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hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 4l

Dienstag, den 25. Februar 1930

80. Jahrgang

Generalangriff gegen

Religion und Kirche

Der Berliner Polizeipräsident hat gegen drei Dar­stellungen in derReichsarbeiterkulturausstellung" der Kommunistischen Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur ein Bersahren eingeleitet, weil sie gegen die §§166 und 360, Ziffer 11 St.B.G. verstoßen. Bei den beanstandeten Darstel­lungen handelt es sich um ausgesprochen kirchenfeind- liche den christlichen Kult verhöhnende und das christliche Empfinden verletzende Bil­der in Form von Kirchenfenstern. Das eine Bild zeigt die Karrikatur eines Pfarrers, vor welchem ein abgehärmter alter Arbeiter kniet, und führt die Unterschriften:Wer nicht arbeitet, soll am meisten essen" undIch bete für dich, und du arbeitest für mich!" Ein zweites Bild zeigt einen predigenden Pfarrer und einen Offizier mit blutbeflecktem Degen mit der Ueberschrift:Bohre dem Feinde das Bajo­nett in den Leib, das ist wahrer Gottesdienst!", und der Unterschrift:Die Kirche ist der wahre Frieden!" In dem Raume steht vor einem Altar eine große plastische Nach­bildung der bekannten Zeichnung von George Grosz, die C h r i st u s am Kreuze mit Gasmaske und Stiefeln und mit der UeberschriftMaulhalten und weiterdienen" darstellt Die Groszsche Zeichnung war bekanntlich mit an-, deren Zeichnungen bereits im Jahre 1928 beschlagnahmt. Grosz ist seinerzeit vom Schöffengericht wegen Gottesläste­rung verurteilt und in der Berufungsinstanz freigesprochen worden. Die gegen den Freispruch eingelegte Revision schwebt noch.

Ein Berliner Blatt bezeichnet den Schritt des Berliner Polizeipräsidenten alsaufsehenerregend", da es sich bei dem Bilde des Malers Grosz um dasselbe Kunstwerk (!) handelt, wegen dessen er vom Landgericht freigesprochen wurde. Das Blatt polemisiert also gegen eine Maßnahme, die sich gegen eine bewußte und gewallte Verhöhnung der Kirche richtet. Daß diese Polemik von..einem sogenannten bürgerüchen Blatt geführt imrb,TW^^^ obwohl hier deutlich eine Tendenz zutage tritt, die sich bei uns in Deutschland immer stärker' hervorwagt und einen systematisch geführten Kampf gegen Kirche und Religion andeutet, der nicht ernst genug aufgefaßt werden kann. Alle religiös positiv eingestellten Kreise sollten diesen Erschei­nungen um so größere Beachtung scheinen, als wir gerade jetzt in Rußland das furchtbare Ergebnis einer über ein Jahrzehnt geführten C h r i st e n v e r f o l g u n g er­leben, wie sie entsetzlicher gar nicht gedacht werden kann.

Man kann in der Entwicklung der Religionsverfolgung in Sowjstrußland klar drei Etappen unterscheiden. Die erste begann bereits in den ersten Monaten der Sowjet­herrschaft mit der Zerschlagung und Vernichtung der Ein­heit der organisierten Kirchen, wobei vor allem die russisch- griechisch-orthodoxe Kirche als gewesene Staatskirche ins Auge gefaßt wurde Doch vergaß man hierbei auch die an­deren christlichen Bekenntniskirchen nicht. Die zweite Etappe kann man mit dem Namen Liquidation der Kirchen be­zeichnen, wobei die einzelnen Kirchengemeinden und deren Vertreter Zielscheibe der Aktion wurden. Nun scheint man allen kecken Dementis zum Trotz in forciertem Tempo in die dritte und letzte Etappe: die Ausrottung aller Reli­gion eingetreten zu sein Diesen letzten Kampf, einen Kampf, der mit "gleicher Konzentrierung und Anspannung geführt wird, hat das muß ständig betont werden die Ge­schichte bisher nicht gekannt.

