HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Yersfel- mir bea Beilagen: Illnftrtertes AnterhattnagSblatt / Nach Feireabenö / Herd and Schotte / Auterbaltuvg a«d Wisse« Belehrung and Karrweil / Wirsschattliche Tagesfrage«
: die tlnfpattlge Petttzelle 15 Pfennig, He 50 Pfennig. (Srunüschrlst Korpus), langen wird ein entsprechender Preis- ig verant- echer Nr. ö
Nr. 96 Freitag, den 25. April 1930 80. Jahrgang
Blutige Tage
Die indische Bewegung.
Maschinengewehre in Tätigkeit.
Schon seit einiger Zeit wurde gemeldet, daß die durch einen großen Teil Indiens gehende Bewegung sich nun auch im Nordwesten von Indien und besonders in der wichtigen Stadt Peschawar bemerkbar gemacht habe. Die Unruhe hat nun zu einem fast an eine Schlacht erinnernden Ausbruch geführt. Den Anlaß bildete die Verhaftung mehrerer Freiwilligen, die sich Verstöße gegen das Salzmonopolgeseh zuschulden kommen ließen. Als die Polizei die Verhafteten abtransportieren wollte, wurde sie von einer großen Menschenmenge mit Steinwürfen angegriffen. Zwei Panzerwagen, die der Polizei zum Schutze beigegeben waren, aber Anweisung hatten, nicht zu schießen, wurden von der Menge mit Petroleum über- gossen und in Brand gesteckt. Die beiden Führer der Panzerwagen sind dabei ums Leben gekommen. Nachdem die Menge einen Angriff auf die Polizeiwache und das Postamt unternommen hatte, wurden zur Unterdrückung weiterer Ausschreitungen Truppen aufgeboten. Erst mit Hilfe von Maschinengewehren konnte die Ruhe einiger- matzen wiederhergestellt werden.
Die genaue Zahl der Opfer dieser Zusammenstöße steht noch nicht fest. Nach den offiziellen Angaben sollen 20 Personen getötet worden sein. Panzerwagen durchziehen die Straßen. In Madras ist es gleichfalls zu Unruhen gekommen, die aber nicht so ernster Natur waren wie in Peschawar.
Sie Entschädigung für Deutschland.
OrHanisa 1 ion der P I. Z
Als Stellvertreter des französischen Generaldirektors Q u e s n a y der in Basel begründeten B. J. Z., der Internationalen Reparationsbank, wurde in der Mittwochsitzung der deutsche Reichsbankdirektor Dr. Hülse gewählt. Offenbar sollte mit dieser , Wahl der unangenehme Eindruck verwischt werden, den "gerade die Ernennung eines Franzosen zum Generaldirektor gemacht hatte.
Die Verteilung der Arbeiten soll so stattfinden, daß dem Generaldirektor Quesnay das Generalsekretariat untersteht, das wiederum in drei Abteilungen zerfällt: 1. die Bankabteilung, 2. die Trusteeabteilung, der die Besorgung der Reparationsangelegenheiten obliegt, 3. die Abteilung Buchhaltung.
Dem stellvertretenden Generaldirektor Dr. H ü l s e werden unterstehen die Jnvestmentabteilung, die die Frage der Kapitalanlage regeln und der die Belegung von etwa 800 Millionen Reichsmark anvertraut wird. Diese Abteilung wird besetzt mit dem Belgier Marcel van Zeeland, dem Bruder des Mitglieds des Organisationskomitees Paul van Zeeland. Zweitens untersteht Dr. Hülse die Wechselabteilung, die die täglichen Wechselgeschäfte in fremden Devisen besorgt.
Reichsbankdirektor Hülse hat bereits an den Noung- Plan-Verhandlungen in Paris und Baden-Baden teil- genommen. Ihm unterstehen bei der Reichsbank vor allem die volkswirtschaftlichen Angelegenheiten und diese Fragen werden ihn auch bei seiner neuen Tätigkeit in Basel weiter beschäftigen. Hülse ist 1881 geboren und seit 1906 im Dienste der Reichsbank.
