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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 45 Wer Blatt»

Sonnabend, den 22. Februar 1930

80. Jahrgang

BerMrlWg der Arbeit,liffskeN durch Steigerusg der GWr

Jedes eingesührte Auslandsauto macht 5 deutsche Arbeiter brotlos

Seit Monaten bemühen sich Regierung und Fraktionen, das Defizit der Arbeitsiofen-Versicherungsanstalt zu besei­tigen Man kommt zu keinem Ergebnis, weil man sich nicht über die sachlichen Notwendigkeiten einigen kann und das Tempo der Arbeitslosigkeit schneller ist, als das der Partei- verhandlungen. Man streitet sich um Parteiprinzipien und vergißt dabei das Ziel Wenn Volksvertretung und Regie­rung versagen, muß das Volk selbst an die Meisterung der Probleme herangehen.

Das Arbeitslosenproblem ist zweifellos eine internatio­nale Erscheinung; es ist in Deutschland aber auch eine Folge deutscher Auslandsdienerei und Gedankenlosigkeit. Einige Arbeitsämter erlassen z. Zt. Ausrufe an die deutsche Arbeit­geberschaft, aus Volkswirtschaft! chen Erwägungen möglichst nur deutsche Arbeiter und Angestellte zu beschäftigen. Es er­scheint uns das als Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstver­ständlich sollte es für jeden Deutschen sein, im Interesse der deutschen Wirtschaft, im Interesse des deutschen Arbeiters nur deutsche Waren zu kaufen. Es ist eine alte Erfah­rung, daß die deutsche Ware der ausländischen mindestens gleichwertig ist. Was müssen wir aber trotzdem fest­stellen? Die Automobileinsuhr hat in den letzten Jahren be­denklich zugenommen, obwohl unsere Autoindustrie nach­weislich der ausländischen ebenbürtig, wenn nicht überlegen ist. Auch mit den Preisen kann die deutsche Autoindustrie durchaus mit dem Ausland in Wettbewerb treten. Und dennoch: es ist gewissermaßenM o d e" geworden, eine ausländische Automarke zu fahren Man sollte jedem Besitzer eines ausländischen Wagens aus jeder Wegekreuz­tafel ins Gewissen hämmern: Jedes eingesührte ausländische Auto macht fünf deutsche Ar- beiter brotlos!

!Li.nsui)r ausländischer Autos, auch die Einfuhr ausländischer Traktoren hat gewaltig zuge­nommen. Speditionen, Fuhrunternehmungen, große und kleine Industrieunternehmungen, die Landwirtschaft er­setzen ihre Pferde durch Traktoren Eine großsprecherische Reklame ausländischer Fabriken versteht es, ihre Fabrikate an den Mann zu bringen, obwohl mir in Deutschland äußerst leistungsfähige Traktoren herstellen Hat man in der deut­schen Industrie, in der deutschen Landwirtschaft überlegt, daß jeder eingeführte ausländische Traktor 1 0 deutsche Arbeiter brotlos macht? Hat man sich überlegt, daß man damit das Heer der deutschen Er­werbslosen gedankenlos vergrößert und die Lasten für die Versorgung der Arbeitslosen zu jenen Höhen steigert, die zu mildern Regierung und Parteien seit Monaten vergeb­lich sich bemühen?

Die Einfuhr ausländischer Waren beschränkt sich aber nicht nur auf Autos und Traktoren Vielmehr hat die Ein­fuhr ausländischer Textilien, Lebensrnittel, Ma­schinen, Schuhe, Parsümerien, Südfrüchte, Konserven, Weine, Liköre, des P I lsener Bieres und vieler anderer Dinge so gewaltig zuge- nommen, daß der Wert der im letzten Jahre eingeführten Auslandswaren die phantastische Summe von 12 Milliarden erreicht hat. Diese Summe ist größer als der gesamte Iahreshaushalt des Reiches mit den gewaltigen Reparations- und Kriegslasten Wenn sich auch unter diesen 12 Milliarden jene Beträge befinden, die mir notgedrungen für Rohstoffe, Halbfabrikate und bestimmte Lebensmittel ausgeben müssen, so bleibt doch noch eine beängstigend hohe Summe übrig, die wir für entbehrliche.und überflüssige Auslandswaren ausgeben.

