r Die einspaltige Nr 50 Pfennig. ( lungen wirft ein
Nachlaß gewährt. ♦ Lür öle «örtlich: Zranz Kunk in Hrrsf
.VcunSfcheist Korpus). nüfpreLenü« Preis- Schnstleitung vrraot-
Hersfelöer Kreisblatt
f* »♦^«»♦«»•<MMMl.a^>--------«,«tt1t1|T|l1
; ^°PEchtrTHugkpceft: durch Sie
| ^e^kw^^usMtZlich Drstrügelö, M
| l-20 Nrichs Mark bei r-tie. JJeüm^, Br %:,»(«
^^lichtr /inzeiger für den Kreis Hersfelö i ÄStt in Snafeii, Mitgikt 6t» vbZtk
mtt bey BeUsam: OHn^tc^ / Nach Seieradeav / An- aaS Äbotts / Wtobaltanrsar®C
X Aelshmm NNS KM?msil / WirMaftlkchs T.MLsfmgM, 8 ^"^
^^ / Donerstag, den 2. Januar 1930
Zum Anfang.
Das neue Jahr hat nicht bloß auf den — Silvesterfeiern sozusagen „mit Pauken und Trompeten" eingesetzt, sondern dieses Konzert erhält schon am dritten Tage in der Eröffnung der H a a g e r K o tl f e r e n z eine Fortsetzung, bie sich vielleicht schon sehr bald zum Fortissimo steigern kann. In Paris, in Brüssel und in London hat man die Instrumente, die man im Haag spielen will, bereits mehr aus attsgiebig geprobt und aufeinander abgestimmt. Angeblich hat man es recht eilig, weil ja — als zweites Konzert — die Tagung des Völkerbundrates in Genf am 10. Januar anheben soll. Und dann kommt im Januar auch noch die „Konferenz zur Vorbereiung der S e e a b r ü st u n g", auf der möglicherweise der deutsche Panzerkreuzer „A" wie ein Geisterschiff auftauchen wird.
Leider haben die innenpolitischen Auseinandersetzungen am Endes des Jahres 1929 die Augen doch zu sehr von dem überaus großen Ernst der deutschen Lage auf der nun anhebenden Haager Konferenz ab- wenden lassen. Jene rein innenpolitisch gemeinten und auch so aufgefaßten Differenzen trugen allzuviel dazu bei, das Bewußtsein dafür, daß Deutschland unmittelbar vor Entscheidungen allerwichtigster Art steht, fast zu tilgen. Von dem Primat der Außenpolitik, wie er doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, war — und ist — wenig zu spüren und die „querelles d’Allemand", wie sie der Franzose spöttisch nennt, der streit um Spitzfindigkeiten, füllte das politische Treiben und Debattieren fast restlos aus. Nicht, durchaus nicht zum Nutzen Deutschlands.
Aber außer den vielleicht recht mißtönenden politischen Liedern, die man in Deutschland sang und singt, außer denen, die wir auf der Haager Konferenz möglicherweise 3it hören bekommen, singt uns auch das Schicksal gerade jetzt ein immer härter klingendes Lied: das Heer der Arbeitslosen wächst mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit, hat die 2-Millionen-Grenze erreicht und — diese Ziffer wird kaum eine Grenze bilden. Wir gehen ja erst hinein in bett „Winter unseres Mißvergnügens" und noch sieht es in trostloser Grinnerunn, wie hart uns die Wirlschastskonjunltur noch längst nicht aus einen derart bösen Stand gesunken, wie er heute leider nur allzu den blich sichtbar wird.
Ernst, sehr- ernst also ist für Deirtschland die politische, die rvirtMäftliche, die WMWlle Lage. Die neuen Männer im Reichssichänz- und im Reichswirtschaftsministerium werden unmittelbar vor die Aufgabe gestellt, auf der Haager Konferenz dafür zu sorgen, daß die auf Deutsch- fauM Racken gelegte Last nicht untragbar schwer wird. Und Kenn die "Änseinanderfetzungen mit den Gläubigerstaaten beendet sind und hoffentlich zu einigermaßen erträglichen AbmächuNWN gesührt haben, dann wird namentlich Dr. M 0 l d e n h a u e r , der neue Reichssinanzminister, zeigen können, ob der „Optimismus der Tat", von bem er bei der Begrüßung der Beamten seines Ministeriums gesprochen hay mehr ist als ein — Wort Oder mehr als ein — Wunsch. Ob dieses optimistische Wollen dann auch wirklich zur Tat wird, wenn es sich darum handelt, die beiden Hauptaufgaben in seinem Ministerium — Sa- n-erung der R e i ch s k a s s e n l a g e und Steuer- und F i n a i! z r e f 0 r m — anzupacken. Nötig hat Molden- Hauer diesen Optimismus ebensosehr wie seine Kollegen; denn Sorgen haben sie an sich schon genug.
