hersfelöerTageblatt
yersfeloer Kreisblatt jEESBSsBS
Amtlicher Mzeiger für den Kreis Kersfelö ♦ §unks Vu^oruckerel in HersM, Mtg?Kö°öttvvM j
Mit SeJ BsLlagra: Nilaßkieetes Aaterha!t-rrrgÄb!att / Nach VsiLkaÄLllS / AerS and GLvUe / AllterbsUvaa aas Belehraag and Kurzweil / Wkelschattliche Tagesttegeu
fflonatt^er BewPtti« Durch öl» Post bezogen 1.SS »Ä»
1.00 Beichs-Mark. ❖ Druck und Verlag von Ludwig Zunks Vuchöruckerei in Hrrsfelö, Mitglied des VVZV.
Nr. 33 (Erstes Blatt) GonaabenS, den s. Februar 1930
80. Iahrsano
AutzenpoUtische Ausblicke
Von Dr. Edgar Stern-Rubarth
Die schwankende Flottenkonferenz — Zufriedenheit im Südosten — Schober in Rom — Polenabkomnren und Sank- kionsformel
Außenpolitik, die stets auf lange Sicht abgestellt fein muß, ist ohne Optimismus nicht zu treiben. Das steht nachgerade fest, auch für diejenigen, die den Bannerträgern des Optimismus stets Schwierigkeiten in den Weg gelegt, und die noch nicht überwundenen Etappen ihres visionär erschauten Weges als Defizitposten angerechnet haben. Aber es kann ihnen zugegeben werden, daß es oft außerordentlich schwer ist, solchen grundsätzlichen Optimismus zu bewahren, wenn man vor den Schwierigkeiten steht, die sich gegen die Verwirklichung gemeinsam ausgestellter und anerkannter, internationaler Beschlüsse aufrichten. Das Abrüstung s p r o b l e m ist in dieser Beziehung wohl der härteste Prüfstein. Seine Sonderphase, die nun seit über zwei Wochen in London bearbeitet wird, hat mindestens schon dreimal das Gesicht gewechselt: erst sah man eine weitgehende englisch-amerikanische Einigkeit gegenüber französischen Widerständen, gegenüber einer geschickten und nicht aussichtslosen italienischen Formel, gegenüber japanischen Sonderwünschen, die sich vielleicht erfüllen ließen. Dann schien ein Kompromiß aufzutauchen, das den Franzosen einige Genugtuung gab, ohne das eigentliche Abrüstungs- ziel vollkommen zu verwischen, und jetzt scheint alles wieder in Frage gestellt, Amerika durch ein allzu weitgehendes Entgegenkommen Englands an Frankreich verprellt, die französische Formel so ausgestaltet, daß praktisch von einer Rüstungsverminderung kaum mehr die Rede sein kann, sogar die Abschaffung der U-Boote von der Tagesordnung abgesetzt und statt dessen nur eine vertragliche Beschränkung ihrer Verwendung vorgesehen, für Italien das Ziel einer Ungleichung an Frankreich in unabsehbare Fernen gerückt und mit Japan die Möglichkeit einer Einigung durch die weitgehende Freiheit für andere verringert ist. Ob man sich wirklich mit einer Rüstungsverminderung befaßt, oder im MllUsDe nur. Mt, erE festen G-uppierüng der Seestreit- kräfte, die in einem neuen Rahmen und nach neuen Grundsätzen dann womöglich noch stark ausgebaut werden müßten — das ist zunächst kaum zu übersehen, jedenfalls für den einfachen, gesunden Menschenverstand nicht mehr faßbar. Wird aber eine derartige Erörterung zwischen bloß fünf Mächten schon so auf Seitengleise geschoben, dann läßt sich für dir allgemeine Abrüstung auch beim besten Willen kein Optimismus mehr aufbringen. Dann wird die Arbeit von neuem beginnen müssen, die den Völkern den elementaren Grundsatz nahebringen will, daß der Rüstungswettbewerb keine Sicherheit bietet, sondern nur Volkskraft und Geld verschlingt, Explosionsgefahren schafft und die Entwicklung einer überstaatlichen Rechtsordnung, der einzigen wirksamen Garantie für ein friedliches Zusammenleben der Völker, Hindernisse bereitet.
