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hersfel-erTageblaü

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Mtt des Bellaaeo: Zilaßriertes Allterhaltaagsblall / Nach AeirraveuS / Herd and G Holle / AllierhEltuva »av Belehrung and Kurzweil / Wirtschaftliche TagsSfragea

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Nr. 35 Dienstag, den 11. Februar 1930

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80. FahrgaiW

Die Prüfung des Haager Wertes

8oung-plan im Reichstag.

Begründung durch Dr. Curtius.

Allem Anschein nach treten mit der diesmaligen Wie­dereröffnung des Reichstages die Abgeordneten an eine der schwersten Aufgaben heran, die auf innenpolitischem Gebiete seit der Beendigung des Krieges entstanden sind. Die Abgeordneten sollen entscheiden, ob der Young- oder derNeue Plan", wie er sich nach Abschluß der zweiten Haager Konferenz gestaltete, von der deutschen Volksver­tretung im ganzen angenommen wird und durch ent­sprechende verbindliche Vorschriften Gesetzwirkung erhält. Sämtliche Reichstagsfraktionen hielten Montag in Berlin bereits Besprechungen als Vorbereitung für die Dienstag­eröffnung der Debatte über die Uoung-Gesetze ab. Aller Voraussicht nach wird Reichsaußennrinister Dr. Curtius alsbald nach Sitzungseröffnung die Begründung der von der Regierung vorgelegten Entwürfe übernehmen.

Die Tagesordnung des Reichstages für Dienstag umfaßt die Gesetzentwürfe über die Haager Konferenz in Verbindung mit der ersten Beratung ves Gesetzentwurfs über das deutsch-amerikanische Schuldenabkommen. In natürlichem Zusammenhang damit stehen die großen finanzpolitischenFragen, über welche die Frak­tionen ebenfalls Montag berieten. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer beabsichtigt in den nächsten Tagen die Verhandlungen mit den Sachreferenten der Regierungs­parteien über den Haushalt und die Finanzfragen fort- zusetzen, um gemäß dem Wunsch des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei eine Klärung bis zur dritten Be­ratung der Houng-Gesetze zu erreichen. Wann diese statt- findet, ist noch nicht abzusehen, denn die Reden und Gegen­reden im Reichstag werden sicher längere Zeit in Anspruch nehmen.

Die schwierigen LiqvidaLMHMkoWnsv. .

Nimmt man auch in unterrichteten Kreisen an, daß an einer Mehrheit im Reichstag für die Uoung-Gesetze nicht zu zweifeln ist, so besteht diese einwandfreie Über­zeugung in bezug auf die verschiedenen Liquidations­abkommen nicht, besonders nicht mit Hinsicht aus das Abkommen mit Polen.

Andererseits wird darauf hingewiesen, eine Geneh­migung der Uoung-Gesetze ohne die gleiche für sämtliche mit ihnen verbundenen Liquidationsvereinbarungen könne die Ratifikation.der Haager Abmachungen namentlich in Frankreich in Frage stellen. In Paris hatte der deutsche Botschafter v o n H o e s ch am Sonntag eine Unterredung mit dem von London zurückgekehrten Ministerpräsident m T a r d i e u , bei der über die Haager Ergebnisse und bie Erwartungen in Deutschland und Frankreich gesprochen worden sein soll.

Der belgische Ministerrat

billigt die Haager Abkommen

Brüssel, 11. Februar. Der Ministerrak hak dem Gesetz­entwurf zugestimmk, der die Billigung der Haager Abkom­men enthält. Er wird nunmehr dem König unterbreitet werden.

Schober über seine Romreise

Ein weiterer Erfolg Oesterreichs.

Wien, 11. Februar. Bundeskanzler Schober trat den Aeußerungen einzelner Blätter entgegen, als ob die Ver­handlungen im Haag in der Frage der Wiedererlangung der politischen und ökonomischen Freiheit des Landes, in der Frage der Reparationen, des Pfandrechtes und der Liqui­dierung der Vergangenheit nicht zu einem vollen Erfolg ge­führt hätten. Der Weg zur Anleihe sei frei und werde nach Ratifizierung der Haager Uebereinkommen mit Erfolg be- schritten werden.

