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kersfel-erTageblatt

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yersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö mit bea Beilage: Illvfkriertes AaterhaltvagSblalt / Nach KekrabrKö / SerS and Scholle / Anrerdallosa and Wien Belehrung snb Kurrweil / WlrttckattUM Taaesfrogea

Nr. 93 Dienstag, den 22. April 1930 80. Jahrgang

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BlutigerGstersonntaginLeiprig

Schwere llnruhen in Leipzig.

Zwei Polizeibeamte erschlagen.

Zu tumultuarischen Vorgängen, die sich anläßlich des kommunistischen Jugendtages ereigneten, teilt das Polizei­präsidium folgendes mit:

An den Aufmärschen zum kommunistischen Jugendtag beteiligten sich am ersten Ostertag rund 15 000 Personen, die zahlreiche Plakate, Transparente und Fahnen mit- führten. In einigen Fällen beschlagnahmte die Polizei Plakate mit aufreizenden Inschriften. Während bei den Umzügen verhältnismäßig Ordnung herrschte, kam es bei der Kundgebung auf dem Augustusplatz, zu der sich auch eine große Anzahl unbeteiligter Zuschauer eingefunden hatte, zu einer

schweren Ausschreitung.

Auf dem Grimmaischen Steinweg versuchten Demonstran­ten ein Auto, das vom Augustusplatz iu den Grimmaischen Steinweg einbog, aufzuhalten und umzustürzen. Es gelang den eingreifenden Polizeibeamten, dem Auto die Durchfahrt zu ermöglichen, doch wurden sie von den nach­drängenden Demonstranten angegriffen und mit Latten, Fahnenstangen usw. geschlagen. Die Polizeibeamten machten von der Schußwaffe und vöm Gummiknüppel Gebrauch. Polizeihauptmann Galle wurde durch Schlüge und Stiche so schwer getrogen, daß er tot zu- sammenbrach. Der Polizeioberwachtmeister Karte erlag einige Stunden später seinen schweren Hieb- und Stich­verletzungen. Ein weiterer Beamter schwebt in Todes­gefahr. Drei Beamte wurden zum Teil erheblich verletzt. In ihrer Notlage gaben die Beamten einige Schüsse ab. Einer der Demonstranten erhielt einen tödlichen Schuß. Außerdem wurden vier Demonstrantex verletzt. Sie würden ins Krankenhaus gebracht. Beim Abmarsch kam es nicht zu besonderen Zwischenfällen.

-^Äiä&^ LeipziL-ist ..ucl/ tzpr^H^rt,dlz Rachmittagsstunden vorliegenden Meldungen im allge­meinen bis auf gelegentliche Anrempeleien ruhig ver­laufen. Am Augustusplatz wurden morgens ausfahrenoe Streifenwagen der Polizei von Demonstranten belästigt, die sich ihrer Feststellung durch die Flucht in die anliegen­

Heute Zeppelinstart

zur Blütenfahrt nach dem Rhein.

Arredrichshafen, 22. April. Das LuftschiffGraf Zeppe­lin" steigt heute vormittag zu der geplanten Blütenfahrt nach Bonn unter Führung von Kapitän Lehmann auf. Eine bestimmte Route ist wegen des unsicheren Wetters nicht festgelegt. Die in Bonn beabsichtigte Landung hängt eben­falls noch von den dort herrschenden Witterungsverhältnissen ab. Sollte die Landung durchgeführt werden, so werden Passagiere und Fracht für die Weiterreise dort ausgetauscht werden.

Kaualflug desGraf Zeppelin"

Zwischenlandung in England.

Iriedrichshafen, 22. April. Wie Kapitän Lehmann mit- teilte, ist für Sonnabend, den 26. April, eine Rundfahrt des Graf Zeppelin" über den Englischen Kanal und die Nord­see geplant. Auf Ansuchen desLuftschiffbau Zeppelin" hat die englische Regierung den Flughafen von Eardington für eine eventuelle Zwischenlandung des Luftschiffes zur Ver­fügung gestellt.

