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hersfelöerTageblatt

Pnzeigenprels: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus, Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. * Zür die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Jans in Hersseld. * Kernsprecher Nr. 8

tzersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für -en Kreis Hersfelö

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Nr. 48

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Mittwoch, den 26. Februar 1930

Sie Krise auf dem Vaumarlt.

Unter dem Druck der allgemeinen Wirtschaftskrise und der katastkpphalen Lage des Baumarktes haben sich die Arbeiigeberverbände des gesamten deutschen Bau- 0 e w e r b e s gezwungen gesehen, von ihrem Kündigungs- recht Gebrauch zu machen und die zurzeit gültigen Bau- arbeiterlöhne zum 31. März 1930 zu kündigen. Eine ' Kündigung der Bauarbeiterlöhne ist auch im Rheinland und in Westfalen erfolgt.

Einen Blick auf die heutige Lage des Baumarktes zu werfen genügt schon, um die obige Meldung als nicht gerade unerwartet zu betrachten. Wohl kaum ein Zweig der deutschen Industrie ist im letzten Jahre so hart von der allgemeinen Wirtschaftsnot getroffen worden wie die Bauwirtschaft. Was besonders deswegen so bedenklich ist, weil Gunst und Ungunst auf dem Baumarkt sich nach allen Seiten hin auf eine ganze Reihe anderer Wirtschafts­zweige auswirken.

Soeben erst hat man sich über die Verhältnisse auf dem Baumarkt und im Wohnungswesen unterhalten und dabei die bittere Feststellung machen müssen, daß das Wohnungsbedürfnis für die weniger und die gering Be­mittelten eigentlich erst dann einigermaßen gestillt werden kann, wenn sich etwa 1935 der starke Geburtenrückgang während des Krieges wohnungspolitisch geltend macht. "Also sozusagen nicht auf normalem Wege eine Besserung erfolgt. Mindestens 800 000 Familien haben keine eigene Wohnung und etwa die gleiche Zahl von Familien ist in uberfüllten Wohnungen zusammengestopft. Dazu kommt ein Zuwachsbedarf von jährlich etwa 250 000 Wohnungen. Hub nun auf der anderen Seite die verhängnisvollen k r e d i t p o l i t i s ch e n Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, die verhindert haben, daß über die Befriedi­gung des Zuwachsbedarfes hinaus die Wohnungsnot wesentlich gemildert werden konnte.

80. Jahrgang

Ehautemps bereits gestürzt

Ick den letzten Monaten des vergangenen Jahres gab es auf Bauvorhaben Prwathypothekeu zu erster Stelle theken blieben völlig ergebnislos. Kurz,ristige Zwrscheü- kredite für die Ausführung von Bauten waren gleichfalls enorm kostspielig - auch hier mit der Einschränkung: wenn sie überhaupt zu kriegen waren! So nähern sich die Baukosten, bei denen natürlich auch der Lohnanteil eine sehr große Rolle spielt, nun schon dem Punkt, der 100 Prozent über dem Baukosteninder der Vorkriegszeit liegt. Entsprechend hoch sind dann auch die Mieten für Neubau­wohnungen, wo diese nicht durch die billigeren Hauszins­steuerhypotheken zu wenigstens etwas geringeren Kosten hergestellt werden konnten. Aber der Umfang dieser hier zur Verwendung kommenden Mittel ist auch längst nicht so groß wie der Steuerertrag selbst, weil ein Teil davon für die allgemeine Finanzverwaltung der Länder und der Kommunen verwendet wird. Vielfach und sicher nicht mit Unrecht wird auch darüber geklagt, daß her allzu lang­same Gang der Behördenmaschinerie bei der Prüfung and Genehmigung von Bauvorhaben hemmend und ver­teuernd wirke. Wie daher nicht anders zu erwarten ist, richtet sich das Streben der Arbeitgeber nach Herab- drückung der Baukosten nun vor allem gegen die bisherige Lohnhöhe, wobei es allerdings sehr fraglich bleibt, ob auf diesem Wege eine wirkliche Überwindung der Krise auf dem Baumarkt erreicht werden kann.

