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Etatssorgen.

Weniger wohl über das „Ob" der Annahme des Uoung-Planes als über das „Wann" seines Inkraft­tretens herrscht auch heute noch stärkste Ungewißheit. Selbst wenn man auf der Haager Konferenz bald zur endgültigen Vereinbarung über die immer noch recht zahl­reichen Streitpunkte gelangt, ist der Zeitpunkt des eigent­lichen Inkrafttretens gerade für Deutschland von größter Bedeutung. Eigentlich sollte es schon der 1. April 1929 sein; daraus ist nichts geworden. Dann sprach man vom 1. September 1929, aber daraus wurde auch nichts. Nun rückt allmählich der 1. April heran und damit der Be­ginn des neuen Etatsjahres. Bekanntlich hatte sich die Reichsregierung auf den Standpunkt gestellt: der Nachtragsetat für 1929 und der Etat für 1930 werden dem Reichsrat und dem Reichstag erst dann vorgelegt, wenn die Entscheidung über den Poung-Plan gefallen ist. Wo­bei daran erinnert werden muß, daß die deutschen Dawes- Zahlungen über die Verpflichtungen des Poung-Planes recht beträchtlich hinausgehen, daß Deutschland aber nicht damit rechnen kann, nun etwa diese Differenz ab 1. April 1929 zurückzuerhalten, sondern diöse Differenz wird auf die kommenden Zahlungen verteilt. Nun heißt es sogar, daß der Stichtag für die Überleitung vom D a w e s - zum U o u n g - P l a n gar erst der 1. Sep­tember 1930 sein soll, weil man vor allem mit der Ein­richtung der Internationalen Bank, also des Zentral- bezahlungsinstituts, nicht eher fertig werden könne.

Um aus dieser Ungewißheit herauszukommen, hat der neue Reichsfinanzminister die Anordnung getroffen, daß — zwei Etats- bzw. Nachtragsetatsvorschläge gemacht werden sollen. In dem einen soll berücksichtigt werden, ivas der Uoung-Plan an Minderzahlungen gegenüber dem Dawes-Plan verlangt, und für den zweiten Voranschlag fällt diese Berücksichtigung fort, erfolgt die Aufstellung unter dem Gesichtspunkte, daß wir nach wie vor die Dawes-Zahlungen zu leisten haben. Wenigstens „bis aus weiteres". Denn der Poung-Plan ist schließlich doch eben immer noch nicht über alle Klippen, die seinen Kurs be­drohen, hinweg. Dafür rückt aber der Beginn des Etats­jahres in immer „bedrohlichere" Nähe — und dazwischen liegt eine Zeit zweifellos schärfster Kämpfe im Reichstag, nicht bloß um den Etat, sondern um die Steuer- und Finanzreform und natürlich auch um den Poung-Plan selbst. Schließlich haben sich Regierung lind Reichstag ja Ende vorigen Jahres auch noch entschließen müssen, von vornherein einen Tilgungsfonds von 450 Millionen — zwecks allmählicher Abdeckung des Milliardendefizits im außerordentlichen Etat — alljährlich in den o r d e u t l i ch en Etat einzustellen.

So ist denn der Reichsfinanzminister zu dem Entschluß gekommen, beide Möglichkeiten ins Auge zu fassen; vor­läufiges Weiterlaufen der Dawes-Zahlungen und anderer­seits Inkrafttreten des Poung-Planes am 1. April 1930. Und entsprechende Etats aufstellen zu lassen. Welcher von den beiden dann Reichsrat und Reichstag vorgelegt wird, ist natürlich abhängig vom Ausgang der Haager Konferenz bzw. von der Ratifikation durch die Parlamente der an ihr und dem Poung-Plan beteiligten Staaten. Es ist durchaus zu billigen, daß man sich schleunigst schon jetzt auf die erwähnten beiden Möglichkeiten einstellt, um später keine Zeit zu verlieren: denn es handelt sich ja beim £>au§= Halt des Reichs - von KlWkHm»j^M«eb die Etars der Länder and oer Kommunen weitgehend abhängig sind — um die Riesensumme von mindestens zehn Milliarden an Einnahmen und Ausgaben.

