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Die Rot der OstprovinZm.

Schicksal der Ostmark ist Schicksal der Nation. Die

! unsichtbare Besatzung.

Von den Landeshauptleuten der preußischen Ostpro- Vinzen wurde, wie gemeldet, dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler, dem preußischen Ministerpräsidenten, dem Reichsinnennnnister, dem preußischen Innenminister und den Präsidenten des Reichstages und des Preußi­schen Landtages eine Denkschrift über die Not des preußi­schen Ostens überreicht.

Zu dieser Aktion haben sich die Landeshauptleute der Provinzen Ostpreußen, Grenzmark Posen-Westpreußen, Pom­mern, Brandenburg, Niederschlesien und Oberschlesien zu- sammengeschlossen, um die Aufraerlsamkeit vor verantwort­lichen Stellen und der gesamten Öffentlichkeit von neuem auf die ansteigende wirtschaftliche Bedrängnis und die schwere nationale Gefahr im Osten zu lenken und Mittel zu ihrer Abhilfe in Vorschlag zu bringen. Die Denkschrift ist ein

elementarer Ausdruck der Notlage,

von der die Ostprovinzen in allen ihren Teilen erfaßt sind. Opfervoll so heißt es in dem Vorwort habe der deutsche Osten bisher sein schweres Los getragen. Lastete auf Deutsch­lands Westen bisher eine sichtbare Besatzung, so auf dem deutschen Osten die unsichtbare Besatzung, schwerster Wirtschaftsnot, die die Bewohner dieser Landesteile im Ringen für das gemeinsame Wohl zermürbt, eine dem Staatsganzen abträgliche Resignation ge­schaffen habe.

An das gesamte deutsche Vaterland richtet sich der Appell, dem deutschen Osten diejenige Beachtung und Hilfe zuteil werden zu lassen, die eine Reorganisation der gesamten deut­schen Ostgebiete auf die Dauer gewährleisten.

In umfassenden Darlegungen wird ein Bild von der wirtschaftlichen Lage der sechs Ostprovinzen gegeben und mit eindringlicher Schärfe auf die vernichtenden Folgen der Grenz­ziehung für die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens nach dem Kriege hingewiesen. Eine hart um ihre Existenz kämpfende Landwirtschaft, schwer ringende Industrien, eine Abdrängung des Handels von den alten Absatzgebieten, steigende Arbeitslosigkeit und hohe Abwanderungsziffern, das sind die Symplone eines wirtschaftlichen Niederganges, wie ihn in ähnlichen Ausmaßen kein.anderer Teil des Vaterlandes seit dem Kriege durchgemacht hat. Die Lage der Kommunal- fmanzen ist allenthalben so erschüttert, daß die Aufgaben der Selbstverwaltung aufs schwerste gefährdet sind. Hier helfend einzugreifen, wird als das Ziel einer einheitlichen und umfassenden Staatspflege angesehen, ohne die eine Gesundung der Wirtschaft und damit die Wiederher­stellung der Lebensfähigkeit des deutschen Ostens nicht erreicht werden kann.

Es wird ferner überzeugend nachgewiesen, welche große Bedeutung den preußischen Ostprovinzen int Rahmen der deutschen Volkswirtschaft zukonimt. Im Bewußtsein der Öffentlichkeit müsse sich immer mehr bie Überzeugung durch­setzen, daß das Schicksal der Ostmark auch das Schicksal der Nation ist.

Unter den Forderungen, die als Inhalt und Ziel einer notwendigen Staatspflege für den Osten gelten müssen, werden genannt:

1. Erschließung des Ostens durch Schaffung neuer Kunst­straßen und Verbindungswege sowie durch Erweiterung des Eisenbahnnetzes.

2. Ausbau der östlichen Wasserstraßen im gleichen Schritt wie im Westen.

3. Stärkste Verkürzung der Frachtbasis für den Osten.

4. Maßnahmen zur Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft.

5. Höhere Zuweisung von Mitteln für die Wirtschafts- verbesserungen im deutschen, Osten.

si^Fvrderung der Bauern- und Landarbeiterstedlung.

