HersfelöerTageblatt
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wörtlich: Kran,Zank ln hersfel».»KernsprecherNr.» flllUllwCt Alt^^lO^r v€H RtCIS ß t^SfCW t Zunks vuchüruckeret in Hersfeld, Mitglied desvdZV. mit Den Beilagen: Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach AelerabeaS / SerS und GÄsllc / Auterbattuag und WiUeö ______________________Belehrung auS Enrrwell / Wirtschaftliche Tsaesftagea
Nr. 304 Montag, den 30. Dezember 1929 79. Jahrgang
WÄÄÜRÖH*
Erwachendes Asien.
Für die Zeiträume, mit denen man in der asiatischen Geschichte zu rechnen gewohnt ist, sind dreißig Jahre nur eine kurze Spanne. Und vor dreißig Jahren, beim Boxer- ausstand, lag das Chinesische Riesenreich hilf- und wehrlos zu den Füßen der europäischen Großmächte, der Union, Japans. Jeder fast riß sich einen mehr oder weniger großen Fetzen vom Leib der Beute. Und jetzt? Zwar muß die chinesische Nationalregierung in Nanking es immer noch dulden, daß England in Schanghai, in Hongkong, andererseits, Japan in Korea und in der Mandschurei sitzen —, aber sie hat doch jetzt mitgeieilt, daß sie einseitig die A u s n a h m e r e ch t e von Angehörigen jener Mächte auf chinesischem Boden mit dem 1. Januar aufhebt, die sich bisher noch nicht mit der Beseitigung dieser „Kapitulationen" einverstanden erklärt haben. Einige, z. B. Deutschland, haben dies nämlich bereits getan, weil Nanking es als eine unbedingte Voraussetzung für den Abschluß eines Handelsvertrages forderte, daß der Vertragspartner auf alle Sonderrechte dieser Art verzichtete. Ob die chinesische Regierung mit ihrer Erklärung z. B. gegenüber England und Japan aber auch durchdringt, ist eine reine Machtfrage —, wobei daran erinnert werden soll, daß der erste asiatische Staat, der diese „Kapitulationen" mit einem Federstrich beseitigte, die Türkei ge- wesen ist. Damals nämlich, als sie mit den griechischen Truppen jeden „Einfluß" einer europäischen Macht aus dem Lande hinausgefegt hatte und nun die Macht dazu besaß, auch die Fesseln der „Kapitulationen" mit dem siegreichen Schwert einfach zu durchhauen.
Mau wird in London und Tokio sich wohl kaum ruhig verhalten, wird protestieren, wird drohen, besonders, da die Schwierigkeiten der Nankingregierung bei den wirren Zuständen im Innern Chinas sehr groß sind. Und die von der Erklärung der chinesischen Regierung betroffenen Mächte haben Mittel und Wege genug, jene Schwierigkeiten hinten herum noch beträchtlich zu vergrößern —, aber ob sich diese Bewegung des „erwachenden Asiens" jetzt noch wird aufhalten lassen, nachdem sie schon so viele Siege errungen hat, erscheint doch recht zweifelhaft. Auch China ist längst nicht mehr der Koloß auf tönernen Füßen wie ^Nf8" " 1"‘"'“ ”'' "—. _______________ . _
Dafür aber wankt der Boden in I N 8 k kR7 'Auch diese „größte Perle in der Krone des englischen Königs" ist gefährdet. Nach langem Sträuben hat das Mutterland dieser Kolonie ziemlich weitgehende Selbstverwaltungsrechte einräumen müssen, als mit und nach dem Weltkrieg ein Erwachen durch Indien ging, die Freiheitsbewegung immer höhere, gefahrdrohende Wellen schlug. Schon gibt es ein indisches Parlament — nur hat es nicht viel zu sagen. Und seit Jahren ist eine Kommission, die sich aus Engländern und Judiern zusammensetzt, in langwieriger Arbeit damit beschäftigt, die Voraussetzungen für eine VersaDungsreform in freiheitlicherem Sinne zu prüfen. Da aber hat vor kurzem der indische Teil dieser „Simons"- Kommission, ohne die andern zu fragen, einen Bericht veröffentlicht, an den sich eine Reihe verfassungsreformerischer Forderungen schloß. Was verlangt wurde, ivar, auf eine kurze, knappe Formel gebracht: Indien erhält die Stellung, die Rechte eines englischen Dominions, soll nicht mehr Kolonie bleiben. Also: Selbstverwaltung, eigenes Heer, eigene Gesandten, zum Beispiel beim Völkerbund, und so weiter, geradeso wie Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrikanische Union, Irland. Diese Veröffentlichung erfolgte, kurz bevor der All- indische Kongreß unter der Leitung des bekannten nationalistischen Vorkämpfers der Inder, Ghandi, zusammengetreten ist. Er hat jene Forderungen aufgenom- men und er mag daran denken, daß die jetzige englische Arbeiterregierung unter Macdonald ja auch in Ä g y p t e n die dort einst usurpierten englischen Rechte sehr weit abgebaut hat. Darüber hinaus verlangte auf diesem Kongreß ein Antrag sogar die völlige Unabhängigkeit Indiens von England. Und so zugespitzt ist die Situation, daß die indischen Führer mit dem Vizekönig in Delhi nicht einmal mehr verhandeln wollen; auch hier stößt Macht auf Macht, denn die Jndier wollen als Kampfmittel eine nicht unwirksame Waffe, den passiven Widerstand und den Boykott gegen englische Waren, gebrauchen. Mit schwerer Sorge blickt man von London aus hinüber.
