Hersfel-erTageblaü
SSBBSB] Hersfel-er Kreisblatt
woAllch:IranzSunk ^Ä*^tSi“Nr.8 Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfel-
mit den Beilagea: IilußrlerleS AalerhattvagSblatt / Nach SeierabeKZ / Serv und Scholle / Auterbslluua «ab Wisse« Delebrvng imS Kmrweil / Wirtschaftliche Taaeafraaeu
Nr. SS
Montag, den 7. April 1930
80. Jahrgang
Aufstieg oder Niedergang?
Der Reichskanzler verteidigt die Haltung des'gentrums während der Regierungskrise
Der Reichsfinanzminister für schleunigste Sanierung der Finanzen
Berlin» 7. April. Der Ausschuß der Zentrumspartei öffnete am Sonntag seine außerordentlich stark aus a! Teilen des Reiches besuchte Tagung unter dem Vorsitz des stellvertretenden Vorsitzenden Aog. Ioos.
Nach einer Aussprache, in der zahlreiche Vertreter aus dem Lande das Wort zu schwebenden Fragen der Politik ergriffen, erklärte Reichsinnenmnister Dr. Wirth in längeren Ausführungen über die Haager Verhandlungen und den Neuen Plan, nach den Aeußerungen des französischen Ministerpräsidenten T a r d i e u könne kein
er«
allen
drohten Landarbeiter in'die Großstädte erfolgt und das Problem der Arbeitslosigkeit zu einem unlösbaren macht. Was wir im Zusammenhang damit brauchen, ist eine stabile Wirtschaftspolitik. Mit dem Augenblik der Annahme des Noung- planes liegt die ganze Verantwortung ausschließlich auf dem deutschen Volke.
Wenn es
gen und den Neuen französischen Ministerp: , Zweifel darüber bestehen, daß Sonktionen im Sinne des Versailler Vertrages nicht mehr möglich seien. Wohl seien Repressalien möglich, aber über deren Anwendung entscheide das Internationale Schiedsgericht im Haag. Was die Frage der Räumung anlange, so sei es voreilig, wenn befürchtet werde, daß wegen der vorgerückten Zeit die Räumung der Dritten Zone nicht mehr rechtzeitig erfolgen könne. Es müßte um die Schlagkraft der französischen Armee schlecht bestellt sein, wenn es ihr nicht möglich sein sollte, die
Räumung bis zu dem vereinbarten Termin vorzunehmen.
Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald verbreitete sich über die nächsten Aufgaben der S o z i a l p o l i t i k. Es handele sich in der Hauptsache um die Deckungsfrage. Im übrigen bekannte sich der Minister zur Fortführung der bisherigen Sozialpolitik. — Darauf nahm Reichskanzler Dr. Brüning das Wort zu einer großangelegten Rede über die akuten innerpolitischen Probleme und die Haltung des Zentrums in der Koalitionskrise. Das Zentrum sei während der Krise in sachlicher Beziehung zu jeder Konzession bereit gewesen. Es sei daher verwunderlich, daß gerade von der sozialdemokratischen Partei nur Vorwür^e gegen die Zentrumspartei erhoben werden. Gerade die Zentrumspartei sei die treueste Stütze des sozialdemokratischen Finanzministers gewesen. Wenn die Sozialdemokratie ein Interesse JMflkÄÄ aus 'W^nu^-d nicht, Ä-zurrtz- chen, so müsse sie andere Methoden gegenüber dem Zentrum als in den letzten Tagen anwenden.
Uebergehend zur Bildung seines Kabinetts, erklärte Dr. Brüning, er wiederhole, was er in Köln gesagt habe: Je unfruchtbarer das Parlament wird, desto stärker wird automatisch die Stellung des Reichspräsidenten.
Der Reichspräsident halte sich streng an die Verfassung, aber die gebe ihm Mittel, die angewendet werden könnten, wenn das Parlament versagt. Den Poungplan anzunehmen, ohne die Konsequenzen daraus zu ziehen, das fei eine ein« ftlche Politik, erst die Konsequenzen ziehen und dann den Poungplan anzunehmen, das fei eine wahre Politik. Unter Hinweis auf die Auseinandersetzungen in der Arbeitslosenversicherung erklärte Brüning: „Die Krise ist gekommen durch eine gewisse Koalitionsmüdigkeit; sie ist gekommen, weil bei den innerpolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre immer und immer wieder nur die außenpolitische Situation mühselig die Klammern schuf. Von Monat zu Monat haben wir in der schweren Besorgnis g-lebt, ob wir am Ende des Monats in der Lage fein würden, die Gehälter und Sozialleistungen aus der Reichskasse zu zahlen. Wenn das sich wiederholt, dann kommt aber ein Zweifel an der Sicherheit der gesamten Politik auf. der einen Pessimismus im Lande verbreitet, der die Lust zur Arbeit in allen Kreisen der Bevölkerung ertöten muß. Soll das so weitergehen? Wenn der Youngplan von allen in Frage kommenden Mächten angenommen und in kurzer Zeit ratifiziert sein wird, dann kommt doch zuerst das große Problem der
internationalen Anleihe.
