Hersfel-erTageblatt
Än^elgttrottfe: dk rlnfpaltlg» MitzeKr 15 pftnnts, ölr Keklamezellr 50 Pfennig. (SrunSschrlst Serone). Del Me-rrholungen wird ein entsprechender preis» Nachlaß gewährt. ♦ Kür die Schrifilritung vrrant- womtch: Kranz Kunk in ytrsfeld. ♦ Krrnsprrcher Nr. 8
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
mit See Sellaaen: IllüKeikkLes AatsrhalLuNgMatt / Nach FerrradsaS / Srrs aaS GHstte / ANEe§hstt«aa und Wissen BZlshMWg aaö KmMLil / WirttHaftliKe ^agesfregee
Nr. 4
Montag, den 6. Januar 1930
80. Jahrgang
Schacht geht t
Haager SaMönspolltik?
Die Internationale Bank.
Im Laufe des Sonnabends machte der deutsche Reichsaußenminister einen Besuch bei Briand. Man nimmt an, daß Briand und Curtius sich in der Hauptsache über die neuerdings so sehr in den Vordergrund getretene Sanktionsfrage unterhalten haben. Etwa gegen Mittag unternahm Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer einen Besuch beim englischen Schatzkanzler Snowden. Die beiden Diplomaten unterhielten sich in der Hauptsache über deutsch-englische Angelegenheiten, im wesentlichen über das jüngste Liquidationsabkommen. Die gesamte deutsche Delegation nahm an einem Frühstück bei der französischen Delegatiock teil.
Währenddessen hatten die sachlichen Verhandlungen der Sachverständigen der verschiedenen Finanzministerien begonnen. Das zweite Komitee für die n i ch t d e u t s ch e n Reparationen trat ebenfalls unter Beteiligung der Delegationen aller eingeladenen Mächte zusammen. In einer Woche etwa soll der Ausschuß für die _______
Internationale Bank
mit der Arbeit beginnen. Zum Präsidenten des Ausschusses soll nach neuerlicher Auskunft der Amerikaner Reynolds ausersehen sein. Er wird im Haag erwartet. Gleichzeitig mit ihm oder bald nachher sollen auch der Reparationsagent Parker Gjlbert und der deutsche Reichsbankpräsident Dr. S chü ch t im Haag erscheinen, Schacht etwa am 10. oder 11. Januar.
England gegen Sanktionen.
Aus maßgebenden Kreisen der englischen Delegation will man erfahren haben, daß die englische Regierung auf der Konferenz sich grundsätzlich gegen jede Abänderung des Noung-Planes richten w rde, die in irgend- Aner Form die Möglichkeit neuer Lnr.ttwnsmmPmÄ«'-"» ergeben könnte. Die englische Regierung lehne es ab, irgendwelche Handhabe für eine etwaige Neubesetzung der ehemals besetzten oder anderen deutschen Gebiete zu geben. Auf englischer Seite wird der Aoung-Plan in seiner gegenwärtigen Fassung als völlig ausreichende Garantie für die Durchführung der deutschen Noung- Zahlungen angesehen.
Auch in Kreisen der belgischen Abordnung soll übrigens wenig Neigung bestehen, das Sanktionsthema zur Aussprache zu stellen, da man den Houng-Plan in der gegenwärtigen Fassung gleichfalls für ausreichend hält.
Die Ostreparsiisuen.
Der Ausschuß für die Ostreparationen beschloß zunächst die österreichischen, am Montag die bulgarischen und am Dienstag die ungarischen Reparationen zu behandeln. Die drei Mächte der Kleinen Entente haben bei der Leitung der Konferenz in schriftlicher Form einen Schritt unternommen, in dem diese Mächte fordern, zu der endgültigen Ausarbeitung und Unterzeichnung des Haager Schlußprotokolls als unmittelbar^ interessierte Mächte hinzugezogen zu werden. Dieser Schritt, der allgemein erwartet wurde, soll die italienische Reparationsfrage unmittelbar mit den gesamten Haager Beschlüssen verbinden und von dieser Lösung das Schicksal des gesamten Haager Protokolls abhängig machen.