7. Maßnahmen zur Erhaltung der ostdeutschen Industrie, des Handels und des Handwerks.

8. Zusammenfassung und wesentlich verstärkte Hinleitung der Reichs- und Staatsaufträge sowie der Reichsbahn- und Reichspostaufträge in die Ostprovinzen. Die erhöhte Be- leiligung des Ostens an den Staatsaufträgen muß ins­besondere den durch den Zollkrieg mit Polen am meisten ge­schädigten Provinzen zugutekommen.

9. Starke Kulturpolitik von Reich und Staat im Osten.

10. Erheblich weitergehende Berücksichtigung aller Kom- munen der Ostprovinzen im Finanzausgleich.

11. Sonderdodation für die östlichen Provinzialverwal- tungen, um die Grenzzerreißungs- und Besetzungsschäden zu k>eit->n. ______

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ROMAN v.J.SCHNEIDER-FOERSTL

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau Ba.

(47. Fortsetzung.)

Man mußte den Dingen ihren Lauf lassen.

Der Verkauf des Besitzes in Benares nahm Wochen in Anspruch. Interessenten gab es viele. Aber die Angebote waren durchweg unter Wert. Das konnte Akab vor dem Gebieter nicht verantworten. Erst Ende April glückte es, die Sache nach Anstettens Wünschen zu regeln.

Ein englischer Regierungsbeamter, der mit Frau und Kind frisch nach den Kolonien versetzt war, erstand das reizende Heim um eine Summe, die eher ein Zuviel, als ein Zuwenig bedeutete. Der Vertrag wurde abgeschlossen. Da Akab Generalvollmacht besaß, ergaben sich keinerlei Schwierig­keiten.

An dem Tage, an welchem er das Geld auf der Bank deponierte, traf ein Telegramm von Anstetten ein:

Ueberweise sechshundert Pfund an Deutsche Bank, Wien I. Hans Peter."

Akab hob die Summe ab und ließ sie an die gewünschte Adresse gehen. Eine tiefe Sorgenfalte stand dabei in seinem Gesicht geschrieben. Wenn der Sahib fein Vermögen vor der Zeit verschleuderte was dann? Möglicherweise kam er eines Tages als Bettler zurück! Als ein vom Glück Ver­stoßener!

Der Hindu hatte viel böse Träume gehabt in letzter Zeit. Und alle hatten sich um den Gebieter gedreht: Einmal kam er in Lumpen gekleidet an seine Türe und brach tot auf der Schwelle zusammen gestern sah er ihn mit blutüberström­tem Gesicht durch die Gartentüre des Bungalow fallen, und als er hinzusprang, ihn aufzuheben, hielt er ihn leblos in den Armen.

Sollte er ihn warnen? Wieder feine Seele hinüber nach Anstetten schicken, wie er es schon zweimal getan hatte? Aber der Sahib war jetzt so mitten in seiner Liebesseligkeit. Vater sollte er werden! Vater! Akab konnte sich nicht ent­schließen, ihn aus all dem Taumel seines Glücks zu reißen.

Nur den Bungalow in Dardschiling hielt er immer bereit. Stets brannte nachts ein Licht in dem kleinen Flur, daß er nicht strauchle, wenn er unvermutet kommen sollte. Immer stand Backwerk und frisches Wasser bereit, wenn er matt und

Vom Luxusschiff

in die Verbrecherkolonie.

Das Ende derMonte Cervantes".

In der nach ihrem portugiesischen Entdecker Magalhaes (Magellan) benannten Meeresstraße, die das südamerika­nische Festland vom Feuerlandarchipel trennt und bett Atlantischen mit dem Stillen Ozean verbindet, ist das auf einen Felsen ausgelaufene Hamburger SchiffMonte Cer­vantes" dem Untergänge nahe: es muß wohl, nachdem alle Versuche, es wieder flottzumachen, gescheitert sind, als verloren betrachtet werden. Die Passagiere und die Mannschaft, zusammen etwa 1500 Köpfe, sind gerettet, und das ist Trost im Unglück. Auch die finanziellen Verluste dürften nicht allzu groß sein, da die Versicherung des Schiffes in Hamburg und in London gedeckt ist.

