Hersfelöer Tageblatt
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Kersfelöer Kreisblatt
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Rr. 6
Mittwoch, den S. Januar 1930
80. Jahrgang
Rom in Aeststimmung
Sie italienische KronprinzenhoMeit.
Ein F ü r st enk o n g r e ß in der Ewigen Stadt.
Rom beherbergt zurzeit etwa 85 Gäste königlichen Geblüts, die zur Hochzeit des Kronprinzen von Italien und der Tochter des belgischen Königspaares nach der Siebenhügelstadt gekommen sind. Außer dem italienischen und dem belgischen Königspaare sind anwesend: König Boris von Bulgarien mit seinem Bruder Kyrill und seiner Schwester Endoxia, die Königin von Schweden, das ehemalige Königspaar von Portugal, die Königinmutter von Portugal, die ehemalige Königin Sophie von Griechenland. Exkönig Aman Ullah und seine Gemahlin, die Großherzogin von Luxemburg, der Fürst von Monako, Herzogin Karl Theodor in Bayern, Prinzessin Rupprecht von Bayern, Prinz und Prinzessin Konrad von Bayern, Mon- signore Prinz Georg von Bayern, Prinz Johann Georg von Sachsen, Prinz und Prinzessin Philipp von Hessen, der Jnfant Ferdinand von Spanien, Prinz Danilo, Prinzessin Militza und Prinzessin Xenia von Montenegro, Prinz Wilhelm von Schweden, der Herzog von Pork, Prinz und Prinzessin Paul von Griechenland, Prinz Christophor von Griechenland, Prinz und Prinzessin Paul von Südslawien, Prinz Felix von Luxemburg, Prinz Napoleon mit seiner Gemahlin. der Graf von Paris, Prin-
abgelegenen Insel noch gelebt wird, soll in einer langen Reihe bunter Bilder an den Zuschauern vorbeiziehen. Es folgt dann das Land Piemont mit seinen Bergbewohnern und Ackerleuten. L i g u r i e n bringt Palmen und Ölzweige. Renetten soll dargestellt werden durch religiöse Prozessionen, wie sie in dieser Provinz bei Kirchenfesten stattzufinden pflegen. In besonders großartiger Weise wird Sizilien vertreten sein: von hier kommen schön gebaute Wagen, auf denen die ganze Geschichte der alten Ritter und Helden der Insel, aber auch Biblisches dargestellt wird: und dann kommen Sänger und Hirten und Bergleute. Aus der M a r e m m e, dem snmpsi-
gen Küstenstrich, koinmen Hirten und Bauern mit riesigen Büffeln, und die Sienesen erscheinen tn mittelalterlichen Trachten, wie sie das von einem in Siena alllahrlich stattfindenden mittelalterlichen Feste her gewohnt sind. An Abwechselung und Mannigfaltigkeit dürfte es also in dem langen Festzuge nicht fehlen.
Die Frauen aus Ligurien werden, der Kronprinzessin eine reich gestickte Frauentracht, wie sie dortzu- lande getragen wird, als Geschenk überreichen. Es ist, wie es heißt, das einzige Geschenk aus Volkskreisen, das sie annehmen will: alle anderen Geschenke sollen, ihrem Wunsche entsprechend, in Gaben für wohltätige Zwecke bestehen Ein wahrer Wettstreit ist ausgebrochen zwischen italienischen Stadtverwaltungen, Banken, Instituten verschiedener Art usw., die alle möglichst viel geben wollen, um einander zu übertrumpfen, und Krankenhäuser, Waisenhäuser und Asyle werden den Nutzen davon haben.
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Fortgesetzte Konserenzarbeit.
Bundeskanzler Schober über Österreich.
Die Verhandlungen im Haag scheinen ihrem Höhepunkt zuzueilen. Denn neben dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht und dem Geheimrat Dr. K a st l soll sich auch Staatssekretär Dr. Schaff mit Reichsfinanzminister Dr. M
Zahlungen könne Österreich unmöglich noch neue Lasten übernehmen. Für Österreichs Willen zum Vorwärtskommen spreche die vollzogene Versassungsreform, die zur Schaffung einer neuen Staatsgrundlage geführt habe.
Benesch bei Curtius.
Der tschechoslowakische Außenminister Dr. V e n e s ch
e r nach dort begeben, um
Das Brautpaar mit feinen Schwiegereltern müßte unmittelbar nach der Ankunft vom Balkon des Königlichen Schlosses aus die Bevölkerung Roms, die be- aeisterte Ovationen darbrachte. Von links: Königin Helena von Italien, König Albert von Belgien, Prinzessin Marie Ioso, Kronprinz Umberto, Königin Elisabeth von Belgien, König Viktor Emanuel von Italien
zessitt Anna von Vattenberg, die Prinzessinnen Jsabella und Henriette von Bourbon-Parma und Prinzessin Roman von Rußland und viele andere noch — alles Verwandte des belgischen oder des italienischen Königspaares.
