Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTageblatt tzersfel-er Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

mit Seu Bellageu: Illustriertes Auterhaüuagsblatt / Nach FeierabeuS / Serv uuS Scholle / Auterbattuua und Wisse« Belehrung rrod Kurzweil / Wirtschaftliche ToseSfrage».

^n^gtnprtf«: dk einspaltig» Petitzelle 15 Pfennig, die Reklamyelle 50 Pfennig. (Srunöfchrist Korpus). Bei Wled«yolungen wird ein entsprechend« Preis­nachlaß gewährt. Zür Sir Schristleitung verant­wortlich : Kranz §unk in Hersfeld. Krrnsprech« Nr. 8

Monatlicher Bezugspreis: Durch öle Post trogen 1.50 { Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für tj«sfelö , 1.20 Reiche-Mark bet freter Zujce^u»;,, Mr ftbhvl« |

Nr. 284 Mittwoch, den 4. Dezember 1929 79. Jahrgang

Vermittlung der Großmächte

Deutschland und der Sstkonflikt.

Bemühungen der Kellogg-Mächte um den Frieden.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nord­amerika hat, unterstützt von Frankreich und England, an die Regierungen vonMoskau und Nanking ein gleichlauten­des Memorandum gerichtet, in dem Amerika daraus Hin- weist, daß im Juli dieses Jahres Rußland und China formest versichert hätten, den Kellogg-Pakt zu respektieren, daß der Kellogg-Pakt inzwischen in Kraft getreten sei und daß die amerikanische Regierung, die die Ereignisse der letzten Monate mit starker Besorgnis verfolgt habe, die dringende Erwartung hege, daß die beiden Regierungen sich nunmehr bald über eine Methode einigen, durch die der gegenwärtige Konflikt auf friedlichem Wege geregelt werden kann. Die amerikanische Re­gierung sei der Ansicht, daß die Achtung, der sich China und Rußland künftig in der Meinung der Welt erfreuen können, in großem Maße von der Art und Weise abhänge, in der sie das in Artikel 2 des Kellogg-Pakts feierlichst übernommene Versprechen erfüllen, ihre Streitigkeiten nur mit friedlichen Mitteln zu erledigen.

Wie weiter bekannt wird, hat die deutsche Re­gierung ihrer Sympathie mit den amerikanischen Be- mühungen um Erhaltung des Friedens Ausdruck gegeben und darauf hingewiesen, daß sie als Schutzmacht beider Staaten bereits mehrfach in gleichem Geiste gewirkt habe. Sie sei entschlossen, auch weiterhin alles zu tun, wodurch sie ihrerseits noch dazu beitragen könne, die Beachtung des Kellogg-Paktes durch die streitenden Parteien sicherzu­stellen. Mit Rücksicht auf die besondere Stellung, die sich für Deutschland als Schutzmacht ergibt, hat sich die deutsche Regierung eine Entschließung über Zeitpunkt und Form ihrer eigenen weiteren Schritte in der An­gelegenheit Vorbehalten, zumal da ihr Nachrichten über unmittelbare russisch-chinesische Verhandlungen vorliegen. Ä$ m«^ M Mit d UBWrttowiwM» <Äw*^ü»» tu bw ©**. Wartung einig, daß die streitenden Mächte entsprechend den Verpflichtungen, die sie als Signatare des Kellogg- Paktes übernommen haben, von kriegerischen Maßnahmen zur Erreichung ihrer Ziele Abstand nehmen, und hofft, daß }ie direkten Verhandlungen, die zur Beilegung des Kon­fliktes eingeleitet sind, in kurzer Zeit zu vollem Erfolg führen werden.

Diplsmaiischer Druck."

Nun sind in einem Augenblick, da sich zwei chinesische Parlamentäre im Auftrag der mandschurischen Regierung an die russisch-chinesische Grenze begaben, um dort dre Verhandlungen mit dem Vertreter der Sowjetrepublik zwecks Beilegung des Konflikts um die , Ostbahn ernzu- leiten, auch mehrere Großmächte mit diploma­tischen Noten auf dem Plan erschienen. Man kam also mit der Dampfspritze an, um das Feuer zu loschen, als dieses durch die Bemühungen der Beteiligten allem schon erstickt worden, der Waffenstillstand jedenfalls offi­ziell fchon so gut wie abgeschlossen war. Der Krreg zwischen China und Rußland oben m der mandschurischen Westecke war doch nicht erst seit gestern und vorgeswrn rm Montiert Gana. bis lebt Rußland durch unbedenkliche Ver-

Koovers Berstandigungs- n. Ausbaupolltil

, Programmatische Jahresbotschaft an den Kongreß.