DieMonte Cervantes" war am 15. Januar mit mehr als 1100 Touristen, unter denen sich mehrere Feuerland­forscher und was besonders hervorgehoben wird über 10 0 südamerikanische Millionäre be­fanden, von Buenos Aires nach der Magalhaesstraße und der Südküste Argentiniens abgegangen und sollte Ende Januar zurückkehren. In Sichtweite des Ortes Ushuaia ist dem Schiff dann das Unglück passiert. Nach Ushuaia

Der PasfagierdrrmpserMonte Cervantes".

sind die geretteten Passagiere gebracht worden, und so gut sie hier auch behandelt werden mögen ein angenehmer, Aufenthalt ist Ushuaia für sie bestimmt nicht, und sie werden sicher froh sein, wenn sie von hier wieder weg­kommen werden. Ushuaia ist nämlich

dieTeufelsinsel" Argentiniens, die große Verbrecherkolonie des Landes, das keine Todes­strafe kennt und seine Schwerverbrecher in den unter­irdischen Zellen von Ushuaia oft lebenslänglich schmachten läßt. Das MotorschiffMonte Sarmiento" ist sofort von Montevideo ausgefahren, um die Passagiere abzuholen, und man glaubt, daß es am 1. Februar mit ihnen in Vuenos Aires eintreffen wird. Auf Anordnung der argentinischen Regierung hat sich die argentinische Kriegs­flotte, die sich augenblicklich in den Feuerlandkanälen be­findet, sofort an die Unfallstelle begeben, um zu helfen, wo noch zu helfen ist. Die Hilfe und Unterstützung, die dem gestrandeten Schiff seitens der argentinischen Re­gierung und seitens der Behörden im Feuerlande gewährt werden, verdienen stochste'TWerkKkMW.' ' -

DieMonte Cervantes^ gekentert.

Nach einem Telegramm an die Südamerikanische Dampsschisfahrtsgesellschaft in H a m b u r g ist der ge­strandete DampferMonte Cervantes" am Donnerstag abend nach Steuerbord gekentert. Es ist Zeit genug ge­wesen, die noch an Bord befindlichen Offiziere retten zu können. Kapitän Dreier, welcher bei dem Untergang des Schiffes aus der Kommandobrücke war, wird vermisst.

elend den Berg erklimmen und bei ihm Zuflucht suchen würde.

Aber der Sahib kam nicht!

Statt seiner traf in den ersten Tagen des Mai eine Depesche ei.i

Ein Sohn im Uebermaß des Glückes.

Dein Sahib."

Ein Sohnl Akab brach frisches Grün und schmückte Günthers Arbeitszimmer. Dann fastete er bis zum Abend Buddha zu Ehren, daß er das Glück des Gebieters schirmen und erhalten möge.

Ein Sohn!--Hans Peter stand über das Lager feiner Frau geneigt und küßte den schmerzverzogenen Mund, der so weiß und leuchtend in dem schmalen Gesichte stand.

Ich bin doch nicht mehr neunzehn Jahre, wie damals." Das Lächeln, das dabei um ihren Mund zitterte, war etwas verzerrt.Ich hätte dir so gerne eine Tochter geschenkt, Hans Peter! Verzeih nun die Enttäuschung."

Ich bin der seligste Mann, Brunhilde."

Dann ist ja alles gut! Laßt mich jetzt ein wenig schlafen und tragt Bernd dem Bruder hinüber, wenn er kommt."

Anstetten neigte sich über die Lider der geliebten Frau, die sich in tiefster Erschöpfung schloffen.Ich danke dir! Ich danke dir!" hörte sie ihn flüstern, aber sie war zu müde, auch nur ein schwaches Lächeln in ihr Gesicht zu zwingen.

Als Bernd von seinem Spazierritt nach Hause kam, hielt ihm der Vater ein süßes, schlafendes Menschenkind entgegen. Chatlen, die man zur Pflege der Mutter geholt hatte, stand mit fiebernden Wangen und wagte kaum zu flüstern.

Ein Mädchen, Vater?" hauchte Bernd.

Ein Bruder!"

Das junge Gesicht strahlte. AIs er die Arme nach dem Kleinen streckte, wehrte Chatlen mit allen Zeichen des Ent­setzens und nahm das spitzenbesetzte Bündel an sich.Nur ansehen, Bernd!--Und küssen! Und wenn die Mutter erwacht, begrüßt du sie. Sie ist sehr müde."

