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hersfelöerTageblatt

Bei ^^»^olmMN^rd"^-^ Preis- Hersselöer Kreisblatt

woMiE: Zmnz §ünk ln^tzersM.^e^ Nr. 8 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Aaterbalftma naß Witte»

Nr. 64

Montag, den 17. Mär; 1930

80. Jahrgang

Gedenktag für die Toten

Berlin, 17. März. 3m Plenarsitzungssaal des Reichs­tages fand am Sonntag eine Gedenkfeier für die im Welt­kriege Gefallenen stakt, während gleichzeitig in acht anderen Sälen in Berlin ebenso wie im Reich ähnliche Erinnerungs- fe-ern abgehalten wurden.

In dem schwarz ausgehangenen großen Raume verbrei­teten beiderseits des Rednerpultes zwei von innen erleuchtete Glassäulen ein mattes Licht. Fahnenabordnungen der Reichs­wehr hatten sich hinter dem Rednerpult aufgestellt, das mit Lorbeerkränzen, Blumen und Schleifen in den Reichsfarben geschmückt war.

Wenige Minuten vor 12 Uhr erschien, nachdem auf der Regierungsestrade die Minister Wissell, Gröner, Dr. Schätzt, und Dr. Wirth, die Staatssekretäre und die Vertreter der drei großen Religionsgemeinschaften Platz genommen hatten, der Reichspräsident von Hindenburg in Beglsitunq des Reichsinnenministers Severing und der Chefs der Heeres« und Marineleitung.

Geheimer Justizrat Prof. D. Dr.. Kahl hielt nach einlei- tenden Musikvorträgen eine ergreifende. Gedenkrede.

Neueste politische Nachrichten

Ein "kritischer Tag" für die Seekonferenz

London, 17. März. Die Sonntagspresse spricht im Zu­sammenhang mit den Besprechungen in Chequers vor einemkritischen Tag".

O b s e r v e r " ist der Ansicht, daß von der Sonntags Besprechung die Frage abhängt, ob die FlottenkonfereN( fortdauern kann oder nicht. Die Konferenz war Sonnabenk abend vollkommen festgefahren. Der einzige Ausweg hab« bei T a r d i e u gelegen.

T a r d i e u empfing gestern abend nach seiner Rückkehr

CDU Chevaliers die 9&re$^.eri^ i^Uc 1%^« »w ^^ men der französischen Delegation mit, man habe mit der Engländern die gesamte Lage geprüft und sich mit den Punk­ten befaßt, die unsere Länder besonders interessieren. Di« verschiedenen Methoden, die geeignet sind, den englischen und den französischen Standpunkt in Uebereinstimung zu bringen, seien erörtert worden. Sie würden in den kommenden Ta­gen gemeinsam bearbeitet werden. Das zu erzielende Er­gebnis ist wichtig genug, um jede unkluge Uebereilung aus- zuschließen. Was wir wollen, ist nicht Uebereilung. sondern Erfolg. Ich bin überzeugt, daß wir zu einem befriedigenden Ergebnis oelangen werden.

Tordieus Londoner Wochendbefuche

London, 17. März. Ministerpräsident Tardieu, der heute nach Paris zurückkehrt, will Ende der Woche wieder nach London reisen, um die im Gange befindlichen Verhand­lungen fortzusetzen.

Europas HandeLsstabilisierung

Die Hauptpunkte klargestellt.

Genf, 17. März. Im ersten Hauptausschuß ist über ditz wichtigsten Punkte des Konventionsentwurfes zur Stabili«, sierung der europäischen Handelsbeziehungen im positiven Sinne Klarheit geschaffen worden. Dies gilt insbesondere für die Verlängerung der Handelsverträge, hinsichtlich deren die handelsverkragsstaaten sich verpflichten, die bestehenden Handelsverträge und Zufatzabkommen nicht vor dem 1. April 1931 zu kündigen. In der Richtung einer Spezialreserve für Österreich empfahl der französische Handelsminister ein Kom­promiß, da damit gerechnet werden müsse, daß in einigen Ländern Mitteleuropas die Handelsverträge, obwohl offiziell nicht gekündigt, als gekündigt zu betrachten seien. Für diese Länder soll eine Sonderstellung geschaffen werden, falls sie unter sich zu einer Einigung kommen und damit eine allge­meine Annahme der Konvention ermöglichen.

