kersfelöerTageblaa
nnjeigrnprn» r du Mnipoingt pentgesig» pjtnmo» Alt Reklamezelle 50 Pfennig. (Srunöfchrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ♦ Zllr dle Schristleltung verant» wortlich: Kranz Zunk in Hersfelö. ♦ Kernsprecher Nr. 8
Kersfelöer Kreisblatt sReichs-Mark, ?usfiil'rßlich vestellgAch ffir^itsff^l
V ' j 1.20 Reichs mark bei j-rlec lldt-öier i
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeiö i Zunks Buchüruckerei in hersfelL, Mtgl^ö Am vdZL^ |
mit bea Beilage«: AliuSrlerleS Aalerhaltangsblatt / Nach Feieradeod / SerS «aS GHsllt / AaterdslEMg «aS Wisse«
Delehrvag and Kmrweil / WietschaktliO? TaseSfroge«
M. 303 lErftes Wt)Sonnabend, den 2S. Dezember 1929 79. Jahrgang
Atempause.
Zwangswirtschaft in Berlin. — Gutes Beispiel. - Schlußrechnung. — Zahlungsverpflichtungen. — Der Schmachtriemen. — Der Massenverbrauch.
Der Bürgermeister von Berlin war es — der Oberbürgermeister ist verstummt und wird vielleicht seine Sprache vor der Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr wiederfinden —, der kürzlich das Verlangen nach einer AtempausefürdieReichshauptstadt vortrug, auf daß sie nach all den aufreibenden, brustzuschnürenden Erlebnissen der letzten Wochen und Monate erst einmal wieder nach Luft ringen und neue Möglichkeiten eines ver- nnnftmäßigen, den recht unbequem gewordenen Verhältnissen der Gegenwart angepaßten Lebens gewinnen könne.
Nun ja, der Anfang dazu ist gemacht. Das Berliner Rathaus hat sich in die Zwangswirtschaft fügen müssen, die der Stadt im Aufsichtswege von der Staatsregierung zudiktiert worden ist, und bis auf weiteres.ist nun die ganze Verantwortung den sonst zu selbständiger Beschlußfassung berufenen Vertretern der Bürgerschaft abgenom- men und auf die Verwaltungsorgane übertragen worden, die sich auf die Gefahr disziplinarer und selbst sogar privatrechtlicher Haftbarmachung lediglich an die Weisungen des Oberpräsidenten zu halten haben. Ein nicht wünschenswerter Zilstand, hört man sagen, zumal die größte Stadt des Reiches getroffen worden ist. Aber mau wird dabei auch vorteilhafte Seiten entdecken können. Das Beispiel von Berlin kann für viele andere Städte im Lande eine erziehliche Wirkung ausüben, denn wir wissen ja nur zu gut, daß Atempausen auch anderwärts, in Dresden zum Beispiel, in Kassel und Düsseldorf, von vielen kleineren Gemeinden gar nicht zu reden, in der Stadtwirtschaft sehr dringend am Platze wären. Einmal müssen wir schließlich wieder lernen, uns nach der Decke zu strecken, da ja das Strecken der Decke nach unseren berechtigten oder gar nach unseren unberechtigten Wünschen seine Grenzen hat.
*
Anders steht es leider mit dem R e i ch in seinem Verhältnis zu den auswärtigen Gläubigern, die sich unmittel- uuuwi»^ <yu^e»WeaH^WttT>^^ ^mu; Hm.|uiinm«— wollen, um nun endlich die Schlußrechnung für den Weltkrieg zur Unterschrift vorzulegen. Hier soll es keine A t e m p a » f e mehr geben, da wir sie angeblich gemäß dem 'D a w e s - P l a n während der ersten vier Jahre seiner Gültigkeit bereits genossen haben. Unsere Verhandlungsgegner scheint es nicht sehr zu bekümmern, daß wir in dieser vermeintlichen Schonzeit nichts weniger als Kräfte zn erhöhten Zahlungsleistungen gewonnen haben, und wenn Frankreich jetzt selbst von sich sagen muß, daß es so ziemlich das reichste Land der Erde geworden ist, oder, daß es doch wenigstens so gesichert in seinem materiellen Wohlstand dasteht, daß es hoffnungsfroh in die Zukunft sehen kann, so soll es trotzdem dabei bleiben, daß Deutschland für weitere sechs Jahrzehnte auf große Zahlungsverpflichtungen festgelegt wird, gleichviel, ob es diese Lasten tragen kann oder nicht.