Die Mitglieder des Verwaltungsrats der B. I. Z. haben Basel wieder verlassen.
Die Aktienausgabe.
Über die Aktienausgabe verlautet noch im einzelnen, daß die Unterbringung der 200 000 Aktien im Nennwert von je 2500 Frank in drei Abschnitten erfolgen soll. Die den sieben Hauptemissionsbanken zur Verfügung stehenden 112 000 Stück werden acht Tage nach der Ratifikation des Y o u n g - P l a n e s begeben werden. Die nächsten 12 000 Stück werden unter die Notenbanken der Schweiz, der Niederlande und Schwedens aufgeteilt, die restlichen 76 000 Stück werden später an diejenigen Notenbanken . begeben werden, die sich darum bewerben.
Die Mobilisierung der Reparationsobligationen liegt einem besonderen Ausschuß ob, der aus dem Präsidenten Mac Garrah und dem Generaldirektor Quesnay besteht und dem noch die Verwaltungsratsmitglieder Reichsbankpräsident Dr. Luther, Montagu Ror- man, Franqui und Brincard angehören. Der Ausschuß wird bis zur endgültigen Beschlußfassung die ganze Angelegenheit in Verbindung mit verschiedenen Banken- gruppen prüfen.
Schlechte Aussichten für Auswanderer
Die amerikanische Linwanderungsquote weiter herabgesetzt.
Washington, 25. April. Der Senat hat bei der Beratung des Gesetzentwurfes über die Herabsetzung der Zahl der Einwanderer aus Europa für eine Einschränkung der Einwanderung von 150 000 Personen auf 80 000 im Jahr gestimmt.
in Deschawar
Zwölf Tote bei Chittagong.
Aus Kalkutta wird gemeldet, daß bei den Kämpfen zwischen Truppen und Indern, die an dem Überfall aus das Arsenal Chittagong beteiligt waren, zwölf Inder getötet und zwei schwer verletzt wurden. Ein großer Teil der Nationalisten befindet sich jedoch noch in Freiheit.
In der Polizeistation Feni bei Chittagong wurden ein indischer Polizeioffizier. sowie drei Polizisten und zwei Eisenbahnbeamte bei der Untersuchung verdächtiger Passagiere von der wütenden Menge erschossen. In Kalkutta selbst gelang es vier im Gefängnis sitzenden Eingeborenen, ihre Wärter zu töten und zu fliehen. Bei der Überführung einer Anzahl von verhafteten Führern der Unabhängigkeitsbewegung aus dem Gefängnis zum Gerichtsgebäude kam es zu neuen Unruhen. Eine große Menschenmenge folgte dem Gefangenenwagen und bewarf ihn mit Steinen. Polizei trieb die Menge auseinander. Vorher war es bereits vor dem Gefängnis zu großen Kundgebungen gekommen. Die Ansammlungen waren auf Gerüchte zurückzuführen, wonach politische Gefangene mißhandelt worden seien.
Gandhi gegen den Alkohol.
In einer Versammlung bei dem Dorfe Bodali for» derte der Führer der Bewegung, Gandhi, in einer Rede seine Zuhörer auf, kein Kino und keinen Zirkus zu besuchen, sondern vor den Alkoholschenken Posten zu stehen. Er sagte, selbst Trunkenbolde gäben zu, daß das Trinken ein Laster sei. In einer großen Versammlung von Mohammedanern sprach der mohammedanische Führer 9Rol)ammeb^ni«ttfc&iebeMe^
Attentat auf den peruanischen
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Lima, 25. April. Vor einigen Wochen war auf den Präsidenten L e g u i a ein Attentat geplant worden. Die Tatsache, deren Bekanntwerden bisher unterdrückt wurde, ist durch die Annahme einer Protestresolution der Deputiertenkammer gegen das geplante Attentat in die Oeffentlichkeit gedrungen.
