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hersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den kreis Hersfelö mit Sea Betlaaea: Illustelertes AalerhalLungÄdlall / Nach Set^radeaö / Herd nnO GNsUr / Mnietbaiuiao na» Litte» Belehrung aub Kurrweil / WirttchaftUche Taseefragea

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Monatlich« Bezugspreis: durch «e Pol! byogr» 130 Reichs-Mark, ausschließlich Vestellgelö, K tzersselö 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Mboier 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchbruckerei in Hersfelö, Mtglwö öesvdZV.

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Nr. 56

Freitag, den 7. März 1930

80. Jahrgang

Erfolgloser FMmM" der Kmmmislen

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Berlin, 6. März

Die Befürchtungen, daß es am sogenannten roten Donnerstag in Berlin zu Zusammenstößen kommen würde, haben sich, wenigstens tagsüber, glücklicherweise als grund­los herausgestellt. Die Reichshauptstadt war in den Tages­stunden völlig ruhig und das Straßenbild wies so gut wie gar keine Veränderungen auf. Selbst von einem größeren Polizeiaufgebot war nichts zu bemerken, trotzdem sich die gesamte Schutzpolizei in erhöhtem Alarmzustande be­fand. Bis 1 Uhr mittags kam es nirgendwo zu größeren Ansammlungen, so daß die Schutzpolizei nicht einzugreisen brauchte. In allen Großbetrieben wurde gearbeitet. Alle Siteitparolen stießen aus Ablehnung der Arbeiterschaft. Auch vor den Arbeitsnachweisen und Stempelstellen kam es zu keinerlei Kundgebungen, obwohl dort zeitweise größere Massen versammelt waren. Vor dem Larl-Liebknecht-Hans sind kommunistische Sicherheitsposten ausgestellt, um die kommunistische Hochburg gegen befürchtete Angriffe von na­tionalsozialistischer Seite zu schützen.

Am Nachmittag wurden hier und da Demonftralionsver- fuche unternommen, denen aber die wachsame Polizei über- j all schnell ein Ende bereiten konnte.

Der von den Kommunisten geplante Hungermarsch I Bernau-Berlin wurde von der Polizei verhindert. | Die Demonstranten kehrten nach Bernau zurück.

München, 6. März. Hier kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu kleineren und größeren Ansammlungen kom­munistischer Demonstranten. Das Arbeitsamt mußte ge­schlossen werden. Die herbeigerufene Polizei rückte mit meh­reren Hundertschaften und dem Ueberfallkommando an. Bei ihrem Erscheinen sang die Menge die Internationale. Die Polizei säuberte den Platz mit Gewalt.

Lresitzu, &JHcuö- Die Simmum^..,^^ mittags auf dem Neumarkt und zogen nach dem Ring, der als Bannmeile gilt. Da sie der Aufforderung des Ueber- fallkommandos, auseinanverzugehen, nicht nachkamen, son­dern den Polizeib-.umieu Schimpfworte gurieseN, wurden sie mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieben. Einige Per­sonen wurden verhaftet.

Göttingen, 6. März. An verschiedenen Stellen vor dem Arbeitsamt, kam es zu Ansammlungen von Kommunisten, die gegen die Polizei und die Republik demonstrierten. Die Polizei sah sich gezwungen, vom Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Ein Haupträdelsführer wurde vorübergehend festgenommen.

Kiel, 6. März. Am sogen.Weltkämpftag" versuchten die Kieler Kommunisten an verschiedenen Stellen der Stadt zu demonstrieren. Diese Versuche wurden von der Polizei, die in Alarmbereitschaft stand, im Keime erstickt.

Jtzehoe, 6. März. Anläßlich desWeltkampftages" ver- anchstalteten die Kommunisten einen Demonstrationszug. Als die Polizei diesen auflösen wollte, wurde Widerstand ent­gegengesetzt, so daß sie vom Gummiknüppel Gebrauch machen mußten. Die Demonstranten zogen sich darauf in eine Sei­tenstraße zurück und bewarfen die Polizei mit Ziegelsteinen. Von den Beamten wurden einige Schüsse abgegeben. Nach einer halben Stunde war es in der Stadt wieder ruhig.