Freust du dich, mein Bub." Anstetten ließ keinen Blick von dem Gesicht seines Aeltesten.

Ueber die Maßen, Vat

Du wirst um nichts in deinem Erbe geschmälert werden, Bernd," tröstete er.

Geschmälert?--Wie kommst du nur auf solche Ge­danken, Papa. Ich habe mir ja immer jemand gewünscht, mit dem ich teilen kann. Ich bin beinahe so alt wie du, wenn er aus der Schule kommt. Glaubst du, daß er mich respektiert?"

Wir wollen es hoffen, mein Junge." Ueber Anstettens Gesicht flog für Sekunden ein frohes Lachen.

Kohlensorgeri im preußischen Landtag.

(116. Sitzung.) tt. Berlin, 24. Januar.

Im Preußischen Landtag fanb' die zweite Beratung des Haushalts der Bergv erw altung statt.

Handelsmtnister Dr. Schreiber äußerte sich über die Maßnahmen des Ministeriums zur

Bekämpfung der Erubengefahren.

Das Jahr 1928 habe bereits eine absolute und relative n M?«- Uniallziffern gebracht. Die Unfallziffern des Jahres 1929 standen wiederum hinter denen des Vorjahres um etwa 1300 zurück. Der Kohlenbergbau habe im Jahre eine Sonderkonjunktur durchgemacht. Die Gesamtlage der Kohlentndustrie habe sich nicht unwesentlich verbessert. Das treffe insbesondere auch für die staatlichen Gesell­schaften zu. Der tm Interesse beider Länder zu wünschende

Handelsvertrag zwischen Deutschland und Polen werde bedauerlicherweise dazu führen, daß eine gewisse Menge polnischer Kohlen im deutschen Wirtschaftsgebiet Aufnahme finden müsse. Es seien daher Vorkehrungen erforderlich die es verhindern, daß die unter ganz anderen sozialen Ver­hältnissen gewonnene polnische Kohle die deutschen Kohlen- Preise über den Haufen werfe und der ganze Druck der Einfuhr aus den beiden schlesischen Revieren laste. Auch bei der demnächstigen Einordnung der Sa : rkohle in die deutsche Wirtschaft würden die einzelnen deutschen Kohlen- revlere Opfer zu bringen haben. Zum Schluß ging der Minister auf

die Saarfrage

Zweifel daran be- cderung tm vollen

ein. Er wies aus die Erklärung des preußischen Minister- prastdenten hin, nach der Preußen die uneingeschränkte und unbelastete Ruckführung des Saarbergbaues in den Staats­besitz erwarte, und erklärte, es könne kein Zweifel daran be- stehen, daß Preußen sich bei dieser Forderung im vollen Einvernehmen mit der R e i ch s r e g j e r u n g befinde. Es fei notwendig, mit aller Deutlichkeit auszusprechen, daß eine lebe Nichtbeachtung deutscher Interessen auf den schärfsten Widerstand aller Beteiligten in Reich, Preußen und dem Saar- gebiet stoßen werde. <S t ü r m i s ch e r Beifall.)

_ In der allgemeinen Aussprache forderte Abg Fränz <Loz.) Ausbau der Schutz- und Kontrollmaßnahmen im Bergbau, wobei er auf die steigende Zahl der Unfälle hinwies.

Abg. Dr. von Waldthaufen (Dtn.t bezeichnete die Steige­rung des Zuschusses von über 14 Millionen Mark für den Bergetal als in der Hauptsache zwangsläufig. Die Gruben- sicherhen müsse noch mehr gestärkt werden, wenngleich es nicht gelingen werde, Unfälle im Bergbau ganz zu beseitigen.

Abg. Sieger (Ztr.) bedauerte es, daß trotz den vom Landtag stets zur Verfügung gestellten reichlichen Mitteln zur Besse­rung der Grubensicherheli die Unfallziffer im Bergbau immer noch sehr hoch sei.

Nachdem der Kommunist Sobottka sich gegen Rationali­sierungsmaßnahmen gewandt hatte, erklärte der Abg. Wie- gandi (D. Vp.), man müsse sich in bezug auf die Lage des Bergbaues des Ernstes der Situation bewußt bleiben. In der Saarfrage sei seine Fraktion mit dem Minister einig.

