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politische Rundschau

Deutsches 2Reid>

Zündholzmonopol angenommen.Mieterschutz verlängert.

Der Reichsrat erklärte in seiner Vollsitzung sich einverstanden mit dem Gesetz über das Zündholzmonopol, das eine langfristige Anleihe von 500 Millionen für das Reich von dem Schwedentrust in sich schließt. Der Reichs­rat gab ferner seine Zustimmung zur Verlängerung der Geltungsdauer des Reichsmietengesetzes und des Miete^- schutzgesetzes beide Gesetze würden am 1. April d. I. ablaufen um je 2K Jahre bis zum 30. Juni 1932.

Frauengruppen der Ausländsdeutschen.

Der Bund der Ausländsdeutschen hat sich entschlossen, Frauengruppen ins Leben zu rufen. In München arbeitet seit Mitte des vorigen Jahres die erste Frauen- gruppe des Bundes. Am 16. November 1929 fand die Gründung einer Berliner Frauengruppe des Bundes statt. Sie verfolgt die gleichen Ziele und Aufgaben wie der Bund der Ausländsdeutschen. Die Frauengruppe hat ihre Arbeit damit begonnen, daß sie eine sehr er­giebige Sammlung von Kleidungsstücken an das Rote Kreuz für die Deutschen aus Rußland abliefern konnte.

Der Gutsverlauf des Prinzen Lippe.

Im Anschluß an die Ausführungen des preußischen Landwirtschaftsministers Dr. Steiger im Hauptausschuß des Preußischen Landtages über den Verkauf von Teilen des Gutes Woynowo hat der Abgeordnete von W i n 1 el­fe l d i (Ttn.) dem Landwirtschaftsminister ein mit 1616 Unterschriften versehenes Gesuch deutschstämmiger Be­wohner des Restkreises Bomst und der anstoßenden Dörfer des Kreifes Züllichau-Schwiebus überreicht, in dem sich diese gegen die fortschreitende Polonisierung des Greuzbezirkes wenden. Von Winterfeldt hat dem Land- wirtschaftsminister mitgeteilt, daß ihm dieses Gesuch ohne sein Zutun zugegangen sei. Hieraus ergebe sich, wie groß die Beunruhigung der deutschen Bevölkerung durch die Genehmigung des Verkaufs einiger Parzellen des Gutes Woynowo an Polen sei.

Die thüringischen Minister.

Die Verhandlungen zur Bildung des neuen thüringi­schen Kabinetts sind so weit gediehen, daß die Vorschläge für die vorgesehenen drei Ministerien als endgültige an- zusehen sind. Demnach wird das Innenministerium zu­sammen mit dem Ministerium für Volksbildung von den Nationalsozialisten mit dem Reichstagsabgeordneten Frick besetzt. Der Landbund besetzt das Finanzministe- rium mit seinem Abgeordneten Baum, unter Mitverwal- tung der Justiz. Die Wirtschaftspartei besetzt das Wirt­schaftsministerium mit Rechtsanwalt Dr. K ä st n e r (Gotha).

Aus Zn- und Ausland

Berlin. Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren stellt in einer Erklärung zu dem Brief des Reichskanzlers Müller fest, daß die Reichsregierung für die Entscheidung über die Rechtslage nicht zuständig sei, und teilt mit, daß er zu der in dem Schreiben des Reichskanzlers aus­gesprochenen Ausfassung zu gegebener Zeit weitere Stellung nehmen werde.

TSEFTHHn ist Dunn | tks 0 IT H l f t ich i a"u d s ge- meldet. Alle Angehörigen der Opposition gegen die Partei­leitung sollen angeblich entfernt werden.

' Jena. Auf Anweisung des Oberreichsanwalts wurde in seiner hiesigen Wohnung der ehemalige Führer des Rotfront­kämpferbundes (Gau Thüringen), Max Grande, verhaftet und dem Oberreichsanwalt vorgeführt.

Minden. Die letzte Wahl zur Stadtverordnetenversamm­lung wurde für ungültig erklärt, so daß das Gemeinde- Parlament sich auflöste.

Washington. Der Senat hat debattelos Sacketts Er­nennung zum Botschafter in Berlin bestätigt. Sackett hat daraufhin sofort dem Gouverneur des Staates Kentucky seine Amtsniederlegung als Senator mitgeteilt.