Die Regierung hat den Ausnahmezustand über die Departements Leguia, Junin, Lambayeque und über die Provinz Callao verhängt. Die Zeitungen veröffentlichen Meldungen, in denen die Verschwörung näher beschrieben wird. Als angeblicher Urheber des Attentats wird der frühere Deputierte, Dr. Manuel U r b i n a bezeichnet. Neun Personen, darunter Dr. Urbina, sind verhaftet, und eine größere Menge von Bomben und Handgranaten beschlagnahmt worden.
Der Fragebogen Briands.
Zur Paneuropa-Jdee.
Pariser Blätter erzählen, daß gegenwärtig im französischen Außenministerium die letzte Hand an den Fragebogen gelegt werde, den Briand den Regierungen bezüglich einer Vereinigung der europäischen Staaten überreichen will. Es handele sich keineswegs, wie man teilweise behauptet habe, um eine neue internationale Organisation, die an die Stelle des Völkerbundes treten solle. Auch sei keine Rede davon, den Weg für die Vereinigten Staaten von Europa vorzubereiten, die in Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Amerika treten könnten.
Die europäische Vereinigung, so wie sie Briand sich vorstelle, habe viel realistischere Ziele. Erstes Ziel würde sein, die Wirtschaftsinteressen der Mächte in Einklang zu bringen, um etappenweise zur Beseitigung der Zollschranken zu gelangen, die noch den Wirtschaftsverkehr behindern. Aus einer besseren Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet würde sich notwendigerweise ein größerer Wohlstand ergeben, der es sämtlichen Ländern Europas gestatten würde, schneller auf dem Wege ihrer sozialen Reformen voranzuschreiten. Auf diese Weise winde der Friede sämtlichen Regierungen als die notwendige und ausreichende Bedingung des materiellen Wohlergehens und der intellektuellen und moralischen Entwicklung der Völker erscheinen.
Wenn man's hört, klingt's gut. Aber einige Hindernisse dürften sich bei näherer Betrachtung des Plans leicht herausstellen. Siehe den ziemlich kläglichen Ausgang der jüngsten Flottenabrüstungskonferenz in London.
17 Todesopfer einer Gchiffsexplosisn.
Ein italienisches Motorschiff gesunken.
Das 1300 Tonnen große italienische Motorschiff „El Carlo" ist infolge einer Explosion der aus Schwefel bestehenden Ladung zwischen Kephalonia und Zanke gesunken. 17 Mann sind durch Ersticken ums Leben gekommen. Nur drei konnten lebend gerettet werde«.
Sie nächsten Ausgaben der Regierung.
Minister Treviranus über das Kabinett Brüning.
In D e t m o l d sprach Reichsminister Trevi - ra n us über das Kabinett Brüning. Der jetzige Reichskanzler habe sich wirklich bis zur letzten Stunde für die Mitverantwortlichkeit der S o z i a l-d e m o k r a t i e eingesetzt, weil das seiner innenpolitischen Auffassung entspreche. Er werde andererseits in weiten Kreisen als der ausgesprochene Vertreter sachlicher Arbeit bewertet und von den Frontsoldaten mit Recht als einer der ihren in Anspruch genommen. Die nichtsozialistischen Schichten unseres Volkes müssen unter dem Druck einer sozialdemokratischen Opposition regieren lernen. Sie werden zu beweisen haben, daß ein machtpolitischer Anspruch nicht nur Selbstbehauptungswillen, sondern auch schöpferische Kraft voraussetzt. Dann wird die Sozialdemokratie für die Zukunft einen Gegenspieler haben, der ihr selbst förderlich sein wird und unserem politischen Leben für die nächsten Jahre neuen Auftrieb geben kann. Treviranus sprach dann über die nächsten Aufgaben der Regierung, besonders über die Ost Hilfe. Auch der Westen werde ohne planmäßig langjährige Förderung der geschädigten Wirtschaft nicht bestehen können. Die Reichsregierung werde mindestens einen Fünfjahrplan ins Auge zu fassen haben, um voreiligen Hoffnungen und planloser Vergeudung von Reichs- und Staatsmitteln vorzubeugen. Ohne die Mitarbeit des gesamten Volkes werde das Gesundungswerk nicht gelingen können.
