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HersfelSerTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt ^nrtlicher MnZriger für den Kreis Hersfeiö mit des BeklasM: Allustrtertes Anlerhattnagsblakt / Nach Ae!e§«beaS / ÄLrS sud Scholle / UnteeMtano m»S Wisse« BelebmAs mid K«r;weil / Wirtschaftliche Ussesfrage«.

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Nr. 277

Dienstag, den 26. November 1029

7g. Jahrgang

Am den Asung-Plan.

Das V o l k s b e g e h r e n ist, wie der Reichswahlaus­schuß nunmehr festgestellt hat, als angenommen zu be­trachten, da 10,02 Prozent der Stimmberechtigten sich dafür ausgesprochen haben. Die parlamentarische Prozedur vor dem Reichstag wird nicht ganz reibungslos verlaufen, da der Standpunkt der Regierung, der dem Volksbegehren zugrunde liegende und in Monatsfrist auch dem Volks­entscheid zu unterbreitende Gesetzentwurf stelle eine Ver­fassungsänderung dar, natürlich bei der Rechts­opposition auf schärfstenWiderspruch stoßen wird, übrigens auch umstritten ist. Der Reichstag stand schon einmal vor einer ähnlichen Entscheidung, als es sich darum handelte, ob das Volksbegehren wegen des Panzerkreuzers A eine Angelegenheit des Reichshaushalts betreffe oder nicht; bejahendenfalls ist dann nämlich ein Volksentscheid nicht zulässig. Die Reichsregierung hat sich damals auf den Standpunkt gestellt, diese Frage zu bejahen, und, die Reichstagsmehreit hat diese Ansicht gebilligt; ebenso dürfte auch bei der Debatte über dasFreiheitsgesetzt" im Reichs­tag eine Mehrheit sich für den verfassungsändernden Charakter dieses Gesetzentwurfes aussprechen, dann muß die Mehrheit der Stimmberechtigten, also über 20 Mil­lionen, ausdrücklich für den Gesetzentwurf votieren.

*

Wenn sich in der Ablehnung dieses Gesetzentwurfes die hinter der Regierung stehenden Parteien auch ziemlich einig sind, so ist das über die Materie selbst, also den Young-Plan mit seinen die deutschen Finanzen aufs stärkste berührenden Folgen durchaus nicht der Fall. Nicht bloß sind im Zentrum vor allem aus dem Munde des Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, Prälaten K a a s Worte scharfer Kritik über die recht mangelhafteNeben­wirkung" des Young-Planes gefallen, ist von dem Er­gebnis der Saar Verhandlung?n die Stellung­nahme dieser Partei zu dem neuen Plan überhaupt ab­hängig gemacht worden nicht bloß erfolgte in dem offiziellen Berliner Zentrumsorgan, ebenso wie in dem Blatt der Christlichen Gewerkschaften, deren Führer der Reichsverkehrsminister Stegerwald ist, eine überaus un- zwerdeutige Verurteilung des deutsch-pol­nischen Abkommens, sondern nun erfolgte auch noch eine ausdrückliche Erklärung des Vorsitzenden der Bayerischen Volkspartei, also eines zur Mehrheitsbrldung notwendigen Teiles der Regierungskoalition, daß ferne Partei dem Young-Planvorläufig noch kritisch gegen- überstche" und daß die Frage der Annahme des Planes . noch nicht endgültig geklärt" sei. Von besonderem Schwergewicht sind diese Äußerungen deshalb, weil ste im Beisein prominenter Vertreter der Zentrumsfraktionen des Reichstages und des Preußischen Landtages erfolgten.