Denn bei dieser sprechen ja noch andere wirtschaftliche Vorkommnisse ein vielleicht noch lauteres Wort als nur die bedrohliche Kreditlage, deren Folgeerscheinungen sie allerdings zum großen Teil sind: Der fast völlige Rück­zug d e"rö f f e n t l i ch e n H a n d", also des Reiches, der Länder und namentlich der Kommunen als Auftraggeber vom Baumarkt. Und die Behörden aller Art standen in der Reihe dieser Auftraggeber ganz vorn und in die vielen Williberte von Millionen gingen die Mittel, die von dort aus der Bauindustrie zugeleitet wurden und auch das muß festgestellt werden zu einerÜbersetzung", zu einer ungesunden Vermehrung der Zahl der Betriebe führten. Damit ist es nun zum großen, vielleicht zum größten Teil vorläufig vorbei; von der Reichsbahn und der Reichspost herunter" bis zur letzten Kommune wird gespart und noch­mals gespart, vor allem bei geplanten, ja bei halbfertigen Bauten. Nur was hier wirklich und ganz, aber auch ganz dringend notwendig ist, wird noch ausgeführt. Außerdem ist noch der p r i v a t e n Bauindustrie gerade bei den Bau­aufträgen der öffentlichen Hand eine fehr fühlbare Kon­kurrenz, in denBauhütten" erwachsen, Baubetrieben - f genossenschaftlicher Betätigung darstellen

schon in großem Umfange auf Siedlungs-

Seine Demission angenommen.

Stürmischer Abschluß der Sammersitzung.

Paris, 26. Februar. Die Kammer hak die von der Re­gierung unter Stellung der Vertrauensfrage beantragte Priorität für die Tagesordnung Aneriou mit 292 gegen 279 Stimmen abgelehnt.

Das Kabinett Ehautemps ist daraufhin zurückgetreten.

Ministerpräsident Ehautemps und sämtliche Mi- nisterkollegen haben sich dann ins Elysee begeben und dem Präsidenten der Republik die Demission des Kabinetts über- -racht. Präsident Doumergue hat die Demission angenom­men und die zurückgetretenen Minister mit der Führung der laufenden Angelegenheiten betraut.

Die Auszählung des Ergebnisses der Abstimmung in der Kammer hat eine volle Stunde gedauert, während der die Abgeordneten warteten. Anscheinend hat es Unstimmig­keiten bei der Nachprüfung des Ergebnisses gegeben Die Abgeordneten wurden bereits ungeduldig, da' weder der Kammerpräsident noch der Ministerpräsident erschienen, und begannen ein Pultdeckelkonzert. Endlich erschien Minister­präsident Ehautemps und unmittelbar darauf der Kammer­präsident. Die linke Seite des Hauses brach in diesem Augen­blick in eine stürmische Ovation aus. Nach Bekanntgabe' des Abstimmungsergebnisses verließen die Kabinettsmitglieder den Sitzungssaal, worüber die Rechtsparteien in lärmenden Beifall ausbrachen, während sich die gesamte Linke des Hau­ses erhob und eine Gegenkundgebung veranstaltete, bis end­lich der Saal sich langsam lehrte.

Der meiuit

S o u l i e r verzichtete auf die Begründung seiner Inter­pellation, denndie Zeit der Kammer sei kostbar und die Augenblicke der Regierung seien gezählt". Der Linksradi­kale L e b r o u e meinte, daß Ehautemps wohl über die sozialistische Unterstützung verfüge, aber keinen Sozialisten im Kabinett habe. Seinem Ministerium gehören anderer­seits Abgeordnete der Radikalen Linken an, ohne daß diele Fraktion die Regierung unterstütze.

In seiner Erwiderung ging

Ministerpräsident Ehautemps

auf diese Ausführungen Lebroues ein, der sich vor allem gegen die Zusammensetzung des Kabinetts gewandt hatte. Die Kritik am Regierungsprogramm bezeichnete er als un­einheitlich. Man habe versucht, ihn mit sich selbst oder Mit­gliedern seiner Regierung in Widerspruch zu seyen Bei der

vor allem gegen die bisherige gs sehr fraglich bleibt, ob auf

kurrenz, in denBanyunen" errvuemea, -Oauveirieoen also, die eine Art genossenschaftlicher Betätigung darstellen und die sich auch schon in großem Umfange auf Siedlungs­und Sammelbauten ausgedehnt haben.