Wien, 6. März. Der Zug der kommunistischen Ar­beitslosen ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Vor der Uni­versität kam es zu kleinen Zwischenfällen, als die auf der Universitätsrampe aufgestellten Studenten das Deutschland­lied sangen. Die Polizei räumte den Platz, vertrieb die De­monstranten und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Im 21. Bezirk wurden 23 Kommunisten, die aus Mistelbach mit Re­volvern ausgerüstet eingetroffen waren, sofort festgenom­men.

Die kommunistischen Ausschreitungen überall unterdrückt. Zwei Todesopfer in Halle.

Berlin, 7. März. Die Polizei hatte bis in die späten Abendstunden in allen Teilen des Reiches mit den kommu- ni frischen Kundaebunaen icbwere Arbeit. In L e i n s i a

Die Fraktionen haben das Wort!

Noch keine Einigung in der Finanzfrage.

Berlin, 7. März. Am Donnerstag haben sich die Wider- stände der Fraktionen gegen die Einigung in der Finanz- frage verstärkt. So beschlossen die Sozialdemokraten, sich ihre Stellung vorzubehalten, andererseits sind der Deutschen Volkspartei die Belastungen der Wirtschaft zu stark und die Steuersenkungsversprechungen erscheinen ihr nur als Zu­kunftsmusik. Sozialdemokratie und Deutsche Volksparkei find weiter dafür, daß zunächst der Youngplan erledigt wird.

Damit hat sich also an dem Gegensatz dieser beiden Frak­tionen zum Standpunkt des Zentrums nichts geändert, und die Situation sieht eigentlich wieder genau so aus wie vor der Kabinettseinigung. Gelingt es mcht, bis Mitte der näch­sten Woche eine Einigung Herbeizufuhren, so wird die Ent­scheidung bei der Schlußabstimmung über den Youngplan fallen Eine Mehrheit ohne das Zentrum ist nicht denkbar. Unter diesen Umständen blieben dann nur zwei Möglich­keiten, entweder das Zentrum gäbe nach oder die Young-

mischten sich die "Ruhestörer beim Einschreiten der Polizei immer unter die Messebesucher; auch warfen sie an verschie­denen Stellen der Stadt Fensterscheiben ein. Im Gebäude der sozialdemokratischenLeipziger Volkszeitung" wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. 30 Personen wur­den verhaftet. In Dresden wurde dieKommunistische Arbeiterstimme" und in ChemnitzDer Kämpfer" be­schlagnahmt. Beide Blätter hatten zum Ungehorsam gegen die Anordnungen der Regierung aufgefordert. In Mäg­de b u r g wurde die Lage am Abend ziemlich gefährlich, als der Verkehr in der Jakob-Straße völlig zu stocken drohte. Hierbei wurden einige Polizisten angegriffen und ein Beam­ter zu Boden geschlagen und mißhandelt. In Erfurt versuchte man wiederholt, einen Demonstrationszug zu bil­den, doch konnte die Polizei mit dem Gummiknüppel jeden Versuch unterdrücken. Von den zahlreich Sistierten blieb nur ein Führer des Erwerbslosenausschusses in Haft. Per­sonen wurden nicht verletzt. In Glogau entstand bei der Unterdrückung einer Demonstration ein Handgemenge, wobei zwanzig Verhaftungen vorgenommen wurden.

Berlin, 7. März. Die Demonskrakionsversuche in Berlin wurden im Laufe des Abends weiter fortgesetzt. Zu größe­ren Ansammlungen kam es gegen Geschäftsschluß an der Friedrich- Ecke Leipziger Straße. Gegen einschreitende Po­lizeibeamte wurde Widerstand geleistet. Ein Polizeibeamker gab in der Notwehr einen Schuß ab und verletzte feinen An­greifer schwer. Er wurde mit einem Bauchschuß nach dem Urban-Krankenhaus gebracht. Am Wedding-Platz wurden beim Einschreiten gegen Demonstranten zwei Beamte durch Hiebe mit Schlagringen so verletzt, daß sie in ein Kranken­haus eingeliefert werden mußten.

