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Hersfelöer Kreisblatt
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mit den Stellagen: Illustriertes Anterhaltungsblatt / Auch Meierabenö / Herv anö Scholle / linterbaOMä Belehrung uuö Kurzwell / Wirtschaftliche Sasesfrageu.
Nr. 262
Donnerstag, den 7. November IgZS
7g. Jahrgang
Lehren des Eklarek-Skandals
Leider geht es den Berliner städtischen Behörden schon so wie im Altertum den Kretern, von denen der Apostel Paulus bekanntlich geschrieben hat, daß „ihr Ruf nicht fein" sei. Denn der Sklarek-Skandal wächst und wächst, die „Auswertung" der Geheimkonten, die von dem edlen Trio angelegt worden waren, haben zur Verhaftung von zwei Berliner Stadträten geführt, und in Berlin gibt es Wohl niemanden, der sehr von der Kunde überrascht werden würde, daß sich die Pforten des Moabiter Untersuchungsgefängnisses auch noch hinter anderen städtischen Beamten geschlossen haben. Weil — und das ist vielleicht das traurigste daran — die Geld- und sonstigen Lockungen der Sklareks offenbar bei recht vielen höheren Beamten Berlins auf recht geringen Widerstand gestoßen sind.
Und wo nicht direkt strafrechtliche Vergehen erfolgten, da ist doch ein bedauerlicher Mangel an dem festzustellen, was man am besten mit „Korrektheit" bezeichnen möchte. Oder als peinlichste Sauberkeit. Sie ist ja heutzutage noch viel nötiger als früher. Denn überaus zahlreiche Kommunalbeamte, Stadträte und -verordnete sitzen ja in rein wirtschaftlichen Zwecken dienenden städtischen Unternehmungen, haben Entscheidungen von größter finanzieller Bedeutung zu treffen, stehen sozusagen mitten im Wirtschaftsleben drin — und müssen doch immer nur Beamte, Diener des Wohls ihrer Kommune sein, wächst die Versuchung zu gefahrdrohender Größe, mancher ist ihr schon erlegen.
Katastrophe in der Luft
Und die Kontrolle? Die
Da
So
Beaufsichtigung von r in Gerichtsurteilen,
oben? Leider muß man immer wieder in Gerichtsurteilen, die über ungetreue Beamte ausgesprochen werden, in der Begründung den Satz lesen, daß unzureichende Kontrolle dem Schuldigen erst sein Tun ermöglicht hätte und ihm deswegen mildernde Umstände zuerkannt würden. Und man darf die Frage aufwerfen — die z. B. auch durch die Anklagen gegen verschiedene Mitglieder der obersten Stadtbehörden Berlins geradezu brennend geworden
sogar entscheidend daran, daß diese Unternehmungen allmählich einen unübersehbaren Umfang angenommen haben? In Berlin z. B. gibt es deren weit über 150 und sie sind teilweise Riesenbetriebe.
Ein deutsches Flugzeug
in England abgesturzt.
Sechs Personen getötet.
Das deutsche Verkehrsflugzeug „D. 903", das Mittwoch vormittag um 9 Uhr 45 den englischen Flugplatz Croydon mit der Bestimmung Amsterdam—Berlin verlassen hatte, ist in der Nähe der Ortschaft M a r d e n Park in der Grafschaft Kent brennend abgestürzt. Das Flugzeug hatte vier Passagiere und vier Mann Besatzung. Von den Insassen sind der Kunstflieger Prinz E r n st zu Schaumburg-Lippe, der einzige deutsche Passagier an Bord, und der englische Kapitänleutnant G lenkt d st o n e (?) mit dem Leben davongekommen. Sechs (nach einer anderen Meldung fünf) Personen fanden den Tod.
Die jetzt abgestürzte Maschine wurde im Jahre 1926 zu dem Flug Berlin — Peking benutzt. Es war eine große Junkers-Maschine vom Typ G. 24, die von dem bekannten Flugkapitän Bruno Rodzinka gesteuert wurde. Sein Begleiter, der Funker N i ck l a s, ist mit ihm ums Leben gekommen, während das von dem Bordwart Willi Ulrich nach den ersten Meldungen noch nicht mit Sicherheit feststeht.
Unsichtiges Wetter.
Das Unglück ist wahrscheinlich auf vollkommen unsichtiges Wetter zurückzuführen. Es wird angenommen, daß die Maschine im Nebel gegen einen Berg oder ein anderes Hindernis geflogen ist und daß dadurch der Brand entstand. Aus derselben Ursache ist vor längerer
Zeit einmal ein Flugzeug zwischen Hannover und Berlin abgestürzt.
Prinz Ernst, Vertreter von Benz-Mercedes.