In seiner ersten I a h r e s b o t s ch a s t an den Kon­greß in Washington stellt der amerikanische Präsident ß o ov e r fest, daß Amerika mit der ganzen Welt nicht nur in Frieden lebe, sondern, daß durch den Kellogg-Pakt eine neue Perspektive eröffnet wurde, die die auswärtige Politik aller Nationen entscheidend beeinflusse. Der Präsident kündigt den Beitritt Amerikas zum internationalen Ge­rich t s h o f an. Er betonte dabei, dieser Beitritt bedeute auch nicht im geringsten einen Schritt in Richtung auf den Eintritt in den Völkerbund. Die hohen Ausgaben für die Landesverteidigung bezeichnet Hoover als außerordentlich beklagenswert.

Er hofft auf einen vollen Erfolg der Londoner Seekonferenz da andernfalls Amerika während der nächsten sechs Jahre für Neubauten allein über 1200 Millionen Dollar neben erhöhten Erhaltungskosten ausgeben müßte. Über die

Freigabe des deutschen Eigentums sagt Hoover: Der Weise Entschluß, daß das während des Krieges beschlagnahmte Eigentum an die Eigentümer zurück- gegeben werden soll, wird mit ziemlicher Beschleunigung durchgeführt. Von den beschlagnahmten Werten im Gesamt­betrag von 625 Millionen Dollar ist alles bis aus 111,5 Mil­lionen zurückgegeben worden. Der größte Teil dieses Restbe­trages dürfte während des nächsten Jahres erstattet wichen, über die allgemeine

Wirtschaftslage Amerikas erklärt der Präsident, daß die Börsenderoute einen Rückgang im Verbrauch von Luxusartikeln zur Folge hatte, und eine gewisse Zahl von Arbeitnehmern stellungslos ge­macht habe. Er habe infolgedessen eine freiwillige Zusammen­arbeit von Bundesregierung, Länderregierungen und Ge­meinden mit Handel, Wirtschaft und Arbeitnehmern organi­siert. Bezüglich der Einwanderung betont Hoover, daß er nach wie vor gegen das gegenwärtige Quote nsh st em sei. Er schließt seine Botschaft mit dem erneuten Bekenntnis zur Förderung des Weltfriedens.

Wendung schärfster militärischer Mittel die Plattform zu einerBeilegung" des Konflikts schuf, eine Plattform übrigens, die unverkennbar auf dem Verhältnis eines Siegers zum Besiegten errichtet ist.

So kommen geschieht es vielleicht absichtlich? Amerika, England und Frankreich mit ihren diplomatischen Noten in Moskau und Nanking ein bißchen spät. Ebenso die Mitteilung, die der um das Ergehen des Kellogg- Paktes ziemlich besorgte amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen den anderen Signataren dieses Paktes zukommen ließ. Natürlich ist dieser Schritt zwischen London, Paris und Washington verabredet worden, er­folgte aber doch einzeln durch jede der drei Mächte. Wobei an'der Seltsamkeit nicht vorübergegangen werden kann, daß Japan, obwohl vor allem in Ostasien interessierter Staat, sich nicht dazu entschlossen hat, dieseDemarche der anderen mitzumachen. Und Deutschland, obwohl es die Interessen der beidenkriegführenden" Länder wechsel­seitig wahrnimmt, muß sich damit begnügen, der amerika­nischen Mahnung an China und Rußland um Beachtung des Kellogg-Paktesdie Sympathie der Neichsregierung zum Ausdruck zu bringen". Und eine offiziöse Berlmer Verlautbarung geht nicht daran vorbei, daßNachrichten über unmittelbare russisch-chinesische Verhandlungen vor­liegen". Na, also!

