hersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher InZeiger für den Kreis Hersfelö mit bea SeUaeen: IlluSelerieS Aaterhattoagsblatt / Nach UekradsoS / HerS anO GÄvlLs / UarekdMms miß MLÜW Selebrane vaS Korrweil / M^MGattUmr ÄasesttaaeQ
Nr. 95 ^- Donnerstag, den 24. April 1930 80. Jahrgang
——' —' 1 ............——■■■■ „—i ■ ' —-------------- ' ^..^^ ......... .....--—--
Internalionalt Bank in Basel
Sie Leitung der Reparationsbank.
Benachteiligung Deutschlands.
An dem Sitz der durch die Young-Plan-Abmachungen begründeten Bank zur Abwicklung des internationalen Zahlungsverkehrs für die Reparationen, in Basel, gelang es, wie bekannt, nicht, dem deutschen Einfluss die gebührende Stelle zu verschaffen. Die deutschen Vertreter, an ihrer Spitze Reichsbankpräsident Dr. L u t h e r , widersprachen zwar der Wahl des Franzosen Quesnay Zum Generaldirektor der Bank, wußten aber im voraus, daß sie damit ganz vereinzelt blieben. Ein anderer Kandidat als^ Quesnay war überhaupt nicht vorgeschlagen. Ein schwacher Trost für Deutschland ist es, wenn bei der Wahl
Pierre Quesnay, Mac Garrah,
Der Direktor der Präsident des Verwaltungs-
der Internationalen Bank. rats der B. I. Z.
der Vizevorsitzenden des Verwaltungsrats ein Vertreter Deutschlands, Dr. Melchior, und ein Vertreter Englands, Sir Charles Addis, gewühlt wurden. Es handelt sich dabei nur um ein Ehrenamt für den Vertretung^fall, nicht um eine Stellung, die wesentlichen Einfluß auf die Geschäfte der Bank gibt. ,.
Ohne in nationalistischen Übereifer zu verfallen, hatte man die Berufung eines deutschen Leiters in das oberste und ausschlaggebende Amt der Bank wohl erwarten dürfen. Denn diese Reparationsbank ist in der Hauptsache dazu bestimmt, die Geschäftsabwicklung zweier Mächte untereinander zu regeln — Frankreichs und Deutschlands —, wobei der erstere etaat den empfangenden, der letztere den gebenden Teil darstellt Um das deutsche Vertrauen in die glatte und wohlwollende Abwicklung der Reparationen zu stärken, wäre wohl lerne Geste geeigneter gewesen als die Berufung eines Deutschen statt Ouesnays. Die Gläubigermächte scheinen das nicht erkannt zu Haben.
Die Organisation der B.J.Z.
Ein Vier-Klassen-System. — Nächste Verwultsrakssitzung am 12. Mai.
Basel, 24. April. Der Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schloß seine erste inoffi-
©Zieles Forderungen.
Die Ausführung des Agrarprogramms.
In der letzten Sitzung des Reichskabinetts vor Ostern wurde bekanntlich der Zoll für Weizen und Braugerste, ebenso für Erbsen auf je 15 Mark erhöht nach den Vorschlägen des Ernährungsministers Schiele. Die Erhöhung tritt am 25. April in Kraft.
Weitere Vorschläge, über die vorläufig noch nicht entschieden wurde, bezweckten eine Heraufsetzung der Werte für Einsuhrscheine der Roggen won 6 auf 9 Mark, bei Hafer von 6 aus 9 Mark, bei Braugerste von 6,50 auf 9 Mark, bei der Futtergerste von 6,50 auf 9 Mark, bei den Müllereierzeugnissen auf die Höhe des jeweils geltenden Getreidezolles, bei Schweinen und Schweinefleisch ebenfalls bis zu dem jeweils geltenden Zollsatz. Ferner wurden Einsuhrscheine für Rindvieh und Rindfleisch sowie für Schafe und Schaffleisch gefordert, desgl. für Kartoffelstärke und Erzeugnisse aus diesem Produkt. Das Kabinett will die Vorlage Schieles soweit es nicht sofort zugestimmt hat, nämlich bei Weizen und Gerste, sofort nach den Osterferien behandeln. _______
staselager zur Stützung desMilchmarttes.
Finanzielle Reichshilfe für die Milchwirtschaft.
Im bayerischen Landwirtschaftsministerium in München fand unter Leitung von Landwirtschaftsminister Dr. Fehr eine Aussprache von Vertretern der bayerischen Milchwirtschaft mit dem vorüberLebend in München
Stelle Sitzung am Mittwoch ab. Die Bank wird ihre Tätigkeit offiziell erst dann aufnehmen können, wenn die notwendigen Ratifikationen des Youngplans vorliegen. Beschlossen wurde prinzipiell, jeden zweiten Montag eines Monats eine Sitzung des Verwaltungsrates abzuhalten. Falls die notwendigen Ratifikationen bald eintreffen, würde die nächste Sitzung aml2. Mai in B a s e l stattfinden.
