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HersfelöerTageblatt

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Bei ivieüerhslungen mit» ein entfprechenöer Preis- Nachlaß gewährt. Zür Sie Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in Hersfelö. Zernfprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

mit des Beilage: gltllSkierte« Anteehaltaagsblatt / Nach SejeeadeaS / Herv aaS Scholle / Belehrung anS Kurrweil / Wirtschaftliche Uagesfrsgea

Aalerbattsvg n«S Wißfen

Nr. 37

Donnerstag, den 13. Februar 1930

80. Jahrgang

Fortgang der Aoung Debatte

Zweiter Tag der Poung-Debatte Die Sanktionsfrage im Vordergrund

Berlin, 13. Februar.

Der Reichstag setzte am Mittwoch die erste Beratung der mit dem Youngplan zusammenhängenden Gesetzentwürfe fort

Abg. Dr. Dernburg (Dem.) weist darauf hin, daß der Youngplan nicht nur einen großen Fortschritt gegenüber der Dawesregelung sondern auch gegenüber allen vorher­gehenden Abkommen bedeute. Die Gläubiger seien jetzt lebhaft an einem weiten Markt für deutsche Ausländsanlei­hen und an billigen Zinsbedingungen für Deutschland inter­essiert. Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich sei in diesem Zusammenhang eine Einrichtung' von 'ganz allgemeiner Bedeutung. Der Redner schildert dann den Zustand, der bei Herbeiführung einer Dawes - frife eintreten würde. Sie würde mindestens fünf Jahre dauern und mit entsetzlicher Wucht das Wirtschaftsleben vernichten, ohne daß irgendein Dauererfolg erzielt werde. Wenn Deutschland dann zusammenbreche, habe es vielleicht weniger zu be­zahlen. aber es sei auch unverhältnismäßig ärmer. Der frühere Außenminister Simons, auf den sich die Rechte be­rufe, habe in London 50 Milliarden Gold ohne Transfer- Ö oder 200 Milliarden in Gold in Annuitäten und 1

arde bar, also 30 Annuitäten zu 6% Milliarden oder 50 Annuitäten zu 4 Milliarden angeboten.

Abg. Hoetzsch (Chr. Nat. Ag.): Ich lehne es ab, den als antinational zu bezeichnen, der anders denkt als ich. Ich habe seinerzeit für den Dawesplan gestimmt. Der Youngplan unterscheidet sich von ihm vor allem darin, daß nun die Verbindung der deutschen Reparationslast mit Den

Verbindung

'Duilli lER?W W Parlament jetzt zustimmen lolw.

werden wir indirekte Schuldnerder V"^rPT n i g- ten Staaten von Nordamerika. Daß die im Youngplan Deutschland auserlegte Last zu schwer ist. dar­über besteht keine Meinungsverschiedenheit. Weil die Last zu schwer geworden ist tm Verhältnis zur deutschen Lei­stungsfähigkeit weil dazu noch die Revisionsmöglichkeit gegenüber dem Dawesplan sehr vermindert ist, darum ! e h- nen wir den Youngplan ab. Sanktionsmöglich- keiten enthält dieser Plan nicht. Wenn der französische Mi­nisterpräsident sich in dieser Frage in Meinungsverschieden­heiten mit Deutschland befindet, dann nehme ich die Partei meines Vaterlandes Durch das Abkommen mit Polen wird das Versailler System stabilisiert auch in Bezug auf Polen In diesen ^aufe befindet sich niemand, der sich mit der polnisch" ze abfinden würde. Von einem Ostlocarno ist auch im Youngplan nicht die Rede. Wer den Plan so auslegt, der versperrt einer guten deutschen Ost­politik den Weg.

