^ersfel-erTageblatt
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Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Seerose!» Ls.“'™™f^
Hersfelöer KreisblaK
mit den Bellsaea: Illustriertes Anterhaltuugsdlatl / Nach AeLerabeuv / Serv und ©ctotte / Anterbsttuug uov Wisse o Belebruus sub Kurzweil / Wirtschaftliche Taaesfraaeu-
Nr. 264 Mes Nach Sonnabend, den g. November 1929
79. Jahrgang
Neoe Männer an die Front, i
Rastlose Arbeit. — Helfer der Gesamtheit. 1 Gesteigerte Hilferufe.
Ein Vorkriegskanzler, ein Kriegs- und ein Nach- kriegskanzler sind innerhalb weniger Wochen in die Ewigkeit abberufen worden. F ü r st B ü l o w, der in den für den unseligen Verlauf der Weltpolitik entscheidenden Jahrzehnten die deutsche Politik zu leiten berufen war, Prinz Max von Baden, dem nur die tragische Mission zu erfüllen blieb, die Feinde um Bewilligung eines Waffenstillstandes zu bitten und die kaiserliche Gewalt in die Hände neuer Machthaber überzuleiten, und schließlich Gustav Stresemann, der in abermals gefährlicher Zeit die Aufgabe übernahm, den Ruhrkrieg zu liquidieren und danach in mühsamer Annäherungs- und Aufbauarbeit die Wiederkehr geordneter Zustände in Deutschland, die langsame Gesundung unseres ganzen Staatswesens zu versuchen. Wir wissen alle, wie wert wir heute noch von diesem Ziel, das er sich gesteckt hatte, entfernt sind; daß Fortschritte, die gemacht werden, immer wieder durch Rückschläge, sei es in der inneren, sei es in der äußeren Politik, in ihrer Auswirkung zurückgedrängt werden, und daß namentlich unsere Wirtschaft kaum noch den Mut findet, mit einiger Zuversicht ans Werk zu gehen, nachdem zum Beispiel allein der Kurswert der deutschen Aktien seit Jahresbeginn sich um vier b r s fünf Milliarden verringert hat. Trotzdem bleibt dem deutschen Volk keine andere Wahl, als in der rast losen Arbeit zu beharren, um die es in der Welt so viel bewundert wird, und zu seinen Führern und Beauftragten ohne Rücksicht auf Eitelkeiten und, Streitereien nur solche Männer zu berufen, von denen mit Grund erwartet werden kann, daß sie sich in schweren Zeiten als starke Persönlichkeiten, als uneigennützige Helfer der Gesamtheit bewähren werden. Die abschreckenden Erfahrungen, die jetzt die Reichshauptstadt mit ihren obersten Perwaltungsbeaucken durchwacht, reden, ja Wohl eine hinreichend deutliche Sprache. Ob neue Minister zu ernennen oder neue Abgeordnete oder Stadtverordnete zu wählen sind, immer sollte solchen Entscheidungen eine a tt s .cd . r -n .undnatttr-
tich ancki auf Verstand und Wissen vorawgPm, damit die Öffentlichkeit keinen Schaden nehme.
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Wir bekommen demnächst einen neuen Reichswirtschaftsminister, und schon erheben sich warnende Stimmen, daß man sich vorsehen müsse bei ferner Auswahl, auf daß nicht bestimmte Wirtschaftsgruppen ihn als ihren besonderen und eigentlichen Beauftragten und Bevollmächtigten im Schoße des Reichskaburetts zu behandeln sich berechtigt fühlten. Davon wird ernsthaft, gleichviel, wer schließlich als Nachfolger von Dr. Curtius ausersehen wird, keine Rede sein. Aber in keinem Falle wird er die schon fast auf den äußersten Ton der Not gesteigerten .Hilferufe überhören können, die in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gedrungen sinir Airs der einen Seite waren es die in einer besonderen Parteigruppe zusammengefaßten Teile der christlichen Landbevölkerung und der Bauernschaft, die der Regierung eine stärkere Berücksichtigung der gefährdeten Interessen der Landwirtschaft zur Pflicht machten: mib auf der andern Seite übergab der volksparteiliche Reichsausschutz für Handel und Industrie programmatische Forderungen der Offen«' lichkeit, die durchaus beachtenswert sind. Die Wirftchaft, die Erzeugerin der Lebenskraft des Volkes , und die Trägerin der sozialen Aufgaben des Staates sei, so heißt es hier, bis zur'letzten Neige von dem zur Bewältigung der Produktion erforderlichen Kapital, entblößt die Steuerkrast ausgeschöpst, der öffentliche Finanzbedarf weit über das erträgliche Maß hinaus gesteigert, der Kasten- bedarf vielfach ungedeckt und die öffentlichen , Körperschaften stark verschuldet. Deutschland sei eures der teuersten Erzeugungsländer von Europa geworden. Bei der Fortdauer der jetzigen Zustände sei dre. Erschütterung auch der sozialen Einrichtungen bis in die Grundfesten unabwendbar. Also: Abbau der öffentlichen Jucgaben um jeden Preis, Abbau der Steuern, Reichsreform und Verfassungsreform behufs einheitlicher Neuordnung und Sicherung der staatlichen Zustände. Gewiß gibi es Kreise, die nicht alle diese Forderungen sich zu eigen machen werden. Aufgabe der zuständigen Stellen muß es fern, hier die Meinungskluft zu Überdrücken. Es gibt hier also ein reichesArbeitsprogramm für Reichstag und Reichsregierung, das verdient, neben nnb irot; aller Tagesskanda^ ' ernsthaftesterAnfm: ^ndelt
zu werden. ______
Stadt und Land
Notruf der ländlichen Kommunen.
