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HersfelöerTageblatt

»=B^^ Hersfelöer Kreisblatt

«okli^r^ranzZÜnk in hersfelü.^ Zernsprecher Nr. 8 Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS

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Nr. SS

Freitag, den 21. Mär; 1930

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80. Jahrgang

Ergebnis der Woche

Kr. Kr. Die großen Schlachten der deutschen Partei- Heere um Voun gplan und polnisches Liquida- tionsabkommen sind geschlagen. Beide Abkommen werden deutsches Gesetz werden. Beide Abkommen werden die zukünftige deutsche Außenpolitik mitbestimmen. Wollen wir hoffen, daß es Deutschland zum. Glück gereichen möge, ein solch weites Entgegenkommen gezeigt zu haben. Durch Aufnahme solch ungeheurer Lasten seinen ernsten Willen gezeigt zu haben, mitzuhelfen, die Welt zu befrieden, die europäische Welt zum wenigsten. Es kann heute niemand mehr den geringsten Zweifel hegen an dem besten Willen des deutschen Volkes, mitzuhelfen. Mit dem chaotischen Durcheinander der Nachkriegszeit aufzu- räumen und die Welt neu zu gestalten, im Namen des Friedens. Wenn etwas diesen Willen noch bestärken konnte, so waren es die Worte des höchsten Wortführers der Deut­schen, des Reichspräsidenten von Hindenburg.

Aber um so mehr haben wir Deutsche ein Recht zu fordern, daß von jetzt ab auch die anderen ihren Willen zei­gen und zwar ihren guten Willen. Jetzt dürfen wir es uns nicht mehr gefallen lassen, daß die anderen ihr böses Vor­bereiten mit einem Fingerzeig auf das verdächtige Deutschland begründen. Was jetzt in der Welt getan, geredet und vorbereitet wird zum Schutzberechtigter" In­teressen, aber im Namen von Gewalt, Krieg und Waffen- macht, das hat seinen Grund nicht mehr im Deutschen Reiche. Alos mögen die anderen einmal erklären, wozu sie sich noch immer den Krieg vorbereiten, sich mit Gewaltmit­teln versehen, was der ungeheuerliche Aufrüstungseifer noch unter ihnen soll.

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Vor einigen Tagen stand die Konferenz in Lon­don. Damit wir es nicht vergessen: in London tagt noch immer eine Konferenz höchster Staatspersonen aus fünf Großmächten um sich über die Abrüstung zur See zu be­raten. Also diese Konferenz sah sich vor wenigen Tagen auf dem grotesken Standpunkt angelangt, daß die Ameri­kaner und Engländer noch einmal aufrüsten wollten, weil dasfriedliebende" Frankreich nicht von feinem Stand­punkt abgehen wollte, daß es stärker als Italien iem nutzte. Wer versteht überhaupt noch, was da beraten wird? Zur Zeit steht Japan böse zur Seite und will mal wieder nicht mitmachen. Morgen wird es eine andere Macht sein, der das nicht paßt, was die vier anderen wollen. So geht es die Reihe herum, schon seit Wochen. Dabei kamen A m e - rika und England in voll st er Harmonie zur Konferenz. Jeder dachte: jetzt schlägt die Stunde des Frie­dens! Was ist davon geblieben? E i n allge­meines Gefeilsche. Wieder warten die Völker ver­gebens auf ein Ergebnis, das sie großer Sorgen redig machen könnte.

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Konfermzen blühen allerorten und es wird reichlich geredet und verhandelt. Manchmal scheint es uns, als ob nur um des Redens und Verhandelns willen Konferenzen abgehalten würden. Aber höhnen wir nicht allzuviel. Diese Geschäftigkeit wird allmählich vielleicht doch den Punkt bloß legen, von dem unser Weh und Ach abhüngt Dann ist vielleicht die Zeit gekommen, die Sonde anzusetzen. Möge die Zeit bald kommen, denn das Elend in allen Ländern ist groß und gewaltig. Wobei sich der groteske Unterschied er­gibt, daß in fast allen Ländern die Quelle des U n« glücks im Menjchenüberfluß liegt, da nicht ge­nügend Arbeit vorhanden ist, in Frankreich aber im Men­schenmangel. Daß hier ein Ausgleich stattfinden muß, wird auch dem volkswirtschaftlichen Laien klar. Aber wie? Das mögen die wirtschaftlichen Sachverständigen aus- kundschaften.