Minister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth: Der Youngplan ist nach seinem ganzen Sinn nicht so starr, wie Dr. Hoetzsch meint, er bedeutet auch ein elastisches S y- st e m. Nach diesem Plan muß die ökonomische Einsicht triumphieren über juristische Formalien. Nach dem Gang der Verhandlungen und nach dem Wortlaut des Schrift­wechsels im Haag kann ein Nichtkönnen Deutschlands nie­mals gedeutet werden als ein Nichtwollen. Wir können heute vor der ganzen Welt erklären, daß weder ein Kollektivschritt unserer Gläubiger, noch irgendeine Drohung gegen uns hergeleitet werden kann aus einem Nichtkönnen Deutschlands, sondern daß dieses Nichtkönnen ausdrücklich zu begründen ist durch die Organe, die im Youngplan vorgesehen sind. Wer seinem Volke nutzen will, der wird aus dem Youngplan das herauslesen, was das deutsche Volk als Sinn, Wesen und Kern herauslesen muß.

Wir können nach den Haager Verhandlungen mit Fug und Recht erklären, daß der Sanktionsbegriff des Ver­sailler Vertrages abgeschasst und ausgewischt ist.

Wenn der Youngplan wirklich eine Sanktionsmöglichkeit enthielte, dann würde ich meinen Freunden vom Zentrum die Ablehnung empfehlen.

vom youngplan, aoer es yr gar ntcyt zu verkennen, daß er dem bestehenden Zustand gegenüber Verbesserungen bringt. Solche Verbesserungen sehen wir freilich nicht' in den Bestimmungen, die Herr Dr. Schacht zugunsten oes Privatkapitals in das neue Reichsbankgesetz hineingearbei­tet hat. Er hat das angeblich im Interesse der ausländischen Anteilseigner getan. Dahinter verstecken sich aber zum gro­ßen Teil Deutsche, die ihr Kapital aus dem Urnweg über holländische Banken in dieser Weise angelegt haben. Zu­gunsten dieser Leute werden Dividenden ausgeschüttet, die dem Reich verlorengehen.

Abg Mollalh (Wirtschaftspartei): Wie ein unzerreiß­barer roter Faden zieht sich durch die Erklärungen, auch der Regierungsparteien, das Zugeständnis, daß dieser Young- Plan wirtschaftlich nicht erfüllbar sei. Der Notenwechsel, mit dem die Haager Verhandlungen schlössen, zeigte doch deutlich, wie stark noch das Mißtrauen Frankreichs gegen Deutschland ist trotz aller schönen Verständi- gungsworte. Wenn es dem Zentrum mit seinen finanz­politischen Vorbehalten ernst wäre, dann müßte es ebenso 'wie wir verlangen, daß vor dem Young-Plan die Finanzreform verabschiedet wird.

Abg. Dr. Klönne (Christlichnat. Arb.-Gern.) erklärte, der neue Plan sei als Definitivum gedacht, das unseren Gläubigern die Möglichkeit sicherstellen soll, sich aus der deutschen Substanz bezahlt zu machen. Unter diesen Um­ständen ist es unmöglich, den Plan anzunehmen gegen den Preis einer vorgetäuschten Liquidation des Krieges. So-

1 '""ge uns Der Weichselkorridor nicht zurückgegeben ist, gibt es. 5 ine n wahren Frieden in Europa. Frank­reich wird Deutschland nicht dauernd am Boden halten Die kunstvollen Bänder der Verträge werden eines Tages von selbst zerreißen. Wir müssen aber auch den Deutschnationa­len gegenüber betonen, daß der Befreiungskampf nicht in der Weise geführt werden kann, daß man ungeschickte Volksbegehren macht und alle Politik auf eine einseitige Front gegen den Marxismus beschränkt.

Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer erläutert die Moratoriumsbestimmungen des Young - Plans und bezeichnet die daran geknüpften Befürchtun­gen als weil übertrieben. Wir wissen, daß der Youngplan Ulfs nicht über alle Schwirr Pleiten der Gegenwart hinweq- hilft. Darum wollen wir ia mit Unterstützung der Parteien an der Sanierung unserer Finanzen arbeiten.

Bei Ablehnung dieses Planes aber wären wir In weit schlimmerer Lage. Dann müßten wir selbstverständlich die höheren Beträge des Dawesplanes zahlen. Der Young- Plan bringt uns einmal eine Minderung der Lasten, weiter eine Befreiung von den Kontrollinstanzen und schließlich die Befreiung des Rheinlandes.