Glaubt man denn in den Vereinigten Staaten, in der Schweiz oder in Holland, diese Summe von 1,2 Milliarden unterbringen zu können, wenn in Deutschland Finanz und Wirschast nicht in Ordnung sind? Und von dieser Anleihe ist doch wiederum die weitere Entwicklung des Geldmarktes und der Wirtschaftslage unbedingt entscheidend abhängig.
Aus seine Verhandlungen um die Kabinettsbildung übergehend, betonte Dr. Brüning: »Hätte ich mich dem Auftrag des Reichspräsidenten versagt, dann hätte niemand gewußt, wer dann die Führung bekommen hätte. Wir haben ein Interesse daran, einen Grundsatz der Politik der Zentrumspartei durchzuführen: Mäßigung in allen Wegen, die zur Erreichung des Zieles notwendig find. Aber wenn die Aufgabe für das deutsche Volk lautet: Entweder versumpft die ganze Wirtschaft. oder der Parlamentarismus, oder es müssen mutige Männer her, die dagegen kämpfen, dann bin ich allerdings der Ueberzeugung, daß man den Mut haben müsse, den Kampf für die Rettung der Demokratie und des deutschen Volkes zu wagen.
Wenn ein bestimmter Plan vorgelegen hätte, dann hätte ich ein Kabinett in höchstens drei Stunden auf die Beine stellen können.
In bezug auf das Regierungsprogramm betonte Dr. Brüning, daß die Kafsenfanierung die Vorsehung sei für die Sicherung des Kapitalmarktes, für das Einräumen neuen ausländischen Kapitals und deutschen Kapitals, das in ungeheurem Umfange aus der Verzweiflung an der Politik ins Ausland flüchtete.
Alsdann feien der Landwirtschaft für alle ihre Produkte stabile Preise zu sichern. Für die besonders bedrohten Gebiete des Ostens müsse man etwas Außergewöhnliches tun, damit nicht die Masienwanderuna der um ihre Eristenr. be»
nicht gelingt, im Parlament die notwendigen rfüllen» muß das deutsche Volk selbst die Ent-
Aufgaben zu erfüllen» scheidung in die Hand nehmen.
Magdeburg, 7. April. In einer Versammlung des Wahlkreises Magdeburg-Anhalt der Deutschen Volkspartei betonte Reichsfinanzminister Prof. Dr. M o l d e n h a u e r die enge Verbundenheit der Finanzreform mit den zwei großen Aufgaben der Gegenwart, der Hilfe für die Landwirtschaft und dem großen Hilfswerk für den Osten. In den Tagen der Verhandlungen über den Poungplan habe er eingesehen, daß es unmöglich sei, mit ungeordneten Finanzen eine gute Außenpolitik und auch auf die Dauer eins unabhängige Innenpolitik zu führen, wenn der Finanzminister an den Ultimotagen das Geld sich von den Banken borgen müsse.
Die Finanzreform müsse man einteilen in die zwei großen Gebiete „Ausgabensenkung" und „Neueinnah- men". Er werde den Entwurf eines Ausgabensenkungsge- setzes dem Kabinett noch vor Ostern vorlegen. In diesem Entwurf werde man nicht an den Gemeinden vorübergehen können. Der Gemeindebürger müsse für die Geldwirtschaft seiner Stadt mehr interessiert werden. Von den Gemeinden, besonders von den größeren Städten, müsse man verlangen, daß sie ihre Ausgabenwirtschaft ebenso wie Reich und Länder durch eine unabhängige Stelle nachprüfen lassen, etwa durch den Obersten Rechnungshof. Es falle ihm nicht ein, an der S e t b si » e r m a ' u n g der Gemeinden zu rühren-, er wolle sie nur weiter entwickeln zu
einer wirklichen Selstverantwortlichkeit.