Gegen 21 Uhr versuchten Demonstranten im Zentrum Berlins an der Münz- Ecke Alte Schönhauser Straße eine Barrikade zu bauen. Sie schafften Müllkästen, Steine und Bretter herbei und löschten die Straßenlaternen aus. Beim Erscheinen der Polizei flüchtetenX? Täter.

In Berlin wurden bis 21.30 Uhr 7 Personen durch den Gebrauch von Schußwaffen verletzt, darunter eine Person schwer; außerdem wurde eine große Anzahl durch den Ge­brauch des Polizeiknüppels leicht verletzt. Von den 13 ver­letzten Polizeibeamlen, die im Verlaufe des ganzen Tages beim Einschreiten gegen Demonstranten zu Schaden gekom­men sind, wurden fünf erheblich verletzt. 115 Personen wur­den sisliert und eingelieferk. Kurz vor Mitternacht wollte die Polizei die Straßen imScheunenvierkel" (Zentrum) säu­bern, wo sie auf energischen Widerstand stieß. Als einige Beamte hart bedrängt wurden, griffen sie zur Schußwaffe. Ein Mann wurde durch einen Bauchschuß schwer verletzt, außerdem wurde ein Knabe durch eine verirrte Kugel ge-

' In Vitterfeld bildeten sich in den Nachmittagsstun- !den mehrere Demonstrationszüge, die aufgelöst wurden. Die Schutzpolizei wurde mit Steinen beworfen. 16 Personen wurden festgenommen.

... und im Ausland

London, 7. März. Hier sowie in M a n ch e st e r, G l a s- g o w und anderen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. In London wurden fünf Personen leicht ver­letzt, in Manchester wurden fünf und in D u b l i n vier Perso­nen verhaftet.

New Park, 7. März. Trotz außergewöhnlicher Polizei­maßnahmen konnten die Kommunisten verschiedentlich An­sammlungen herbeiführen. In Was Hington ging die Polizei mit Tränengas vor, um die Demonstranten vom Weißen Haus abzudrängen, mehrere Kommunisten wurden verletzt.

Prag, 7. März. Bei Zusammenstößen in G a b l o n z machten die Gendarmen von der Schußwaffe Gebrauch, als sie mit Steinen beworfen wurden. Die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest. Dreizehn Demonstranten wurden ver­haftet; drei von ihnen hatten Säbelverletzungen.

das Zentrum nicht fzugeben. Die Ableh- rlich den Rücktritt der

gesetze wurden vom Reichstag abgelehnt. In Zentrums­kreisen wird ausdrücklich betont, daß das Zentrum nicht daran denke, feinen Standpunkt aus nung der Pounggesehe würde natürl , Regierung zur Folge haben.

Die erste Niederlage Tardieus

Sie bleibt aber ohne Folgen.

Paris, 7. März. Am Donnerstag hat die Regierung in der Kammer ihre erste Niederlage erlitten, die allerdings keine Folgen haben wird, da nicht die Vertrauensfrage ge­stellt war. Der sozialistische Abgeordnete Vincent Auriol verlangte in der Einzelberatung des Einnahmebudgets Zu- rückoerweisung des Artikels über die Besteuerung bei Ve- sitzwechsel an den Ausschuß. Dieser Antrag wurde gegen den Willen der Regierung mit 303 gegen 266 Stimmen an genommen.

Großadmiral von Tirpitz f

München, 6. März

In einem Sanatorium bei München verstarb am Donnerstag plötzlich Großadmiral von Tirpitz.

