Schuldverschreibungen Deutschlands zu vernichten, drittens die Bestimmungen für den Übergang der Befugnisse der Reparations- kommission auf die Internationale Zahlungsbank festzu­setzen.

Inzwischen wird die Ratisizierung des Young- Plans durch die noch ausstehenden Regierungen (England und Italien) es der Internationalen Bank ge­statten, offiziell in Tätigkeit zu treten und die Stelle der Reparationskommission für die Verwaltung der deutschen Schuld einzunehmen.

Ein Ehrentag für Dr. Ebener in London

London, 26. April. Der deutsche Botschafter S t h a m e r gab gestern in der deutschen Botschaft ein Frühstück zu Ehren Dr. E ck e n e r s, an dem u. a. der Minister für Flugwesen, Lord Thomson, Sir Sefter Brancker, Sir John Higgins und der Präsident der Royal Aeronautical Society, der Master of Sempill. teilnahmen.

Der Staatsminister für das Luftfahrtwesen, Lord Thomson, gab abends zu Ehren Dr. Eckeners im Ritz- Hotel ein privates Essen, an dem der Unterstaatssekretär für Luftfahrt, der Chef der Luftstreitkräfte, der Chef des Stabes der Luftstreitkräfte, der Airvicemarshal, der Direktor für Zi­villuftfahrt und der Master of Sempill teilnahmen.

aussetzungen für eine Rettung der Landwirischafk noch nichi erfüllt. Mit dem Parteivorsitzenden ist der Parteivorstand der Auffassung, daß eine endgültige Behebung der Notlage der Landwirtschaft wie der Wirtschaft überhaupt viel tiefer­greifende und zum Teil andersgeartete Maßnahmen fordert. Die vom Kabinett verkündete Kontinuität der Handels­politik (polnischer Handelsvertrag, Genfer Vereinbarungen usw.) steht einer wirklichen Sanierung der Wirtschaft ebenso im Wege wie die Fortdauer der marxistischen Vorherrschaft in Preußen.

Der Zustand, daß die Vollstreckungsmaßnahmen der öffentlichen Kassen, insbesondere auch der Preußenkasse, den Landwirt von Haus und Hof vertreiben, ist Selbstmord um eigenen Volk und muß vor allem anderen beseitigt werden.

Wir stehen in Opposition gegen dieses Kabinett, das, ohne und gegen uns gebildet, zur Forführung der bisherigen Tribut- und Handelsvertragspolitik entschlossen ist. Wir können keinerlei Mitverantwortung für seine Politik über­nehmen. Diese Oppositionsstellung und die gegebene Lage verlangt unbedingte Zusammenarbeit von Partei und Frak­tion und geschlossenes Auftreten bei den entscheidenden Par­lamentsabstimmungen. Die Verkoppelung der Agrarmaß- nahmen mit der Bewilligung der durch die Mißwirtschaft der Großen Koalition erforderlich gewordenen Steuern war sach­lich nicht begründet. Die Regierung war, auch wenn sie bei den Steuergesetzen in der Minderheit blieb, durch ihre Er­klärung und das Wort des Reichspräsidenten an die Hilfs­maßnahmen für die Landwirtschaft gebunden. Nach den Satzungen legt der Parteivorstand die Richtlinien für die politische Gesamthaltung der Partei fest. Es bleibt dem Ent­schlüsse der Partei- und Fraktionsführung überlassen, in be­sonderen Ausnahmefällen eine abweichende Stellungnahme zuzulassen."

Zur Frage des

Reichsschulgesetzes satzte her Parteivorstand einstnnm'' folgende Entschließung:

* 'T^er-^arteiimv^ freit orsUmintestsn^iMÄLE- gegen die Erklärung des dem Zentrum angehörigen Reichs­innenministers Wirth im Bildungsausschuß des Reichs­tages, mit der sich Herr Wirth auf denselben ablehnenden Standpunkt zum Schulgesetzantrag der deutschnationalen Reichstagsfraktion wie fein sozialdemokratischer Vorgänger Severing stellte. Der Parteivorstand sieht darin einen Be­weis dafür, daß die Regierung Brüning aus Rücksicht auf die Sozialdemokratie nicht daran denkt, die Hand zum endlichen Zustandekommen eines Reichsschulgesetzes, wie es die christ­liche Bevölkerung aufs dringlichste fordert, zu bieten. Um so mehr erwartet er von den parlamentarischen Fraktionen, daß sie nichts unterlassen, um die Inangriffnahme der Be­ratung des Schulgesetzantrages zu erzwingen und darüber hinaus sowohl im Reichstag als auch in den Landtagen nach allen Richtungen im Sinne großzügiger christlicher und deut­scher Kulturpolitik tätig werden."

Der neue apostolische Nuntius in Berlin,

Monsignore Orseutgo <Mitte), traf zur Übernahme seines Amtes am 25. April in der Reichshauptstadt ein, wo er aus dem Bahnhof von dem Bischof von Berlin, v. Schreiber (rechts), dem päpstlichen Nuntiaturral Monsignore C e n t o z (links) und dem Chef des Proto­kolls des Auswärtigen Amtes, Grasen Tattenbach (im Hintergründe), dem Vertreter der Reichsregierung, begrüßt wurde.

Chinesische Munitionsbestellungen in Europa und Amerika.

Nanking. Die hiesigen Behörden haben in Erfahrung gebracht, daß gegnerische chinesische Mtlitärvcrbünde größere Mengen Munition in Europa und in Amerika bestellt haben.

gebracht, daß gegnerische chinesische Militärverbünde gröst Mengen Munition in Europa und in Amerika bestellt haben. Es sind Vorkehrungen getroffen worden, um die Sendungen zu beschlagnahmen, sobald sie tu chinesische Gewässer gelangen.

