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Der Reichstag wieder beschlußunfähig.

(107. Sitzung.) OB. Berlin, 3. Dezember.

Die Geltungsdauer des Steuermilderungsge- s /tz es zur Erleichterung von Betriebszusammen- schlössen wird in dritter Lesung endgültig verlängert. Nunmehr sollen die

Abstimmungen zum Auslieferungsgesetz

erfolgen, bei denen sich am Montag die Beschlußunfähigkeit des Hauses ergab. Bei der Beratung verschiedener Anträge und den darauffolgenden Abstimmungen stellte es sich heraus, daß das Haus beschlußunfähig war. Es fehlte, wie unter großer Heiterkeit des Hauses festgestellt wurde, eine Stimme. Die Sitzung wurde darauf unterbrochen.

Nach der Wiederaufnahme der Sitzung steht die erste Beratung der

Novelle zum Lichtspielgesetz

zur Behandlung. Die Bestimmungen über die Zulassung von Filmen sollen neugefatzt werden, wobei besonders der Be­griff des S ch u n d f i l m s genauer spezialisiert werden soll. Im Inlands verbotene Filme sollen zukünftig im Auslande unangefochten verbreitet werden können, falls eine Gefährdung des deutschen Ansehens nicht zu befürchten ist.

Nach kurzer Aussprache, in der die Redner den Stand­punkt ihrer Parteien zu der Bedeutung des Films und der Filmindustrie darlegen, wird die Vorlage an den Bil­dungsausschuß überwiesen.

Das Haus genehmigte dann ohne Aussprache die Haus­haltsüberschreitungen und die außerplanmäßigen Ausgaben der Jahre 1918 bis 1924. Der Finanzminister wird ersucht, bei den Haushaltsplänen zukünftig darauf zu achten, daß den Feststellungen des Haushaltsausschusses mehr Rechnung getragen wird.

Der Reichstag vertagte sich darauf, da die Anwesenheit des Retchsfinanzministers notwendig ist, um zu kommu­nistischen Vorwürfen über Vorgänge bei der Ablösung der Markanleihe Stellung zu nehmen. Am Mittwoch erfolgt die erste Beratung des Republikschutzgesetzes.

A« Anschuldigungen gegen 3$.

60 Meter Anzugstoff zn einer Mark.

Im Sklarek-Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages bekundete der frühere Direktor der Ber­liner K. V. G. (Kleiderverwertungsgesellschasu Novarra u. a.:Ich war fünf Jahre bei der K. V G. und könnte be­weisen, daß ich in gewissem Sinne heute noch städtischer Beamter bin. Im Rathaus las ich einmal den Wahrspruch: Wer kriegt, der siegt!" Wenn ichKrieg" gegen korrum­pierende Vorgesetzte führte, habe ich fast immer gewonnen. Es war aber schwer, wenn es sich um Wünsche des Ober- bürgermeisters, damaligen Stadtkämmerers Boß, handelte. Herr Bötz verlangte von mir einmal 60 Meter Stoff, der sonst fünf Mark das Meter kostete, für eine Mark das Meter mit der Bemerkung, datz für ihn bei seinem kleinen Gehalt der Normalpreis zu hoch sei. Bötz sagte:Schaffen Sie mir 60 Meter ä eine Mark," und ich schaffte sie ihm. Ich habe dann deswegen eine Strafanzeige bekommen, mußte aber freigesprochen werden, weil nichts Strafbares vorlag. Ich hatte einfach mit dem Fabrikanten eine Lieferung von 1000 Meter Stoff ä fünf Mark unter der Bedingung vereinbart, daß ich 60 Meter ä eine Mark mitbekäme."

Novarras Verdienste.