Der Start für die Fahrt ist auf Sonnabend vormittag zwischen 7 und 8 Uhr angesetzt. Die vorläufig in Aussicht genommene Route wird von Friedrichshafen über Basel und Vesastcon und dann in der direkten Luftlinie nach London führen. Dr. Eckener, der sich zur Zeit auf der Rückreise von Amerika befindet, wird bei Durchführung der Landung die Rückfahrt nach Friedrichshafen mitmachen. Das Luftschiff dürfte am Sonntag vormittag wieder in Friedrichshafen ein- lreffen.

Die englischen Flieger in Friedrichshafen.

Friedrichshasen, 22. April. Von den an einem Rund- flug au dem Kontinent teilnehmenden englischen Flugzeugen des Heston Air Park Club statteten am Sonntag 16 Ma­schinen der Stadt Friedrichshafen einen Besuch ab. Die Flie­ger folgten zunächst einer Einladung des Luftschiffbaues Zeppelin zur Besichtigung desGraf Zeppelin". Darauf wurden die englischen Flieger zu einer Besichtigung der Dor- nierwerke in Manzell eingeladen.

Flugrekord Lindberghs.

New Sott, 22. April. Lindbergh legte am Ostersonntag mit seiner Frau im Flugzeug die Strecke Glendale, Kalifor­nien,-Roosevelt Field, New Park, mit einer Zwischenlan­dung in Wichita, Kansas, in 14 Stunden 22 Minuten 50 Se- künden zurück.

Die Morgenblätter halten diesen Transkontinentflug als einen neuen Rekord gegenüber dem Fluge Hawks, der am 29. Juni die gleiche Strecke in 17 Stunüen 38 Minuten, 56 Sekunden zurückgelegt hatte. Lindbergh flog meistens in 3050 Meter Höhe, um die Möglichkeit eines Luftverkehrs in größeren Höhen zu erkunden.

den Häuser zu entziehen suchten. Ein Beamter wurde in einem Hause angegriffen. In der Notwehr gab er einen Schuß ab, durch den ein Demonstrant so schwer verletzt wurde, daß er in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Eine Anzahl Personen wurde festgenommen. Die aus­wärtigen Teilnehmer des kommunistischen Jugendtages haben zum großen Teil bereits in Kraftwagen und mit der Bahn die Rückfahrt angetreten.

Der Ausklang des Kommunistischen Reichsjugendtages

Die Polizei sucht den Mörder. Schlägerei zwischen Kom munisten und Nationalsozialisten.

Leipzig, 22. April. Das vom Polizeipräsidium am zwei­ten Osterfeiertag wegen der am Vortage verübten Gewalt­tätigkeiten erlassene Verbot von Demonstrationen im' Freien ist im allgemeinen von den Veranstaltern des kommunisti­schen Reichsjugendtages befolgt worden. Im Laufe des Tages wurde eine Anzahl Personen festgenommen, die im Verdacht der Teilnahme an den blutigen Gewalttätigkeiten auf dem Augustus-Platz am Ostersonntag stehen. Der Rück­transport der auswärtigen Teilnehmer hat sich bis Mitter­nacht ohne wesentliche Zwischenfälle abgewickelt.

Lediglich in G ö h r e n (zwischen Altenburg und Leipzig) kam es zwischen heimfahrenden Kommunisten und Berliner Nationalsozialisten, die sich aus Lastkraftwagen begegneten zu einer Schlägerei, wobei es auf beiden Seiten Leichtver letzte gab.

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Berlin, 22. April. Die 3000 Berliner Teilnehmer an dem kommunistischen Reichsjugendtag in Leipzig sind am Ostermontag in den ersten Nachmittagsstunden nach der Reichshauptstadt abgefahren. Da sich unter den Berliner Demonstranten auch der Mörder des Leipziger Polizeihaupt-

Polizeibeamten aufgeboten worden, um die Lastkraftwagen an Glienicker Brücke, die Berlins Vorstadt Potsdam mit Neubabelsberg verbindet, abzufangen. Bisher wurden 18 Demonstranten, die sich nicht genügend ausweisen konnten, festgenommen, und dem Berliner Polizeipräsidium zugeführt.

Zusammenstöße in ZnöLen.

-Fünf Todesopfer.

