HersfelöerTageblatt
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; wörtlich: Kranz Klink in Hersfelö. ❖ Kernsprecher Nr. 8 ;
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mit bm Beilagen: Illustriertes AaLerhattnugSblatt / Nach AeierahsaS / Herv and GLvUe / Anterhsttvaa aaS Wittev Belebruag aaS Karrwell / Wirtschaftliche TagesfraaeN
Nr. 32
Freitag, den 7. Februar 1930
80. Jahrgang
Schwieriger Elalsausgleich
Keine Erhöhung der Umsatzsteuer - Erhöhung der Zölle aus Kaffee und Tee? — Weitere Aurgabedroffelung
Um den Neichsetat 1930
lÄ Berlin, 7. Februar.
Die Oeffentlichkeit beschäftigt sich seit einigen Tagen eingehend mit der vermutlichen Gestaltung des Reichsetats 1930. Die bisherigen Aeußerungen und Zahlenan- gaben des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer haben auch dem Laien gezeigt, daß die Durchsetzung der erforderlichen Maßnahmen für eine Balancierung nicht unerhebliche Schwierigkeiten in sachlicher und parlamentarischer Hinsicht bereiten wird. Die bisher ausgesprochenen Meinungen und Vermutungen lassen deutlich zwei Richtungen in der Auffassung über die Gestaltung des Etats erkennen, und zwar eine pessimistische, die glaubt, daß die Herbeiführung des Gleichgewichts im Haushalt nur möglich sei unter Anspannung der noch vorhandenen Steuerquellen und unter Verzicht auf jegliche Steuersenkungen. Die andere Richtung vertritt im Gegensatz hierzu die Forderung, ba^ mit dem Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben gleichzeitig ein Programm der Steuersenkungen verbunden werden müsse. Es wird darauf ankommen, unter Berücksichtigung der sachlichen, finanz- und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkte den Weg zu finden, der neben der Sanierung auch die Grundlagen schafft für das Programm der Steuererleich- t e r u n g, die ein Neuanwachsen oer Kapitalbildung und eine Förderung der Rentabilität wie der Kapitalversorgung der deutschen Wirtschaft und damit eine Steigerung ihrer Produktion gewährleisten soll.
Nach den bisherigen Bekanntgaben der zuständigen Reichsstellen erweist sich die Sonderausgaben-Seite außer- .■w&mltt&Jk^^ den StaU Die auf Grund des Dezember-Gesetzes im vorigen Jahr ausgenommenen 4sv Millionen (Ultimobedarf) müssen verpflichtungsgemäß im laufenden Jahr zurückgezahlt werden, und zwar ab 1. April nonatlich mit 50 Millionen, wozu die Kreuger-Anleihe dienen soll. Hinzukommt ein aus dem Jahre 1928 verbliebenes Defizit von 154 Millonen, ferner 450 Millionen Mark, die nach dem Gesetz vom Dezember zur außerordentlichen Schuldentilgung verwandt werden sollen. Die Summe dieser beiden' Posten in Höhe von 604 Millionen wird nahezu verdoppelt durch die Anforderungen, die dem Reich aus der Arbeitslosenversicherung erwachsen sind Der Reichsfinanzminister hegt die Absicht, den hier in Frage kommenden Betrag nicht mit in den ordentlichen Etat 1930 zu übernehmen. Die somit aus insgesamt 1000 Millionen angewachsene Summe erhöht sich noch durch die mit Sicherheit zu erwartenden Mindereinnahmen aus laufenden Steuern in Höhe von rund 175 Millionen, denen eine Ausgabenerhöhung um 95 Millionen Mark gegenübersteht. Zählt man hierzu noch die Beträge, die für die Beseitigung der Rentenbankzinsbelastung ber Landwirtschaft in Höhe von 85 Millionen erforderlich sind, und die für das Jahr 1930 ueplante Verminderung der Jn- dustriebelastung um 50 Millionen, so ergibt sich ein Gesamtfehlbetrag von'1705 Millionen Mark. Der Fehlbetrag im Nachtragsetat für 1929 beträgt 105 Millionen, Ausfälle an Steuereingänaen dürften b'e Höhe von 130 Millionen erreichen. Der Fehlbetrag schwillt also auf etwa 1640 Millionen Mark an, wozu nach der Ausfall an Einnahmen bei der Reichspost hinzukommt.