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ROMAN v.D.SCHNEIDER-FOERSTL

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau Sa,

(35. Fortsetzung.)

Zehn Minuten später hob sich der Doppeldecker in eleganter Schraubenlinie in das Blau des Himmels und nahm die Rich­tung nach Südosten. Wie oft hatte Bernd gewünscht, eine solche Reise machen zu dürfen. Run war sein Traum er­füllt, aber die Freude war jäh durchschnitten und nur das Sehnen blieb, der Vogel möchte schneller fliegen, noch schneller, um bald die Türme Wiens auftauchen zu sehen, die ihn der Heimat näher brachten.

In München nochmals eine kurze Ruhepause von einer Stunde, dann nahm man in den Kabinen Platz, um über Salzburg nach der Kaiserstadt zu kommen. Brunhildes Augen starrten durch die großen Fenster, in das Gleißen der Spätnachmittagssonne, wenn sie jetzt allein hier säße, würde ihre Not und Qual schon in den nächsten Minuten ein Ende haben. Ein Sprung aus dieser Höhe von über tausend Metern und sie würde in Atome zerschmettert sein. Es würde niemand mehr geben, der ihr die Ruhe, nach der sie sich so maßlos sehnte, entreißen konnte.

Sie sah zu Bernd hinüber und gewahrte den Ausdruck der Freude in seinem Gesicht. Die Jugend seiner siebzehn Jahre hoffte noch! Würde hoffen, bis die Wahrheit mit ehernen Fäusten auf ihn einhieb. Aber noch lagen Stunden vor ihm, bis er das Gräßliche erfahren sollte.

Lötzen griff ab und zu nach den Händen der Tochter und nickte ermunternd, richtete den Blick auf den Enkel und mahnte Brunhilde mit den Augen, sich tapfer zu zeigen.

Als der große Vogel über Wien kreiste, lag die Kaiserstadt in die sanfte Glut des untergehenden Tagesgestirns getaucht. Das Kreuz der Stephanskirche flimmerte wie gleißendes Gold. In breitem Bande schob die Donau ihre Wasser nach Osten. In eleganter Spirale lenkte der Pilot den Doppel­decker auf den Flugplatz und zwang die surrenden Propeller zur Ruhe.

Zwischen Bernd und dem Vater schreitend, ging Brunhilde in halber Bewußtlosigkeit zum Ausgang, sah den blauen Daimler warten und mußte nach dem Arm des Generals greifen, um nicht umzusinken.

Bernd stand schon neben dem Chauffeur.Wie geht es meinem Pater?"

Raiffeisenuniersuchung.

Reue Angaben Uralzews.

Der Raiffeisen - Untersuchungsausschuß des Preußische, Landtages beschloß Freitag in nichtöffentlicher Sitzung, de» Verteidiger Uralzews, den Rechtsanwalt Dr. S a n d h a k, zuzulassen. In der anschließenden öffentlichen Sitzung wurde die Vernehmung Uralzews fortgesetzt. Er will nie ohne Lager­scheine Waren aus dem verpfändeten Lager entnommen haben. Dem widersprach der Revisor Z e r b e l. Uralzew erklärte, das sei immer nur mit Genehmigung der Raiffeisenbank geschehen. Jm übrigen habe er der Bank in solchen Fällen immer andere Ware oder Geld gegeben. Erst jetzt habe er aus seinen Konieu festgestellt, daß er aus Dresden der Raiffeisenbank 2)4 Mil- lionen Mark geschickt habe, die von seinem Konto nicht ab­gebucht worden seien. Er will diese Tatsache der Staats­anwaltschaft milgeteilt haben, was der Staatsanwalt ntdh be- streitet, aber eine Quittung habe Uralzew nicht beibringen können. Uralzew wanderte Mitte 1921 fast mittellos in Deutschland ein und besaß bereits Ende 1922 nach seinen An­gaben ein riesiges Vermögen. Uralzew will an fremden Devisen so viel verdient haben.

Uralzew und die Sowjetregierung.