Der König von Italien hat anläßlich der Hochzeit seines Sohne dem Gouverneur von Rom eine halbe Million Lire für wohltätige Zwecke znr Verfügung gestellt. Unter den Hochzeitsgeschenken, die das Kronprinzenpaar erhalten hat, sind besonders bemerkenswert ein aus über 400 Stücken bestehendes Porzellantafelservice, das der Präsident der Französischen Republik gc- fch-nkt hat, und das aus zehn Sealpelzen bestehende Geschenk, das Präsident H o o v e r der ihm persönlich bekannten Braut überreichen ließ.
Der Festzug der Fünftausend.
Zu Ehren des jungen Paares wird am 10. Januar ein Festzug v 0%, ungewohnten Ausmaßen durch die Hauptstraßen von Rom ziehen: fast 5000 Personen sollen daran teilnehmen, und der Vorbeimarsch dürfte drei Ständen dauern. Das Volk von Rom dürfte allerdings nur wenig von all der Pracht zu sehen bekommen, denn die Straßen werden durch ein vierfaches Spalier von Soldaten abgesperrt sein, und nur die wenigen Glücklichen, die für einen Fensterplatz Tausende ausgeben können — selbstverständlich sind das in der Mehrzahl Engländer und Amerikaner — werden den „Aufmarsch Italiens" bewundern dürfen. Denn es wird im wahren Sinne des Wortes ein Aufmarsch Italiens sein, da alle Provinzen des Landes, alle Volksstämme, selbst die fernen Kolonien in charakteristischer Weise vertreten sein werden.
Den Festzug eröffnet eine Volksgruppe aus Sardinien, das als die Wiege des Hauses Savoyen gilt. Zuerst kommen Männer und Frauen zu Pferde und eine Schar von Landleuten in ihren malerischen Trachten und mit ihren mit Blumen geschmückten Wagen; Sänger, die sardinische Volkslieder singen, Hirten, Tänzerinnen, Spielleute folgen; das ganze Volksleben, wie es auf der etwas
mit Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer über die Förderung des kommenden Reichshaushaltsetats zu konferieren. Dr. K a st l wird sofort abreisen, die Ankunft des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ist erst für den 12.
Januar vorgesehen. Er soll an den Beratungen für die Internationale Bank teilnehmen. Dienstag verhandelten schon am Morgen die Minister der sechs Hauptmächte über die Frage des M o r a t o r i u m s a n s p r u ch e s , den Deutschland nach dem Uoung-Plan haben soll. ES lagen noch verschiedene Unklarheiten vor, die im Augen- fejLüt nicht liajxüliftkr^yeif konnten, so daß nach einer Unterbrechung für nachmittags die Fortsetzung der Sitzungen geplant war.
Die Pariser Presse äußert sich ziemlich ungünstig über die Berufung Dr. Schachts und spricht die Meinung aus, in der französischen Delegation herrsche Besorgnis, weil Dr. Schacht wahrscheinlich die deutsche Delegation zu größerer Hartnäckigkeit bringen könnte. Es könnte dann leicht eine Störung in der bisherigen Atmosphäre bet Herzlichkeit, des Vertrauens und des Entgegenkommens eintreten.
siattete dem Reichsaußenminister Dr. Curtius einen Besuch ab. Es wurde dabei über die tschechoslowakischen Liquidationen in erster Reihe verhandelt. Der Ausschuß für die Ostreparationen tagte während der gleichen Zeit und behandelte die bulgarischen gingen. Der belgische deutschen Reichs- öirth mit ihrer
Ministerpräsident I a s p a r gab "den
Ministern Dr. C n r t i u s und Dr. W
Begleitung ein Ehrenfrühstück.
Der Rcparationsagcni Parker Gilbert traf aus Amsterdam im Haag ein und nahm an den NachmittagSveratungen der sechs einladenden Mächte teil.
Die bulgarischen Separationen.
Oesterreichs Schicksal.
Dienstag veranstaltete der österreichische kanzler Dr. Schober einen Empfang für die anwesenden Journalisten. In einer Ansprache
Bundes- im Haag wies der
Thema der Verhandlungen des Komitees für die O st - : n waren den ganzen Tag die bulgarischen . , Eine Einigung ist n o ch n i ch t erzielt; der
von dem Unterausschuß gestern vorgelegte Vorschlag sieht einen Durchschnittswert von 12% Millionen vor, während sich die "Bulgaren darauf berufen, daß ihnen schon früher eine Annuität von elf Millionen zugebilligt worden sei und ihrer-
reparatione
Reparationen. <
seits etwa 10 Millionen bieten.
Bundeskanzler daraus hin, daß die österreichischen Ziele im Haag Befreiung von den Reparationsschulden und Beseitigung des Pfandrechts aus dem Friedsnsvertrage seien. Beide Punkte bildeten ein schweres Hindernis für den Wiederaufstieg Österreichs, das zukünftig als freier Staat behandelt zu werden wünsche, der unabhängig seine finanziellen Fragen erledigen könne. Zu den bisherigen
Am die Anfiedlona beutschstämmiger Kolonisten.
Besprechungen in Königsberg.