Vertretertag der preußischen Landgemeinden
In Berlin traten der Gesamtvorstand und die Vertreterversammlung des Verbandes der preußischen Landgemeinden zusammen. Der Vorstand faßte eine Entschließung ab als Vorlage für den Vertretertag der Provinzen,
in der es u. a. heißt:
Der Verband der preußischen Landgemeinden, dessen Vertreter zur diesjährigen Jahrestagung in Berlin zusammen- ' ' 1 ' aß die in der vorjährigen Entschließung ge
forderte Stärkung und Befestigung des kommunalen Selb st Verwaltungsrechtes in den Gemeinden int vergangenen Jahre keine Fortschritte gemacht hat. Die für den kommenden Winter in Aussicht gestellte Neuregelung der Gemeindeverfassungsgesetze muß eine zentralisierende Bureaukratie vermeiden und die bisher nur in der Theorie verheißene Parität zwischen Stadt und Land ver-
treten, bedauert,
toU£G§ ist notwendig, wieder eine l e v e n d i g e M i t a r b e i t des Geineindebürgers an der gcmemdlrchen Vermal-
r g e r s an der gcmerndUchen Verwar- Diese lebendige Mitarbeit ist am besten in den kleinen und mittleren Gemeinden durchführbar.
tung zu ermöglichen.
itzgemeinden darf daher nicht mehr in ße, sondern nur in Sonderfällen unter- ' ;e von Reich und Staat
Die Schaffung von Gro
dem bisher üblichen Maß^, ,u»v^»» „».
stützt werden. Angesichts der Finanzlage ....
sind Einfachheit und Sparsamke,t auch m der Selbstverwaltung in hohem Maße geboten. Diesen Grundsätzen widerspricht die Schaffung künstlich, fahrungsgemätz weder eine genügen
widerspricht die Schaffung künstlicher Großgemeinden, die erfahrungsgemäß weder eine genügende Mitarbeit des einzelnen Bürgers noch die gebotene Sparsamkeit ermöglichen.
Die auf dem Gebiete gemeindlichen Verfassungsrechts verlangte Parität muß besonders bei
der bevorstehenden Finanzreform
zum Ausdruck kommen. Die von dem preußischen Fmanz- minister und von den Großgemeinden immer wieder empfohlene Wiedereinführung des kommunalen Zuschlagsrechts zur Einkommen- und Körperschaftssteuer ist ohne Möglichkeit der gemeindesteuerlichen Erfassung des^unterhalb des steuer- feeien tristen ^Minimums lic .end - Einkommens .praktisch wertlos und daher abzulehnen. Dre L-urchsugruug ves betanu- ten Sparerlasses des Ministers des Innern, der gerade
aus die von alten Seiten als notwendig anerrannte Senkung der Realsteuerzuschläge abzielt, muß an den tatsachcichen Verhältnissen scheitern, da die zwangsläufigen .Ausgabe n der Gemeinden durch die Maßnahmen von Reicy und Staat nicht vermindert, sondern im Gegenteil vermehrt wor-
be>t Güte große Zahl von Gemeinden steht durch die bereits seit dem Jahre 1925 fälligen, aber bis jetzt noch nicht gezahlten Verwaltungskostenzuschüsse der Reichsbahn und der Reichspost vor dem finanziellen Zusammenbruch.