*

Dabei spielen nämlich wichtige innenpoli- t i s che Vorgänge eine erhebliche Rolle. Man erinnere sich einen Augenblick daran daß im Frühjahr an dem Widerstand der Bayerischen Volkspartci die P l ä n e d e s R e i ch s f i n a n z m i n i st e r s über eine Biersteuer- erhöhung scheiterten, jetzt aber wieder ausgenommen worden sind. Dazu kommen aber die Vorgänge rm Strafrechtsausschuß, wo Zentrum und Bayerische Volks­partei wegen der Ablehnung ihrer Anträge für eine Ver­schärfung des Ehcrechts - Bestrafung des Ehebruchs, Ehescheidung usw. - die Mitarbeit einstellten. lind in jüngster Zeit sind hinsichtlich der Neuordnung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern in dem hierfür eingesetzten Ausschuß der Reichsregierungs- und der Lan­dervertreter Beschlüsse gefaßt worden, die in Bayern aus schärfsten Widerspruch stoßen und diese Kritik - was sensationell wirkt auf der Tagung der Bayerischen Volkspartei auch von den Delegierten bei Preußischen Zentrumspartei sehr deutlich gebilligt und unterstrichen wurde. Man wolle keineZerschlagung Preu­ßens", ebensowenig wie die Bayerische Volkspartei es dulden will, daß man in Berlinüber die Grundrechte des bayerischen Volkes von sich aus zur Tagesordnung über­gehen wolle". *

Man darf vielleicht auch an ein Wort erinnern, das parteioffiziös im Berliner Zentrumsorgan stand: Das Zentrum werde es sich nicht gefallen lassen, etwa bei der Annahme des Young-Planes mitzuhelfen und dann von den anderen Parteien der Regierungskoalition gemeint war die Sozialdemokratie - einenFußtritt zu erhalten".

Da ja nun der Reichstag Zusammentritt, ist es zu erwarten, daß sich innenpolitisch recht bedeutsame Debatten entwickeln werden.

Hm die Reichsreform.

Ministerialdirektor Brecht berichtigt.

Der preußische Zentrumsführer Dr. Hetz hat in München erklärt, daß Ministerialdirektor Dr. Brecht, wenn er aus der Länderkonferenz für die

Zerschlagung Preußens sich eingesetzt habe, nicht die Auffassung der Mehrheit des Preußischen Landtags hinter sich habe. Dr. Brecht Hai darauf an Dr. Hetz telegraphiert, daß die Herrn Hetz zugegangene In­formation, Brecht fei in den Unterausschüssen der Länder­konferenz für eine Zerschlagung Preutzens eingetreten, voll­ständig unwahr sei; das Gegenteil treffe zu. Er werde Dr. Hetz sogleich nach seiner Rückkehr persönlich informieren.

Verheerende Gase

Zurchibare ExpWvnMastrophe in Wen.

Drei Tote, siebzehn Schwerverletzte.

Auf dem Weberplatz in E s s e n a. d. R u h r, wo gerade Markt abgehackten wurde, ereignete sich Montag vormittag gegen 10 Uhr ein Explosivirsunglück. Ein Ge­bäude, in dem sich ein Haushaltungsgeschäft und eine Kaffee- und Frühstücksstube befanden, flog mit furchtbarem Krachen in die Luft. Das Haus wurde vollständig demo­liert und arseinanvergerissen. Die Straßen waren voll von Haushaltungsgegenstünden; viele andere flogen durch die Fenster in die benachbarten Gebäude. Zahlreiche Ge­bäude der Nachbarschaft wurden in Mitleidenschaft ge­zogen. Fast überall sind die Fenster zertrümmert, die Decken und Wände geborsten. Die großen Schaufenster­scheiben der benachbarten Läden wurden völlig zerschlagen und unter die Waren geworfen. Die Wucht der Explosion war derartig, daß die großen, drei bis vier Zentner schweren Steinstufen der Treppe des in die Luft geflogenen Gebäudes über die Häuser hinweg auf die Dächer ge­schleudert wurden und dort große Verwüstungen an- richteten.

Alle Feuerwehren Essens mit ihren Krankenwagen waren schon nach kurzer Zeit an Ort und Stelle. Das wichtigste war, festzustellen, ob die Explosion Menschen- o p f e r gefordert habe. Aus den Trümmern wurden

4135000 Wähler für Volksbegehren

Erforderliche 10 Prozent überschritten.

Der Reichswahlausschuß hat in seiner Montagsitzung festgestellt, daß zum VolksbegehrenFreiheitsgeset?" im gesamren Eincragungsrwmet 4 135 300 (gleich 10,02 Pro­zent) unzweifelhaft gültige Eintragungen erfolgt sind. Damit ist die erforderliche Anzahl von Eintragungen, mindestens zehn vom Hundert der Stimmberechtigten, er­reicht. Im ganzen sind etwa 8000 Eintragungen über die notwendigen 10 Prozent der Gesamtwahlberechtigten vor­handen. Bon 24 325 beanstandeten Eintragungen wurden 3119 für gültig uno .1 207 für ungültig erklärt.