Eine „politische" Geste für die Haager Konferenz — etwa in dem Sinne: Deutschland will sich darauf einstellen daß der Voung-Plan zun Scheitern kommt — bedeute; diese Anordnung des Netchsfinanzministers aber nicht. Sie ist nur eine durchaus verständliche Vorsichtsmaß­regel, die vielleicht schon früher hätte erfolgen können Aber teer konnte in der Zeit, da sonst die Etatsaufstellung bei den Behörden begonnen wird, im Oktober nämlich auch nur ahnen, daß sich die Verhandlungen über Sein^oder Niebtiein des Uonng-Plans derart lange hinziehen

Aus dem WemoilzeuMzeß.

Geoegiens Kreiheitskampf mit russischem Falschgeld.

Der zweite Verhandlungstag im Prozeß gegen die Tscher- wonzenfälscher begann mit der Vernehmung des 30 Jahre alten Basilius Sadatieraschwili, des Sohnes eines georgischen Großgrundbesitzers. Sadatieraschwili hielt sich, wie er bekundete, mit einigen Unterbrechungen seit 1917 i n Deutschland aus. Bis 1919 besuchte er ein Gymnasium bei Garmisch-Partenkirchen. Dann ging er nach Georgien zurück und wurde einige Zeit später in Konstanti­nopel Beamter einer Handels- und Jndustriebank für Georgien. 1921 war er Auslandskorrespondent für orientalische Geschäfte bei der deutschen Firma Felten und Guilleaume. 1924 lebte er in Hamburg, dann weilte er in Wien und schließlich in München, wo er im September 1924

Privatsekretär des angeblichen Fürsten Pawel Awalow wurde. Er habe die Privatkorrespondenz Awalows mit dessen politischen Freunden erledigt. Sadatieraschwili führte dann eine Reihe von, wie er sagte, geschichtlichen Tatsachen an zum Beweise dafür, daß die Georgier wegen ihrer Deutsch­freundlichkeit sehr viel von feiten der Ententestaaten auszustehen hätten. Dann schilderte er, wie er zur Bildung der „geeinigten nationalen Front Georgiens" kam. Einer der Führer der georgischen Freiheitsbewegung war Karu- M i d s c, dessen Hauptaufgabe es war,

in Deutschland Hilfe für diese Befreiungspolitik zu suchen. Karumidse sei es gelungen, mit rechtsgerichteten deutschen Kreisen, die für den georgischen Freiheitskamps Interesse zeigten, Fühlung zu acwinnen. „Wir wollten aber,"

Tscherwonzenfälscherprozeß in Berlin-Moabit.

Der Hauptangeklagte Sadathieraschwili, der bereits seit 27 Monaten in Untersuchungshaft ist, mit seinem Ver­teidiger Rechtsanwalt Dr. Beer, aus der Anklagebank.

so betonte Sadatieraschwili, „die ganze deutsche Nation für unsere Sache interessieren und suchten deshalb auch Fühlung mit anderen Parteien. Leider aber war Deutschland zer­splittert und lief selbst Gefahr, vom Kommunismus überflutet zu werden." Sadatieraschwili gab weiter an, daß er sich mit seinen Freunden von der

Fälschung der Tscherwonzennoten

eine erbÄbliche Beunruhigung des Geldverkehrs, besonders an den Grenzen des Sowieirerrhev^WPMW^WtWWWWMWWO Unruhe in die Bauernschaft getragen und würde auch durch die falschen Noten Sowjetrußland Schwierigkeiten im Handels­verkehr, besonders mit der Türkei und Persien, gemacht haben. Im Auftrage Karumidscs habe er Klischees beschafft und mit dem Drucker Schneider verhandelt. Bei der Fälschung eines Briefbogens und des Stempels einer gar nicht bestehenden Bank habe er nicht das Bewußtsein gehabt, sich einer Urkundenfälschung schuldig zu machen.