Die ebenfalls angenommene Tarifgarantle gegen ein­schneidende Zollerhöhungen der Handelsvertragsstaaken gibt jedem teilnehmenden Staat, der sich in seinen Wirt­schaftsinteressen durch solche Erhöhungen geschädigt fühlt, das Recht zu direkten Verhandlungen und im Falle eines Scheiterns zur Kündigung der Konvention.

Über die grundsätzliche Frage der Zulassung von Aus­nahmefällen ist die Aussprache noch nicht abgeschlossen, doch kann diese Frage durch eine französische Erklärung zugunsten solcher Zulassung als bereits materiell entschieden angesehen werden. .

Für die Wirtschaftsfreiheit.

Paris, 17. März. Der Vorstand der Lyon er M e s s e gab in Lyon zu Ehren einer Delegation der zahlreich zur Lyoner Messe erschienenen deutschen Industriel- I e n und K a u f l e u t e ein Essen. In sämtlichen Reden kam zum Ausdruck, daß der Geist der Eintracht und des Friedens Grundbedingung jeglichen Wirtschaftsverkehrs und damit der nationalen wohlfcchrk sei

Derjtedner erklärte, der Bolkstrauertag kenne keine konfessionelle Trennung. Seine gesetzliche Anerkennung, die er trotz oftmaligen Verlangens noch nicht besitze, werde und müsse kommen. Nach Worten, der Anerkennung für die Liebestätigkeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräber­fürsorge gab Prof. Dr. Kahl der Hoffnung Ausdruck, daß den Bestrebungen nach Abschaffung des Krieges Erfolg beschie- den sei.

Nach dem Gesang des Deutschlandliedes schritt Reichs­präsident v. Hindenburg vor dem Reichstagsgebäude die Ehrenkompagnie ab, während mit Trauerwimpeln versehene Flugzeuge über dem Reichstag kreisten.

Im ehemaligen Herrenhaus veranstaltete die Reichs­vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener eine Gedenkfeier zu Ehren der 600 000 in Gefangenschaft verstorbener Krieger. Der Ehrenbundesvorsitzende, Freiherr o. L e r s n e r, verlas den Schluß der Botschaft des Reichspräsidenten zum Zoung- plan und ermähnte, in Wahrheit und Gerechtigkeit für Deutschland zu leben.

Primo d? Mvera f

Paris, 17, März Der vormalige spanische Ministerpräsi­dent General Primo de Rivera y Orbaneja Marques de Esiella ist am Sonnabend um 11 Uhr vormittags hier im Alter von 60 Jahren an einer Embolie gestorben.

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Der spanische Diktator hat also seinen Sturz nicht lange überlebt. Er wurde schon am Wochenende in Frankfurt a. M. erwartet, wo er einen Spezialarzt für Zuckerkrankheit kon­sultieren und eine Kur machen wollte.

Zum Ableben Riveras

Paris, 17. März. General Primo d e Rivera, der steifern morsten in bhjom ftnfoT. «<«». ^-S*- i"!.-":-..';-Ä Woche das Zimmer Huten. Seit zwei Wochen befand er fia) in ärztlicher Behandlung wegen einer Nierengrippe. Da sich in den letzten Tagen eine Besserung seines Befindens zeigte, wollte er Paris verlassen, um in einem Sanatorium in Frankfurt a. M. eine Kur zur Heilung seiner Zucker­krankheit durchzumachen. Am Sonntag früh fanden seine beiden Töchter bei der Rückkehr aus der Messe ihren Vater tot in seinem Bette liegend. Der herbeigerufene Arzt führte den Tod auf eine Herzembolie zurück. Für den Nachmittag hatte der General Gäste geladen, um vor seiner Reise von ihnen Abschied zu nehmen, u. a. Marschall Petain und die Abgeordneten Hennessey und Malvy. Man nimmt an, daß der Tote morgen nach Madrid übergeführt werden wird.