Zu der Angelegenheit der sowjetrussischen Handelsver­tretung führte Uralzew im Raiffeisen-Untersuchungsausschutz des Preußischen Landtages aus, um ein Geschäft mit Rußland zu machen, müsse man gute Beziehungen haben, d. h. man müsse einzelne Personen bestechen Uralzew weist in diesem Zusanunenhang auf den Schwager von Rykow, Marschall, hin. Das sei ein Ingenieur, der bei der russischen Handelsvertretung als Warensachverständiger angestellt war. Er sei ein durchaus e i n w a n d f r e i e r Mann gewesen bis auf seine politische Gesinnung. (Heiterkeit.) Auf die Frage des Abgeordneten Kuttner, ob die Raiffeisenbank

ungesetzliche Geschäfte mit Rußland finanziert habe, erklärte Uralzew, daß die Bank nicht gewußt habe, daß er den Kredit für ungesetzliche Geschäfte brauchte Er wies darauf hin, daß niemand mit Rußland ein legales Geschäft machen könne. Darauf fragte Kuttner, ob er, Uralzew, bei den Bolschewisten sehr verhaßt gewesen sei. Uralzew erwidert, er sei zweieinhalb Jahre lang von der Pariser Polizei im Auf­trage der sowjetrussischen Handelsvertretung verfolgt worden. Einmal habe er einen Agenten der russischen Handelsver­tretung derart verprügelt, daß er vierzehn Tage lang nicht laufen konnte. Der Abgeordnete Schulz (Komm./fragte barauf Uralzew, warum er in Rußland zum Tode verurteilt sei. Uralzew verweigerte die Antwort. Darauf wurde die Ver­handlung vertaat.

Flugzeugkaiasirsphe.

Bei der Hilfeleistung tödlich abgestürzt, j

Auf dem Flugplatz von Jstrcs bei Marseille ereignete sich ein tragischer Unfall. Ein Pilot stürzte mit feinem Flugzeug ab. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach der Ein- lieferung ins Krankenhaus v e r st a r b. Ein Hauptmann und sein Mechaniker, die das Unglück vom Flugplatz aus beobachtet hatten, stiegen sofort zur Hilfeleistung auf. In etwa 300 Meter Höhe löste sich ein Flügel und der Apparat stürzte senkrecht zu Boden. Durch den Anprall ergoß sich das Benzin über den heißen Motor, so daß die Maschine sofort Feuer fing. Der Mechaniker konnte sich noch in letzter Sekunde durch ei" : Sprung mit dem Fallschirm retten, erlitt aber schwere _>ein- und Armbrüche. 5*er Hauptmann wurde jedoch als voll­kommen verkohlte Leiche geborgen.

Ein Todesurteil.

Sühne für einen Mord au einer Siebzehnjährigen.

»aus Kronau (Arm Breisach) wegen Mordes zum Tode ver- jurteilt. Bind! hatte am Silvesterabend des Jahres 1928 ein kaum siebzehnjähriges Mädchen in den Kreisbach gestoßen, wo es ertrank.

Die Handgranate als Kinderspielzeug.

Zwei Kinder gerötet, zwei schrver verletzt.

In S.chön au bei Titschein in der Tschechoslowakei fand eine Schar spielender Kinder aus einem Schutthaufen eine Handgranate und brächte sie zur Explosion. Dir Wirkung war furchtbar. Zwei Kinder wurden auf der Stelle getötet, zwei andere schwer verletzt.

Ratlos glitt dessen Blick nach dem General, der raiet) aus ihn zukam.Ist eine Aenderung im Befinden meines Schwiegersohnes eingetreten?" Hart und abgehackt trafen die Worte an das Ohr des Wagenlenkers.

Dieser hatte Blick und Frage sofort begriffen.Es ist immer das Gleiche, Exzellenz."

Lötzen hob die Tochter in den Fond und legte ihr die Decke über die Knie.Komm, Bernd!" Er hielt den Schlag für den Enkel zurück und stieg als letzter ein.Fahren Sie langsam," befahl er so leise, daß nur der Chauffeur es ver­nehmen konnte.

Brunhildes Finger lagen ineinandergekrallt.Ich kann nicht mehr!" Sie lehnte den Kopf in die Ecke und riß Bernds Hände an sich.Vater ist nicht am Fieber krank--er ist vermißt."

Hilde!" Lötzen hielt die Augen der Tochter durch den zwingenden Blick der seinen in Bann.