Der Reichskommissar der Deutschrussenhilfe, Reichs- tagsabgeordneter Stücklen, begibt sich Mittwoch früh nach Ostpreußen. Vermutlich wird der Reichskommissai in Königsberg mit dem Oberpräsidenten von Ostpreußen Dr. Sie h r, Besprechungen über die Möglichkeit eine: Ansiedlung der deutschstämmigen Kolonisten aus Sowjet- rußland in den minderbevölkerten Grenzgebieten des deutschen Ostens führen.
Komnmnisienünruhen in Berlin.
Ein Polizeihauptmann schwer mißhandelt. — 43 Verhaftungen
Der Kommunist Meher-Kubisch, der vor kurzem im Zuchthaus einer schweren Krankheit erlegen ist, und der verstorbene Kommunist Neumann wurden auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde beigesetzt. Bei dem Rückmarsch der kommunistischen Teilnehmer an der Beerdigung kam es an verschiedenen Stellen im Osten Berlins zu Zusammenstößen der Demonstranten mit der Polizei.
Auf dem Lausitzer Platz wurde der Polizeihauptmann Krampe von einer Anzahl Kommunisten umzingelt, als er dir Beschlagnahme eines Transparents mit hetzerischer Inschrift anordnete. Mehrere der Kommunisten schlugen ihn blutig und warfen ihn zu Boden. Der Polizeioberwachtmeister Hüb: der seinem Vorgesetzten zu Hilfe eilte, wurde ebenfalls Mß- handelt. Schließlich machten die Polizeibeamten von ihrem Gummiknüppel Gebrauch und gaben auch, als aus der Menge geschossen wurde, Schüsse ab. Sieben der Hauptangreifei wurden festgenommen.
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Zu weiteren Zusammenstößen kam es bei der Räumung der Oppelner und der Wrangelstraße, wohin sich ein Teil der zerstreuten Kommunisten geflüchtet hatte. Auch hier machte die
zerstreuten Kommunisten geflüchtet hatte. Auch hier machte die Polizei von ihrem Gummiknüppel Gebrauch und nahm drei der Ruhestörer fest.
Ähnliche Szenen spielten sich auf dem Küstriner Platz ab. Hier wurden die Züge der kommunistischen Demonstranten in die angrenzenden Straßdn zurückgedrängt. Als die Beamten durchdie Rüdersdorfer Straße kamen, wurden sie aus den
Die tschechoslowakische Befreiungsschuld.
Der tschechoslowakische Außenminister Benesch hat auch mit dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu Verhandlungen über die tschechoslowakische Befreiungsschuld geführt, die den Modus der Abwicklung für den Fall eines Zustandekommens der verschiedenen geplanten Vereinbarungen ni^ den Nachfolgestaaten behandelten.
Fenstern mit Pretzkoylenflncken und Steinen be- worfen. Hier würden schließlich 33 an der Ruhestörung Beteiligte festgenommen.
Zwei Wochen in Geenoi.
Kapitän ertrunken. — Schiff treibt auf der Ladung.
Ein deutscher Schleppdampfer traf den deutschen Schoner „Olga", der sich in höchster Seenot befand, in der Nähe der norwegischen Küste und schleppte ihn in den Hafen von Aalesund. Die „Olga" hatte eine furchtbare Fahrt hinter sich. Sie trieb seit über zwei Wochen aus der Fahrt den Shetlandinseln nach Norwegen hilflos auf den W....... Der Kapitän war bereits am 23. Dezember, nachdem er vier Nächte nicht geschlafen hatte, völlig erschöpft über Bord gespult worden und ertrunken. Das Schiff hatte Bauholz geladen und hielt sich aus der Ladung schwim- m e n d über Wasser. Seine Kabinen waren, als man es auf- fand, völlig zertrümmert.
Der Kapitän war bereits am 23. Deze'
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Fortgang der Raiffeisen-Aotersuchnng
Die Fälschungen Uralzews.
Der Landtagsausschuß zur Untersuchung der Raiffeisen- Kredite nahm feine Verhandlungen nach der Weihnachtspausi wieder auf. Der Vorsitzende, Abg. Dr. Deerberg (bnt.), teilte mit, daß dem Ausschuß auch der Antrag auf Nachprüfung der Verlustgeschüfle bei den Unternehmungen des Gc- Heimrats Hugenberg zur Behandlung überwiesen worden ist
Von den im Laufe der Verhandlungen vernommene» Zeugen bekundete Direktor Albert, der organisatorische Aufbau der Raiffeisenbank sei höchst unzweckmäßig gewesen.
' ' Je Kontrolle unmöglich war. Die Zuckung feien cinsach unglaublicl
so daß eine gegenseitig! stände in der Buchhalt „ ,..... ...... gewesen. Das Tollste sei das Konto Uralzew gewesen, ben di. Direktoren Dietrich und Schwarz für einen Ehre n in a u n gehalten hätten Er, der Zeuge, habe die Sicherheit Uralzew: nach wenigen Sekunden als ganz grobe Fälschungen erkannt. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärte, dien Tatsachen seien der Behörde im Wesentlichen bekannt. Uralzew habe mit den Lagerscheinen den tollsten Schwindel getrieben Am Mittwoch soll Uralzew als Zeuge vernommen werden.