*
Dabei liegen keineswegs Entwicklungen vor, die irgendwelche nationalen Besorgnisse in diesem ober jenem Lande rechtfertigen könnten. Die Haager Verträge werden, auch wenn sie finanziell keine ideale Lösung schaffen, weil es die in bezug auf solche Summen und Zeiträume überhaupt nicht geben kann, unzweifelhaft zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Mit auffallender Uebereinstimmung haben z. B. die Wortführer aller kleineren Mächte im Südosten Europas, also in dem Bereich, der von jeher den Gefahrenherd für den Weltfrieden bildete, die Lösungen begrüßt, die für all ihre finanziellen Nachkriegs-Auseinander- setzungen geschaffen worden sind. Und es ist nicht anzu- nehmen, daß die soeben in Paris begonnenen Abschluß- Verhandlungen die außerordentlich wichtige und entscheidende Aufgabe einer wechselseitigen Schutdea^bgeltung der Nachfolgestaaten und ihrer Nachbar» — m vielen Fällen einer Seisachtheia — noch irgendwie gefährden könnten. Es ist also eine Art Zauberkunststück, das hier vollbracht wurde, auch insofern, als zwar die Herkunft der erforderlichen Mittel vornehmlich aus den Taschen der drei interessierten Großmächte Frankreich, Italien und England klar ist, nicht aber ihre spätere Abdeckung. Dieses Kunststück hat die Befriedigung Ungarns erreicht, weil es keine Reparationen mehr zahlen braucht, nur noch nach deren Ablauf im Jahre 1943 mäßige admimärative Posten von 13 K Millionen jährlich. Die Optanten werden auf einem gesicherten Rechtsweg entschädigt, aber auch Rumänien ist zufrieden, weil es praktisch nicht zu bezahlen hat, sondern be der Gesamtabrechnung noch einen Ehrlichem Ueberschuß behält, Jugoslawien, weil ihm die Schulden für übernommene Staatsgüter Oesterreichs - Ungarns und andere Lasten gestrichen wurden, und auch die Tschechoslowakei findet, trotzdem sie einige Opfer bringen mußte, die Gesamt- regelung vorteilhaft für ihre wirtschaftlichen Interessen und ihre Rechtslage. Das alles sind Nebenergebnisse der Verhandlungen über den Doungplan, die auch vom deutschen Standpunkt aus nicht übersehen werden dürfen; denn sie führen zu einer fortschreitenden Konsolidierung wichtiger deutscher Marktgebiete und zu einer Entpolitisierung der Beziehungen zwischen den Völkern an oder unweit unserer östlichen und südlichen Grenze.
*
Die völlige Befreiung Oestereichs und die fast ebenso vollständige Bulgariens von künftigen Lasten entsprechen besonders dem Gebot der Gerechtigkeit und den moralischen Interessen, die Deutschland von jeher vertritt. Daß sich der
WW-amcrillaaisihe Siotteiipurität ?
StantrsekretSr Stimssn «erlündet ein Welt-Flsttesprogramm
London, 7. Februar.
Der Führer der amerikanischen Delegation in London, Staatssekretär Stimson, veröffentlicht eine amerikanische Erklärung, die in großen Umrissen die Einzelheiten eines Weltflottenprogramms enthält. An oberster Stelle steht die englisch- amerikanische Parität in allen Schiffsklassen. Die Gesamtkonnage Amerikas und Englands wird aus 1,2 Milliarden beziffert.
Nach den Besprechungen MacDonalds mit Hoover bestand noch eine Differenz von 24 000 Tonnen in der Kreuzer- klasse. Der neue Vorschlag Amerikas geht in der Richtung einer weiteren Verminderung dieser Disferenz, vorerst auf 12 000 Tonnen. Von den g r o ß e n Kreuzern mit 20-Zentimeter-Geschützen wird Amerika 18 und England 15 Einheiten besitzen. Dieses Uebergewicht von 30 000 Tonnen für Amerika soll durch ein Uebergewicht Englands in Höhe von 42 000 Tonnen bei den kleinen Kreuzern ausgeglichen werden. Zur Ausgleichung der letzten Differenz soll jedes Land das Recht haben, genau die gleiche Flotte zu bauen wie das andere.
Die beiderseitige Schlachtschiffstärke soll schon 1931, nicht erst 1942 vollständig angeglichen werden. Fünf englische und drei amerikanische Großkampfschiffe müßten noch in diesem Jahre verschrottet werden.