Bernds Augen schrien in der Qual der Ungewißheit.Ver­mißt, Mama? Vielleicht ist er in der Zwischenzeit zurück­gekommen?! Richt? Tot?"

Sie taumelte in die Polster zurück, so ruckartig hatte er seine Hände aus den ihren befreit.

Bernd!" Der General hielt ihn am Arme fest, um zu verhindern, daß er aus dem Fond sprang.

Du hast mich also doch belogen!" Die Knabenfinger lagen geballt auf den Knien. Er wich vor der Mutter zurück, die nach ihm greifen wollte und krümmte sich wurmartig zu­sammen, um nicht an ihr Kleid zu streifen Als sie den Mund öffnete, verbarg er das Gesicht in den Händen.Sag nichts! Ich weiß ja alles! Er ist mir zuvorgekommen. Aber ich werde den Oertzen suchen! Es gibt keinen Platz der Erde, wo er sich vor mir verstecken kann."

Bernd!"

In jeden Winkel werde ich kriechen! Durch alle Erdteile werde ich ihn verfolgen! Richt einmal im Wasser soll er vor mir sicher sein!"

Bernd!" Lötzen nahm dessen Hände in die seinen.Schweig jetzt! Nur jetzt, Bernd!" Er warf einen raschen Blick nach dem Chauffeur.Niemand weiß etwas Gewisses. Es sind alles nur Vermutungen."

Bis auf das eine daß er tot ist!" Es war ein ver­zweifeltes Aufschluchzen, mit dem er jetzt den Kopf auf die Knie warf.

Brunhilde wagte kein Wort mehr an ihn zu richten. Nur ihre Hände legten sich auf seinen Scheitel und fühlten sich in der nächsten Sekunde abgeschüttelt.

Das war der Richterspruch ihres Kindes, welches kein Teil mehr an ihr haben wollte.

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Aus der Heimat.

Für diele Rubrik iind Mitteilungen lokalen UntereHes aus dem belerkreile stets erwünscht und weräsn auf Wunldb bezahlt.

Keine Diphtherie-Epidemie in Hersfeld.

In der Hersfelder Zeitung vom 31. 12. 1929 sind Vorsichtsmaßregeln gegen Diphtherie" veröffentlicht worden, die Herrn Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Merkel zum Verfasser haben. In dieser Veröffentlichung wird eingangs mitgeteilt, daß sich in H e r s f e l d und Um­gebung die Diphtherie in starkem Maße ausgebreitet habe, daß es sich fast durchweg um schwere Fälle handele und daß seit dem 1. November bereits 7 Kinder an dieser Krankheit verstorben seien. Diese Angaben sind von einem Nachrichtendienst aufgegriffen und in völlig entstellter Form in einer großen Zahl von Nach­richtenblättern in ganz Deutschland wiedergegeben worden. In der Vossischen Zeitung vom 4. 1. 1930 heißt es wörtlich:

In Bad Hersfeld ist eine Diphtherie-Epidemie ausgebrochen, die unter außerordentlich schweren Symp­tomen auftritt. Bisher sind der Krankheit im Hersfelder Kreiskrankenhaus sieben Kinder erlegen."

Aus allen Teilen Deutschlands gehen bei den amt­lichen Stellen und vor allem bei in Hersfeld wohnhaften Angehörigen zum Teil recht besorgte Anfragen ein, so aus Stettin, Hamburg, Kassel, Goldap, Breslau, München u. a. Wie liegen nun die Verhältnisse tat­sächlich ? Diphtheriefälle müssen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen von den zugezogenen Aerzten sofort dem Kreisarzt gemeldet werden, der die Meldungen an die Ortspolizeiverwaltung weitergibt. Seit dem 1. November 1929, also in 2Vu Monaten, sind der Polizeiverwaltung Hersfeld 17MeldungenüberDiphtherie- erkrankungen in der Stadt Hersfeld zugegangen. In dem gleichen Zeitraum starben in Hersfeld an Diphtherie 3 Kinder, davon 1, welches aus dem Kreise Rotenburg in das Landeskrankenhaus eingeliefert worden war. Tatsächlich sind also aus der Stadt Hers seid in den 2^2 Monaten 2 Kinder an Diphtherie verstorben. Insgesamt wurden in der Stadt Hersfeld im Kalenderjahr 1929 25 Diphtheriefälle gemeldet, davon 16 in den Monaten November und Dezember. Das stärkere Auftreten dieser Krankheit in den Winter­monaten ist eine alljährlich zu beobachtende Erscheinung, die auch in diesem Jahre nichts außergewöhnliches an sich hat. Jedenfalls kann bei 17 Erkrankungsfällen in 2Vs Monaten in einer Stadt von über 12000 Einwohnern weder von einem außergewöhnlich starken Auftreten der Krankheit, viel weniger von einer Epidemie gesprochen werden.