Lebenslauf

Tirpitz wurde 1849 in Küstrin geboren. Er hätte am 19. März sein 81 Lebensjahr vollendet. 1865 trat er als Seekadett in die d lige preußische Marine ein und machte hier sehr schnell SuXere. 1892 war er Stabschef des Ober­kommandos der deutschen Seestreitkräfte, 1895 Kontreadmi- ral, von 1896 bis 1897 befehligte er die deutsche Kreuzer­division in Ostasien. 1897 wurde er als Staatssekretär in das Reichsmarineamt berufen, dem er bis zu seinem Rück­tritt 1916 angehörte. Tirvik bat somit volle 51 Iabre im

Marinedienst gestanden und' weitere 12 Jahre als Politiker versucht, dem deutschen Volke zu dienen. Bekanntlich trat er nach dem Umsturz der Deutschnationalen Volkspartei bei. Er hat nach dem Kriege insofern eine geschichtliche Rolle ge­spielt, als er es war, der im Frühjahr 1925 den General­feldmarschall von Hindenburg bewog, die Kandidatur zum Reichspräsidentenposten anzunehmen. Des parlamenta­rischen und parteipolitischen Kampfes müde, hat Tirpitz bei den letzten Wahlen zum Reichstag nicht wieder kandidiert. Er verlebte vielmehr feine letzten Jahre in Feldafing am Starnberger See.

Sein Lebenswerk

Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte". Diese Dichterworte,

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einst auf den Schöpfer kaiserlicher Heere angewandt, gelten auch für den Schöpfer der deutschen Kriegsflotte, Alfred von Tirpitz. Nach einem beispiellosen Aufstieg auf der Stufenleiter des Marineoffiziers gelangte Tirpitz am Aus­gang des vorigen Jahrhunderts in jene Stellung, die ihm Macht gab, beherrschenden Einfluß auf die deutsche Flot- tenpolitik der Vorkriegszeit auszuüben. Mit der ganzen Kraft feiner Persönlichkeit und seinen überragenden gei­stigen Fähigkeiten setzte Tirpitz sich für den Bau einer gro­ßen deutschen Schlachtslotte ein. Diesen Gedanken verstand er ins Volk zu tragen und durch eine meisterhaft durchgeführte Propaganda populär zu machen.Deuts ch- lands Zukunft liegt auf dem Wasser!" Die­sem Worte des ehemaligen Kaisers gemäß handelte Tir­pitz und verfocht hartnäckig allen Gegnern zum Trotz seine Pläne gegenüber Regierung und Parlament. Sein Ziel war nach einem von ihm geprägten Schlagwort die Schaf­fung einer sogenannten Risiko-Flotte, die zu bekrie! jeder anderen Seemacht, besonders England, wegen des mit verbundenen Risikos zu gewagt erscheinen sollte. Tir­pitz verwarf den Gedanken einer starken, aus schnellen Ein­heiten bestehenden Kreuzerflotte und setzte den Aus­bau der Schlachtflotte durch. Zahllos sind die Angriffe ge­wesen, die gegen Tirpitz aus fachmännischen Kreisen des­wegen sowohl vor als auch nach dem Kriege erhoben worden sind. Hätte Deutschland, so wird auf der einen Seite behauptet, zu Beginn des Krieges eine große An­zahl von für den Handelskrieg besonders geeigneten Schif­fen besessen, dazu ein Vielfaches der Zahl der Unterseeboote, dann wäre es ihm gelungen, die englische Blockade zu durch­brechen und England auf allen Meeren Abbruch zu tun, es schließlich auf die Knie zu zwingen. Im Gegensatz dazu schwebte Tirpitz das Ziel vor, in offener Seeschlacht mit den schwimmenden Festungen, den Schlachtschiffen, den englischen Dreadnoughts entgegenzutreten und England die Herrschaft der Meere mit einem Schlage zu entreißen. Die Befürworter dieses Planes mürben ebenso wie Tirpitz nach Kriegsausbruch arg enttäuscht, als die Leitung der deut­schen Politik andere Wege ging

Nach den zuletzt bekanntgewordenen Ergebnissen der Präsidentschaftswahl haben I u l i o P r e st e s 895 976 Stimmen und der Kandidat der Liberalen Allianz Getulio Vargas 741835 Stimmen erhalten. Der Sieg des Regie- rungskandidaten erscheint demnach gesichert.