Für U-Boote wird die k l e i n st m ö g l i ch e Tonnage vorgeschlagen. Amerika würde die völlige Abschaffung begrüßen. Die Angriffsmöglichkeiten der U-Boote sollen auf jeden Fall beschränkt werden, indem bei Ang iffen zuerst für die Passagiere Sorge getragen werden soll.
Attentat auf ven Mreprästventen von Brasilien
Ein blutiges Bankett in Monte Sclaros.
Rio de Janeiro, 8. Februar. Spärliche Berichte aus dem Staate Minas Geraes besagen, daß der Vizepräsident von Brasilien, Dr Mello V i a n n a, in der Nähe von Mon- tesclaros schwer verwundet wurde und daß verschiedene Herren seiner Begleitung verwundet oder getötet worden sind. Einzelheiten stehen noch aus.
In der Regierungspresse wird in verschleierter Form angedeutet, daß der Anschlag auf den Vizepräsidenten Dr. Mello Vianna in der Nähe von Monte Sclaros von der gegenwärtigen Regierung des Staates Minas Geraes veranlaßt worden sei.' In diesem Staate erwarte die Opposition bei den kommenden Präsidentschaftswahlen die größte Unterstützung. Nach neueren Berichten ist Dr. Vianna im Rucken und am Kopf verwundet. Präsident Luis hat seinen $om- meraufenkhalt in Petropolis abgebrochen und ist nach der Bundeshauptstadt abgereist. Das Kabinett ist inzwischen bereits unter dem Vorsitz des Justizminisiers zusammen- Getreten.
Der Anschlag auf den Vizepräsidenten ist bei einem Bankett in Monte Sclaros ausgeführt worden, und zwar wurden im Verlauf einer politischen Ansprache drei Schusse auf Dr. Vianna abgegeben. Es heißt, daß die Verletzungen nicht lebensgefährlich sind. „
Unbestätigten Berichten zufolge soll es bei dem Bankett zu einer großen Schießerei gekommen sein, bei der insgesamt fünf Personen, darunter Dr. Viannas Sekretär, getötet und 15 verwundet wurden.
»HO!KHn^^^S»nWIWSMK^ österreichische Bundeskanzler Dr. Schober, der sich um das ersterwähnte Ergebnis besonders verdient gemacht hat, nunmehr nach Rom begeben hat, um Mussolini seinen Dank für die Unterstützung im Haag abzustatten, ist verständlich und verständig. Italien hat bei diesen ganzen Auseinandersetzungen, auch soweit es sich um die deutschen Fragen handelte, einen mäßigenden und für den Erfolg wichtigen Einfluß geltend gemacht. Ein Ausgleich zwischen ihm und Oesterreich, in dem man in den ersten Nachkriegsjahren in Rom allzu geflissentlich den Erben und Rechtsnachfolger der Habsburgi chen Monarchie erblicken wollte, kann deshalb vom deut chen Standpunkt nur begrüßt werden. Dr. Schober hat in kluger und würdiger Weise von seiner Seite diesen Vorgang durchgeführt und gekennzeichnet, und es ist kein Zweifel, daß der Freundschafts- und Schiedsgerichtsvertrag, der nach feststehendem Schema bei dieser Gelegenheit abgeschlossen wurde, keineswegs einseitige Bindungen, sondern im Gegenteil neue Brücken schafft, über die sich^das deutsch-italienische Verhältnis weiter verbessern kann.
*
Noch steht freilich bei uns die parlamentarische Regelung des Haager Eesamtwerkes bevor. Es wird weniger wegen der finanziellen Ergebnisse, deren Durchführbarkeit während einer generationenlangen Laufzeit mehr in der Hand des Schicksals, als in derjenigen der heutigen Staatsmänner und des deutschen Volkes liegt, als wegen der politischen Nebenumstände zunächst noch umstritten. Das gilt besonders von dem deutsch-polnischen Abkommen, das man ohne Gefühlsaufwallung als ein Kompromiß mit der sehr wichtigen nationalen Zielsetzung betrachten muß, die deutsche Minderheit in Polen zu erhalten und zu festigen. Auch
Die englische Regierung dürfte die amerikanischen Vorschläge a n n e h m e n. Das englisch-amerikanische Sonder- abkommen soll dann auf die anderen Mächte einen moralischen Druck ausüben, ebenfalls zu einem Ausgleich unter sich zu kommen.
Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas berichtet, daß die Erklärungen des amerikanischen Staatssekretärs Stimson in Konferenzkreisen eine wirkliche Ueberraschung, ja sogar eine gewisse Sensation hervorgerufen haben.
Die japanischen amtlichen Kreise befleißigen sich einer gewissen Zurückhaltung in ihren Erörterungen über die Erklärung Stimsons. Was den Vorschlag anbetrifft, nach dem Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Japan fünf bzw. drei bzw. ein Panzerschiff abschaffen sollen, betonen die maritimen Kreise, daß diese Lösung, obwohl sie auf dem Papier Japan zu begünstigen scheine, das Gleichgewicht der japanischen Flotte zerstören würde. Die Einstellung der japanischen maritimen Kreise scheint also dem Borschlag nicht günstig zu sein. Wie Reuter von zuverlässiger Seite erfährt, glaubt man, daß die Vorschläge in ihrer gegenwärtigen Form für Japan unannehmbar sind.
Die amerikanische Marineleitung gegen
Stimsons Paritätsprogramm
Washington, 8. Februar. Der Vorsitzende des Marine- ausschusses des Bundessenats, Senator H a l e, erklärte, daß das von Staatssekretär Stimson jetzt erst in London be- kannkgegebene Paritätsprogramm offensichklick, nicht den amerikanischen Marinebedürfnissen entspreche.
Lrtiz Radio «elterlich operiert
Rewyork, 7. Februar.
Nach den letzten Meldungen aus Mexiko mußte zur Entfernung von weiteren Knochensplittern aus der Kieferwunde eine zweite Operation beim Präsidenten Ortiz Rubio vorgenommen werden. Der Präsident soll die Operation gut überstanden haben. Sein Allgemeinbefinden soll den Umständen nach gut fein, jedoch ist es dem Präsidenten ärztlicherseits nicht gestattet worden, Besuche zu empfangen. In der Hauptstadt ist nach wie vor alles ruhig. Der militärische Streifdienst ist eingezogen worden. Durch die Schüsse des Attentäters sind übrigen drei Zuschauer leicht verletzt worden.
ErWvrdung zweier Bürgermeister in Mexiko
Tampico (Mexiko), 7. Februar.
Der aus dem Amt scheidende und der neugewählte Bürgermeister der Stadt Altamira sind einem "erbrechen zum Opfer gefallen. Sie befanden sich bei einer zu Ehren der neugewählten Stadtvertretung veranstalteten Feier, bei der auch eine für den Karneval gewählte Schönheitskönigin gefeiert werden sollte, als ein in der Gesellschaft anwesender Unbekannter plötzlich eine Pistole zog und beide Bürgermeister mit tödlich wirkenden Schüssen niederstreckte.
gegenüber der Sanktionssormel sind wir in der Lage, als eine eigene Erklärung Ta r d i e u s festzustellen, daß auch er nur eoch einen einzigen Fall kennt und bei der Formulierung dieses Abkommens im Auge gehabt hat: den Fall daß eine deutsche Regierung bewußt und absichtlich das Haager Abkommen zerreißt, ihn gleichsam als null und nichtig vor die Füße wirft, also sich die Handlungsfreiheit nimmt, die damit auch für Frankreich nach allen Rechtsgepflogenheiten der Völker wieder eintritt. Irgendeine Verpflichtung Deutschlands, sich solchen Maßnahmen im voraus zu unterwerfen (wie das das Wesen der Sanktionen wäre), besteht nicht, und die Einschränkungen des Völkerrechts und aller neueren und künftigen Verträge bestehen auch für einen solchen Fall im vollen Umfang. Diese Auffassung, die ganz unbestreitbar ist, wird übrigens auch in Frankreich allgemein aeteilt, so daß, abgesehen von einigen bewußten Hetzern, der Streit um die nunmehr beseitigten Sanktionen ein völlig müßiger ist.
Die Schweiz genehmigt das Abko^. über die Internationale Bank
Bern, 8. Februar. In seiner Freitag-Sitzung hat der Bundesrat die Vorlage über die Genehmigung des Abkommens betreffend die Internationale Bank für Zahlungsausgleich und über Verlängerung der Gültigkeitsdauer dieses Abkommens angenommen. Die Vorlage ist ziemlich umfangreich und enthält verschiedene Beilagen, so den Vertrag i das Bankstatut usw. ..... _...... i