Novarra erklärte dann, daß er bei der K. V. G. für die Stadt Berlin so gut verdient habe, daß er eine Erhöhung der Miete in den städtischen Häusern, in denen die K V. G. ihren Sitz hatte, beantragen konnte. Im Jahre 1920 habe er den Angestellten sogar Unterstützungen bis zu 100 Prozent des Gehalts geben-können. Seine 2600 Arbeiter hatten ihn ..^^«^^ .^U-Jfl^ni^j^^W»^ R< w >|IH« , verlas hieraus eine Anzahl von Dankschreiben des Oberbürger- ; meisters für Übersendung von Tätigkeitsberichten der K. V. G. unter der Leitung Novarras. In diesen Schreiben wird Novarra volle Anerkennung für seine Leistungen ausgesprochen. Ferner stellte der Berichterstatter fest, daß Novarra aus bem Prozeß mit Freispruch hervorgegangen sei. Auf Befragen be­tonte der Zeuge Novarra dann noch, daß jeder die Firma Sklarek "gekannt und gewußt habe, daß es sich um Schieber handele. Die Geschäftsbeziehnnge» zu dieser Firma habe er während seiner Tätigkeit in der 6 V G daher abgelehnt. _____________

BeMM eines Preisrückganges?

Handel und Gewerbe im November.

Die Zusammenbrüche in der Wirtschaft, besonders im Bankwesen, haben im November noch zugenommen. Dennoch hat sich die Lage der Wirtschaft im allgemeinen nicht wesentlich verschlechtert. Der Kohlen- markt besserte sich sogar noch gegenüber dem Vormonat. Auch auf dem Eisenmarkt war zu Anfang des Monats der Auftragseingang lebhaft. Die Lage der chemischen In­dustrie blieb im allgemeinen befriedigend, die der Textil­industrie besserte sich teilweise. Auch die übrigen für den K'o n s u m der Bevölkerung arbeitenden Industrien zeigten Ansätze zur Belebung. Die Kapitalknappheit blieb nach wie vor groß; doch scheint sich eine Entlastung der Kredit­märkte anzubahnen. Die Rohstoffpreise sind im Durch­schnitt 2,3 Prozent n i e d r i g e r als vor einem Jahr. Der Großhandelsindex ist weiter gesunken.

Ritterliche Gegner.

General von Lettow-Vorbeck in London.

Das angekündigte Essen der früheren britischen Ostafrika- kämpfer fand in London statt. Der Oberbefehlshaber der briti­schen Streitkrüfte in dem vierjährigen Feldzug, General S m u t s, führte den Vorsitz, während sein ehemaliger Gegner, der deutsche General von Lettow-Vorbeck, als Ehrengast mit seiner Gattin anwesend war. Die beiden früheren gegnerischen Befehlshaber erschienen zusammen im Festsaal. In diesem Augenblick erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen und brachten stürmische Hochrufe aus.

Trinkspruch auf Hindenburg.

Nach dem Trinkspruch auf den englischen König wurde auf das Wohl des Deutschen Reichspräsidenten getrunken. Hierauf ehrten die Anwesenden schweigend das Andenken der im Kampfe Gefallenen.

General Smuts sagte in seiner Ansprache zu Ehren Lettow-Vorbecks: Bisweilen habe ich das Empfinden, daß der Frieden noch nicht geschlossen ist, sondern daß es sich nur um einen verlängerten Waffenstillstand handelt. Ich hoffe, daß diese Versammlung dazu beitragen wird, den wahren Frieden herbeizuführen. General von Lettow-Vorbeck war ein Gegner, der sich niemals geschlagen gab. Im größten Teil des Feldzuges hatte er es mit überlegenen Streitkräften zu tun, aber er hat standgehalten und bis zum bitteren Ende gekämpft. Für uns ist der Kampf tatsächlich vorüber, wenn er beendet ist.

General von Lettow-Vorbeck

dankte in seiner Erwiderung für den herzlichen Empfang und führte weiter aus: General Smuts hat bereits erklärt, daß zwischen beiden Parteien in Ostafrika Ritterlichkeit und Achtung geherrscht hat. Ich glaube, daß diese Tatsache ein Wahrzeichen des ostafrikanischen Feldzuges bildet. Persön­lichen Haß gab es dort sehr selten. General Smuts war nicht nur ein tapferer Soldat und ein kluger Heerführer, sondern er hatte auch viel Menschlichkeit und empfand Achtung auch vor dem Menschenleben auf der anderen Seite Er hat während des Feldzuges auch eine sehr angemessene Achtung vor dem feindlichen Privateigentum gezeigt. Ich sehe in Ihrer Einladung nicht nur eine Höflichkeit gegen den deutschen General, sondern das Zeichen der Achtung für die brave» Offiziere und Mannschaften, die auf deutscher Seite in einer sehr schwierigen Lage waren. Ich trinke auf das Wohl des Generalleutnants Smuts und meiner tapferen Gegner.