In Deutschland scheint die außenpolitische Ruhe einer hochgesteigerten innerpolitischen Unruhe den Weg geöffnet zu haben. Was steht da alles auf der Tagesord­nung! Ganz abgesehen von dem allesumschlingenden Bande der Finanzreform und dem Kampf der einen Partei gegen den Vorschlag der anderen scheinen sich die Deutschen auch noch gegenseitig verdreschen zu wollen, weil jeder dem an­dern Schuld gibt an dem Elend, das uns doch alle über­schattet. Am V o l k s t r a u e r t a g, der dem Gedenken der Gefallenen des Weltkrieges gewidmet war, hätten wenig­stens die großen Parteien ohne Ausnahme allen Grund ge­habt, ein paar Stunden der Vergangenheit zu weihen. Wenn nun schon die Millionen deutsche junge Menschen in den Jahren 1914 bis 1918 für andere Ideale gefallen sind, als der und jener heute auf den Schild erheben möchte, haben sie deshalb sinnlos ihr junges Leben gelassen? Das dürfte doch nur engstirnige Niedertracht behaupten. Für jeden einzelnen von uns sind sie gefallen. Für das ganze deutsche Volk, für jede Partei als Wahrzeichen dessen, daß das deutsche Volk eine einzige große Familie ist, die in Existenzfragen zusammenstehen muß, wenn sie vor den anderen, mit den anderen und trotz der anderen in Ehren bestehen will. Sie sind als Zeugen dessen gefallen, daß Deutsche zunächst einmal in sich einig sein müssen, um ihre hohen Kulturgüter zu erhalten und zu mehren. Daß alles dahin ist, wenn die Jugend nicht mehr willig ist, ihr Leben einzusetzen für ihre Ideale. Diese Ideale können aber nicht darin bestehen, unter einander den lebendigen Quell des Lebens und des Geistes zu vernichten. Wahrhaftig, das grauenvollste an diesen fast täglichen blutigen Kämpfen der Jugend verschiedener Parteirichtung ist doch die Tatsache, daß hier Deutsche einander selb st töten und so vieles an HAffnung selbst zerstören, gerade tekt. wo nickt

Weitere BersUrsung des KNsMiiiitWliWi

Beratungen zwischen Severing und Groener

Berlin, 20. März

Wie in Berliner politischen Kreisen bekannt wird, ha­ben in den letzten Tagen zwischen dem Reichsinnen­mini st e r i u m und dem R e i ch s w e h r m i n i st e r i- u m Besprechungen stattgefunden, die die Zustände in Thüringen betrafen. Ueber die Auffassung des Reichs- wehrministers Groener wird bekannt, daß dieser den Brief Severings an Frick gebilligt hat. Die Nachricht, daß Groener sich gegen ein Verbleiben Fricks ausgesprochen haben soll, ist unbestätigt geblieben.

Was die Einstellung der Zahlungen für die Landes- polizei anbelangt, so gilt diese Maßnahme als unwider­ruflich. Das gilt auch für alle Ueberweifungen aus Fonds der inneren Verwaltung. In Berliner politischen K.eisen wird die Auffassung vertreten, daß im Hinblick auf die leeren Kassen zum 1. April Thüringen es bis zum Einsatz aller Machtmittel des Reiches kaum kommen lasten dürfte.