Die Erbitterung des revolutionären Atheismus ist durch dessen viele Enttäuschungen und Niederlagen zu erklären Standen sich doch einst die Sowjetregierung in ihren ver­wegensten Vertretern und der verstorbene Patriarch Tychon vor einem vieltausendköpfigen Auditorium Moskauer Ar­beiter gegenüber. Das Auditorium entschied dadurch, daß es den christlich-kirchlichen Gruß des Oberhauptes der russi­schen Kirche mit einer ebenso christlich-kirchlichen Antwort erwiderte, nicht zugunsten des roten Kremls, was diesem zu denken gab. Doch scheute man vor der endgültigen Zer­schlagung aller kirchlichen Organisationen, selbst vor der Inhaftierung der Geistlichkeit und gar des allrussischen or­thodoxen Patriarchen nicht zurück. Aber selbst nach Zer­schlagung dieses Pfeilers des russischen Volkslebens mußte man einsehen, daß die Aufgabe unlösbar war, dem russi­schen Volk sein intensives religiöses Leben, das häufig in unsichtbaren Tiefen^ verlief und eigenartige Formen an- nahm, zu rauben Strahlenförmig von Moskau ausgehend, verbreitete sich der Kampf über das gesamte Reich. Er nahm aber auch insofern an Umfang zu, als man ihn nunmehr nicht nur auf die rassig orthodoxe Kirche, sondern auch auf den römischen g^U mus, den Protestantismus, den Is­lam und das In atm übertrug. Unter dem Vorwand, Mittel für Hungernde zu schaffen, raubte man die kirch­lichen Wertgegenstände, man enteignete sämtliches beweg­liche und unbewegliche kirchliche Vermögen. Man schleppte Vertreter der Kirchengemeinden, Geistliche und Nichtgeist- liche, in Hellen Scharen nach den Gefängnissen und ander­weitigen Verbannungso man griff zur Folter und zur Hinrichtung. Tausende! es, die zu diesen bekanntgewor­denen und unbekannt geliehenen Märtyrern der Religion zählen.Wir stehen erschauernd vor diesen Bildern, vor der blutigen Hand desHohenpriesters der Gottlosigkeit", wie sich schon Lenin genannt hat.Eine beredte Sprache sprechen die im Jahre 1928 geschlossenen 354 Kirchen, 38 Klöster, 38 Moscheen, 43 Bethäuser, eine beredte Sprache die in den letztverflossenen drei Monaten geschlossenen 950 Gottes­häuser, der Raub der Kirchenglocken, der Friedhofskreuze.

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Berlin, 24. Februar. (Eig. Meldg.)

Die Arbeit der Vereinigten Young-Ausschüsse des Reichstages geht langsam vorwärts, so langsam, daß die Beschleunigung wenigsten eines Teiles des Haager Ver­tragswertes jetzt erwogen wird. Die Ausschüsse' werden nämlich kaum vor Donnerstag mit der Beratung der gesamten Liquidationsabkommen einschließlich des polni­sch e n fertig. Die zweite Beratung des Äsung-Planes im Reichstag könnte also nicht vor Freitag beginnen, wenn man auf den Abschluß der Ausschußberatungen warten wollte. Die Regierung und die ihr nahestehenden Parteien erwägen daher jetzt, die vielerörterte Trennung zwi- scheu dem Young-Plan und den Abkommen, wenn auch nicht für die Dauer, so doch für einige Tage durchzuführen, die Young-Gesetze selbst von M i t t w o ch an im Reichstag zur zweiten Lesung zu stellen, die Ver­einigten Ausschüsse gleichzeitig über die Abkommen weiter beraten zu lassen und nach Abschluß der zweiten Lesung der Young-Gesetze etwa am Sonnabend die zweite Beratung der sämtlichen Liquidationsabkommen in Angriff zu neh­men

Die folgende Woche würde dann nicht für den Fasching freigegeben, sondern zur dritten Lesung der Gesamtheit der Haager Gesetze und Vereinbarungen benützt werden. R o - senmontag und Aschermittwoch müssen also dies­mal zurücktreten. Dieser Plan, der übrigens noch der Be- a ^ ^'^f&w^^ des Verfahrens; offenbar hat man sich klar gemacht, daß die Einlegung einer Karnevalspause, von der Tatsache des Zeit­verlustes abgesehen, zu mißfälligen Bemerkungen Anlaß geben würde.

Damit wird natürlich nur die eine Seite der großen politischen Aufgaben der nächsten Zeit geklärt sein. Die an­dere, die finanzielle Verständigung, liegt noch im Dunkeln. Bis jetzt ist noch keine Kabinettssitzung für die Besprechung der Finanzpläne angesetzt. Wenn sich die dritte Lesung der Young-Gesetze bis in die nächste Woche hinein verschiebt, sind allerdings wieder einige Tage gewonnen, an denen die Parteien versuchen könnten, sich über die Finanzfragen zu verständigen.