Dieser Fehlbe , wird nicht allein durch die Ersparnisse aus dem Ä o u ngplan in Höhe von etwa 700 Millionen ausgeglichen werden können, auch nicht aus dem Mehrauskommen aus der T a b a k ft e u e r , das auf etwa 200 Millionen geschätzt wird, sondern es wird weiterer Maßnahmen bedürfen, um die vorhandene Differenz auszu- gleichen. Nach sorgfältigen Berechnungen hat sich noch hier ein Bedarssposten von rund 200 Millionen ergeben, der auch irgendwie seine Abgleichung finden muß. Das Reichs- finanzministerium befindet sich zurzeit noch in Erwägung darüber, ob nicht eine geringe Erhöhung der Um- j a tz ft e u e r verbunden mit einer Erhöhung der Bier- steuer erforderlich ist. Die Erhöhung der Umsatzsteuer aus 1 Prozent wurde den rechnerischen Betrag von 350 Millionen ergeben von dem aber nur ein Auskommen von % im ersten Jahre, also 270 Millionen, zu erwarten wäre. 30 Prozent hiervon würden als Ueberweisungen an die Länder gehen so daß dem Reich 190 Millionen verblieben. DU Berechnungen über eine Erhöhung der Biersteuer haben den Betrag von rund 180 Millionen ergeben. Eine weitere Möglichkeit, allerdings mit geringerer Wirkung, bietet eine Erhöhung der Kassee - und T e e st e u e r , die auf Grund eines Ermächtigungsgesetzes auf dem Verordnungs- wege vorgenommen werden könnte. In Frage käme eine Erhöhung um 50 Millionen, von denen etwa 20 auf bi» Länder entfielen.
Man wird abwarten müssen, wie sich der Reichstag zu diesen einzelnen Vorschlägen, wenn sie erfolgen sollten, stellen wird. Es bleibt als letzte Möglichkeit die Verwendung eines weiteren Teils der H a u s z i n s st e u e r für Verwaltungszwecke die heute für den Wohnungsbau Verwendung findet. Eine solche Maßnahme ist auch in letzter Zeit bereits bei den Länderreaierunaen in engere
Erwägung gezogen worden, und es dürfte darum kaum überraschen, wenn diese Maßnahme im Hinblick auf die fortgeschrittene Entwicklung der Neubauziffern und die neuerliche Finanzpolitik der Gemeinden in dieser Frage vorgeschlagen würde.
Die ganze Sachlage erfordert klare und ruhige Ueber- legung. Sollte es gelingen, die Verhandlungen im Reichstag aus der durch die Verhandlungen über den Poung- Plan bedingten stark politischen Sphäre in ein ruhiges, fachliches und von verantwortungsbewußtem Geist getragenes Fahrwasser zu lenken, so wird sich auch dann gleich eine Gelegenheit ergeben, vorausschauend die Grundlage und den Unterbau zu schaffen für ein Finanzreförm- 1 rogramm, das auf den vorhandenen Reichstagsbe- chlüffen aufbaut und auf bestimmte Fristen abgestellt st. Dann wird sich auch die Erledigung und Fertigstellung derSteuersenkungsgesetzezu einem Zeitpunkt ermöglichen lassen, der unserer Wirtschaft und damit auch der Volksgesamtheit für 1930 noch die Erleichterung bringen kann, die ihr unbedingt not tut.