Alle diese unerfreulichen Verhältnisse auf dem Bau­markt dürften in absehbarer Zeit sich kaum wesentlich ändern, auch nicht durch eine etwaige Lohnherabsetzung. Eine wirkliche Anpassung an die Lage, wie sie nun einmal ist, verlangt viel mehr auch noch eine scharfe Rationalisie­rung im Baugewerbe, nicht bloß hinsichtlich der vielfach wohl nicht gerade modernen Betriebsformen, sondern auch der Zahl der augenblicklich vorhandenen Betriebe. Schon manchen dürren Ast hat die Wirtschaftskrise auch hier gebrochen, doch es ist noch recht vieles Morsche vor­läufig geblieben. Wehren aber möchte man sich gegen die Befürchtung, daß man zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bis zum 1. April etwa nicht zu einer neuen gung zum Tarifabschluß kommt und ein Streik bzw. Aussperrung mit ihren schweren wirtschaftspolitischen ;en gerade dann ausbrich^wenn die Bausaison b.

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Finanzpolitik müsse man eine übertriebene Steuerpolitik vermeiden, vor allem übertriebene Verbrauchssteuern, die die Produktion des Landes lahmlegen. Er wolle aber für seine Finanzpolitik die Vorschläge des Finanzausschusses der Kam­mer als Grundlage annehmen. In naher Zukunft werde man dann die Möglichkeit weiterer Steuererleichterungen I nachprüfen können. Bei der Einführung des unentgeltlichen Schulunterrichts handele es sich um eine Reform, die in kei­ner Weise auf das Unterrichtsnu opol abziele. Zur Außen­politik erklärte Ehautemps, daß Frankreich von Tardieu in London gut vertreten wurde, doch dürfe man nicht vergessen, daß die Außenpolitik Frankreichs schon mehrere Jahre von B r i a n d geführt werde. Alle Regierungen hätten gegen­über den ausländischen N tionen eine solidarische Pflicht, gleichviel welche außenprütischen Ereignisse sich abspielen. Man müsse vor allem d m Außenminister das Vertrauen schenken, damit er in Gen? jene konstruktive Einigung Euro­pas verwirklichen könne, die er als erster empfohlen habe. Auf einen etwaigen Einwand, daß er ein bescheidenes Ar- beitsprogramm vorgelegt habe, erinnerte Ehautemps an eine Aeußerung Tardieus bei der Abgabe feines Regierungs- programms, mit Bezug auf die linksstehenden Parteien: Ich halte hier eure politischen Pläne in der Hand! Also schießt nicht auf mich!" Die Regierung habe mit der So- zialistifchen Partei ein anderes Abkommen abgeschlossen, als mit allen anderen republikanischen Parteien der Kammer; sie sei vollkommen frei. Ehautemps schloß seine Ausführun­gen, indem er darauf Hinweis, daß Tardieu eine Mehrheit von 79 Stimmen hatte und nicht nur von linksstehenden Ab- geardneken gestürzt wurde, sondern auch von Abgeordneten der Mehrheit. Jene rechtsstehenden Abgeordneten müßten sich heute wenigstens der Stimme enthalten.

Kammer nur dann aktionsfähig werlldss"ru!!ll, stell.0NJssiau- KonzentrationSregierung auf breiter Grundlage

unter Einschluß der Radikalen, der linksstehenden Gruppen und der Linksrepublikanischen Fraktion zustandekommen sollte, an deren Spitze jetzt T a r d i e u treten dürfte.

Andernfalls müßte man einen nationalen Block schaffen, dessen Bestehen täglich, ja sozusagen stündlich, von den ver­einigten Sozialisten und Radikalen gefährdet werden könnte. Somit nimmt man allgemein an, daß der Präsident der Republik Tardieu mit der Bildung des neuen Kabinetts nicht betrauen kann. Man neigt der Ansicht zu, nur ein Senator könne die Situation retten, und so werden auch bereits drei Senatoren in diesem Zusammenhangs genannt, und zwar Maurice Sarraut, Steeg und Peret.

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Eine neue Regierungskrise?

Sie Streitigkeiten

bei den Regierungsparteien.

Verhandlungen über das Notopfer.