Für die Entscheidungsstunden Deutschlands sind teilweise neue leitende Männer bereitgestellt worden. Ob sie sich bewähren werden, kann erst die Zukunft lehren. Sofort werden sie der schweren Feuerprobe einer internationalen Konferenz von größter Bedentung unterworfen— und es wird sich zeigen, ob der „Optimismus de> Tat" auch zu wirklichen Erfolgen führt.
80. Jahrgang
IeicrliGeite« zm ÄhnM-fel
NeiOhrseWWK bei Hindenburg.
Die Wünsche des Diplomatischen Korps.
Für den an jedem 1. Januar stattfindendcn Empfang der in Berlin beglaubigten auswärtigen Botschafter und Gesandten war die Zeit mittags 12 Uhr ««gesetzt. Im Hof des Präsidentenpalais war eine Ehrenkompagnie des Berliner Wachregiments aufmarschiert, um bei der Auffahrt der Diplomaten die Ehrenbezeugungen zu erweisen. Als Sprecher des Diplomatischen Korps brächte der fri zösische Botschafter d e M a r g e r i e die Wünsche des A
-an- ius-
Der Streit um ShinaS Fremdeme-t.
China will nicht verhandeln.
Die von der chinesischen Regierung in Nanking verkündete Aufhebung aller Erterritorialitätsrechte in China vom 1. Januar ab hat zu erheblichen, bisher nur dtplo- matischen Erregungen geführt. Bisher sollen dre Bereinigten Staaten neben England und Frankreich sich am heftigsten gegen die Aufhebung der besonderen Gerichtsbarkeit für ihre Staatsangehörigen m Chma ausgesprochen haben. Einer Quelle aus Washington, die den Entschluß der amerikanischen Regierung verkündet, die eigene Konsulgrgerichtsbarkeit in China, wenn notwendig, mit Waffengewalt aufrechtzuerhalten, ist allerdings m dieser Form nicht recht zu glauben. Die chinesische Regw- runa hat angeblich die amerikanische Gesandtschaft in Nanking davon verständigt, daß sie irgendwelche Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über die Exterrftorl- alitätsrechte der amerikanischen Staatsangehörigen in China ablehne. Die chinesische Regierung sei dagegen bereit, mit Amerika ein neues Niederlassungsabkommen abzuschließen. ,
In Londoner amtlichen Kreisen neigt man nach wie vor zu der Ansicht, daß der chinesische Schritt mehr als eine Protestkundgebung anzusehen und deshalb mit einer Verwirklichung der in dem Beschluß angekündigten Maßnahmen kaum zu rechnen sei.
Die sranzösische Regierung hat den Botschafter Chinas wissen lassen, daß eine Aufhebung der Exterritorialitätsrechte durch eine einfache ernsertige Erklärung eines Vertragspartners von ihr nicht anerkannt werden kann.
landes dem Reichspräsidenten dar. Botschafter de Mar- gerie vertrat Den erkrankten russischen Botschafter K r e st i u s k i, der einstweilen als Doyen des Diplomatischen Korps die Stelle des nach Rom abberufenen früheren Nuntius, jetzigen Kardinals P a c e l l i ein- nimmt. Daran anschließend empfing der Reichspräsident die Reichsminister, die Präsidien des. Reichstages, des Reichsrates, die Vertreter der Wehrmacht, der Reichsbahn und des Reichsbankpräsidinms.
Auf der Treppe des Reichspräsidentenpalais wurden die Diplomaten vom Zeremonienmeister empfangen und in den großen Festsaal nach oben geleitet, nachdem sie sich vorher in eine auflicgcnde Liste eingezeichnet hatten. In der Begleitung des dann erscheinenden Reichspräsidenten befanden sich sein engeres Gefolge und zahlreiche Beamte seines Bureaus. Auch der Re i ch s a u ß e n m i n i st e r und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes wie der Chef des Protokolls begleiteten den Reichspräsidenten bei der Zeremonie. Nach den gegenseitigen Ansprachen begrüßte der R e i ch s 'p r ä. s i d e n t die Erschienenen imb führte mit einzelnen längere oder kürzere persönliche Gespräche. x
"“'■■■**"jyfl?»3^^ ahrswunsch.