Su ehern kleinen KefiaKani...
Deutsch-französische Erörterungen.
In einem kleinen Haager Restaurant hat eine streng private Unterredung zwischen Dr. Curtius, Tardieu und Briand stattgefunden, au der außer den drei Ministern lediglich der Dolmetscher der deutschen Delegation, Dr. Schmidt, und der Dolmetscher der französischen Delegation, Professor H c s n a r d, teilnahnren. Die Unterredung dauerte etwa drei Stunden. Über den Verlauf und das Ergebnis dieser streng vertraulich gehaltenen Besprechung waren natürlich keinerlei Mitteilungen zu erhalten, jedoch liegt die Vermutung nahe, daß hierbei nicht nur die zahlreichen politischen und reparationspolitischen Streitfragen der Konferenz, sondern auch die Sanktionsfragen zwischen den drei Ministern eingehend erörtert worden sind. Die Besprechungen bilden somit denBeginndcr direkten deutsch - französischen Erörterungen der großen schwebenden Fragen. Man kann annehmen, daß nunmehr als formales Ergebnis dieser Besprechungen die weiteren Verhandlungen, insbesondere über die Sanktionsfragen, in den nächsten Tagen in Fluß kommen werden
Wie von alliierter Seite verlautet, ist zwischen den alliierten Gläubigermächten in diplomatischen Verhandlungen der letzten Tage im großen eine Übereinstimmung dahin erzielt worden, daß für den Fall des Ausbleibens der deutschen Zahlungen nach dem Young-Plan zunächst der im Young-Plan vorgesehene Sonderausschuß, der auch über ein deutsches Moratoriumsgesuch entscheidet, die Tatsache des Ausbleibens der deutschen Zahlungen zu prüfen hat. Nach der Entscheidung des Sonderausschusses soll es den Gläubigermächten offensteben. an den Ständigen Internationalen
ach dem Haag
Gerichtshof im Haag zu appellieren, der dann unter Anhörung der deutschen Regierung entscheiden soll, ob das Ausbleiben der deutschen Zahlungen auf eine Unmöglichkeit zurückzuführen ist oder ob eine Verfehlung gegen die Deutschland nach dem Äsung-Plan obliegenden Verpflichtungen vorliegt. Offen ist jedoch noch die Frage, welche Folgen die Gläubigermächte aus einer Entscheidung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag ziehen können, die eine „Verfehlung" seitens Deutschland feststellen würde.
Es verlautet, daß die bevorstehenden Verhandlungen zwischen den Gläubigermächten und Deutschland in der Sanktionssrage sich zunächst im Rahmen dieser Vorschläge bewegen werden.
Amsrika vsrzichiei anf (5<inffionen!
Das deutsch-amerikanische Schuldenabkommen.
Über den Inhalt des deutsch-amerikanischen Schulden- abkommens, über das am 28. Dezember 1929 zwischen den Unterhändlern eine Einigung zustande gekommen ist, werden noch Einzelheiten bekanntgegeben, aus denen folgendes heroorzuheben ist:
Der wesentlichste Punkt ist, daß die für die Vereinigten Staaten bestimmten Zahlungen nicht durch Vermittlung der Bank für Internationale Zahlungen erfolgen, sondern unmittelbar von Deutschland an Die Vereinigten Staaten.
Die Jahreszahlungen werden in zwei Raten jeweils auf den 31. März und den 30. September fällig. Deutschland kann nach seinem Belieben durch Mitteilung an die Vereinigten Staaten mindestens 90 Tage vor dem Fälligkeitstermin jede Zahlung aus längstens 2% Jahre aufschieben; spätere Zahlungen über den Stundungstermin hinaus aber jedoch nur dann, wenn die vorher gestundeten Zahlungen inzwischen erfolgt sind.
gg^^, HicherNeice» eher Garantien für die Erfüllung der Zahlungen neunten die Vereinigten &»w nicht in Anspruch. Das Abkommen enthält in dieser Hinsicht folgende Bestimmung:
„Die Bereinigten Staaten stimmen hiermit zu, Deutschlands Treu und Glauben und Kredit als einzige Sicherheit und Garantie für die Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands gemäß diesem Abkommen anzunehmen."