Ueber seine Reise nach Rom sagte der Bundeskanzler u. a.: Auch diese Reise war wieder ein Anlaß zu Pessimismus. Statt sich zu freuen, daß Oesterreich wieder einmal zur Gel­tung kam und im Ausland würdig behandelt wurde, erging sich ein allerdings verschwindend geringer Teil der in- und ausländischen Presse in kritischen Befürchtungen, und es wurden falsche Nachrichten verbreitet, um unsere in tausend­jähriger Geschichte begründete Blutsbrüderschaft mit Deutsch­land zu stören. Aber wir werden dafür sorgen, daß diese Leute nicht auf ihre Rechnung kommen, sich bezeichne meine Reise nach Rom als einen österreichischen Erfolg, der unserer kleinen Republik dringend zu wünschen war und der durch meine bevorstehende Reise nach Berlin ergänzt und vervoll­ständigt werden wird.

Haussuchung in der mexikanischen Sowjetgesandtschaft

Mexiko, 11. Februar. Beamte der Geheimpolizei ha­ben eine Haussuchung in der Sowjetgesandtschaft vorgenom­men und sämtliche Papiere des früheren Sowjetgesandten geprüft. Ein Gesandischaflsdiener wurde verhaftet. Der Gesandte selbst wurde von seiner Abreise nach Vera Cruz drei Stunden zurückgehalten. Die diplomatischen Siegel sei­nes Gepäcks wurden erbrochen und zahlreiche Papiere be­schlagnahmt.

Die Osipoütik.

Zum Polenabkommen veröffentlicht die in Karlsruhe er­scheinende Badische Presse einen Berliner Brief, der ihr der Angabe nach von einer Seite zugina, die sich mit der Frage ein­gehend beschäftigt hat. Der Artikel wirft die Frage auf: Was wäre passiert, wenn Deutschland das Liquidationsabkommen nicht abgeschlossen hätte? Die Antwort lautet: Sicher wäre dann mit folgendem zu rechnen: Polen hätte den Young-Plan nicht akzeptiert. Polen hätte den letzten Rest des deutschen Großgrundbesitzes liquidiert. Ferner hätte damit gerechnet werden müssen, daß Polen das Wiederkaufsrecht rücksichtslos gegen die 12 000 Besitzer von deutschen Rentengütern an­gewendet hätte. Der Artik»l fährt dann fort, man sei über­zeugt, daß es besser sei, durch vertragsmäßige Bindung Polen das Handwerk zu erschweren, statt auf zweifelhaften Rechts­positionen sitzenzubleiben. Es wird unterstrichen, daß aus den Erklärungen der maßgebendsten Staatsmänner hervorgehe, daß ein Kurswechsel in unserer Ostpolitik weder im Vertrag liege noch an den maßgebenden Stellen beabsichtigt sei.

Das Zenirum bleibt standhaft.

Erst Kassensanierung- dannYoung-Plan.

Die Reichstagsfraktion des Zentrums hat sich in ihrer Montagssitzung in der Hauptsache mit dem Young-Plan und dem Vorgehen der Fraktion beschäftigt. Dabei hat sie einstlmmig das Vorgehen des Vorstandes ge-

dkH tote erinnerlich, in der Besprechung der Parteiführer darauf gedrungen hat, daß noch vor der dritten Lesung des Young-Plans eine gesetzlich ge- s i ch e r t e S a n i e r u n g der Reichskasse zustande- kommt. Im Auftrage der Fraktion sind die Kabinetts- Mitglieder des Zentrums, von Guörard, Dr. Stegerwald und Wirth, sofort beim Reichskanzler vorstellig geworden, um die Auffassung ihrer Fraktion erneut in ganzer Trag­weite zur Sprache zu bringen. Der Reichskanzler gab in >r Sitzung der svzMtoemotratifchen Fraktion Mit- teilung von dem Schritt der Zentrumsminister.

Weitere Ergebnisse der Frattionsberatungen.

über das Ergebnis der übrigen Fraktionssitzungen wird weiter bekannt, daß die Demokraten den Young- Gesetzen und auch den Liquidationsabkommen zustimmen werden. Die Stellung der Fraktion zum Young-Plan wird im Reichstag an erster Stelle Abgeordneter Dr. Dernburg vertreten.