Es gibt leider heute noch zahlreiche Hausfrauen, die glauben, daß sie ohne ausländische Tomaten, ohne be­stimmte Südfrüchte, ohne dänische Butter und Eier usw. ihren Küchenzettel nicht aufstellen könnten Es gibt ebenso viele deutsche Männer, die behaupten, daß ein guter Anzug nur aus englischem Stoff gearbeitet sein könne, daß der amerikanische Stiefel der beste sei, daß aus dem Mittags­oder Abendtisch unbedingt französischer Kognak oder Bor­deaux gehöre usw. Solange wir uns diese Auffassungen nicht abgewöhnen, solange brauchen wir uns nicht zu wundern, daß es unserer Wirtschaft schlecht und jedem Einzelnen nicht gut geht. Die Steuern können nicht gesenkt, die Arbeits­losenlasten nicht vermindert, die Löhne nicht kaufkräftiger gestaltet werden, solange unsere Handelsbilanz noch imm.er durch die Einfuhr unbedingt entbehrlicher und überflüssiger Auslandswaren passiv gestaltet wird Es ist wirklich müßig, nur auf die anderen zu schimpfen, mmn nicht jeder Einzelne im deutschen Volk selbst den Ankang aur Vesseruna macht Wenn hierzu der Wille im deutschen Volk allgemein vor- Handen wäre, dann könnte es nicht allzuschwer fallen, auf unsere Regierungspolitik den Einfluß zu gewinnen, daß sie endlich einmal zur Tat schreitet und über Die Kleinlichkeiten des Parteienstreites hinweg sich frei macht auch vom aus­ländischen Einfluß.

Jede eingeführte überflüssige Auslandsware verschlech­tert die Kaufkraft unseres Geldes, verkümmert die Lebens­haltung des Einzelnen. Jedes eingesührte Aus- andsauto macht fünf, jeder eingesührte Auslandstraktor zehn deutsche Arbeiter brotlos. #

flegen BeilzmmPi?

Wieder Monovolgerüchte

Denzinmonopol gegen Milliardenanleihe?

Berlin, 21. Februar.

Nach hier vorliegenden New Dörfer Meldungen sollen die Standard 0 i l, der große amerikanische Oel- konzern, und die Royal Dulch-Shell- Gruppe, der englisch-holländische Oelkonzern, beabsichtigen, der Reichsregierung einen Vorschlag aus Errichtung eines Ben­zinmonopols für Veulschland gegen Gewährung einer An­leihe in Höhe von etwa 1 Milliarde Mark zu machen. Dies­

Äi6ttiiiitn$oiitröge gegen Braun «Wetzt

Braun behält die Oberhand

Preußischer Landtag

Berlin, 21. Februar.

Nach Erledigung kleiner Vorlagen setzte am Freitag der Landtag die zweite Lesung des Landwirt­schaf t s e t a t s fort.

Abg Hartwig-Stettin (Soz.): Wir begrüßen die geplante umfangreiche Hilfe für die östlichen Grenzgebiete. Wir werden dabei die Denkschrift der östlichen Landes- Hauptleute prüfen. Man muß aber bei jeder Hilfeleistung von dem Grundsatz des Erreichbaren ausgehen. Denn es hat keinen Zweck, wie es die Rechte tut, Hunderte von Millionen zu fordern, ohne zu sagen, woher denn der Staat diese Mittel nehmen soll. Für die östlichen Gebiete liegt bereits u. a. ein preußisches Staatsprogramm vor, das Ä Millionen für Die nächstem ftMaaMM^

Abg. Sauger (Dnat.) unterstrich die Notwendigkeit der Verständigung von Landwirtschaft und Verbrauchern. Der Großstädter müsse einsehen, daß die Landwirtschaft ohne eigene Schuld in ihre Notlage geriet, und daß in der Wirt­schaft des Bauern unabänderliche Naturgesetze maßgebend sind, die sich seiner Beeinflussung entziehen. Die Existenz der Bauern könne im Augenblick nur gerettet werden, wenn sich die Bevölkerung entschließen könnte, H Pfund Roggen-