Von der Reichsregierung wird erwartet, daß sie endlich wenigstens in entsprechender Höhe den Gemeinden B o r - s ch ü s s e leistet und außerdem die endgültige Regelung mit größter Beschleunigung herbeiführt. finanzministers, zur Erhöhung der ß
rdguluge Regelung mit .. Die Pläne des Reichs- tnanzministers, zur Erhöhung der Einnahmen der Gemeinden gvecks Herabsetzung der Realsteuern einen V e r w a l t u n g s- ostenbeitrag und eine reichsrechtlich zu regelnde G c - " lest euer einzuführen, sind in diesem Zusammenhänge eachtlich. Der Plan der Einführung einer G e 1 r a n k c- erscheint den Gemeinden nur annehmbar, sofern biqc ^Ubsreebtlich einaeiübrt. erhoben und das Auflommel
trän
sehr bea,
Heuer eriweini oen ©enicmuui um uumyinw.., i^.“ ~—i- Steuer reichsrechtlich eingesührt, erhoben uitd das Aufkommen aus die Gemeinden anteilsmäßig nach der Bevolkernngszayl verteilt wird. Der notwendigen Senkung der Realsteuern würde ferner gedient werden, wenn der Kreis der Gewerbe- steuerpflichtigen durch Einbeziehung der freien Bcru , e
Angesichts der veränderten wirtschaftlichen Verhältnissellnd der Tatsache, daß bisher nur das immobile Kapital im Wege der Realsteuern zur Bestreituilg der Gemeindelasten Herau- gezogen werden kann, erscheint der Gedanke einer glctc.)- artigen Heranziehung des s" o b i' c n K a p t t a . s vom Standpunkt steuerlicher Gerechtigkert aus sehr beachcktch.
Alle diese Reformpläne können auch bei restloser Verwirklichung die allseitig beklagte bisherige Zurücksetzung der kleinen und mittleren Gemeinden auf steuerlichem Gebiet nutzt
aüsgleichen. Notwendig ist vielmehr die schleunige Durch- führung eines gerechten zwischengemeindlichen
° ^Der "Verband der preußischen Landgemeinden spricht die bestimmte Erwartung aus, daß seine bis ins einzelne gehenden Vorschläge bei Reichs- und Staatsregierung sowie in den Parlamenten jene Beachtung senden, aus dre das mehr als dre Halsie der gesamten ^^nzk'vhner DentschtanÄs zahlon^ ^anv- volk und die Landgememoen Anspruch haben.
Em Interview Gevsrmgs.
Republikschutzgesetz und Volksbegehren.
Reichsminister deS Innern, Severing, gewährte dem Vertreter des „Suomen Sosralrdenrokraattr , Paul Olberg aus Helsingsors. <e Unterredung, m der er aus eine Reihe von Fragen über die Stellung der Rechtsorganisationen in Deutschland und über das Volksbegehren antwortete. Der Minister erklärte, daß dre Deutschnationale Volkspartei, die Nationalsozialisten und der Stahlhelm keine unmittelbare Gefahr für den Bestand der Republik darstellten. Die Machtmittel der Republik seien stark genug, um jeden gewaltsamen Anschlag im Keime zu ersticken. Der Kamp.f der Regierung gegen die
antirepublikanischen Parteien bestehe zunächst in öem Bemühen um Besserung der deutschen Wirtschaft.
Auf eine Frage bezeichnete Minister Severing das geplante Republikschützgesetz, dessen wichtigste Bestimmungen nicht in den Strafandrohungen, sondern in der Auflösungsermächtigung an die Behörden liege, als ausreichendes Mittel znr Bekämpfung der antirepublikanischen Organisationen. =
Zu den letzten Erkundigungen des Pressevertreters über die innenpolitische Bedeutung und die Ergebnisse des Volksbegehrens erklärte der Minister: „So bombastisch ist noch keine politische Aktion in Deutschland eingeleitet worden und so kläglich auch noch keine geendet, wie dieses Volksbegehren der Männer, die Vorgaben, Deutschland freizumachen. Für die Republik bedeutet der Ausgang des Volksbegehrens die glänzendste Rechtfertigung ihres Abwehrwillens. Eine entschiedene Bekundung dieses Willens hat genügt, den ganzen Spuk eben als Spuk zu entlarven." _ : .1 4i—Lsyai- yyj«<6el
Die Ehescheidungsresorm veriagi.
Wichtige Arbeiten der nächsten Zeit.