An die Vernehmung des Georgiers schloß sich die Ver­nehmung des Angeklagten Dr. Web e r. Er ist 1914 als Frei­williger in Den Krieg gezogen, hat 1919 an der Niederwerfung der Räteregierung in München teilgenommen und hat dann auch den Ruhrkamps mitaemadn. Dr. Weber schildert, wie er

mit den Georgiern, die ihre Heimat von der Sowjetherrschaft befreien wollten, in Berührung gekommen ist und wie

General Hoffmann

den Kaukasiern in ihrem Befreiungskämpfe helfen wollte. Es habe in London eine Konferenz mit führenden Politikern, die die Niederwerfung des Bolschewismus anstrebten, statt- gefunden und General Hofsmann habe bereits ein Kampf­programm entworfen gehabt, als plötzlich auf rätselhafte Weise alles über den Haufen geworfen worden sei. Das wichtigste sei die

Regelung der finanziellen Frage gewesen. Als sich dann neue Möglichkeiten zur Entfesselung eines Aufstandes in Kaukasien gezeigt hätten, sei man bei der Beratung über die Geldfrage auf den Plan der Tscher - w o n z e n f ä l s ch u n g gekommen. Nach der Vernehmung Webers wurde der Prozeß auf Mittwoch vertagt.

Steiger für chnstlichnationale Politik.

Die Zollgesetzgebung.

In einer Vertrauensmännerversammlung der Zentrums­partei in Hildesheim wandte sich ihr preußischer Land­wirtschaftsminister Steiger lebhaft gegen die Deutsch- nationale Volkspartei, die bei den neuen Zöllen nicht mit- gemacht habe, genau wie einst die Sozialdemokraten bei den Sozialgesehen nicht mitgemacht hätten. Die Arbeiter inner­halb der Zentrumsfraktion und die übrigen Landwirte inner­halb der Regierungskoalition hätten für die Landwirtschaft mehr geleistet als die deutschnationalen und die christlich- nationalen Sauern, die gegen die Zollgesetze stimmten oder sich enthielten. Dann gab Minister Steiger der Meinung Aus­druck, Hugenberg beherrsche zwar jetzt noch Presse- und Partei­apparat der Rumpfpartei, aber wenn die Zeichen nicht trügten, würde er sich bald mit den Nationalsozialisten, nicht nur vor­übergehend, sondern auch organisatorisch und geistig, verbinden müssen. Damit aber wäre die Deutschnationale Volkspartei als Fortsetzung der alten Konservativen Partei erledigt, denn die Nationalsozialisten huldigten in bezng auf die christliche Erziehung und die Gestaltung des kirchlichen Lebens nach der Erklärung des Abgeordneten K u b e bei der Konkordats- Debatte einer extremen liberalen Staatsauffassung. Demgegen­über stellte Steiger eine christlichnationale Volkspolitik als Ziel des Zentrums hin.

Neues Kabinett in Thüringen.

Mit Ausschluß der Sozialdemokraten.

Nach langen Verhandlungen gelang es vor der Er­öffnung des Landtages am Dienstag eine Einigung zwischen rechts von den Sozialdemokraten stehenden Parteien über die Regierungsbildung zu erzielen. Gegen die nationalsozialistische Forderung, dem Landtag einen nichtsozialistischen Präsidenten zu geben, obwohl die Sozialdemokratie die stärkste Fraktion bildet, erhob die Deutsche Volkspartei keine Einwendungen mehr, so daß die Einigung vollzogen erschien. Das neue Kabinett wird acht Mitglieder haben. Davon werden Landbund, Wirt­schaftspartei und Nationalsozialisten je zwei Sitze, und zwar je einen Minister- und einen Staatsrat stellen, die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei je einen Staatsrat. Der Landbund erhebt Anspruch auf das Finanzministerium und wird den ehemaligen Landtags- präsidenten Rechtsanwalt Dr. Wernick (Weimar) präsen­tieren. Die Nationalsozialisten werden vas Innenministe­rium und das Ministerium für Volksbildung besetzen, die Wirtschaftspartei das Wirtschaftsministerium.

Der Landtag wurde Dienstag durch Staatsminister Dr, P a u l s e n als Führer der geschäftsführenden Regie- runa eröffnet Der hisheriae Landtagspräsident Leber als AltersprasiveIErnst corVLage müßten diejenigen Parteien, denen die Gunst der Wähler zu- gefallen sei, in den allernächsten Wochen eine Wendung in den Geschicken Thüringens herbeiführen. Er warnte davor, im Landtage die Neuerung einzuführen, sich thüringische Politik von Parteizentralen außerhalb Thüringens vor­schreiben zu lassen. Darauf nahm der Wahlakt seinen An­fang. Mit 28 Stimmen der Rechtsparteien wurde der Land­bundabgeordnete und bisherige Vizepräsident von Thümmel zum Landtagspräsidenten gewählt. Die Sozialdemokraten hatten den Abg. Leber, die Komma- nisten den Abg. Zimmermann zur Wahl gestellt.