Im Reiche wird jetzt mit ernsthafter Schuldentilgung begonnen und damit also nach außen hin gezeigt, daß wir entschlossen sind, unseren Schmachtriemen noch enger zu ziehen, als es bisher schon der Fall war. Wenn dazu freilich wichtige Verbrauchssteuern erhöht werden müssen, statt, daß das Steuerseukuugsprogramm zur Durchführung gelangt, so muß sehr bald die Frage auftauchen, ob auf diesem Wege nicht breite Volksmassen in ihrem notwendigen Lebensunterhalt bis zur Unerträglichkeit geschädigt werden. Die Sozialdemokratie hat soeben mit ihrer Zustimmung zur Erhöhung wichtiger landwirtschaftlicher Zölle eine Selbstüberwindung gezeigt, die nicht gering veranschlagt werden darf. Um so schwieriger muß es sein, sie nun auch noch für die stärkere Belastilng des Massenver- brauchs zu gewinnen. Hätten wir mit vorurteilsloseren Gläubiger» zu rechnen, dann würden sie gewiß unschwer für eine angemessene Atempause zu haben sein. Aber die Gläubiger von Versailles?
Die Angst vor den deutschen „Häftlingen".
Der belgische Außenminister über die Rheinlandräumung.
Der Auswärtige Ausschuß der Belgischen Kammer nahm einen Bericht des Außenministers H y m a n s über die auswärtige Politik entgegen. Eine Aussprache entspann sich über die Räumung des Rheinlandes und die Bildung der sogenannten Feststellungs- und Versöhnungskommission. In Beantwortung der Anfragen verschiedener Ausschußmitglieder führte Hymans aus, daß dank dieser Kommission Belgien und seine übrigen einstigen Verbündeten in der Lage seien, die deutschen Rüstungen tatsächlich zu überwachen. Von einem liberalen Abgeordneten lag eine schriftliche Anfrage an den Kriegsminister vor. ob die Regierung Maßnahmen ergriffen habe, um Belgien durch geeignete Mittel der Verteidigung vor den Vorbereitungen zu schützen, die Deutschland in der Richtung eines neuen Angriffskrieges treffe. Der Minister antwortete, die Regierung sei über die von dem Fragesteller erwähnten Tatsachen aus dem laufenden und wende ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit zu. Die belgische Militärpolitik betrachte es als ihre vornehmste Aufgabe, alle Maßnahmen zu treffen, um Belgien vor einem deutschen Einfall zu schützen.
Vorläufig kein chinesischer Gesandter in Moskau.
Peking. Die chinesische Regierung hat beschlossen, ihre diplomatischen Beziehungen zu Moskau vorläufig nicht wieder aufzunehmen, und es abgelehnt, einen Gesandten zu entsenden, bis nicht die Rechtsfragen über die Verhältnisse der chinesischen Ostbahn endgültig geregelt worden sind. _
Gchurman tritt zurück
Wechsel in der amerikanischen Volschast Wer wird Nachfolger in Berlin?
Der amerikanische Botschafter in Berlin, Dr. Jakob Gould Schurman, hat am Freitag vom Präsidenten Hoover in Washington ein Telegramm erhalten, in dem dieser das von Schurman bei dem Präsidentenwechsel in
Schurman.
Amerika eingereichte Rücktrittsgesuch annimmt Botschafter Schurman wird Berlin im Laufe des Monats Januar 1930 verlassen, über die Frrae^ keines MaMninets fiiüt r ; • "'■J.'.- "r--'Tw^ mit Besümmthett sagen. Schurman steht im Alter von 75 Jahren.
Der bisheriae divlomatische Vertreter der Vereinigten
ReparationsftHuna des Aeichslabinetts.
Reichsbankpräsident Schacht zur Beratung zügezogen.
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner bis in die späten Abendstunden dauernden Sitzung am Freitag in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in eingehender Aussprache mit den auf der bevorstehenden Haager Konferenz zur Beratung stehenden Problemen. Die Erörterungen werden am Sonnabend gleichfalls unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten fortgesetzt.