Man reibt der chinesischen und der Sowjetregierung gleichzeitig recht deutlich unter die Nase, daß sie sich doch zur Beachtung des Kellogg-Paktes, vor allem also des Artikels 2, verpflichtet hätten, der die Austragung zwischenstaatlicher Streitigkeiten durch Krieg verbietet Daran solle man also in Nanking und Moskau gefälligst denken, denn schließlich seien solche Verträge deswegen ab­geschlossen worden, damit sie auch gehalten werden. Die chinesische Regierung mag darauf antworten, daß sie das brennend gern tun würde, sich jetzt nur in einem Ver­teidigungskrieg befinde, aber Rußland . . . Und der Verteidi-ceü.askrieg ist ja auch vom Kellogg-Pakt nicht ver­boten! Aus Moskau Durste, man uyuwu .-^Vi^»' Ganz so Unrecht hat ja auch der amerikanische Staats­sekretär des Auswärtigen nicht mit seinem bitteren Hin­weis, daß vor Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den beiden Mächten irgendwelche ernsthaften Verhandlungen zwecks Beilegung des Konflikts nicht stattgefunden hatten, wie es der Geist des Kellogg-Paktes doch Wohl fordert.

Wenn jetzt die drei Mächte mit der Feuerspritze dieses Pakts angelaufen kommen, so ist infolge des vorhergehen­den Beginns der Verhandlungen an sich der Beweis nicht geliefert worden, ob denn nun die hinter dem Pakt stehende Macht, nämlich die Meinung der Welt, stark genug ist, wirklich kriegverhindernd zu wirken. Früher hätte man bei einer solchen Aktion von einemdiploma­tischen Druck" der Großmächte sprechen können bloß pflegt heutzutage die Moskauer Regierung jedenfalls sich nicht zu fügen. Im Statut des Völkerbundes ist ja ein genaues Verfahren für die Behandlung derartiger Strei­tigkeiten vorgesehen; doch sind zahlrelche Staaten gar nicht Mitglied und das Verfahren selbst hat verschie­dentlich alles andere als geklappt.

Aber schließlich bleibt ja die Hauptsache, daß auch in Ostasien balddie Waffen ruh'n, des Krieges Sturme

Die Krediie der NMcv^v-Mk.

Zeugenaussagen über Geschäftspraktiken des Vorstandes.

Der Ralffeisenuntersuchungsausschuß des Preußischen Landtages fuhr in der Zeugenvernehmung fort. Zunächst wurde vernommen Rechtsanwalt Dr. Lange, der feine Tätigkeit bei der Raiffeisenbank schildert. Persönlich habe er nie Kredite ohne Genehmigung des Vorstandes gegeben. Andererseits hätte der V o r st a n d auch Kredite g e n o m - m e n. Zur Bewilligung von Krediten habe ein Vorstands­mitglied genügt. Er habe in einem Falle die Sperre eines Kredits empfohlen, aber ohne Erfolg. Der Zeuge mußte die Anforderungen der Effektenstelle erfüllen, obwohl ihm die ortgesetzten Aufwendungen für das Dampfwollge- chäft schließlich bedenklich schienen. Das besondere Konto n dieser Sache sei eingerichtet worden, damit die Angestellten- chaft von dem Geschäft

nichts wissen sollte.

Als der Verkauf zur Kenntnis der Abteilung kam, sei der Vorstand an sie herangetreten, ob sie nicht ihre Namen dazu hergeben wollten.Dummerweise haben wir's getan," meinte der Zeuge. Ähnliche Aussagen ergaben sich bei der Verneh­mung der Zeugen Krause, der als Prokurist zu Dis"Zi- tionsanlagen zugezogen wurde, und Dr. Schwarz.

Nach amerikanischem und deutschem Muster.

Besprechung Macdonalds mit den Wirtschaftlern.

Ministerpräsident Macdonald hatte in London eine Besprechung mit führenden Wirtschaftlern und Wirtschafts- theoretikern. Die Besprechung, die eine Fortsetzung einer ähnlichen Zusammenkunft vor der Amerikareise des Minister­präsidenten darstellt, galt dem Zwecke, die Regierung durch Be­ratung von berufenster Seite in dem Bestreben zu unterstützen, eine Art R e i ch sw ir tsch a ft s au sschuß zur Aus­arbeitung eines Planes der wirtschaftlichen Entwicklung Groß­britanniens und des Britischen Weltreiches zu bilden. Im Zu­sammenhang mit diesen Plänen hat auch der deutsche Reichs- Wirtschaftsrat als Vorbild eine gewisse Beachtung gefunden.

Sie deutschrussischen teuerer in Sannnerstem.

Dank an Deutschland für die gastliche Aufnahme.