Abg. Lufft (Si ------------" ' " "

tionsab

ig. Lufft (Soz.) tritt für das deutsch-polnische Liquida- kommen ein. Durch dieses Abkommen würden die

Deutschen in Polen aus ihrer Geiselstellung befreit.

Abg. Herberg (Volksrechtspartei) bekämpft die Vor­lagen. Die übermäßige Reparationsbelastung fei teilweise verschuldet durch die Lüge von der inneren Entschuldung Deutschlands, die tatsächlich ein mit der Inflation an den deutschen Gläubigern verübter Betrug gewesen sei.

Nach 6% Uhr wird die Weiterberatung auf Donners­tag, 12 Uhr vertagt.

Abg Dr Suaah (Dn.): Der Minister Dr. Wirth hat versucht, die Schuld an der katastrophalen Niederlage der deutschen Delegation im Haag aus die Opposition abzu- wälzen. Es nutzt nichts, wenn Dr. Wirth hier im Reichs­tag den Sanktionsbegriff wegwischt, das hätte er im Haag tun sollen. Die Vorlage ist zweifellos oerfasiungsändernd, mindestens soweit es sich um das Reichsbank- und Reichs- bahnqefetz handelt. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist nicht unser Mann, aber seine Kritik an der Unterwer- fungspolitik deckt sich mit unseren Argumenten. Was Dr. Curtius über die Kriegsschuldlüge gesagt hat, ist durchaus falsch. Wir sind verurteilt, weil wir nicht den Mut haben, an das Weltgewissen zu appellieren.

Was Dr.

Abg. Heinig (Soz.): Wir sind keineswegs begeistert

Die Katastrophe derMimMv^-

Das brennende?»W verloren w

BlTlllBBjNHtatfs^lBwwW8«^^Me leitend einer osnauen Untsr-

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chen-wie eine uefMIackel aüs dem Wafsi wehren bemühten sich, ein Uebergreifen des Brandes auf die Schiffe zu verhindern. Wie heftig :rn des gesunkenen Schiffes noch

Pieranlagen und andere

randes auf die

die Explosionen im Innern des gefunl

waren, geht daraus hervor, daß selbst der Boden des Hud­son R i v e r, unter dem bekanntlich der Hudson-Tunnel liegt, Erschütterungen anzeigte. Was die Menschenverluste

beim Brande des Dampfers anbelangt, so handelt es sich um den Elektriker F r a n k e, der der Besatzung des Schiffes angehörte. Außerdem ist auch noch ein amerikanischer Feuer­wehrmann ertrunken. Verletzt wurden außer der Ste­wardeß G e h r k e und dem Seemann S i e v e k e noch sechs Feuerwehrleute.

Eine riesige Menschenmenge umsäumt den Pier fort­gesetzt, sodaß ein außerordentlich starkes Polizeiaufgebot zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung eingesetzt werden mußte. Die amerikanische Feuerwehr hatte insge­samt 13 Schlepper und 26 Dampfspritzen entsandt. Trümmerstücke wurden durch die Explosion haushoch ge­schleudert Mit der Laduna ist auch ein aus 7000 Vögeln

bestehender Vogeltransport zugrunde gegangen. Kapitän B r ü n i n g rettete sich als letzter dadurch, daß er sich an einem Seil herablieh. Am Donnerstag findet auf dem Ge­neralkonsulat eine Untersuchungsverhandlung über die Ka­tastrophe statt.