Der Aufstand in Indien.

Peschawar für Europäer verboten.

Die besorgniserregenden Nachrichten aus den indischen Unruhegebieten haben sich vermehrt. Die Stämme an der Nordwestgrenze benutzen die günstige Gelegenheit des Auftretens Gandhis, den Engländern in einem Augenblick Schwierigkeiten zu machen, in dem sie ihre Truppen in den Großstädten des Südens besser brauchen könnten. Ein Teil der englischen Presse behauptet, daß eine teilweise Zensur über die Nachrichten aus dem indischen Unruhe­gebiet eingerichtet sei. Allen Europäern ist das Betreten der Stadt Peschawar verboten worden.

Aus L a h o r e trafen Meldungen ein, wonach feind­liche Stämme von Kohat her nach Peschawar unterwegs seien, um die Stadt zu plündern. Flugzeuge und Panzer­wagen wurden alsbald abgesandt. Sie fanden, daß die Telegraphenleitungen an verschiedenen Stellen zerschnitten und die Brücken verbarrikadiert waren, konnten aber keine Spur von den Stämmen entdecken. Es wird angenommen, daß die Stämme glaubten, Peschawar sei in den Händen Der Aufständischen, und daß sie umkehrten, als sie erfuhren, daß die britischen Truppen die Stadt halten. Bei den Unruhen vom 23. April wurden an verschiedenen Stellen die Telegraphendrähte zerschnitten. Die Unruhen wurden durch ein Bataillon britischer Infanterie, Gurkhas und eine Kompagnie Panzerwagen unterdrückt. Die Truppen hatten drei Tote und acht Verwundete. Die Geschäfte ruhen in der Stadt. In den Eingeborenenvierteln sind die britischen Truppen jetzt von Gurkhas abgelöst worden.

Zwischen streikenden indischen Arbeitern der Gold­grube von Vorgaun und eingeborenen Truppen kam es nach Meldungen aus Bombay zu einem schweren Zu­sammenstoß. Eine große Menge Streikender versuchte, Zutritt zu der Bolaghat-Grube zu erlangen, und bewarf die Polizei und die eingeborenen Truppen, die die Grube bewachten, mit Steinen. Versuche, die Streikenden zum Auseinandergehen zu veranlassen, mißlangen, worauf die Polizei das Feuer eröffnete. 20 Streikende blieben auf dem Platz.

Der indische ^awf geht weiter

Simla, 26. April. Patles, der bekanntlich seine Würde als Präsident der Gesetzgebenden Versammlung niedergelegt hat, richtete an die Bevölkerung Indiens eine Botschaft, in der er sie im Sinne Gandhis aufgefordert, alle ausländischen Stoffe von sich zu werfen, auf indischen Handwebstühlen gefertigten Stoff zu tragen und für den Erfolg der natio­nalistischen Bewegung zu beten.

Es ist beabsichtigt, Patles am nächsten Sonntag vor feiner Abreise nach A l l a h a b a d, wo er mit Motilal Zu­sammentreffen wird, in einem großen Umzug durch die Ba- zarstraßen von S i m l a zu geleiten.

*

Kalkutta, 26. April. 2000 Landleute versammelten sich abends in einem Dorf bei Diamond Harbour, wo Salz her­gestellt wird. Die Polizei erklärte die Versammlung für un­gesetzlich und befahl der Menge, sich zu zerstreuen. Das ver­sammelte Volk warf Steine gegen die Polizei, wobei 16 Be­amte verletzt wurden. Die Polizei erwiderte mit Schrot- schüssen; drei Landleute wurden verwundet.

Im Laufe des gestrigen Tages ist der Generalsekretär des Nationalistischen Kongresses, Sriprakatfch in Benares wegen Verstoßes gegen das Salzmonopol verhaftet worden.

Die Ostreparaiionen.

Einigung in Paris.

Die Verhandlungen, die in Paris über die Ost­reparationen geführt werden, haben zu einer grundsätz­lichen Einigung geführt. Nach einer ausgegebenen Havas- Rote steht die Unterzeichnung folgender Dokumente bevor:

1. Ein Abkommen über die ungarischen Vertrags­verpflichtungen, also über die ungarischen Reparationen. 2. Ein allgemeines Abkommen zwischen den Gläubiger­mächten und Ungarn. 3. Ein Abkommen über den Agrar- fonds in Höhe von 240 Millionen Goldkronen. 4. Ein Abkommen zwischen Frankreich, Großbritannien, Italien, Rumänien, der Tschechoslowakei und Südslawien zur Schaffung des Sonderfonds in Höhe von 100 Millionen Goldkronen, nus dem die von dem Gemischten Schieds­gericht gegen die rumänische, die tschechoslowakische und die südslawische Regierung etwa zu erlassenden Urteile auf Entschädigungszahlung an Ungarn bestritten werden sollen.

Bei Zustimmung Ungarns können die Arbeiten der Konferenz am Sonnabend abgeschlossen werden, denn der ungarische Gesandte in Paris ist mit den notwendigen Vollmachten ausgestattet, so daß die Unterzeichnung nicht verzögert zu werden braucht.

* i / -kIä v

Brennendes Schiff 16 Matrosen ertrunken

len New Lhames'

Stamford (Connecticut), 26. April. Der Hork und Bridgeport verkehrende Frachtdamp geriet nachts in Brand. Das Feuer hatte mehrere Explo- Zonen im Gefolge. Der Dampfer wurde an einer seichten Stelle auf Grund gesetzt. Von den 28 Mann der Besatzung

> vtelle auf Grund gesetzt. Von den 21 I «tranken sechs, zehn werden vermißt.