Neue KsMbinatisuen
In Berliner politischen Kreisen sind die Hoffnungen, ob es gelingen wird, eine gemeinsame Basis in den Verhandlungen zwischen Reichsregierung und Regie- .rungskoalition über den neuen Reichsetat für 1930 zustande zu bringen, nicht allzu hoch gespannt. Vorläufig weichen die Mutmaßungen über die Deckung der einzelnen Etatsposten in verschiedenen Punkten noch wesentlich voneinander ab. Fest^s.eht, daß im Reichsfinanzministerium, allerdings nur in* letzter Linie, an die Erhöhung der Umsatzsteuer auf 1 Prozent gedacht worden ist. Die Widerstände M P^?;^^o>1^^ Greifen aeaen eine solche Maßnahme sind beträchtlich. Nicht nur die Sozialdemokratie lehnt oie Umsatzsteuererhöhung ab. Es ist davon die Rede gewesen, daß im Falle der Ablehnung eine Verdoppelung der Bier st euer, die dann statt 180 Millionen 360 Millionen erbringen soll, eintreten werde. Wie wir zuverlässig erfahren, trifft dies nicht zu, da ja Bayern sich kaum mit der einfachen Erhöhung ubfinben dürfte. Allerdings war der Gedanke als entfernte Möglichkeit in Erwägung gezogen worden. Statt an seine Ausführung denkt man jedoch zunächst an eine Erhöhung der Kaffee- und Teezölle, von der man 50 Millionen Mark Mehreinnahmen erwartet, wovon 20 Millionen den Ländern zufließen sollen. Unter den variablen Plänen findet sich selbstverständlich auch wieder die Reueinführung der Weinsteuer ein, die beim Zentrum auf stärksten Widerstand stoßen dürfte.
Was die Eliminierung der Kredite an die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung anbelangt, die in der Weise erfolgen soll, daß andere Versicherungsträger, nämlich Reichs- versicherung und Landesversicherung, einen zweijährigen von der Reichsanstalt selbst später abzudeckenden Kredit gewähren sollen, so machen sich hiergegen besonders Widerstände im sozialdemokratischen Lager bemerkbar, wo der ursprüngliche Plan, eine Art von Rückversicherung bei allen alten Sozialversicherungen zu schaffen, strikt abgelehnt wurde. Um diesen Kreisen, besonders aber auch den Gewerkschaften, die Sache schmackhafter zu machen, denkt man neuerdings daran, den von den Versicheruiws- trügern zu gewährenden Krediten eine Priorität gegenüber den bereits vom Reiche gewährten Krediten einzuräu- men nach Art einer ersten Hypothek.
Aber nicht nur neue Einnahmen sind zur Balancierung des Etats notwendig, sondern vor allem nach Aus gaben- d r o s s e l u n g e n, die dem Vernehmen nach vorgesehen sind im Marine etat, wogegen im bürgerlichen Lager Widerstand einsetzen wird, ferner bei den Luftfahrt- subventionen und schließlich beim Etat des Reichs- arbeitsministeriums.
Sie Hasser Ersetze lern Reichstag »gegangen
* Berlin. 7. Februar.
Die Gesetzentwürfe über die Haager Konferenz, die Londoner- und Liquidationsabkommen sowie zur Aenderung des Reichsbank- und Reichsbahngesetzes sind am Donnerstag dem Reichstag zugeleitet worden. Die Reichsregierung hat die Entwürfe in einem runb 800 Druckseiten umfassenden Werk zusammengefaßt und veröffentlicht. Die Ausgabe umfaßt das gesamte Vertragswert nebst allen Anlagen, die Gesetzentwürfe und die ihnen zugrundeliegenden Abkommen. Äufgeführt sind auch die Denkschriften und Begründungen der Reichsregierung sowie die Berichte der Unterausschüsse des auf Empfehlung des Sachverständigen-Ausschusses eingesetzten Organisations- komitees.
Wie wird die Einigung
in der U-Boot-Frage aussetzen?
London, 7. Februar. Auf der gestrigen Sitzung der britischen Delegation im St. James-Palast wurden die Einzelheiten des britischen Memorandums erörtert, das als Antwort auf das französische Memorandum vorbereitet wird. Es verlautet, daß England und Amerika einen Druck auf die französische Delegation ausüben wollen, um sie zu veranlassen, ihre Haltung in der Unterseebootfrage zu ändern. Die britische Politik, die von Amerika unterstützt wird, zielt, wie bekannt, auf die vollkommene Abschaffung der Unterseeboote hin. Es ist jedoch klar, daß dies nicht erreicht werden wird, so lange die übrigen drei Mächte das U-Boot als eine unentbehrliche Verteidigungswaffe betrachten. Als Alternative wollen die Engländer und Amerikaner darauf bestehen, daß Maßnahmen zur „Vermenschlichung" des U= Boot-Krieges getroffen werden sollen.