Der verunglückte Prinz Ernst zu Schaumburg-Lippe war vor einigen Tagen als Vertreter der Firma Benz-Mercedes nach London gekommen. Er hat schwere Verbrennungen erlitten. Als man ihn fand, war er bei vollem Bewußtsein, dann aber verlor er die Besinnung. Er liegt im Hause eines Arztes in der Nachbarschaft des Absturzorts.
Das deutsche Verkehrsflugzeug London—Berlin (drei- motorige Junkersmaschine von dem hier gezeigten Typ), das kurz nach seinem Start von dem Londoner Flugplatz Croydon brennend abstürzte. * * —" "
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Die mehr als nur unerquicklichen Vorgänge in Berlin haben unstreitig die Front derer gestärkt, die in letzter Zeit immer lauter Einspruch erheben gegen dgs Vordringen der Kommunen in das wirtschaftliche Gebiet fast jeder Art hinein. Allerdings ist diesem Streben vieler Stadtverwaltungen jetzt , eine ziemlich feste Grenze gesetzt durch die Unmöglichkeit, so wie noch in den ersten vier Jahren nach Überwindung der Inflation, im Ausland Anleihen aufzunehmen. Die mehrfachen Versuche, als Ersatz dafür auf Dem inländischen Geldmarkt größere Anleihebeträge hereinzuholen, haben nur geringe Erfolge gezeitigt, und es ist schon längst teilt Geheimnis mehr, daß sich sehr, sehr viele Städte in ganz erheblichen, teilweise geradezu katastrophalen F i n a n z sch w i e r i g k e i t e n befinden. Da heißt es denn bald, allerlei Pläne zurückzustellen, sich darauf zu beschranken. daß man notdürftig über Wasser bleibt, nur dringend Notwendiges durchführt. Und es ist nach mancher Richtung hin gut so. Der Deutsche Stadtetag selbst hat ja vor kurzem wieder einmal betont und gemahnt, strengste Spar f a m k e i t walten zu lassen, jede Luxusausgabe zu vermeiden.
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Natürlich führen die Verteidiger der kommunalen Ausdehnungstendenzen das Prinzip der Selbstverwaltung für sich ins Gefecht. Aber diese ist doch nicht Selbstzweck, sondern dazu bestimmt, das Wohl der „Bürger" zu wahren und zu steigern. Geschieht das aber wirklich immer, wenn halb- oder ganzstädtische Betriebe fast hemmungslos ausgedehnt, neue wahllos geschaffen werden? Hier wäre an recht zahlreichen Stellen weniger Geschäftigkeit das Bessere, selbst wenn z. B. ein Bezirksamt der Stadt Berlin ein - Sargbeschasfungsgeschäft eingerichtet hat! Viele Städte stecken, aus Mangel an Anleihen, bis zum Hals in kurzfristigen Schulden und versuchen .es diese durch Inanspruchnahme von Sparkassengeldern tu langfristige umzuwandeln, wie es der Städtetag angeraten hat. Das ist ein nicht ungefährliches Beginnen, schränkt auch der Privatwirtschaft die Möglichkeit ein, bei diesen Instituten namentlich für BauzweckesichHypothekar- kredite zu verschaffen. Gerade diese Konkurrenz der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft auf dem in- nnb — früher — auch ausländischen Kreditmarkt hat ja die Angriffe auf die wirtschaftlichen, mancherorts übertriebenen Ausdehnungstendenzen der Kommunen so heftig werden lassen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ja die Städte, gestützt auf ihre allgemeine Steuerkraft, hinsichtlich der von ihnen gewährten Anleihebedingungen sehr wert gegangen sind und manches Mal dabei die Grenze der Rentabilität solcher Kredite nicht beachteten. Da kommt die Privatwirtschaft, die an dieser Grenze Haltmachen muß, natürlich nicht mit. Gewiß ist der Begriff des Notwendigen" auch auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Betatigung der Kommunen ein dehnbarer; aber die Erfahrung — und nicht zuletzt die jüngsten Vorkommnisse in Berlin — lehren doch nicht zuletzt, daß es zweckmäßig ist, diesen Begriff recht eng zu fassen. ________
5$ M, Kanzler des Kaiserreiches.
In den letzten Tagen ließen die aus Konstanz einlaufenden Nachrichten vom Befinden des Prinzen Max von Baden fast keinen Raum mehr für Hoffnungen. So ist denn auch die erwartete Katastrophe eingetreten. Es trat nach kurzer vorübergehender Besserung wieder eine Verschlimmerung ein und Mittwoch früh entschlief der Prinz ruhig und ohne Schmerzen im Städtischen Krankenhause zu Konstanz.
Die Überführung der Leiche wird nach Salem, dem letzten Wohnsitz des Prinzen, erfolgen. Die Beisetzung findet voraussichtlich in der dortiaen Familiengruft am
Prinz Max von Baden als Reichskanzler verläßt 1918 das Reichstagsgebäude. Neben ihm der Abg. von Payer (mit Vollbart).