*

Nachwort der Presse.

Die liberaleDaily News" sagt in einem Mstartikel zu bitterung, die der große, furchtbare Krieg tm Gefolge hatte, tatsächlich schwindet und daß die Menschen eine Gemeinschaft ihrer Interessen erkennen, die einen künftigen Konflikt ver­hindern sollte. Die konservativeMorningpost" drückt ihre Befriedigung darüber aus, daß bei der Veranstaltung jeder sentimentale Pazifismus" ausgeschaltet war. Das Blatt sagt: Englands Bewunderung ist um so größer, wenn Mut und Pflichttreue des Soldaten sich mit der Bescheidenheit und der würdigen Zurückhaltung des wirklichen Gentlemans ver­binden, wie sie dem vormaligeii Befehlshaber der deutschen Streitkräfte in Ostafrika eigen sind.

politische Rundschau

Deutsches Reich

Das Rheinland an den Reichspräsidenten.

Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat auf das Be­grüßungstelegramm des Reichspräsidenten folgende Ant­wort gesandt:Mit tiefer Ehrerbietung und Dankbarkeit hat die Bevölkerung das gütige Begrüßungstelegramm des Herrn Reichspräsidenten entgegengenommen. Leider mischt sich in die hohe Freude über die endlich errungene Freiheit das tiefe Mitgefühl mit unseren Brüdern, die, wenige Kilometer entfernt, noch unter dem Druck der Be­setzung schmachten. Möge auch ihnen bald die Freiheits- stunde schlagen und uns Rheinländern dann Gelegenheit gegeben werden, unseren Treuschwur fürs Vaterland in die Hand unseres hochverehrten Reichspräsidenten abzu- legen."

Reichsgericht über Fürstenrenten.

Vor dem Reichsgericht in Leipzig standen drei Klagen zur endgültigen Entscheidung, nämlich eine des Fürsten zu Salm-Horstmar, eine des Fürsten Salm-Salm und eine des Fürsten von Arenberg gegen den Preußischen Staat, die sich alle um die Auswertung standesherrlicher An­sprüche aus der Vorkriegszeit drehen. Der 7. Zivilsenat des Reichsgerichts ist nicht in die Verhandlung eingetre­ten, weil er der Ansicht ist, daß auf alle diese Klagen das Sperrgesetz vom 6. Juli 1929 Anwendung zu finden habe. Dieses Sperrgesetz sei nicht verfassungswidrig. Es be­schränke gewisse Rechtsansprüche nicht für dauernd, son­dern nur auf Zeit, und es beschränke diese Ansprüche generell und nicht individuell. Soweit verstoße das Sperr­gesetz nicht gegen die Verfassung.

Die Entschädigung für das hessische Fürstenhaus.

Durch Schiedsspruch hat das Reichsgericht jetzt die Jahresrente von 708 000 Friedensmark, die Preußen im Anschluß an 1866 dem früheren hessischen Fürstenhause für den Verzicht auf Thron und Throngut zugesagt hatte, aus 85 Prozent ihres Betrages, d. h. auf rund 602 000 Reichs­mark jährlich aufgewertet. Zu diesem Betrag tritt noch ein Tilgungszuschlag von 2,1 Prozent für 253 000 Reichs­mark jährlich. Infolgedessen werden mit Rückwirkung vom 1. Januar 1924 an jährlich rund 855 000 Reichsmark, für die Vergangenheit besonders 3 500 000 Reichsmark zu zahlen sein.

Der Nachfolger des verstorbenen Arinecmufikinfpizicnten, Professors Hackenberger, ist Obermusikmeister Schmidt vom 10. Jusamerieregiment (Dresden), der vorläufig mit der Wahi'-ehniung der Geschäfte betraut voraussichtlich end- güO; i zum Armeemusikinspiziente» ernannt werden dürste.