Das Personal der Bank wird in vier Klassen eingeteilt. Die erste Klasse wird gebildet vom Verwaltungspräsiden- ten M a c G a r r a h und dessen Stellvertreter Fräser, die zweite Klasse setzt sich zusammen aus dem Generalmanager Pierre Quesnay und dessen Stellvertreter, Reichsbankdirektor Huelsr. Unter dem Generalmanager befindet sich gleichsam als dritte Klasse, der auch die Abteilungsleiter angehören, Generalsekretär P i l o t t i, dem das Trust-Departement unterstellt ist, das sämtliche Reparationsfragen behandelt. Direktor Huelse untersteht das Departement der Kapitalsanlage, das insofern große Bedeutung hat, als die Bank rund 1000 Millionen Franken zu plazieren hat. In die vierte Klasse werden sämtliche übrigen Angestellten der Bank eingereiht. Direktor Huelse ist überdies Vorsteher des Wechseldepartements und überwacht die Umwandlung von einer Valuta in die andere. Hinsichtlich des Emissionskurses und des Zinsfußes für die Anleihen der B.J.Z. im Betrage von 300 Millionen Dollar ist noch nichts beschlossen worden. Nach den Statuten sind die Verwaltungsratsmitglieder auf drei Jahre gewählt und jeweils wieder wählbar. Die Dauer der Amtsbefugnisse des Generaldirektors und der übrigen hohen Beamten wird später durch besonder Verträge festgesetzt.
*
Frankreichs Erfolg.
Für vas Reitern seiner Ansprüche aus Der Londoner Flotienkonferenz erhielt Frankreich in Basel ein Pflaster auf die entstandene Wunde: einer seiner Vertreter bei den Pariser Verhandlungen über den Poung - Plan, Pierre Q u e s n a y , Direktor der Bank von Frankreich, ist zum Generaldirektor der Internationalen Reparationsbank in Basel gewählt worden. Der erst 36jährige stieß dabei nur auf demschen Protest im Verwaltungsrat der Bank. Denn es machte auf die Gegenseite keinen Eindruck, daß dort der deutsche ReiÄsbankvräsident Dr. Luther darauf verwies, durch die Mbl eines Franzosen in das wichtige Amt des Generaldirektors werde die durch das Bankstatut bewußt gewallte Parität zwischen Deutschland und Frankreich unbedingt zerstört. Dieser deutsche Widerstand gegen Quesnay ist schon seit langem erhoben worden und hat selbstverständlich nicht den geringsten „nationalistischen" Anstrich, wie man sogar in — Deutschland behauptete. Vielmehr stellte man sich aus den Boden der Ansicht, der jetzt Dr. Luther Ausdruck gegeben hat, vergaß — ohne das allerdings ausdrücklich zu sagen — aber auch nicht, daß der Generaldirektor der Bank von Frankreich es war, der in der Krise der Pariser Verhandlungen über den Young - Plan aus politischen Gründen die in Deutschland angelegten französischen Kapitalien in Milliardenwert zurückzog, dadurch die Reichsbank und die Golddecke der Reichsbank schwer gefährdete und bie deutsche Regierung mit diesem Druck zum Rachgeben zwang. Man wird sich also auch über das künftige Verhalten des neuen Generaldirektors deutscherseits kaum irgendwelchen übertriebenen Illusionen hingeben dürfen!
weilenden Reichsernährungsminister'S ch r e l e statt. Für sehr bemerkenswert erklärte der Reichsminister den Gedanken, die Marktverhältnisse auf dem Milch- und Käsemarkt dadurch zu regeln, daß eine gößere Menge Weichkäse aus dem Markt genommen und ein gelagert wird. Für den Fall, daß die Beteiligten eine solche Maßnahme durchführen, stellte er finanzielleHilse durch das Reich in Aussicht. Die Landwirtschaft müsse sich bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen mehr die kooperativen Methoden zu eigen machen, er werde sein möglichstes-tun, der Milchwirtschaft in ihrer bedrängten Lage zu helfen. Staatsminister Dr. Fehr dankte dem Reichs- minister fü ■ seine Ausführungen und wies noch besonders darauf hin, daß Maßnahmen zur Regelung des inneren Marktes organisch von unten wachsen müßten und daß die Reichshilfe hierbei nicht zu entbehren sei.
Der Dienst am 1. Mai.
Die Regelung in Preußen.