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Briands Beileid.

Paris, 17. März. Der Ehef des Protokolls hat im Ha­men Briands dem Sohne Primo de Riveras und dem spanischen Botschafter zum Ableben Primo de Rviera» das Beileid ausgesprochen.

Ibsens Befinden besorgniserregend

Freiburg, 17. März. Im Befinden des früheren nor­wegischen Ministerpräsidenten Sigurd Ibsen ist im Laufe des Sonntags eine weitere erhebliche Verschlechterung einge­treten. Der Zustand des Patienten ist außerordentlich ernst.

Blutige Zusammenstöße

Ein Todesopfer.

Chemnitz, 17. März. Die hiesigen Ortsgruppen des Stahlhelms und der N S.D.A.P veranstalteten Sonntag durch Demonstrationszüge und Versammlungen Protestkund­gebungen gegen die Annahme des Poungplanes. Gleichzei­tig hatten die Kommunisten ihre Anhänger zu Gegenkund- gebungen aufgerufen. Dabei kam es zu schweren Schläge­reien. Acht Nationalsozialisten und Stahlhelmer wurden durch Messerstiche zum Teil schwer verletzt. Einer von ihnen ist inzwischen gestorben. Zehn Personen wurden festgenom­men. Sieben Beamte wurden durch Steinwürfe verletzt.

Glauchau, 17. März. Die Sozialdemokratische Partei hielt hier eine Versammlung gegen den Faschismus ab. Im Verlaufe der Aussprache, an der sich auch Nationalsozialisten beteiligten, kam es zu einer Schlägerei, bei der drei Sozial- demokraten so schwer verletzt wurden, daß sie ins Kranksn- Haus gebrqcht werden mußten. !

Europa" fährt Probe

Bremen, 17. März. Der SchnelldampferEuropa" des Norddeutschen Lloyd hat nach einigen Meilenfahrten an der norwegischen Küste, am Sonntag früh seine 24ftünbige Abnahmefahrt angetreten, die sich bis in die nördlichen Ge­wässer Schottlands ausdehnte. Bei frischen bis flauen öst­lichen Winden legte das Schiff bisher 198,5 Seemeilen mit einer Stundengeschwindigkeit von 27,67 Seemeilen zurück. Am Nachmittag fand eine weitere beschleunigte Meilenfahrt an der norwegischen Küste statt. , -

Wieder Bomdenmschlöge

Bad Oldesloe, 15. März.

Am Sonnabendmorgen wurde in einem Sohlenkeller des Stadthauses eine Höllenmaschine aufge­funden. Es handelte sich um eine Bombe mit Uhrwerk, das auf 4 Uhr morgens gestellt war. Um diese Zeit war jedoch der Zeiger über den Kontakt hinweggeglitten, ohne ihn zu berühren. Eine polizeiliche Untersuchung wurde eingeleitet. Vorläufig fehlt von den Tälern noch jede Spur.

Reu-Münsler, 16. März.

Am Sonnabendnachmittag zwischen 3 und 4 Uhr wurde in einem Kellerloch an der Südseite des Finanzamtes von einem Schüler eine Höllenmaschine gefunden. Die Polizei wurde sofort benachrichtigt, sie beschlagnahmte die Maschine und machte sie unschädlich. Es handelt sich um eine in einem Holzkoffer von einem halben Meter Länge, 34 Zentimeter Breite und 14 Zentimeter Tiefe eingebaute Höllenmaschine, die durch eine Weckuhr in Tätigkeit gesetzt werden sollte. Eine große Oei atme, die etwa sechs bis sieben Liter saßt, war mit Sprengstoff gefüllt. Das Uhrwerk war beim Auf­finden noch im Betrieb. Der Stundenzeiger war auf 2.30 Uhr gestellt.

T Der neue Sprengstoffanschlag W^

Reumünsker, 17. März. Zur Aufklärung des Spreng­stoffanschlagversuchs im Finanzamt wurden hier von der Kieler Kriminalpolizei, in Anwesenheit des Kieler Oberstaats­anwalts und im engsten Einvernehmen mit Altonaer und Berliner Stellen eingehende Ermittlungen angestellt, die einen bestimmten Anhaltpunkt nicht ergaben. Man nimmt jedoch als sicher an, daß die Fälle inVadvldesloe und Reumünster im Zusammenhang stehen.