Der französische Botschafter de M ärgerte, der als rangältester Botschafter dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des Diplomatischen Korps zum Ausdruck brächte, erklärte: Als Zeuge des geradezu heroischen Eifers, mit welchem der hervorragende Vertreter Deutschlands im Rate der "Völker sich trotz drückender Krankheit so lebhaft dauerndem Suchen nach friedlichen Vereinbarungen und Lösungen gewidmet habe, wünsche das Diplomatische Korps,, die Gefühle der Trauer heute erneut zum Ausdruck zu bringen. Heute, wo an der Schwelle des neuen Jahres die Lösung so vieler Fragen gesucht werde, die für den Wiederaufbau der Welt und ihre glückliche Weiterentwicklung auf den Bahnen der Eintracht, Gerechtigkeit und allgemeinen Wohlfahrt von hoher Bedeutung seien, vereinige das Diplomatische Korps sich vor der ehrwürdigen Person des Reichspräsidenten in berechtigten, durch keine Schwierigkeiten zu erschütternden Hoffnungen.
Der Reichspräsident dankte dem Botschafter u. a. für die Glückwünsche und für das Gedenken an Dr. Stresemann.
Das deutsche Volk hege die Zuversicht, daß die Arbeit des letzten Jahres mit Erfolg im neuen fortgefetzt werden werde. Deutschland kann, so sührte der Reichspräsident aus, seine Aufgaben im Kreise der Nationen nur dann erfüllen, wenn es politische Freiheit und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit hat. Die Ruhe und Sicherheit der Welt, die wir alle wünschen, haben politische Gleichberechtigung und wirtschaftliche Gesundheit aller Staaten zur Voraussetzung.
In der Hoffnung, daß dieses Ziel erreicht wird, spreche ich Ihnen im Namen des deutschen Volkes und im eigenen Namen meine aufrichtigsten und herzlichsten Neujahrswünsche aus.
Im Anschluß- daran empfing der Reichspräsident den Reichskanzler, die Reichs mini st er und die Staatssekretäre der Reichsregierung. Der Reichskanzler entbot dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Reichsregierung. Mit dem deutschen Volke, so führte er aus, hofft die Reichsregierung, daß auch int neuen Jahre Ihnen Gefundheit und Wohlergehen beschieden sein mögen. Im Mittelpunkt unserer politischen Arbeit stand im vergangenen Jahre das Ringen um die endgültige Gestaltung der für Deutschland durch den verlorenen Krieg zu tragenden Lasten.
In diesen Erörterungen ist die Räumung der zweiten Zone des besetzten Gebietes vor dem vertragsmäßig festgesetzten Termin erreicht worden. Die dritte Zone soll spätestens am 30. Juni d. J. von den Besatzungstruppen geräumt und
damit Deutschland wieder frei werden.
Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Erleichterung unserer Lasten hat die Reichsregierung eine Reichsfinanzreform in Angriff genommen und dazu die Grundzüge eines umfassenden Programms vorgelegt. Die Erledigung dieser Aufgaben wird nach Abschluß der Haager Verhandlungen die vordringlichste Sorge der Reichsregierung fein.
Der Reich s p r» . b e n t vankle dem Reichskanzler für die Glückwüuich..- and erwiderte sie mit den besten Wünschen für dea Erfo-g der Arbeit,
Wenn alle die schweren Fragen so gelöst werden sollen, so führte bei Reichspräsident aus, wie es das Wohl
unseres Baleriandes and die Verantwortung sur beffen Zukunft fordern, dann müssen Parteigeist und Jnteressen- Politik hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurückgestellt werden und die Lebensfragen unseres Volkes uns zu einer breiten einheitlichen Front zusammenschließen. Ich spreche daher in dieser Stunde erneut die Mahnung aus, daß
noch über den Parteien aus Vaterland
stehen muß. Wer entschlossen Hand mir anlegt und mit- arbeitet an den Aufgaben der Gegenwart und am Aufbau der Zukunft, der handelt wahrhaft national. Daß das neue Jahr solche Erkenntnis festigen möge, ist heute mein treuer Wunsch!