In Chittagong, einem wichtigen Hafen in Bengalen, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen A n - Hängern Gandhis und der Polizei, in deren Verlauf ein englisch-indischer Feldwebel und fünf Inder getötet wurden. Die Eisenbahnstation und die Waffen- lager der Polizei wurden niedergebrannt. Truppen sind in größerer Zahl nach Chittagong entsandt worden. Der Gouverneur von Bengalen, der sich auf dem Wege nach Darjeling befand, ist telegraphisch von den Vorgängen unterrichtet worden, und sofort nach Kalkutta zurück­gekehrt.

Nach dem amtlichen Bericht wurden die Eisenbahn­station und die Waffenlager der Polizei von etwa hundert Aufständischen angegriffen und niedergebrannt. Die Eisenbahnangestellten sollen sich einschließlich der Frauen und Kinder in Sicherheit befinden. Polizei und örtliche Hilfstruppen machen dem Versuch, die Aufständischen zu umzingeln. Der Generalinspekteur der Polizei hat sich den Truppen angeschlossen. Der telegraphische Verkehr war längere Zeit unterbrochen, konnte aber wiederher- gestellt werden. In der Nacht zum 18. April ist etwa 65 Kilometer von Chittagong entfernt ein Eisenbahnzug zur Entgleisung gebracht worden. Die Trümmer der Wagen blockieren die Strecke. Am Freitag wurden in Kalkutta 21 Personen verhaftet, darunter fünf Mitglieder des Provinzial-Kongreßausschusses und sechs Angehörige des Kongreßausschusses für Südkalkutta.

An dem Sturm auf die Waffendepots in Chittagong haben nach den bisherigen Feststellungen etwa sechzig Per­sonen teilgenommen, die sich zum größten Teil in die Berge geflüchtet haben dürften. Die betreffende Gegend wird von Polizeipatrouillen abgesucht. Nach Auffassung der leitenden Behörden in Simla handelt es sich bei den Tumulten in Chittagong um das Unternehmen der benga­lischen Torroristenorganisation. Wie aus Bombay ge­meldet wird, hat die Polizei an allen Stellen, wo in Ver­letzung des Monopols Salz herg,stellt wurde, eingegriffen und die dabei gebrauchten Geräte vernichtet.

Wieder Kämpfe in Marokko

Die Eingeborenen zurückgeworfen.

Paris, 22. April. An der Grenze zwischen dem unter- worfenen und dem noch nicht unterworfenen Gebiet in Ma­rokko ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen französi­schen Truppen und Eingeborenen gekommen.

Eine etwa 200 Gewehre starke Eingeborenenabteilung des Stammes Ait Hamu unternahm einen Vorstoß in die unterworfenen Gebiete. Die Kämpfe, die unter schwierigen Verhältnissen stattfanden, da es in der Kampfgegend kein Wasser gibt, dauerten drei Tage und endeten mit der Zurück- werfung der Angreifer. Die Franzosen hatten drei Tote und zwölf Verwundete, sämtlich Eingeborene, außerdem wurde | ein Fliegerunteroffizier verwundet.

3um Ausgang der Floitenkonferenz.

Statt Abrüstung Dreimächtepakt.

Statt der erwarteten allgemeinen Abrüstung zur See hat die abgeschlossene Londoner Marinekonferenz nichts gebracht als den bekannten Vertrag zwischen den drei beteiligten Mächten Großbritannien, Amerika und Japan Der wichtigste, noch nicht veröffentlichte Teil des Ver- trages istbieSicherheitsklausel", die von Großbritan­nien, Amerika und Japan unterzeichnet werden wird. Die Klausel gibt jeder der drei Mächte das Recht, ihr Bau­programm nach angemessener Ankündigung zu erhöhen, wenn ihre Lage durch die Aktion einer vierten Macht bedroht wird.