über die Besprechung der Reichsregierung mit den Parteiführern int Reichstage am Freitag nachmittag wurde folgendes amtliches Kommunique ausgegeben:
„Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand nachmittag unter Beteiligung der Reichsminister der Justiz und des Innern, von Gu « rard und Severing, eine Besprechung mit den Fraktionsführern der Regierungsparteien und den beiden Vorsitzenden des Rechts- und Strafrechtsausschusses, Abg. Kahl und Landsberg, über den weiteren Arbeitsplan dieser beiden Ausschusse des Reichstages statt. Er herrschte Übereinstimmung darüber, daß neben der weiterhin mit aller Kraft zu fördernden Strafrechtsreform die Vorlagen über die rechtliche Stellung der unehelichen Kinder und über das Standesherrengesetz vordringlich behandelt werden müssen. Hinzu kommt noch demnächst das Republik- s ch u tz g e s c tz. Dagegen werden die Regierungsparteien sich hinsichtlich der Ehescheidungsreform dafür einsetzen, daß sie vor der parlamentarischen Erledigung des Y o u u g - P l a n e s, der Finanzreform und des Haushaltsplanes im Rechtsausschutz nicht zur Beratung gestellt werden soll. Der Beratung derEhescherdungs- r e s o r m in dem kürzlich eingesetzten Unterausschuß, der seinem Charakter nach zu offizieller Beschlußfassung nicht berufen ist, soll dagegen Fortgang gegeben werden.
Zu diesem amtlichen Kommunique wird noch ergänzend mitueteilt, daß dem Rechtsausschuß außer den genannten Vorlagen eine solche Fülle von dringendem Material zur Beratung überwiesen ist, daß tatsächlich mit per Beratung über die Ehescheidungsreform in naher Zeit nicht zu rechnen ist.
Vluttat eines französischen Unteroffiziers in Lands».
L a n d a u. In einer hiesigen Kaserne erschoß ein Unter- offizier des 8. französischen Dragonerregiments nach einem Wortwechsel seine Frau. Dann brächte er sich selbst einen tödlichen Schutz bei. Er soll betrunken gewesen sein.
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Reichsresierung
und GetreibehandelsgeseSschast.
Neue Maßnahmen.
Der Vorstand der Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen, Dr. Baade, tritt mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat der Getreideiildustrie und -kommissions-A.-G. aus. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bestellt ihn unter Abberitfung des bisherigen Kommissars zur Wahrnehmung der Rechte der Reichsregierung bei der Getreidehandelsgesellschaft. Gleichzeitig hat die Getreideindustrie und -kommissions- A.-G. sich bereiterklärt, dem Beauftragten des Reichsernährungsministers jederzeit zu gestatten, an den Sitzungen ihres Aufsichtsrates, der Ausschüsse des Aufsichtsrates und des Vorstandes teilzunehmen und außerdem in die Geschäftsführung der Gesellschaft jeden Einblick zu nehmen, den der Minister oder er für erforderlich hält.
Wie bekannt, haben die Direktionen der beiden Gesellschaften gleichzeitig eine namhafte Persönlichkeit aus dem Genossenschaftswesen ausgenommen, so daß hiermit eine zweite Verbindung hergestellt wird. Diese Maßnahme beabsichtigt, eine Sicherheit dafür zu geben, daß das Nebeneinander- und unter Umständen sogar Gegen- einanderarbeiten zweier Gesellschaften verhindert wird, die beide letzten Endes mit öffentlichen Geldern arbeiten, wenn sie auch nicht die gleichen Aufgaben haben. Weitere Schritte sind nicht beabsichtigt, insbesondere nichts der einen oder anderen Gesellschaft eine monopolistische Stellung zu verschaffen.
Ieifeßung des Prinzen Rar von Baden.
DasTrauergefolge.
Das kleine Dorf Salem sah Freitag die Beisetzungsfeier des Schloßherrn, der einst Thronsolger des Landes Baden und der letzte Reichskanzler des kaiserlichen Deutschlands war. Die Trauergäste aus dem Reich kamen in Autos und mit der Bahn: der Reichsernährungsminister Dietrich für die Reichsregierung, Reichstagspräsident Löbe, sämtliche badischen Minister und ebenso vollzählig das Präsidium des Badischen Landtages.
Unter den Trauergästen berauben sich auch der Herzog und die Herzogin von Braunschweig, der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und der Großherzog von Hessen. Der. ehemalige Kaiser hatte sich durch den Prinzen A d a l b e r t v. Preußen (in Admiralsuniform) vertreten lassen, der am Sarg einen Kranz niederlegte. Ferner hatten Kränze niederlegen lassen Reichspräsident v. Hindenburg, der König und die Königin von Schweben,, das deutsche und das schwedische Rote Kreuz, der Badische Landtag, der Reichstag und zahlreiche Städte und Organisationen. Unter den Tausenden von Beileidskundgebungen waren Telegramme des spanischen, des englischen und des italienischen Königs.
Die Trauerrede an der Bahre hielt Pastor S ch m i t t - heun er aus Karlsruhe. ------