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r (32. Fortsetzung.)

„Doch Bernd! Sehr lieb sogar! Vielleicht reise ich schon mit dir zurück, wenn deine Klasse beginnt. Ich habe das Treiben hier herzlich satt."

Er umfing sie mit Ungestüm und küßte sie, daß sie kaum mehr Atem fand. Als der General eine Viertelstunde später Nachschau hielt, saßen Mutter und Sohn am Schreibtisch und suchten Photos aus, die Bernd seit ihrem Hiersein aus­genommen hatte. Die schönsten davon wollte man noch heute nach Anstetten schicken.

Wie selig der Junge ist, dachte Lötzen. Armes Kind! Viel­leicht würde noch alles gut! Nach der Abendmahlzeit blieb man noch bis zehn Uhr beisammen und plauschte. Dann zog sich der General zurück. Vrunhilde umfaßte Bernds Gesicht und küßte ihn, wie nie zuvor." Sie küßte den Gatten in ihm.

Der Knabe fühlte ihren Mund noch auf dem seinen ruhen, als er längst schon in den Kissen lag und in wohligem Gebor­gensein die Augen schloß.

Die schöne Frau ging ruhelos in ihrem Zimmer auf und ab. Die Zofe hatte sie zu Bett geschickt. Vater und Sohn schliefen. Nun kam der Brief an Hans Peter. Der Brief von dem alles, aber auch alles für sie abhängen würde. Ob sie die rechten Worte fand? Ob er ihr Glauben schenkte? Ob er mit der Frau, die einen anderen geküßt hatte, noch Gemeinschaft haben wollte?

Damals — als er sich hatte hinreißen lassen, ihr seine Liebe zu zeigen, war wohl noch kein Verdacht in ihm gekeimt, daß sie mit Oertzen tändelte. Und am Tage vor ihrem Weg­gehen von Anstetten, bei dieser häßlichen Szene, hatte er die Worte hervorgestoßen: „Wenn du nicht — die Frau eines —"

Was hatte er damit sagen wollen? Wohl, wenn du nicht die Frau eines Edelmannes wärest, würde ich dich jetzt zu Boden schlagen!

Sie schauerte zusammen. Die Eröffnung durch Oertzens Gattin mußte ihn furchtbar getroffen haben. Es wäre besser gewesen, wenn sie ihm selbst davon gesprochen hätte, aber das war nun nicht mehr zu ändern.

Sie ließ sich an ihrem Schreibtisch nieder und rückte Papier und Tinte zurecht. Dieser Brief war eine eiserne Not­

wendigkeit, die nicht zu umgehen war. Nach der ersten voll­gekritzelten Seite, zerriß sie ihn und zog einen neuen Bogen aus dem Behälter. Verzweifelt suchte sie nach Worten und fand keine," wenigstens die nicht, welche ihr den Rückweg zu Dem Gatten bahnen sollten, die Worte, die ihre Schuld un- beschönigt und doch nur in dem Maße zeigten, als sie wirklich gefehlt hatte.

Nach einer Stunde ließ sie die Feder sinken. Es war un­möglich! Die Augen fielen ihr zu. Sie konnte sich kaum mehr so weit aufraffen sich zu entkleiden und ihr Lager auf- zusuchen. Morgen würde es leichter sein, ihren Bericht an Hans Peter abzufassen. Morgen!

Schwer wie Blei ruhte ihr Körper in den batistbezogenen Kissen des Bettes. Morgen!

Fern im Westen, wo die See mit dem nächtlichen Himmel in eins verschmolz, zuckte ein Wetterleuchten!

* *

Frau Brunhilde wurde nervös. Zwischen neun und zehn hatte sie die Gattin Oertzens zu sich gebeten. Aber diese war nicht gekommen. Es war schon elf vorüber und sie wurde noch immer nicht gemeldet. Sollte es sich doch nur um eine Erpressung gehandelt haben?

Sie empfand etwas wie Zorn und Beschämung und hörte kaum auf das Klopfen, mit dem die Zofe eintrat, und ihr einen Brief überreichte.