Es gärt in Asien. Der Selbständigkeitsgedanke ist in diesen Völkern nicht bloß erwacht, sondern zu starkem Leben gediehen; und er rüttelt an den Ketten, die ihm Europas Macht angelegt hat.
Mr die Aufhebung der CM^iioriaiitäisrechte in China.
Japan wird die Aufhebung niemals anerkennen.
Der Beschluß der chinesischen Zentralregierung, die Ex- territorialrechle der Ausländer in China gänzlich aufzuheben, hat in Tokio einen starken Eindruck hervorgerufen. Der japanische Außenminister Baron Schidehara wird einen ausführlichen Bericht über die Stellungnahme der japanischen Regierung zu dem Schritt der chinesischen Nationalregierung erstatten.
Der japanische Geschäftsträger in Peking, Ariti, hat erklärt, daß die japanische Regierung sich nie dazu bereiterklüre» werde, den Beschluß der Näntinger Regierung anzuerkennen. Die japanische Regierung werde nach mic vor den Grundsatz vertreten, daß die japanischen Staatsangehörigen alle Vorrechte, die sie vor der Aufhebung der Exterritorialität besessen hätten, weiter genössen.
JeWlmdr Vertreter im Haag
MeSchlußkonferenz zumAoong-plan
Reichsbankpräsident Dr. Schacht bleibt fern.
In einer Kabinettssitzung der Reichsregierung wurde die Liste der deutschen Abgeordneten für die am 3. Januar beginnende zweite Haager Konferenz, die den Abschluß- strich unter die Abmachungen der ersten und unter die endgültigen Vereinbarungen über den Avung-Plan ziehen soll, aufgestellt. Die deutsche Delegation besteht aus dein Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s , dem Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, dem Reichsfinanz- minister Dr. M o l d e n h a u e r und dem Reichswirt- schaftsminister Robert Schmidt. Diesen Hauptvertretern ist eine Anzahl von Sachverständigen beigeordnet, deren Führung der Sachverständige während der Pariser Verhandlungen, Melchior, übernimmt. Reichsbankpräsident Dr. Schacht gehört der Delegation selbst nicht an.
Auf feinen Vorschlag wird das Mitglied des Vorstandes der Reichsbank Geheimer Finanzrat Dr. Bocke die Delegation begleiten. Nur falls Fragen der Internationalen Reparationsbank besonderer Bearbeitung im Haag unterliegen sollten, soll Dr. Schacht sich ebenfalls nach dem Haag begeben. Des weiteren gehören der
deutschen Abordnung an: vorn Auswärtigen Amt Staatssekretär von Schubert und die Ministerialdirektoren Gaus und Ritter, vom Reichsfinanzministerium Staatssekretär Schäffer und Ministerialdirektor Dorn, vom Ministerium für die besetzten Gebiete Ministerialdirektor M i l l e r, von der Reichskanzlei Staatssekretär P ü n d e r und von der Presseabteilung der Reichsregierung Ministerialdirektor Z e ch l i n.
Das auffälligste an dieser VeröffenU ichung ist wohl der Umstand, daß Dr. Schach! selbst offiziell der deutschen Delegation nicht angehört. Es sollen bei dem Beschluß des Kabinetts die Meinungen in den Vordergrund getreten sein, bei Abwicklung des Gesamtproblems des Noung-
Planes handele es sich um eine rein p o lit i s ch e ^x..lj.r^;_^^. „^ ^i? -■- -.^^I
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Instanzen entschieden werden.
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gehöre uicht zu den Trägern der politischen Verantwortung. Wie in politischen Berliner Kreisen verlautet, habe Reichsbankpräsident Dr. Schacht die Teilnahme an den Haager Verhandlungen von der Festlegung auf seine bekannte Denkschrift abhängig gemacht und somit für die deutsche Delegation eine gebundene Marschlinie verlangt, die das Reichskabinett md?t zu akzeptieren gewillt gewesen sei. Bei dieser Konstellation habe Dr. Schacht sich andererseits nicht entschließen können, sich mit der Verantwortung für das Haager Ergebnis zu belasten.
Das Arbeitsprogramm
im Haag umfaßt insgesamt 13 Punkte, die vorher offen geblieben sind und jetzt abschließend behandelt werden sollen. In erster Linie stehen darunter die Zahlungstermine und ihre Verbindung mit der Zinsberechnung für die deutschen Zahlungen, ferner die Sachlieferungen,. die Frage der Ostreparationen, die Befugnisse der Re
Amerikas neuer Botschafter.
Schurmans Nachfolger.