Die künftige Haltung der Radikalen
Linken
Gegen Tardieu — aber für weitere Mitarbeit.
Paris, 7. Februar. Die Kammerfraktion der Radikalen Linken (Fraktion Loucheur) sprach ihrem Vorsitzenden Da- nielou ihr Vertrauen aus und stellte fest, daß sie in ihrer Mehrheit gegen die Politik Tordievs ist
Die Aussprache in der Fraktion war erforderlich geworden, weil Danielou dieser Tage der vom Ministerpräsidenten Tardieu einberufenen Konferenz der Vertreter der Mehrheitsparteien ferngeblieben war, da er diese gesonderte Beratung für unzulässig und ungeschickt hielt.
In einem Kommunique wird zunächst das Vertrauen der Mehrheit der Fraktion zum Vorsitzenden erneuert
---m—<!^—^......'--- «—Oi:— C„U «l^vnrtHri verpflichtet, an den Vorständebesprechungen der Fraktimum. - der Regierungsmehrheit teilzunehmen.
Die Durchführung des spanischen Regierungsprogramms
Madrid, 7. Februar. Der Ministerrat beschloß, den Abschied sämtlicher Zivilgouverneure, mit Ausnahme derjenigen von Madrid und Barcelona anzunehmen. Dieser Beschluß könne als das Vorspiel für die Abwicklung des politischen Programms angesehen werden. Die Regierung sei der Ansicht, daß ein guter Teil der normalen Entwicklung der gegenwärtigen Lage von der Wahl ihrer Vertreter in den Provm'.m abhängen werde. Sie wolle bei der Auswahl ge- eignetc. Persönlichkeiten nicht überstürzt vorgehen und vor Anwendung ihrer politischen Programms zunächst andere dringende ' Fragen wirtschaftlicher und finanzieller Art regeln.
Meile Gerüchte um Sntienl
Paris, 6. Februar
In der französischen Hauptstadt waren am Donnerstag wiederum die tollsten Gerüchte über den Verbleib des russischen Generals K u t i e p o f f verbreitet. Angeblich sollte die Polizei davon Kenntnis erhalten haben, daß die Leiche des Generals im Walde von S t. C l o u d vergraben sein sollte. Von den zuständigen Stellen sind diese Gerüchte noch nicht bestätigt worden. Die Zeitungen veröffentlichen aber bereits spaltenlange Berichte über die Bemühungen der Polizei.
Inzwischen ist die von den Emigranten für die Auffindung der Leiche ausgesetzte Belohnung auf 500000 Franken erhöht worden.
KutZepoffs Leiche gefunden?
Paris, 7. Februar. Die Provinzausgabe des „Echo de Paris" berichtet aus Mckrferlle, daß gestern früh von Automobilisten auf der Straße von Roucas Blanc ein Mann mit schweren Verletzungen am Kopf und an den Beinen aufgefunden wurde. Er sei nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus gestorben, ohne daß er irgendwelche Angaben hätte machen können. Da er einige Aehnlichkeit mit dem verschwundenen russischen General Kutjepoff aufweise, habe die Polizei die Möglichkeit, daß es sich tatsächlich um den Vermißten handele, nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen.
KircheaauMmg in der llfrnine
Moskau, 6. Februar.
Einer amtlichen russischen Meldung zufolge hat ein in Kiew zusammengetretenes Konzil der ukroinisck.en Griechisch - orthodoxen Kirche, vas sich mit der Aufdeckung der Verbindung dieser Kirche mit dem gegenrerolutionären Verband zur Befreiung der Ukraine befaßt hat, die Au f l ö s u n g der Kirche beschlossen. Die Handlungen von Angehörigen der Kirche, die das Ziel hatten, eine gegen revolu t i o n ä r e sowjetfeindliche Organisation zu schaffen, wurden von dem Konzil aufs schärfste v e r u ' i t