Wenn ein Finanzminister vor der gro^ die Finanzen in Ordnung zu bringen, müh dafür sorgen, daß die A r b, ' ' ' ' rung nicht wie früher alle Berechnungen über den Haufen werfe. Nach seiner Ansicht, der auch Reichsarbeitsminister Stegerwald beistimmte, müsse man das Gebiet der Arbeitslosen- und Krankenversicherung einmal unter die Lupe nehmen, und zwar noch im Sommer nicht um die Arbeitslosenversicherung abzubauen, sondern um sie auch
aßen Aufgabe stehe, sse er aber zunächst
eitslosenoersiche-
einmal zu rationalisieren.
Dann kam der Minister auf den Fehlbetrag von 3 0 0 Millionen Mark zu sprechen, wozu er bemerkte, er habe sich bemüht, so vorzugehen, daß die vorgeschlagenen Steuern keine unentbehrlichen Lebensbedürfnisse treffen. Steuern sowie Löhne könnten nicht für eine Schicht allein überspannt werden. Die große Arbeitslosigkeit habe doch nicht allein in der Weltkrise ihre Ursache, sondern in der falschen Auffassung, daß es möglich sei, ein willkürliches Lohnniveau zu schaffen.
Weiter sagte der Minister wörtlich: «Wenn mir die neuen Steuern von rund 300 Millionen Mark bewilligt werden, und zwar bis vor Ostern, dann kann ich Garantie dafür übernehmen, daß wir die nächsten Monate über die Kassen- schwierigkeiten hinwegkommen. Ich stehe in meinem Amte keine Minute länger, wenn man mir dasWerk der Sanierung und der Lastensenkung unmöglich macht." Ohne Bewilligung der neuen Steuern ist die Durchführung des Agrarprogramms unmöglich. In dieser Woche werden wir den Reichstag und das deutsche Volk vor eine ganz klare Frage stellen werden, und wo wir nicht erlauben werden, die eine oder andere Rosine aus dem Kuchen herauszusuchen. Die 300 Millionen muß ich haben, und ich werde keine Erhöhung einer direkten Steuer zulassen. Sollte enge parteipolitische Voreingenommenheit dazu führen, daß man nicht zur Einigung gelangt, wird die Reichsregierung dann auch die letzten Konsequenzen nicht scheuen, um ihr Programm durchzuführen.
(Meier über Den Atlantik-Dienst
Rewyork, 5. April.
Gegenüber Pressevertretern äußerte sich der in Lake- Hurst weilende Dr. Eckener über den zu errichtenden transatlantischen Luftschiffdienst. Dr. Eckener führte u. a. aus, der Dienst werde während des Sommerhalbjahres durch- geführt werden. Die Eröffnung des Dienstes werde im Juni oder August n. I. erfolgen. Die Höhe des Fahr- preis-s bezifferte Dr. Eckener auf 1000 Dollar für die Person. Der „Graf Zeppelin" würde keine Verwendung im transatlantischen Dienst finden, da sich ein neues Luftschiff bereits im Bau befinde und bis zur Eröffnung des regelmäßigen Verkehrs fertiggestellt fein würde. Später würde ' gebaut werden, dem olgen sollen. Die nächste
mäßigen Verkehrs fertiggestellt se noch ein neues Luftschiff im Bedarfsfalls noch andere folgen sollen. Ozeanfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin 10. Mai beginnen. Das Reiseziel sei Südar dort aus werde das Luftsschiff nach Lakehurst fliegen.
Voungplan im Senat angenommen
Tardieu über deutsch-französische Annäherung.
Paris, 7. April. Der Senat nahm die Ratisizierung des Poungplans mit 284 gegen 8 Stimmen bei acht Enthaltungen an. Die acht Senatoren, die gegen die Ratifizie- rung waren, gehören der Rechten an.
In der Debate erklärte Ministerpräsident Tardieu bei Besprechung der Räumungsfrage, man müsse die Geister einander annähern. Dem neuen Reichskanzler mache man in Deutschland genau die gleichen Vorwürfe, wie ihm, Tardieu, in Frankreich. Die deutsch-französische Annäherung erfordere vor allem eine Angleichung der Interessen. Hierzu werde der Zoungplan beitragen, den man um der Zukunft Willen annehmen müsse. Von der Vergangenheit habe Frankreich genug. — Als der radikale Senator L e m e r y fragte, was bei einer Wiederaufrüstung Deutschlands im Rheinland geschehen könne, erwiderte Tardieu, Artikel 213 des Versailler Vertrages bestehe fort und außerdem seien die Feststellungs- und Vergleichskommissionen von Locarno vorhanden.