Das Preußische Staatsministerium hat beschlossen, -daß für die Regelung des Dienstes a m 1. Mai die Bestimmungen des Jahres 1923 auch für das laufende Jahr und b:s auf weiteres gelten. Veanite, Angestellte und Lohnempsanger, die am 1. Mai dem Dienst oder der Arbeit fernbleiben wollen, haben um Befreiung vom Dienst nachzusuchen. Solchen Anträgen ist grundsätzlich überall insoweit zu entsprechen, als dadurch die notwendige Fortführung des Diensibetriebes nicht in Frage gestellt wird. Die Freizeit ist bei Beamten und Angestellten auf den Erholungsurlaub anzurechnen. Das gleiche kann auf Wunsch bei Lohnempfängern geschehen.
Verlorenes Spiel.
Nun hat es fast vier Monate hindurch ununterbrochen internationale Konferenzen gegeben; erst war man im Haag beieinander, dann wieder mal in Genf und schließlich ging vor drei Monaten die Londoner Marineabrüstungskonferenz auf die stürmische See der internationalen Politik hinaus, — und jetzt, bei Rückkehr dieses Schiffes, wird man nicht mehr so viel Salut schießen wie damals, als es in See stach.
Wie das bei internationalen Konferenzen überhaupt meist der Fall ist, und zwar besonders dann, wenn es sich um die Frage der Abrüstung handelt, so ist auch bei dieser Londoner Marinekonferenz, wie sie offiziell heißt, wirklich nicht viel herausgekommen. Zwar pries man den Dreimächtepakt zwischen Amerika, England und Japan in klangvollen Reden, aber auch hier ging's „mit gedämpfter Trommel Klang". Denn die beiden anderen, Frankreich und Italien, haben zwar das Protokoll der Konferenz unterschrieben, sich aber nicht entschließen können, mit den anderen drei Mächten zu einem Gesamtpakt der Fünf zu gelangen. Die Sache sieht nun so aus: Ein Teil des Londoner Vertrages, nämlich die Abmachungen über die Einstellung des Neubaues von Panzerschiffen bis 1936 und über die Einschränkung der Tonnage und der Ausrüstung von U-Booten und Spezialschiffen, sind von allen fünf Mächten unterschrieben, die Zahlenbegrenzungen für die Kreuzer, Zerstörer und U-Boote werden aber nicht von Italien und Frankreich
Bildtelrgramm aus London:
Schlußsitzung Der Londoner Flottenabrüstungskonserenz. Die Schlußrede hielt der englische Ministerpräsident , Macdonald (rechts stehend).
gebilligt. Hingegen sind die Vereinbarungen über die Behandlung von Kauffahrteischiffen durch U-Boote und sonstige Kriegsschiffe sowie die über das Inkrafttreten und die Dauer des Vertrages wieder von allen^ fünf Mächten angenommen worden. Außerdem haben Frankreich und Italien erklären lassen, sie würden den Neubau von Panzerschiffen und sonstigen Kreuzern „dämpfen".
Daß man allseitig aus den Neubau von Panzerschiffen verzichtete, ist ja weiter kein Wunder, denn auch die Märinesachverständigen können sich für diese „gepanzerten Massengräber" nicht mehr begeistern und außerdem kosten sie fürchterlich viel Geld, sowohl um sie zu bauen sowie um sie instand zu halten. Italien hätte sich selbst verständlich aus den gleichen finanziellen Gründen gern dem Gesamtpakt angeschlossen, tut es aber im Hinblick auf Frankreich nicht.
Wichtiger also als diese kümmerlichen Abmachungen, die kaum über die letzten Washingtoner Vereinbarungen hinausgehen, ist nun aber, daß Frankreich sein politisches Spiel auf der Londoner Konferenz verloren chat. Für Tardieu und Briand handelte es sich um einen hohen Gewinn, den sie beide durch Verweigerung jeder Nachgiebigkeit zu erpressen versuchten; mußte es doch gerade dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald unangenehm genug sein, wenn die Konferenz ergebnislos auseinanderlaufen würde. Und dieser (Stimmt hieß: amerikanisch - englisch - französisches Sicherheitsabkommen auf Gegenseitigkeit. Also sozusagen ein Wiederaufleben der Entente, wenigstens einer solchen der drei Hauptmächte. Fast war das Spiel gewonnen, schien England nachzugeben bereit, besonders in der Auslegung des Artikels 16 des Völkerbundstatuts, wodurch das Locarnoabkommen und die Sanktionsklauseln eine ganz anbere Bedeutung als bisher erlangt hätten, — aber das ist mißlungen; das Endresultat der Konferenz beschränkt sich auf rein marinetechnische Fragen und überläßt sogar die Austragung der französisch-italienischen Differenzen hierüber nur den Verhandlungen dieser beiden Mächte. Es blieb allein die Sicherheitsklausel des Dreimächteabkommens, wonach jede Änderung der europäischen Lage von England durch Schiffsneubauten beantwortet werden kann, denen dann Amerika und Japan Nachfolgen dürfen.