Es handelt sich bei den letzteren zumeist um Ein­tragungen außerhalb des Eintragungsraumes, Eintragun­gen von fremder Hand, unvollständige Eintragungen, Doppeleintragungen, Eintragungen unter Vorbehalt, Ein­tragungen von nichtberechtigten Personen und ähnliches. Von den beanstandeten Stimmen entfielen 11 738 auf Ostpreußen, die sämtlich für ungültig bezeichnet werden mußten.

Die 35 ReichswahlkreLse.

10,02 Prozent der Wähler für Volksbegehren.

Von den Wahlberechtigten hat sich in den nachstehend

aufgeführten 35 Reichswahlkreisen die beigefügte Zahl für

das Volksbegehren eingetragen.

Bei jedem Wayllreye tp

die Prozentzahl der Volksbegehrensfreunde von

oer rse-

samtwählerschaft mitvermerkt. Im ganzen paoen pm 4 135 000 Wähler für das Volksbegehren ausgesprochen, was einem Durchschnittsatz von 10,02 Prozent entspricht.

Die zur Annahme des Volksbegehrens erforderliche Zahl

betrug 10 Prozent der Wäyleiychaft.

1. Ostpreußen

319 000

23,79 Prozenr

2. Berlin

95 646

6,21

ff

3. Potsdam 11

130 649

10,16

n

4. Potsdam I

190 583

15,00

5. Franksurt a. d. O.

201 232

19,05

w

6. Pommern

385 757

32,91

0

7. Breslau

164 201

13,31

n

8. Liegnitz

109 943

13,92

w

9. Oppeln

61 991

7,53

ft

10. Magdeburg

181 437

16,56

,/

11. Merseburg

174 341

18,59

12. Thüringen

241 378

16,38

ff

13. Schleswig-Holstein

140 857

13,53

tf

14. Wes

er-Ems

112 045

11,71

ff

Ostb

annover

134 532

19,80

tf

16. Südhannover-Braunschw.

143 739

11,04

ff

17. We

falen-Nord

59 881

3,85

18. We

tfalen-Süd

51 159

3,19

tf

19. Hess

en-Nassau

89 670

5,45

fi

20. Köln-Aachen

18 881

1,31

tf

21. Koblenz-Trier

9 916

1,28

if

22. Düs

eldorf-Ost

29 370

2,01

ff

23. Düs

eldorf-West

35 412

3,16

n

24. Oberbayern-Schwaben

69 101

4,29

n

25. Niederbayern

19 522

2;46

st

26. Franken

215 070

13,27

n

27. Pfalz

16 691

3,83

tf

28. Dresden-Bautzen

122 704

9,45

n

29. Leipzig

82 397

8,98

ff

30. Chemnitz-Zwicka

198 449

15,90

rt

31.,Württemberg

i - 0 546

6,44

st

32. Baden

33 098

2,21

tf

33. Hessen-Darmstadi

27 700

3,03

34. Hamburg

35 650

4,02

35. Mecklenburg

122 752

20,86

siebzehn Schwer- und sieben Leichtverletzte geborgen. EinerderSchwerverletztenistkurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus g e st o r b e n. Bald darauf wurde festgestellt, daß eine Marktfrau

von einem schweren Stein getroffen und getötet worden war. Bei den Aufräumungsarbeiten entdeckte man dann eine dritte Leiche. Ob die Liste der Todes­opfer hiermit erschöpft ist, steht noch dahin. Der Zustand einiger der Schwerverletzten muß als s e h r bedenklich bezeichnet werden.

Die Ursache der Explosion.

Über die Ursache der Explosion ist Genaueres noch nicht bekannt. Augenzeugen berichten, daß sie im Augen­blick der Explosion eine Stichflamme aus dem Keller des zerstörten Gebäudes hervorschießen sahen. Merk­würdigerweise ist jedoch von niemand ein Gasgeruch ver­spürt worden, so daß die erste Annahme, es habe sich um eine Leuchtgasexplosion gehandelt, vielfach Zweifeln begegnet. Verschiedentlich wurde angenommen, daß man es mit einer Kanalgasexplosion zu tun habe. Es sind aber auch wilde Gerüchte über ein A t t e n - tat und eine Dynamitexplosion im Umlauf.