Die offizielle Zustimmung der amerikanischen Dele­gation zum britischen Entwurf der Sicherungsklausel er­folgte in Gestalt einer Erklärung des Senators Robinson, worin es heißt: Die sogenannte Sicherungsklausel wird im allgemeinen vorsehen, daß, wenn während der Dauer des Vertrages die Erfordernisse der nationalen Sicherheit einer der drei Mächte nach Ansicht dieser Macht durch die Neubauten einer Nation berührt werden, die genannte Macht den anderen beiden das Maß und die Art der notwendigen Vermehrung ihrer Flotte mitteilen wird. Hierauf haben diese anderen Mächte das Recht,' eine ent­sprechende Vermehrung in derselben Kategorie oder in denselben Kategorien vorzunehmen. Also mit einem Wort: Möglichkeit der A u f r ü st u n g.

AuskLang in London

London, 22. April. Die Sonntagsversammlung der De­legierten der Seeabrüstungskonserenz billigte den Wortlaut des Vertrages, der heute unterzeichnet werden wird.

Nach einer Meldung aus Tokio hat das japanische Kabinett den Vertrag ohne Abänderungen genehmigt und die Londoner Delegation zur Unterzeichnung ermächtigt.

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Briands Fragebogen.

Der französische Außenminister Briand, der in diesen Tagen sein fünfjähriges Jubiläum als Außenminister begehen konnte, beabsichtigt in einigen Tagen, wenn die Ratifizierung des Noung-Planes von allen Beteiligten vollzogen sei, den 26 europäischen Staaten den Frage­bogen zu übersenden, Den er im September vorigen Jahres als Beitrag zum Thema Zusammenschluß Europas in Aussicht gestellt hat.

Im Augenblick liege ihm, wie mitgeteilt wird, dies sehr eingehende Memorandum, das ganz präzise Fragen enthalte, zur Billigung vor, jedoch werde er vielleicht so­gar das Kabinett befragen, bevor er dieses Dokument an Die interessierten Mächte absende und es veröffentliche. Briand, Der hierbei im Namen seines Landes spreche, müsse natürlich vorsichtiger vorgehen als alle diejenigen, die unbehindert durch politische und sonstige Erwägun­gen in Wort und Schrift für den europäischen Gedanken eintreten könnten. Nötig sei, daß bereits in diesem Jabre zuständige Delegierte Der interessierten Länder eine Zu­sammenkunft abhalten. Kein Land könne sich ihr ent­ziehen aus Dem einfachen Grunde, weil die, die dem Gedanken einer politischen Entente oder einer Föderal- polizei feindlich gegenüberständen, weil ihnen das euro­päische Statut nicht gefällt, voch ein höheres Interesse an einer wirtschaftlichen Entente hätten.

Die Entscheidung liege, sagt derMatin", bei den beiden Gruppierungen, die sich in Locarno auf Grund des Sicherheitspaktes zusammengefunden hätten: der geogra­phischen Gruppierung Deutschland und feine Nachbarn und der politischen Frankreich n n d seine Alliierten. Die Nachbarn Deutsch­lands seien die Alliierten Frankreichs. Alle zusammen müßten sie in einem politischen und wirtschaftlichen Or­ganismus die Grundlage des neuen Europa bilden, wenn dieses bestehen wolle.

Einigung über die Ostreparationen

Paris, 22. April. Auf der Konferenz für die Ostrepara­tionen, die ihre Verhandlungen auch während der beiden Osterfeiertage fortsetzte, ist es zu einem Einvernehmen ge­kommen. Alle bisherigen Differenzen können als gelöst an­gesehen werden. Am Montag nachmittag sind in einer ge­meinsamen Sitzung der ungarischen und tschechoslowakischen Delegierten beim Konferenzvorsitzenden L o u ch e u r alle Einzelheiten durchgesprochen worden.

Voraussichtlich wird die Konferenz mit einer Plenar­sitzung am Mittwoch geschlossen.

Die Rückgabe Weihaiweis an China

Nanking, 22. April. Der zwischen Großbrittannien und China unterzeichnete Vertrag über die Rückgabe von Wei - h a i w e i an China bestimmt, daß Weihaiwei ohne jede Gegenleistung wieder an China zurückfällt. Während ^der nächsten zehn Jahre kann die Insel Likungtao während des Sommers von britischen Kriegsschiffen als Station benutzt werden. Dieses Vorrecht kann von China aber jederzeit zurückgezogen werden, sobald es den Wunsch hat, Weihai - weialsMarinestützpunktzu benützen.