Freitag statt. Zur Beisetzung werden sämtliche' Verwandten des Prinzen und seiner Gemahlin erwartet. Auch die frühere Großherzogin von Baden wird an den Bei- setzungsfeierlichkeiten teilnehmen. Die Mutter der Prinzessin, die Herzogin von Cumberland, ist in Konstanz eingetroffen. Der Prinz ist 62 Jahre alt geworden. Als Nachfolger des Grafen Hertling war er der achte und zugleich der letzte Kanzler des Deutschen Kaiserreiches, von denen heute nur noch einer, nämlich Michaelis, unter den Lebenden weilt. Nach der Abdankung des Kaisers übergab Prinz Max von Baden das Amt des Reichskanzlers in die Hände Eberts. Er zog sich dann auf seine oberbadische Besitzung Salem am Bodensee zurück.
zog sich dann auf seine Bodenfee zurück.
Beileidsbezeugungen.
Der Reichspräsident von Hin den bürg hat der Prinzessin Max von Baden zum Ableben ihres Gemahls telegraphisch seine herzliche Teilnahme ausgesprochen. Der Reichskanzler hat an die Gattin des Prinzen Max von Baden ein Beileidstelegramm gerichtet, in dem es heißt: „In Deutschlands schwerster Not hat Prinz Max seine ganze Kraft dafür eingesetzt, das schlimmste Unheil
von unserem Paterlande avzuwenven. Das deutsche Volk wird ihm für diese mannhafte Tat, die seiner vornehmen, Dienste höheres iriuteÄA‘«
entsprang, dankbare und ehrende Erinnerung bewahren.
Die Besprechungen beim Reichskanzler.
Reichstag am 2 7. November.
In der Mittwoch abend unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Fraktionsführerbesprechung herrschte darüber Einigkeit, daß dem Ältestenrat des Reichstages die Einberufung des Reichstages für den 27. November vorgeschlagen werden soll. In dieser Tagung soll zuerst neben anderen dringenden Aufgaben, wie dem Republikschutzgesetz und dem Gesetz über ältere staatliche Renten (Standesherrengesetz), das Volksbegehren beraten und verabschiedet werden. Des weiteren waren die Regierungsparteien der Ansicht, daß der Volksentscheid sobald als möglich durchgeführt werden sollte. Die Regierung erklärte daraus, daß der Volksentscheid noch in diesem Jahre durchgeführt würde.
Daraus ergibt sich, daß die von verschiedenen Seiten geäußerte Besorgnis völlig unbegründet ist, als könnte durch die weitere Behandlung des Volksbegehrens und der Volksabstimmung darüber die verfassungsmäßige Erledigung der Beschlüsse der bevorstehenden zweiten Haager Konferenz und des Noung-Planes eine Verzögerung erleiden.
DLs Kolomalmandaie
Deutschlands Interessen.
Der Ständige Mandatsausschuß des Völkerbundes ist zu seiner 16. Tagung zusammengetreten. Zur Behandlung kommen in dieser Tagung die Jahresberichte über die englischen Mandatsgebiete Irak, Kamerun und Togo, über das belgische Mandatsgebiet Uganda, das japanische Mandatsgebiet der pazifischen Inseln und das neuseeländische Mandatsgebiet von West-Samoa.
»atSgebiet Uganda, das japanische Mandats- isischen Inseln und das neuseeländische Man- -----gebiet von West-Samoa.
Die wichtige Frage einer weitgehenden Zusammenlegung der englischen Mandats- und Kolonialgebiete in Ostasrika, die bereits in.der letzten Tagung des Mandatsausschusses angeschnitten wurde und bei verschtedeneu Mitgliedern, vor allem auch bei Geheimrat K a st l, auf starke Bedenken gestoßen war, ist im September vom Völkerbundrat und der Bundesversammlung behandelt worden. Der vom Vorsitzenden des Mandats-
aus
es, T h e o d o l i-Italien, darüber erstattete Bericht erinnert' nachdrücklich an die vom verstorbenen Reichsaußenminister Dr. Stresemann damals abgegebene Erklärung, in der er, unterstützt vom italienischen Ratsmitglied Scialoja, den temporären Charakter der gegenwärtigen Verteilung der Mandatsgebiete unterstrichen und damit auch die Souvc«. ränitätsansprüche gewisser Mandatsmüchte abgelehnt hatte.
Heuer italienischer Sotsthaster in Berlin.
L. Orsini-Varoni ernannt.
Der bisherige italienische Botschafter bet der Türkei, L. Orsini-Baroni, ist nach einer Meldung der amtlichen römischen Agentur Stefani als Nachfolger des Botschafters Graf Aldrovandi-Marescotti nach Berlin versetzt worden. Graf Aldrovandi wird zur Verfügung . des Ministeriums des Auswärtigen gestellt. Nach Angara kommt an die Stelle Orsini-Baronis der italienische Botschafter in Tokio, Aloisi.