Die Anzeige gegen den Oberbürgermeister von Ene- nach, Dr. I a n f o n , ist tatsächlich bei der Oberreichsan­waltschaft eingelaufen und zwar geht die Anzeige von der Höheren Polizeischule in Eiche aus der von der Vorberei­tung zum Hochverrat dienstliche Meldung erstattet worden war. Die Abschriften der Protokolle über die Unterredung Iansons befinden sich außer bei der Oberreichsanwaltschaft auch beim Reichsjustizministerium und beim Innenministe­rium. Der in Frage kommende Polizebeamte wurde seiner­zeit als preußischer Polizeioberleutnant erstklassig qualifiziert und gilt bei allen seinen Vorgesetzten als besonders zuverlässiger und tüchtiger Beamter.

Erklärung der Weimarer Regierung

Weimar, 20. März.

Im Verlaufe der Landtagssitzung gab Staatsminister Baum im Namen der thüringischen Regierung eine Erklä­rung ab, die sich mit dem Vorgehen des Reichsinnenmi­nisters Severing befaßt. Die thüringische Regierung habe gegen den BundAdler und Falken" nicht einschrecken kön­nen, da er sich in keiner Weise gegen den Bestand fies Reiches betätigt habe. Seit Uebernahme der Regierungs- geschäfte durch die neue thüringische Regierung seien in Der Landespolizei mit Ausnahme der terminmäßigen Entlastun­gen und Beförderungen überhaupt keine Veränderungen vorgenommen worden.

genug Jugend Deutschland' geschenkt "und erhalten werdest kann.

Das wären Gedanken zum Volkstrauertag für jede Partei gewesen. Gerade an dem diesjährigen, an dem uns gewiß wurde, daß wohl für alle Deutschen die härteste Zeit begonnen, die sie je in ihrer Geschichte durchzumachen hat­ten. Da sie nur bestehen können, wenn sie alle einig sind, in dem Ideal, sich gegenseitig zu stützen, einander hilfreich zu sein, wie es einer Familie in Not ansteht.

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Spaniens Diktator, Primo de Rivera ist tot. Sein Lei­chenbegängnis war seine letzte Triumphfahrt. In P o . e n ringt der heimliche Diktator Pilsudski noch immer mit der Volksvertretung und keiner weiß, ob die nächste Zeit ihm nicht offen alle Gewalt in die ungeduldigen Hände geben wird. In China bekämpft sich wieder Peking und Nan­king. Rußland, das Sowjetrußland steht in einem Kampf mit dem Papsttum, der heute der Wörtlicher aller Christen ist gegenüber dem Sowjetsystem, das auf den Glauben an Gott verzichten will und anderen Göttern Al­täre baut. In Gens sitzen noch immer die Sachverständigen aller Herren Länder zusammen, um einen Z o l l f r : e d e n zu beraten. Genug Dinge, um den Menschen in seinem po- ' litischen Leben beobachten zu können.

Die Flottenkonferenz festgefahren

London, 21. März. Die Blätter melden, daß die Abreisi Briands nach Paris in amtlichen Kreisen beträchtlicher Pessimismus hervorgerufen habe. Die gestrige Befprechun; zwischen MacDonald und Grandi galt erneut den französisch-italienischen Problem. Soweit bisher bekannt ist hat Italien seine Haltung nicht geändert, und ebenso besteh Frankreich weiterhin auf Nichtzubilligung des Paritäls grundsatzes. Die Konferenz ist daher nach wie vor auf den toten Punkt. MacDonald bemüht sich immer noch, eine For­mel zu finden, die für beide Mächte annehmbar ist.

Antifaschistische Jugendliga"

Kaschau, 21. März. In Kralovo Chlumeo, in der Nähe der ungarischen Grenze, verhaftete die Gendarmerie sieben Mitglieder einer kommunistischen Jugendorganisation, die eine antifaschistische Liga gegründet hatten. Keiner der Ver­hafteten, die in das Kreisgericht in Kaschau eingeliefert wur­den, hat das 17. Lebensjahr erreicht.