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Urlieber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau Sa.

(5. Fortsetzung.)

Schon in der nächstenMinute teilten sich dieRhododendron- büfche. Günther kam hastig über die Stufen herauf­gesprungen und sah auskunstheischend von einem der Herren nach dem anderen. Als keiner derselben ein Wort fand, stieß er die Frage heraus:Was sagen Sie, Doktor? Hans Peter ist nur noch schwach! So ein Fieber, das jeden von uns schon einmal geschüttelt hat, muh man nur überwinden wollen. Dann geht es. Oder sind Sie anderer Ansicht?" Beinahe zornig hafteten seine Augen an dem Engländer, der seine Bestürzung so offen zur Schau trug.

Ich natürlich ich bin ganz Ihrer Meinung, Herr Baron. Es hat es ist selbstverständlich wird es noch Tage dauern"

Hans Peters Lächeln verwirrte ihn derart, daß er nicht weiter zu reden vermochte und eilig nach seinem Hut griff. Gestatten Sie, daß ich mich jetzt empfehle. Falls Sie mich brauchen sollten die Stunde ist belanglos schicken Sie nach mir. Meine Nmytglocke trägt ein Lichtschild. Auf Wiedersehen, Baron!"

Er neigte sich leicht über den Kranken und vermied es dabei ihm in die Augen zu blicken. Dessen Lächeln verfolgte ihn noch, als er mit Günther schon eine Weile außer Sicht­weite der Veranda war. Daß Menschen, die ihrer Auf­lösung entgegengingen, so klar zu sehen vermochten! So unheimlich klar, wie zum Beispiel dieser deutsche Baron.

Günther hielt im Schreiten inne:Wie finden Sie meinen Vetter?^'

Unrettbar verloren!"

Anstetten verblaßte völlig.Wie sagten Sie, Doktor?"

Verloren! Keiner weiß es so sicher, wie er selbst."

Er weiß es?"

Ja und kommt dem Tode mit Würde entgegen. Machen Sie ihm das Scheiden nicht unnötig schwer, Baron."

Günthers aschfahles Gesicht war jetzt dem des Kranken so ähnlich, daß der Arzt kopfschüttelnd nach der Veranda zurück- sah, ob nicht plötzlich ein Personenwechsel stattgefunden habe.

Es muß doch eine Rettung geben," stieß Günther hervor. Solch ein Fieber"

Wenn es das Fieber allein wäre dann vielleicht," unterbrach ihn Alsworth,aber die größte Gefahr liegt in

seinem schwachen Herz. Das hat er mit achtzig Prozent Wahrscheinlichkeit schon von Europa mitgebracht." Und als Günther nichts darauf zu erwidern wußte, schaltete er tastend ein:Seine Familienverhältnisse scheinen ein gut Teil bei­getragen zu haben,"

Hat Ihnen mein Vetter erzählt?" Der Doktor las die grenzenlose Verwunderung in den Augen des Freiherrn.

Der Baron ist wohl sonst nicht mitteilsam?"

Eher das Gegenteil."

Dann ist es mir eine doppelte Ehre, sein Vertrauen zu besitzen. Empfehlen Sie mich nochmals und wenn Sie mich brauchen sollten Sie wissen ja zu jeder Stunde." Er schüttelte Günther die Hand und drückte die Gartentüre hinter sich zu.

Seine Schritte verhallten auf dem schmalen Weg, der zu den Bungalows nach der Höhe führte.

Günther rührte keinen Fuß von der Stelle. Vom Hause herüber rief der Gong zur Mittagstafel. Er hielt beide Fäuste gegen die Ohren, um ihn nicht mehr zu hören. Jetzt essen müssen! Essen! Und mit Hans Peter gleichgültige Dinge reden! Das ging über alles, was er je zu tun gezwungen gewesen war.

Er sah sich um, lief nach den Sträuchern, welche den unter­sten Teil des Gartens begrenzten und ließ sich dort auf eine Bank fallen. Die weißen Dolden einer Akazie hingen in schweren Trauben über ihm und der kleine Vogel. der sein Nest in der geschützten Gabel eines Astes versteckt hielt, hörte das lautlos heisere Schluchzen des Mannes, dessen Seele bis an den Rand mit Schmerz erfüllt war.