Da die Verbreitung der Ullstein-Nachricht geeignet ists Beunruhigungen hervor zmusen, halten wir uns zu

arzt gebeten haben, für verpflichtet.

Der Magistrat der Stadt Hersfeld.

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Zu den Diphtherieerkrankungen Hersseld und Um­gebung teile ich Folgendes mit. Die Erkrankungsfälle sind zurückgegangen. Unter den wenigen Neuerkrankungen und den schon gemeldeten alten Fällen kamen Tödesfälle nicht mehr vor. Von den bis dahin eingetretenen Todes­fällen kommen auf die Stadt H rsf ld nur zwei.

Kreisarzt Dr. Merkel.

-u- mim eme ya.ov ctunOe ipaiet vor der Rampe auf Schloß Anstetten hielt, stieg eine gebrochene Frau aus dem Fond und ein junger Mensch, der in dem kurzen Zeitraum einer Stunde vom Knaben zum Manne gereift war.

Er ging schleppenden Schrittes die Freitreppe hinauf, ohne nur einen Blick nach Mutter und Großvater zu werfen, die ihm langsam folgten.

Bernd!" Brunhildes Ruf war ein einziges Flehen.

Er wandte das Gesicht nicht und ging durch die Flügel­türe, welche Friedrich weit offen hielt.

Herr Baron!" Die zitternde Stimme des Alten ließ ihn für einen Moment aufsehen. Er konnte nicht sprechen unb würgte an den Tränen, die ihm haltlos über die Wangen liefen, hörte die Schritte von Mutter und Großvater hinter sich und hastete der Treppe zu.

Eine volle Stunde lag Brunhilde vor der Türe ihres Sohnes auf den Knien und bat um Einlaß.

Als man das Schloß sprengte, fand man das Zimmer leer. Bernd war durch das Fenster ins Freie geflüchtet, niemand hatte gesehen, wohin er gegangen war.

* *

Letztes Finkenschlagen im Tann! Piepsen von halbflügger Brüt! Wucherndes Brombeergezweig in wehenden Büschen zwischen Farren und Kiefern gezwängt! Lautloses Atem­holen des Waldes! Wipfelrauschen und letztes KäfergesummI Talab hetzte der Quell. An der rinnenden Quelle stillten die grasenden Rehe den Durst. Bachstelzen bestaunten ihr Spiegelbild und netzten im Schwünge die Flügel.

Dann Ruhe und stimmenloses Schweigen.

Im Forsthause standen die Fenster weit zurückgelehnt. Die Hochwaldtannen warfen nachtdunkle Bänder darüber hin, als Bernd von Anstetten in die Lichtung trat.

Wenn irgend jemand um die Wahrheit wußte, wenn je­mand Gewißheit zu geben vermochte, dann war es Forst­meister Bogner. Das junge Gesicht war weiß, wie die ver­späteten Blüten des wilden Kirschbaumes, der zwischen den Tannen wucherte. Seine Schritte schleppten sich nur mehr. Er hatte die ganze Kraft der Muskeln und Lungen beim Auf­wärtslaufen vergeudet.

Ein Hund fuhr ihm kläffend entgegen, winselte auf und verkroch sich, als ein Pfiff aus dem Hause ihn zurückrief.

Herr Baron!" Bogner kam über die Treppe der Veranda und streckte seine Hand der eisigkalten seines späten Gastes entgegen.Wenn Sie einen Freund brauchen, Herr Baron --ich bin es!"

Bernd nickte.Ich will nicht bleiben," wehrte er, als der Beamte eine bittende Geste nach dem Hause zu machteIch will nur fragen, ob Sie mir die Wahrheit sagen können! Aber nur die Wahrheit! Sonst verzichte ich darauf."