Senator Frederic Moseley Sackett ist zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin bestimmt worden. Er ist seit 1925 republikanische Senator für Kentucky, von Beruf Rechtsanwalt und war früher u. a. Präsident des Board of Trade in Louisville sowie Direktor der Zweigstelle der Federal Reserve Bank in Louisville.
Frederic Mas: .y Sackett ist ein intimer Freund des Präsidenten Hoover, mit dem er während des Weltkrieges die Ernährungsorganisation durchführte. Er wurde im Jahre 1868 in Providence geboren. Nach Ablegung des juristischen Staatsexamens auf der Harvarduniversität be- tätigte er sich als Anwalt. Im Jahre 1897 wurde er Syndikus verschiedener Industrie- und Bankfirmen. Er gilt als hervorragender Finanzsachverständiger. Seit dem Jahre 1925 ist er Senator und einflußreiches Mitglied des Finanzausschusses.
Deutsch-amerikanisches Abkommen.
Die deulschenZahlungen.
Die Verhandlungen über das Sonderabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sind durch Ministerialrat Dr. Ritter und Herrn Wilson in Berlin erfolgreich abgeschlossen worden.
Nach dem am 28. Dezember vereinbarten deutschamerikanischen Abkommen zahlt Deutschland die nach dem Sachverständigenplan vom 7. Juni 1929 den Vereinigten Staaten von Amerika zustehenden Annuitäten nicht an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sondern unmittelbar an die amerikanische Regierung. Aus den deutschen Zahlungen werden zwei Arten amerikanischer Ansprüche befriedigt: diejenigen Ansprüche die durch die Deutsch - Amerikanische Gemischte Kommission festgesetzt werden, und die amerikanische Forderung für rückständige Besatzungskosten. Das Abkommen schließt
parationskommission. Da die Konferenz vermutlich längere Dauer in Anspruch nehmen wird als bis zum 13. Januar, an welchem Datum die Völke r b u n d r a t s- tagung in Genf beginnt, werden gegebenenfalls andere Persönlichkeitewsttut der Vertretung der Mächte in Genf betraut werden:
Reichswirtschaftsminister Schmidt.
Rheuummyer Wirth.
Reichsaußenminister Eurtius.
Schaffet Staatssekretär jm Reichsfinanzmimflerium.
Der Reichspräsident hat den Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, Schäffer, als Nachfolger des ausgeschiedenen Staatssekretärs P o p i H zum Staatssekretär im Reichsfinanzministerium ernannt.
Schäffer steht im 41. Lebensjahre und soll ohne Parteibinoung der politischen Linken angehören. Er war zunächst im Reichswirtschaftsministerium tätig, leitete von 1922 ab, besonders während des Ruhrkampfes, die Industrie-, seit Ende 1923 die volkswirtschaftliche Ab- teilm . In dieser hat er sich vor allem mit Geld-, Bank- und Börsenfragen, mit Kartell- und Versicherungs- probt neu beschäftigt und schließlich auf dem Gebiete der Kohle und der Elektrizitätsversorgung gearbeitet.
sich eng an die Form der zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Mächten bestehenden Schuldenab- kommen an. Die Priorität für die Dawes-Anleihe von 1924 bleibt gewahrt.
Da Deutschland nach dem Doung-Plan nicht Schuldnerland der einzelnen Mächte, sondern der Gesamtheit der Gläubigermächte ist, muß bei den bevorstehenden Verhandlungen im Haag berücksichtigt werden, daß die amerikanische Annuität ausscheidet. Die deutsche Regierung wird deshalb das Abkommen zur Kenntnis der übrigen Gläubigermächte bringen. Die formelle Unterzeichnung erfolgt erst, nachdem der Reichstag und der Amerikanische Kongreß ihre Zustimmung. erteilt haben. -Das Abkommen wird gleichzeitig mit den Abmachungen mit den anderen Gläubigermächten über den Noung-Plan in Kraft treten.
Das neue polnische Kabinett.
Unter Bartels Vorsitz.
Der Staatspräsident in Warschau hat die ihm von Professor Bartel vorgelegte Ministerlifte angenommen und die Ernennungsdekrete für die Mitglieder des neuen Kabinetts unterzeichnet.
Dem neuen Ministerium, an dessen Spitze Professor Bartel als Ministerpräsident tritt, gehören an: Innenminister Jozewski, Außenminister Zaleski, Kriegsminister Marschall Pilsudski, Kultusminister Czerwinski, Industrie- und Handelsminister Kwatkowski, Minister für Agrarreform Staniewicz, Minister sür öffentliche Arbeiten Matakiewicz, Arbeitsminister Prystor, Verkehrsminister Kühn, Post- und Telegraphenminister Boerner; außerdem gehören dem Kabinett drei Leiter an: für das Finanzministerium Matuszewski, das Justizministerium Dutkiewicz und das Landwirtschaftsministerium der bisherige Unterstaatssekretär Leöniewski.
Sikeston (Missouri). Ein von St. Louis nach MemP.is fahrender Autobus stieß bei dichtem Nebel mit einem Last- automobil zusammen. Neunzehn Personen wurden verletzt, davon zwei schwer.......