Sahibl" Akab stand vor ihm, ein Glas Wasser in den Händen.Trink, und kühle deine Augen, ehe du zu ihm gehst. Er war schon gezeichnet, als du ihn aus der Heimat herüberbrachtest."

Anstetten hob den Kopf, den er auf die Ballen der Hände gestützt hatte und ließ, die Knie aufgestemmt, den Rücken zurücksinken.Weißt du denn nichts, das ihm das Leben verlängert? Um Monate! Um Wochen! Um Tage nur!

Um Tage?" Akabs Lippen trugen ein mitleidiges Lächeln, das sofort wieder vom Ernst der Züge aufgesogen wurde.Du solltest froh sein, wenn es vorüber ist."

Er senkte den Blick vor dem zornigen Ausdruck, der ihm aus Anftettens Augen entgegenschoß und wandte sich zum Gehen.

Akab!"

Der Hindu verhielt den Schritt und wandte sich dem Frei­herrn wieder zu.Du läßt dich täuschen, Sahib! Nach außen ist alles Ruhe an ihm, aber könntest du sehen, wie fürchterlich der Kampf ist, den er im Inneren auszuringen

MMaMm^3aMKgMSB«MimiM8OIM«Wm hat dann würdest du Buddha bestürmen, daß er ihm schon in der nächsten Stunde Erlösung schickt."

Baron Günther verspürte ein Rieseln, als ob ein Molch sich von seinem Halswirbel nach den Lenden Hinunterschöbe. Akabs Urteil stimmte mit dem Alsworths überein.

Er mußte sich erst in seinem Zimmer die Augen kühlen, ehe er nach der Veranda hinunterging, wo Stephan den Tisch gedeckt hatte. Er sah den Hindu vor dem Vetter stehen, einen Zweig in der Hand, von dem Hans Peter Früchte pflückte.

Was ist das?" Mit einem Schritt war er peben den beiden. Sein Blick umfaßte den Inder mit einer unaus­gesprochenen Drohung.

.Es schmeckt vorzüglich." Hans Peter reichte ihm die Beere hinauf und schob sie ihm zwischen die Zähne.Ich finde sie sehr erfrischend."

Der Kranke konnte nicht verstehen, was Akab setzt mit dem Vetter sprach. Das Indisch war ihm noch immer nicht geläufig Er sah nur, wie dieser dem Hindu über den Aermel strich und dessen schlanke Gestalt mit einem Blick des Dankes umfaßte.

Die Mahlzeit verlief ungemein anregend. Hans Peters schwaches Herz konzentrierte noch einmal seine letzten Kräfte. Er fühlte sich frei und leicht, wie seit Wochen nicht mehr. Auch das Reden strengte kaum mehr an Nur die Augen fieberten und zeitweilig glühten die Wangen auf.

Das war das einzige Mahnen, daß eine zerstörende Hand in seinem Körper wütete.

* *

*

Kurz nach neun Uhr begab man sich zur Ruhe. Günthers Schlafzimmer war für Hans Peter in Bereitschaft gesetzt worden. Das Bett stand an das breite Doppelfenster gerückt, daß die silberüberronnenen Berge unwirklich nah ihre Häupter herüberneigten.

Vom Garten herauf schickte eine Plumiera paradiesische Düfte. Die Wedel einer Dattelpalme streiften das Fenster und wiegten sich im schwachen Hauch des Windes, der vom Gebirge kam.

Hörst du, Hans Peter?" Unten auf dem Rasen zirpte eine Grille. Unermüdlich! Einschläfernd! Sehnsuchtweckend! Günther bog sich über das Sims und lauschte. lehnte den Kopf gegen die Scheiben und drückte die Kiefer auseinander. Ohne nach dem Vetter hinzusehen, fühlte er doch dessen Blick auf sich ruhen.

Hast du Briefe und Tagebuch herausgesucht, Günther?" Hans Peters Stimme klang so fest und von solcher Kraft durchschwängert, daß den Gefragten tausend Hoffnungen bestürmten.