Die Haltung der thüringischen Volkspartei

Die Koalition, die die Thüringische Volkspartei in Thü­ringen mit den Nationalsozialisten eingegangen ist, wird, wie wir aus volksparteilichen Kreisen erfahren, auch Ge­genstand von Erörterungen auf dem Mannheimer Partei- tag der Deutschen Volkspartei sein. Der Fall Thüringen hat Bedeutung weit über die Landesinteressen hinaus und berührt unmittelbar die Reichsinteressen, so daß damit zu rechnen ist, daß auf dem Parteitag der Deutschen Volks- partei die Thüringer Vertreter aufgefordert werden, d>s Regierungskoalition mit den Nationalsozialisten zu lösen.

Eisenachs Oberbürgermeister klagt

Jm Zusammenhang mit den Behauptungen, Oberbür­germeister Dr. I a n s o n habe von einem Bewerber um den Eisenacher Polizeikommissarposten, Polizeianwärter Machts, Referenzen von Nationalsozialisten und Stahl- Helmführern verlangt und gefordert, daß der Beamte nicht gegen Nationalsozialisten bei einem Putsch entschreiten dürfe, hat Oberbürgermeister Ianson Strafantrag ge­gen den Polizeianwärter Machts, den Vorwärts und an­dere Zeitungen gestellt. Von zuständiger städtischer Seite wird mitgeteilt, daß die Unterredung des Oberbürgermei­sters mit dem Anwärter keineswegs eine politische Ten­denz hatte, und lediglich vorhandene ungünstige Auskünfte aufklären und nach Möglichkeit entkräften sollte. Die be­haupteten Zusammenhänge mit Staatsminister Frick seien völlig frei erfunden.

Thüringen will zum Staatsgerichtshof

Weimar. Wie zuversichtlich verlautet, wird die thü- ftngHrijo 'RpQtorunst ?üt hen Fall.^ biß Dvo^^s b^s Reichsinnenministers, dem Lande Etatmittel vorzuenthalten zur Durchführung gelangen sollte, zur Herbeiführung einer Entscheidung den Staatsgerichtshof anrufen.

Vorläufig kein Besuch

Severings in Weimar

Weimar. Wie die sozialdemokratische Presse mitreilt, wird Reichsinnenminister Se v e r i n g, da er durch eine Dienstreise verhindert ist, am Sonntag nicht in Weimar an der Kundgebung des Reichsbanners teilnehmen. Er hat jedoch zugesagt, in nächster Zeit nach Weimar zu kommen. An seiner Stelle werde der Bundesvorsitzende des Reichs­banners, H ö r s i n g, und der thüringische Landtagsabge­ordnete Frölich in zwei Kundgebungen auf dem Markt und im Volkshaus sprechen. ^^^^^^^^

Sie Arbeitslosenzisser statt

Berlin, 21. März.

Die wir von zuständiger Stelle erfahren, betrug die Ziffer der Hauptunterstützungsempfänger bei der Reichs- arbeilslofenverficherung am 12. März 2 313 000. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in der ersten Märzhalfte hat um insgesamt 65 000 abgenommen. Am 28. Februar be­trug sie 2 378 000.

Die Zahl der Krifenunierstühlen ist noch um 2000 Personen gestiegen, und zwar auf 283 000. Mit den Aus­gesteuerten, die jetzt auf die Unterstützung der öffentlichen Fürsorge angewiesen find, beträgt die Zahl der Unler- stühungsempsänger über drei Millionen. Davon sind 2,6 Millionen Hauptunterstützungsempfänger und Krisenunter- stützte, der Rest besteht aus Ausgesteuerten.

Die größte Bank der Welt.

Die Zum Jnteressenkreis von Rockeseller gehörenden Nerv-Yorker Großbanken: Chase National Bank, die Cquitable Trust Co. und die Interstate Trust Co. haben sich jetzt zu einem Institut vereinigt. Das neue Unternehmen verfügt über 11 Milliarden Mark Vermögenswerte und hat somit die National City Bank von Charles W. Mitchell (9 Milliarden Vermogenswert) überflügelt. Unser Bild zeigt links John D. Rockefeller <un den Sieger und rechts den Unterlegenen Charles W. Mitchell.