Im Reichstag gehen wieder Krisengerüchte um, Ge­rüchte, die davon wissen wollen, daß die Regierung zurück­treten werde, falls das Polenabkommen abgelehnt oder seine Abtrennung von dem gesamten übrigen Komplex der Haager Gesetze vom Reichstag beschlossen werden sollte. Die auf dem rechten Flügel der Deutschen Volks- partei stehende Deutsche Allgemeine Zeitung, die sich selbst als zwischenparteilich bezeichnet, weiß davon zu berichten, daß zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokrtie be­reits bestimmte Abreden getroffen seien, die nur darauf hinauslaufen können, die Deutsche Volkspartei zum Ver­lassen der Koalition zu zwingen. Man spricht schon von einer bevorstehendenGewerkschaftsregierung", die sich auf folgenden Grundelementen aufbauen würde:

Sicherung der Arbeitslosenversicherung in ihrem heutigen Umfang ohne Beeinträchtigung ihrer Leistun­gen und ihrer bisherigen Praris; Deckung ihres De,i- zits mit Reichshilfe, Sanierung der Reichskasse, aber Verzicht auf alle Steuersenkungspläne, Wiederherstel­lung der vom Kabinett gekürzten sozialen Positionen zu Lasten neuer Abstriche am Wehretat.

Wieweit diese Nachrichten den Tatsachen entsprechen, werden die nächsten Tage bald zeigen. Richtig ist es, daß noch immer große M e i n u n g s v e r s ch l ed en h e l - t e n unter den Regierungsparteien bestehen. Die Sozral- demokraten sind erbittert über den l a n g s a m e n Gg n g der Verhandlungen in den Young-Ausschussen In einem ziemlich geheimnisvollen Artikel »Wie.lange noch?" betont das Zentralorgan der Sozialdemokraten, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktron diesen Zu­stand nur mit wachsender Ungeduld ertrage und untätig zusehen müsse, wie kosthare Zeit ver­trödelt werde. Die Regierung müsse die Initiative er­greifen, um den Gang der Dinge zu beschleunigen.

Auch um die D e ck u n g d e s F e h ! b e t r a g e s sm die Arbeitslosenversicherung wird noch immer heiß ge­stritten. Wie es heißt, will nun Reichsfmanzmmrster Dr.

Motdenyauer seine Finanz- und Steuervorschläge dem Kabinett am Donnerstag unterbreiten. Das Defizrt wird in der Hauptsache durch die Biersteuer gedeckt werden, mit der die Bayerische Volkspartei sich abgefunden haben soll, weil ein erheblicher Teil des Steuerertrages den Ländern

zugute kommen soll.

Bei der Arbeitslosenversicherung soll der 150 Mil­lionen übersteigende Bedarf (und der macht ungefähr weitere 100 Millionen aus) durch ein Notopfer der Fe st besoldeten gedeckt werden. Dieses Notopfer ist so gedacht, daß alle zurzeit nicht arbeitslosenversicherungs- pflichtigen Einkommenbezieher einen lOprozentlgqn Zu­schlag zu ihrer bisherigen Einkommensteuer zahlen, al;o einen Betrag in der Höhe der Kirchensteuer.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung nennt diese vor­geschlagene Steuer eine typischeN o t z u ch t st e u e r

~ tsche Volksparte, die Verab- keinen Fall mitmachen dürfe.

geschlagene Steuer ..

und meint, daß die Dem schiedung dieser Steuer auf ........

Man sieht, daß innerhalb der Koalüwnsparteren tat­sächlich noch große Meinungsverschiedenheiten zu Über­drücken sind und daß die Regierungsparteien es dem neuen Finanzminister nicht leicht machen, ein Glerchgewicht m den Etat hineinzubringen. Das muß aber m den nächsten Tagen unbedingt geschehen, damit der Etat rechtzeitig ver­abschiedet werden kann.

Die Polenbesprechungen beendet.

Die vereinigten Reichstagsausschüsse zur Beratung des Young-Planes führten Dienstag die vertrauliche Be­ratung über das Polenabkommen zu Ende. Die Ab­stimmung über dieses Abkommen soll erst nach Schluß der gesamten Beratungen zugleich mit den übrigen Liquida­tionsabkommen und dem Rahmengesetz für das Young- Abkommen stattfinden. Es wird nicht geglaubt, daß dies vor Ende der Woche der Fall sein wird.

Drei Arbeiterinnen verbrannt.

London. Beim Brand einer Hutsabrik in Luton in der Grasschaft Bedford kamen drei Arbeiterinnen m den Flam­men um.