Als großes Glück ist es anzusehen, daß sich die Kraft der Explosion nur nach einer Seite hin ausgewirkt hat, und zwar nach der Häuserfront. Wären die Steine und die anderen schweren Gegenstände nach der Marktseite hin geschleudert worden, so wären die Folgen unabsehbar ge­wesen, da sich dort Hunderte von Marktbesuchern befanden.

Das Begräbnis Memenceaus.

In aufrechter Stellung.

Ministerpräsident Tardieu hat der Einsargung Clö-

Wäldchen statt. Als Grabstein wird ein dem ehemaligen Ministerpräsidenten von griechischen Freunden gewidmeter und seit Jahren an Ort und Stelle befindlicher Gedenk­stein dienen. Die französische Regierung hat ungeordnet, daß zur Stunde der Beisetzung in ganz Frankreich Artillerie-Ehrensalven abgegeben werden. Clomenceau erklärte noch kurz vor seinem Ende, daß er kein Staats­begräbnis wünsche, sondern in aufrechter Haltung neben seinem Vater in seiner Heimat beigesetzt werden möchte. Ferner hat er verlangt, daß man ihm die alte Soldatenmütze, die er seit dem Kriege ständig trug, seinen Stock, einige Feldblumen, die er im Kriege in vorderster Linie gepflückt hatte, und ein Säckchen Erde vom Fort Douaumont mit in den Sarg gebe. Die Leiche wurde in der Nacht mittels Autos noch Mouchamps in der Vendse geschafft, wo Montag früh die Beisetzung stattfand.

Das eröffnete Testament Clömenceaus enthält die Bestimmung:Keine offizielle Zeremonie, nur meine An­gehörigen sollen mich zu meiner letzten Ruhestätte ge­leiten." Angesichts dieser Bestimmung des Testaments hat sich die Regierung darauf beschränkt, anzuordnen, daß sämtliche öffentlichen Gebäude die Fahnen auf Halbmast setzen Es sind außerdem zwei Kundgebungen im Par­lament vorgesehen.

Einige Zeit weilten am Totenbette der Präsident der Republik, die Präsidenten von Senat und Kammer, Außenminister Briand, viele andere Minister, Parlamen­tarier sowie Vertreter wn Wissenschaft und Kunst.

Das letzte Werk Cl. meneeaus, das den TitelGröße und Elend eines Siegest" trägt, ist von ihm gerade noch fertiggestellt worden. Das Werk wird nicht gleich als Buch erscheinen, sondern zunächst in der Wochenschrift L'Jllustration".

Sie deutschen dauern in Rußland.

A u s^-ch-x-w u f E i n i g u n g.

Aus Moskau wird nach Hamburg gemeldet: In der Angelegenheit der deutschen Abwanderer aus Rußland habe sich jetzt eine gewisse Aussicht auf Annäherung der deutschen und der sowjetrussischen Auffassung eröffnet. Der Abtransport der Kolonisten ins Innere des Landes, der bis zum Mittwoch acht Züge mit durchschnittlich 200 bis 300 Personen umfaßte, ist eingestellt worden.

Als Ziel des Meinungsaustausches zwischen dem deutschen Geschäftsträger, Botschaftsrat von Twardowsti, und dem stellvertretenden Volkskommissar Litwinow wird von deutscher Seite nerwchi, die Ausreiseerlaubnis für diejenigen deutschen Kolonisten zu erhalten, die sich be­reits in Leningrad befinden oder bei Moskau angesam­melt haben. Es sind dies noch rund 10 000 Personen. Sie werden zurzeit durch Miliz registriert. Für andere Gruppen die gleiche Vergünstigung der Abzugsfreiheit zu erreichen, ist aussichtslos.

Die Immunität Dr. Gööbels aufgehoben.

Berlin. Der Geschäftsordnungsausschutz des Reichstages hob die Immunität des Abgeordneten Dr. G ö b b e l s (Nat.- Soz.) auf, um seine Strafverfolgung wegen öffentlicher Be­leidigung zu ermöglichen. Der Antrag auf Aufhebung der Immunität des Abgeordneten Feder (Nat.-Soz.) wurde ver­tagt.

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