Finanzminister Reynaud erklärte vor Schluß der Generaldiskussion, Deutschland habe an der Aufrechterhaltung seines Kredites ein besonderes Interesse, und es sei unmöglich, daß es leichtfertig an eine Verfehlung gegen seine Verpflichtungen denken könne. Eine Revision des Poungplanes könne nur ins Auge gefaßt werden, wenn die interalliierten Schulden reduziert werden sollten. Frankreich werde jedenfalls stets 420 Millionen Goldmark von den un« geschützten Annuitäten erhalten.
Vor -er Entscheidung auf der
Londoner Konferenz
London, 7. April. Die Bemühungen, eine allseits befriedigende „Formel" zu finden, wurden am Sonnabend von MacDonald, Henderson, Briand, van Sittart und Massigli im St. James-Palast fortgesetzt. In maßgebenden britischen Kreisen wird allgemein angenommen, daß diese Woche für die politischen Verhandlungen entscheidend sein wird. Die Hoffnungen aus den Abschluß eines Fünfmächtepakts sind bei den meisten Delegationen so gut wie geschwunden. Die tunba;mentalen Schwierigkeiten, die sich gleich ergaben, als die Franzosen eine besondere Auslegung des Artikels 16 der Völkerbundssatzung verlangten, scheinen in keiner Weise überwunden zu sein. Auf italienischer Seite ist man entschlossen, sich nicht zum Sündenbock für das Scheitern der Verhandlungen zur Herbeiführung eines Fünfmächtepaktes machen zu lassen. Es wurde in italienischen Kreisen daraufhingewiesen, daß Italien seinen Standpunkt bereits dargelegt habe, bevor die Konferenz eröffnet wurde. Grandi I möchte am 15. April nach Italien zurückkehren. Unter den Anfragen, die im Unterhaus für Montag angekündigt sind, befinden sich nicht weniger als neun, die die Konferenz und zwar alle die politische Seite und die Auslegung des Artikels 16 betreffen. Alls diese Anfragen entspringen offenbar der Besorgnis, Großbritannien könnte, um französische Befürchtungen wegen der Sicherheit Frankreichs zu beschwichtigen, weitere militärische Bindungen in Erwägung ziehen.
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Doch Einigung über Artikel 16 erreicht?
Paris, 7. April. Die Sonderberichterstatter der Pariser Presse in London kündigen an, daß man nach der Sonnabend- Unterredung zwischen Briand und MacDonald die französisch-englische Einigung hinsichtlich der Ausleguna des Artikels 16 des Völkerbundsstaluts als nahezu erzielt ansehen könne. Nach dem „Makin" sei Briand nach Paris gereist, um den mit MacDonald vereinbarten Text dem Ministerpräsidenten Tardieu zu unterbreiten. Außerdem werde heute ein Ministerrat hierüber befinden. _______ ____ ___
Briand bei Tardieu
kein neuer französischer Vorschlag an die Seekonferenz.
Paris, 7. April. Ministerpräsident Tardieu und Außenminister Briand haben Sonnatag vormittag eine längere Besprechung gehabt. Briand berichtete über den Stand der Londoner Verhandlungen. Er gedenkt, am Dienstag wieder nach London zurückzüreisen.
Sowohl Tardieu wie Briand haben das Gerücht dementiert, wonach der französische Außenminister einen neuen Vorschlag der englischen Regierung in der Sicherheitsfrage überbracht haben soll.
Heute vormittag findet im Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein Ministerat statt.
Fünf Milliarden Steuerermäßigungen in Frankreich
Paris, 7. April. Ministerpräsient Tardieu hielt gestern mit dem Finanzminister, dem Unterstaatssekretär für Finanzwirtschaft und dem Gouverneur der Bank von Frankreich eine Besprechung ab, in deren Verlauf die Grundzüge eines neuen Steuerermäßigungsprogramms, das die Regierung sofort nach Verabschiedung des Budgets in der Kammer einbringen will, festgelegt werden. Es sind im Ganzen neue Steuererleichterungen in Höhe von 1 500 000 000 Francs vorgesehen, was mit den bereits beschlossenen Steuererleichterungen insgesamt mehr als 5 Milliarden ergibt.
werde am
Amerika. Von
„München" endgültig gehoben.
New Bort, 7. April. Der Lloyddampfer „M ü n ch e n". der bekanntlich infolge eines Brandes am 11. Februar ge« funken war, ist nunmehr vollkommen gehoben worden.