Das neue Kabinett Chautemps-Vriand

Am Freitagnachmittag gab Lhautemps folgende Mi­nisterliste bekannt: Ministerpräsident und Innenminister: Lhautemps, Auswärtige Angelegenheiten: Briand, Finanz- nanzminifter: Lharles Dumont, Justiz: Steeg, Kriegsmarine: Albert Sarraut, Kriegsminister: Besnard. Oeffentliche Ar­beiten: Durand, Kultus: Daladier, Handel: Lamoureux, Post und Telegraf: Roustan, Kolonien: Bannet, Arbeit: Loucheur, Luftfahrt: Laureat Eynac, Ackerbau: Oueuille, Pensionen: Gallct, Handelsmarine: Danielou.

Chautemps tritt Dienstag vor die Kammer

Paris, 22. Februar. Ministerpräsident Lhautemps erklärte beim Verlassen des Arbeilsministeriums, die neue Regierung werde sich am Dienstag im Parlament vorstellen. Die Regierungserklärung werde am Sonntagnachmittag in einem Kabinetksrat durchberaten und im Ministerrat am Dienstag vormittag endgültig festgelegt werde. Die Regie­rung wird sich deshalb so zeitig vorstellen, weil die 'Abreise der französischen Delegation zur Seeabrüstungskonferenz nach London dringlich sei.

Nur geringe Mehrheit für sein Kabinett

Paris, 22. Februar. Zur Konstituierung der Ministe- riums Chautemps verbreitet Havas eine Mitteilung, daß es infolge von Umständen, die nicht von dem Willen Chautemps abhängen, scheint, daß die Annäherung der Linksparteien vorläufig sogar in Frage gestellt ist.

Die Art, in der man Stellung nimmt, läßt vermuten, daß am Dienstag, wenn sich das Kabinett dem Parlament vorstellt, d e Debatte außerordentlich leidenschaftlich sein wird. Selbst optimistische Beurteiler rechnen nicht einmal mit einem auch nur kurzen Waffenstillstand angesichts der Heftig­keit des Kampfes, den die beiden Richtungen Der Kammer seit mehreren Monaten auskämpfen. Man ist daher der Ansicht, daß das Schicksal des Kabinetts von einigen weni­gen Stimmen abhängen werde.

AtberWruni der Leiche Dr. Küsters

Berlin, 22. Februar.

Die Leiche des in Belgrad verstorbenen deutschen Ge­sandten Dr. Köster traf mit dem fahrplanmäßigen Schnell­zug aus elgrad am Freitag abend in Berlin ein. Auf dem Anhalter Bahnhof hatte das Reichsbanner eine Ehrenwache gestellt, auch Reichskanzler Hermann Müller war erschienen. Der Wagen mit dem Sarge wurde dann nach dem Lehrter Babnbok umaeleitet. wo er noch am gleichen Abend nach

bezügliche Verhandlungen sollen zwischen den beiden Oelkon- zernen bereits stattgefunden haben.

Es würde sich also um ein Projekt ähnlich dem der Kreugeranleihe handeln, von dem ebenfalls die russische Ein­fuhr nachteilig betroffen würde. Auf unsere Erkun­digungen an zuständiger Stelle hin wird uns erklärt, daß von einem solchen Angebot nichts bekannt ist. Bekanntlich ist Deutschland selbst Brennstoffproduzent, so daß auch die deutsche Erzeugung, die in der Herstellung von Benzol und in der Kohlenverflüssigung besteht, betroffen wird.

Drot meyr pro Kopf und Woche und % Pfund Haserflocken mehr pro Kopf und Monat zu verbrauchen.

Die Weiterberatung wurde dann zur Vornahme von Abstimmungen unterbrochen.