Es ist aber unter keinen Umständen, auch unter den günstigsten nicht, mehr als eine hastige Vereinbarung über eine für den Augenblick bestimmte Deckung der Fehlbeträge im Reichshaushalt und bei der Arbeitslosenversicherung zu

Ganz wie der russische Schriftsteller Mereschkowski es vorausgesehen:Der Weltkrieg wird in einen neuen Krieg enden, den Krieg des Kreuzes gegen das Pentagramm." Erst in diesen Tagen kommt die Nachricht, daß auch mehrere evangelische Geistliche in Leningrad verhaftet worden sind.

Es ist nicht ohne Bedeutung, vielleicht auch nicht ohne Absicht, daß fast zur gleichen Zeit rücksichtslosesten Kampfes des russischen Sowjetsystems gegen das religiöse Leben im russischen Volke die deutschen Kommunisten ebenfalls einen Feldzug gegen die Religiosität tm deutschen Volke eröffnen und zwar unter der Maske einerproletarischen Kunstaus­stellung." Umso bedauerlicher ist es. daß ein Berliner Blatt glaubt, auskünstlerischem Empfinden" heraus gegen die polizeilichen Maßnahmen zum Schutze des religiösen Emp­findens sich ereifern zu müssen, obwohl, wie oben erwähnt, die Bolschewisten auch vor dem jüdischen Kult nicht Halt machen.

Ergebnis der Berhnndlungen Schobers

Der Bundeskanzler befriedigt Einigung über den Handelsvertrag

Berlin, 24. Februar

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober hat sich über seinen Berliner Besuch Pressevertretern gegenüber außerorden lich befriedigt ausgesprochen, u. a. auch über die allgemeinen politischen Verhandlungen, dieentsprechend den bestehenden engen politischen Beziehungen im Geiste vollständigen gegenseitigen Vertrauens" geführt worden seien.

Was die deutsch - österreichischen Handelsvertragsver­handlungen anbelangt, so sind diese am Montag abge­schlossen worden. Ueber ihr Ergebnis und das Resultat der politischen Besprechungen wird von zuständiger Seite mit- geteilt: Die Besprechungen, die unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers Müller abgehalten wurden, umfaßten den gleichen Personenkreis wie am Sonnabend. Der Montagsitzung waren am Sonntag Einzelbesprechungen wirischaflspolrii- scher Art vorausgegangen. Auf dieser Grundlage ist in der heutigen Verhandlung auch über den geplanten deulsch- österreichischen Handelsvertrag eine Einigung in den wichtigsten bisher noch ossenstehenden Fragen erzielt wor­den. Es kann deshalb mit Bestimmtheit erwartet werden, daß der Vertrag binnen kurzem zum Abschluß gelangen

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erwarten. Alle Probleme einer durchgreifenden Reform werden vertagt werden, weil die Regierung nicht daran glaubt, die Parteien zusammenführen zu können.

Parlamentarische Billigung des Polenabkommens gesichert.

Berlin, 25. Februar. Das Finanzprogramm hat trotz zahlreicher und eingehender Konferenzen zwischen der Re­gierung und Parteien noch immer keine festen Umrisse ge­wonnen. Durch die jetzt als sicher zu betrachtende Verlegung der dritten Lesung der Haager Gesetze in die erste März­woche sind zwar einige Tage für Verhandlungen über die Finanzfragen gewonnen worden. Es ist jedoch nicht sicher, ob in dieser Frist eine völlige Klärung der drei hauptsäch­lichen Gefahrenpunkte: Liquidationsabkommen, Arbeits­losenversicherung und Steuerprogramm erreicht werden kann. Das Zentrum hält übrigens nach wie vor an feinet Forderung einer grundsätzlichen finanziellen Verständigung vor der dritten Lesung der Young-Gesetze fest.

Die parlamentarischen Aussichten des Abkommens mit Polen werden jetzt etwas günstiger beurteilt, als in der ver­gangenen Woche, wenn auch eine Anzahl von Mitgliedern des Zentrums und der D.V.P. bei ihren Wünschen gegen das Abkommen verharren und entweder dagegen stimmen oder der Abstimmung fernbleiben werden.

