^ersfel-erTageblatt
Anzeigenpreis: 6k einspaltige Petitzelle 15 Pfennia, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entspreckender Preisnachlaß gewährt. ♦ Zür die Schristleitung verant- wocklichrZranzZunk in Hersfeld. ♦ Zernsprecher Nr. S
Hersfelöer Kreisblaü [=s=sg5si
—/ , - „ * — , { 1.00 Reichs-Maek. ❖ Druck naS Äerlag von Luowig ;
MtUMtt RMLMLk tot ÜM MAS MtmoO i ZunksVuchüruckerel in tzersftis, Mitglied SesvdZv. ;
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö
mit beu Dellaaea: IliußrierteS AnterhattAirgsblatt / Nach SeLerabeaö / Herd und Grbslls / Untechattang v«S Wissen Belehruas aob Knerweil / Wietschaftliche Tsaesfmsr».
Nr 270 (erstes Statt)
Sonnabend, den 16. November 1829
79. Jahrgang
Die unerwünschte polnische Kohl«.
Das bedrohte Ruhrkohlengebiet.
Die Arbeitskammer für den Kohlenbergbau des Ruhrgebiets (Arbeitgeber-, Arbeiter- und Angestelltengruppen) hat in ihrer 31t Essen abgehaltenen Plenarsitzung u. a. auch zum Kohleneinsuhrkontin- gentausPolen Stellung genommen und einen einstimmig angenommenen Beschluß der Reichsregierung übersandt, in dem es u. a. heißt:
Die Arbeitskammer ist sich der Notwendigkeit bewußt, mit Polen baldigst zu geordneten Handelsbeziehungen zu kommen. Sie ist jedoch der Auffassung, daß ein Entgegenkommen Polens nicht durch ein zu hohes Kohlen- kontingent erkauft werden darf. Das in letzter Zeit genannte Kontingent von 350 000 Tonnen monatlich ist viel zu hoch und muß die schwersten Bedenken und Besorgnisse der Arbeitskammer hervorrufen. Obwohl der Ruhrbergbau nicht direkt von der Kohleneinfuhr aus Polen betroffen wird, so steht zweifelsohne fest, daß der Druck des polnischen Einsuhrkontingents auf das westöbe rschlesische und niederschlesische Kohlengebiet sich zwangsläufig auch auf das Ruhrkohlengebiet, vor allen Dingen auf das bestrittene Absatzgebiet, auswirken muß. Vermehrte Feierschichten und Erhöhung der Zahl der arbeitslosen Bergarbeiter im Ruhrbergbau wären die Folgen.
GchZechtbelohnie Gastfreundschaft.
Ausweisung russischer Generale aus Danzig.
Der Senat hat einige in Danzig von ehemaligen russischen Offizieren und Militärpersonen begründete Organisationen, die sich ausdrücklich als Vereinigungen solcher militärischer Kreise bezeichneten, verboten, weil ihre Vereinstätigkeit den Danziger Interessen schädlich sein könnte. Der Polizeipräsident hat ferner die Ausweisung der ehemals russischen Generale Glase- napp, Lebedew und Djak 0 w angeordnet. Hierzu wird noch berichtet:
Die drei Ausgewiesenen sind in -der Weißgardtsttschen Bewegung tätig gewesen. Bei der Aufdeckung einer m 0 n- archistischen Verschwörung in Moskau wurden seinerzeit mehrere Offiziere verhaftet. Sie wurden beschuldigt, im Auftrage einer monarchistischen Organisation, deren Haupt der in Danzig wohnhaft gewesene General G l a s e n a p p war, versucht zu haben, in dem russischen Grenzbezirk Pskow Aufstände vorzubereiten. Den Verhafteten wurde weiter zum Vorwurf gemacht, daß sie Waffen und falsche Tscherwonez- Noten in großen Mengen nach Rußland eingefuhrt hätten. G l a"s e n a p p wohnt seit mehr als zehn Jahren in Danzig und verfügte über reiche Geldmittel und soll, wie behauptet wird, mit estländischen und lettischen S p i 0 n a g e z e n t r a l e n in ständiger Verbindung gestanden haben. General Lebedew war, wie weiter erklärt wird, ebenfalls in der Weißgardistifchen Propaganda tätig und gehörte als ehemaliger russischer General nach der Umwälzung der W r a n g e l - A r m e e an. Er hatte insbesondere Fühlung mit Paris und galt als Agent französischer Spionagestellen.