Weitere Einzelheiten

Im Laufe des Mittwoch sind beim Norddeutschen n d weitere Nachrichten über die furchtbare Schiffskata- York eingetroffen. Danach er- iwv ______v_ ....... Wunder, daß der Katastrophe

nur'z w e i"Menschen zum Opfer gefallen sind. Schwere Stahlplatten des Schiffsrumpfes wurden durch die Explo­sion wie Papierfetzen umhergeschleudert. Eine Stahlplatte war sogar über das Dach des Piers geflogen, ohne Schaden anzurichten. Ueber den Tod des Elektrikers Franke-ver- lautet, daß er sich geweigert hat, das Schiff zu verlassen. Man nimmt an, daß er im Innern des Schiffes verbrannt ist. Bei dem zweiten Toten handelt es sich um den Führer eines Feuerlöschbootes. Dieser ist von dem furchtbaren Luft­druck zusammen mit seiner Kommandobrücke in die Luft ge­flogen und ertrunken. Die New Yorker Feuerwehr glaubt, daß der Brand im Innern des Schiffes noch tagelang wei­terwüten wird. m

Der Untergrundbahnverkehr von New York nach Ho-

L l o y d weitere Nachricht strophe im Hafen von New scheint es beinahe wie ein

^genommen"worden

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lastende Druck nicht so groß sei, um den Bruch der Decke * herbeizuführen. Das Heck derMünchen", das sich an einer von dem Tunnel entfernten Stelle auf den Flußgrund auf- j ^'nsicht der Fachleute den größten Teil

ver gesamten Last des gesunkenen Schiffes auf.

von dem Tunnel entf stützt, nimmt nach Ai der gesamten Last des

Selbstentzündung die Ursache

Als Ursache des Brandes wird vorläufig Selbstent­zündung der in der Ladung befindlichen Chemikalien angenommen Beim Löschen der angeblich aus 500 Sack be­stehenden Kaliladung soll bemerkt 'worden sein, daß aus einigen der Säcke Rauch drang. Als die Mannschaft darauf­hin die Wasserlöschapparate in Tätigkeit setzte, kam der Brand zum Durchbruch.

In Bremen haben die aus New York vorliegenden Nachrichten über die Ursache der Katastrophe Widerspruch gefunden. Es wird behauptet, daß K a l i niemals in Sacken, sondern nur in Tonnen verladen wird und daß auch Chlor- kalzium und die anderen genannten Chemikalien nach den polizeilichen Bestimmungen in Tonnen verladen werden müssen Feuergefährliche Stoffe dürfen überhaupt nicht auf Passagierdampfern verfrachtet werden. Erst die weitere Untersuchung wird über die Ursache Klarheit schaffen.

Der Schaden geht in die Millionen. Es ist zweifelhaft, ob das Schiff repariert werden kann, um wieder in Dienst gestellt zu werden. Wie in Bremen verlaute-, ist das Schiff mit etwa 6 Millionen Mark versichert. Ofsr"dar aber liegt der Wert des Schiffes erheblich über dieser Summe.

Feuer aus derMünchen" gelöscht

Wie dem Norddeutschen Lloyd aus Rewyork gemeldet wird, ist das Feuer auf dem DampferMünchen" am Mittwoch vormittag gegen 9 Uhr gelöscht worden.

LloyddampserMünchen" nicht verloren

Nur stark reparaturbedürftig.

New Zork, 13. Februar. Der New Yorker Vertreter des Norddeutschen Lloyd erklärte dem Vertreter des W.T.B. zu dem Brande des LloyddampfersMünchen", daß das Schiff sicherlich stark beschädigt sei, jedoch könne von einem völligen Verlust nicht die Rede sein. DieMünchen" sei infolge der von der Feuerwehr hineingepumpten Wassermengen vom Heck bis zum Mittschiff auf den Flußboden gesunken. Der Bug des Schiffes schwimmt bei Hochwasser, während das Heck unter Wasser steht. Der Vertreter des Lloyd betonte ausdrücklich, daß sich an Bord eine abolut einwandfrei nicht feuergefährliche Ladung befunden habe. Man will ver­suchen, nach der Untersuchung durch Taucher das Schiff ab- zudichten und auszupumpen. Es wird erst später festgestellt werden können, ob dieMünchen" mit eigener Kraft oder im Schlepp nach Bremen zurückgebracht wird.

Die Diskontherabsetzung in Amerika

Washington, 13. Februar. Wie das Federal Reserve Board mitteilt, hat nunmehr auch die Federal Reserve Bank of Boston ihren Rediskontsatz von 4,5 auf 4 Prozent herab­gesetzt.