Zwei Transporte deutschrussischer Auswanderer, zu- sammen etwa 640 Personen, sind, aus Swinemünde

Die Ankunft von 300 dcutschrusslschcn Bauern in Swinemünde, Wo sie vor der Weiterfahrt nach ihrem deutschen Winter­quartier, dem früheren Truppenlager Hammerstein bei Schneidemühl, von Angehörigen des Roten Kreuzes be­treut wurden.

und aus Eydtkuhnen kommend, in H ammerstein, wo sie fünf bis sechs Tage in Quarantäne bleiben dürften, eingetroffen. Die Auswanderer sprechen gut deutsch, und zwar einen schwäbischen Dialekt. Der Lagerdirektor, Major a. D. Fuchs, begrüßte die Ankömmlinge

im Namen der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung

und sprach den Wunsch aus, daß es ihnen gelingen möge, in neuen Verhältnissen sich eine neue Heimat zu gründen. Ein alter Mann, den die Auswanderer mitVorstand" Deutschlands und sagte, daß die Deutschrusien die herzliche Aufnahme, die sie im Mutterlande gefunden hätten, nie vergessen würden. Sie würden so schnell wie inöglich Deutschland wieder verlassen, um dem Mutter­lande nicht zur Last zu fallen.

Der Transport, der aus Swinemünde kam, bestand aus Leuten, die bisher in Omsk gewohnt haben, der Eydtkuhner Transport aus Leuten, die bei Omsk, im Kaukasus, in der Krim und in Turkestan ihre Heimat ge­habt hatten.

Ausschlußverfahren gegen deRschnationaie Abgeordnete.

Auf Beschluß des Parteivorstandes.

Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei hat in seiner Dienstagsitzung mit 69 gegen 9 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen folgenden Beschluß gefaßt:

Die Herren Abgg. Hartwig, Hülser und Lambach haben im Anschluß an die Abstimmung über den § 4 des Freiheitsgesetzes die nachstehende öffentliche Erklärung ab­gegeben:

Die unterzeichneten Abgeordneten haben sich in der Abstimmung zum § 4 des Volksbegehrengesetzes auf die Seite des Ministers Schiele gestellt. Sie werden sich am Dienstag gelegentlich der Behandlung des Aus­schlußantrages des Parteivorstandes gegen ihren Kol­legen Treviranus in der Fraktionssitzung solidarisch an dessen Seite stellen. Sie halten fruchtbare politische Arbeit nicht für möglich, wenn freimütige und sogar private politische Meinungsäußerungen unterdrückt werden sollen."

Nach den vorangegangenen Beschlüssen des Parteivor­standes und der Reichstagsfraktion der D. N. V. P. zum § 4 des Freiheitsgesetzes stellt diese Veröffentlichung ein absichtliches und bewußtes Abrücken von der P artet dar, und zwar in einem Augenblick, in dem ein solches von den Parteiorganisationen ausdrücklich als unangebracht und für die nationale Bewegung abträglich anerkannt war. Bei dieser Sachlage muß in ihrem Vor­gehen eine schwere Schädigung des Ansehens der Partei erblickt werden; gemäß § 19 der Satzungen hat deshalb der Parteivorstand beschlossen, gegen die drei genannten Herren von Amts wegen das Ausschlußver- sahren einzuleiten.

Lambach, Hartwig und Hülser aus der P . ^i ,r ; treten.

Die deutschnationale Reichstagsfraktion trat zu einer Fraktionssitzung zusammen, in der die durch den Beschluß des Parteivorstandes geschaffene Lage eingehend erörtert wurde. Der Fraktion wurde ein Brief des Abg. Lambach bc- kanntgegeben, in dem Lambach dem Fraktionsvorsitzeuden Graf Westarp seinen Austritt aus der Dcntschnaüoualen Partei mittelst. Die Abgeordneten Hülser und Hartwig Iwen sich tu der Fraktionssitzung dem Vorgehen des ^^^^^^^l^n Lambach angeschlossen. Über die Absichten der drei auSgeichie- benen Abgeordneten ist noch nichts besannt; sie werden jedoch ihr RetchSiogswandar detbeballen

Raubmord auf Islams.

Nach Meldungen aus Reykjavik ist der a.nme Ford- Vertreter einem Raubmord zum Opfer gefallen Von de« Täter, der 3000 Kronen erbeutete, fehlt jede Spur. j