Rumäniens Reparaiionshoffnungen.
Eröffnung der Parlamentstagung.
Die ordentliche Parlamentstagung ist in einer gemeinsamen Sitzung von Kammer und Senat durch den Regentschaftsrat eröffnet worden. Prinz Nikolaus verlas die Eröffnungsbotschaft. Diese schließt mit einem Rückblick auf die Haager Konferenz und spricht dabei die Überzeugung aus, daß die Gerechtigkeit und der allgemeine Wunsch nach einem dauerhasten Frieden die Wiederstände überwinden werden, die einer yerechten Liquidierung der R e p a r a t i 0 n s f r a g e noch im Wege stehen, und daß unter dem wachsenden Einfluß des Völkerbundes eine neue Zeit friedlicher Zusammenarbeit zwischen den Völkern Europas beginnen wird.
Mein und Saar.
Kaa 8 über Innen- und Außenpolitik.
In S a a r b r ü ck e n sprach der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspariei, Prälat K a a s über deutsche Innen- und Außenpolitik. In der I n n e n P 0 l i t t k, so sichrte er aus, sei die große Parteizerrissenheit zu beklagen Das werde mchi eher besser, als bis die deutsche Jugend das überlebte klem- lichc deutsche Parteisystem über den Haufen gerannt habe und die ewig Gestrigen zu einer neuen Struktur zwinge. Kaas bekannte sich dann grundsätzlich zur bisherigen deutschen Außenpolitik, da er und das Zentrum Freunde einer ehrlichen Verständigung mit Frankreich seien, doch habe er mehr als einmal den Eindruck gehabt, als sei Deutschland in seiner Koiuesstonsbereitschast weitergegangen, als dies notwendig gewesen wäre. Es gebe eine Grenze des deutschen Entgegenkommens. Sie sei jetzt mindestens erreicht.
Der Rhein sei noch nicht befreit,
auch nach der Aufhebung der Besetzung nicht; bestehe doch nach dem Versailler Vertrag'für gewisse Verfehlungen immer noch das Rückbesetzungsrecht. Deutschland habe kein Interesse daran, den Rhein eher als befreit zu erklären, als dies völkerrechtlich richtig sei. Die Räumung der zweiten Zone sei kein Entgegenkommen, sondern ganz selbstverständlich. Was die Saar anlange, so habe an dem Tag, an dem Deutschland in den Völkerbund eingezogen sei, Genf aus dem Saargebiet ausziehen müssen. Als Führer der Zentrumspariei erkläre er, daß die Lösung der Saarfrage und die Aussichten, die der Partner zu machen habe, entscheidend seien für ihr „Ja" oder „Nein" zum Young-Plan.
Slimdeiis mtideWe Mutig
England behält deutsches Eigentum.
Rückgabe schroff abgelehnt.
Der englische Schatzkanzler Snowden hat einen offiziellen Bries an den deutschen Botschafter in London gerichtet. Snowden teilt mit, dem von der deutschen Regierung gestellten Anspruch auf bedingungslose Rückgabe alles während des Krieges beschlagnahmten deutschen Privateigentums, das noch nicht liquidiert ist, könne nicht entsprochen werden. Es liege im Interesse Deutschlands, das bei Besprechungen zwischen deutschen und britischen Sachverständigen im Londoner Handelsamt angelegte Verfahren so bald wie möglich anzunehmen, um die Durchführung der Empfehlungen zu erleichtern, welche die Väter des Uoung-Plans angedeutet haben. Sonst müsse die augenblicklich eingestellte Liquidation des deutschen Eigentums vielleicht wieder ausgenommen werden.
Diese Mitteilungen stehen in ziemlichem Gegensatz zu den englischen Versprechungen im Haag, nach denen das noch nicht liquidierte deutsche Eigentuw bedingungslos freizugeben sei. Erst später haben das englische Schatzamt und das Handelsamt erhebliche Vorbehalte gemacht, so daß das anfängliche Entgegenkommen stark an Wert verlor. Snowden lehnt auch die vom Deutschen Reich erhobenen Ansprüche auf Rückzahlung der erzieltest Überschüsse beim Verkauf des deutschen Eigentums ab. Der Gesamtbetrag der deutschen Forderung wird von Snowden auf etwa 23 Millionen Pfund geschätzt. Die auffällige und schroffe Stellungnahme des englischen Schatzkanzlers hat in Berlin überaus befremdet.