In einem Notenwechsel, der bei Unterzeichnung des Abkommens zwischen den beiden Regierungen ausgsetauscht werden soll, wird diese Bestimmung dahin erläutert, daß Deutschland mit Beziehung auf diese Erklärung der Vereinigten Staaten in derselben Lage sein wird wie die Hauptschuldner der Vereinigten Staaten gemäß den Schuldenfundierungsabkommen, welche zwischen ihnen und den Vereinigten Staaten bestehen. Das Abkommen lehnt sich in seiner Form und, soweit als möglich, auch in seinem Wortlaut an die Abkommen an, wie sie von den Regierungen anderer Länder zur Regelung ihrer Schulden aus dem Weltkrieg mit der Regierung der Vereinigten Staaten abgeschlossen worden sind.
Alles im FMß.
Besuchsaustausch Curtius — Schober.
Aus den Berichten der Pariser Blätter aus dem Haag ergibt sich, daß vorläufig noch alles im Fluß ist und -daß vor Dienstag nicht erkennbar sein wird, ob mit Schwierigkeiten zu rechnen ist. Die Sonderberichterstatter stellen fest, daß die Fühlungnahme der deutschen und sranzökifchen Delegierten einen guten Eindruck hinterlassen hat. — „Matin" will wissen, daß im Verlaufe der Unterredung, die Reichsaußenminister Dr. Curtius mit Tardieu und Briand hatte, die Frage der Mobilisierung und besonders die Frage, unter welchen Bedingungen Deutschland an dieser Operation teilnehmen könne, erörtert worden sei.
Der deutsche Außenminister Curtius und der österreichische Bundeskanzler Schober haben aus Anlaß ihrer Anwesenheit im Haag Besuche ausgetauscht. Sie haben sich bei dieser Gelegenheit in sreundschaftlicher Weise über alle, die beiden Länder gemeinsam berührenden, Fragen ausgesprochen und dabei ebenso, wie das bei früheren Zusammenkünften zwischen den deutschen und österreichischen Staatsmännern geschehen ist, völlige Übereinstimmung ihrer Auffassungen festgestelll.
Amerikanischer Tadel für Frankreich.
Verurteilung französischer Sanktionsgelüste.
In den maßgebenden amerikanischen politischen Kreisen verurteilt man das Bestreben Frankreichs, Sanktionen für den Fall der Nichtersüllung der Bestimmungen des Doung-Planes durch Deutschland zu schaffen, aufs schärfte, weil es geeignet sei, das Zustandekomrsten einer Einigung im Haag zu verhindern.
Ein hoher Regierungsbeamter erklärte bei einem Presseempfang im Weißen Hause, das amerikanische Parlament werde das Abkommen zwischen Deutschland und Amerika über die direkte Zahlung der Reparationen ohne
Sanktivnsklausel prompt ratificieren. Überhaupt sei Amerika gegen jede Pfänderpolitik und Anwendung unfreundlicher Druckmittel gegenüber Deutschland, denn diese Politik sei schuld, daß man immer noch nicht von einer Befriedigung sprechen könne. Jede Sanktionsforderung sei von vornherein geeignet, die Beziehungen der Staaten untereinander zu trüben.
Diese aufsehenerregenden Äußerungen können nur als eine s ch r o f f e A b l e h n u n g des französischen, als friedensstörend hingestellten Verhaltens bezeichnet werden.
Am Oesterreichs Kriegslasten.
SonderverHandlungen Schobers.
Der österreichische Bundeskanzler Schober hat in der Komiteesitzung für die nichtdeutschen Reparationszahlungen wiederum seine Forderung aufgestellt, daß Österreich nicht in der Lage sei, irgendwelche Summen aufzubringen. Die Großmächte, auch Italien, sind ja bereit, auch ihre Forderungen — schon um Stimmung gegen den Anschlußgedanken zu machen — fallen zu lassen. Die kleinen Mächte, vor allem Rumänien, bestehen aber beharrlich auf ihrem Schein. Schober schlug nun vor, daß er sich mit der Tschechoslowakei, Polen, Jugoslawien und Rumänien außerhalb der offiziellen Besprechungen in Verbindung setzen würde, um eine Einigung zu erzielen, ein Weg, der ihm schließlich zu- gestanden wurde. Man wird sich also am Montag mit den bulgarischen Zahlungen, am Dienstag mit Ungarn beschäftigen. Inzwischen soll Schober seine Sonderver- einbarungen in Ordnung bringen.