Wie verlautet, handelt es sich in erster Linie um die Festlegung einheitlicher Richtlinien für die deutschen Haag- Delegierten. Der Zweck oer Sitzung war weiterhin, die Zusammensetzung der deutschen Delegation zu bestimmen. Außer dem Reichsaußenmiuister Curtius, der die Führung hat, sind Hauptdelegierte Reichsfinanzminister M o l d e n h a u e r und der Reichsminister für die besetzten Gebiete Wirth. Ferner wird entweder der Reichsinnenminister S e v e r i n g oder der Reichswirtschaftsminister Schmidt der Delegation angehören.
Reichsbankpräsident Schacht wird der Delegation voraussichtlich als Chef der Sachverständigen angehören. Außer Dr. Schacht werden Geheimrat K a st l und Bankier Melchior die Delegation als Sachverständige begleiten. Über die Nachfolge des Staatssekretärs Popitz ist noch keine amtliche Mitteilung erfolgt. Es ist bestimmt zu erwarten, daß der bisherige Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium S ch ä f f e r zum Staatssekretär im Reichsfinanzministerium ernannt wird. Seine Ernennung dürfte vor allem auf den Wunsch des neuen Reichsfinanzministers M o l d e n h a u e r zurückzuführen sein, der mit ihm während seiner kurzen Tätigkeit als Wirtschaftsminister bereits zusammenarbeitet hat.
Die Sammlung „Brüder in Noi" verlängert.
Bis zum 31. M ä r z 1930.
Die unter Führung des Deutschen Roten Kreuzes von der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege und anderen Organisationen zum Besten der aus Rußland ausgewanderten deutschen Bauern eingeleitete Sammlung „Brüder in Not" ist für das preußische Staatsgebiet bis zum 31. März 1930 verlängert worden.
Bombenanschlag in einer französischen Bank.
In einer Bankfiliale in Golfe-Jnan-Vallauris in Südfrankreich explodierte eine Bombe, die von Dieben am Geldschrank angebracht worden war. Das Gebäude wurde zerstört.
Zwei Pfarrer in Sowjetrußland erschossen.
Wie amtlich aus Moskau gemeldet wird, wurden in Leningrad zwei russische Pfarrer, Kttdrjacew und Winogra- dow, wegen sowjetfeindlicher Werbetätigkeit erschossen. Nach der amtlichen Mitteilung sollen die beiden Pfarrer eine Geheimorganisation unter dem Namen „Flamme" gebildet und die Dörfer im Leningrader Bezirk gegen die Sowjetregierung aufgehetzt haben.
MKSÄEÖ
Staaten in Berlin ist sicherlich der bekannteste fremdländische Botschafter in Deutschland gewesen. Nicht bloß in der Berliner „Gesellschaft", sondern er war eigentlich überall dabei, wo es etwas zu sehen und zu erleben gab. Oft genug z. B. saß er in der Diplomatenloge des Reichstags, aber wohl noch öfter war er Teilnehmer an Veranstaltungen, die eine Großtat deutschen' Könnens zeigten oder feiern sollten. Und seine gute Kenntnis der deutschen Sprache erleichterte ihm dies. Er hat so mit eigenen Hellen Augen fehen können, wie Deutschland sich wieder emporzuringen versuchte. Aber diese Versuche verfolgte der Professor-Diplomat mit mehr als nur politisch-wissenschaftlichen Blicken. E«, der frühere Heidelberger Student, hatte auch ein inneres Verhältnis, Beziehungen des Herzens zu Deutschland. Nicht bloß gelegentlich in seiner Heimat, sondern sehr, sehr oft auch in äußer- deutschen Zeitungen suchte er Verständnis für das Werden, aber auch für die schwere Gegenwart des neuen Deutschlands zu erwecken. Und er hat ja auch praktisch geholfen. Erst im vorigen Jahr hat er bekanntlich der Heidelberg e r U n i v e r s i t ä t eine durch eigene Sammeltätigkeit in Amerika aufgebrachte Summe von 280 000 Dollar für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt, ein Dank dafür, daß ihn diese älteste deutsche Universität zum Ehrendoktor ernannt hatte. Aber nicht nur hierfür, sondern wegen seines ganzen, über ein Wohlwollen weit hinausgehenden Verständnisses für Deutschland wird man ihm besonders herzlich danken dürfen.