Die Finanzwirtschaft des Reiches

Der Reichssinanzminisier äußert sich.

Hamburg, 17. März. Auf dem traditionellen ostasiati- ' Bremen, Vermein 30chhrigesÄestehen feierte^ betonte Reichs- finanzminister Dr. Moldenhauer in einer programmatischen Erklärung, er bereite ein Ausgabensenkungsgesetz vor, um auf allen Gebieten Ersparnisse vorzusehen. Auch Länder und Gemeinden müßten vor die gleiche Aufgabe gestellt werden.' Es sei ausgeschlossen, daß nach Annahme des Poungplanes jede Gemeinde für sich an den Geldmarkt heranginge. i

Unter den Ausgaben des Reiches spielen die Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung eine außerordentliche Rolle. Der Minister erwähnte im einzelnen die bekannten Pläne, um den Zuschuß für die Arbeitslosenversicherung zu decken. Der Reichssparkommissar prüfe zur Zeit die Reichs- anstalt für Arbeitslosenversicherung. Ein organisatorischere Umbau sei erforderlich; er, der Minister, habe bereits posi­tive Vorschläge gemacht.

Die Reichsregierung habe vorgesehen, daß 1931 die Steuern um mindestens 600 Millionen Mark gesenkt werden sollen. i

Öffentlicher Anschlag des

Hindenburg-Manifestes?

Berlin, 17. März. Die demokratische, die sozialdemo­kratische und die Zentrumsfraktion haben sich dem Berliner Tageblatt zufolge entschlossen, in den ersten Tagen der Woche, wahrscheinlich schon heute, ein Jnitiativgeseh im Reichstage einzubringen, das in einem einzelnen Paragra­phen bestimmt, daß die Kundgebung des Reichspräsidenten vom 13. März über die haager Beschlüsse in allen Gemein­den öffentlich anzuschlagen sei. Die Deutsche Volkspartei wird noch eingeladen werden, sich dieser Initiative anzu- schließen und man zweifelt nicht an ihrer Zustimmung.

Hindenburg ermähnt die Studenten

Berlin, 17. März. Der Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten hatte an den Reichspräsidenten ein Schreiben gerichtet, dem Poungplan und dem Polenverkrag die Unterschrist zu verweigern. Darauf hat der Reichspräsi­dent mit einem Schreiben geantwortet, in dem er sagt:

Ich hoffe, daß die inzwischen von der Reichsregierung im Reichstag gegebenen Aufklärungen über den Youngplan und seine einzelnen Bestimmungen bei Ihnen eine sachliche Würdigung gefunden und manche irrigen Voraussetzungen in Ihrem Schreiben vom 18. Februar dieses Jahres beseitigt haben. Im übrigen verweise ich auf meine öffentliche Kund­gebung, in der ich die Gründe für meine Stellungnahme kurz angegeben habe.

Ihnen aber, die Sie als Vertreter einer Anzahl deutscher Zugendverbände sich in Ihrem Schreiben aus die Toten von Langemarck berufen, glaube ich in Ergänzung dieser meiner Verlautbarung noch besonders sagen zu müssen, daß gerade die Erinnerung an die opfermutig für das Vaterland ge­fallenen jungen Freiwilligen der neuen Generation die Pflicht auserlegt, auch selbst Opfr dafür zu bringen, daß deutsches Gebiet frei wird, und da Deutschland durch pflicht­treue Arbeit und einigendem Zr nmenhalt seiner Bürger wieder hoch kommt. Darin sehe ich für meine Person die Mahnung, die die Toten von Langemarck für die deutsche Jugend bedeuten. Ich darf Sie bitten, den anderen Verbän­den, die die Eingabe mitn . Kbnef haben, dieses Schreiben

zur Kenntnis zu bringen.

Mit freundlichen Grüßen! gez.« von Hindenburg."