.^WAer Gisgsr nsch Besiegte."
Zaleski über aktuelle außenpolitische Fragen.
In einer Pressekonferenz äußerte sich der polnische Außenminister Zaleski über die im Zusammenhang mit der bevorstehenden Januartagung des Völkerbundrates, bei der der Minister den Vorsitz führen wird, sowie über die auf der Tagesordnung der Haager mchenpotititchen Probleme.
Eine der wichtigsten Angelegcnyeiten bei den Genfer Ratsverhandlungen, so erklärte der Minister, sei die A n - gleichung desVölkerbundpaktes an die Bestimmungen des Kellogg-Paktes. Eine weitere interessante Angelegenheit bilde der finnländische Antrag, dem Ständigen Haager Schiedsgerichtshof die Rechte eines Kassationstribunals im Verhältnis zu den übrigen internationalen Gerichtshöfen zu verleihen. Die Januartagung des Völkerbundrates werde den Wirtschaftsproblemen große Aufmerksamkeit schenken müssen, unter denen die Frage der E i n b e r u s u n g der Internationalen Z o l l f r i e d e n s k o n - f e r e n z an erster Stelle stehe.
Zu den Problemen der Haager Konferenz erklärte Zaleski, die Haager Vereinbarungen hätten einen ausgesprochen politischen Charakter. Sie seien aus dem Bestreben nach einer Lösung der schwierigen N a ch- k r i e g s p r o b l e m e in der Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und guten Willens entstanden. Diese Atmosphäre werde im täglichen Sprachgebrauch „Geist von Locarno" genannt. In der schwierigen finanziellen und wirtschaftlichen Lage, in der sich sämtliche Staaten, Sieger wie Besiegte, nach dem Kriege befänden, sei der Wunsch nach Verständigung unter der Losung „Weder S i e ger noch Besiegte" entstanden. Es sei notwendig, die internationalen friedlichen Bestrebungen zu einem Ganzen zusammenzufassen. Sie müßten sich auf die allgemeine Solidarität und Interessengemeinschaft der früher einander bekämpfenden Völker sowie auf ein vernünftiges Kompromiß zwischen den bisher entgegengesetzten Forderungen stützen. Die größte Bedeutung besitze auf diesem Wege für Polen eine parallele Normalisierung der gegenseitigen Verhältnisse zwischen Deutschland, Frankreich und Polen. Er, Zaleski, habe in diesem Zusammenhänge bereits mehrfach Gelegenheit gehabt, festzustellen, daß eine Normalisierung des deutsch-französischen Verhältnisses in Polen keinerlei Befürchtungen erwecken könne, daß im Gegenteil diese Normalisierung sich auf der Linie der grundlegenden Tendenzen der polnischen Politik bewege, indem sie eine unerläßliche Bedingn»';; für die Normalisierung des deutsch-polnischen Verhältnisses bilde. Ähnlich, wie eine deutsch-polnische Zusammenarbeit ohne umfassende Berücksichtigung der französischen Interessen undenkbar wäre, könne auch die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich nicht auf Kosten der polnischen Interessen vollzogen werden. Der Minister erklärte, daß dieser Grundsatz, auf dem sich die polnisch-französischen Beziehungen aufbauen, bei allen praktischen Lösungen der aktuellen Fragen sowohl von feiten der polnischen wie auch von feiten der französischen Regierung berücksichtigt worden sei.
Explosion in einer Apotheke.
Sieben Verletzte.
Wie aus Santa Clara in Kalifornien gemeldet wird, . erfolgte in einer dortigen Apotheke infolge Entzündung von Gasen eine Erplosion, wobei die Vorderfront von sieben Läden zerstört und sieben Personen verletzt wurden, darunter eine tödlich. ___