Am Sonnabend wird die Beratung des Berahaushalts- etats fortgesetzt.

Statt Parlamentsabend Schulkinderspeisung.

Berlin. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit­telst, hat das preußische Staatsministerium beschlossen, an­gesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen weite Bevölkerungskreise zu kämpfen haben, den alljährlich ver- anstalteten großen parlamentarischen Empfangsabend der Staatsregierung in diesem Jahre nicht stattfinden zu lassen. Das Staatsministerium wird statt dessen einen Betrag für Speisungen bedürftiger Schulkinder zur Verfügung stellen.

Die Stadt Lhikago m Geldnöten.

DieBeamten bekommen kein Gehalt.

In Chikago sah die städtische Behörde, die für die Unterhaltung der Schulen und die Besoldung der Lehrer verantwortlich ist, sich gezwungen, eine Anleihe von 1,5 Millionen Dollar aufzunehmen. Die Anleihe wurde vor einigen Tagen aufgelegt, es wurde aber kein einziger Cent gezeichnet. Der Vorsitzende der genannten Behörde er­klärte, diese Schwierigkeit sei eine Folge der langjährigen Nachlässigkeit der verschiedenen Stadtverwaltungen in den Finanzsragen Tausende von städtischen Bcancree: und Angestellten hätten am letzten Zahltag kein Gehalt empfangen.

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Als General Lätzen vier Tage später kam, seinen jüngsten Enkel in Augenschein zu nehmen, fand er eine Familie, über deren Glück nur ein einziger Schatten schwebte! Es war Brunhildens noch immer große Schwäche. Und als diese nach Wochen endlich behoben war, wurde das Leben nur mehr eine Flut von Sonne, die sich Tag für Tag über An­stetten ergoß.

*

Bernd hatte die Hochschule bezogen und bekam der Form nach an seinem achtzehnten Geburtstag Anstetten zuge­schrieben. Aber in der Verwaltung des Gutes blieb alles beim Gleichen. Brunhilde erblühte wie eine Frau, die kaum die Zwanzig überschritten hat und der kleine Hans Peter gedieh in einer Weise, daß Chatlen ihn immer mehr und mehr der Obhut anderer überlassen mußte, weil sein Ge­wicht ihren zarten Armen zu schwer wurde.

Von den Eltern vergöttert und von dem großen Bruder und Chatlen maßlos verwöhnt, entwickelte er sich doch als ein braves, folgsames Kind, das nur selten der Strafe und des Zankes bedurfte. Und als er das erstemal in Hosen und blauem Matrosenkittel an Bernds Hand nach dem Gutshofe ging, konnte Brunhilde nicht umhin, lächelnd zu be­merken:Und wenn wir noch ein Dutzend Söhne bekämen, sie würden doch alle sein wie du!--Sieh nur, wie ähn­lich sie sich sind! Wenn nicht der große Altersunterschied bestünde, würde man sie so wenig auseinanderhalten können, wie dich und Günther."

Der Baron, welcher hinter ihr gestanden hatte, nickte nur und verließ eilig seinen Platz am Fenster, damit die ge­liebte Frau wenigstens für den Moment sein Gesicht nicht zu sehen vermochte.

*

Die Ernte war unter Dach, die Gäste, die man den Som­mer über geladen hatte, abgereist, im Park vergilbten die Farben und Bernd rüstete sich wieder, nach Wien an die Schule zurückzugehen, als dem Baron ein Herr gemeldet wurde, der um eine kurze Unterredung bitten ließ.

Die Visitenkarte, welche ihm Friedrich überreichte, ver­anlaßte ihn zu einem Kopfschütteln. Der Name war ihm völlig unbekannt.

Dr. John Sethland. '

- Er wußte absolut nichts damit anzufangen. Führen Sie den Herrn in mein Empfangszimmer, ich komme sofort. Ist Ihnen das Gesicht irgendwie in Erinnerung, Friedrich?" $ Nein, Herr Baron."

Als er fünf Minuten später in den großen Salon trat, hob sich ein Herr aus einem der Stühle und kam ihm einige Schritte entgegen:Dr. Sethland." (Fortsetzung folgt.) :