Die Serienmorde in Düsseldorf.
Spuren, auf die der Mörder wies.
Die Frauenmorde und die vielen Angriffe, die in den letzten Monaten in Düsseldorf auf Frauen verübt worden sind, sind noch immer nicht aufgeklärt. Es herrscht darum in der Rbeinstadt eine berechtigte Erregung, die von Tag zu Tag wächst. Man weiß noch immer nicht genau, "ob man es mit mehreren Mordbuben oder mit einem Massenmörder zu tun hat. Inzwischen hat der Mörder oder, sagen wir vorsichtshalber einer der Mörder, in einem Brief, den er an eine Zeitung richtete, in zynischer Weise selbst auf gewisse Spuren hingewiesen.
In dem Briefe war angegeben, daß in der Nähe des Gutes P a pendelt bei Düsseldorf ein weiteres Opfer vergraben sei. Man hatte diesem Briefe, den man für eine Irreführung hielt, anfangs keine Bedeutung beigemessen. Nach der Veröffentlichung des Briefes aber übergab der Verwalter dös Gutes der Polizei eine Handtasche mit einem Schlüsselbund, die er schon im August aefunden. damals aber achtlos beiseiteqeleqt hatte. Die
Eine Kartenskizze des Mörders, auf der von ihm der Ort eingetragen ist, an dem er eine Leiche vergraben hat. Die Skizze hat der Mörder an eine Düsseldorfer Zeitung gesandt.
Düsseldorfer'Polizei hatte dann in den Zeitungen Abbildungen der vier Schlüssel veröffentlicht. Daraufhin meldete sich die Frau eines in Dusseldorf lebenden Schriftstellers, die die Schlüssel einwandfrei als die ihres am 11. August verschwundenen Hausmädchens Maria Hahn erkannte. Das Verschwinden des Mädchens war winerzeit der Polizei gemeldet worden, aber man scheint es damals nicht mit der Mordserie in Verbindung gebracht zu haben. Dem Mädchen war von dem Schrisi- fteller gekündigt worden, weil es in Prostituiertenkre,sen verkehrte. Nach der Kündigung hatte es das Haus verlassen und ist seit damals nicht mehr gesehen worden. Es bestand nun kein Zweifel mehr darüber, daß das Mädchen tatsächlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Es wurden auf den Feldern bei Paperdell sofort Grabungen veranstaltet und man hat nunmehr die Leiche der Maria Hahn gesunden. ,.
Es verdimt noch erwähnt zu werden, daß der an die
Die Meinung des Llnierhauses.
Im Unterhause stellte der Abgeordnete Mac P h e r s e. n die angekündigte Anfrage an den Präsidenten des Handelsamtes, ob er nach der Bestimmung des Vertrages von Versailles angeben könne, wieviel von dem Erlös des beschlagnahmten deutschen Privateigentums zur Befriedigung privater britischer Forderungen an Deutschland oder deutsche Bürger verwendet worden sei. Der Präsident des Handelsamtes, G r a h a m , erwiderte, die Summe der Einnahmen durch das deutsche Privateigentum bis zum 31. August 1929, an dem die Liquidation im Hinblick auf die schwebenden Verhandlungen mit der deutschen Regierung eingestellt worden sei, betrage nach d^ Rückstellung gewisser Reserven 55 750 000 Pfund Sterling. Bon diesen Geldern seien 38 500 000 Pfund Sterling zur Begleichung britischer Forderungen an die deutsche Regierung oder an deutsche Reichsangehörige verwendet worden. Es könne zugegeben werden, daß nur noch weitere 3 000 000 Pfund Sterling für diese Zwecke erforderlich seien. Die tatsächliche Höhe desjenigen, was von England noch beansprucht würde, hänge aber von den Entscheidungen des gemischten Schiedsgerichts ab.
Mac Phersons Kreigebungsantrag.