Hierauf brächte das R e i ch s t a g s p r ä s i d i u m dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des Reichstages dar. Anschließend erschien eine Abordnung des Reichs- r a t s, die die Glückwünsche des Reichsrats aussprach.
Deutsch-österreichische AeujahrWünsche.
Anläßlich des Jahreswechsels hat zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsidenten ein Telegrammwechsel statt- gefnnden. Das Telegramm des Reichspräsidenten hatte folgenden Wortlaut:
„Zum Jahreswechsel spreche ich'Jhnen, Herr BundeS- Präsident, meine wärmsten und herzlichsten Glückwünsche für Ihr persönliches Wohlergehen aus. Hiermit verbinde ich die aufrichtigsten Wünsche für die Zukunft O st e r r e i ch s. Reichspräsident von Hindenburg."
Bundespräsident Miklas drahtete:
„An der Schwelle des neuen Jahres bitte ich Euer Exzellenz für Ihre Person und Ihre Familie, aber auch für das Wohlergeben des ganzen deutschen Volkes meine innigsten Glückwünsche entgegen;«-
auch im kommenden Jahr auf dem Wege wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung in gleicher Weite wie bisher ma ' ll fortzuschreiten. Bundespräsident R-- ' - : "
Wortlaut der Grüße au Heer und Marine.
Die schon bekanntgewordenen zu Neujahr ergehenden Grüße des Reichspräsidenten, des Reichswehrministers und der Träger der Befehlsgewalten wurden im Heeres- Verordnungsblatt bekanntgegeben und gliedern sich wie folgt:
Hindenburg an die Wehrmacht:
„Der deutschen Wehrmacht, Reichswehr und Neichsmarme, entbiete ich zum Jahreswechsel meine herzlichsten Glückwünsche. Tut weiterhin in Gehorsam und treuer Pflichterfüllung eure Schuldigkeit. Der Reichspräsident, gez. v. Hindenburg." Reichswehrmimftsr Grüner an die Reichswehr:
„Allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, Beamten, Angestellten und Arbeitern wünsche ich ein gutes neues Jahr. Schwere«Entscheidungen im ~ außen hin stehen bem deutschen Volke bevor.
Innern und nach über dem Streit
deS Tages, über Klassen und Ständen, über politischen Parteien und Bünden breiten wir allein dem Staat, der Deutschen Republik. Das Reich zu schützen und zu erhalten war und bleibt erste Aufgabe der Reichswehr. Diese Aufgabe fordert Zusammenstchen im Glauben und im Wollen.- Je wirrer die Zeiten, um so fester hie Wehr! gez. (! " '’•, R- 'J?wW- minister."
General Heye an das-Reichsheer:
„Allen Angehörigen des ReichsheereS in!«.u Tank für die Arbeit im vergangenen Jahre und ein herzliches Glü kauf für 1930. In Gehorsam und Vertrauen ruht die Kraft der Armee. Aus diesem Fundament wolsin wir im neuen Jahre weiterbauen. gez. Heye, General der Infanterie und Chef der Heeresleitung."
Admiral Räder an die ReichSrnkrine:
„Beim Jahreswechsel spreche ich allen An. . JR m der Reichsmarine meinen Dank 'für treue Mitarbeit und meine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Selbstlose Pflichterfüllung und treue Kameradschaft solle» auch im neuen Jahre unsere Leitsterne sein im Dienste für u unser Volk und Vaterland.. gez.. ;
c celHn?’ W -sfse, für
Ef s der Marineleitung."
Dr. Curtius, Robert L> T. ■ u . ü beim Rrutzsprü. öe-rie».
c. h.
,.rdi>G
Der Reichspräsident empfing am Silvestertage den Reichs- minister der Finanzen n. D. Tr H i l s erding in Abschiedsaudienz. Er nahm anschließend den Antrittsbesuch des nen- ernannten ReichswirischastsininisterS Robert Schmidt entgegen. Später emdfina der Neichspräsident den Sreichsminisier bc' ' T r E urti» s, nun ... -1
GeneraloHZZ'st Heye.
General H e y e, der Lbef der Heeresleitung, ist mit Wirkung vom 1. Januar 1930 zum Generalobersten befördert worden. —Beim Ausscheiden des Genera^—"- von Seeckt im Oktober 1926 wurde der Generalleutnant Heye zum Chef der He nannt und zum General der Jnsantexle
dam.