Der von der Wirtschaftspakte! und der Deutschen Frak­tion vorgelegte Mißtrauensankrag gegen den Mini sterpräsidenken wegen Ernennung Grimmes zum Kultusminister wurde mit 217 Stimmen der Regie­rungsparteien Oentrum, Sozialdemokraten und Demokra­ten) gegen 198 Stimmen aller übrigen Gruppen abgelehnt, i Mit genau dem gleichen Stimmverhältnis fand auch der von den Deukschnationalen gegen den Ministerpräsidenten vorge­legte Mißtrauensankrag Ablehnung, der sich auf die Zustim- j mung des Staatsministeriums im Reichsrat zum polnischen I Liquidationsabkommen unter Hinweis auf einen gegenteili- I gen Landtagsbeschluß gründete.

Das Haus ging dann zur Abstimmung über den Haus­halt des FinanzministeriuElloKer. Annahme fand eine , Anzahl von Anträgen be ^ ^Msschusses. Danach sott eine Nachweisung nörgelest meroer. über. Lie - Bvrmehmmg der Zahl der Angestellten bei Den einzelnen Verwaltungen. Das Berufsbeamtentum soll im bisherigen Umfange erhal­ten bleiben. In den Stellen für nichtbeamtete Kräfte sollen möglichst Versorgungsanwärter beschäftigt werden.

Das Haus nahm schließlich die unterbrochene Aussprache zum Landwirtschaftshaushalt wieder auf, vertagte sich jedoch nach kurzer Debatte auf «Sonnabend 10 Uhr.

Hamburg übergeführt wurde. In Blankenese bei.Hamburg wird am Sonnabend eine Trauerfeier abgehalten, an der sich die Reichsregierung, die Regierungen verschiedener Länder und zahlreiche Delegationen beteiligen werden. U. a. werden teilnehmen: Reichsminister Severing, Staatssekre­tär von Schubert, der Reichstagsabgeordnete Wels und der Oberbürgermeister von Altona/Brauer. Vom Auswärtigen Amt begeben sich außerdem noch die Ministerialdirektoren Dr. Köpke und Schneider nach Hamburg.

Die ZsllerMimgen für Kaffs Mb Tee

Berlin, 21. Februar

Mit Wirkung vom 5. März 1930 ab wird der Zollsatz für rohen Kaffee auf 160 RM-, für nicht rohen usw. Kaffee aus 300 RM. und für Tee aus 350 RM. erhöht. Kaffee und Tee, die sich am 5. März 1930 im freien verkehr befinden, unterliegen einem Rachzoll, der für einen Doppel­zentner Kaffee 30 RM., für einen Doppelzentner Tee 130 RM. beträgt, vom Nachzoll befreit sind Kaffee und Tee im Besitz von hausholtungsoorständen, die weder Kaffee verarbeiten, noch mit Kaffee oder Tee oder daraus herge­stellten Getränken Handel treiben, sofern die Gesamtmenge nicht mehr als je 5 Kilogramm beträgt. Formblätter für die Anmeldung von nachzollpflichtigem Kaffee oder Tee, die vom 5. März ab binnen einer Woche zu erfolgen hat, werden von den Zollstellen unentgeltlich abgegeben.

Deutsche Arbeit aus der Zollsrledeurkiulereoz Genf, 21. Februar.

Die Zollwaffenstillstandskonferenz hat am Freitag die Arbeiten in ihren beiden Hauptausschüssen ausgenommen. Zur praktischen Klärung der Stellungnahme der einzelnen Staaten zum Zollwaffenstillstandsgedanken schlug im ersten Ausschuß Ministerialdirektor Posse die Beantwortung von sieben Punkten vor, deren hauptsächliche sich auf die grund­sätzliche Einstellung der einzelnen Staaten zum Zollfriedens- gedanken, aus das Datum des Stichtages für das Inkraft­treten des Zollwaffenstillstandes, auf die Kataftrophenklausel und die Meistbegünstigungsklausel beziehen. Nach deutscher Auffassung geht die Kätastrophenklausel in ihrer gegenwärti­gen Fassung zu weit und bietet die Möglichkeit, die übrigen Bestimmungen der Konvention illusorisch zu machen. Der 7. Punkt des deutschen Fragebogens betrifft den Beitritt zur Konvention über die allgemeine Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote, die nach deutscher Auffassung für die Teil­nehmer an den Zoll Waffenstillstandsabkommen unerläßlich ist. Präsident Colijn schloß sich dem deutschen Vorschlag an.