S.P.D.-ReichstagsfrKktrrm für ein Reichsnotopfer

Berlin, 25. Februar. Die Sozialdemokratische Reichs­tagsfraktion beschloß am Montag, dem Republikschutzgesetz entsprechend den Beschlüssen des Rechtsausschusses zuzu stimmen.

Die Aussprache über den Stand der interfraktionellen 4^%llMa^ Rl HS9BM ^ »M« den Etatsjahre ergab, daß die Kürzung der sozialen Aus­gaben, die das Reichskabinekt gegen die sozialdemokratischen Minister beschloß, auf einen ebenso erheblichen Widerstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion stoßen wird wie die gleichzeitige Erhöhung der Wehrausgaben.

Im Vordergrund der Aussprache stand ferner die Deckung des Fehlbetrages der Arbeitslosenversicherung und die Heranziehung der leistungsfähigen Schichten durch ein sogenanntes Notopfer mittels eines Zuschlages zur Einkom­mensteuer. Die Fraktion billigte hierbei die Auffassung ihrer Unterhändler, die alle Absichten auf direkten oder indirekten Abbau der Arbeitslosenversicherung ablehnten und die Auf rechterhalkung der Darlehenspflicht des Reiches für die Ar­beitslosenversicherung verlangt haben, wenn die Sanierung nicht durch Erhöhung der Beiträge erfolge, ebenso auch die Forderung, daß der Ausgleich des Etats nicht auf den ein­seitigen Weg der Massenbelastung führen könne, sondern durch ein Rotopfer der Leistungsfähigen mit herbeigeführt werden müsse.

wird. Die noch zu bereinigenoen Einzelsragen werden so­fort nach der Genfer Zollfriedenskonferenz durch die beiden Delegationen erledigt werden.

Am Montag vormittag besichtigte der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober das deutsche A u st r o - Daimler-Steyr-Haus in Berlin. Das Haus hatte dem Bundeskanzler zu Ehren Flaggengala angelegt. Mit großem Interesse ließ sich der Kanzler über die deutsche Or­ganisation der vereinigten Werke berichten. Mittags 2 Uhr fand beim österreichischen Gesandten Dr. Frank zu Ehren Schobers ein Abschiedssrü h st ü ck statt.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober verließ am Montagabend 6 Uhr 48 Minuten mit den Herren feiner Begleitung Berlin, um sich nach Wien zurückzubegeben. Reichsaußenminister Dr. Curtius hatte sich zum Abschied auf dem Bahnsteig eingefunden. Neben den leitenden Be­amten der Ministerien waren zahlreiche Mitglieder der östereichischen Kolonie erschienen, die bei der Abfahrt des Zuges auf den Bundeskanzler begeisteite Hochrufe aus- brachten.

Der Reichspräsident hat dem Bundeskanzler Dr. Scho­ber zur Erinnerung an seinen Berliner Aufenthalt sein Bild in silbernem Rahmen überreicht. Vor der Abreise empfing Dr. Schober die Vertreter der deutschen und ausländischen Presse, denen er längere Erklärungen über die innere Lage und die internationale Politik Oesterreichs gab. Er wies dar­auf hin, daß die von ihm geführte Regierung sich mit aller Energie den wirtschaftlichen Fragen zuwende. Als Auswir­kung der Haager Abkommen begrüßte der Bundeskanzler die Normalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen in Mitteleuropa. Die auswärtige Politik Oesterreichs, so be­tonte Schober, kann sich keine Ueberraschungen leisten. Er brauche niu)t mehr zu versichern, daß die Oesterreicher als Brüder eines Volkes und als Teile der großen deutschen Nation sich mit den Reichsdeutschen tausendfach verbunden fühlen. Ein tausendjähriges gemeinschaftliches Erleben, die kulturelle Einheit und die Ueberzeugung von einer besseren Zukunft seien in Oesterreich so tief verankert, daß niemand daran rütteln kann. Schober wies auf die Notwendigkeit der vertraglichen Regelung der gegenseitigen Ein- und Aus­fuhr zum Zwecke der Steigerung des wirtschaftlichen Aus­tausches hin und teilte mit, daß die hierüber geführten Ver­handlungen in herzlichstem Geiste verliefen und bereits zu einem befriedigenden Ergebnis gelangten.