Der LeSenslauf.
Jacob G. Schurman ist 1851 in Frectown geboren und entstammt einer aus Holland nach Amerika ausgewanderten Familie. An den Universitäten Paris, Edingburg, Heidelberg, Berlin, Göttin gen betrieb er juristische und philosophische Studien, wurde dann an verschiedenen ameri-,, konischen Colleges Lehrer für Philosophie und 1892 Präsident der CrnriipTi»yinbPTUtäf ein «m» «-- ”, V^, c ';N' « ^Meynen Skhretr er^aur-- auch. d-snomati-w-pottuichc Auslragex! war vor dem Kriege Gesandter in Athen, 1921 Gesandter An Peking, bis er 1925 als Nachfolger Honghwns nach Berlin ?am.
Waumrmgsdebaiisn in Paris.
Frankreich und der Young-Plan.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag beschäftigte sich die Französische Kammer mit einer Diskussion über die Außenpolitik, die im wesentlichen den Noung-Plan und im Zusammenhang damit die deutsch-sranzosische Verständigungspolitik umfaßte. Das Resultat waren heftige Angriffe auf die Haltung Briands, der entschieden erwiderte, daß kaum etwas herauskäme, was die vorgezcich nete Haltung Frankreichs bei der bevorstehenden Konferenz im Haag über den Uoung-Plan gefährden könnte.
Von der Rechten und den Nationalisten wurden sowohl der Uoung-Plan wie die gesamte Ansgleichspolitik heftig bekämpft, nachdem H e r r i o t für die Idee eines vereinigten Europas gesprochen hatte.
Briand spricht.
Der.Ministerpräsident sagte u. a., der Vorwurf der Verzichtpolitik, den man gegen ihn erhebe, sei unberechtigt. Man könne Deutschland, ein 60-Millioneu-Volk, auf die Dauer nicht durch Zwangsmaßnahmen beherrschen. Besonders ungerecht empfinde er den Vorwurf, daß er die Interessen Polens mißachte. Als er sich der oberschlesischen Frage annahm, habe es keinen Polen gegeben, der ihm nicht Dank dafür gewußt hätte. Der Locarnopakt habe auch den Vorteil gehabt, daß er den endgültigen Verzicht Deutschlands auf Elsatz-Lothringen besiegelte. Manche Leute, rief Briand aus, seien eher geneigt, den verführerischen Klängen der Kriegstrommeln und der Trompeten zu lauschen als den Worten des Friedens. Die Politik des Friedens fei zerbrechlich; man habe sie auch in der letzten Zeit wieder durch heftige Attacken zu erschüttern versucht.
„Ich aber, ich werde dableiben und diese Politik fort- setzen, so lange ich es kann, bis zu meinem letzten Atem- zuge; und wenn Flüche bis zum Ende meinen Weg begleiten, denn so sordert es mein Glaube."
Man könne auf die Sicherheit Frankreichs bedacht -sein, ohne deshalb den Pfad pazifistischer Politik zu verlassen. Man werfe der Regierung vor, datz sie das Rheinland räume. Aber der Artikel 431 des Friedensvertrages erkläre nachdrücklich, daß der Termin der Räumung beschleunigt werden könne, wenn Deutschland den Beweis seines guten Willen gegeben habe Daraus folge, daß die Räumung beschleunigt werden kann, wenn Deutschland einem Teil der ihm auferlegten Verpflichtungen Nachkomme. So lange er den Posten des Außenministers bekleide, werde er nicht zulassen, daß Frankreich sein Versprechen breche. ___
Fiugzeugkaiasirophe im Wiielmesr.
Italienisches Flugzeug mit acht Mann Besatzung verloren?
Nach Meldungen, die iu Paris vorliegen/ hat ein italienisches Handelsflugzeug, das mit acht Fluggästen an Bord in Stambul aufgestiegen ist, über dem Ägäischen Meer drahtlos dringend Hilfe angeforbert Man befürchtet auf Grund der zahlreichen S.-O.-S.-Rufe, daß das Flugzeug mitsamt seiner Besatzung verloren ist.