In der Sitzung der v o l k s p a r t e i l i ch e n Reichs- tagsfraktion wurde unter anderem erörtert, welche außen­politischen Wirkungen eine Verzögerung des Abschlusses des Liquidationsabkommens mit Polen haben könnte. An der Aussprache hierüber beteiligte sich auch Reichs- außenmlnister Dr. Curtius. Die Genehmigung der Young- Gesetze durch die Deutsche Volkspartei dürfte feststehen

Anschlag auf Munds StaatsÄtesten.

Zwischenfall beim Besuch Strandmanns in Warschau.

Als der estnische Staatspräsident Sirandmann zur Feier der Verleihung des Ehrendoktorhutes an ihn in die Universität in Warschau fuhr, versuchte ein 43jähriger Mann namenS Siedzinsti, auf das Trittbrett des Autos zu springen. Er wollte offenbar ein Attentat verüben, rutschte jedoch aus, fiel in den, Schnee und wurde sofort von der Polizei ergriffen.

Der angebliche Anschlag auf den estländischen Staatsälkeslen.

Warschau, 11. Februar. Bei dem Zwischenfall bei der Autofahrt des estländischen Staatsältesten vom Schloß zur Universität handelte es sich nicht um einen Anschlag, sondern um die Tat eines harmlosen Geistesgestörten, der glaubte, daß sich im Auto der polnische Staatspräsident befand, dem er auf Grund von Traumdeutungen irgendwelche unklaren, politischen Ratschläge erteilen wollte.

Krawalle der ausständigen Bekleidungs-

Arbeiter

New Park, 11. Februar. In Verbindung mit dem Aus- siand in der Bekleidungsindustrie erfolgten am Montag neue Zusammenstöße mit Streikposten. Die Polizei verhaftete insgesamt 23 Personen.

Riesenrazzia in derUnterweis' von Chikago.

S17Berbrecherverhaftetundfreigelassen.

Die Polizei in Chikago veranstaltete auf Veranlassung der durch die zahlreichen Verbrechen der letzten Wochen in eine Panikstimmung versetzten Bürgerschaft eine Riesen- razzia durch dieUnterwelt" der Stadt und hob viele Verbrecherschlupfwinkel aus. 917 Personen wurden ver­haftet, darunter 30 bewaffnete Revolverhelden und mehr als 250 gerichtsnotorische Verbrecher, die in der letzten Zeit mehr als 500 Personen beraubt haben sollen. Merk­würdigerweise sind aber die meisten Verhafteten nach kurzem Verhör wieder freigelaffen worden.

Während der Razzia befreite die Polizei ein von Räubern besetztes Hotel. In den letzten acht Tagen sind in Chikago auf offener Straße zwölf Morde verübt worden; dazu kommen zahlreiche Bombenexplosionen und Räubereien.

Grimmes Programm.

Der neue K u l t u s in i n i st e r Preußens.

Am Montag erschien der als Nachfolger Dr. B e ck e r s zum Kultusminister in Preußen ernannte bisherige stell­vertretende Vorsitzende des Brandenburgischen Provinzial- schulkollegiums Grimme im Landtagsausschuß bei der Beratung seines Etats. Er hielt dabei eine Rede, in der er zunächst die hervorragende Persönlichkeit seines Vor­gängers würdigte, dann aber zu seinem eigenen, ab­weichenden Standpunkt kam. Becker sei es auf die Bildung der Persönlichkeit angekommen; er habe dabei aber eine grundlegende Tatsache nicht in Rechnung gestellt: daß heute die Persönlichkeit nur wirken könne als Ausfluß einer Machtgruppe. Die politische Persönlichkeit könne heute nur so lange wirken, wie sie von einem Machtverband getragen werde. Marionette oder Exponent einer Partei zu sein, seien wesentliche Unterschiede.

Im Zeitalter der erwachten Massen habe die Persönlichkeit nicht ihre Bedeutung verloren. Es sei aber vorbei mit dem auf sich gestellten Individualisten. Staatsminister Becker sei in seinem Amt der letzte Reprä­sentant eines individualistischen Zeitalters gewesen. Dar­um habe der kürzliche Wechsel im Amte des preußischen Kultusministers symptomatische Bedeurung. Aber in einem wird die Ära Beckers eine Fortsetzung erfahren, nämlich in der Beantwortung der Frage, die nur eine Wahl läßt: Chaos oder Republik?