Eckener in England.
Vorbereitungen für die Landung des „Graf Zeppelin" auf Kuba.
Dr. Eckener ist, aus Newyork kommend, in England eingetroffen. In Beantwortung einer Begrüßungsansprache des stellvertretenden Bürgermeisters von South- ampton erklärte er: „Ich habe diesen Besuch schon seit - -ewiger #ert-gepfsflr*ir’sr^^ ----
eingeladen hat, die Lüftschiffe „R 100" und „R 101" zu besichtigen. Ich habe viel über sie gehört und bin sicher, daß es ausgezeichnete Fahrzeuge sind." Eckener will mit dem „Graf Zeppelin", der Sonnabend nach England fliegen soll, von Cardington nach Deutschland zurück- fahren. Er erklärte, daß er bezüglich der Zukunft der Luftschiffahrt sehr optimistisch sei, und daß für eine Luftschiffverbindung zwischen Europa und Amerika große Möglichkeiten bestünden.
Nach einer Meldung aus Havanna hat der deutsche Gesandte die kubanische Regierung um die Erlaubnis für die Landung des „Graf Zeppelin" in der Nähe der Stadt Havanna ersucht. Die zuständige Behörde erklärte, die Erlaubnis werde erteilt werden. Das Kriegsamt von Kuba hat seine Hilfeleistung in Aussicht gestellt und einen Landungsplatz sowie Betriebsstoff und Ergäuzungs- ausrüstungen angeboten, falls dieser benötigt würde.
Festessen für Dr. Eckener.
London, 25. April. Der Präsident der Royal Aeronau- tical Society, der Master of Sempill, gab im Atheneum-Club ein Essen zu Ehren Dr. Eckeners, an dem der deutsche Botschafter Sthamer, Botschaftsrat Dieckhoff und führende britische Luftfahrtsachverständige teilnahmen.
Sie nächsten Fahrten des „Gras Zeppelin"
Beginn der Südamerikafahrt am 15. Mai.
Die Mittelmeerfahrt des „Graf Zeppelin" ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Am 30. April sowie zwischen dem 5. und 7. Mai wird das Luftschiff je eine Schweizer Fahrt ausführen. Eine Fahrt nach Oberammergau und München ist zwischen dem 4. und 11. Mai vorgesehen. Der Beginn der Süd- a m e r i k a f a h rt ist auf den 15. Mai verlegt worden.
Das englische Luftschiff „A100“ beschädigt
London, 25. April. Das britische Luftschiff „R 100“ erlitt am Donnerstag, als er aus seiner Halle herausgebracht wurde, eine leichte Beschädigung. Nach einer amtlichen Mitteilung ist es während des Herausziehens durch Seitenwind gegen das Hallentor gedrückt worden. Das Luftschiff wird wieder in die Halle gebracht, um die Ausbesserungen so rasch wie möglich vorzunehmen. Der geplante Flug nach Kanada im nächsten Monat wird durch den Unfall nicht verzögert.
Hochzeit im Hause Mussolini
Rom, 25. April. In der Pfarrkirche des Heiligen Joseph wurde Donnerstag vormittag die Tochter des Regierungschefs, Edda Mussolini, mit dem Sohne des Verkehrsministers, Graf Galeaz Crano di Cortellazzo getraut. Das Diplomatische Korps, Vertreter der leitenden Behörden wie der Faschistischen Partei sowie der römische Adel waren zu der Feier erschienen. Anschließend an die Trauung fand in der Villa Torlonia ein Frühstück im Familienkreise statt, nach dessen Beendigung die Vermählten im Auto die Hochzeitsreise an- traten. Der Köng, die Königin und der Papst hatten Glückwunschdepeschen geschickt.' Ebenso waren aus dem Aus- lande zahlreiche Glückwünsche eingegangen. Die Blätter widmen dem Ereignis ausführliche, mit zahlreichen Bildern geschmückte Darstellungen.