Brunhilde riß den Umschlag mit fliegenden Händen an der Schmalseite entzwei. Große, charakterische Buchstaben standen auf weißes Bütten hingeworfen:

„Baronin!

Unter den gegebenen Umständen verzichte ich auf meine Rache. — Ich werde auch ohne die geforderten zwanzigtausend Schilling schweigen. Möge das Leben Sie mit Ihrem Geschicke aussöhnen.

Gertraud Holmfeld."

Wie schwülstig, dachte Brunhilde. Theatralisch und komö­diantenhaft in jedem Wort. Sie haßte alles Bombastische in Rede und Stil. „Möge das Leben Sie mit Ihrem Geschicke aussöhnen." Lächerlich! Sie war schon ausgesöhnt! Und Hans Peter würde es in Bälde sein.

Jetzt fand sie auch die Stimmung, den Brief zu schreiben, der ihr heute nacht solches Kopfzerbrechen gemacht hatte. Ueber den Schreibtisch geneigt, hasteten ihre Finger über den Bogen hin. Bier Seiten! ' Und alles, was sie zu Papier gebracht hatte, war gut.

Sie faltete ihn zusammen und adressierte die Hülle. Es würde eine Folter ohnegleichen fein, bis die Antwort von ihm eintraf, ...............„.. ...... ^.„^^.....

Es war erst zwölf Uhr mittags, aber sie trug ein Gefühl der Schwere in sich, als sei es spät nachts und sie zu Tod ermüdet. Vielleicht machte es auch das Alleinsein. Bernd befand sich mit Bekannten auf einer großen Autotour, es konnte Abend werden, bis er zurückkam. Der General hatte die Einladung des Amerikaners Selthon angenommen, einen Tag auf dessen Prioatjacht zu verbringen und war nicht vor Einbruch der Nacht zu erwarten.

Sie ließ sich auf ihrem Zimmer servieren und nahm dann ein Schlafpulver. Es war das einzige, die Länge des Tages erträglich zu machen. Erst gegen sechs Uhr erwachte sie, und fühlte sich etwas gestärkt. Sie empfand sogar Lust, einen kleinen Bummel zu machen und sich das Treiben aus der Ferne anzusehen.

Sie bog eben in die Strandpromenade ein, als sich ihre Augen in ungläubigem Staunen weiteten. Keine zehn Schritte vor ihr ging Gertraude Holmfeld und an ihrer Seite Oertzen. Er trug einen dunklen Anzug und hielt den Rücken etwas nach vorne geneigt, während die Frau auf ihn einsprach.

Zufällig wandte diese das Gesicht nach rückwärts und richtete eine Frage an den Grafen. Nun sah auch er zurück, lüftete den Hut und verhielt für einen Moment den Schritt, um dann plötzlich ein so rasches Tempo anzuschlagen, daß beide rasch außer Sichtweite waren.

Wie tölpelhaft! Das lag doch nicht in Oertzens Charakter, daß er feige auskniff. Vielleicht tat er es nur deshalb, um ein Zusammentreffen zwischen ihr und seiner Gattin zu ver­hindern.

Der Spaziergang war ihr gründlich verleidet. Sie machte kehrt und ging nach dem Hotel zurück.

Spät nach zehn Uhr kam Bernd und brächte Lachen und sprühende Laune mit. Der Tag wäre herrlich gewesen, die Fahrt unvergleichlich schön. „Wie schade, daß du nicht, mit dabei sein konntest, Mama," bedauerte er, während sie mit Freude konstatierte, wie prächtig er sich in den zehn Tagen erholt hatte.

Sie schob ihm einen Teller Keks zu und nickte ermunternd: „Ich habe sie extra für dich heraufholen lassen, mein Bub Oder willst du noch nachserviert haben?"

Er lehnte mit allen Zeichen des Schreckens ab: „Ich bin vollgestopft bis an den Rand. Was manche Leute essen können, geht an das Unglaubliche. Es war die reinste Mast­kur heute. — Von Vater ist wohl nichts eingetroffen?"

„Nein, mein Junge. Aber ich habe ihm einen Brief geschrieben."

„Vergiß nicht, die Photos beizulegen, Mama, und ihn zu bitten, daß er mich zu Schulbeginn holt."

!»,..;,i,,um.,,., ■ i. i. . (Fortsetzung folgt.)