Russisch-deutsche Spannung L

Nachklänge zum Tscherwonzenfälscherprozeß.

Die russische Presse gefällt sich fast durchgängig in starken Angriffen gegen Deutschland wegen des freisprechenden Urteils im kürzlich abgeschlossenen Tscherwonzenfälscherprozeß. Das Urteil, sagen die russischen Zeitungen, stelle eine offene Herausiorde rung der Sowsetunion var. Das Berliner Gericht habe sich in vollem Umfange den von der Verteidigung der Fälscher aufgestellten Grundsatz zu eigen gemacht, jeder Angriff auf die Sowjetunion entspreche den politischen Interessen Deutschlands,'jedes nachgewiesene offenkundige Verbrechen höre auf, ein Verbrechen zu sein, wenn es sich gegen die Sowjetrepublik richte. Das Berliner Gericht habe den vollen Beweis geliefert, daß Deutschland im Lager der Feinde Sowjetrußlands stehe. Wie könnten die verantwortlichen Leiter der Deutschen Republik etwa glau­ben, es werde ohne Einfluß auf die politischen und wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und oer Sowjetunion bleiben, wenn sie des Glaubens wären, auf deutschem Boden sei gegenüber Sowjetrußland alles er­laubt? Der Vertrag von R a p a l lo lege'selbstverständlich nicht nur der Sowjetunion, sondern auch Deutschland Hai e Verpflichtungen auf. Durch Taten und nicht durch Worte müßten die Führer der deutschen Politik beweisen, daß sie der gleichen Auffassung seien.

Bon deutscher Seite

wird in halbAfftzieller Form darauf hingewiesen, daß die deutsche Öffentlichkeit nach jeder Richtung hin die politischen Bestrebungen der Angeklagten verurteilt, die gegen den Be­stand der befreundeten Sowjetmacht gerichtet waren. An­dererseits feisten die Moskauer Organe doch auch Ver­ständnis dafür haben, daß die deutsche Rechtsprechung keine Klassengerichtsbarkeit ist und daß sie sich durch keinerlei politische Gesichtspunkte beeinflussen lasten darf. Wie das ganze Gerichtsverfahren selbst, so habe sich auch das Urteil des Berliner Gerichts vollkommen im Rahmen der deutschen Rechtsprechung gehalten, deren Ob­jektivität nach keiner Richtung hin anzuzweifeln sei. Es entbehre deshalb jeder Grundlage, in dem Urteilsspruch eine Herausstrderung der Sowjetunion zu sehen.

Um den Abschluß des evangelischen

Konkordats j

Berlin, 11. Februar. In der Montag-Sitzung des Hauptausschusses des Preußischen Landtages sagte Kultus­minister Dr. Grimme zur Frage des evangelischen Kon­kordats u. a.: Das preußische Kabinett habe sich einmütig auf den Boden der Landtagsentschließungen vom 3. Juni 1929 gestellt, in denen die Staatsregierung ersucht wird, in unmittelbare Verhandlungen mit der evangelischen Kirche einzutreten. Unverbindliche Vorbesprechungen hätten dar­auf stattgefunden, die zu einem vorläufigen Abschluß gelangt seien. Zunächst habe man sich über die Materie klar werden und deshalb den Fragenkomplex gründlich vorberaten und besprechen lassen. Der Minister hofft, daß nunmehr mög­lichst bald der Vertrag zum Abschluß gebracht werde.

Die Trockenlegung der Zuidersee ' geht vorwärts

Amsterdam, 11. Februar. Am Montag wurden bei den Zuider-See-Werken zwei große elektrische Pumpwerke, von denen das eine bei der Zuidersee-Ortschaft Medemblik (Pro­vinz Nordholland), das andere auf der Insel Wieringen er­richtet wurde, in Betrieb genommen. Hiermit hat nach jahrelanger Vorbereitung die Trockenlegung der Zuider-See, und zwar zunächst des sogenannten Wieringer Meeres, ihren Anfang genommen. Das Wieringer Meer, das als erstes der vier Trockenlegungsgebiete der jetzigen Zuider- See entwässert werden soll, hat eine Oberfläche von 20 000 Hektar, , ,, , *