Für den von dem Abgeordneten Mac P h e r s 0 n vorbereiteten Antrag zur bedingungslosen Freigabe des nicht liquidierten deutschen Eigentums sind mindestens hundert Unterschriften von Unterhausabgeordneten gesammelt worden. Darunter befinden sich maßgebliche Persönlichkeiten aller drei Parteien. Die Zusammenstellung der Liste, die sich noch durch weitere Unterschriften verlängert, wird in aller Kürze erwartet. Dann soll sie veröffentlicht werden. S n 0 w d n hat sich mit einem Brref an den deutschen Botschafter in schroffen Gegenfatz zu dem Antrag gestellt.
Zeitung gerichtete «jrt^ des Mörders auf ünbedrucktem Zeitunaspapier geschrieben war. Es handelt sich um Papiers das bereits durch eine Rotationsmaschme gelaufen ist wie man an den Spuren erkennt, die die Greifer der Maschine in dem Papier zurückgelassen haben. Es ist also Zeitungspapier, das beim Anlaufen der Maschine abfallt und als Makulatur verkauft wird. Man sucht nun bv- Druckmaschine, durch die das Papier gelaufen ist, zu ermitteln.
Wie der Mörder seine Opfer ins Garn lockte.
Nicht ganz unwichtig erscheint die Mitteilung, daß die Hausangestellte M a r i a H a h n mit der in Ober- k a s s e l ermordeten Angestellten Reuter bekannt gewesen sein soll. Merkwürdig erscheint weiter, daß beide gesprächsweise mehrfach geäußert haben, daß sie eine guteStelleinHollandin Aussicht hätten. Wahrscheinlich hat der Täter den Mädchen versprochen, ihnen in Holland eine Stellung zu besorgen, um sie vertrauensselig zu machen. Sollten sich diese Zusammenhänge bewahrheiten, so dürfte für diese beiden Morde ein und derselbe Täter in Frage kommen.
Die Krise der Forstwirtschaft.
Zur Förderung des Holzabsatzes.
Der Re.iysforstwirtschastsrat, der zuletzt im Jahre 1927 zusammengetreten ist, hielt seine siebente Vollversammlung ab. Geheimrat Pros Dr. Endres-München sprach über Maßnahmen zur Förderung des H 0 l z a b s a tz e s, wobei er betonte, daß ei seine Ausführungen nicht als Vorsitzender des Holzhandelsausschusses mache, sondern daß sie als seine persönlichen Ansichten zu werten seien. Es sei so weit gekommen, daß auch die Forstwirtschaft nunmehr zu den notleidenden Wirtschaften zu zählen sei. Rein wissenschaftlich gesehen seien die Ausgaben für die Erhaltung der Wälder usw. höher als die Einnahmen. Die Absatzfrage sei in der Zeit der ledigen Kapitalknappheit besonders schwierig, da im Holzhandel infolge der besonderen Umstände das Betriebskapital nur einmal lm Jahre umgesetzt werden könnte. Prof. Endres behandelte sodann die verschiedensten Methoden der Absatzfinanzierung, wie z. B. die Lombardierung des gekauften Holzes ba den H^lzwirtschaftsbanken, und vertrat die Ansicht, daß eine Beseitigung der Absatzkrise durch eine Rückkehr zum P e r j v « a l k > e M t, wie er in der Vorkriegszeit bestanden habe, zu erzielen sei. Man müßte wieder dazu kommen, daß man den Holzkäufern den Kaufpreis etwa auf sechs Monate zinsfrei stundele. Nur dadurch könnte der Holzabsatz wieder gehoben werden. Der Redner betonte, daß die bayerische Landesforstverwaltung bereits diesen Weg zum Teil beschritten habe. Gelegentliche Verluste müsse man als Schicksalsschläge ausnehmen. Es sei sicherlich möglich, gegen böswillige und unsolide Holzkäufer durch Ausstellung einer Schwarzen Liste vorzugehen, den bei dem bisher geübten System der hypothekarischen Sicherung habe die Forstwirtschaft keine guten Erfahrungen gemacht.
In der Debatte fanden diese Ausführungen nicht allgemeine Zustimmung, sondern es wurde betont, daß man eine Sicherung durch Wechsel des Käufers und des Abnehmers haben müsse.
Schwierige Landung oes „Graf Zeppelin".
Friedrichshafen. Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist nach einer kurzen Werkstättenfahrt wieder nach Friedrichshafen zurückgekehrt. Wegen des sehr starken Westwindes konnte die Landung aber erst erfolgest, nachdem die Landemannschasten wesentlich verstärkt worden waren.